A/N: Okay, vorbei ist die schöne Zeit. Wer die HP-Bücher unserer lieben JKR kennt, weiß ja, dass Krieg herrscht und man mit Voldemort keine Tee-Partys schmeißen kann. Es wird jetzt also mehr und mehr tragisch werden. Wer also nichts über Verlust, Angst, Schmerz und den Tod lieb gewonnener Charaktere lesen will, dem muss ich ab jetzt auf Wiedersehen sagen. Denn obwohl ich Happy Ends liebe wie mein eigenes Leben, haben wir hier durch die Vorgaben der Original-Autorin keine Chance. Meine nächste Geschichte wird aber bestimmt wieder schöner! Versprochen! Und falls ihr immer noch da sein solltet und weiter lest – viel Spaß! Ich werde mich bemühen, trotz allem immer mal wieder schöne Momente zu beschreiben!
Remus Bride: Vermutlich hast Du Recht. Ich erzittere schon! (Smile!)
Uli: Hmmmm, wie hab´ ich das gern, wenn ich meine Leser so richtig wunderbar rühren kann. Sag´ Bescheid, wenn Du ein Taschentuch brauchst. Oder besser noch – geh´ sie schon im Voraus holen – ich und meine Beta-Leserin haben bei diesem Kapitel um die Wette getropft … (Schluchz!)
Pia: Okay … und wie komme ich jetzt wieder runter? Bei den Komplimenten kann man ja nur abheben. (Smile!) Danke schön! Und der Heiratsantrag kommt auch noch. Allerdings muss ich noch ein bisschen tragisch werden. Sorry.
Imobilus: Hust, hust … jaaaa, Du hast recht, Hogwarts liegt wohl in Schottland. Bist nämlich schon die Zweite, der mir das sagt. (Verlegen grins!) Ich hab´ immer gedacht, unsere Lieblingsschule für Hexerei und Zauberei sei in England … Übrigens danke, dass Du mir Padfood zurück geschickt hast – nach deinem Ar…tritt konnte ich ihn herrlich bemuttern. (Zwinker!)Und verwöhne mir die Gragoyles nicht zu sehr!
Neely: Amen, Schwester! Finde auch, dass der Kuschelwolf das Recht hat, mal richtig wütend zu werden! Und leiden muss Sirius wegen der Vorgabe der Original-Autorin … muss mich ja ein bisschen an die Original-Geschichte halten. Du kannst mir glauben, dass fällt mir als echter Happy-End-Autorin wirklich schwer!
ShiaAngel: O weia, Du klingst aber gestresst. Schule?
Ac Potterfan: Das fandest Du schon traurig? Ha, dann wart mal ab!
Kapitel 31
Ein Monat war mittlerweile vergangen. Seufzend wischte sich Mila ein paar feuchte Haarsträhnen aus dem Gesicht und warf einen Blick aus dem Fenster des St. Mungos-Hospitals. Seit ungefähr drei Wochen arbeitete sie jetzt schon hier. Und es war verflucht stressig und nervenaufreibend, mit den ganzen – zum Teil schwer verletzten - Patienten zu arbeiten. Dieser Wahnsinnige, der sich Voldemort nannte, wurde immer dreister und täglich kamen Zauberer an, die ihm in irgendeiner Weise zum Opfer gefallen waren.
Und in der ganzen Zeit nichts von Sirius.
Mila verging fast vor Angst um ihn, auch wenn sie wusste, dass er relativ sicher war – als Reinblüter, der er nun mal war. Aber er fehlte ihr. Es war fast so, als habe er einen wichtigen Teil von ihr mit sich genommen, ohne den sie kaum richtig atmen konnte.
„Miss?" Mila wandte sich um und lächelte den älteren Mann neben sich im Bett an. Er hatte schlimme Verbrennungen bei einem dieser Anschläge davongetragen.
Er versuchte das Lächeln zittrig zu erwidern, was gründlich misslang – vermutlich wegen seinen Schmerzen. Nicht mal der stärkste Anti-Dolor-Zauber nahm ihm diese völlig.
„Ja, Mr. Phillips?"
