Chapter14
„Was geht hier vor?", Valandil schien die Geschehnisse, welche sich vor seinen Augen abspielten, nicht zu begreifen.
„Rúmil war gerade dabei es mit dem Pfeiferauchen zu versuchen. Wenn du ihn bitte nicht ablenken würdest."
Dies als Aufforderung verstehend, zog Rúmil, wie gerade auch sein Bruder, an der Pfeife. Triumphierend blickte er diesen an, als er von einem Hustenanfall verschont blieb, jedoch auch eine wesentlich größere Rauchwolke fabrizierte. Immer dieses Konkurrenzdenken, wenn es um Größe ging. Wenn Elben so perfekt waren, wie groß war dann… Alassë dachte nicht weiter, es war lächerlich. Gimlis Zeug wirkte, und zwar gut, trotzdem konnte sie sich ein anzügliches Grinsen nicht verkneifen. Es hätte sie schon mal interessiert, was perfekt in dieser Hinsicht eigentlich war.
Noch immer grinsend legte sie sich auf den Rücken, und beobachtete aus dieser Perspektive das Geschehen. Die Pfeife war gerade an Lólindir weitergegeben worden, und auch dieser schaute nach seinem Zug mit einem überlegenen Grinsen zu Orophin.
„Aber warum tut ihr das?", Valandils Verwirrung war nicht verflogen.
„Ach, der Stolz der feinen Elbenherren ist nur ein ganz kleines winziges Bisschen angekratzt. Als ob sie sich weigern würden, wenn sogar ich es mache. Männer… äh… Elben!", sie stieß zur Untermalung ihrer Worte noch einen zischenden Laut aus und ein amüsiertes Lächeln umspielte ihre Lippen. Valandil starrte sie mit leicht geöffnetem Mund an.
„Wie? Du…?",seufzend brach er ab. Langsam sollte ihn so etwas nicht mehr wundern. Vieles hatte sich verändert. Es waren über anderthalb Jahrtausende vergangen. Was hatte er erwartet? Schweigend beobachtete er wie Legolas an der Pfeife zog, ohne auch nur eine Regung zu zeigen. Gimli hatte ihn schon öfter herausgefordert und egal worum es sich gehandelt hatte, fast immer war Gimli mit gesenktem Haupt vom Schlachtfeld getrottet. Im metaphorischen Sinne. Während Valandil, ohne weiter darüber nachzudenken, die Pfeife entgegen nahm, dachte er an das Gespräch mit Frau Galadriel zurück. Sie hatte es gewusst, noch bevor er eingetreten war, und viel mehr noch, sie kannte die Details. Er hatte ihr nicht von seiner Entdeckung, dem Traum, erzählen müssen. Was sie wissen wollte, wusste sie. Ihre Macht war groß.
„Danke.", aus seinen Gedanken geschreckt blickte er auf. Alassë hatte ihm die Pfeife aus der Hand genommen, nachdem er gezogen hatte und sie dann tatenlos in der Hand hielt. Genüsslich ließ sie erneut ihre Lungen mit Rauch füllen und gab dann weiter an Gimli, der nach einem letzten Zug, sofort begann eine weitere Pfeife zu stopfen.
Die Pfeife war noch mehrere Male herum gegangen, auch wenn die fünf Elben darüber zunächst nicht gerade glücklich schienen. Nun lag Alassë entspannt im Gras und interpretierte die Wolken. Ein Schäfchen? Nein, zu langweilig. Der Schambereich einer Frau, die sich mal wieder rasieren sollte? Nein, zu eklig. Gimli! Die Wolke, welche sie gerade betrachtete sah eindeutig aus wie Gimli. Der Bart, die Ohren, noch mehr Bart, und irgendwo unten kleine stämmige Beinchen. Interessiert wandte sie sich von jeglichen Kreationen des Himmels ab, als sie neben sich ein unterdrücktes Kichern vernahm. Rúmil. Fragend sahen ihn auch die anderen an. Alle waren in sich versunken gewesen und selbst der Zwerg war einen Moment still gewesen. Einige Augenblicke versuchte Rúmil ernst zu bleiben und unterdrückte etwaige Laute. Alassë konnte kaum ein Grinsen unterdrücken, ahnte sie doch was folgen würde. Wie als hätten sie sich heimlich abgesprochen, brachen die fünf Elben zur gleichen Zeit in lautes Lachen aus. Gimli warf ihr einen amüsierten Blick zu, blieb jedoch stumm. Er wusste es würde eine bessere Zeit kommen, da er auf diesen Augenblick verweisen konnte, und dieser Erinnerung noch einen netten Kommentar beifügen würde können.
