Ali und Leonel: Ich möchte euch zwei treuen Seelen meinen ausdrücklichen Dank sagen. Wenn ihr nicht wärt, würde ich die Story hier nicht mehr weiterposten. Ich drücke und knuddle euch ganz fest!

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Kapitel 20: Von Moria nach Lórien

Boromir und auch Aragorn kamen herbeigestürmt und schlugen wie die Besessenen auf die Fangarme des Untieres ein. Frodo war bereits hoch in die Luft geschleudert worden. Er hatte keine Chance gegen die Riesenkrake. Faramir hackte mit seinem Dolch auf den riesigen Arm ein, der ihm fast die Luft wegdrückte. Legolas schoß einige Pfeile auf den Kopf des Untieres,das jetzt aus den Wasser tauchte. Es ließ Frodo und Faramir sofort los. Boromir packte den erschöpften Hobbit und trug ihn zurück in die Höhle, wo die anderen Gefährten noch warteten. Aragorn zog Faramir aus dem Wasser und riß ihn in die Höhle hinein. Keinen Augenblick zu früh, denn jetzt kam das Monster ganz aus dem Tümpel geschnellt und auf die Höhle zu. Die zehn Freunde eilten so schnell sie konnten, tiefer in die Mine hinein. Die Krake zerschmetterte die beiden Türflügel und eine Felslawine löste sich. Dieser Weg nach außen war für immer versperrt. Die Ringgemeinschaft saß im Dunkeln erst einmal fest. Plötzlich blitzte ein trübes Licht von Gandalfs Stabspitze auf.

„Frodo, Faramir – seid ihr beide in Ordnung?" fragte der Zauberer.

„Ich schon", erwiderte Faramir tapfer und wischte sich die nassen Haare aus dem Gesicht.

„Seid wachsam!" mahnte der Zauberer die Gefährten. „Es gibt in den Tiefen der Welt noch ältere und gemeinere Geschöpfte als Orks."

Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Gandalf führte seine Begleiter einen steilen Weg hinauf. Immer wieder sahen im fahlen Licht des Zauberstabes Skelette von Zwergen und Orks herumliegen. Gimli war untröstlich, dennoch hoffte er immer noch seinen Vetter Balin lebend anzutreffen. Gandalf hatte gesagt, dass der Weg durch die Minen vier Tage dauern würde. Faramir machte sich Sorgen um den alten Zauberer: seit sie in den Minen waren, wirkte er merkwürdig verzagt und schwermütig. So kannte der junge Mann Gandalf nicht. Der Zauberer hatte auch in düsteren Tagen immer wieder hoffnungsvolle Worte auf den Lippen gehabt, doch jetzt schien es so, als bräuchte er selbst Aufmunterung. Faramir fühlte sich auch nicht wohl in diesen Höhlen. Das Tageslicht fehlte ihm, genau wie den anderen. Plötzlich tippte Aragorn auf seine Schulter.

„Hast du es schon bemerkt?" raunte er Faramir zu. „Wir werden verfolgt."

Jetzt entdeckte auch der rothaarige Mann die langgliedrige Gestalt, die in sicherer Entfernung von Felsen zu Felsen hüpfte.

„Das darf doch nicht wahr sein!" zischte er wütend. „Erst verfolgen wir den Kerl wochenlang, dann entkommt er uns, und jetzt ist er hinter uns her."

„Der Ring hat Gollum hergelockt", meinte Gandalf und setzte sich schweratmend auf einen Felsvorsprung.

Faramir beobachtete, wie der Zauberer sich leise mit Frodo zu unterhalten begann.

„Warum geht es nicht weiter?" fragte Boromir mürrisch.

„Ich glaube, Gandalf weiß nicht, welche Abzweigung wir nehmen müssen", erwiderte sein Bruder gefasst.

Boromir fuhr sich nervös über das bärtige Gesicht.

„Mir gefallen diese Minen gar nicht", murmelte er. „Ich spüre, dass wir bald Ärger bekommen werden. Und zwar von den Unholden, welche die ganzen Zwerge auf den Gewissen haben. Wir müssen auf der Hut sein, kleiner Bruder!"

Er lächelte verzerrt und schlug Faramir freundschaftlich auf die Schulter und setzte sich dann neben Aragorn, der sich seelenruhig eine Pfeife angezündet hatte.

Endlich ging es weiter: Gandalf war der richtige Weg wieder eingefallen und sie kamen nun in die unterirdische Stadt Zwergenbinge. Der Zauberer fummelte an dem Kristall herum, der an seinem Stab befestigt war und es wurde heller. Alle blieben staunend stehen und blickten sich in der riesigen Säulenhalle um. Doch Gandalf scheuchte sie rasch weiter. Es durfte keine Zeit versäumt werden. Rasch liefen sie durch die Halle, bis sie einen merkwürdig hellen Lichtschein erblicken, der von einer Seitenhöhle kam. Gimli rannte hinein und begann plötzlich laut zu schreien und zu weinen. Die anderen Gefährten folgten ihm rasch und dann sahen sie auch den weißen Sarkophag in der Mitte des Raumes, auf welchem Licht aus einem hohen Schacht fiel.

„Balin ist tot!" heulte Gimli auf.

Die anderen Gefährten sahen sich im Raum um, während Aragorn beruhigend auf den Zwerg einredete. Faramir fand ein großes, verstaubtes Buch bei einem der Skelette. Neugierig zog er es aus den Knochenhänden des verwesten Zwerges. Gandalf sah ihm über die Schulter.

„Die Schrift wirst du nicht lesen können, Faramir", meinte er müde lächelnd. „Das sind Daerons Runen."

„Du hast recht", seufzte der junge Mann und gab das Buch an den Zauberer weiter.