„Könnte ich … Sie um ein Glas Wasser bitten?"
Mila nickte und goss ihm einen großen Schluck Wasser in ein Glas. Sanft schob sie einen Arm unter sein Kissen und half ihm dabei, sich etwas aufzusetzen. Er stöhnte vor Schmerz und Mila winkelte die Hand so gut es ging unter dem Kissen an, um ihn bloß nicht zu berühren – gegen so konzentrierten Schmerz konnte sie sich immer noch nicht verteidigen. Er trank zwei große Schlucke und lächelte sie dankbar an.
„Ich danke Ihnen, Miss."
Mila ließ ihn sanft zurück auf die Matratze sinken und strich seine Decke glatt. „Gern geschehen."
Mehr kann ich für Sie ja nicht tun …´
Lautes Stimmengewirr erweckte ihre Aufmerksamkeit und Mila blickte zum Eingang ihrer Station hinüber.
„Gehen Sie nur", erklang Mr. Phillips Stimme neben ihr.
Sie lächelte kurz. „Ich bin gleich wieder zurück! Versprochen." Er nickte und sie verschwand in Richtung des Lärms. Offenbar waren neue Patienten gekommen.
Mila eilte hinüber, schon die Frage auf den Lippen, ob sie helfen konnte – als ihr das Blut in den Adern zu gefrieren drohte.
Mr. Potter! James Vater! Völlig leblos!
Einer der Heiler schob sie barsch zur Seite und herrschte sie an, entweder zu helfen oder zu verschwinden. Doch bei einem Blick in ihr aschfahles Gesicht stockte er.
„Sie kennen ihn?"
Mechanisch nickte sie. Sie konnte den Blick einfach nicht vom Gesicht Harold Potters wenden. Oh mein Gott!
„Hat er Familie?"
Sie sah auf und den Heiler an.
„Miss Laundry! Wenn die Beiden Familie haben, sollten Sie sie schnell informieren! Ich weiß nicht, ob …"
Erst jetzt fiel Milas Blick auf Mrs. Potter, die neben ihrem Mann bewusstlos auf einer anderen Trage lag. Sie stolperte rückwärts, am ganzen Körper zitternd.
´Oh mein Gott! OH MEIN GOTT! ´
Im nächsten Moment hatte sie sich umgewandt und rannte wie von Sinnen in Richtung des großen Kamins am Ende des Flurs. Sie musste James informieren! Sofort!
Die Worte des Heilers dröhnten ihr in den Ohren. ´Ich weiß nicht, ob …´
Heiße Tränen liefen ihre Wange hinab, während sie in die Schüssel mit dem Flohpulver griff und eine Hand voll in die Flammen schleuderte. „James Potter! Godric Hollow!" schrie sie das grünlich verfärbte Feuer an. Als James Kopf mit fragendem Blick im Kamin erschien, konnte Mila nur noch schluchzen. „James! Schnell! Deine Eltern!"
Mit hängenden Schultern saß James einfach nur da und starrte das mittlerweile frisch bezogene, verlassene Bett mit leerem Blick an. Lily, direkt hinter ihm stehend, strich ihm hilflos über den Rücken, während sie leise schluchzte. Sein Dad war vor etwa einer halben Stunde gestorben. Seine Mutter war bereits tot gewesen, als er aus den Flammen des Kamins trat.
Mila stand an der anderen Seite des Bettes und ballte die Hände zu Fäusten. Wozu war die Kunst des Heilens denn gut, wenn sie so guten Menschen wie den Potters nicht mehr helfen konnte? Wozu?
Sie fühlte sich schuldig. So verdammt schuldig! Es tat so verflucht weh, in diese braunen Augen zu blicken, die nie mehr lachen zu können schienen.
„Es tut mir sehr leid, James."
Diese leise Stimme ließ alle zusammenfahren und aufblicken.
Dumbledore.
Seine blauen Augen waren angefüllt mit ehrlichem Mitgefühl. Prongs nickte nur müde. Der alte Zauberer legte ihm eine Hand auf die Schulter und drückte sie erstaunlich kräftig. „Ministeriumsleute werden gleich hier sein und fragen stellen. Dein Dad gehörte schließlich zu ihren Leuten. Wenn Du möchtest, werde ich mit ihnen reden."
