Ann : im nächsten Kapitel wird Faramir Éowyn kennenlernen. Du darfst gespannt sein!

Ali: Éowyns Verhalten wird wohl etwas überraschend sein. Zu den Pferden: Ich habe mich immer gefragt, was aus dem armen Hasufel wohl geworden sein mag. Nun ist er bei Faramir in guten Händen.

May20: Deine vielen Reviews machen mich ganz sprachlos. Du bist wirklich sehr fleißig gewesen und hast dir zu jedem Kapitel deine Gedanken gemacht. Deine konstruktive Kritik nehme ich zur Kenntnis. Gerade das mit der Ringgemeinschaft war sehr schwer zum Schreiben, und ich habe die Kapitel oftmals umgeschrieben. Ich wollte ja nicht den Film bzw. das Buch wortwörtlich wiedergeben. Schließlich habe ich mich dafür entschieden, die Reise der 10 Gefährten drastisch zu kürzen, was wohl nicht so optimal geraten ist. Auch Elronds Rat habe ich etwas verkürzt. Schade, dass dir die Sache mit Arwen nicht so gefallen hat.

Zu Aragorns Verwundung muß ich auch noch was sagen: ich stelle mir vor, dass seine Heilkräfte in Verbindung mit dem Athelas nicht bei ihm selbst wirken, sondern nur bei anderen. Und Faramir konnte sich auf diese Weise auch endlich mal bei Aragorn revanchieren. Schließlich war er selbst auch jahrelang Waldläufer in Ithilien und hat so manches Rezept für Heiltränke im Kopf. Soviel zu meiner „Verteidigung". /zwinker/ Ich hoffe, du bleibst auch bei den neuen Kapiteln am Ball. Auf jeden Fall gibt es jetzt kein Gehetze mehr, denn Faramir wird jetzt Éowyn kennenlernen.

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Kapitel 24: Éowyn

Sie ritten langsam durch die düster wirkende Stadt, die aus Holz- und Lehmhütten bestand. Faramir hatte viel über die Kultur der Rohirrim gelesen: es waren einfache, aber sehr beherzte Menschen des Nordens. Er hatte viel Bewunderung für die Rohirrim übrig: sie verstanden es wie kein anderes Volk, gute Pferde zu züchten und schon seit vielen Jahren boten sie den wilden Dunländern die Stirn, die immer wieder Teile Rohans mit Krieg überzogen.

Die Leute kamen mißtrauisch aus ihren Häusern und betrachteten schweigend die fünf Fremden, die recht exotisch auf sie wirkten.

„Sogar auf einem Friedhof ist die Stimmung fröhlicher", knurrte Gimli vor sich hin.

Faramir verkniff sich ein Grinsen. Es war nicht angebracht zu lachen. Diese Leute wirkten nicht nur mißtrauisch, sondern auch tief bekümmert.

Unterhalb der Goldenen Halle ließen sie ihre Pferde zurück. Gandalf schritt als erstes die Treppen hinauf.

Ein großer Mann mit langem roten Haar und Bart und in schwerer Rüstung stellte sich ihnen in den Weg.

„So darf ich Euch nicht zu König Théoden lassen", sagte der Hauptmann, der sich Hama nannte.

Faramir blickte den Krieger empört an und umklammerte seinen Bogen fester. Doch Aragorn legte ihm beschwichtigend die Hand auf die Schulter.

„Uns bleibt nichts anderes übrig, mein Freund", raunte er Faramir zu.

Widerwillig gaben die Gefährten ihre Waffen dem Hauptmann und seinen Kriegern. Nur Gandalf durfte seinen Stab behalten. Einem alten Mann durfte man schließlich nicht die Gehhilfe rauben. Dann betraten sie die Halle.

Faramir sah sich erstaunt um: die Goldene Halle war zwar sehr düster, weil es kaum Fenster gab, aber sie offenbarte viel von der Kultur der Rohirrim. Die hölzernen Balken waren mit kunstvollen Schnitzereien versehen und die Wände waren mit kostbaren Wandteppichen bedeckt, auf denen edle Krieger auf Pferden abgebildet waren. Auch in den Schnitzereien wiederholte sich immer wieder das Pferdemotiv. In der Mitte der Halle befand sich eine große Feuerstelle, in der jetzt jedoch kein Feuer brannte. Faramir fragte sich, wieviel Feste wohl schon in dieser Halle gefeiert worden waren. Doch dann erblickte er den König und dachte nicht mehr an irgendwelche Feierlichkeiten. Am Ende der Halle saß ein schwächlicher, uralter Greis auf einem Thron. Neben ihm stand ein bleicher Mann, ganz in schwarz gekleidet.

