Leonel: Die Reise beginnt nun und die beiden Brüder werden tatsächlich nicht immer einer Meinung sein. Laß dich überraschen.!

Tanja: Oh, ich freue mich, dass meine Figuren so gut beschrieben sind, dass man mit ihnen mitfühlen kann.

Ali: Ach, in New York bist du! Ich habe dich schon vermisst. Klasse, dass du trotzdem Zeit findest zum Lesen und Reviewen. Viel Spaß noch in den USA!

Khamul: Faramir wird nicht nur ein Auge auf Boromir werfen müssen, so wie es aussieht.

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Kapitel 19: Die Queste beginnt

Am nächsten Morgen brachen die zehn Gefährten zu ihrer gefährlichen Reise auf. Faramir hatte seine ehemalige Waldläuferrüstung aus Gondor angelegt, von welcher er das Wappen des Weißen Baumes seinerzeit entfernt hatte, als er Gondor verlassen hatte. Aragorn trug wieder seine zerschlissene Lederkleidung, was ihm geringschätzige Blicke von Boromir einbrachte. Der Waldläufer, Gandalf und Faramir liefen an der Spitze des kleinen Zuges. Hinter ihnen gingen Legolas, Gimli und die vier Hobbits mit einem Pony, welches das Gepäck trug. Das Schlusslicht bildete Boromir, der ein ziemlich finsteres Gesicht machte.

Der Aufbruch von Bruchtal war Aragorn sehr schwer gefallen. Immer wieder drehte er sich zu Arwen um, die ihm traurig nachsah. Faramir merkte, dass sein Freund sehr bedrückt war.

„ Vielleicht wird unsere Reise nicht so lange dauern und du bist bald wieder mit ihr vereint", meinte er tröstend zu dem älteren Waldläufer.

Aragorn lächelte bitter.

„Es wird kein Wiedersehen mit Arwen geben. Ich habe unsere Verbindung gelöst."

Faramir traute seinen Ohren nicht.

„Das kann doch nicht war sein! Du liebst sie doch, oder?"

„Natürlich liebe ich sie", seufzte der Waldläufer traurig. „ Gerade deswegen muß ich sie freigeben. Sie wird mit ihrem Volk nach Valinor gehen und dort für alle Zeiten glücklich sein."

„Glaubst du wirklich, dass Arwen ohne dich je wieder glücklich wird?" gab Faramir bissig zurück und blieb stehen.

Aragorn ging mit gesenktem Kopf weiter. Faramir wartete, bis Boromir auf seiner Höhe war, dann marschierte er zusammen mit seinem Bruder weiter.

„Na, hattest du Streit mit deinem Busenfreund?" spottete dieser. „Sicher geht es um eine Frau, oder?"

„Du kannst gut raten", erwiderte Faramir kurzangebunden.

Eine Weile gingen die Brüder schweigend nebeneinander her. Dann fingen Merry und Pippin, die vor ihnen liefen, zu jammern an. Sie hatten Hunger und wollten unbedingt eine Rast einlegen. Aragorn blickte Gandalf genervt an. Beide kannten die häufigen Essenszeiten der Hobbits.

„Ihr könnt auch beim Laufen essen", entschied der Waldläufer streng.

„Nun laß die Kleinen doch eine Rast machen, wenn sie es wollen!" rief Boromir ihm ungehalten zu. „Sie haben nicht so lange Beine wie wir."

Merry und Pippin blickten den Gondorianer dankbar an. Gandalf hob seinen Stab zum Zeichen, das alle stehen bleiben sollten.

„Wir rasten aber nur eine kurze Weile, bis alle etwas gegessen haben", erklärte der Zauberer.

Boromir war angenehm überrascht, als sich die beiden jungen Hobbits zu ihm setzten und ihm sogar von ihrem Imbiß etwas anboten.

„Du hast ein richtig tolles Schild, Boromir", bemerkte Merry mit vollen Backen kauend. „Bei uns im Auenland gibt es keine solchen schönen Waffen."

„Kannst du uns vielleicht das Schwertkämpfen beibringen?" fragte Pippin forsch.

Der Gondorianer schlug sich lachend auf die Schenkel.

„Was, ihr wollt es doch nicht etwa mit Orks und dergleichen aufnehmen?"

Aber als er merkte, das es die beiden Hobbits ernst meinten, nickte er schließlich.

„Wenn wir eine längere Rast machen, dann gebe ich euch Unterricht."

Die beiden Vettern jubelten auf. Viel hätte nicht gefehlt, und sie wären Boromir um den Hals gefallen.

Faramir beobachtete seinen Bruder und die Hobbits stirnerunzelnd. Merry und Pippin waren sehr vertrauensselig. Andererseits freute er sich für seinen Bruder, dass er endlich Kontakte mit den anderen Gefährten zu knüpfen begann.

Als sie schließlich weiterzogen, begann das Eis weiter aufzutauen. Selbst Aragorn suchte jetzt das Gespräch mit Boromir. Und dieser wirkte plötzlich gelöster und fröhlicher. Seine anfängliche Arroganz begann langsam zu verschwinden.

So vergingen die Tage, während sie am Fuße des Nebelgebirges entlangzogen zu der Pforte von Rohan.

An einem schönen, sonnigen Nachmittag, als sie eine längere Pause auf einem grasigen Hügel eingelegt hatten, suchte Aragorn das Gespräch mit Faramir. Er nahm ihn beiseite und sie gingen ein Stück weg von den anderen.

„Was hältst du vom Verhalten deines Bruders?" fragte er leise.

„Ich habe das Gefühl, dass Boromir gewillt ist, die Gemeinschaft zu unterstützen", erklärte Faramir mit gedämpfter Stimme.

