A/N: Okay, da bin ich wieder. (Keuch, Keuch). Keine Sorge, ich hatte euch und die Geschichte nicht vergessen, aber auch meine Wenigkeit hat mal viel zu tun. Ich mache es wieder gut, versprochen. Habt ihr alle Taschentücher in Reichweite? Meine süße Beta-Leserin Remus Bride hat ziemlich beim Lesen getropft. Und ich glaube auch, das Padfood danach eine kräftige Massenumarmung braucht …
ShiaAngel: Da Du mich immer so nett knuddelst, könntest Du wohl auch Sirius einmal fest drücken? Der hat das grade verdammt nötig …
Imobilus: Hey, die drei Jungs können alle sehr fordernd werden … ob Du alle gleichzeitig schaffst und Dir dann auch noch die eifersüchtigen Weiber vom Leib halten kannst? (SMILE!)
Lia: Na, das ist doch mal eine Verkupplungs-Strategie, hm? Wer nicht schnell genug zu potte(r) kommt, kriegt den Arm gebrochen. (GRINS!)
Ac Potterfan: Also, so langsam ist Sirius beleidigt. Er hatte so darauf spekuliert, dass ihr alle böse auf mich seid, weil ich ihn „verstümmele". Dabei findet ihr das alle gut. Danke schön! Und James … tjaja, er ist eben voll pubertär … da denkt man halt an nix anderes als an … (Hüstel, hüstel)
Papabear: Juhu, Du bist auch noch da. Hatte schon befürchtet, ich hätte Dich mittlerweile vergrault. Schön, dass dem nicht so war. Ich freue mich schon auf die nächste Review!
Zeraphine: Wünsche Dir einen schönen Urlaub und komm gesund wieder. Padfood und ich werden Dich vermissen!
Marrychan: Auch Dir wünsche ich einen schönen Urlaub! Und übrigens: jetzt bist Du Sirius absoluter Lieblingsreviewer. Endlich jemand, der Mitleid mit ihm hat. Soll dich ganz fest drücken! – So leicht gewinnt man also ein Black´sches Herz … Und nein, Mila und Sirius sind noch nicht zusammen – lange Leitung eben. Aber er flirtet schon mal kräftig, wie Du gleich lesen wirst.
Ulli: Braves Mädchen! Immer schön weiter lesen, dann kommst Du auch hier an und liest meine Antwort. (SMILE!) Ich danke Dir für dein Lob! Werde noch ganz rot …
Kapitel 12
Sie verbrachten viel Zeit miteinander. Anders konnte man es nicht beschreiben. Lily und James waren sowieso nicht zu trennen und auch Remus und Mila hatten schon vorher miteinander gelernt. Aber in diesem Jahr bildete sich ein untrennbares Band zwischen den 6 Freunden.
Besonders zwischen Sirius und Mila schien sich vieles geändert zu haben. Immer öfter gab es fröhliches Geplänkel zwischen den Beiden. Genauso wie jetzt.
Mila war grade dabei, ihre Hausaufgaben in Verwandlungen zu verfassen, während Sirius müßig neben ihr saß und an die Decke starrte. Er konnte Langeweile nicht ausstehen. Also beschloss er, etwas dagegen zu tun. Und sie schien das perfekte Opfer, wie sie so konzentriert dasaß und Sachen auf ihre Pergamentrolle kritzelte.
Langsam schob er seinen Fuß zu ihrem hinüber. Als er ihn erreichte, stupste er sie an. Sie sah kurz auf, senkte den Blick dann aber wieder auf ihre Hausaufgaben.
Ohne zu zögern wiederholte er seinen Angriff.
Mit gerunzelter Stirn schubste sie seinen Fuß zur Seite. Er grinste in sich hinein, platzierte seinen nackten Fuß so, dass er ihre Fußsohle streifte und begann mit den Zehen zu wackeln.
Mit einem lauten ‚Rums´ schloss Mila ihr Buch und funkelte ihn an. „Was tust Du da?" fragte sie entnervt, doch er konnte das versteckte Lachen in ihren Augen sehen. Er grinste.
„Ich füßle."
„Du tust was?"
„Füßeln. Das ist in manchen Kulturen eine gängige Flirt-Strategie."
„Natürlich."
