Ali : Natürlich hat Denethor für sein gemeines Tun die Prügelstrafe verdient. Trotzdem fand ich es nicht ganz richtig, dass ausgerechnet Gandalf, der weise Zauberer, zum Vollstrecker wird. Bei uns ist es heute Nachmittag auch schön. LG aus dem Frankenland.

Leonel: Danke für die vielen Reviews! Jetzt hast du ja deinen Rückstand wieder aufgeholt und dein Wunsch ist mir Befehl: es gibt schon wieder eine Fortsetzung.

Feael: Äh ja, Flammenmähne. Das liebe Pferdchen ist mir leider etwas durch die Lappen gegangen. Wir müssen wohl annehmen, dass er bei dem Angriff auf die Dunedain wahrscheinlich mitumgekommen ist. Aber Faramir hat ja jetzt Hasufel.

May20: Ich habe mich auch immer gefragt, wie es dem armen Fari kurz vor diesem schicksalsträchtigen Ritt nach Osgiliath wohl ergangen sein muß. So, und jetzt geht es weiter - etwas traurig. /schnüff/

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Kapitel 31: Der Scheiterhaufen

Noch nie war Faramir der Ritt von Minas Tirith nach Osgiliath so lange vorgekommen. Endlich konnte er die Mauern der Ruinenstadt sehen. Dort wirkte alles ruhig, zu ruhig. Mit einem Schrei zog er sein Schwert und seine Soldaten taten es ihm gleich. Die Mauern rückten immer näher. Hatten die Orks etwa die Stadt wieder geräumt? In diesem Moment schwirrten hunderte von Pfeilen auf Faramirs Männer zu. In der Rüstung war es fast unmöglich, den Pfeilen auszuweichen. Die Orkpfeile waren fast so dick wie kleine Lanzen und durchbohrten die Rüstungen der Gondorianer, als seien sie aus Papier. Entsetzt sah Faramir, dass seine Männer fast alle bereits am Boden lagen. Er selbst war von einem Pfeil unterhalb des rechten Schlüsselbeins getroffen worden, aber noch saß er im Sattel. Sein Schwert hatte er fallen lassen, da der Schmerz im rechten Arm zu groß war. Hasufel war schnaubend stehengeblieben. Er wartete auf einen neuen Befehl seines Herrn. Faramir versuchte abzusteigen, um einem Schwerverwundeten zu helfen. Doch er blieb mit dem rechten Fuß im Steigbügel hängen und fiel hin. Es gelang ihm nicht mehr aufzustehen: die Schmerzen waren zu groß. So lag er nun hilflos auf dem Rücken und wartete auf das Ende. Die Orks eilten mit einem gellenden Triumpfgeschrei aus der eroberten Stadt und begannen die gefallenen Gondorianer, die sogar teilweise noch lebten, in Stücke zu hacken. Faramir merkte, dass die Orks nun auch in seine Richtung kamen. Bald würde es vorbei sein. Er dachte an Éowyn und wie gerne er sie noch einmal gesehen hätte. Dann beugte sich ein extrem hässliches Orkgesicht über ihn.

„Das ist der Sohn des Statthalters", sagte der Ork mit einem schaurigen Lachen und zog ihm Handschuhe und den Helm aus. Dabei verlor Faramir den Ring von Éowyn.

„Soll ich ihm den Kopf abschlagen, Gothmog?" fragte ein anderer grinsend, der eine Kette aus Menschenknochen um den Hals trug.

„Nein, ich weiß etwas besseres", meinte Gothmog und sein mit Beulen bedecktes Gesicht zeigte so etwas wie ein triumphierendes Lächeln.

Faramir beobachtete das alles und eine unbeschreibliche Wut verlieh ihm neue Kräfte. Blitzschnell zog er seinen Dolch und und er richtete sich auf, um die Waffe auf Gothmog zu werfen. In diesem Moment traf ihn ein weiterer Pfeil, diesmal weiter unten, in den Bauch. Faramir sank zurück und er spürte, dass ihm die Sinne schwanden. Es war vorbei, und seine letzten Gedanken galten Éowyn.

Gothmog gab Hasufel einen Klaps auf den Hintern und das treue Tier trabte verschreckt davon, seinen Herrn hinter sich herschleifend.

„Sollen wir ihn nicht töten?" fragte der andere Ork bedauernd.

„Er wird diese Reise nicht überleben", grinste Gothmog böse.

