Mira: Gollum/Smeagol ist ziemlich durchtrieben. Ich habe das versucht herauszuarbeiten. Weil er so gut ankommt, wird er im übernächsten Kapitel wieder auftauchen.

Ali: Ich schätze, dass es in Kiel inzwischen auch Sommer ist, oder? Bei uns unten im Süden ist es heute wieder richtig heiß. Zu Legolas: Ja, er wird sicher noch eine Rolle spielen in dieser Geschichte.

Ann: Danke für dein dickes Lob! Es hat mir großen Spaß gemacht, über Gollum zu schreiben. Und wie oben schon erwähnt, wird er noch mal vorkommen.

Pemaroth: Aragorn ist ein zäher Kerl, der ziemlich schnell wieder auf die Beine kommt. Dass Gollum den Waldelben davongelaufen ist, ist ja eine bekannte Tatsache. Danke für dein dickes Lob!

Leonel: Gollum wird wieder auftauchen und neuen Ärger machen! Jawohl/grins/

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Kapitel 13: Rückkehr nach Fornost

Aragorn hatte es sehr eilig nach Eriador zurückzukommen. Faramir beobachtete ihn besorgt: die Verletzung und das Fieber hatte der ältere Waldläufer immer noch nicht so ganz verdaut. Aber vom Ausruhen wollte Aragorn nichts wissen. In den Nächten am Lagerfeuer schlief er jedoch wie ein Toter. Und Faramir übernahm oft freiwillig die Wache. Auf dem Heimweg ritten sie nicht über Bruchtal, sondern nahmen gleich den direkten Weg über Bree. Irgendwie freute sich Faramir, als er die kleine Stadt wiedersah. Die Gegend wirkte schon fast heimatlich für ihn. Vor dem „Tänzelnden Pony" hielt Aragorn sein Pferd an.

„Na, hast du Lust auf Butterblume's unvergleichlichen Eintopf, Faramir?" fragte er grinsend.

Dieser nickte begeistert.

Wie immer war die Schänke brechend voll. Doch Wirt Butterblume organisierte für die beiden Waldläufer rasch noch zwei Sitzplätze. Faramir sah sich zufrieden lächelnd in der Gaststube um, während er von seinem Bierkrug trank. Plötzlich entdeckte er Eduard Hornbläser, seinen kleinen Hobbit-Freund. Dieser hatte sich gerade mit seinem Bierkrug auf einen Tisch gestellt und schwang eine große Rede. Neugierig stand Faramir auf und ging langsam auf den Tisch zu, an welchem ein ganzes Rudel Hobbits saß. Eduard hielt mit seiner Rede inne, als er den jungen Waldläufer entdeckte.

„Faron!" rief er freudig. „Was für eine Überraschung! Willst du nicht bei uns mitfeiern? Ich habe heute meinen 50. Geburtstag."

„Danke, aber ich bin nicht alleine hier," erwiderte Faramir höflich. „Streicher ist bei mir."

„Streicher soll ruhig mitfeiern," meinte Eduard gutgelaunt. „Auf einen Esser und Trinker mehr oder weniger kommt es mir nun auch nicht mehr an."

Kurz darauf setzten sich die beiden Waldläufer zu den Hobbits dazu. Aragorn hatte eigentlich keine große Lust zum Feiern, aber Faramir zuliebe nahm er an dem Fest teil. Eduard stellte nun alle Hobbits am Tisch vor, und das waren nicht wenige. Den beiden Waldläufern schwirrte schnell der Kopf von den vielen Namen: Hornbläsers, Graufußens, Rotrockens, Tuks und Brandybocks. Faramir und Aragorn ahnten nicht, dass sie die beiden jungen Hobbits Meriadoc Brandybock und Peregrin Tuk eines Tages an einem besonderen Ort wieder treffen würden.

Merry und Pippin waren die beiden Jüngsten am Tisch und alberten am meisten herum. Doch je mehr sie ulkten und sangen, desto besser wurde die Stimmung am Tisch. Schon bald tanzten Merry und Pippin auf dem großen Tisch herum und gaben ein Lied nach dem anderen zum Besten. Faramir ließ sich von der guten Stimmung anstecken: er klatschte und sang begeistert mit. Aragorn jedoch blieb ruhig. Gelassen zündete er sich eine Pfeife an und machte ein ernstes Gesicht.

„Gefällt es Euch nicht, was wir singen, Herr Waldläufer?" fragte Pippin schließlich dreist.

Alles am Tisch wurde plötzlich ruhig und wartete gespannt darauf, was Aragorn nun sagen würde.

„Könnt Ihr eigentlich nur Trinklieder singen?" fragte dieser herausfordernd. „Ich würde gerne eine herzergreifende Ballade von euch hören. Irgendetwas Trauriges – oder könnt ihr das nicht?"

„Natürlich können wir das," erwiderte Pippin empört und stieß seinen Vetter Merry an.

„Nein, mir fällt jetzt kein trauriges Lied ein, sing du was," meinte dieser zögernd.