Sie wandte sich wieder ihren Hausaufgaben zu - aber als er sie das 4. Mal störte, boxte sie ihm ungefragt gegen den Oberarm. Mit gespielt entsetztem Gesicht rieb er sich darüber. „Du schlägst mich?"
„Ist auch ne Flirt-Strategie", erwiderte sie ungerührt.
Im nächsten Moment fand sie sich auf dem Teppich wieder und Mila kreischte. Sirius hatte sie zu Boden geworfen und kitzelte sie heftig durch. „Nicht kitzeln", schrie sie und versuchte seine flinken Hände einzufangen. „Gnade, bitte, Gnade!"
„Entschuldigst Du Dich?" fragte er laut, damit seine Stimme überhaupt durch ihr Gekreische dringen konnte.
„Nein!" erwiderte sie angriffslustig. Eine neue Kitzel-Attacke brachte sie erneut zum Kreischen. Lachend griff sie nach seinen Händen und das vertraute Kribbeln entstand. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr eine Gänsehaut über die Arme kroch. Ebenso wenig wie sie verhindern konnte, dass sie diese Gänsehaut genoss. Ohne zu überlegen ließ Mila das Gefühl auf ihn übergehen. Sie sah deutlich, wie sich die Härchen auf seinen Unterarmen aufstellten und grinste triumphierend. Er schauderte und zog eine Schnute. „Du kämpfst unfair, Milena Laundry", brummte er, doch seine Augen straften seine Worte Lügen. In seinem Blick lag kein echter Vorwurf. Nur etwas anderes, was Mila nicht wirklich zu analysieren wagte.
Sie grinste und streckte ihm die Zunge raus. „Wenn Du Schuft mich hier auf dem Boden schändest …"
„Ich schände Dich! Ha, wenn ich Dich schänden würde, würdest Du es merken."
Sein Lächeln veränderte sich unmerklich und die folgende Gänsehaut wurde nicht von seiner Berührung ausgelöst … sondern von seinem Blick. Jetzt war es Mila, die schauderte. „Sieh mich nicht so an", bat sie mit einem Hauch Rosa auf den Wangen atemlos.
„Wie gucke ich denn?"
Hilflos zuckte sie mit den Schultern und einen Moment lang kämpfte Sirius gegen den Wunsch, sie erneut zu berühren, um ihr klar zu machen, was sein Blick bedeutete. Es war nicht wirklich zuträglich, mit ihr hier auf dem Fußboden zu liegen, sie völlig wehrlos unter ihm begraben. Und jeden kleinen Unterschied zwischen ihrer beider Körper zu spüren.
Mühsam riss er sich zusammen und stand auf, allerdings nicht ohne ihr vorher leise ins Ohr zu knurren. Das musste er loswerden. Sie schauderte erneut und kicherte, bevor er ihr aufhalf. Einen Moment sahen sich beide stumm an. Doch im nächsten Moment hatte Mila ihm erneut mit blitzenden Augen gegen den Arm geboxt, nur um sich dann quietschend hinter Remus zu retten, der grade von seinem Stuhl aufstand.
„Hilfe! Remus, rette mich!"
Remus sah sie über die Schulter hinweg an und Mila mühte sich, ihm einen möglichst unschuldigen Augenaufschlag zu schenken.
„Tja … eigentlich hast Du ja ihn geschlagen, Mila …"
„Du wirst diesem Wilden doch keine unschuldige Frau überlassen! Komm schon, sei mein strahlender Held!" Er zögerte und schien ernsthaft über ihre Worte nachzudenken.
„Nein, würde ich nicht …", antwortete er schließlich und Mila schickte schon ein triumphierendes Lächeln in Sirius Richtung.
„Aber da Du nicht unschuldig bist …"
Im nächsten Augenblick wurde sie von beiden Jungs gepackt und als sich schließlich auch noch James ins Getümmel stürzte, blieb Mila nichts anderes übrig, als sich für alles zu entschuldigen, was ihr einfiel.
„Ich wüsste gerne, wo die 4 stecken." Wieder war ein Sommer vergangen und die Mädchen, mittlerweile 15 Jahre alt, saßen wieder einmal in ihrem Abteil im Hogwarts-Express. Lily war in den Ferien fast gestorben vor Sehnsucht. Mila wollte gar nicht wissen, wie viele Briefe die armen Post-Eulen hatten hin- und herschleppen müssen. Und wie Lily es überhaupt geschafft hatte, eine Eule für die Post abzufangen, ohne dass ihre Schwester einen asthmatischen Anfall bekommen hatte.
