Chapter 17
Noch immer war sie damit beschäftigt wieder zu einer regelmäßigen Atmung zurückzukehren, als laute Schreie zu ihr drangen.
„Alassë! Geht's dir gut?" Eindeutig ein leicht verzweifelter Valandil. Dachte der etwa sie würde hier ein Picknick veranstalten und deshalb auf dem Boden liegen? „Lebst du noch?" Eindeutig eine sehr dumme Frage. Wäre sie tot, könnte sie eh nicht antworten. Und gerade dazu hatte sie jetzt auch keine Lust.
Einen Augenblick später kniete er neben ihr. Zaghaft strich er eine Strähne aus ihrem Gesicht und musterte sie genau. Suche nach Verletzungen nahm sie an. So entsetzt und verzweifelt hatte sie ihn noch nie gesehen, und als sich nun auch der Rest der Gruppe um sie scharte, erbarmte sie sich dazu ein Lebenszeichen von sich zu geben. Langsam, aber sicher wurde ihr das ganze unangenehm und sie nutzte letzte Energiereserven um sich in eine sitzende Position zu befördern. Erleichtertes Aufatmen von Seiten Valandils, der Rest hatte schon vorher bemerkt, dass sie nicht ernsthaft verletzt war. Warum Valandil sich so aufregte blieb ihr wie so oft ein Rätsel. Als sie nun aufblickte sah sie gerade noch wie Legolas Valandil einen vielsagenden Blick zuwarf; nur ihr sagte dieser Blick leider gar nichts.
„Mir geht's wunderbar, wenn ihr also ein anderes Anschauungsobjekt finden würdet, käme mir das sehr gelegen.", währenddessen versuchte sie ihren Fuß unter dem toten Warg hervorzuziehen, konnte jedoch nur schmerzvoll das Gesicht verziehen, was ihre ersten Worte natürlich nicht gerade bekräftigte.
Schnell schob Rúmil, welcher dem Warg am nächsten stand, den Körper beiseite, und Valandil welcher inzwischen aufgestanden war reichte Alassë seine Hand um ihr aufzuhelfen. Dankend nahm sie diese an und stand mit einem Ruck wieder auf den Füßen; mehr auf dem rechten, als auf dem linken, welcher bei Belastung nun wirklich schmerzte. Überschwänglich schloss Valandil Alassë in die Arme und schien sie gar nicht mehr loslassen zu wollen. Irritiert blickte sie über seine Schulter hinweg zu den anderen, welche ihr alle, bis auf Orophin, mit dem selben Blick begegneten.
„Ähm, Valandil?... Hallo? Schön, dass du dich darüber freust, dass es mir gut geht, aber könntest du dich vielleicht alleine freuen?", ihr wurde die ganze Situation zunehmend unangenehm. Als Antwort bekam sie nur ein gemurmeltes ‚Mhm?'. „Valandil, du sollst mich loslassen. Geh halt zu Gimli und freu dich mit ihm, dass es ihm gut geht." Valandil ließ sie nun wirklich los, und gleichzeitig ging Gimli vorsichtshalber einen Schritt zurück.
„Wann geht's weiter?", fragte Alassë, teils um das Schweigen zu unterbrechen, teils um einfach nur möglichst schnell den Anblick der Warge hinter sich zu lassen.
„Unseretwegen sofort, wenn es dir gut geht.", erwiderte Orophin, und der Rest der Gruppe ging wie auf Kommando zu den Pferden.
„Ja, sagte ich ja schon…", der leicht genervte Ton entging auch Orophin nicht als er sich umdrehte um zu seinem Pferd zu gehen. Nun stand Alassë wieder neben Mîr und erinnerte sich daran, dass sie allein niemals auf dessen Rücken kommen würde. Sorgfältig legte sie zunächst die Decke auf Mîrs Rücken und sah sich suchend um. Erst jetzt bemerkte sie Legolas, welcher nur wenige Meter hinter ihr neben dem toten Warg stand und die Pfeile aus dessen Seite zog.
„Du warst das?", erstaunt blickte sie ihn an, sie hatte sich noch keine Gedanken über den Tod des Viehs machen können.
Langsam blickte er auf und musterte sie kurz. „Ja.."
„Danke. Und… gutes Timing." So viel ehrliche Freundlichkeit, sie war beinahe über sich selbst erstaunt.
„Gutes was?", fragend sah er sie an und kam nun zu ihr herüber.
„Gutes Timing, hast halt genau den richtigen Zeitpunkt abgepasst.", erklärte sie diesmal bereitwillig.
