Leonel: Ich will ja nicht auf das nächste Kapitel vorgreifen, aber ich habe nicht vor, noch mehr buchfern zu werden. /zwinker/
Ali: Faramir hatte für Manyavel nie mehr als Freundschaft empfunden. Man kann das mit Aragorns Gefühlen für Éowyn vergleichen. Allerdings wird Manyavel später noch mal auftauchen in dieser Story.
Tanja: Danke! Ich vermische gerne Elemente aus Buch und Film. Es gibt eben Stellen in der Geschichte, wo der Film manchmal besser ist als das Buch.
Khamul: Ich fürchte, du wirst dir was Schwarzes anziehen müssen. /traurig guck/
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Kapitel 22: Die Prophezeihung erfüllt sich
Am Abend rasteten sie am westlichen Ufer des Anduin. Sie zogen die Elbenboote an Land und suchten sich einen geschützten Platz zum Lagern. Aragorn verbot den Hobbits, Feuer zu machen.
„Am Ostufer lauern Orks und ähnliches Gesindel", warnte er seine Freunde. „Wir sollten auf der Hut sein."
Boromir war an diesem Abend schlecht gelaunt. Er hatte einen heftigen Disput mit Aragorn gehabt. Der Waldläufer wollte die Gemeinschaft auf keinen Fall nach Minas Tirith bringen. Der Ring dürfe nicht nach Gondor gelangen, hatte er dem Truchseß-Sohn aufgebracht erklärt.
„Wie denkst du darüber?" sagte Boromir zu seinem Bruder. „Ist es nicht vernünftiger, den Ring von Minas Tirith aus nach Mordor zu bringen? Mit einem Heer Soldaten als Geleitschutz? Der Weg über die Emyn Muil und den Totensümpfen ist viel zu gefährlich. Wir werden alle sterben."
„Wenn Vater erfährt, dass Frodo den Einen Ring mit sich führt, wird er versuchen, an diesen Ring zu gelangen", warnte Faramir den blonden Mann eindringlich.
„Du sprichst schon genauso wie Aragorn", erwiderte Boromir verächtlich. „Ich hätte nicht zulassen dürfen, dass du zu den Dunedain des Nordens gehst."
Er winkte wütend ab und wickelte sich enttäuscht in seine Schlafdecke. Faramir stand auf und ging ein Stück im nahen Wald spazieren. Er war von Boromirs Verhalten ebenfalls enttäuscht. Die ganze Zeit hatte er gehofft, Boromir und Aragorn könnten Freunde werden, aber Boromir machte durch seine Sturheit alles kaputt.
Auch am nächsten Morgen zeigte sich der blonde Gondorianer schlecht gelaunt und setzte sich zusammen mit Gimli und Legolas in ein Boot. Die Strömung des Anduin wurde jetzt schneller. In der Ferne wurden zwei riesige Steinstatuen sichtbar.
„Was ist das?" fragte Pippin Faramir erstaunt, der mit ihm zusammen in einem Boot saß.
„Das sind die Argonath, meine Vorfahren!" rief Aragorn an Faramirs Stelle plötzlich feierlich und erhob sich in seinem Boot.
Faramir war erstaunt, als er den Waldläufer, den er so gut zu kennen glaubte, jetzt sah: erhaben wie ein König stand er in seinem Boot und blickte ehrfürchtig zu den Statuen der Könige empor.
„Fürchtet euch nicht!" sagte er zu den Hobbits, die ängstlich geduckt in den Booten saßen.
Faramir senkte demütig den Kopf vor Isildurs Erben, während Boromir verächtlich zur Seite blickte.
Bereits am Mittag setzten sie die Boote an Land, welches Parth Galen hieß, denn dicht vor ihnen lagen die Rauros-Fälle. Sie mussten darüber beraten, welchen Weg man nun einschlagen sollte. Es war offensichtlich, dass Orks in der Nähe lauerten.
„Frodo soll entscheiden", meinte Faramir und blickte den Hobbit an.
Doch dieser wirkte sehr verunsichert.
„Ich möchte ein wenig alleine sein und im Wald spazieren gehen", sagte Frodo schließlich.
