Tanja: Ich musste selbst schmunzeln, als ich diese Szene schrieb, wo die Orks halsüberkopf davonrannten.

Ali: Faramir wird noch gebraucht! Deswegen durften ihn die Orks nicht aufhängen. ;-) Bei euch in Kiel oben ist es sicher jetzt auch heiß. Bei uns hat es heute 33 Grad. Puh!

Leonel: Wie gut, dass Gandalf persönlich Faramir mitsuchte. Maruvan ist halt ein Mensch mit Schwächen. Und Gollum? Das wird im nächsten Kapitel geklärt...

Pemaroth: Maruvan fällt etwas aus der Rolle. Natürlich ist der größte Teil der Waldläufer pflichtbewußt und loyal. Aber es sind auch nur Menschen, und besonders Maruvan, der mit der Situation einfach nicht klarkommt. Faramir und Aragorn haben in meiner Story auch so kleine Schwächen. Mir gefällt es, wenn die Charaktere menschlich sind und nicht perfekt.

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Kapitel 16: Der Traum

Faramir berichtete den beiden Freunden, dass Gollum bereits vor Stunden von den Orks abtransportiert worden war. Der Zauberer schloß entsetzt die Augen, als er das hörte.

„Das ist jetzt die Sache von mir und meinen Kriegern," sagte Legolas ernst. „Wir werden den Orks Gollum wieder abjagen. Ihr aber geht zu Aragorn zurück, der sich bestimmt große Sorgen macht."

Am Evendim-See trennten sich die Wege von Gandalf, Faramir und den Elben. Der Zauberer und der junge Mann wollten zu Fuß ins Lager der Waldläufer zurückgehen, während die Elben auf ihren Pferden den Orks mit Gollum nahjagen wollten. Sie verabschiedeten sich freundschaftlich.

Gandalf war sehr still während ihrer Wanderung. Faramir spürte, dass sich der alte Zauberer große Sorgen machte.

„Gandalf, du bist so schweigsam. Was ist los?"

Der alte Mann rieb sich sorgenvoll über den Bart.

„Auf Mittelerde kommen düstere Zeiten zu. Saurons schwarze Diener haben Minas Morgul verlassen. Die Ringgeister werden bald schon in dieser Gegend sein."

Faramir schluckte, als er das hörte. Er hatte schon viele düstere Sagen von den grausamen Nazgûl gehört. Doch gesehen hatte er noch nie einen von ihnen.

„Wie sehen diese Geister aus?" fragte er mit Grabesstimme.

„Du wirst sie erkennen, wenn du sie siehst," erwiderte Gandalf mit einem traurigen Lächeln.

„Es sind nun Ereignisse ins Rollen gekommen, die niemand mehr aufhalten kann. Wir müssen bald handeln."

Faramir wusste nicht, was der Zauberer damit meinte. Sein alter Freund sprach oft in Rätseln.

In der folgenden Nacht hatte er zum ersten Mal einen sehr merkwürdigen Traum, der in den nächsten Nächten sehr oft wiederkehren sollte. Als der junge Mann aufwachte, war er sehr verwirrt. Er sprach mit Gandalf über seinen Traum.

„Ich sah den Osten ganz im Dunkeln und im Westen schien ein helles Licht. Eine Stimme sprach:

Das Geborstene Schwert sollt ihr suchen,

Nach Imladris ward es gebracht,

Dort soll euch Ratschlag werden,

stärker als Morgul-Macht.

Ein Zeichen soll euch künden,

Das Ende steht bevor,

Denn Isildurs Fluch wird erwachen,

Und der Halbling tritt hervor."

Gandalf erschrak, als er Faramirs Worte hörte. Denn genau diese Ereignisse begannen nun allmählich ihren Verlauf zu nehmen.

„Ich war mit Aragorn in Bruchtal", sagte Faramir leise. „Aber dieses geborstene Schwert habe ich dort nicht gesehen. Es hat mir aber auch niemand davon erzählt."

