Mira Wunder: Die „Beziehung" zwischen Faramir und Manyavel ähnelt der von Aragorn und Éowyn. Auch Faramir ist in seinem Herzen nicht frei für diese Frau. Immerhin war er ehrlich zu ihr, auch wenn es weh tat.

Loeke: Faramir hat Alatariel sehr geliebt, auch wenn er nur ein kurzes Stück mit ihr zusammen war. Aber da er in seinem Wesen sehr „elbisch" ist, hat er am Verlust seiner Liebe ein ganzes Stück länger zu knabbern als vielleicht ein anderer Mensch.

Ali: Manyavel wird sicher noch ihr Glück finden. Bei uns im Süden ist es auch bitterkalt für die Jahreszeit: heute hat es 12 Grad. Brrrr!

Leonel: Ja, ich versuche in dieser Geschichte, Faramir möglichst buchgetreu zu beschreiben, obwohl ihm hin und wieder ein kleiner Fauxpas unterläuft. Und im nächsten Kapitel kommt dein „geliebter" Smeagol zurück. /grins/

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Kapitel 14: Unverhofftes Wiedersehen

Faramir und Halbarad brachen bereits im Morgengrauen auf. Da Maruvan zu Fuß losgezogen war, wollten auch sie nicht reiten. Wahrscheinlich war er in den dichten Wälder des Nordens unterwegs, und da würden Pferde nur hinderlich sein. Die beiden Männer hatten nur leichtes Gepäck, Pfeil und Bogen dabei. Der Weg führte sie zunächst zum Evendim-See hin, der in der Nähe von Fornost lag. Es war nur ein Tagesmarsch dorthin und am Abend erreichten sie das Gewässer, das fast ein kleines Binnenmeer war, so groß war es. Die Abendsonne ließ die Wellen des Sees in verschiedenen Farben funkeln und Faramir fand, dass dieser See seinen Namen „Abendrot-See" zurecht verdient hatte. Sie schlugen ihr Nachtlager am südlichen Seeufer auf. Halbarad war noch ein wenig in der Gegend herumgelaufen, um nach irgendwelchen Spuren von Maruvan zu suchen. Er zeigte sich ziemlich wortkarg. Aragorn war dagegen fast geschwätzig. Vezweifelt versuchte Faramir mit Halbarad ein Gespräch zu beginnen, doch er antwortete kaum. Schließlich gab es der junge Mann seufzend auf. Er wickelte sich in seine Decke und legte sich ans verglimmende Lagerfeuer. Mitten in der Nacht wurde er jedoch unsanft von Halbarad geweckt.

„Orks!" zischte dieser nur leise.

Sofort war Faramir hellwach und tastete nach seinen Waffen.

„Wo sind sie – hast du welche gesehen?" fragte der junge Mann aufgeregt.

Halbarad deutete schweigend auf den nahen Wald. Faramir sah zwischen den Bäumen ein Lagerfeuer brennen.

„Ich habe mich vorhin mal hingeschlichen," meinte der ältere Waldläufer gelassen. „Sie haben einen Gefangenen."

„Maruvan?" fragte Faramir vorsichtig.

„Nein, irgendso eine seltsame Kreatur, schwer einzuordnen, welche Rasse das sein könnte,"murmelte Halbarad vor sich hin.

„Vielleicht sollten wir das Wesen befreien," schlug sein jüngerer Gefährte vor.

„Das ist Zeitverschwendung und bringt uns nur in Gefahr," erwiderte der ältere Mann besonnen.

Er legte sich hin und zog seine Decke bis zum Hals hoch.

„Jetzt wirst du Wache halten, mein Freund," wies er Faramir an.

Der junge Mann blickte ihn ärgerlich an, sagte aber nichts. Kurz darauf schnarchte Halbarad. Faramir hielt es jetzt nicht länger aus: er verließ den Lagerplatz und bewegte sich vorsichtig zum nahen Wald. Dann pirschte er sich an das Orklager heran. Die Orks saßen um ein großes Lagerfeuer und waren guter Dinge. Faramir traute seinen Augen nicht, als er den Gefangenen sah, der an einem Baum gebunden war: es war Gollum!

Er jammerte laut herum in seiner typischen, zischelnden Sprechweise, aber die Orks nahmen keine Notiz von ihm.

„Garstige, böse Orksssse! Wollen uns wehtun, mein Schatzzzzz!"

Faramir rieb sich die Augen: das war doch unmöglich! Die Elben hatten den Burschen doch in den Düsterwald mitgenommen. Und jetzt befand sich Gollum hier, viele hundert Meilen weit vom Düsterwald entfernt. Was war passiert?