„Das denke ich auch", nickte der Waldläufer ernst. „In den Gesprächen, die ich mit ihm geführt habe, kam heraus, dass er sich große Sorgen um die Zukunft Gondors macht, aber auch die Einsicht, dass der Ring Gondor nicht retten kann."

Faramir atmete auf, als er das hörte. Er war jetzt auch überzeugt davon, dass von seinem Bruder keine Gefahr mehr ausging. Doch er sollte sich gewaltig täuschen.

Als die beiden Freunde langsam zum Lagerplatz zurückgingen, sahen sie, dass Boromir mit Hobbits Schwertkampf übte und sich immer wieder freundschaftlich unter großem Gelächter mit ihnen herumbalgte. Auch Frodo und Sam gaben immer wieder ihre Kommentare dazu. Gimli unterhielt sich etwas abseits mit dem Zauberer. Plötzlich ertönte ein Warnruf von Legolas.

„Crebains aus Dunland! Versteckt euch!"

Sofort wurde das Lagerfeuer gelöscht und die zehn Gefährten warfen sich in die nächsten Büsche. Keinen Augenblick zu früh, denn ein riesiger Schwarm krähenartiger Vögel zog seine Runde über die grasigen Hügel am Rande des Nebelgebirges. Alle atmeten auf, als die Crebains schließlich wieder verschwunden waren. Doch nun gab es eine hitzige Diskussion, wie es weitergehen sollte und man entschied sich schließlich für den Weg über den Rothornpass. Gimli war damit nicht einverstanden und murrte ständig. Faramir hatte auch ein ungutes Gefühl. Der Weg über den schneebedeckten Gebirgspass war sehr mühsam und gefährlich. Als sie in eine Mulde mit Tiefschnee gerieten, stolperte Frodo und fiel hin. Als er sich wieder aufrappelte, merkte er, dass die Kette mit dem Ring verschwunden war. Alle starrten auf Boromir, der plötzlich die Kette mit dem Ring am Finger hielt. Faramir sah entsetzt, dass sein Bruder mit einem Mal völlig geistesabwesend wirkte. Wie gebannt war sein Blick auf den Ring geheftet.

„Boromir, gib Frodo den Ring zurück! Boromir!" brüllte Aragorn zornig.

Der Waldläufer hatte seine Hand auf den Griff seines Schwertes gelegt. Boromir schien plötzlich wieder wie aus einer Art Trance zu erwachen und gab Frodo mit einem schiefen Lächeln den Ring zurück. Die Gemüter beruhigten sich wieder.

„Was sollte das?" fuhr Faramir seinen Bruder mit gedämpfter Stimme an.

„Nichts!" gab dieser ärgerlich zurück.

Der weitere Weg wurde immer gefährlicher: in schwindelerregender Höhe kletterte der Pass das Gebirge hinauf. Ein heftiger Schneesturm hatte eingesetzt. Die Gefährten kamen kaum noch voran. Schließlich entschied man sich schweren Herzens umzukehren. Zu Gimlis Freude wünschte sich der Ringträger, dass man den Weg durch die Minen von Moria nahm. Gandalf wirkte über diese Entscheidung nicht erfreut, doch er rückte nicht damit heraus, warum er ein ungutes Gefühl deswegen hatte.

Der Abstieg zum Fuß des Gebirges ging rasch von sich. Jetzt übernahm Gimli freudestrahlend die Führung. Alsbald erreichten sie die Mauern von Moria, die an einem dunklen, unheimlich wirkenden Tümpel lagen.

„Wo ist denn das Tor?" fragten die Hobbits ungeduldig.

„Zwergentore sind unsichtbar", erklärte Gimli stolz und stützte sich auf seine Axt.

„Kennst du nicht den Weg dort hinein?" wollte Boromir mürrisch wissen.

„Ich habe meinen Vetter noch nie besucht", erwiderte der Zwerg etwas beschämt.

Er erntete dafür ein abfälliges Grinsen des Gondorianers.

Faramir beobachtete derweil den düsteren Tümpel. Es schien kein Leben darin zu sein und trotzdem beschlich den jungen Mann eine merkwürdige Furcht. Plötzlich flog ein Stein in den Tümpel. Es war einer der jungen Hobbits gewesen.

„Seid ihr verrückt?" herrschte Aragorn Merry und Pippin an.

Die beiden Vettern zuckten schuldbewußt zusammen. Faramir blickte den älteren Waldläufer fragend an:

„Du glaubst also auch, dass sich in diesem Tümpel irgendein Geheimnis verbirgt, oder?"

Aragorn nickte und scheuchte Merry und Pippin zu Boromir hinüber, der gelangweilt auf einem Grashalm herumkaute.

„Mellon!" rief Gandalf plötzlich freudig aus und blickte Frodo dankbar an, der ihn auf dieses Wort gebracht hatte.

Das Tor öffnete sich und alle traten vorsichtig in die Mine ein. Gimli spuckte große Töne über die Gastfreundschaft seines Vetters Bálin. Dann sahen sie die kleinen Zwergenskelette, die vielen Pfeile und die Trümmer, die überall herumlagen.

„Das ist keine Mine, das ist ein Grab!" stieß Boromir fassungslos hervor.

Die Gefährten verließen rasch die Höhle wieder. Doch dann schrie Faramir gellend auf: ein langer grünlich schimmernder Fangarm war aus dem Tümpel geschnellt und hatte sich um Frodos Fuß gewickelt. Faramir zog sein Schwert und hieb auf den Fangarm ein. Doch weitere riesige Arme kamen aus dem Wasser und einer davon zog Faramir ins Wasser.

„Boromir!" brüllte der rothaarige Gondorianer laut.