Er redete auf den König ein, während Gandalf freundlich, aber bestimmt vorsprach. Langsam hob der Zauberer den Stab.

„Den Stab!" schrie der Schwarzgekleidete plötzlich erbost. „Nehmt ihn den Stab ab!"

Aragorn und Faramir nickten sich zu und als die Wachen herbeiliefen, drängten sie diese zusammen zurück. Auch Legolas und Gimli halfen ihnen. Der Schwarzgekleidete stürzte sich wütend auf die Gruppe, doch Gimli brachte ihn zu Fall und setzte sich auf seine Brust.

„Ich rate Euch, still liegen zu bleiben!" drohte der Zwerg mürrisch und zog einen großen Dolch, den er unter seinem Wams verborgen hatte, hervor.

Der bleiche Mann starrte Gimli und den Dolch mit vor Angst geweiteten Augen an und blieb zitternd liegen.

„Ich befreie Euch jetzt von dem Zauber, Théoden, Thengels Sohn!" rief Gandalf mit dröhnender Stimme.

Ein Blitz kam aus seinem Stab und traf den König. Théoden sank ächzend zusammen. In diesem Augenblick kam die weißgekleidete Maid mit den langen, blonden Haaren in die Halle. Sie versuchte zwischen Faramir und Aragorn durchzulaufen.

„Wartet!" rief der Waldläufer und fasste sie am Arm.

Der König richtete sich plötzlich wieder auf: sein Gesicht verjüngte sich und seine schlohweißen Haare wurden wieder blond.

Das Mädchen riß sich jetzt los von Aragorn und stürzte auf den Thron zu.

„Onkel!" stieß sie glücklich hervor.

„Ich kenne Euer Gesicht", sagte der wiedererstarkte König langsam zu seiner Nichte und strich ihr über die Wange.

Er stand jetzt auf und ergriff sein Schwert, dann fiel sein Blick auf den Schwarzgekleideten.

„Grima Schlangenzunge!" rief er zornig.

Gimli hatte den finsteren Menschen inzwischen losgelassen. Dieser beeilte sich, nach draußen zu fliehen.

„Deine schröpfende Heilkunst hätte mich fast auf allen Vieren kriechen lassen!" schrie Théoden ihm erbost nach.

Schließlich ging der König hinaus, um sich seinem Volk zu zeigen. Die Menschen Rohans jubelten begeistert. Grima war inzwischen davongeritten.

„Man sollte ihn verfolgen und ihm den Garaus machen!" zischte Théoden wütend und schüttelte die Faust.

„Er ist es nicht wert, dass man sich die Hände mit ihm schmutzig macht", sagte Faramir leise.

Théoden drehte sich plötzlich zu ihm um. Er kniff die Augen zusammen und sah den jungen Gondorianer erstaunt an.

„Wer seid Ihr, junger Mann? Euerer Sprache nach kommt Ihr aus Gondor, doch Ihr seht nicht aus wie einer dieser schwarzhaarigen Númenorabkömmlinge."

„Ich sehe den Vorfahren meiner Mutter ähnlich, die hellhaarige Elben waren", erwiderte Faramir ruhig.

„Seid Ihr etwa Faramir, der Truchseß-Sohn, der seinem Vaterland den Rücken gekehrt hat?" fragte Théoden feindselig.

„Ja, ich bin Faramir aus dem Hause Húrin", entgegnete dieser stolz und blickte den König unverwandt an.

Bevor Théoden noch etwas sagen konnte, schaltete sich Gandalf ein.

„Wollt Ihr Euere Gäste nicht bewirten, König? Wir haben Hunger."

Théoden warf noch einen letzten grimmigen Blick auf Faramir, dann wandte er sich den anderen Gefährten zu.

„Kommt herein", sagte er mit milder Stimme zu ihnen.

