Ann: Ja, du hast recht. Peter Jackson wollte ursprünglich Arwen in der Schlacht um Helms Klamm mitkämpfen lassen. Wenn man sich die Szene genau ansieht, wo Aragorn, Theoden und Co. aus der Burg hinausreiten, dann sieht man hinter Legolas noch einen weiteren elbisch wirkenden Reiter mit langen, blonden Haaren. Das ist Arwen, deren Haare man per Computer nachträglich eingefärbt hatte.
Rubics Cube: Meine Story ist stark filmorientiert und auch ein bisschen AU. /zwinker/ Im ersten Film sehen wir ja bereits eine recht kriegerische Arwen, die mutig ihr Schwert gegen die Ringgeister erhebt. Ich für meinen Teil hätte lieber Arwen in Helms Klamm im Film gesehen, als ständig herumschniefen. Haldir ist mir irgendwie der sympathischte Elb und deswegen habe ich ihn auch überleben lassen. Ja, Éowyn ist jetzt theoretisch wieder zu haben. Mal sehen, wie sich Faramir anstellt, oder ob er doch noch weiter Alatariel nachtrauert.
Ali: Das mit Arwen in Helms Klamm ist natürlich Geschmackssache. Allzu kriegerisch ist sie ja nicht aufgetreten. Sie hat sich mehr im Hintergrund herumgedrückt. /zwinker/
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Kapitel 27: Faramir und Éowyn
Der Rückkehr nach Edoras ging nicht allzu rasch von statten, da man viele Verwundete zu transportieren hatte. Arwen und Haldir waren mit den verwundeten Elben beschäftigt und hatte n sich vom Troß der Menschen etwas abgesondert. Deswegen beschloß Faramir, ein Auge auf Éowyn zu werfen. Sie wirkte recht gefasst und hatte sogar aufmunternde Worte für Verzweifelnde. Faramir bewunderte sie, dass sie die unglückliche Liebe zu Aragorn so gut wegsteckte.
Als sie am Abend lagerten, holte Éowyn wieder ihren berühmten Kochtopf hervor. Sie machte Feuer und goß Wasser in den Kessel. Faramir kniete sich räuspernd neben ihr nieder.
„Darf ich Euch beim Kochen helfen?" fragte er verlegen.
Éowyn lächelte müde.
„Ich bin eine schlechte Köchin", murmelte sie bedrückt. „Es muß mein Essen gewesen sein, mit welchem ich Aragorn vergrault habe."
Faramir versuchte vergeblich ein Lachen zu unterdrücken, doch dann begann er zu kichern und Éowyn setzte mit ein. Beide lachten schließlich, bis ihnen die Tränen kamen.
„Euer Essen war bestimmt nicht daran schuld, dass Ihr ihn vergrault habt", sagte Faramir schließlich wieder ernst. „Seine Liebe zu Arwen war immerzu in seinem Herzen. Ich habe ihn gewarnt, dass er Euch nicht zu große Hoffnungen machen soll. Doch ich weiß, dass er sich zu Euch auch hingezogen fühlte."
„Das ist jetzt alles egal", seufzte Éowyn und begann Karotten zu schneiden.
Faramir nahm einige Kartoffeln und schälte sie. Er warf sie in das inzwischen kochende Wasser und nahm dann einige Kräuter aus einem Lederbeutel, den er am Gürtel trug und warf sie hinein. Éowyn schnupperte an der Brühe: es roch tatsächlich sehr appetitlich.
Sie begann Faramir immer mehr zu bewundern: er war nicht nur ein tapferer Krieger, sondern verstand sich auch aufs Kochen, was bei Männern von seinem Schlag nicht das Selbstverständlichste war.
„Ihr solltet das Kochen ganz übernehmen", schlug sie vor. „Sagt mir, was ich tun muß."
„Ich kann es Euch gerne beibringen", sagte Faramir mit sanfter Stimme und drückte ihr ein paar Zwiebeln in die Hand zum Schälen.
„Meine Mutter ist früh gestorben", erzählte Éowyn, während sie schniefend die Zwiebeln schälte. „Mein Onkel konnte nichts weiter, als mir das Kriegshandwerk beizubringen, so wie er es auch bei meinem Bruder getan hat. Ich wollte auch immer Kriegerin sein. Aber jedes Mal, wenn es ernst wird, dann erinnert man mich daran, dass ich eine Frau bin, die nichts in der Schlacht zu suchen hat."