Hasufel wurde immer langsamer. Das kluge Pferd schien zu ahnen, dass es seinen Herrn töten konnte, wenn es zu schnell lief. Langsam tauchte n die Mauern der Weißen Stadt vor Hasufel auf. Irolas, der die Torwache kommandierte, ließ das große Tor öffnen. Eile war geboten, denn nicht weit hinter Faramir nahten schon die ersten Truppen Mordors. Die Menschen in Minas Tirith gerieten in Verzweiflung, als sie den leblosen Körper Faramirs sahen. Irolas ließ Faramir auf eine Trage legen. Er selbst brach die Pfeilschäfte vorsichtig ab, bevor die Soldaten den jungen Heermeister nach oben trugen.

§

Ein Reiter hatte oben in der Zitadelle verkündet, dass man Faramirs Leichnam herauftrage. Pippin und Gandalf standen im Hof unter dem toten Baum und blickten einander bestürzt an. Zum ersten Mal sah der Hobbit Tränen in den Augen des Istari schimmern.

„Ich habe Faramir gekannt, seit er ein kleiner Junge war", murmelt e der Zauberer mit belegter Stimme. „Er hatte es nie leicht in seinem Leben – bei diesem Vater! Ich habe ihn zurückgeholt, als er einen lebensbedrohlichen Schock infolge Alatariels grausamen Tod erlitten hatte. Und jetzt scheine ich ihn endgültig verloren zu haben."

„Vielleicht gehen wir bald alle dorthin, wo Faramir nun ist", sagte Pippin leise.

„Da könntest du recht haben", meinte Gandalf grimmig und führte den Hobbit zum äußersten Rand der Mauer.

Als Pippin die Heerscharen Mordors sah, die langsam über den Pelennor Richtung Minas Tirith marschierten, unterdrückte er nur mühsam einen Aufschrei.

„Peregrin Tuk!" rief plötzlich eine befehlende Stimme.

Der Hobbit drehte sich um: es war Denethor, der gerade aus der Zitadelle getreten war. Rasch lief der Halbling zu seinem neuen Dienstherrn.

„Ich möchte, dass du an meiner Seite stehst, wenn sie...meinen Sohn bringen", sagte Denethor mit zitternder Stimme.

Gandalf blieb in sicherer Entfernung stehen und warf einen verächtlichen Blick auf den Truchseß, der plötzlich recht kleinlaut erschien. Endlich kamen die Soldaten mit der Trage in den Hof.

„Faramir! Sagt nicht, er sei gefallen!"jammerte Denethor und rannte auf die Bahre zu.

Dann beugte er sich schluchzend über seinen Sohn. Langsam ging Pippin zu Faramir. Der Truchseß schlug die Hände über den Kopf zusammen und taumelte klagend davon.

„Meine Söhne sind gefallen, meine Linie ist zu Ende! Das Haus der Truchsessen hat versagt!"

Er lief bis zum Rand der Mauer, sah Mordors herannahende Truppen und sank schluchzend auf dem Rasen zusammen.

Pippin strich Faramir vorsichtig das feuchte, rote Haar aus der Stirn. Plötzlich merkte er, dass die Haut des jungen Mannes ganz heiß war. Er glühte vor Fieber.

„Er lebt!" stieß der Hobbit freudig hervor. „Mein Herr, er braucht Arznei!"

Doch Denethor rührte sich nicht. Er lag zusammengekrümmt auf der Wiese und sein Körper bebte.

Beregond, der Hauptmann der Turmwache, trat zu Gandalf.

„Was sollen wir machen? Die Stadt wird bereits im ersten Festungsring angegriffen, wie es scheint."

„Wo bleibt Fürst Imrahil und seine Schwanenritter?" fragte der Zauberer empört.

„Herr Denethor hatte Streit mit seinem Schwager und hat die Reiterei daraufhin nach Dol Amroth zurückgeschickt", berichtete Beregond bedrückt.

Gandalf packte grimmig seinen weißen Stab.

„Dann müssen wir alleine zurechtkommen", sagte er entschlossen. „Ihr bleibt hier oben und passt auf, dass der Truchseß keinen Unsinn macht!"

Der Zauberer eilte zu Schattenfell und sprengte dann durch die Festungsringe, um Gondors Soldaten auf den Angriff vorzubereiten.

§

Denethor hatte sich derweil wieder aufgerappelt. Beregond trat verlegen zu ihm.