„Ach so, das war nur viel Glück, dass ich genau in dem Moment in deine Richtung geblickt habe."
„Komplimente nimmt man an… sonst sind sie ja nutzlos.", grinsend schaute sie ihn an.
„Wenn das so ist, möchte ich nicht unhöflich sein. Danke vielmals.", auch ihm spielte ein Lächeln um die Lippen.
„Gern geschehen… Und könntest du vielleicht so freundlich sein… mir da hoch zu helfen? Sonst sind wir sicherlich morgen noch da und…", warum stotterte sie jetzt rum?
„Mit Freuden, meine Dame." Mit einem leichten Zwinkern legte er seine Hände auf ihre Hüften und setzte sie ohne jegliche Anstrengung auf dem Pferd ab. Diesmal fiel sie nicht beinahe auf der anderen Seite wieder herunter. Langsam ließ er sie los, wobei seine rechte Hand beinahe über ihren gesamten linken Oberschenkel strich. Wenn sie ihn, bzw. diese prüden Elben nicht besser kennen würde, hätte sie dies als vollkommene Absicht gewertet. Leicht irritiert sah sie ihm hinterher als er zu seinem Pferd ging.
Schnell und ohne zurückzublicken hatten sie den Ort des Kampfes hinter sich gelassen. Zügig ritten sie nun voran, um Moria noch vor Sonnenuntergang zu erreichen. Schweigend ritten sie hintereinander her, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.
Alassë konnte sich nicht vom Gedanken an die Warge losreißen. Das Bild des Wargs, wie er über ihr gestanden hatte, schien sie zu verfolgen. Hätte Legolas nur wenige Sekunden später gemerkt, dass der Warg sie hatte attackieren wollen, dann wäre sie nun wahrscheinlich nicht auf der Weiterreise nach Moria. Sie machte sich keine Illusionen. Ja, sie hatte das Schwert zu packen bekommen, doch dachte sie an die zwei vorangegangenen Schläge, so musste sie zugeben, dass sie absolut nichts hätte ausrichten können. Selbst mit dem erhöhten Adrenalinspiegel, und aller Kraft die sie noch hätte aufbringen können, wäre auch der nächste Schlag ihrerseits nicht mehr als ein Kratzer gewesen. Immer wieder blickte sie sich suchend um, ob nicht doch einige der Viecher überlebt hatten und ihnen nun folgten, oder ob noch weitere aus einer anderen Gruppe auftauchten. Orophin, der hinter ihr ritt, versuchte sie zwar zu beruhigen, doch half es nicht viel. Was wusste er schon? Ihm könnten fünf dieser Viecher allein begegnen und doch würde er sich zu verteidigen wissen. Seufzend legte sie sich auf den Hals des Pferdes. Mîr schien es nicht zu stören. Alassë wurde immer deutlicher von dem Gedanken bedrückt, dass sie einfach nicht hierher passte. Warge… was sollte als nächstes kommen?
Valandil machte sich ähnliche Gedanken. Wie so oft kreisten seine Gedanken um Alassë. Der vorangegangene Kampf hatte es ihm deutlicher als bisher vor Augen geführt. Er hatte sie zurück gebracht, und dies war nicht der Weg, welcher eigentlich vor ihr gelegen hätte. Er hatte sie aus ihrer Welt heraus gerissen und hierher gebracht, immer in der Annahme, dass dies das Richtige sei. Galadriel hatte ihn unterstützt, hatte ihm zugestimmt. Doch hatte sie so etwas wissen können? Sie hatte große Macht, doch auch diese hatte ihre Grenzen. Gehörte Alassë also noch immer in diese Welt oder war ein anderes Leben nun das was ihr bestimmt war? Beinahe hätte er sie heute wieder verloren. Seine schlimmsten Ängste wären beinahe wieder wahr geworden. Wie damals. Es wäre genauso wie damals gewesen, hätte Legolas nicht in letzter Sekunde eingegriffen. Seine Schuld schien nun beglichen ohne dass er es wusste, doch bald sollte er es erfahren. Es lag nur noch an Alassë. Und inständig hoffte Valandil, dass sie es schaffen würde. Doch was wenn nicht?
