A/N: Ihr seid alle sooooo großartig! Hab´ mich gefreut wie ein Keks, dass manche von euch wieder dabei sind. (Jubel!) Aus diesem Grund war ich jetzt so beflügelt, dass mir das nächste Kapitel einfach so aus den Fingern geflossen ist. Extra lang, für meine extratreuen Reviewerinen – und Reviewer natürlich. (Zwinker!) Aber laßt das nicht zur Gewohheit werden. Mit 2 Reviews gebe ich mich demnächst nicht mehr zufriden! Dann beantworte ich jetzt mal wie gewohnt zuerst eure Reviews und danach geht es weiter. Viel Spaß!

ShiaAngel: Na, dann will ich mal hoffe, das ich trotz knappen Zeitbuget Deine Erwartungen voll erfülle. (Zwinker!) und auch danke für die Review zu „Quidditsch-Training".

Imobilus: Hol doch mal jemand die Feuerwehr, bevor meine treueste und schnelle Reviewerin in Flammen aufgeht! (Kipp Wasser auf die ´heißen Kohlen´) Puh, grade noch rechtzeitig! Dann schreibe ich mal schnell weiter, oder? (SMILE!)

Papabear: Meine eigentliche Antwort findest Du ja jetzt in deinem Gästebuch. Sorry, aber Du hattest leider keine einfache E-Mail-Adresse angegeben und ich MUSSTE Dir antworten. Hoffe, du bleibst bei uns …

Fidi: Ich weiß zwar nicht, ob Du diese Geschichte auch liest, aber ich versuchs einfach. Musste bei „Quidditsch-Training" auch manchmal grinsen … Böser Harry!

ReSeSi: Bei Dir bin ich relativ sicher, dass Du auch das hier liest. Ich sage nur soviel … letztendlich musste ich nach der Kurzgeschichte duschen – und zwar kalt!

Kapitel 1

„Mila? Mila? – Milena Elisabeth Laundry! Komm' bitte, es ist schon spät! Du verpasst noch den Zug!"

Schweigend starrte Mila in den Spiegel ihr gegenüber. Es war ihr egal, ob sie den Zug verpasste. Vielleicht konnte sie dann dieses neue Leben endlich vergessen. Ein blasses, 11-jähriges Mädchen mit großen, grünen Augen und streng nach hinten gekämmten und zu einem dicken Pferdeschwanz gebundenen Haaren blickte ihr entgegen.

Ob das unscheinbar genug war?

Hoffentlich!

Wenn sie eines ganz sicher nicht wollte, dann war es auffallen.

Ihre Mum, die sie grade auf ihr Trödeln hingewiesen hatte, hatte bei ihrem Anblick heute Morgen nur den Kopf geschüttelt. „Warum lässt Du Deine Haare nicht offen?" fragte sie seufzend. „Du siehst mit dieser Frisur so altbacken aus. Nicht wie meine hübsche, kleine Tochter!"

Und genau das wollte sie ja. Nach diesem Sommer würde ihr erstes Jahr in Hogwarts beginnen. Und sie fürchtete sich davor wie vor nichts anderem in meinem Leben bisher.

Hogwarts war eine Zaubererschule. Sie verstand nicht, warum ausgerechnet sie auf eine solche Schule gehen sollte. Sie konnte keine Dinge schweben lassen oder sie in andere Sachen verwandeln. Sie hatte nur, genauso wie ihre Mum, diese eigenartige Fähigkeit, Gefühle anderer Menschen zu erspüren. Sie hatte sie ihr vererbt. Ihre Mutter war eine Howler. Und wunderschön. Zumindest in den Augen von Mila und ihrem Dad.

Sie persönlich mochte diese Fähigkeit nicht. Sie machte sie verwundbar. Mila erfuhr Dinge über Menschen, die sie oft nicht einmal wissen wollte. Verhindern konnte sie es nicht. In ihrer alten Schule war sie deshalb ein Freak. Jemand, den man ängstlich mied. Und jetzt sollte sie in eine Schule gehen, auf der sie niemanden kannte – und nicht mal bei ihren Eltern bleiben dufte? Nein, dass wollte sie nicht. Sie wollte ein ganz normaler Mensch sein. So wie Dad. Ohne Magie und den ganzen Unsinn.