§

Die Nichte des Königs, die sich Éowyn nannte, ließ es sich nicht nehmen, die fremdländischen Gäste persönlich zu bedienen. Die fünf Gefährten hatten an einem Tisch in der Halle Platz genommen und ließen es sich schmecken. Faramir betrachtete Éowyn stirnerunzelnd: sie war das anmutigste, menschliche Geschöpf, das er je gesehen hatte. Alatariel war eine Elbin, damit konnte keine Menschenfrau standhalten, doch Éowyns Aussehen kam einer Elbin schon sehr nahe. Aber sie hatte auch etwas Kühles und Hochmütiges an sich, was ihm nicht gefiel. Wahrscheinlich betrachtete sie ihn, genauso wie ihr Onkel, als Landesverräter und Feigling. Éowyn scharwenzelte den ganzen Abend um Aragorn herum. Sie las ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Verzweifelt sah der Waldläufer immer wieder zu Faramir hinüber, doch der grinste nur. Das Essen der Rohirrim war einfach, aber schmackhaft: es gab kalten Braten, Brot und Obst. Der König speiste mit seinen Gästen und unterhielt sich dabei fast die ganze Zeit nur mit Gandalf. Anscheinend schätzte er den Rat des Zauberers hoch ein.

„Ihr habt Recht, Gandalf", sagte der König schließlich mit erhobener Stimme. „Ich werde die Stadt räumen lassen und wir gehen nach Helms Klamm."

Éowyn hielt inne, als sie das hörte. In ihren Augen blitzte es kampfeslustig. Voller Stolz und Liebe blickte sie ihren Onkel an. Auch sie wollte ihr Volk mit dem Schwert verteidigen. Denn kämpfen konnte sie ja. Oja, sogar besser als mancher Mann.

Nach dem Essen begann eine große Hektik in der Goldenen Halle. Hama war nach draußen geeilt und verkündete dem Volk von Edoras, dass die Stadt geräumt werde.

Éowyn hatte ihr Schwert geholt und machte in der Goldenen Halle Kampfesübungen. Faramir beobachtete, wie Aragorn sein Schwert zog und ihr Paroli bot. Dann unterhielten sich die Beiden leise und schließlich verneigte sich der Waldläufer vor ihr. Er fand Aragorns Verhalten etwas merkwürdig: seiner Meinung nach beschäftigte sich der Dunedain etwas zu viel mit dieser blonden Schildmaid.

Als Aragorn die Goldenen Halle verlassen wollte, packte ihn Faramir an der Schulter.

„Was hast du mit ihr vor?" fragte er neugierig. „Ich habe irgendetwas von ‚Tochter von Königen' gehört."

„Ich weiß es nicht", sagte Aragorn bedrückt und fummelte an dem Schmuckstück herum, das er um den Hals trug. Es war der Abendstern, ein Geschenk von Arwen.

„Eine wie Éowyn wäre es wert, Königin von Gondor zu werden", fuhr Faramir mit gedämpfter Stimme fort. „Sie ist von hohem Geblüt und scheint sehr tapfer zu sein."

„Es ist schön, dass du an mich denkst", lächelte Aragorn traurig, „aber ich kann Arwen nicht so schnell aus meinem Gedächtnis streichen. Aber du hast recht: eines Tages wird der König von Gondor sich eine würdige Dame zu seiner Königin erwählen müssen. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg."

Faramir blieb stehen und sah Aragorn nachdenklich hinterher. Éowyn trat plötzlich neben den Gondorianer. Ihre Wangen glühten vor Leidenschaft. In ihren Augen lag ein merkwürdiger Glanz, als sie dem Waldläufer nachblickte.

„Ihr könnt froh sein, dass Aragorn Euer Freund ist, Faramir", sagte sie herablassend. „Mein Onkel hätte Euch sonst längst von Meduselde verjagt, genauso wie Grima Schlangenzunge."

„Ihr kennt mich gar nicht, Frau Éowyn", erwiderte der rothaarige Mann gefasst und blickte ihr tief in die Augen. „Und doch habt Ihr bereits ein Urteil über mich gefällt. Ihr solltet dummen Gerüchten keinen Glauben schenken."

Éowyn sah ihn irritiert an und wendete sich dann ab. Sie warf ihr langes blondes Haar stolz zurück und verließ die Halle.