Khamul: Danke, dass du trotz Boromirs Tod weiterliest. Irgendwann schreibe ich mal wieder eine Story, in der Boromir das Ende erlebt. /tröst/

Feael: Das mit Haldirs Tod war eine der überflüssigsten Szenen im Film. Manchmal sind mir PJ' s Gedankengänge überhaupt nicht einleuchtend.

May20: Gegensätze scheinen sich anzuziehen – ein Gelehrter und eine Kriegerin. Aber wir wissen ja aus der Geschichte Tolkiens, dass so eine Ehe gut gehen kann.

Ali: Mich hat das immer ganz doll in den Filmen und auch Büchern gestört, dass sich Éowyn wegen Aragorn so erniedrigt hat. Ist ihm nachgelaufen wie ein Hündchen. Da wurde es jetzt höchste Zeit, dass Faramir sich einschaltet. (bei uns ist heute noch schönes Wetter im Frankenland, und bei euch?)

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Kapitel 28: Träume und neue Pläne

Faramir hatte sich in dem großen Raum, in welchem seine Gefährten alle zusammen mit einigen Rohirrim schliefen, niedergelegt. Kaum war er eingeschlafen, träumte er erneut von der brennenden weißen Stadt und wieder rief sein Vater, eingekesselt von Flammen, nach ihm sanft.

Faramir fuhr keuchend hoch und merkte, dass ihm Tränen über das Gesicht liefen. Er wischte sich die Tränen weg und beschloß, frische Luft zu schnappen. Als er durch die Halle lief, bemerkte er, dass Aragorn an Éowyns Lagerstatt kniete und beruhigend auf sie einsprach. Faramir fühlte, dass er eifersüchtig wurde. Was wollte der Waldläufer denn noch von Éowyn? Wütend verließ er die Halle. Draußen auf der nächtlichen Terrasse wehte ihm ein kühler Wind um die Nase. Kurz darauf tauchte Aragorn auf.

„Was wolltest du denn bei Éowyn?" fragte Faramir fast feindselig.

„Ich lief durch die Halle und dann sah ich, dass sie sich im Schlaf aufgedeckt hatte", erzählte Aragorn gelassen. „Ich ging zu ihr hin, um sie zuzudecken. Sie erwachte und wurde sofort wütend. Ich habe mich dann endlich mit ihr ausgesprochen. Sie scheint mir nun verziehen zu haben. Wie es aussieht, wird sie ihr Herz bald jemand anderen schenken."

Dabei sah er Faramir prüfend an.

„Ich liebe Éowyn", sagte der junge Gondorianer leidenschaftlich. „Als ich dich vorhin in der Halle bei ihr sah, wurde mir das erst richtig bewusst. Am liebsten wäre ich hin zu euch und hätte dich von ihr weggestoßen."

Aragorn lachte leise, als er das hörte.

„Sie hatte übrigens schlecht geträumt", fuhr er dann wieder ernst fort. „Sie träumte von einer großen, dunklen Woge, die das ganze Land überrollt."

„Das der Traum, den ich früher oft hatte!" entfuhr es Faramir erstaunt. „Ich träumte immer vom Untergang Numénors, das auf ähnliche Weise von einer schwarzen Woge erfasst wurde."

„Siehst du, ihr seid also Seelenverwandte!" lachte Aragorn auf und klopfte Faramir auf die Schulter.

Plötzlich gab es drinnen ein großes Geschrei. Die beiden Freunde eilten in die Halle. Auch Éowyn war wach geworden und zog sich die Decke rasch bis zum Hals hoch, als die Männer an ihr vorbeistürmten. Pippin lag auf dem Boden und stammelte verworrene Dinge vor sich hin.

„Er hat sich heimlich den Palantír genommen und hineingesehen, dieser Narr!" rief Gandalf ärgerlich.

„So hör doch, er spricht von Minas Tirith!" schaltete sich Faramir aufgeregt dazwischen. „Er erwähnt den Weißen Baum und die Stadt. Was sagt er – alles steht in Flammen?"

„Wir müssen sofort über diese Sache beraten", sagte der Zauberer ernst und wandte sich Aragorn zu.

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Eine halbe Stunde später hatten sich alle in der Goldenen Halle versammelt, die in Rohan etwas zum Sagen hatten. Auch die Gefährten der ehemaligen Ringgemeinschaft waren mit dabei.

Gandalf ergriff nun das Wort.

„Pippin hat im Palantír etwas über Saurons Pläne erfahren. Wir hatten unglaubliches Glück. Nun hält jedoch Sauron Pippin für den Ringträger."

„Minas Tirith muß gewarnt werden!" rief Faramir aufgeregt aus.

Éowyn blickte den jungen Gondorianer bestürzt an, sagte aber nichts.

„Ich werde gehen!" sagte Aragorn rasch.

„Nein du nicht!" herrschte ihn der Zauberer an. „Du musst auf einem anderen Weg nach Minas Tirith gelangen. Halte Ausschau nach den schwarzen Schiffen. Außerdem ist deine Braut immer noch hier."