„Na gut," sagte Pippin und stellte sich wieder auf den Tisch.

Mit heller, klarer Stimme begann er eine melancholische Weise zu singen.

„Daheim verblasst, die Welt rückt nah..."

Ergriffen lauschten die zwei Waldläufer und die Hobbits. Im ganzen Schankraum war es plötzlich still geworden. So still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Es gab nicht wenige Zuhörer, denen die Tränen in die Augen traten bei dieser traurigen Weise. Als er fertig war, kletterte Pippin langsam vom Tisch. Er ahnte nicht, dass er dieses Lied irgendwann noch einmal vortragen würde, und zwar in der Zitadelle von Minas Tirith, vor dem Truchseß von Gondor.

Nach diesem Lied war die feucht-fröhliche Stimmung dahin. Plötzlich herrschte Aufbruchstimmung und die Geburtstagsfeier fand ein jähes Ende. Faramir und Aragorn bedankten sich bei Eduard für Speis und Trank.

„Das war das Mindeste, was ich für dich tun konnte, Faron," meinte der Hobbit lächelnd. „Du weißt, was ich dir schulde."

Die beiden Waldläufer zogen sich nun in eines der Gästezimmer von Butterblume zurück.

„Es war klug von dir, Faramir, diesem Hobbit nicht zu verraten, wie du wirklich heißt," meinte Aragorn, während er sich zudeckte. „Hobbits sind zwar gutmütige Kerle, aber leider auch einfältig und geschwätzig."

Faramir schwieg dazu. Er lag auf dem Bett und starrte in die Dunkelheit. Das Lied von Pippin hatte ihn irgendwie schwermütig gemacht. Er dachte an all die traurigen Ereignisse in Gondor zurück, die ihn letztendlich von dort vertrieben hatten.

§

Am nächsten Morgen brachen die beiden Waldläufer schon früh nach Fornost auf. Mit den Pferden würde der Ritt nicht allzu lange dauern. Bereits am Abend erreichten sie die zerstörte Stadt.

Manyavel, die gerade eine Krug Wasser vom Brunnen am Rande der Ruinenstadt geholt hatte, ließ den Krug fallen und lief Faramir freudig entgegen. Dieser stieg höflich vom Pferd, als das Mädchen angerannt kam. Sie umarmte den jungen Mann stürmisch.

„Wie schön, dass ihr zurück seid. Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht."

Faramir war ganz verlegen und erwiderte Manyavels Umarmung nur zögernd. Zum ersten Mal seit langem war ihm wieder eine Frau so nahe. Er konnte ihr Haar und ihre Haut riechen: und sie roch angenehm nach Kräutern und Äpfeln. Doch gleichzeitig spürte er wieder den Schmerz über Alatariels Verlust. Er ließ das Mädchen plötzlich los und trat einen Schritt zurück. Es tat ihm richtig leid, Manyavels Zuneigung nicht erwidern zu können. Sie war jung und hübsch. Es war vielleicht besser, wenn sie ihre Zeit nicht länger mit ihm verschwenden würde. Aragorn war inzwischen diskret weitergeritten und führte Faramirs Pferd mit sich.

Faramir überlegte, wie er dies dem Mädchen am besten beibringen konnte. Aber er hatte keine Ahnung. Vielleicht täuschte er sich auch, und Manyavel war doch nicht in ihn verliebt. Doch so, wie sie ihn ansah, mit leuchtenden grauen Augen, gab es eigentlich keine Zweifel. Nun, sie würde irgendwann von selbst merken, dass er ihre Zuneigung nicht erwiderte. So hoffte Faramir jedenfalls.

Sie gingen zusammen in die Stadt hinein, an den Hütten und Zelten der Waldläufer vorbei und der junge Mann erzählte Manyavel ein wenig von den Erlebnissen mit Gollum. Dann sah Faramir Aragorn mit ernster Miene bei Halbarad und den anderen Waldläufern stehen. Irgendetwas wichtiges musste vorgefallen sein.

„Entschuldige mich, Manyavel," sagte er freundlich zu ihr. „Ich muß wissen, was Halbarad zu berichten hat."

„Wahrscheinlich, dass Maruvan verschwunden ist," bemerkte das Mädchen schief lächelnd. „Halbarad ist seit Tagen außer sich deswegen."

Faramir verabschiedete sich rasch von ihr und lief schnell zu den Waldläufern hinüber.

Halbarad und die anderen Waldläufer diskutierten gerade lautstark mit Aragorn herum.

„Was ist geschehen?" fragte der junge Mann erstaunt.

„Hat dir das deine kleine Freundin etwa noch gar nicht erzählt?"spottete Halbarad grimmig. „Wahrscheinlich hat sie das vor lauter Geturtel vergessen."

Faramir sah ihn finster an.

„Manyavel hat mir gesagt, dass Maruvan verschwunden ist, aber mehr nicht."

„Willst du wirklich wissen, warum Maruvan fortgegangen ist?" fuhr ihn Halbarad wütend an.