„Ich hab Hunger!", presste Orophin zwischen den Lachern hervor. Zustimmung von Seiten der Elben.
„Ich geh' was holen.", erwiderte Legolas noch während er aufstand. Als er die aufrechte Position eingenommen hatte, schwankte er leicht und drehte sich einmal um sich selbst, als würde er Lórien gerade zum ersten Mal sehen. Nach kurzem überlegen zeigte er mit ausgestrecktem Arm in Richtung des Zentrums. „Da lang." Kichernd verschwand er.
„So bald werden wir ihn nicht wieder sehen, oder?", wandte sich Alassë an Gimli.
„Ich wage es zu bezweifeln, das wird ihm ewig nachhängen. Das ist noch viel besser als der Tag an dem ich ihn in Helms Klamm besiegt habe."
„Wobei?", interessiert fragte Alassë nach. Solche Informationen konnten nie schaden.
„Ich habe mehr Orks besiegt als der feine Herr Elb.", erzählte Gimli stolz. „Ich habe die bessere Technik, weißt du? Man muss eine Axt verwenden und wenn man…"
„Du hast nicht mehr besiegt Gimli.", unterbrach Valandil ihn noch immer nach Luft schnappend. Alassë war froh um diese Unterbrechung, wenn sie ehrlich war. Wie sie Gimli bisher kannte, hätte er ihr im Folgenden sehr graphisch beschrieben wie man einen Ork tötete und wie genau dieser dann starb und wie es aussah wenn man es richtig machte. Empört wandte sich Gimli den lachenden Elben zu.
„Nur weil du halb so groß bist wie ein Ork, heißt das nicht, dass du jeden den du vernichtest doppelt zählen darfst." Schallendes Gelächter von Lólindir, Rúmil und Orophin.
Gimli grummelte daraufhin nur etwas von, sie sollten bloß warten bis sie wieder bei Sinnen wären. Im gleichen Augenblick kam Legolas zurück und ließ sich ins Gras plumpsen. Verschiedene Dinge, welche er mitgebracht hatte, kullerten ins Gras. Beinahe gierig griffen die zurückgebliebenen danach. Alassë beobachtete die sich ihr bietende Szene grinsend. Elben, welche Langgrundblatt geraucht hatten und auf Grunde dessen etwas neben sich standen, verloren wirklich jeglichen Anstand und Grazie. Schon wenige Minuten später griff Valandil nach dem letzten Stück Lembas.
„Hey!", vorwurfsvoll streifte ihn Lólindirs Blick. Valandil beachtete ihn nicht mehr, nachdem seine ausgestreckte Zunge ihm klargemacht hatte, dass er nicht teilen würde.
„Du hast immer noch Hunger? Du hast doch schon drei gegessen…", amüsiert mischte Alassë sich ein.
Schmollend warf Lólindir ihr einen vernichtenden Blick zu. Er starb vor Hunger und sie verteidigte ihn nicht einmal.
Nacheinander verfielen alle in nachdenkliches Schweigen. Jeder von ihnen hing seinen eigenen Gedanken nach und war froh von den anderen nicht unterbrochen zu werden. Dann und wann konnte man einen der Elben noch glucksend Kichern hören, doch auch dieses Geräusch verebbte zunehmend mit dem Verstreichen der Zeit.
Valandil dachte noch einmal an sein Gespräch mit Galadriel zurück. War er danach noch immer unruhig gewesen, so fühlte er sich nun seltsam erleichtert. Ob dies nun an Gimlis Pfeifenkraut lag oder daran dass er nun mit ein wenig Abstand die Dinge betrachtete, konnte er nicht sagen. Er wusste nur, dass sie Fortschritte machte und die Hoffnung in ihm begann erneut zu wachsen.