Aragorn fuhr sich verzweifelt durch die Haare. Der Zauberer hatte Recht: Arwen würde wieder versuchen, ihm heimlich zu folgen. Momentan waren ihm die Hände gebunden.

„Ich werde zu Denethor reiten – und Pippin wird mitkommen", sagte Gandalf feierlich.

„Ich muß auch mit!" fügte Faramir hinzu. „Ich werde meinem Vater das geborstene Horn übergeben und ihm die Nachricht vom Tode meines Bruders überbringen."

Éowyn verließ jetzt überstürzt die Goldene Halle.

„Du kannst nicht mit!" sagte Gandalf zu Faramir und legte ihm beruhigend die Hände auf die Schultern. „Schattenfell wird mich und Pippin in wenigen Tagen nach Minas Tirith tragen. Kein Pferd ist so schnell wie der Fürst aller Pferde. Deine Zeit wird noch kommen, Faramir."

„Ich habe ständig einen Traum, dass Minas Tirith brennt und mein Vater in den Flammen nach mir ruft", stieß Faramir verzweifelt hervor. „Das bedeutet bestimmt, dass er mich jetzt braucht."

„Diesen Traum kann ich dir nicht deuten", sagte Gandalf leise. „Nur Galadriel oder Elrond von Bruchtal könnten dies. Du weißt, dass dein Vater dir zuletzt nicht gut gesonnen war. Warte ab, bis deine Zeit kommt. Nur Geduld!"

Faramir seufzte. Auch er verließ jetzt die Goldene Halle. Auf der Terrasse stand Éowyn. Sie starrte in die Ferne und Tränen liefen über ihr Gesicht.

„Éowyn, was ist los?" fragte er erschrocken.

Sie drehte sich zu ihm um und wischte sich die Tränen weg.

„Warum kannst du nicht hier bleiben bei denen, die dich lieben?" fragte sie verbittert.

„Ich bleibe, Éowyn", versicherte Faramir ihr lächelnd.

Sie fiel ihm freudig in die Arme und er küsste sie vorsichtig auf die Stirn. Dann traten Gandalf und die beiden Hobbits aus der Halle. Sie wollten wegreiten. Rasch lösten sich Faramir und Éowyn voneinander und verabschiedeten sich von Pippin und dem Zauberer.

„Ich werde das Horn mitnehmen, Faramir", sagte Gandalf leise. „Vielleicht ist es sogar besser,wenn dein Vater von mir erfährt, dass dein Bruder tot ist."

Faramir nickte stumm und holte das zerborstene Horn herbei. Zusammen mit Éowyn und den anderen sah er dem Zauberer nach, wie er davonritt , mit dem Hobbit vor sich auf dem Pferderücken.

§

Theoden schickte sofort Boten in jeden Winkel des Landes. Wenn die Leuchtfeuer Gondors brannten, dann musste Rohan bereit sein. Faramir verlebte ein paar ruhige Tage mit Éowyn, in denen sie sich näher kamen. Sie gingen händchenhaltend durch die Wiesen und genossen den lauen Frühlingswind. Doch noch immer traute sich Faramir nicht, Éowyn seine Liebe zu gestehen. Würde sie ihn vielleicht zurückweisen? Das mit Aragorn war noch so frisch. Der junge Mann ahnte nicht, dass die Schildmaid sehnsüchtig auf seine Liebeserklärung wartete. So saßen sie eines Abends auf einer Bank vor der Goldenen Halle. Ziemlich dicht nebeneinander. Éowyn legte plötzlich ihren Kopf auf Faramirs Schulter und der rothaarige Gondorianer fühlte das brennende Verlangen, sie zu küssen.

„Éowyn, ich...", fing er zögernd an.

Doch in diesem Moment stürmte Aragorn an ihnen vorbei.

„Die Leuchtfeuer von Minas Tirith brennen!" schrie er aufgeregt.

Éowyn seufzte bedrückt. Ausgerechnet jetzt musste das passieren. Faramir war bereits aufgesprungen. Doch dann wandte er sich wieder seiner Angebeteten zu.

„Wenn ich es jetzt nicht sage, dann wohl nie mehr", stieß er bebend hervor.

Er kniete vor Éowyn nieder.

„Ich liebe dich von ganzem Herzen, Éowyn von Rohan", erklärte er leidenschaftlich.

Er erhob sich und die Schildmaid fiel ihm glücklich um den Hals. Dann endlich küsste Faramir sie. Erst behutsam und sanft, dann stürmisch und leidenschaftlich.

Hinter ihnen räusperte sich jemand. Es war Éomer.

„Ihr sollte bitte auch in die Halle kommen", meinte der junge Marschall etwas barsch und blickte den Gondorianer finster an.

Faramir nahm Éowyn an der Hand und sie gingen hinein. Drinnen herschte bereits helle Aufregung, denn König Theoden hatte gerade erklärt, dass Rohan Gondor zur Hilfe eilen würde.

Vor den Toren der Stadt lagerten bereits viele Krieger aus allen Teilen des Landes.