Der Zauberer strich sorgenvoll über seinen grauen Bart.

„Es handelt sich um Narsil, die Klinge mit der Isildur Sauron den Ring vom Finger schlug. In Bruchtal werden die Bruchstücke dieses Schwertes seit 3000 Jahren aufbewahrt."

„Aber was hat es mit diesem Ratschlag auf sich und die Zeichen, die uns das Ende verkünden sollen?" bohrte Faramir aufgeregt weiter.

„Es ist noch nicht an der Zeit, darüber zu reden", erwiderte Gandalf ernst.

Mehr war aus dem alten Zauberer nicht herauszubringen. Die beiden Freunde setzten ihren Weg fort.

Zwei Tage später hatten sie das Lager der Waldläufer erreicht. Faramir war erstaunt, als er dort Halbarad und Maruvan wiedertraf. Die beiden Brüder wirkten recht zerknirscht.

„Verzeihst du mir noch einmal, Faramir?" fragte Maruvan reumütig.

„Ich bin so froh, dass wir jetzt wieder alle gesund zusammen sind," erwiderte Faramir ernst und reichte ihm die Hand.

Er wusste nicht, ob er jemals mit Maruvan nach den ganzen Vorfällen Freundschaft schließen konnte.

Derweil unterhielt sich Gandalf mit Aragorn unter vier Augen. Es war ein sehr ernstes Gespräch. Der Zauberer erwähnte auch dabei Faramirs Traum.

„Ich muß dringend weg, um Saruman, den Oberen unseres Ordens aufzusuchen. Ich muß Gewissheit über etwas Bestimmtes haben. Wir treffen uns dann am 29. September in Bree. Dort werden dann auch vier Hobbits sein, die auf dem Weg nach Bruchtal sind. Falls ich nicht zu dem Treffen erscheinen kann, führe du diese Vier nach Bruchtal. In Elronds Haus wird es eine wichtige Beratung geben. Ich habe ihm bereits Bescheid gegeben."

Aragorn hob verständnislos die Hände.

„Ich verstehe das alles nicht. Du verlangst von mir, dass ich meine Männer in Stich lassen soll? Ich muß mit ihnen Vorräte für das Winterlager anlegen. Sie erwarten von mir, dass ich dabei bin. Halbarad würde nicht verstehen, wenn ich jetzt weggehe. Ich..."

„Du wirst nicht mehr zurückkehren," sagte Gandalf bedrückt. „Deine Zeit als Waldläufer ist vorüber. Sauron und seine Diener haben sich erhoben. Du wirst eine wichtige Aufgabe vollbringen, denn einer der vier Hobbits ist der Ringträger."

„Du sprichst von dem Einen Ring?" fragte Aragorn erstaunt. „Er befindet sich in den Händen eines Hobbits: ist das weise?"

„Ja, es ist weise," erwiderte der Zauberer. „Die Hobbits sind friedliche Wesen, ganz anders als die Menschen, die nach Macht streben. Dort ist der Ring momentan am sichersten."

Aragorn raufte sich seufzend das Haar.

„Ich werde Halbarad zum neuen Anführer machen. Er wird die Männer sicher über den Winter bringen. Vielleicht bin ich ja dannach auch wieder zurück, wer weiß!"

Gandalf schüttelte lächelnd den Kopf, sagte aber nichts weiter.

§

Am nächsten Morgen verließ der Zauberer das Waldläuferlager. Sein Weg führte ihn nach Bree, wo sein Pferd stand. Er wollte so schnell wie möglich seine Reise nach Isengard hinter sich bringen.

Währenddessen gingen die Waldläufer unermüdlich weiter auf die Jagd. Der September würde bald herum sein. Manchmal gab es hier oben im Norden bereits im Oktober den ersten Schnee.