Wieder nickte James nur, während er erneut mit leerem Blick auf das Bett starrte. Dann schien ein Ruck durch ihn zu gehen.
„Wer war das, Professor Dumbledore? Wer hat meine Eltern getötet?"
Der Direktor schwieg einen Moment, bevor er sich einen Stuhl herbeizauberte und sich neben James niederließ, der ihn mit flammenden Augen musterte. „Voldemort", antwortete er endlich dem jungen Mann, dessen Blick sich noch mehr verdüsterte.
„Aber wieso?" fragte Mila entsetzt. „Sie waren reinblütig! Sie …"
„… standen in Tom Riddles Augen auf der falschen Seite." Dumbledores Augen funkelten. „Das ist Voldemort richtiger Name. In den vergangenen Monaten ist viel geschehen, von dem die meisten Zauberer nichts ahnen, da das Ministerium es für zu gefährlich hält und eine Massenpanik befürchtet. Voldemort hat viele Rein- und Halbblüter um sich gesammelt, die sich die Todesser´ nennen. Sie begehen diese furchtbaren Anschläge auf Muggel und Schlammblüter unter seiner Führung."
„Er hat auch meine Eltern aufgefordert, sich ihm anzuschließen", murmelte James.
„Ja, das hat er", bestätigte Dumbledore. „Harold war damals derjenige, der mich auf ihn aufmerksam machte. Du weißt, dass Deine Eltern und ich gute Freunde waren, James."
Der Junge nickte.
„Wir haben diesen Wahnsinnigen im Auge behalten. Und Dein Dad war dabei eine große Hilfe, da er im Ministerium an Informationen kam, die uns sehr halfen. Doch dieser Verrückte muss auf Deine Eltern und den Orden aufmerksam geworden sein …"
„Welcher Orden?" fragte Lily, die beide Arme um James gelegt hatte, als wolle sie ihn vor Bösem schützen.
„Der Orden des Phönix." Unwillkürlich senkte der ältere Zauberer die Stimme. „Eine Geheimorganisation, die nicht die Augen vor diesem Wahnsinn verschließt, sondern vorbereitet sein möchte, wenn es nötig wird. Wir hoffen natürlich weiterhin, dass er niemals in Aktion treten muss. Allerdings, nach heute …" Gedankenverloren strich er über das saubere Laken des Bettes und seufzte. Seine Augen schimmerten verdächtig. „Harolds und Samanthas Verlust hinterlässt eine große Lücke in all unseren Herzen."
James hatte eine ganze Weile stumm zugehört. Jetzt sah er auf und begegnete dem Blick Dumbledores mit mehr Entschlossenheit, als man einem grade 18-jährigen zutrauen würde.
„Braucht der Orden neue Mitglieder?"
Dumbledore runzelte die Stirn. „Nun. Ja, aber …"
James nickte. „Ich bin dabei!"
„Und ich auch", erklärte Lily ebenso fest.
Auch Mila nickte. Der Direktor schien widersprechen zu wollen, doch bei den entschlossenen Gesichtern schwieg er. Ein winziges Lächeln umspielte seinen Mund.
„Ich will nicht behaupten, dass der nicht Orden für jedes Mitglied dankbar wäre. Aber ich möchte keine überstürzten Entscheidungen. Ruht euch aus. Und versucht wenigstens, ein wenig des Schmerzes zu verarbeiten. Dann reden wir weiter."
Lily reckte sich und bemühte sich darum, die verkrampften Muskeln ihres Rückens zu lockern. Vor etwa einer Stunde waren die letzten Freunde der Potters gegangen. Heute war die Beerdigung gewesen.
Sich die brennenden Augen reibend blickte sie hinüber zu dem großen Kirschbaum mit der Bank darunter. James saß dort, Mila neben ihm, und starrte blicklos auf den Rasen. Lily war ihrer Freundin sehr dankbar, dass sie hier war. Ohne ihre Hilfe hätte sie es nicht geschafft. Und auch wenn sie wusste, das James es nicht gern sah, war sie auch mehr als dankbar, dass Mila es auf sich nahm und ihm ab und zu die Qualen linderte, wenn er drohte an der Trauer um seine geliebten Eltern zu ersticken.