Alassë hatte es geschafft alle Gedanken beiseite zu schieben. Ruhig lag sie im Gras, welches das Gefühl angenehmer Kühle auf ihrem Rücken verbreitete. Die Wolken zogen über sie hinweg, die Blätter der Bäume rauschten im Wind und begleiteten die sanften Lieder der Vögel. Das erste Mal seit sie hierher gelangt war, fühlte sie wahren Frieden, welcher nicht von störenden Gedanken an irgendwelche Elben oder an ihre Heimat unterbrochen wurde. Und doch fühlte sie sich merkwürdig, als würde sie gleich in einen tiefen Schlaf fallen, obwohl sie nicht müde war.
Lachend stieg sie vom Pferd, das Reiten hatte befreit. Mit jedem Schritt den ihr Pferd tat schien sie sich weiter von ihren Problemen zu entfernen. Ihr Vater war beinahe vergessen, als sie sich auf das Gras der Lichtung fallen ließ. Entspannt lag sie auf dem Rücken und betrachtete ihre Umgebung aus dieser Perspektive.
'Tirim, lathram a osradam had vîn.' Wir schauen uns in der Gegend um.
Ihre zwei Begleiter verließen den Lagerplatz und begaben sich in die Richtung der deutlich hörbaren Quelle. Mit einem leicht leidenden Ausdruck wandte sie ihren Kopf zu Valandil, welcher gerade das Gepäck vom Rücken der Pferde hob.
‚Lugin…' Ich habe Hunger. Valandil drehte sich für einen Augenblick lachend zu ihr um.
Nach kurzem Schweigen ergriff Alassë erneut das Wort. ‚A si van medim?' Und was essen wir jetzt?
Noch bevor Valandil etwas hatte antworten können, spürte sie den Erdboden sich bewegen. Oder war sie es? Langsam kam sie zu sich, wusste zunächst nicht wo sie sich befand. Über sich sah sie Valandil. Sorge stand in seinem Gesicht, aber auch Glück. Worüber? Als er ihren durchdringenden Blick spürte, wandte er sich kurz ab, sammelte sich bevor er sie wieder anblickte.
„Wie geht es dir?"
Verwirrt richtete sie sich auf. Die Elben und auch Gimli blickten sie mit großen Augen an; konnten ihre Verwirrung nicht verbergen.
„Was ist geschehen?", noch immer war sich Alassë noch nicht darüber im Klaren und wandte sich nun an Valandil.
„Ich weiß es nicht. Plötzlich sprachst du, wie im Schlaf." Dies schien nicht die ganze Wahrheit zu sein. Fragend sah sie zu Orophin, als dieser das Wort ergriff.
„Elbische Worte. Und im Schlaf kann es nicht gewesen sein, deine Augen waren geöffnet, weiter als es üblich ist, als sähest du etwas vor dir."
Unruhig sah Valandil von Orophin zu Alassë, beobachtete sie ob sie noch weitere Fragen stellen würde. Verwirrt blickte sie auf den Boden vor ihren Füßen, als würde sie dort Antworten auf nicht gestellte Fragen finden. „Was habe ich gesagt?"
„Lugin a si van medim….", wiederholte Rúmil die Worte aus ihrem Traum, oder was immer es gewesen sein mochte. Schweigend sah sie ihn an, betete das die Worte nicht das hießen was sie dachte; was sie fühlte.
„Und was heißt das?", die Verwirrung auf den Gesichtern der Umsitzenden schien immer größer zu werden. Nur Valandil blickte auf den Boden, vermied Blickkontakt mit den anderen, aus Angst mehr Preis zu geben als er durfte.
„Ich habe Hunger und was essen wir jetzt…" übersetzte ihr Rúmil nach kurzem Schweigen bereitwillig.
Langsam schloss Alassë ihre Augen. Sie wusste was es hieß und sie hatte sich vor dieser Bestätigung gefürchtet. Wie konnte sie etwas in ihren Träumen verstehen, was sie normalerweise, in wachem Zustand, nicht verstand. Woher wusste sie die Worte in ihrem Traum? Hatte sie sie gehört, irgendwo in Lórien? Zumindest sprachen die meisten Elben hier den ganzen Tag lang nur ihre eigene Sprache. Aber wie hatte sie es im Traum in den richtigen Kontext setzen können? Das Chaos ihrer Gedanken ordnete sich nicht, wurde noch verwirrender mit jeder Frage, die sie sich stellte.