Doch Aragorn war nicht mehr ganz bei der Sache. Er war zwar der fleißigste von allen Jägern, hielt sich aber abends von den gemeinsamen Zusammenkünften am Lagerfeuer fern. Oft saß er auf einer felsigen Anhöhe in der Nähe des Lagers und starrte zu den Sternen empor. Faramir merkte das seltsame Verhaltens seines Freundes recht bald. Eines Abends gesellte er sich zu Aragorn auf die felsige Anhöhe. Der ältere Waldläufer wusste, warum der jüngere Man zu ihm kam.

„Ich werde euch bald für immer verlassen, Faramir," sagte Aragorn bedächtig und nahm einen tiefen Zug von seiner Pfeife.

Faramir traute seinen Ohren nicht.

„Das kannst du nicht machen, Aragorn," sagte er bestürzt. „Wir brauchen dich hier. War das etwa Gandalfs Einfall?"

„Es ist meine Bestimmung," sagte der Waldläufer bedächtig. „Ich muss einen bestimmten Weg gehen und eine Aufgabe erfüllen. Halbarad und Maruvan sind jetzt deine Freunde. Ich bin froh, dass ich euch ohne Sorgen verlassen kann."

Faramir traten die Tränen in die Augen, ohne dass er es verhindern konnte.

„Ohne dich will ich hier auch nicht bleiben. Bitte nimm' mich mit!"

Er erwartete jetzt eine Abfuhr von Aragorn, doch dieser sah ihn nachdenklich an.

„Vielleicht ist es ganz gut, wenn du mitgehst. Auf dich kann ich mich blind verlassen. Du warst mir ein treuer Gefährte auf dem Weg zu den Totensümpfen und du wirst es auch jetzt sein. Außerdem hattest du diesen unheilschwangeren Traum, der vielleicht in Bruchtal gedeutet werden kann."

Faramir fiel ihm freudig um den Hals.

§

Eine Woche später verkündete Aragorn seinen Abschied im Lager. Die Waldläufer machten lange Gesichter, als sie das hörten. Doch alle wussten, dass Aragorn Isildurs Erbe war, der Letzte seines Geschlechts. Halbarad war sehr stolz, als er zum neuen Anführer der Dunedain ernannt wurde.

Faramir hatte in der vergangenen Nacht erneut diesen Traum gehabt. Schweißgebadet war er erwacht und dannach hatte er nicht mehr schlafen können. Er ahnte nicht, dass sein Bruder Boromir in Gondor dasselbe geträumt hatte und sich bereits auf dem Weg nach Bruchtal befand.

Schweigend machten sich die beiden Freunde auf den Weg nach Bree. Bereits unterwegs begegneten ihnen viele düstere Gestalten. Menschen aus dem hohen Norden, die Unruhe in Eriador stifteten. Aragorn setzte die Kapuze seines Umhanges auf und zog sie tief ins Gesicht. Er riet Faramir, das Gleiche zu tun.

„Wir gehen düsteren Zeiten entgegen", sagte er leise zu dem jungen Gondorianer. „Ab jetzt nenne mich wieder ‚Streicher' und ich werde ‚Faron' zu dir sagen."

Faramir presste die Lippen zusammen und nickte.

Nach einem längeren Fußmarsch erreichten sie Bree.

„Heute ist der 29. September", erklärte Aragorn mit gedämpfter Stimme. „Gandalf erwartet uns im ‚Tänzelnden Pony'. Aber ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl. Ich fürchte, er wird nicht da sein."

„Und was machen wir dann?" fragte Faramir neugierig.

„Gandalf wollte dort jemanden treffen", fuhr der Waldläufer fort. „Wahrscheinlich werden wir jetzt diese Sache übernehmen müssen."

Der jüngere Mann kapierte immer noch nicht, worauf Aragorn hinauswollte. Aber er würde es sicher bald merken.