Mila hatte auch Post bekommen, war aber viel zu sehr mit ihren Howler-Fähigkeiten beschäftigt gewesen, um die Jungs so richtig herzzerreißend und kaum überstehbar zu vermissen. Sie war es satt gewesen, vor jeder zwischenmenschlichen Berührung zurückschrecken zu müssen. Also hatte ihre Mum damit begonnen, sie in ihrer Fähigkeit zu trainieren. Und Mila hatte es geschafft. Nun konnte sie steuern, ob sie Gefühle erspüren wollte oder nicht. Und eines hatte sie sich vorgenommen - dieses Jahr würde sie jeden gnadenlos umarmen, ob er oder sie wollte oder nicht.
Lily saß im Schneidersitz auf ihrer Bank und starrte wehmütig aus dem Fenster. In Kings Cross hatte sie sich fast den Hals auf der Suche nach James ausgerenkt. Aber sie hatte ihn nicht entdeckt – und auch keinen anderen der Jungs, der zeitweise als Kuschelersatz hätte dienen können. Remus war für diesen Zweck immer besonders gut geeignet, wie Mila selbst aus eigener Erfahrung wusste.
Grade als wieder einmal ein wehmütiges Seufzen ertönte, öffnete sich die Abteil-Tür und ein Knäuel aus dunkler Wolle, auf dem ein Gryffindor-Abzeichen leuchtete, sprang in Lilys Richtung. Der Seufzer wurde zu einem Kreischen, welches schließlich von einem Lachen abgelöst wurde.
„Endlich hat er sie gefunden", grinste Remus im Hintergrund, während James damit begann Lily, die leise kicherte, von oben bis unten abzuküssen.
„Dem Himmel sei Dank", lachte Mila ebenfalls und streckte die Arme zuerst nach Remus und dann nach Peter aus, um die beiden fest zu drücken. Als die Beiden sicher im Abteil saßen wandte sich Mila strahlend zu dem noch fehlenden Mitglied der Gruppe um. Allerdings gefror ihr das Lächeln beim Blick in Sirius Augen. Er wirkte so unglücklich, dass es Mila fast den Atem nahm. Trotzdem versuchte er, tapfer zu lächeln.
Auch er beugte sich zu ihr runter, um sie kurz zu umarmen, doch so leicht ließ ihn Mila nicht los. Als er seine Arme um sie schlang, hielt sie ihn kurzerhand fest und drückte ihn, so fest sie konnte. Keiner der Freunde sagte etwas dazu, dass diese Umarmung deutlich länger dauerte als beim Rest. Und als sie ihn schließlich neben sich zog und die Finger mit seinen verflocht, machte Remus bereitwillig Platz.
Sirius schien einen Moment die Luft anzuhalten, in der Befürchtung, dass sie jetzt ihre Kräfte benutzen würde – doch das tat sie nicht. Er spürte keine Veränderung und erleichtert sackten seine Schultern nach unten. Wenn Mila eines in den Sommerferien beschlossen hatte, dann dass sie keine Gefühle mehr ungefragt ausspionieren würde. Und besonders nicht bei ihm. Wenn Sirius irgendwann beschloss, es ihr zu erzählen, dann würde sie da sein. Aber vorher würde sie es nicht erfahren.
„Wie waren eure Ferien?" fragte Peter, der in der äußersten Ecke neben dem Pärchen hockte, um sie ja nicht in ihrem Freudentaumel zu stören.
„Ganz okay", antwortete Remus und Mila nickte zustimmend. Sirius schwieg und Mila strich mit ihrem Daumen über seinen Handrücken. Ohne ihn zu bedrängen, begannen sie und die anderen zwei Jungs eine Unterhaltung, die bis zur Ankunft in Hogsmead andauerte. James und Lily wurden einfach nicht mehr beachtet und sie waren absolut zufrieden damit. Nur zwischendurch strich Mila über seine Hand und gab ihm so ohne Worte zu verstehen, dass sie da war. Und er war sehr dankbar dafür.