Nachdenklich sah Orophin sich um, alle schienen tief versunken, nahmen kaum noch etwas von der Umgebung wahr, nur Alassë sah sich dann und wann erschrocken um. Er musterte sie von hinten, und immer wieder fragte er sich wie es möglich war. Valandil hatte ihm kaum etwas gesagt, nur soviel um ihn vorläufig zum schweigen zu bringen. Keine Fragen, keine Andeutungen. Sie sollte es selbst herausfinden. Doch wie sollte sie etwas herausfinden, was selbst ihm, der es wusste, als unmöglich erschien? Erst nach dem Kampf hatte er scheinbar erst richtig verstanden was Valandil ihm schon vor Tagen gesagt hatte. Er hatte gesehen wie Valandil Alassë umarmt hatte, wie seine Augen zunächst stumpf vor Verzweiflung, dann leuchtend vor Erleichterung gewesen waren. Und dennoch konnte er es nicht verstehen. Alassë sollte es aufklären, nur wie blieb ihm ein Rätsel…
In sich gekehrt überließ Legolas seinem Pferd die Führung, es kannte den Weg und musste momentan auch nur Gimli, welcher voran ritt, folgen. Einige Male hatte er sich umgesehen und sah die anderen nicht weniger nachdenklich als sich selbst. Er hatte mit Valandil mitgefühlt nach dem Kampf mit den Wargen. Er konnte ahnen warum es Valandil so mitnahm. Es lag lange Jahre, mehr als sein halbes Leben zurück, doch wusste er, dass Valandil noch immer daran dachte. Valandil hatte eine Bindung zu Alassë, er wusste nicht welcher Art und wieso, doch spürte er es. Und diese Bindung hatte diese Art des Kampfes für Valandil so schlimm gemacht. Er hatte mit Sicherheit an damals gedacht. An den Tag an dem er und Valandil sich zum ersten Mal begegnet waren und an dem seine Schwester gestorben war…
Lange ritten sie so schweigend voran. Lothlórien hatten sie lange hinter sich gelassen und folgten nun einem Weg entlang eines schnell fließenden Flusses, welcher sich jedoch zunehmend verjüngte. Die Berge, die nun genau vor ihnen lagen, rückten immer näher. Als die Sonne sich schon merklich dem Ende ihres Laufes zugewendet hatte, hielt Gimli an der Spitze an und wartete bis alle zu ihm aufgeschlossen hatten.
„Ich schlage vor, wir machen eine letzte Pause bevor wir unsere Reise beenden. Noch nie habe ich es geschafft ohne wenigstens eine kurze Rast an diesem Ort vorbei zu reiten und dies soll sich heute nicht ändern.", fasziniert als sähe er es zum ersten Mal hatte er sich während dieser Worte die Umgebung angeschaut. Nun stieg er ohne eine Antwort abzuwarten von seinem Pferd und wandte sich nach rechts. Erst jetzt erblickte Alassë den dunkel glänzenden See welcher sich hinter einigen Büschen und einer sattgrünen Wiese zu ihrer Rechten erstreckte. Die Elben waren mittlerweile allesamt abgestiegen und führten die Pferde zur Wiese um sie für einige Momente grasen zu lassen. Langsam ließ sich nun auch Alassë vom Rücken des Pferdes gleiten und stieß bei der Berührung mit dem Boden einen leisen Schrei aus, mehr aus Verwunderung als aus Schmerz. Während des Rittes und den ermüdenden Gedankengängen hatte sie ihren linken Fuß vollkommen vergessen. Dieser trat nun schmerzlich zurück in ihre Erinnerung, während sie sich noch darüber wunderte sich plötzlich am Boden wieder zu finden. Schnell eilte ihr Legolas, welcher ihr am nächsten stand, zu Hilfe. Dankend nahm sie seine Hand an und stand vorsichtig auf, immer darauf bedacht den linken Fuß wenig zu belasten.
„Geht es?", fragte er sie besorgt. Gleichzeitig bemerkte sie auch wie Valandil wieder alarmierend besorgt zu ihr herüber blickte.
„Ja, danke. Ist nur verstaucht glaub ich, weil dieses Vieh ein bisschen sehr blöd da drauf geflogen ist… und leicht sind diese Biester ja nicht gerade."
Hinkend und mit Legolas als Stütze, er hatte kein ‚Nein' akzeptiert, begab sie sich zum Rande des Sees. Gimli plapperte etwas vom ‚Spiegelsee', verstummte jedoch als er fasziniert in die Tiefe blickte. Erleichtert ließ sie sich ins weiche Gras sinken und legte sich sogleich auf den Rücken um ihre geschundene Kehrseite etwas zu entlasten.
„Zeig mal deinen Fuß, vielleicht kann ich etwas tun.", bot Legolas ihr an nachdem er sich neben sie gesetzt hatte.
„Nee, lass mal lieber. Wenn ich jetzt den Schuh auszieh krieg ich ihn nicht mehr an, und ich hab keine Lust mit einem Schuh und halb barfuss durch Moria zu latschen.", wehrte sie ihn kurzerhand ab.