Während die anderen Hobbits mit Kochen und Essen beschäftigt waren, beriet sich Aragorn mit Legolas und Gimli. Faramir merkte, wie ihm in der warmen Nachmittagssonne die Augen zufielen. Er beschloß ein wenig zu schlafen.
Plötzlich wurde er unsanft geweckt.
„Rasch, Faramir!" rief Aragorn besorgt. „Frodo und dein Bruder sind seit geraumer Zeit spurlos verschwunden."
Der junge Mann fuhr ruckartig hoch und wischte sich die Augen. Er hatte so tief geschlafen, dass er vollkommen benommen war. Wie in Trance griff er zu seinem Schwert, und lief den anderen Gefährten in den Wald nach. Sie waren in alle Himmelsrichtungen davongelaufen. Merry und Pippin schlichen zwischen den Ruinen der einstigen Festung Amon Hen herum, die von der Wildnis schon fast völlig überwuchert waren. Faramir taumelte den Berg hinauf. Er war noch immer nicht richtig wach und begriff gar nicht, was eigentlich los war. Er hielt sein Schwert in der Hand, während er bergauf stieg. Plötzlich kam ihm Frodo entgegen. Der Hobbit war vollkommen aufgelöst und schreckensbleich. Als er Faramir sah, wich er ängstlich zurück. Er griff nach dem Ring, der an der Kette um seinen Hals hing.
„Willst du ihn auch haben?" schrie er Faramir mit aufgeregter Stimme zu und umschloß den Ring fester mit seiner Faust.
Faramir sah ihn verwirrt an und wurde jetzt erst gewahr, dass er immer noch sein Schwert in der Hand hielt. Er steckte es vorsichtig in den Gürtel und machte eine beruhigende Geste Richtung Frodo.
„Bitte sag mir, was geschehen ist, Frodo", sagte er so ruhig, wie er konnte.
„Dein Bruder wollte mir den Ring wegnehmen, Faramir", erzählte der Hobbit stockend. „Er wollte mir Gewalt antun. Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Ring aufzustecken. Faramir, ich muß alleine nach Mordor gehen. Die Gemeinschaft besteht nicht mehr. Das hat mir auch gerade Aragorn geraten."
Faramir war blaß geworden. Er konnte kaum glauben, was er da gehört hatte. So war also Boromir doch zum Verräter geworden! Er musste ihn zur Rede stellen.
In der Ferne war Kampfeslärm zu hören.
„Geh nun, Frodo!" sagte Faramir sanft. „Ich wäre so gerne mit dir gegangen, bis ins tiefste Mordor hinein."
„Ich weiß", erwiderte Frodo gefasst und schenkte dem rothaarigen Mann ein trauriges Lächeln.
Dann lief er rasch den Berg hinab.
Der Kampfeslärm wurde nun lauter. Offensichtlich waren nun doch Orks aufgetaucht, oder sogar Uruk-Hai aus Isengard. Dann hörte Faramir das Horn Gondors. Er spürte, wie er fröstelte. Diesen Ton kannte er nur zu gut: und nur Einer konnte dieses Horn so laut und furchteinflößend blasen – Boromir!
Das Horn erscholl noch einmal: diesmal in einem heftigen Stakkato. Faramir rannte jetzt los. Offensichtlich befand sich sein Bruder in höchster Not. Er zog sein Schwert und stürzte fast den Abhang hinab.
Ein entsetzliches Bild bot sich ihm auf der Waldlichtung: Boromir kniete vor einem riesigen Uruk-Hai mit drei Pfeilen im Leib. Der Unhold legte gerade einen weiteren Pfeil auf die Sehne seines Bogens, um Boromir endgültig den Garaus zu machen. Faramir ergriff eine Lanze, die am Boden lag und schleuderte sie dem Uruk entgegen. Die Lanze durchbohrte dessen Bauch. Mit einem gurgelnden Laut sank der Bösewicht zu Boden . Faramir kümmerte sich nicht weiter um ihn und lief zu Boromir, der inzwischen auf dem Rücken lag.
„Boromir, du musst durchhalten!" flehte er ihn an.
Der blonde Gondorianer packte Faramir and seiner Lederrüstung.
„Sie...sie haben die Hobbits", keuchte er entkräftet. „Ich habe euch alle verraten. Ich habe versagt. Die Weiße Stadt...Gondor wird untergehen."