Das Festessen war köstlich, doch Sirius aß nichts. Auch nicht, als Mila ihm lächelnd ein Sandwich reichte und ihm versicherte, dass es nur Tunfisch war. Wieder huschte bei der Erinnerung an ihr erstes Festessen dieses unechte Lächeln über sein Gesicht. Mila seufzte innerlich.
Auch auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum war er unnatürlich still. Alle gingen brav in ihre Schlafsäle und packten ihre Koffer aus, um dann ins Bett zu klettern.
Aber Mila konnte nicht einschlafen.
Lily lag in ein T-Shirt von James gehüllt in ihrem Bett und träumte, während Mila ruhelos an die Decke starrte. Dieser gehetzte Blick ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.
Gegen Mitternacht stand sie schließlich auf und wickelte sich in ihren Morgenmantel. Auf nackten Füßen schlich sie hinunter in den Gemeinschaftsraum und fand zu ihrer Überraschung James dort vor, der gedankenverloren aus dem Fenster sah.
„Alles in Ordnung?"
Er schrak nicht mal zusammen, als sie ihn ansprach – fast so, als hätte er sie erwartet.
„Wenn ich das wüsste", seufzte er nur, ohne sie anzusehen.
Mila trat neben ihn und folgte seinem Blick. Durch das bunte Fensterglas konnte sie die Schemen eines jungen Mannes erkennen, der allein auf der Brüstung des Astronomie-Turms hockte.
„Sirius?"
Eigentlich hätte sie die Frage überhaupt nicht stellen brauchen, sie kannte die Antwort schon. Und wie erwartet nickte James.
„Was ist denn nur mit ihm passiert?" Ihr Blick huschte über die gebeugte Gestalt, die so gar nichts mehr von dem selbstbewussten Jungen hatte, den sie letztes Jahr kennen gelernt hatte.
Ein freudloses Lachen entfuhr James. „Nun, er war bei seiner Familie. So ist er immer, wenn er nach den Ferien zurückkommt. Er ist einfach nicht mehr er selbst, Mila. Aber ich glaube, dass es dieses Jahr aus irgendeinem Grund auch schlimmer ist als sonst." Er sah sie ernst von der Seite an. „Ich denke, dass er dieses Jahr ganz schön was abbekommen hat. Er hat sich nämlich geweigert, sich vor uns umzuziehen."
„Sie schlagen ihn?" Mila war vollkommen entsetzt.
James schnaubte nur. „Glaube mir, Süße, in der Zaubererwelt gibt es Schlimmeres als Schläge …"
Unwillkürlich wurde Mila schlecht. Das war ein Kapitel, das sie im Unterricht bisher nicht besprochen hatte. Und das war wohl auch gut so.
„Geh´ zu ihm", bat er leise, ohne sie anzusehen.
Mila blickte ihn zweifelnd aus den Augenwinkeln an. „Glaubst Du, dass er das wollte?" fragte sie unsicher. Ein kleines Lächeln wurde auf James Lippen sichtbar und er nickte. „Ich wage sogar zu behaupten, dass er darauf wartet." Mila sah wieder durch die Fensterscheibe – und im nächsten Moment war sie auch schon am Portraitloch. „Aber wehe, Du spazierst jetzt wieder in unseren Schlafsaal, James!"
Er zog eine Grimasse und rieb sich sein Knie. „Lieber nicht. Sonst kann ich Quidditch vergessen …"
Starker Wind blähte den Morgenmantel um ihre Füße, als Mila – Gott sei Dank hatte sie niemand auf dem Weg hierher bemerkt - im Astronomie-Turm ankam. Wie erwartet stand das Fenster nach draußen weit offen. Sich die Haare aus dem Gesicht streichend steckte sie den Kopf hinaus. Sirius saß mit baumelnden Füßen auf der Brüstung und starrte zum Himmel empor. Mit klappernden Zähnen kletterte sie ebenfalls hinaus und versuchte nicht nach unten zu schauen. Im Gegensatz zu ihm war sie nämlich nicht schwindelfrei.
Ohne sie anzusehen, streckte er plötzlich die Hand aus und Mila ergriff sie dankbar. Als sie endlich sicher neben ihm saß, atmete sie auf. „Jetzt darf ich Dich nicht verärgern", erklärte sie mit einer Grimasse. „Ohne Deine Hilfe komme ich nie wieder hier runter."
