May20: Mir hat dieser Satz beim Schreiben selbst so gut gefallen, dass ich immer wieder kichern musste. Im nächsten Kapitel taucht dann jemand auf, den man zu diesem Zeitpunkt nicht auf der Rechnung hat. /grins/

Rubics Cube: Im Augenblick sucht Éowyn nur Trost bei Faramir. Ob sich ihr Herz dann rasch dem Gondorianer zuwendet, wird sich noch zeigen.

Ali: Éowyn lehnt sich ohne Hintergedanken an Faramirs Trost. In diesem Moment braucht sie einfach nur jemanden, der sie festhält. Und Aragorn kehrt ja wieder zurück.

Tanja: Ich verrate nicht, wie es mit Fara und Éo weitergeht. Erstmal wird Aragorn wieder zurückkehren und Éo wird sich darüber freuen wie ein Schneider.

Leonel: Das mit der Klippe passte gut in meine Story. Im Buch gibt es das ja nicht. Aber jetzt kommen sich Faramir und Éowyn auf diese Weise mal ein wenig näher, auch wenn es nur Trost ist.

§§§§§§§§§§§§§§

Kapitel 26: Aragorns Rückkehr

Es gab keine Zeit zum Trauern: die Hornburg und ihre Verteidigungswälle mussten auf einen möglichen Angriff Isengards vorbereitet werden. König Theoden rief Faramir, Legolas und Gimli zu sich. Sein treuer Hauptmann Hama war von den Wargreitern getötet worden. Éowyn brachte den beratenden Männern Wein und Brot. Sie beobachtete erstaunt, wie sich ihr Onkel nun ratsuchend an Faramir wandte.

„Ihr seid ein erfahrener Feldhauptmann Gondors, Faramir", begann der König sorgenvoll. „Was würdet Ihr in unserer Situation machen?"

„Nun, es gibt hier nur etwa dreihundert Männer, die mit Waffen umgehen können", erwiderte Faramir nachdenklich. „Die Bauern und Handwerker, die aus den umliegenden Dörfern hierhergeflohen sind, werden uns keine große Stütze sein. Trotzdem müssen sie auf alle Fälle bewaffnet werden. Die Frauen und Kinder sollten unbedingt einen sicheren Unterschlupf aufsuchen."

„Gut, sie sollen in die Höhlen hinabgebracht werden", meinte Theoden anerkennend.

Er rief Éowyn zu sich.

„Ich möchte, dass du die Frauen, Kinder und Alten in die Höhlen hinabbringst und auf sie achtgibst", sagte er ernst.

„Aber..", begann Éowyn trotzig einzuwenden.

Doch ein strenger Blick ihres Onkels ließ sie verstummen. Sie neigte ihren Kopf und verließ die Halle der Burg, in der sich die Männer versammelt hatten. Faramir sah ihr bedrückt hinterher. Wieder verspürte er großes Mitleid mit ihr.

Als sie hinausging, sah sie Aragorn erschöpft zum Tor hineinreiten. Éowyn stieß einen Freudenschrei aus und rannte auf ihn zu. Als er von Brego abstieg, fiel sie ihm jubelnd um den Hals und streichelte immer wieder seine bärtigen Wangen, um sich zu vergewissern, ob er auch wirklich am Leben war. Aragorn ließ es mit einem leisen Lächeln geschehen. Doch dann kamen

Faramir und Legolas aus der Halle gelaufen. Éowyn trat zurück und beobachtete strahlend, wie Aragorn von seinen Gefährten begrüßt wurde. Faramir umarmte Aragorn unter Freudentränen und Legolas übergab dem Waldläufer den Abendstern. Dabei sagte er irgendetwas auf Elbisch zu Aragorn und dieser musste herzlich lachen. Éowyn fühlte die Eifersucht in sich hochsteigen und mit zusammengepressten Lippen wandte sie sich ab.

Es war Zeit, die Frauen und Kinder in die Höhlen zu führen. Aber ohne ihr Schwert würde sie nicht in die Höhlen gehen, das schwor sie sich.