Aber genau das war das Problem. Ihr Dad war ein Muggel, ein nichtmagischer Mensch, wie man sie in Hogwarts nannte. So hatte Mum es ihr zumindest erzählt. Und somit war sie ein ‚Schlammblut'. Etwas, was nicht rein war. Sie hasste dieses Wort, auch wenn sie es nicht einmal richtig verstand. Wieso sollte sie nicht rein sein? Sie hatte nie etwas Böses getan!

Mila wollte in keine Schule gehen, wo sie geächtet werden würde. Und von der sie nicht nach Hause kommen konnte, um von ihrer Mutter tröstend in den Arm genommen zu werden.

Als Milas Mutter ihr Zimmer betrat, wischte sie sich hastig mit dem Ärmel über die Augen, damit sie die Tränen der Verzweiflung nicht bemerkte. Etwas, was sie sich hätte sparen können. Dafür wusste ihre Mutter zu viel.

„Nicht weinen." Sanft zog sie das Mädchen in ihre Umarmung und strich ihr über das Haar. „Du wirst bestimmt schnell neue Freunde finden. Und vermutlich bald in den Ferien nicht mehr nach Hause kommen wollen."

Ihr Gesicht gegen ihren Bauch drückend, schüttelte Mila heftig den Kopf. „Schick mich nicht weg. Bitte! Ich werde auch immer artig sein", schluchzte sie leise. Ihre Mum schloss kurz die Augen. „Wir schicken Dich doch nicht weg. Du hast nichts falsch gemacht. Aber glaub mir Mila, es ist das Beste. In der Muggel-Welt allein wirst Du nie glücklich werden."

„Ich bin glücklich", protestierte sie schwach.

„Lüg mich nicht an."

Mila schniefte und senkte den Blick. Langsam ließ ihre Mum sich vor ihr auf die Knie sinken und sah ihr fest in die Augen. „Vertraue mir einfach, mein Schatz. Ich spüre, dass das der Weg ist, den Du gehen musst um Dein Glück zu finden."

Das Mädchen nickte, allerdings recht hölzern und ohne aufzusehen. „Braves Mädchen. Und nun komm. Es ist spät."


An diesem eigenartigen Gleis angekommen – es hieß 9 ¾ und sie hatte durch eine Wand laufen müssen – umklammerte Mila ihren Rucksack, in der ihre Katze Lucy steckte und starrte den riesigen Zug an, der vor ihr stand. Um sie herum wuselten hunderte von Menschen, die sich verabschiedeten und winkten und alle recht glücklich wirkten. Sie konnte das nicht nachempfinden. Sie wäre vor Angst am liebsten gestorben.

Ihre Mum hatte sie in diese furchtbare Schuluniform gesteckt und während sie schlotternd auf dem Bahngleis stand, verschwammen alle um sie herum zu eintönigem Grau. Ein sanfter Schubser ihrer Mum – von ihrem Dad hatte sie sich bereits im Auto verabschieden müssen - beförderte sie in Richtung Tür und tief Luft holend stieg sie ein.

Drinnen drehte sie sich noch einmal um und sah, wie ihre Mutter ihr fröhlich zuwinkte. Lahm winkte sie zurück – und im nächsten Moment ertönte ein schriller Pfiff und sie wurde vom Strom der einsteigenden Schüler an die Wand hinter ihr gedrückt. Hastig wich sie den anderen aus und hörte Lucys klagendes Maunzen. Sie konnte es ihr nachvollziehen. Mila hätte am liebsten auch geschrieen.

„Hey! Hey Du!"

Es dauerte einen Moment, bis sie wahrnahm dass diese Stimme sie meinen könnte. Ein Junge in ihrem Alter mit verstrubbeltem schwarzen Haar, braunen Augen und einer Brille hatte den Kopf aus dem Abteil schräg gegenüber von ihr gesteckt und lächelte sie freundlich an.