„Du bist auch denkbar schlecht angezogen für eine Nacht unter den Sternen", erwiderte er und schlüpfte ohne Zögern aus seiner Jacke. Sie sah genau, wie er kurz das Gesicht verzog, als er sie über die Schulter zog.
Er reichte sie Mila und dankbar wickelte sie sich darin ein.
„Hat James Dich geschickt?"
Die Jacke war herrlich warm und Mila vergrub blitzschnell ihre Nase darin, um seinen Duft um sich herum wahrzunehmen. Das Kleidungsstück noch ein wenig enger um sich ziehend nickte sie. „Ja. Und auch wieder nein. Ich konnte nicht schlafen."
Endlich wandte er den Blick von den Sternen ab, allerdings nur um auf seine Füße zu starren. „Ich auch nicht", murmelte er leise, sodass sie durch das Pfeifen des Windes wirkliche Schwierigkeiten hatte, ihn zu verstehen.
„Erzähl mir davon", bat Mila und sah ihn an.
„Das willst Du nicht wissen." Ohne dass es einer von ihnen angesprochen hatte, wussten beide wovon sie sprachen – seiner Familie.
„So schlimm?" Wieder dieses verdammte, trockene Lächeln.
„Du liebst Deine Eltern, oder?" stellte er geschickt die Gegenfrage. Mila seufzte innerlich. Aber wenn er nicht darüber reden wollte, konnte sie ihn nicht zwingen. „Sie sind toll", antwortete sie, um ihm zu zeigen, dass sie ihn nicht zwingen würde. „Mein Dad ist zwar ein Muggel und nicht sonderlich glücklich, dass ich auf diese Schule gehe – Magie ist ihm unheimlich – aber er nimmt es hin. Und meine Mum …"
„Ich hasse meine Eltern", unterbrach er sie so heftig, dass Mila leicht zusammenzuckte. Schweigend sah sie ihn an. Und betroffen nahm sie das feuchte Schimmern seiner Augen wahr.
„Eltern sollten ihre Kinder doch lieben, oder?" Diese Frage stellte er wieder so leise, das Mila sich ein Stückchen zu ihm hinüberlehnte.
„Was haben sie Dir angetan?" fragte sie leise, fast direkt an seinem Ohr.
Wortlos riss Sirius den oberen Teil seines Hemdes auf und schob es über die linke Schulter. Pfeifend entwich Milas Atem. Die halbe Schulter war zerkratzt, aufgeplatzt und geschwollen und als Mila die Stelle sanft mit den Fingerspitzen berührte, durchzuckte sie heftiger Schmerz. Sie konnte nicht glauben, dass Eltern ihren Kindern so etwas antaten.
„Ich habe es verdient. Ich bin der Schandfleck der Familie." Seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. „Zu nichts nutze. Ich bringe der Familie keine Ehre. Nur Schande." Er hielt den Kopf gesenkt, trotzdem sah sie die unvergossenen Tränen in seinem Blick. Es tat ihr weh ihn so zu sehen. Und ohne seine Familie zu kennen, begann sie sie zu hassen.
„Das ist nicht wahr." Tränen stiegen auch ihr in die Augen. In ihrem Geist erschien das Bild von ihm, das sich im vergangenen Jahr gebildet hatte. Ein lachender, hübscher Junge, mit spitzbübisch funkelnden Augen und diesem unwiderstehliches Grinsen, das ihr Herz regelmäßig zum Stolpern brachte. Der Sirius, der jetzt neben ihr hockte, hatte nicht mehr viel mit ihm gemeinsam.
Hilflos streckte sie die Hand aus und strich ihm über die Wange. Er zuckte zurück, als erwarte er auch von ihr nur Schmerz und Demütigung. Doch dieses Mal ließ sie sich nicht abweisen. Erneut streckte sie die Hand aus und auch wenn er versuchte sich ihr zu entziehen – sie ließ es nicht zu. Sanft strich sie mit den Fingerspitzen über seine leicht kratzige Wange, nur um dann im nächsten Augenblick zu ihm hinüberzurutschen und beide Arme um ihn zu legen. Eine ziemlich wacklige Angelegenheit, in dieser Höhe.