„Aber so etwas muss behandelt werden", versuchte er es noch einmal.
„Nein muss es nicht. Da kommt ein Stützverband drum oder man hält den Fuß ganz einfach still. Was meinst du wie oft ich schon die Treppe runter geflogen bin. Ich kenn mich aus, also Klappe."
„Aber…", er ließ nicht locker.
„Legolas, Klappe heißt Mund zu.", erstaunlich freundlich blieb sie, sie hatte keine Lust auf Streit. Kam zwar selten vor, konnte aber durchaus passieren.
‚Dann so… ich finde wirklich, du solltest…', schallte es plötzlich in ihrem Kopf.
‚Nein, auch nicht so. Ich will mich hier entspannen, nerv Gimli oder sei ruhig.', antwortete sie ihm auf gleiche Weise. Irgendwie verwies sie immer alle Leute auf Gimli, wenn sie sie nervten. Valandil vorhin auch. Wahrscheinlich, weil sie wusste, dass Zwerge eine dickere Haut hatten… oder so.
Und wirklich, Legolas versuchte kein weiteres Mal sie davon zu überzeugen, dass er sich den Fuß doch einmal anschauen sollte. Zwar hätte sie nun wirklich liebend gern ihren Schuh ausgezogen, um den Fuß ins kühle Wasser halten zu können, doch sie konnte sich sehr lebhaft vorstellen auf welche Größe dieser mittlerweile angeschwollen war. So hatten es Verstauchungen nun mal an sich und sie fragte sich ernsthaft, warum Legolas so einen Wirbel darum machte und Valandil wieder betont häufig zu ihr herüber blickte. Schon nach wenigen Minuten drängte Gimli zum erneuten Aufbruch um Moria noch vor der Dunkelheit zu erreichen. Als Alassë aufstand um zurück zu Mîr zu gehen warf sie beiläufig einen letzten Blick auf den See und blieb gleich darauf verwundert stehen. Völlig glatt lag das Wasser zu ihren Füßen und selbst der Wind schien die Ruhe der Oberfläche nicht stören zu können. Am Rande spiegelten sich Bäume und Sträucher, welche rings um den See standen. Die untergehende Sonne, welche ein buntes Farbenspiel ins Wasser hätte zaubern müssen, spiegelte sich nicht auf dem dunkelblauen Wasser. Vielmehr sah es aus als würde der See einen Nachthimmel spiegeln mit tausenden funkelnden Sternen. Bei näherer Betrachtung bemerkte Alassë zudem, dass auch sie selbst im See nicht zu sehen war.
„Was'n das schon wieder für 'ne Verarschung?", murmelte sie im gehen vor sich hin. Unter anderen Umständen hätte sie den See stundenlang bewundern können, doch sie hatte seit Tagen keinen Spiegel mehr gesehen und das war in ihren Augen sehr viel wichtiger als irgendein augenscheinliches Naturschauspiel.
„Verarschung?", Elbenohren konnten ein Fluch sein. Seufzend wandte sie sich Lólindir zu.
„Wenn du jemanden verarschst, dann nimmst du ihn auf den Arm. Kann man aber auch im Sinne von Reinfall oder…", erst jetzt sah sie wie Valandil fast schon entsetzt den Kopf schüttelte. Fragend folgte sie seinem Blick über ihre Schulter, und sah wie Gimli grimmig hinter ihr herstapfte.
„So, einen Reinfall nennst du das?", böse schaute er sie an, kaum noch etwas erinnerte sie an das lachende Gesicht, was ihr bisher bekannt gewesen war. „In diesem See ruht Durins Krone, bis er erwacht. Und du wagst es ihn zu verspotten?" Schnaubend stapfte Gimli an der völlig verdatterten Alassë vorbei und bestieg, wenn auch mit einigen Mühen, sein Pferd. Ohne ein weiteres Wort trieb er selbiges an und auch die anderen beeilten sich ihre Pferde zu besteigen. Valandil half Alassë es sich auf Mîr gemütlich zu machen und versicherte ihr, dass Gimli sich spätestens in Moria wieder beruhigen würde.
Sooo, das war es erst mal für den Moment, aber nicht für lange. Hab gerade mal keine Schreibblockade und es wird weitergehen wie am Fließband :-) Jetzt seid ihr gefragt, und ich hoffe wirklich, dass ich ein paar Reviews bekomme, in letzter Zeit ist echt Flaute. Positives wie negatives ist sehr willkommen! Liebe Grüße und eine dicke Umarmung für alle Leser, Melody