„Auch ein Erstklässler?" fragte er und sie nickte kurz. „Prima. Setzt Dich doch einfach zu uns."

Völlig verschüchtert schüttelte sie den Kopf – was ihn dazu bewegte ihre Hand zu greifen und sie einfach mit den Worten: „Ach komm schon! Wir beißen nicht!" ins Abteil zu ziehen. Grade noch rechtzeitig, sonst hätte sie ein Sechst-Klässler über den Haufen gerannt.

An der Türe blieb sie stehen und sah sich um. Noch ein Junge saß dort, ganz in schwarz gekleidet, mit ebenfalls schwarzen Haaren und dunklen Augen. Er sah kurz auf, als sie der Junge mit der Brille ins Abteil zog, wandte aber schnell den Blick wieder ab.

„Ich bin James", stellte sich der Erste der Beiden vor und deutete dann auf den vor sich hinbrütenden anderen Jungen. „Und das ist Sirius."

„Mila", kiekste sie zur Antwort.

„Schön Dich kennen zu lernen, Mila. Setzt Dich. Mein Dad sagte mir, dass wir ein paar Stunden unterwegs sein würden."

Ergeben stieg sie mit dem größtmöglichsten Abstand über die Füße dieses anderen Jungen – Sirius? – der es nicht für nötig zu halten schien ihr Platz zu machen, und setzte sich ans Fenster. Wortlos starrte sie hinaus und hoffte, dass dieser James jetzt schnell das Interesse an ihr verlieren würde.

Er ließ sich dem anderen Jungen gegenüber auf den Sitz fallen und lächelte ihn an. „Ich glaube, ich kenne Dich. Du bist ein Black, oder?"

„Und wenn?" beantwortete Sirius die Frage missgelaunt mit einer Gegenfrage. James zuckte nur mit den Schultern.

„Nichts ‚und wenn'. Ich glaube ich kenne Deine Cousine. Bellatrix oder so?" Sirius nickte kurz angebunden.

„Sie ist ein ganz schönes Miststück, oder!"

Bei James lapidar hingesagten Worten riss Mila entsetzt die Augen auf, die sie aus dem Fenster gerichtet hatte, und hoffte, plötzlich unsichtbar werden zu können. Dieser Sirius sah nicht aus, als könne er Spaß verstehen.

Einen Moment geschah gar nichts. Verblüfft starrte Sirius James an, der seinen Blick ungerührt erwiderte – nur um dann im nächsten Moment loszuprusten. Er lachte so heftig, dass ihm die Tränen die Wangen hinunterliefen und er unvermittelt von seinem Sitz plumpste. Als er sich wieder ein wenig beruhigt hatte, blickte er zu James auf, der ihm eine Hand reichte und ihm vom Boden aufhalf. Beide tauschten ein verschwörerisches Grinsen, bevor Sirius endlich antwortete: „Ja. Das ist sie. Bella ist definitiv ein Miststück!"

Innerlich rümpfte sie die Nase über die Beiden. Auch wenn sie diese Bellatrix nicht kannte, sie fand es nicht in Ordnung dass sie so über sie sprachen.

„Und in welches Haus willst Du?" fragte James jetzt neugierig sein Gegenüber, während er seinen Rucksack öffnete und eingepackte Sandwiches hervorkramte. Er reichte eines Sirius, der es begeistert entgegennahm und wandte sich dann an Mila. Sie schüttelte schnell den Kopf und murmelte ein hastiges „Danke.". Wer wusste schon, was da drauf war. Was aß man in Zaubererkreisen? Krötenaugen? Allein bei dem Gedanken schüttelte es sie.

„Slytherin", antwortete Sirius, nachdem er in sein Sandwich gebissen hatte. Aber es klang nicht wirklich überzeugt.

„Echt?" James schnitt eine Grimasse. „Warum?"

„Weil meine ganze Familie in Slytherin war." Erneut biss Sirius in das Sandwich und während er kaute riskierte sie einen Blick darauf. Sah auf den ersten Blick wie Erdnussbutter und Gelee aus – aber wer wusste das schon.

„Nur deswegen? Das ist doch kein Grund, dass Du da auch hin musst."