Als sie leicht ins Schwanken gerieten, umarmte sie ihn unwillkürlich fester und auch er musste gezwungenermaßen die Arme um sie schlingen. Sie spürte, wie er sie fester an sich zog, als es eigentlich von Nöten gewesen wäre.
„Du bist keine Schande", flüsterte sie seinem Nacken tröstend zu und lehnte ihre Stirn dagegen. „Du bist groß, stark und unheimlich mutig. Du bringst uns zum Lachen und bist der beste Freund, den man sich nur wünschen kann. Ich würde Dir mein Leben anvertrauen. Und wenn James oder die Anderen jetzt hier wären, würden sie Dir dasselbe sagen."
„James würde nie sagen, dass ich groß und stark bin."
Mila lächelte bei seinen Worten in sich hinein. „Nein - dass sage nur ich."
Sie konnte das Zucken seiner Mundwinkel fast spüren. „Du bist ja auch ein Zwerg."
Nicht ernst gemeint knuffte sie ihm in die Seite. Sie war froh, dass er wieder begann, sie zu necken. „Na hör mal. Ich sitze hier um Mitternacht im Nachthemd in 60 Meter Höhe neben Dir, um Dich zu trösten – und du sagst Zwerg zu mir!"
„Wenn Du doch einer bist." Sirius setzte sich auf und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Seufzend lächelte er sie an. Immer noch verhalten, aber wenigstens dieses Mal echt.
Mila strich ihm ein paar Haare aus der Stirn und erwiderte sein Lächeln. „Lass Dich nicht unterkriegen, Sirius. Hier bei uns hast Du immer Menschen, denen Du vertrauen kannst." Er nickte.
„Gut. Kommst Du dann mit mir? Damit ich Deine Schulter versorgen kann?"
Er nickte wieder und kam so schnell auf die Füße, dass Mila dabei fast schwindlig wurde. Seufzend schloss sie kurz die Augen, um die aufsteigende Panik abzuwehren. „Wie kannst Du Dich hier nur so frei bewegen?" fragte sie leise. Sie spürte, wie er ihre Hände ergriff und sie mühelos zu sich hochzog. Unwillkürlich standen sie plötzlich so nah, dass sein Atem ihre Wange streifte.
Zögernd sah sie auf und blickte in seine funkelnden Augen. „Keine Sorge. - Ich lasse Dich nicht fallen", versprach er leise und Mila schluckte. Eine Gänsehaut kroch ihren Rücken hinab und sie fragte sich grade, ob sie ihre Howler-Fähigkeit vielleicht doch nicht so gut im Griff hatte, als sie plötzlich seine Lippen auf ihren spürte. Sanft, tastend.
Schwindel erfasste sie erneut, dieses Mal aber auf angenehme Weise. Unwillkürlich grub sie die Finger in seine Arme, die sich um ihre Taille legten und sie noch ein Stückchen enger an ihn zogen. Unsicher erwiderte sie seinen Kuss, mit zitternden Knien und klopfendem Herzen. Wie lange … wie lange hatte sie nach diesem Moment gehungert? Wie oft hatte sie es sich vorgestellt, wie es sein würde, von ihm geküsst zu werden! Und die Wirklichkeit war um so vieles besser.
Ohne das Mila sich zurücknehmen konnte, löste sie eine Hand von seinem Arm und vergrub sie in seinem Nacken. Weiches Haar kitzelte ihre Fingerspitzen. Sie konnte einfach nicht widerstehen, sie musste wissen, ob er genau dasselbe empfand. Als sie ihre eigene Magie sanft von ihren Fingerspitzen auf ihn übergehen ließ, traf sie seine Erregung unerwartet.
Er zog sie noch näher und vergrub seine Hände in ihrem Haar, den Kuss nur für einen winzigen Moment unterbrechend. Ein leises Stöhnen entschlüpfte ihr, bevor er ihre Lippen erneut verschloss.