„Die Heerschau soll nun beginnen!" rief der König, als alle versammelt waren. „In Dunharg werden wir uns alle treffen und dann gemeinsam nach Minas Tirith reiten."

Éomer und Gamling verneigten sich und verließen dann zielstrebig die Halle. Arwen lief auf Aragorn zu und umklammerte seine Hände. Tränen traten in ihre Augen und sie redete eindringlich auf ihn ein. Die Beiden redeten elbisch miteinander. Éowyn zog Faramir ein Stück zur Seite.

„Was wirst du tun? Wirst du mit dem Heer nach Minas Tirith ziehen?"

„Natürlich, meine Liebste", sagte Faramir leise und küsste sie sanft auf den Mund. „Auch wenn es mir schwerfällt, mich von dir zu trennen. Jetzt, da wir endlich ein Paar sind."

„Ich möchte auch mitkämpfen", erklärte Éowyn leidenschaftlich. „Ich kann besser mit dem Schwert umgehen als so mancher Krieger."

Faramir blickte sie entsetzt an.

„Bitte tu das nicht, Éowyn. Bleib hier, oder meinetwegen in Dunharg. Aber zieh nicht mit in die Schlacht. Ich würde es nicht ertragen, wenn du fallen würdest."

„Und ich nicht, wenn du fällst!" stieß Éowyn schluchzend hervor und drückte sich ganz fest an ihn.

§

Der Aufbruch fand sofort statt. Wieder glich Edoras fast einer Geisterstadt, als das Heer aufgebrochen war. Viele Frauen begleiteten ihre Männer ins Hargtal. Dieses Tal lag nicht weit von Edoras entfernt in den Ered Nimrais. Oberhalb des Tales befand sich eine befestigte Zuflucht, die nur über eine enge gewundene Straße zu erreichen war. An jeder Kehre der Straße befanden sich unheimlich aussehende Statuen aus Stein, die von den Rohirrim „Puckelmänner" genannt wurden. Faramir und Éowyn waren in diesen Tagen unzertrennlich.

Aragorn war von einer merkwürdigen Unruhe gepackt seit einiger Zeit. Immer wieder wanderte er in der Nähe der schmalen Schlucht herum, die zum Stein von Erech führte. Die Rohirrim mieden diese Gegend, in der sich Aragorn momentan aufhielt, denn sie fürchteten sich vor den Geistern der Verräter, die jenseits der Schlucht lauerten. Die Rohirrim nannten diese Gegend Dimholt, was soviel wie „düsterer Wald" bedeutet.

Eines Abend kam Arwen völlig aufgelöst zu Faramir gelaufen.

„Ihr müsst unbedingt mit Aragorn reden, mein Freund", sagte sie mit tränenüberströmtem Gesicht. „Ich glaube, er will sich auf den Pfad der Toten begeben."

Faramir erschrak, als er das hörte . Er saß gerade mit Éowyn vor einem Zelt. Rasch erhob er sich.

„Entschuldige, meine Liebste", sagte er zu der Schildmaid und begab sich zu Aragorn, der fast wie eine steinerne Statue am Eingang zum Dimholt stand.

„Das ist ein übles Tor und mein Tod liegt jenseits von ihm", sagte der Waldläufer geheimnisvoll.

„Du sprichst in Rätseln, fast wie Gandalf", stellte Faramir fest. „Warum willst du den Pfad der Toten beschreiten? Wir brauchen dich hier als Heerführer."

„Ich warte auf ein Zeichen", murmelte Aragorn vor sich hin. „Wenn es soweit ist, dann werde ich diesen Pfad beschreiten."

In diesem Moment ertönte ein Horn im Lager.

„Eine Reiterschar nähert sich Dunharg!" meldete ein Krieger Aragorn. „Es sind Elben und Waldläufer."

„Halbarad!"stieß Aragorn verblüfft hervor und lief rasch zum Lager zurück.

Faramir rannte ihm hinterher.

„Rede endlich mit mir! Arwen weint sich die Augen aus dem Kopf, weil sie nicht weiß, was mit dir los ist. Und du gibst mir auch allmählich Rätsel mit deinem Verhalten auf."

Aragorn dreht sich um und blickte den jungen Mann ernst an.

„Du wirst bald erfahren, was los ist. Und jetzt komm: wir wollen Halbarad begrüßen."

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Ein Reitertrupp war im Lager eingetroffen. An ihrer Spitze ritt Halbarad, der die Schar Waldläufer anführte. Zu Faramirs und Aragorns Überraschung befanden sich auch Elrond und seine Söhne bei den Reitern. Die Rohirrim im Lager waren neugierig zusammengelaufen. Halbarad und Maruwan stiegen von den Pferden und begrüßten Aragorn und Faramir freudig.

„Was für eine Überraschung!" stieß Faramir freudig hervor. „So sehen wir uns auf diese Weise wieder."

Einer der Reiter riß seine Kapuze herunter und eine Flut dunkler Haare quoll hervor. Es war Manyavel!