Plötzlich legte jemand seine Hand auf Faramirs Schulter. Fast hätte der junge Mann vor Schreck aufgeschrieen. Vorsichtig drehte er sich um: es war Halbarad, der ihn finster anstarrte. Vorsichtig bewegte sich Faramir mit ihm wieder aus dem Wald heraus.

„Bist du verrückt geworden?" herrschte Halbarad ihn mit gedämpfter Stimme wütend an.

„Das ist Gollum dort," stieß Faramir aufgeregt hervor. „Wir müssen ihn befreien. Er muß wieder in den Düsterwald gebracht werden."

„Wir haben keine Zeit, uns mit dieser Kreatur aufzuhalten," erklärte Halbarad unwirsch. „Vielleicht haben ihn die Elben sogar wieder laufen lassen. Was kümmert uns das? Du und Aragorn, ihr habt euer Bestes getan."

„Ich werde Gollum befreien und ihn nach Fornost zu Aragorn bringen," erklärte Faramir mutig. „Du kannst derweil deinen Bruder weitersuchen. Ich werde dann nachkommen."

„Wenn du Gollum nach Fornost bringst, dann brauchst du gar nicht erst wieder kommen," sagte der ältere Waldläufer zornig. „Ich werde nicht auf dich warten. Und versuche nicht, mich zu finden. Denn das wirst du nicht."

„Tut mir leid, Halbarad, aber Gollum ist wichtiger als die Suche nach deinem Bruder," sagte Faramir ruhig. „Der Bursche darf auf keinen Fall von den Orks erneut nach Mordor gebracht werden. Er trägt wahrscheinlich ein sehr wichtiges Geheimnis mit sich herum, das Sauron nicht erfahren darf."

„Mach, was du willst!" erwiderte Halbarad barsch und ließ den jungen Mann stehen.

§

Faramir sah ihm fassungslos nach. Warum stellte sich der ältere Waldläufer so stur? Er musste doch wissen, wie wichtig Gollum für Aragorn und Gandalf war. Als er zum Lagerplatz zurückkehrte, musste er feststellen, dass Halbarad bereits aufgebrochen war, und das mitten in der Nacht.

Seufzend packte jetzt auch Faramir seine Sachen zusammen: er wollte alles bei sich haben, wenn er Gollum aus den Händen der Orks befreite.

Leise pirschte er sich zum Orklager erneut vor. Die Orks schliefen jetzt alle. Sie hatten nur einen Wachposten aufgestellt. Auch Gollum verhielt sich jetzt ruhig. Faramir zog seinen Dolch und robbte fast lautlos hinter den Baum, an den die unglückselige Kreatur gefesselt war. Der junge Mann atmete tief durch: wenn er Gollum jetzt losschnitt, musste er damit rechnen, dass dieser vielleicht laut loszeterte. Er musste geschickt vorgehen.

Langsam begann er die Stricke durchzusäbeln. Faramir merkte, dass Gollum jetzt wach war und sich bewegte. Der Ork, welcher Wache hatte, sah zum Glück nicht zum Baum. Faramir presste jetzt eine Hand auf Gollums Mund.

„Ganz ruhig, ich befreie dich jetzt!" zischte er ihm ganz leise zu.

Endlich waren die Stricke durchschnitten und fielen zu Boden. Faramir zerrte jetzt Gollum zu sich in den Wald. Doch als die Kreatur ihn erkannte, begann sie erschrocken aufzukreischen.

„Neeeeeeinn, niiiiiiicht!"

Im Nu war das ganze Orklager auf den Beinen. Faramir fluchte wütend auf, packte Gollum unsanft am Arm und ergriff mit ihm zusammen die Flucht. Doch das missgestaltete Geschöpf wehrte sich und Faramir kam kaum vorwärts mit ihm. Schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als Gollum mit einem Fausthieb an den Kopf zu betäuben. Er nahm ihn huckepack auf den Rücken und rannte schnell weiter. Doch die Orks waren schneller: sie umringten Faramir und seine Beute.

„Ergib' dich, Mensch!" schnarrte der Anführer, der ein extrem hässliches Aussehen hatte.

Über ein Dutzend Pfeile waren auf Faramir gerichtet. Er ließ Gollum langsam zu Boden gleiten und hob die Hände.

„Fesselt alle beide!" kommandierte der Ork-Hauptmann grimmig.

Jetzt saß Faramir in der Falle!