Sirius jubelte innerlich, ließ ihre schimmernden Locken durch seine Finger gleiten, nur um sie erneut darin zu vergraben. Er wollte sie, schob ihre Lippen auseinander, kostete sie, vertiefte den Kuss. Wie eine Ertrinkende klammerte sie sich an ihn. Fast etwas wie ein wilder Triumph bemächtigte sich seiner. Er wollte sie gegen die Wand drücken, ihr Nachthemd hochschieben und endlich das tun, wovon er schon seit Ewigkeiten nachts träumte. James mochte sich mit Küssen zufrieden geben, Sirius tat es nicht. Er wollte mehr. Alles, was sie ihm geben konnte. Alles, bis zum Letzten …. Und er würde …
Kurz bevor er endgültig den Kopf verlor, regte sich sein verdammtes Gewissen - kurz bevor er wirklich die winzige Drehung machen konnte, die sie beide von der nächsten Wand trennte. Sie war seine Freundin. Nein, viel mehr als das! Er konnte es nicht in Worte fassen, aber er spürte, dass sie so viel mehr für ihn war.
‚Das kannst Du ihr nicht antun, Du Schwachkopf. Sie ist keine abgeklärte Siebtklässlerin, die weiß worauf sie sich einlässt! ´, schimpfte eine kleine Stimme in seinem Kopf.
Nur widerwillig löste er sich von ihr und beide sahen sich einen endlosen Moment stumm an. Sirius Augen schienen zu brennen, als er ihr Gesicht musterte. Mit herrlich geschwollenen Lippen und weit aufgerissenen Augen sah sie ihn fragend an. Seufzend strich er mit einem Finger über ihre von seinem Kuss noch feuchte Unterlippe und deutete dann mit einem Kopfnicken auf das offene Fenster. „Lass uns gehen. Sonst holst Du Dir noch den Tod."
Irritiert nickte Mila. Sie folgte seiner Aufforderung mit wackligen Knien und kletterte mit seiner Hilfe zurück ins Innere des Turmes. Ihre Lippen kribbelten, genauso wie all die anderen Stellen, an denen er sie berührt hatte. Verlegen wurde ihr bewusst, dass er auf diesem dummen Astronomie-Turm mit ihr alles hätte anstellen können, was er wollte. Mit 15 sollte sie eigentlich nicht so leicht zu haben sein. Wenigstens er hatte glücklicherweise einen kühlen Kopf bewahrt – oder eher unglücklicherweise?
Mila seufzte. Sie hätte sich gewünscht, dass es ihm genauso ergangen wäre wie ihr. Das er sie ebenso heftig gewollt hatte wie sie ihn. Dass es sogar für ihn noch schlimmer gewesen war, konnte sie ja leider nicht ahnen. Dafür war ihre Berührung zu kurz gewesen.
Im Krankenflügel angekommen, verfrachtete sie ihn auf eines der Betten und schlich sich hinüber zu Madam Pompfreys Arzneischrank, in dem sie ihre Zaubertränke aufbewahrte. So leise wie möglich fischte sie ein kleines Tiegelchen heraus und schlich wieder zu Sirius hinüber. Er hatte mittlerweile erneut sein Hemd über die malträtierte Schulter gezogen und sah ihr abwartend entgegen.
„Gemahlenes Horn des …" begann sie zu erklären, doch Sirius hob nur die Hand.
„Ich vertraue Dir. Du wirst mir schon keine fiesen Eiterbeulen wachsen lassen", flüsterte er und schenkte ihr ein Lächeln, das ihr Herz erneut ins Stolpern geraten ließ. Sie nickte und begann damit, sanft seine Haut einzureiben. Sie war warm, obwohl er so lange draußen gesessen hatte. Und sogar ohne Jacke.
Als sie fertig war, war die Rötung seiner Schulter fast verschwunden und sie schob sein Hemd wieder ordentlich darüber, bevor sie aus seiner Jacke schlüpfte, die sie immer noch trug.
„Hier." Er nahm sie ihr ab, hielt ihre Hand danach allerdings einen Moment zu lang fest.
„Wir sollten schlafen gehen", schlug er mit seltsam brüchiger Stimme vor und sie nickte.
„Ja. Das sollten wir." Bevor sie ihm allerdings endgültig entwischen konnte, zog er sie noch einmal in eine feste Umarmung. „Danke."
Schmelz … geht es euch genauso wie mir? Mein armer Sirius. Wem er genauso leid tut – bitte feste drücken, okay! Ersatzweise auch das review-Knöpfchen. Das kann er nämlich jetzt gut brauchen!