Zusammen mit Faramir und Legolas betrat Aragorn die große Burghalle und berichtete von einem riesigen Uruk-Hai-Heer, das sich auf Helms Klamm zu bewegte.

„Dann müssen auch die alten Männer und die halbwüchsigen Knaben mitkämpfen", seufzte Theoden entmutigt.

Er schickte Faramir und einige Krieger in die Höhlen hinab: sie sollten dort unter den Kinder und Alten brauchbare Kämpfer aussuchen. Es war keine leichte Aufgabe. Faramir blutete das Herz, als er einige Dreizehnjährige zum Kampf auswählen musste. Ihre Mütter weinten und flehten ihn an, das nicht zu tun.

„Es tut mir so leid", stieß er mühsam hervor.

Éowyn kam langsam auf Faramir zu.

„Gebt auf Aragorn acht, versprecht mir das", sagte sie leise.

„Ich werde tun, was in meiner Macht steht", erwiderte Faramir traurig lächelnd.

„Ihr seit ein tapferer Mann, Faramir von Gondor", sagte Éowyn ebenfalls lächelnd. „Ich nehme alles zurück, was ich vor einigen Tagen in Edoras zu Euch gesagt habe. Ich glaube nicht, dass Ihr ein feiger Landesverräter seid."

„Ich danke Euch, Éowyn", entgegnete Faramir erfreut. „Und ich weiß, dass Euere Stunde noch kommen wird, Schildmaid von Rohan."

Éowyn errötete etwas und ging wieder zu den anderen Frauen hinüber. Faramir musste nun wieder gehen. Mit einer Gruppe Halbwüchsiger und alter Männer im Schlepptau verließ er die Höhlen.

Als er oben ankam, war gerade eine Truppe von Elben aus Lothlorien angekomen und Aragorn unterhielt sich aufgekratzt mit Haldir, der die Truppe anführte.

„Haldir!" stieß Faramir freudig aus und schüttelte dem Elben die Hand.

„Schön, Euch wiederzusehen, Faramir", sagte dieser mit einem breiten Lächeln.

„Wir sollten uns nun zum Kampf rüsten", mahnte Aragorn besorgt. „In der Burg gibt es genügend Kettenhemden und Waffen."

Als Faramir noch einmal die Reihe der Elbenkrieger entlangsah, entdeckte er plötzlich ein bekanntes Gesicht. Das konnte doch nicht möglich sein: Arwen befand sich unter den Kriegern! Sie trug die gleiche Rüstung wie die anderen und blickte streng vor sich hin. Faramir ging schnurstracks zu ihr hin, während Aragorn mit den anderen in der Burg verschwand.

„Arwen, was macht Ihr denn hier?" fragte er leise. „Hat Euch Aragorn schon gesehen?"

„Seid nur still!"raunte Arwen ihm zu. „Wenn Aragorn mich sieht, dann wird er mich nicht mitkämpfen lassen."

„Damit hat er auch recht", meinte Faramir kopfschüttelnd. „Ihr solltet hier nicht sein, Arwen."

„Ich will an seiner Seite mit ihm kämpfen und sterben, wenn das unser Schicksal ist", sagte die Elbenfrau tapfer.

Faramir wandte sich seufzend ab und ging in die Burg hinein, um sich für die Schlacht zu rüsten.

Arwen verstand es geschickt sich vor Aragorn zu verbergen. Als die Elbenkrieger Aragorn zur Klammwall folgten, lief sie hinter ihm, das Visier ihres Helmes tief ins Gesicht gezogen.

Faramir hatte inzwischen ein schweres Kettenhemd angelegt und befestigte darüber wieder seine Lederrüstung. Er hatte Angst vor der Schlacht: hier gab es nur ein paar hundert Männer, die kampferprobt waren. Selbst die hundert Elben aus Lothlorien würden das riesige Heer der Uruk-Hai nicht aufhalten können. Eigentlich waren sie alle verloren. Er fragte sich, ob das nun das Ende war. Gerne hätte er Minas Tirith wiedergesehen und seinem Vater das zerborstene Horn seines Bruders überreicht. Bedrückt schloß er sich der Gruppe Elbenkrieger an, die vor ihm zur Klammwall lief. Es war völlig dunkel geworden und von der Ferne hörte man das feindliche Heer heranrücken.