„Doch." Auch Sirius schien der Appetit vergangen zu sein, denn er begann damit das Brot in seinen Händen in kleine Stückchen zu zerpflücken. „Irgendeine blöde Familientradition. Ich bin ja sowieso schon der Schandfleck der ganzen Familie. Wenn ich jetzt auch noch ins falsche Haus komme, kann ich gleich von der Zugbrücke springen. Meine Mum wäre sicher froh darüber."

James runzelte bei Sirius letzten Worten die Stirn, schien es aber erst einmal für besser zu halten nichts dazu zu sagen. „Aber ich fragte Dich, wo DU hinwillst."

Sirius zögerte, offenbar nicht sicher, ob er es wirklich wagen konnte ehrlich zu sein. Schließlich beugte er sich doch vor und murmelte im Verschwörerton: „Ich denke, ich fände Gryffindor toll. Alles, nur nicht Huffelpuff!"

James reckte grinsend einen Daumen in die Höhe – viel dazu sagen konnte er nicht, da er den Mund voll hatte.

Grade noch rechtzeitig, bevor er mit seiner Befragung bei ihr weitermachen konnte, lehnte Mila ihren Kopf an die Scheibe und stellte sich schlafend. So war er gezwungen, sich weiterhin mit Sirius als Gesprächspartner zu begnügen. Sie hätte außerdem gar nicht gewusst, was sie ihm antworten sollte. Häuser? In Hogwarts gab es Häuser?

„Und zu welcher Familie gehörst Du, James?"

„Ich bin ein Potter."

„Oh. Warte – seit 3 Jahrhunderten reinblütig, stimmt´s?"

Durch ihre geschlossenen Augen sah Mila nicht, wie er das Geicht verzog, sie hörte nur sein „Ja." Und in diesem Moment beschloss sie, dass die zwei niemals ihre Freunde werden konnten. Sie waren reinblütig – sie nicht. Und damit basta.


Irgendwann ruckelte der Zug und kam langsam zum Stehen. So schnell sie konnte sprang Mila von ihrem Sitz, schnappte sich die Tasche mit Lucy, die bisher ruhig geschlafen hatte und nun protestierend fauchte und schlüpfte aus dem Zug, ohne den beiden Jungs auch nur noch einen Blick zuzuwerfen.

Ein bärtiger Mann, ca. 30 Jahre - und um ein paar Köpfe größer als jeder von ihnen - nahm die Erstklässler in Empfang und führte sie zu Booten. Er hieß Hagrid und schien ganz nett zu sein. In der Ferne konnte man Hogwarts erkennen. Es blinkte und glitzerte in der Dämmerung und trotz ihrer Angst fand Mila es irgendwie schön. Im Boot sitzend vermied sie allerdings wieder jeden Blick nach rechts oder links und starrte stur geradeaus auf den Rücken ihres Vordermannes.

Im Schloss angekommen wurden sie von einer sehr streng aussehenden Dame in Empfang genommen, die nicht aussah als würde sie oft lächeln. Ihr Herz sank ins Bodenlose. Waren hier alle so? Prompt stellte sie sich als Professor McGonagall vor, die Lehrerin für Verwandlung. Am liebsten hätte Mila losgeheult! Aber sie riss sich zusammen. Hadern half nichts. Sie würde hier bleiben, egal ob es ihr selbst passte oder nicht. Also hatte sie die Wahl: weiterhin das arme Opfer zu spielen oder das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Sie entschied sich seufzend für das Letztere und sah sich das erste Mal wirklich um. Lauter Jungs und Mädchen in ihrem Alter. Völlig normal und nicht so, wie sie sich ihre Zauberei-Mitschüler vorgestellt hatte. Und wenn sie genau hinsah, war sie bestimmt nicht die Einzige, der die Knie schlotterten. Sie entdeckte, dass auch Andere nervös auf ihren Lippen herumkauten oder den Blick gesenkt hielten.