„Wir müssen hier weg", sagte Boromir nervös und legte seine Hand an den Schwertgriff.

„Orks!" murmelte Legolas plötzlich.

„Raus hier, schnell!" schrie Gandalf laut. „Wir müssen rasch zur Brücke von Khazad-Dûm! Lauft!"

Alle zehn Gefährten verließen die kleine Höhle und liefen wieder zurück in die Halle. Gandalf führte sie an. Ein Getrippel von vielen Füßen und ein hohes Gekreische war zu hören. Aber zu sehen war nichts. Doch jeder wusste, dass es sich um Orks handelte. Faramir holte seinen Bogen von der Schulter und legte einen Pfeil auf die Sehne und Boromir zog sein Schwert.

„Weiter, weiter!" drängte Gandalf.

In der Ferne konnte man schon die schmale Brücke von Khazad-Dûm sehen. Der Zauberer blieb plötzlich stehen und nahm Aragorn und Faramir zur Seite. Sein zerfurchtes Gesicht war aschfahl geworden.

„Ihr beide müsst sie weiterführen, hört ihr? Ich verlasse mich auf euch."

„Aber Gandalf...", wollte Faramir entsetzt widersprechen.

Doch in diesem Moment kam eine riesige Schar johlender Orks auf die Gefährten zu. Boromir hielt Schwert und Schild kampfbereit, ebenso wie die anderen. Selbst die Hobbits hatten irgendwelche Dolche in der Hand. Gandalf zog sein berühmtes Schwert Glamdring. Es waren tausende von Orks. Sie würden keine Chance gegen sie haben. Doch in diesem Moment betrat eine riesige, flammensprühende Schattengestalt die Halle von Zwergenbinge.

„Ein Balrog von Morgoth!" stieß Legolas entsetzt hervor.

Die Orks sprangen kreischend davon. Im Nu war die Halle wieder leer.

„Lauft!" rief Gandalf und stieß Faramir vorwärts.

„Du kommst doch mit, Gandalf, oder?" schrie Faramir zurück.

Die Gefährten rannten nun über schmale Wege und Stege zur Brücke. Teilweise befanden sich die Stege in schwindelerregenden Höhen und die Gemeinschaft kam nicht so schnell voran wie sie wollte. Der Balrog kam langsam näher: er hatte auch diesen Teil der Mine inzwischen erreicht. Die ersten zwei Hobbits rannten jetzt über die Brücke. Auf der anderen Seite sah man schon das Tageslicht durch den schmalen Ausgang einfallen. Gandalf war der Letzte, der die Brücke betrat. Doch in diesem Moment hatte auch der Balrog Khazad-Dûm erreicht. Er richtete sich in seiner ganzen Größe auf und spuckte Feuer.

Gandalf hob seinen Stab, aus dem ein Blitz kam.

„Du kannst nicht vorbei! Ich bin ein Diener des geheimen Feuers von Arnor, Flamme von Udun!"

Gandalf wich langsam zurück. Dann schlug er mit seinem Stab auf die Brücke und sie brach entzwei. Der Balrog stürzte in die unendliche Tiefe. Faramir und Boromir sahen sich lächelnd an: Gandalf hatte es geschafft.

Doch in diesem Moment schnellte die Feuergeisel des stürzenden Balrogs nach oben und packte den Zauberer am Knöchel. Gandalf rutschte langsam von der Brücke.

„Flieht, ihr Narren!" keuchte er mit letzter Kraft.

Dann verschwand er.

„Gandalf!" brüllte Faramir auf und wollte ihm zur Hilfe eilen, doch Boromir packte ihn, und warf ihn zu Boden.

„Du kannst ihn jetzt nicht mehr helfen, kleiner Bruder", sagte Boromir leise. „Gandalf ist verloren. Er ist tot."

Faramir begann hemmungslos zu weinen. Auch die Hobbits schluchzten und Aragorn wischte sich stumm die Tränen aus dem Gesicht. Sie mussten die Höhle verlassen, denn die Orks begannen Pfeile auf die Gemeinschaft von der anderen Seite aus zu schießen.

§

Sie schleppten sich ins Freie, doch Aragorn gönnte ihnen keine Rast. Sie mussten unbedingt Lothlorien erreichen, bevor die Nacht hereinbrach.

Schweigend lief Faramir neben dem älteren Waldläufer.

„Ich kann nicht glauben, dass Gandalf tot ist", stieß er untröstlich hervor. „Er weilte doch so viele Menschenalter schon auf dieser Welt. Es kann nicht sein, dass er einfach so stirbt."

„Sein Tod war nicht umsonst", erwiderte Aragorn sanft und legte seine Hand auf Faramirs Schulter. „Er hat sich für die Gemeinschaft des Ringes geopfert. Gandalf wusste, wie wichtig unser Auftrag ist. Wir dürfen nicht versagen."

Boromir lief mit düsterem Gesicht hinter den beiden. Als er hörte, dass Aragorn den Ring erwähnte, blitzte es in seinen Augen seltsam auf.

Endlich erreichten sie den Wald Loriens. Faramirs Gesicht hellte sich etwas auf, denn er kannte diesen Ort schon.

„Sollten wir nicht vielleicht am Waldeingang unsere Waffen ablegen?" fragte er die anderen.

„Das kommt nicht in Frage!" knurrte Gimli böse. „Dort drinnen haust eine Elbenhexe. Ich bin doch nicht verrückt!"

Eine leise Stimme wisperte durch die Bäume und rief leise nach Frodo. Faramir lächelte, denn er kannte Galadriels Stimme. Doch sein Lächeln erstarb, als Hauptmann Haldir und seine Galadhrim mit gezückten Waffen und finsteren Mienen auf sie zu kamen.