„Es ist wegen dir! Er konnte sich nicht damit abfinden, dass du Aragorn begleiten durftest."

„Hat er das wohl gesagt, bevor er ging?" hakte Faramir sofort nach.

„Nein, das hat er nicht," antwortete Aragorn an Halbarads Stelle. „Halbarad vermutet das nur. Warum musst du eigentlich schon wieder auf dem Jungen herumhacken? Er hat mir unterwegs das Leben gerettet. Was soll Faramir denn noch tun, um sich würdig zu erweisen?"

Halbarad schwieg betroffen und senkte den Kopf.

„Ich glaube übrigens nicht, dass Maruvan nur wegen Faramir fortgegangen ist," sagte Aragorn zu den anderen Waldläufern. „Ich vermute, dass ihm etwas zugestoßen sein muß. Immerhin ist er jetzt schon seit drei Wochen weg, wenn ich richtig informiert bin."

„Er wurde zuletzt am Evendim-See gesehen," meldete Stavrad, ein junger Dunedain. „Das war vor etwa zwei Wochen."

„Ich möchte Maruvan suchen," sagte Faramir plötzlich.

Alle blickten ihn erstaunt an.

„Wir haben dafür keine Zeit," entgegnete Aragorn streng. „Es wird höchste Zeit, dass wir uns Wintervorräte anlegen und wieder in die Wildnis ziehen. Wir waren viel zu lange hier in Fornost. Wenn wir länger hier bleiben, werden wir im Winter alle verhungern."

„Aber wenn ihm etwas zugestoßen ist, dann können wir ihn doch nicht einfach hängen lassen," fuhr der junge Mann entrüstet fort.

„Du hast am wenigsten Grund, ihn zu suchen,"seufzte Halbarad bedrückt. „Es tut mir leid, was ich vorhin zu dir gesagt habe. Aber Maruvan ist mein Bruder."

Faramir wurde blaß, als er das hörte: diese beiden Männer waren Brüder? Es bestand kaum Ähnlichkeit zwischen ihnen. Maruvan war lang, hager und hatte feine Gesichtszüge. Halbarad war stämmig und hatte ein eher grobschlächtiges Aussehen.

Aragorn fuhr sich durch das dunkle Haar, und dann übers Gesicht. Er dachte lange nach, bevor er entschied.

„Also gut: Faramir und Halbarad, ihr beide werdet Maruvan suchen. Ich gebe euch zwei Wochen Zeit, dann müsst ihr bei uns im Winterlager sein und mithelfen."

Faramir lächelte seinen älteren Freund dankbar an. Halbarad legte seine Hand auf die Schulter des jungen Mannes.

„Wir zwei werden das schon schaffen."

§

Es war ein lauer Spätsommerabend und Faramir ging noch ein wenig im Mondschein durch den nahen Wald spazieren. Plötzlich gesellte sich Manyavel zu ihm. Sie trug ein schlichtes Kleid aus gelbgefärbtem Leinen und hatte ihre Haare zu zwei Zöpfen geflochten. Sie lachte ihn fröhlich an.

„Ich habe dich schon gesucht, Faramir," sagte sie ein wenig vorwurfsvoll zu ihm. „Du hättest mich ja einladen können, mit dir zu gehen. Es ist so ein wundervoller Abend. Bald wird es Herbst und dann werden die Nächte kühl."

Sie hakte sich bei ihm unter und drückte sich ein wenig an ihn.

„Du bist heute so schweigsam, Faramir. Warum sagst du nichts?"

„Morgen werde ich auf die Suche nach Maruvan gehen," erklärte der junge Mann leise.

„Was, du gehst schon wieder fort?" fragte Manyavel beleidigt. „Man könnte fast meinen, du bist nicht gerne hier – bei mir."

„Du weißt ganz genau, dass wir in Fornost nicht ewig bleiben können," sagte Faramir ernst.

„Aber du warst gerade erst mit Aragorn so lange fort. Es waren viele Wochen," meinte das Mädchen traurig.

Sie blieb stehen und scharrte mit ihren Schuhen im Waldboden. Faramir blieb ebenfalls stehen und blickte sie an.

„Was hätte ich denn für einen Grund, hier zu verweilen?" fragte er vorsichtig.

Manyavel trat jetzt ganz dicht vor ihn hin und legte ihre Hände auf seine Schultern.

„Merkst du denn nicht, dass ich dich liebe, Faramir?"

Faramir nahm sanft ihre Hände von seinen Schultern.

„Es tut mir so leid, aber ich kann deine Gefühle nicht erwidern. Du bist eine sehr schöne Frau und hast ein freundliches Wesen. Was kann sich ein Mann mehr wünschen? Doch ich bin nicht derjenige, welcher für dich gedacht ist."

Das Mädchen blickte ihn entsetzt an und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie wich langsam zurück. Sie war zu keiner Antwort fähig. Schließlich drehte sie sich um und rannte schnell davon. Faramir blieb stehen und sah ihr traurig nach.