Professor McGonnagal führte alle, nachdem sie sie streng zur Ordnung gerufen hatte, in eine große Halle, die praktischerweise auch genauso hieß. Dort saß der Rest der Schule versammelt – die Schüler an langen Tischen, die Lehrer etwas erhöht auf einem Podest. Und jetzt verstand Mila auch, was James eben mit ‚Häusern' gemeint hatte.

Insgesamt gab es 4 dieser riesigen Tische, jeder davon in anderen Farben gedeckt. Und an jedem dieser Tische hatten die Schüler andere Abzeichen auf der Brust. In der Mitte des Lehrertisches entdeckte sie schließlich einen Mann, der absolut ihren Vorstellungen eines Zauberers entsprach. Er wirkte wie aus einem Muggel-Märchenbuch entsprungen, die Mila so sehr liebte. Er hatte einen großen Spitzhut auf dem Kopf, sein Gesicht von weißem Haar umkränzt und über seiner Brust lag ein enormer Bart, ebenfalls so weiß wie sein Haar. Er blinzelte den Erstklässlern über seine Halbmondbrille zu und lächelte eines dieser Lächeln, die man einfach nur erwidern konnte. Er stellte sich als Direktor der Schule heraus und hieß Dumbledore.

Professor McGonnagal ließ die Schüler stehen und huschte durch eine Tür, in der sie nur Sekunden später wieder auftauchte. Sie trug einen Schemel mit einem alten, abgewetzten Hut darauf in die Mitte des Saals und stellte ihn hin. Gleich darauf zog sie eine große Pergament-Rolle unter ihrem Umhang hervor und begann, Namen davon zu verlesen.

Der erste Aufgerufene trat nach vorn und ließ sich gehorsam auf dem Schemel nieder. Die Professorin setzte ihm den Hut auf den Kopf – und zu Milas grenzenloser Überraschung begann dieser plötzlich zu sprechen! „Hmmmm ….. Ravenclaw", verkündete er mit lauter Stimme und an einem der Tische brach tosender Jubel aus. Sie versuchte sich zu merken, welcher Tisch ‚Ravenclaw' hieß und wandte sich dann wieder nach vorn.

„Sirius Black!"

Mila sah beim Klang seines Namens hinüber zu Sirius, der wieder diesen mürrischen Gesichtsausdruck trug und betont lässig zu dem Schemel hinüberspazierte. Hier, mitten in der Menge, wagte sie es endlich ihn sich genauer anzusehen. Im Zug war sie mehr darauf bedacht gewesen, bloß nicht seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er hatte ein wirklich hübsches Gesicht. Dunkle Augen, fast so wie seine Haare, die ihm hier und da ins Gesicht fielen. Und er war groß für sein Alter, dabei aber keineswegs schlaksig, wie viele andere Jungs. Hätte er nicht so mürrisch geschaut, Mila hätte ihn sicher gemocht. Aber es war vermutlich gut so.

Hinter ihr hörte sie, wie einige der älteren Mädchen bei seinem Anblick begannen miteinander zu tuscheln und zu kichern. Innerlich schnitt sie eine Grimasse.

Mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen plumpste er ebenfalls auf den Schemel. Die Professorin sah ihn indigniert an und stülpte dann auch ihm den Hut auf den Kopf. Ein wenig unsanfter als bei den Anderen, vermutlich, um ihn für sein Verhalten zu rügen. Sirius aber verzog keine Miene.

Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis der Hut sich endlich für eines der Häuser entschied. Er schien echte Schwierigkeiten zu haben, ihn einzuordnen. Doch schließlich ertönte: „Gryffindor!" und der Tisch rechts von Mila begann zu toben. Vermutlich war es nur Einbildung gewesen. Aber bei diesem einen Wort bröckelte seine lässige Fassade ein wenig und sie sah deutlich den Triumph – und etwas wie Erleichterung - in seinen Augen. Doch nur für eine Sekunde, dann hatte er sich wieder völlig im Griff, stand auf und ließ sich am Gryffindor-Tisch nieder, wo er mit Schulterklopfen empfangen wurde.

Sie versuchte ihre Aufmerksamkeit wieder nach vorn zu richten – aber irgendwie gelang es ihr nicht mehr so recht.

„Milena Elisabeth Laundry!"

