Ali: Schön, dass du wieder wohlbehalten aus den USA zurückgekehrt bist. Regnet es bei euch in Kiel auch? Im nächsten Kapitel wird Faramir von seinen Erinnerungen überwältigt...

Feael: Ich finde meine Kapitel nicht zu kurz, im Gegenteil. 3 Word-Seiten sind für mich die oberste Grenze für ein Kapitel. Und ich habe absichtlich die Reise nicht zu ausführlich beschrieben. Ich will ja nicht das Buch abschreiben. Im nächsten Kapitel wird es sehr emotional, da Faramir in Lórien mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Und es wird ein interessantes Gespräch zwischen ihm und Galadriel geben. Heru wird nicht mehr auftauchen: er ist ja bereits in der vorigen Geschichte zu den Grauen Anfurten gereist.

Leonel: Ich knuddle dich auch. Faramir hätte wegen mir ruhig auch bei der Ringgemeinschaft dabei sein können. Dann hätten wir mehr von ihm gehabt. Freu dich auf das nächste Kapitel!

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Kapitel 21: Faramir und Galadriel

Mutig gingen Faramir, Aragorn und Legolas auf die Elben zu. Aragorn hob seine Hand und begann mit Haldir freundlich auf elbisch zu reden. Doch der Blick des Elben blieb finster. Als Haldir Faramir entdeckte, packte er ihn am Arm und zog ihn ein Stück beiseite.

„Ich möchte genau von dir wissen, Gondorianer, wie Alatariel gestorben ist", zischte er ihm zu. „Sie war meine beste Kriegerin. Was hast du mit ihr gemacht?"

„Ich habe sie geliebt", sagte Faramir traurig und senkte den Blick. „Sie ist gestorben, weil sie das Gift getrunken hat, das für mich bestimmt war."

„Wer wollte dich vergiften?" bohrte der Hauptmann der Galadhrim aufgeregt weiter.

Doch Faramir konnte ihm jetzt nicht antworten: schließlich war Boromir hier in der Nähe.

„Ich möchte mit Frau Galadriel sprechen", sagte er ernst zu Haldir.

Der Elb ging wortlos zu den anderen zurück.

„Ihr dürft nicht weitergehen", sagte er zu Aragorn. „Ihr bringt großes Übel mit euch."

Damit fiel sein Blick auf Frodo. Doch Faramir legte seine Hand beschwichtigend auf Haldirs Schulter.

„Wir sind in großer Not", sagte Faramir zu Haldir auf Sindarin. „Wenn ihr uns nicht weiterhelft, werden wir alle von den Orks getötet."

Haldir drehte sich zu Faramir um und blickte ihn prüfend an. Dann fiel sein Blick auf Aragorn und Legolas, die ebenfalls ernst schauten. Nur Gimli brummelte zornig vor sich hin.

„Kommt mit", sagte Haldir nach einer kleinen Ewigkeit.

Die Gefährten atmeten auf und folgten ihm durch den Goldenen Wald. Faramir konnte sich noch gut an seinen Besuch von damals erinnern: doch das Herz wurde ihm erneut schwer vor Trauer, als er die Goldenen Mallornbäume wieder sah. All das war mit Erinnerungen an Alatariel verbunden.

„Du denkst an das Elbenmädchen, nicht wahr?" fragte Boromir leise neben ihm.

Faramir sah ihn bedrückt an. Sein Gesicht war vom Schmerz gezeichnet.

„Mir zerreißt es vor Trauer fast das Herz, Bruder", murmelte er mit erstickter Stimme vor sich hin. „Ich habe dauernd das Gefühl, dass sie gleich vor mir auftaucht."

„Ich wünschte, ich könnte all das, was geschehen ist, rückgängig machen", erwiderte Boromir zerknirscht.

„Ist schon gut", flüsterte Faramir und wanderte weiter.