„Auch meine Mutter ist früh verschieden", entgegnete nun Faramir, während er den Eintopf nachdenklich umrührte. „Mein Vater erzog uns sehr streng, meinen Bruder und mich. Ich wollte immer so gerne ein Gelehrter sein, doch Vater war dagegen. Wie alle Statthaltersöhne hatte ich die Pflicht, Heerführer von Gondor zu werden."
„Ihr seid ein guter Heerführer", sagte Éowyn erstaunt. „Ihr wirkt nicht wie jemand, der feige vor dem Krieg wegläuft."
„Ich bin nicht feige, aber ich verabscheue den Krieg", erklärte Faramir stolz. „Ich kämpfe nicht um des Ruhmes willen, sondern um mein Land, oder wie hier, meine Freunde zu verteidigen. Ich wünsche mir so sehnlich den Frieden herbei."
„Ich merke auch langsam, dass Krieg nichts Ruhmreiches und Heldenhaftes an sich hat", gestand Éowyn seufzend. „Es geht eigentlich nur um das nackte Überleben. Ja, ich glaube, ich möchte auch für immer Frieden haben und nicht mehr um die, die ich liebe, fürchten müssen."
Faramir sah sie lächelnd an. Éowyn fühlte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann und für einige Augenblicke blickten sich die Beiden stumm an. Die Schildmaid spürte, wie Aragorns Bild langsam verblasste. Sie begann Faramir mit anderen Augen zu sehen. Er war ein gutaussehender Mann von edler Abstammung. Sicher hatt e er viele Verehrerinnen. Vielleicht hatte er auch in Bruchtal oder Lothlorien eine Elbenfrau sitzen, die auf ihn wartete, ähnlich wie Aragorn.
„Was werdet Ihr tun, wenn der Krieg vorüber ist?" fragte sie forschend. „Werdet Ihr heiraten, so wie Aragorn?"
Faramir lachte leise und sah blickte dann prüfend in den Kochtopf. Der Eintopf war so gut wie fertig.
„Nein, es ist niemand da, denn ich heiraten könnte", meinte er schließlich kopfschüttelnd und probierte vorsichtig von der Suppe.
Éowyn atmete sichtlich auf. Faramir ließ sie jetzt von dem Eintopf probieren. Vorsichtig führte er den Holzlöffel zu ihrem Mund.
„Achtung, es ist ganz heiß", flüsterte er warnend.
Éowyn musste kichern.
„Was ist denn so lustig?" fragte Faramir erstaunt.
„Ich musste gerade daran denken, wie Aragorn von meinem Eintopf gegessen hat und Ihr Euch kaputtgelacht habt", sagte sie amüsiert.
„Nun, ich habe Euch zugesehen und ich war erstaunt, dass Ihr Hammelfleisch mit Äpfeln und Nüssen gekocht habt", lächelte Faramir.
„Das scheint wirklich nicht zusammenzupassen", seufzte sie.
Éowyn probierte jetzt von dem Löffel.
„Das schmeckt wirklich gut, Ihr seid ein ausgezeichneter Koch", lobte sie ihn.
„Wir würden ein gutes Ehepaar abgeben", meinte der rothaarige Gondorianer scherzhaft. „Ich koche und Ihr seid für das Kriegshandwerk zuständig."
Éowyn konnte jetzt nicht lachen, denn die Vorstellung, mit Faramir verheiratet zu sein, gefiel ihr irgendwie. Sie lief knallrot an und erhob sich rasch.
„Wir sollten jetzt das Essen verteilen", meinte sie unsicher.
§
In dieser Nacht hatte Faramir einen merkwürdigen Traum: er träumte davon, dass Minas Tirith brannte und er sah das Gesicht seines Vaters im Feuer, der zärtlich seinen Namen rief. Plötzlich wurde Faramir wachgerüttelt. Schweißgebadet fuhr er in dem kleinen Zelt, in welchem er schlief, hoch. Es war Éowyn, die ihn aufgeweckt hatte.
„Was ist passiert?" fragte er irritiert.
„Nun, das frage ich Euch", sagte Éowyn erstaunt. „Ihr habt nach Euerem Vater gerufen. Davon bin ich im Zelt nebenan aufgewacht."
„Es war nur ein Traum", murmelte Faramir durcheinander und fuhr sich durch die wirren Locken. Rasch zog er die Decke ein wenig höher, denn sein Oberkörper war entblößt. Éowyn lächelte vor sich hin: Faramir war ein gutgebauter Krieger.