Als sie Bree betraten, war alles anders als sonst. Sie waren zwar von Malte Stechdorn sofort zum Tor hereingelassen worden, aber in der Stadt selbst herrschte eine merkwürdige Stimmung. Statt Hobbits sah man jetzt viele Menschen in abgerissener Kleidung auf den Straßen herumeilen. Sie machten einen düsteren und kriegerischen Eindruck.

„Das sind alles Lumpen und Strolche!" zischte Aragorn leise vor sich hin. „Das gab es hier früher nicht!"

Sie steuerten auf das Gasthaus „Zum Tänzelnden Pony" zu und betraten es.

Die altbekannte Mischung aus Wohlgerüchen und Gestank drang auf die beiden Gefährten ein. Wie immer, war die Schankstube zum Bersten voll. Hobbits waren jedoch kaum zu sehen. Butterblume freute sich, als er Aragorn und Faramir wiedersah.

„Seid nur still und nennt uns beide nicht bei unseren richtigen Namen!" herrschte Aragorn den geschwätzigen Wirt an.

Butterblume zuckte zusammen, als er so barsch angeredet wurde.

„Wie Ihr wollt!" brummte er nur zur Antwort und fuhr fort, einen Zinnkrug zu polieren.

Aragorn zog Faramir zu einem der hinteren Tische. Dort setzten sich die Beiden nieder. Der junge Mann bemerkte, dass der Waldläufer keine Anstalten machte, seine Kapuze abzunehmen. Also behielt er seine auch auf. Plötzlich stubste Aragorn den Gondorianer an: vier Hobbits hatten das „Tänzelnde Pony" betreten. Zwei davon kannte Faramir: es waren die Verwandten von Eduard Hornbläser, die an dessen Geburtstagsfeier kennengelernt hatte. Der Waldläufer zündete sich eine Pfeife an und beobachtete die Hobbits. Die beiden hellhaarigen Hobbits schienen guter Dinge zu sein, wie damals auf der Feier. Sie bestellten sich viel Bier und wurden bald geschwätzig. Plötzlich stellte sich der jüngste von ihnen auf den Tisch und begann zu singen. Der Name „Beutlin" fiel. Aragorn hielt inne: was er da sah und hörte, gefiel ihm gar nicht.

Dann stieg ein anderer junger Hobbit mit dunklen Locken auf den Tisch und versuchte die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch plötzlich rutschte er aus, fiel vom Tisch und löste sich in Luft auf. Im Nu herrschte in der Schänke ein wahrer Aufruhr. Der junge Hobbit wurde zwar schnell wieder sichtbar, doch nun drängten plötzlich einige dieser abgerissenen Menschen aus dem Norden auf ihn zu. Aragorn gab Faramir einen Wink und sie stellten sich schützend vor die Hobbits. Butterblume lotste derweil die vier Kleinen ins Hinterzimmer.

Einer der Menschen, welche die Hobbits bedroht hatten, hieß Lutz Farning. Er war vor kurzem nach Bree zurückgekehrt. Ein stadtbekannter, notorischer Unruhestifter. Verächtlich blickte er die beiden Waldläufer an, die vor der Hintertürzimmer standen.

„Was mischt ihr Waldläufer-Pack euch in unsere Angelegenheiten hier in Bree ein?" fragte Farning verächtlich.

Faramir verspürte gute Lust, dem Unhold eine Ohrfeige zu verpassen, doch er beherrschte sich. Und er ahnte, dass es Aragorn genauso ging.

„Verschwindet hier!" sagte der ältere Waldläufer ruhig. „Ihr habt genug für heute abend getrunken. Zahlt bei Butterblume und geht Euerer Wege!"

Rasch setzten sich einige der Männer in Bewegung, und gingen zu Butterblume. Nach und nach zahlten sie alle ihre Zeche und verließen dann das Gasthaus. Lutz Farning war der Letzte, der sich zum Gehen wandte.

„Wir sprechen uns noch!" sagte er haßerfüllt zu Faramir und Aragorn.