Faramir hatte seinen Bogen bereit, wie die meisten Krieger, die auf der Brüstung standen. Arwen hielt sich stets hinter Aragorn. So würde er sie nicht sehen können. Faramir fragte sich, ob sie heimlich von Bruchtal ausgerissen war. Sicher würde Elrond es nicht billigen, wenn sie hier mitkämpfte.

Jetzt waren die Uruk-Hai zu sehen. Sie waren schrecklich anzusehen, diese riesigen, missgestalteten Kreaturen, die von Saruman als Kampfmaschinen gezüchtet worden waren. Einer der Bauern schoß versehentlich zu früh einen Pfeil ab und so begann der Kampf ganz anders, als Aragorn geplant hatte: im Chaos. Die Uruk-Hai wehrten sich wild und schossen ihrerseits Pfeile mit Armbrüsten zur Klammwall empor. Dutzende Rohirrim mussten im Pfeilhagel ihr Leben lassen. Und schon rückten die Unholde mit Leitern vor. Faramir, der bereits viele Feinde mit Pfeilen getötet hatte, merkte nun, dass es Zeit war, zum Schwert zu greifen. Die ersten Uruks hatten den Wall erklommen und drangen auf die Rohirrim und ihre Verbündeten ein. Faramir gelang es, einige Feinde mit dem Schwert zu töten. Doch dann nahm die Zahl der Uruk-Hai immer mehr zu und Aragorn rief zum Rückzug. Sie mussten zur Hornburg hinauf. Plötzlich gab es eine gewaltige Detonation und ein Teil der Klammwall stürzte ein. Faramir war völlig perplex, denn so eine mächtige Kriegswaffe hatte er noch nie erlebt. Aragorn lief auf ihn zu.

„Rasch, wir müssen uns in die Burg zurückziehen!" rief er außer sich und packte Faramir am Arm.

Doch der junge Gondorianer wollte wissen, ob Arwen bereits in Sicherheit war und lief zum Wall zurück.

„Faramir, komm, das ist Wahnsinn!" schrie der Waldläufer ihm besorgt hinterher.

Der jüngere Mann sah gerade, wie Haldir von mehreren Uruks angegriffen wollte. Soeben wollte ihn einer von hinten feige erschlagen. Im letzten Moment gelang es Faramir, dem Uruk sein Schwert in den Rücken zu stoßen. Haldir bedankte sich rasch.

„Schnell, wir müssen hinauf zur Burg!" zischte Faramir ihm zu und packte ihn am Arm.

Zahllose Elbenkrieger lagen getötet am Boden.

„Meine Galadhrim - so viele von ihnen sind gefallen!" rief Haldir traurig aus.

„Hoffentlich ist Arwen noch am Leben", murmelte Faramir, während er mit Haldir Richtung Burg lief.

„Du weißt, dass sie dabei ist?" fragte der Hauptmann Loriens verdattert. „Ich musste ihr schwören, niemanden davon zu erzählen."

„Ich habe sie selbst entdeckt", knurrte Faramir ungehalten. „Wehe, sie ist gefallen!"

„Ich habe sie längst zur Burg hinauf geschickt", beruhigte der Elb den jungen Gondorianer.

Kurz vor der Burg entdeckte Faramir, als er von der Mauer hinabsah, dass einige Uruk-Hai in die Höhlen, wo sich Frauen und Kinder befanden, eindrangen.

„Komm mit, wir müssen ihnen helfen!" sagte Faramir und zerrte Haldir zu den Höhlen hinab.

Sie kamen gerade rechtzeitig hinzu, bevor etwa ein Dutzend Uruk Hai auf die Frauen und Kinder eindringen konnten. Éowyn wehrte die Unholde tapfer mit ihrem Schwert ab. An ihrer Seite stand Arwen in ihrer Rüstung und kämpfte mit. Mit vereinten Kräften und Hilfe von einigen Knaben gelang es den Freunden, die Uruk-Hai aus den Höhlen zu vertreiben. Éowyn warf Faramir einen dankbaren Blick zu.