„Versucht noch ein wenig zu schlafen", mahnte ihn schließlich die Schildmaid. „Der Reise nach Edoras geht morgen weiter und wird anstrengend sein."
„Wie Ihr wünscht, Herrin", sagte Faramir lächelnd und legte sich wieder hin.
Éowyn kniete sich kurz nieder und deckte ihn mütterlich zu.
„Dankeschön", murmelte der junge Mann und schlief prompt wieder ein.
Éowyn lächelte und verließ das Zelt auf leisen Sohlen wieder.
§
Am Abend des nächsten Tages erreichten sie Edoras. Die Menschen waren sichtlich froh, wieder in ihre unversehrten Häuser zurückkehren zu können. Éowyn betrat die Goldene Halle und riß erst einmal alle Türen und Fenster auf, um den stickigen Raum zu lüften. Wenn die Krieger aus Isengard zurückgekehrt waren, sollte es eine große Feier geben. Sie sah sich prüfend in den Räumlichkeiten um. Es würde nicht Platz für alle sein. Es würden mindestens zehn Mann in einem Raum schlafen müssen. Edoras war für so viele Gäste nicht ausgerichtet. Aber wenigstens Arwen Undomiel sollte ein eigenes Gemach bekommen. Éowyn beschloß, ihre eigenen Räume zur Verfügung zu stellen. Sie selbst konnte auch auf einer Bank in der Goldenen Halle schlafen.
Jetzt betraten Faramir, Arwen und Haldir die große, düstere Halle. Éowyn hatte während der Rückreise keinen Kontakt mit den Elben gehabt. Sie waren für sich in einer Gruppe geritten und hatten sich um ihre Verwundeten gekümmert. Jetzt stand sie zum ersten Mal dieser Arwen Undomiel, der das Herz Aragorns gehörte, ganz nah gegenüber. Die Elbenfrau blickte sie forschend an und Éowyn hatte das Gefühl, dass sie bis in ihr Innerstes blickte. Verlegen schlug sie die Augen nieder.
„Ihr müsst Euch nicht vor mir schämen, Schildmaid Rohans", sagte Arwen sanft, die immer noch die Kriegerrüstung trug. „Ihr könnt nichts dafür, dass Ihr Aragorn Euer Herz geschenkt habt. Aber Ihr werdet darüber hinwegkommen, das weiß ich."
Sie warf Faramir einen kurzen, bedeutsamen Blick zu und wandte sich dann wieder an Éowyn.
„Wo kann ich hier nächtigen?"
„Ich zeige Euch...Euere Räume", stotterte Éowyn durcheinander.
Als Arwen untergebracht war, zeigte die Schildmaid Haldir den Platz, wo die Männer schlafen konnten. Widerspruchslos nickte Haldir und holte die wenigen Elbenkrieger herbei, die überlebt hatten.
Jetzt war nur noch Faramir übrig.
„Ich fürchte, es wird eng hier, wenn die anderen noch dazukommen", meinte Éowyn verlegen lächelnd zu ihm.
„Ich brauche nicht viel Platz", erwiderte Faramir freundlich. „Aber was ist mit Euch? Es waren doch Euere Räume, die Ihr Arwen Undomiel überlassen habt."
„Sie ist von solch hohem Geblüt, eine Eldar", sagte Éowyn beeindruckt. „Ich kann sie unmöglich bei den Männern nächtigen lassen."
„Ihr seid auch von hohem Geblüt", betonte der junge Mann sanft. „Wie sagte doch Aragorn so schön: eine Tochter von Königen."
Éowyn sah ihn sprachlos an. Sie fühlte sich immer mehr zu Faramir hingezogen. Er ergriff plötzlich ihre rechte Hand und streichelte sie. Unwillkürlich lehnte sie sich an ihn. Sie fühlte, wie er sie an sich zog.
Plötzlich ertönten draußen die Hörner und die romantische Stimmung wurde jäh zerstört.
„Sie kommen zurück!" brüllten einige Soldaten in die Halle.
Éowyn ließ Faramir los und wich einen Schritt zurück. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.
„Entschuldige mich!" hauchte sie nur und lief hinaus.