Endlich tauchte vor ihnen die Waldstadt Caras Galadhon auf, welche von riesigen Mallornbäumen umgeben war. Die Hobbits waren entzückt und Boromir war verblüfft vom Anblick dieser Stadt, welche auf hohen Bäumen lag. Haldir blickte sich stolz zu den Gefährten um. Faramir und Aragorn sahen sich lächelnd an: sie waren beide schon in Caras Galadhon gewesen. Die Behausungen der Elben lagen auf hohen Bäumen, welche durch Treppen zu erreichen waren. Verbunden waren die Wohnungen durch zahllose Hängebrücken. Unzählige Laternen erhellten die Wege. Haldir führte die Ringgemeinschaft eine endlose Treppe hinauf, die sich um einen riesigen Mallornbaum herumwand. Dann erreichten sie eine Plattform.

„Wartet hier!" sagte der Hauptmann der Galadhrim zu den Gefährten.

Dann kam sie, die Herrin des Goldenen Waldes, mit ihrem Gemahl. Faramir hatte sie schon einmal erblickt, doch auch diesmal war er wie verzaubert, als die Elbenfürstin vor ihm auftauchte. Ein Lichtschimmer umgab sie wie eine Aura. Aus den Bäumen ertönte ein leiser Gesang von Elben.

„Das ist alles irgenwie unwirklich", raunte Boromir seinen Bruder erstaunt zu.

Celeborn und seine Gemahlin blickten die neun Gefährten der Reihe nach an. Ihre edlen, alterslosen Gesichter strahlten Würde und Ernsthaftigkeit aus. Dann erkundigte sich Celeborn nach Gandalf.

„Er ist in den Schatten gestürzt", flüsterte Galadriel plötzlich ergriffen.

Die Gefährten senkten traurig ihre Köpfe.

Legolas erzählte der Herrin des Waldes kurz, was in Moria geschehen war.

Galadriel lächelte traurig und blickte dann die Gefährten erneut an. Boromir begann wandte sich plötzlich ab und begann lautlos zu schluchzen.

Auch Faramir war von seinen Gefühlen überwältigt: er war so mit sich selbst beschäftigt, dass er nicht bemerkte, wie sein Bruder neben ihm verzagte.

„Ruht euch aus, solange ihr könnt", sagte Galadriel freundlich und winkte Haldir herbei.

„Mein Hauptmann zeigt euch einen Ort, an dem ihr ruhen und essen könnt."

Die Gefährten wandten sich zum Gehen.

„Faramir!"

Der rothaarige Mann hielt inne. Galadriels Stimme war in seinem Kopf gewesen. Er drehte sich traurig zu der Herrin des Waldes um.

„Komm mit mir, Faramir von Gondor, ich möchte mit dir reden", sagte die Elbenfürstin mit sanfter Stimme.

Sie gingen in eine der wunderschönen Behausungen, deren Wände aus Geäst und goldenem Laub bestanden. Faramir durfte sich auf einen wunderschön gearbeiteten Holzstuhl setzen. Galadriel nahm gegenüber von ihm Platz.

„Faramir, trauere nicht länger um Alatariel", sagte sie freundlich. „Mache dein Herz frei. Laß Alatariel, die mir wie eine Tochter war, in Frieden ruhen. Du wirst bald eine neue Liebe finden."

„Das kann ich mir nicht vorstellen", sagte der junge Mann mit erstickter Stimme. „Alatariel war die Liebe meines Lebens."

„Die Liebe zu Alatariel ist wie ein kostbarer Schatz, den du für immer aufbewahren wirst", fuhr Galadriel sanft fort. „Aber belaste nicht länger dein Leben damit. Es war der Wunsch der Valar, dass sie das Gift trank. Für dich sind andere Pläne vorgesehen. Schon bald wird eine neue Frau in dein Leben treten, mit der du dich vermählen wirst. Du wirst nach Gondor zurückkehren und für Aragorn den Weg zum Thron bereiten."

Faramir schluckte, als er das hörte.

„Mein Vater und mein Bruder werden Isildurs Erben niemals dulden, außerdem bin ich in Gondor nicht erwünscht. Mein Vater würde niemals auf mich hören."