„Ihr seid gerade noch rechtzeitig gekommen, mein Freund", sagte sie freundlich zu ihm und lächelte.

„Ihr habt auch sehr tapfer gekämpft, Schildmaid Rohans", erwiderte Faramir und lächelte ebenfalls, aber sehr schüchtern.

Arwen nahm jetzt ihren Helm ab und ihr langes Haar fiel ihr jetzt in schweren Flechten über die Schultern herab.

„Das ist ja eine Elbenfrau", staunte Éowyn.

Arwen unterhielt sich mit Haldir auf Sindarin. Faramir blickte Éowyn traurig an. Es würde hart für sie sein, wenn sie die Wahrheit über Arwen erfuhr. Aber die tapfere Schildmaid hatte es nicht verdient, länger im Unklaren über Aragorns wahre Gefühle gelassen zu werden.

„Nun, ich sollte Euch sagen, wer...", begann Faramir vorsichtig.

Doch in diesem Moment kamen Aragorn, Legolas, Gimli und Theoden in die Höhlen. Gandalf befand sich auch bei ihnen.

„Wir haben gesiegt!" verkündete Aragorn triumphierend.

Éowyn wollte auf den Waldläufer zulaufen, doch Faramir hielt sie fest.

„Was tut Ihr da?" fauchte sie ihn entrüstet an.

„Seht hin!" sagte Faramir leise zu ihr und wies mit seinem Gesicht zu Aragorn, der gerade von Arwen stürmisch begrüßt wurde.

Aragorn konnte es kaum fassen, seine Geliebte wiederzusehen und er küsste und herzte sie immer wieder.

Éowyn traten die Tränen in die Augen. Sie drehte sich zu Faramir um.

„Warum ist sie nicht in Valinor?"

„Ihre Liebe zu Aragorn war einfach größer", seufzte der Gondorianer leise. „Es tut mir so leid für Euch, Éowyn."

Éowyn Mundwinkel zitterten, als ob sie gleich einen Weinkrampf bekommen würde. Das war einfach alles zuviel für sie. Schnurstracks verließ sie die Höhlen. Faramir machte sich große Sorgen um sie und lief ihr nach. Draußen traf Éowyn ihren Bruder Éomer und fiel ihm weinend in die Arme. Der junge Marschall nickte Faramir freundlich zu.

Der junge Gondorianer sah sich erschüttert um: inzwischen war es Tag geworden. Helms Klamm war ein Ort der Verwüstung geworden. Die Mauern waren teilweise eingestürzt und es lagen hunderte von toten Uruk-Hai und Menschen herum. Die Frauen und Kinder hatten inzwischen die Höhlen verlassen und suchten ihre Angehörigen unter den Toten und Verwundeten. Lautes Klagen und Weinen ertönte ringsum. Faramir atmete tief durch: er kannte sie gut, zu gut, diese entsetzlichen Nachwehen der Schlacht. Jetzt kamen Aragorn und die anderen aus den Höhlen heraus. Der Waldläufer trat auf Faramir zu. Éowyn hatte jetzt zu weinen aufgehört und blickte Aragorn zornig an.

„Wir werden jetzt nach Isengard reiten", erklärte er dem jungen Mann. „Ich vertraue Arwen deiner Obhut an. Bringe sie zusammen mit den anderen Frauen und Kindern nach Edoras zurück. Haldir und die verwundeten Elben werden mit euch kommen."

Jetzt endlich ging Aragorn langsam zu Éowyn hin.

„Ich habe Euch immer Glück gewünscht, bereits das erste Mal, als ich Euch sah."

Die Schildmaid erwiderte Aragorns Blick stolz und trotzig.

„Ich brauche Euere frommen Sprüche nicht."

Damit wandte sie sich ab und kümmerte sich um den Abtransport der Frauen und Kinder. Inzwischen waren die Männer davongeritten. Man hatte so viele Krieger, wie man entbehren konnte, bei den Frauen und Kinder zurückgelassen. Faramir hatte den Oberbefehl über sie bekommen.

‚Nun bin ein Heerführer Rohans, statt ein Heerführer Gondors', dachte er erstaunt lächelnd bei sich.

Tbc...