Faramir folgte ihr langsam. Auch er fühlte sich zu Éowyn stark hingezogen. Ja, er konnte sich vorstellen, sie zu ehelichen. Er hatte auch das Gefühl, dass ihre Liebe zu Aragorn allmählich verblasste. Er stellte sich neben Éowyn auf die windige Terrasse vor der Halle und beobachtete den Reiterzug, der gerade durch das Tor unten in der Stadt ritt. Wieder ergriff er Éowyns Hand und so standen sie eine Weile stumm da, bis der König die Treppe zur Halle emporschritt. Ihm folgten Éomer und Gamling.
„Saruman ist tot, und die giftige Schlangenzunge auch!" frohlockte Theoden.
Éowyn eilte auf ihren Onkel zu und umarmte ihn freudig.
„Das ist die beste Nachricht, die Ihr uns bringen konntet."
Auch Éomer drückte seine Schwester an sich.
Faramir entdeckte jetzt die beiden Hobbits Merry und Pippin, die sich bei seinen anderen Gefährten befanden. Als sie den jungen Gondorianer entdeckten, jubelten sie laut auf und es gab eine freudige Begrüßung .
§
Am Abend fand in der Goldenen Halle eine große Siegesfeier statt. Es waren mehrere Schweine geschlachtet worden , die man über den offenen Feuer grillte. Bier und Wein wurden in Hülle und Fülle ausgeschenkt. Faramir beobachtete amüsiert , wie Éomer mit Gimli, Legolas und Haldir ein Trinkspiel veranstaltete. Lächelnd wandte er sich ab. Aragorn hatte sich mit Arwen in eine Ecke der Halle verzogen. Die Hobbits tanzten auf einem der Tische und sangen Trinklieder. Das erinnerte Faramir an Eduard Hornbläsers Geburtstagsfeier im „Tänzelnden Pony". Er fragte sich im Stillen, wie es seinem kleinen Freund in Bree wohl gehen mochte. Und dann wanderten seine Gedanken zu seinem Bruder. Boromir hätte heute abend bestimmt auch gerne mitgefeiert. Vermutlich hätte er am Trinkspiel teilgenommen und versucht, den Zwerg und die Elben unter den Tisch zu saufen.Gandalf setzte sich zu Faramir. Er rauchte eine Pfeife.
„Du wirkst heute abend recht bedrückt, mein junger Freund", meinte der Zauberer stirnerunzelnd.
„Ich musste gerade an Bree denken – und an Boromir", seufzte Faramir traurig.
Gandalf legte ihm die Hand tröstend auf die Schulter.
„Boromir hat für alles gesühnt, was er dir und auch Frodo im Leben angetan hat", sagte er freundlich. „Er ist jetzt an einem Ort, wo er Frieden hat."
Gerade als Faramir den Zauberer über dessen Jenseitserfahrung ausfragen wollte, kam Éowyn auf den jungen Mann zu. Sie sah heute abend wunderschön aus in dem silberfarbenen Kleid mit den weiten Ärmeln. Auf dem Haupt trug sie ein schlichtes Diadem aus Gold. Sie lächelte Faramir an und wirkte viel glücklicher als in den letzten Tagen. In den Händen trug sie einen goldenen Kelch. Faramir erhob sich und sah sie strahlend an. Und sein Herz schlug schneller, als sie ihm den Kelch überreichte.
„Westu Faramir hal", sagte sie auf Roherric.
Faramir trank von dem Kelch und verneigte sich. Dann ging sie mit dem Kelch zum König zurück.
„Ihr beide würdet ein hübsches Paar abgeben", flüsterte Gandalf dem jungen Gondorianer zu.
Faramir lächelte verlegen und warf einen Blick zu Aragorn hinüber, der mit Arwen Händchen hielt. Éowyn hatte der Elbin ein Kleid geliehen. Natürlich sah Arwen bezaubernd aus. Wahrscheinlich würde sie auch in Lumpen noch anmutig aussehen, befand Faramir.
Als die Feier vorbei war, leerte sich die Halle schnell. Faramir blieb noch und beobachtete, wie Éowyn sich eine Bank zurechtrückte. Sie schob sie nahe an die Feuerstelle hin, wo die Asche noch glühte und Wärme spendete.
„Wollt Ihr hier etwa übernachten?" fragte er fassungslos.
„Soll ich besser mit zwanzig Männer in einem kleinen Raum schlafen?" erwiderte sie liebenswürdig.
„Ihr habt wahrscheinlich recht", meinte Faramir bedauernd und wünschte ihr eine gute Nacht.