„Es wird alles ganz anderes sein, als du denkst", erwiderte Galadriel mit einem geheimnisvollen Lächeln. „Ich weiß, was Heru deinem Vater prophezeit hat. Diese Prophezeihung wird sich schon sehr bald erfüllen. Und nun geh zu deinen Gefährten und ruhe dich aus."

Faramir stand auf und verneigte sich tief vor der Elbenfürstin. Galadriels Worte machten ihn nachdenklich: er wusste, was Heru damals seinem Vater prophezeit hatte. Einer von Denethors Söhnen werde bald sterben. Faramir hatte keine Angst vor dem Tod, denn dieser würde ihn wieder mit Alatariel vereinen. Aber eine innere Stimme sagte ihm, dass diese Prophezeihung nicht ihn betreffen würde, sondern... Faramir wollte nicht weiterdenken. Er wollte nicht, dass Boromir starb, auch wenn sein Verhältnis zu ihm nicht mehr so gut wie früher war. Schweren Herzens ging er zu den anderen Gefährten, die unten im Wald lagerten. Die Elben hatten ihnen bequeme Betten und köstliche Speisen gebracht.

Die Hobbits und der Zwerg schliefen bereits. Legolas war zu seinen elbischen Brüdern gegangen und lustwandelte mit ihnen durch den Wald. Boromir und Aragorn saßen etwas abseits und unterhielten sich leise. Faramir sah, dass das Gesichts seines Bruders tränennass war. Langsam ging er zu den Beiden hin.

„Boromir, was ist geschehen?" fragte er bestürzt.

„Ich habe ihre Stimme in meinem Kopf gehört", sagte er zu Faramir. „Ich habe Angst, dass Gondor fällt. Aragorn und du, ihr müsst mit mir kommen in die Weiße Stadt."

Faramir und Aragorn sahen sich an. Beide dachten dasselbe.

Der Waldläufer erhob sich nun seufzend und schlug Boromir freundschaftlich auf die Schulter.

„Versuche trotzdem, irgendwie zu ruhen. Es liegt noch ein langer Weg vor uns."

Faramir setzte sich jetzt zu seinem Bruder. Er wartete, bis Aragorn weg war.

„Vater wird mit der Rückkehr des Königs nicht einverstanden sein", sagte er nachdenklich. „Auch ich bin in Minas Tirith nicht willkommen."

„Aragorn soll nicht als König in Gondor einziehen", widersprach Boromir kopfschüttelnd. „Ich möchte, dass Vater ihn als Heerführer anerkennt. Er selbst will doch kein König sein. Und wenn Vater dich wieder seht, wird er sich freuen."

Faramir lächelte schief. Er glaubte den Worten seines Bruders wieder einmal nicht.

§

Die Gefährten blieben einige Tage in Lothlórien, doch dann drängte Aragorn zum Aufbruch. Celeborn und Galadriel gaben den Gefährten Elbenboote. Auf dem Fluß konnten sie schneller reisen als zu Lande. Celeborn warnte Aragorn eindringlich vor den Uruk-Hai, die jenseits der Grenzen Lothlóriens gesichtet worden waren.

Galadriel überreichte den Gefährten Geschenke: die Hobbits bekamen Noldor-Dolche, Legolas einen Bogen, Gimli auf seinen Wunsch hin drei Haarsträhnen Galadriels und die beiden Brüder bekamen edle Gürtel, die wie ineinandergefügte goldene Blätter aussahen. Außerdem bekam jeder Gefährte einen grauen Elbenmantel mit einer Blattbrosche. Dann bestieg die Ringgemeinschaft die elbischen Boote, die sie schnell den Anduin hinabtragen sollten.

Faramir sah sich noch einmal zur Galadriel um, die ihnen in ihrem Schwanenboot nachwinkte. Er wusste, dass er die Herrin des Waldes nie wieder sehen würde und das bekümmerte ihn sehr. Die Zeit der Elben in Mittelerde war vorüber. Lothlórien würde bald der Legende angehören, so wie auch die Elben.

Tbc...