„Was sollen wir tun, Herr? Wäre es nicht besser, Faramir in die Häuser der Heilung zu bringen?"

„Mein Sohn wird sterben", murmelte der Truchseß geistesabwesend. „Bringt ihn in den Turm! Ich will dort an seinem Sterbebett sitzen und bei ihm sein, wenn er von uns geht."

Pippin starrte Denethor entsetzt an. Warum wollte der Truchseß nicht, dass seinem Sohn geholfen wurde? Noch gab es Hoffnung für Faramir. Er lebte.

Die Soldaten brachten den jungen Heermeister in das große Turmzimmer. Denethor sah schweigend zu, wie Beregond Faramir vorsichtig die schweren Rüstungsteile abnahm. Die grüne Samt-Tunika des Statthaltersohnes war blutgetränkt.

„Mein Herr", begann der treue Hauptmann vorsichtig. „Die Pfeilspitzen befinden sich noch in den Wunden. Sie müssen dringend entfernt und die Wunden versorgt werden."

„Schweig, Beregond!" fuhr Denethor Beregond wütend an. „Laßt mich alleine mit meinem Sohn! Verschwindet!"

Auch Pippin musste den Turm verlassen. Ratlos blickte er Beregond an. Doch dieser zuckte auch nur hilflos mit den Schultern.

„Was hat der Truchseß vor?" fragte der Hobbit leise.

„Wir können nur abwarten", seufzte Beregond und nahm seinen Helm ab.

Inzwischen war es dunkel geworden. Pippin drückte sich im Hof der Zitadelle herum. Längst wurde die Stadt von dem riesigen Heer angegriffen. Die unteren Ringe der Stadt standen bereits in Flammen. Wenn Rohan nicht bald kam, waren sie alle verloren!

Plötzlich öffnete sich die Tür des Turmes und Denethor trat heraus, eine Fackel in der Hand. Ihm folgten sechs Soldaten, die eine Bahre mit Faramir trugen. Pippin starrte diesen seltsamen Zug entsetzt an. Er befürchtete das Schlimmste. Vorsichtig versteckte er sich am Weißen Baum. In diesem Moment entdeckte er eine Blüte in den unteren Zweigen. Das konnte doch nicht sein! Der Baum war doch tot.

Denethor blieb einen Augenblick stehen und lächelte verzerrt, als er die brennende Stadt unter sich sah.

„Warum fliehen die Narren nicht? Brennen werden wir alle, früher oder später. Ich aber will zu meinem Scheiterhaufen gehen."

Pippin erstarrte: Scheiterhaufen? Was für eine neue Teufelei hatte der Truchseß mit Faramir vor? Langsam folgte er dem kleinen Trauerzug, der nach Rath Dinen, zur Stillen Straße, marschierte.

Denethor öffnete das schwere Portal zum Haus der Truchsessen. Pippin trat als Letzter ein. Er sah die zahllosen Sarkophage an den Wänden. Hier ruhten sie alle, von Mardil bis Ecthelion. Auf einem großen, steinernen Tisch in der Mitte der Totenhalle legten sie Faramir vorsichtig hin. Pippin sah, dass der junge Heermeister im Fieber aufstöhnte.

„Schickt nicht nach den Einbalsamierern, sondern bringt Holz und Öl!" befahl Denethor den Soldaten.

„Das ist Wahnsinn!" schrie Pippin jetzt außer sich. „Seht Ihr denn nicht, dass er lebt?"

Der Truchseß packte den Hobbit unsanft und beförderte ihn unsanft vor die Tür, als sei er ein lästiges Kind.

„Lebewohl, Peregrin Tuk", sagte er spöttisch dazu. „Ich entlasse dich aus meinen Diensten. Geh und stirb auf die Weise, die dir die Beste dünkt."

Pippin rappelte sich empört auf, doch das Tor wurde vor seiner Nase zugeschlagen. Er wusste jetzt , was er zu tun hatte. Er rannte über die schmale Brücke, die zur Zitadelle führte, und schrie nach Beregond. Der Soldate starrte den Hobbit unschlüssig an. Wenn er versuchte, Faramir zu helfen, machte er sich des Verrates schuldig.

„Ihr müsst diesen Wahnsinnigen aufhalten, bitte!" flehte der Hobbit. „Denethor ist nicht mehr Herr seiner Sinne. Ich werde derweil Gandalf suchen."