‚Eine Vision…', flüsterte es.
„Was?", suchend blickte sie sich um, wusste jedoch, dass sie die Person zu der Stimme nicht in Sichtweite finden würde. Fragend schaute Valandil sie an, doch Alassë schüttelte nur den Kopf, bedeutete ihm zu Schweigen.
‚Was meinst du damit?', sie hoffte die Frage würde ankommen bei der Person für die sie bestimmt war. Galadriel. Doch nichts geschah. Wahrscheinlich war es nur der Wind gewesen, oder Gimlis Pfeifenkraut wirkte länger und anders als sie es gedacht hatte. Mit Halluzinationen hatte sie eigentlich nicht gerechnet.
„Ich habe noch etwas zu erledigen. Wartet nicht auf mich." Mit diesen Worten stand Valandil auf und ging ohne sich noch einmal umzublicken, den Kopf gesenkt. Nachdem Valandil aus dem Sichtfeld der Zurückgebliebenen gewichen war, richteten sich alle Blicke wieder auf Alassë, als könne sie nun Licht ins Dunkle bringen. Nur Legolas starrte sie nicht an. Sein Blick galt erneut dem Himmel, welcher sich langsam verdunkelte und die ersten Sterne aufleuchten ließ, als wäre nichts Seltsames erst vor kurzem passiert. Auch Orophins Blick schien anders als Gimlis, Lólindirs und Rúmils. Nicht verwirrt sondern nachdenklich betrachtete er sie, beinahe als wäre sie gar nicht da und er sähe nur den Apfelbaum hinter ihr. Ihren fragenden Blick ignorierte oder sah er nicht, und so wandte sie sich leicht irritiert von ihm ab. Keiner sprach ein Wort und so ergriff auch sie es nicht, obwohl ihr die Blicke langsam sehr unangenehm erschienen. Lange betrachtete sie nun den Himmel, an welchem immer mehr Sterne wie aus dem nichts auftauchten. Bald war ganz Lórien mit einer samtigen Dunkelheit überzogen, nur durchdrungen von den vielen strahlenden Lampions.
„Irgendwie habt ihr komische Sterne hier.", nun hatte sie doch als erste das Schweigen durchbrochen.
„Wie meinst du das?", Orophin schien sich erbarmt zu haben sie doch noch als anwesend zu werten.
„So viele irgendwie, und man scheint selbst die zu sehen welche so weit entfernt sind, dass Entfernung nicht einmal mehr ein Begriff dafür ist. Und bei uns scheinen sie so anders. Ach, keine Ahnung."
„Sind es andere Sterne bei euch?", interessiert wandte sich auch Lólindir ihr nun zu.
„Ja, viel weniger eben. Und ich habe zwar kaum Ahnung von irgendwelchen Sternbildern, aber hier kann ich auch keine mir bekannten Formationen erkennen. Obwohl, hier kann man ja Jahre sitzen und hoch schauen, und im Endeffekt hat man noch immer nicht alle Sterne gesehen."
„Ja, das ist wahr. Uralt und trotzdem stetig neu. Wie Lothlórien auch…"
Noch eine Weile blickten sie alle gemeinsam in den Himmel, sahen das Funkeln der Tausenden Sterne, schienen in ihrem Bann gefangen. Als die Dunkelheit schon lange hereingebrochen war verabschiedete sich Alassë von allen. Legolas sagte nichts, warf ihr einen kurzen Blick zu und lehnte sich wieder zurück um die Sterne zu betrachten. Und Alassë schwor sich, sich nicht bei ihm zu entschuldigen. Sollte er es haben, wie er es wollte. Sie musste Gimli noch versprechen, am nächsten Morgen mit ihm und den anderen zu Galadriel zu kommen. Warum, dass sagte er nicht, doch schien es Alassë als konnte sie ein Lächeln auf seinen Lippen unter dem dicken Bart spielen sehen.
Sofort geht's weiter… ich weiß ich bin toll ;-), nee sorry lol