Mila fuhr bei ihrem eigenen Namen zusammen und schob sich durch die anderen Erstklässler nach vorne. Der Schemel war hart, aber das war momentan ihre kleinste Sorge. Wo würde der komische Hut sie hinstecken?

Als er auf ihrem Kopf saß, kniff Mila fest die Augen zusammen, in der Erwartung irgendeines Gefühls. Doch es geschah nichts. Sie hörte nur die leise Stimme des Hutes.

„Oh, eine Howler", murmelte er direkt neben ihrem Ohr. „Viel Gefühl. Viel Unsicherheit. Du würdest gut nach Huffelpuff … nein, warte."

Er schwieg einen Moment, als horche er tief in sie hinein. „Da ist auch viel Mut in Dir. Stärke. Nein, ich denke besser wäre …" Seine Stimme wurde nun lauter, als er ihr Haus verkündete: „Gryffindor!"

Fast ein wenig fassungslos erhob sich Mila von ihrem Stuhl und ging hinüber zu ihrem Tisch. Sie war so überrascht, dass sie nicht einmal merkte neben wen sie sich setzte. Und sie achtete auch nicht auf ihre Hand, die sie achtlos neben sich baumeln ließ. Sie wurde sich dessen erst gewahr, als sie eine andere Hand an ihrer spürte. Groß. Warm. Richtig.

Eine Welle von Gefühlen brach plötzlich über Mila zusammen: Wut, Angst, Sehnsucht. Als habe sie sich verbrannt zog sie hastig ihre Finger weg und wandte den Blick zu diesem Jemand hinüber. Sie blickte direkt in Sirius Augen. Sein Blick war ernst und ein bisschen misstrauisch.

Hastig wandte sie den Blick ab. Und auch wenn er nichts dazu sagte, hallten seine Gefühle noch lange in ihr nach.

Nachdem alle Erstklässler verteilt waren – auch James Potter war nach Gryffindor gesteckt worden – gab es eine Ansprache des Direktors und ein riesiges Festessen. Mila war bei Letzterem ziemlich skeptisch. Während sich die Anderen hungrig die Teller voll luden, sah sie skeptisch die Platten und Teller an. Auch wenn ihr Magen knurrte, der Gedanke irgendetwas Ekelerregendes vorzufinden hielt sie zurück.

Während sie grade eine Pastete mit den Augen abtastete, spürte sie einen unangenehmen Zug an den Haaren.

„Au!"

Es war Sirius gewesen, der sich ihren Zopf um die Faust gewickelt und einmal kräftig daran gezogen hatte. Er grinste sie an. „Du guckst, als hätten sie Spinnen gekocht!"

Mit gerunzelter Stirn rieb sich Mila über den Kopf. „Ziehst Du immer fremden Mädchen an den Haaren?" fragte sie beleidigt.

„Du bist nicht mehr fremd", erwiderte er schulterzuckend und schob ihr ein paar Sandwiches hin. „Los, iss!"

Immer noch skeptisch beäugte sie die Brote. Er verdrehte die Augen, nahm eines von der Platte, legte es auf ihren Teller und begann das kunstvoll geschichtete Sandwichs auseinander zu nehmen. Zum Vorschein kamen Salat, Tunfisch und Käse.

„Das ist ja nur ein Sandwich", erklärte Mila ziemlich fassungslos, während sie die Zutaten auf ihrem Teller anstarrte.

„Was hast Du denn gedacht? Vielleicht Krötenschleim?"

Ertappt lief Mila rot an und Sirius erklärte ihr im sachlichen Tonfall: „Hat Dir schon mal jemand gesagt, dass Du eigenartig bist?"

Wortlos starrte sie ihn an – auch noch, als er seinen Blick schließlich abwandte und weiteraß. Und langsam – ganz langsam – stahl sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen.


Soooo, ihr kennt das Spiel. REVIEWS! Und damit auch die letzten Schwarzleser mal in die Pötte kommen, hier meine Forderungen: das nächstes Kapitel kommt erst, wenn ich 5 Reviews zusammen habe. Also schnell Knöpfen streicheln!