Faramir traten die Tränen in die Augen.
Hinter Faramirs Rücken richtete sich der Uruk noch einmal halb auf. Er ergriff einen großen Stein und warf ihn mit aller Macht an Faramirs Kopf. Dieser schrie auf und sank bewusstlos neben Boromir ins Gras.
Nur wenige Augenblicke später erreichten Aragorn, Legolas und Gimli zusammen die Lichtung.
„Bei Eru!" flüsterte Aragorn, als er die zwei Truchseß-Söhne leblos vor sich liegen sah.
Legolas tötete den Uruk Hai, der sich immer noch bewegte, mit zwei Pfeilen.
Der Waldläufer kniete neben Boromir, der mit schwacher Stimme nach ihm rief.
„Faramir ist...ist", stammelte er mit brüchiger Stimme. „Du musst nach Minas Tirith gehen. Die Weiße Stadt wird untergehen."
„Ich verspreche dir, dass die Weiße Stadt nicht untergehen wird", beteuerte Aragorn den Tränen nahe. „Ich werde alles dafür tun, dass dies nicht geschieht."
„Ich wäre dir so gerne gefolgt, mein Bruder, mein Hauptmann, mein König", murmelte Boromir mit letzter Kraft und seine Augen brachen. Gimli fing an zu schluchzen und das Gesicht des Elben verdüsterte sich vor Trauer. Aragorn liefen die Tränen offen über das Gesicht. Auch Faramir schien tot zu sein. Er lag bäuchlings neben Boromir, von seinem Hinterkopf rann Blut.
Aragorn drehte Faramir vorsichtig auf den Rücken. Plötzlich bewegte sich dieser und stöhnte leise.
„Er lebt!" stieß der Waldläufer freudig hervor.
Es dauerte nicht lange und Faramir erlangte das Bewusstsein wieder. Aragorn hatte ihm inzwischen einen behelfsmäßigen Kopfverband angelegt.
„Die Uruks haben Merry und Pippin mitgenommen", erzählte der junge Mann mit erstickter Stimme.
„Weißt du, was mit Boromir passiert ist?" fragte Aragorn vorsichtig.
„Ist er tot?" fragte Faramir heiser.
„Er ist in meinen Armen gestorben", erzählte der Waldläufer und erneut traten ihm Tränen in die Augen. „Er starb in Frieden, Faramir."
„Vom Weißen Turm werden sie jetzt vergeblich nach ihm Ausschau halten, denn er wird nimmermehr zurückkommen", murmelte Faramir erschüttert.
Dann bekam er einen Weinkrampf. Aragorn nahm ihn in die Arme, und beide beweinten zusammen Boromir.
Wenige Stunden später bestatteten sie Boromir in einem der Elbenboote. Die Pfeile hatten sie aus seinem Körper entfernt, sein Gesicht gereinigt und sein langes Haar gekämmt. Sie legten ihm außerdem sein Schwert und sein Schild mit ins Boot. Das zerborstene Horn behielt Faramir. Er wollte es seinem Vater geben, wenn er nach Minas Tirith zurückkehrte.
„Er wirkt jetzt friedlicher und schöner als er im Leben war", befand Faramir, als er einen letzten Blick in das Bestattungsboot warf und erneut zeigte sich der Schmerz des Verlustes in seinem Gesicht. Langsam trieb das Boot auf die Rauros-Fälle zu.
Denethors prophetischer Traum, der von dem Elb Heru gedeutet worden war, hatte sich nun auf grausame Art erfüllt.
„Wir müssen weiter!" mahnte Aragorn vorsichtig und legte seine Hand auf Faramirs Schulter.
Dieser nickte traurig lächelnd.
Legolas meldete, dass Frodo zusammen mit Sam den Fluß überquert hatte.
„Wir müssen uns um Merry und Pippin kümmern", erklärte Aragorn energisch. „Wir müssen verhindern, dass sie von den Uruk-Hai nach Isengard gebracht werden."
Die vier übriggebliebenden Gefährten nickten sich tapfer zu. Faramir warf einen letzten Blick auf den Anduin, der für seinem Bruder nun zum Grab geworden war. Dann folgte er den anderen in den Wald hinein.
TBC...