Remus erschien hinter ihr und folgte ihrem Blick. Er wirkte blass, wie immer, kurz nach Vollmond. Es war der erste Vollmond außerhalb von Hogwarts gewesen, ohne seine Freunde – und er war schlimmer gewesen, als alles andere zuvor. Der Wolf hatte sein Rudel verzweifelt gerufen, nur um schließlich, als niemand seinem Ruf antwortete, seine Wut und Enttäuschung gegen sich selbst zu richten.
Trotz der zum Teil wirklich schweren Verletzungen hatte Remus sich auf die Beerdigung geschleppt, etwas, was ihm deutlich schwer fiel, wie sein leichtes Hinken verriet. Aber er hatte seinem Freund beistehen wollen.
„Wie geht es ihm?" fragte er leise.
Lily schlang die Arme um ihren Körper und seufzte. „Nicht gut. Hast Du etwas von Sirius gehört, Moony?"
Remus schüttelte den Kopf. „Nein. Der Verwalter, bei dem er wohl gewesen ist, wusste auch nicht, wo er steckt."
Sie seufzte leise. Grade jetzt, wo James ihn so dringend brauchte, war sein bester Freund nirgends zu finden … Sie würde Sirius dafür gehörig in den Arsch treten, wenn sie ihn das nächste Mal sah!
Seufzend wandte sie sich zu Moony um. „Wie geht es Deinem Bein?"
„Dafür, dass der Wolf es mir zertrümmert hat, geht es ihm prima", versuchte er zu scherzen. „Hoch lebe das Skelewachs."
Er sprach, seit sie Hogwarts verlassen hatten, ständig in der Dritten Person von sich als Werwolf. Vermutlich war das seine Art, das Ganze nicht zu dicht an sich heranzulassen.
Lily versuchte ein kleines Lächeln. Merkwürdig, dass etwas so Simples nach so einem Tag so schwierig werden konnte.
„So prima, dass Du mir beim Spülen helfen kannst?"
Er runzelte die Stirn. „Was hat meine Zauberstab-Hand denn mit meinem Bein zu tun?" fragte er irritiert und Lily lachte leise. Wenn die ganze Sache hier halbwegs verdaut war, würde sie ihren Reinblütern mal einen gehörigen Kurs in Muggelkunde verpassen ….
Es dämmerte bereits, als Lily sich die Hände an einem Küchenhandtuch trocken rubbelte, welches Remus ihr gereicht hatte. Sie hatte einfach nicht widerstehen können und ihn dazu verurteilt, mit ihr die Berge von Tellern und Tassen per Hand zu spülen. Wer jetzt denkt, dies´ hätte Moony ein unwilliges Seufzen entlockt, der irrt sich. Moony war eher hellauf begeistert gewesen, war er doch so furchtbar interessiert, was Muggel-Dinge anging. Lily hatte ihn auf einen Stuhl verfrachtet – so grausam war sie dann doch nicht, ihn ewig auf seinem kaputten Bein stehen zu lassen – und ihm ein Handtuch in die Hand gedrückt.
Diese profane Arbeit hatte ihr gut getan. Ihr den Kopf ein wenig freier werden lassen. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass es bereits dämmerte. Und James war immer noch nicht ins Haus zurückgekehrt, wie sie seufzend feststellte. Seit seine Eltern vor wenigen Tagen gestorben waren, verbrachte er jeden möglichen Moment draußen – als fürchte er sich davor, das Haus als sein Eigentum anzunehmen, da er damit ihren Tod endgültig werden ließ.
Als jemand laut gegen die Tür hämmerte, schrak sie heftig zusammen. Unwillkürlich griff sie nach ihrem Zauberstab, genauso wie Moony, der ihr mit einer Handbewegung befahl, sich nicht von der Stelle zu rühren und langsam zur Eingangstür hinüber humpelte. Er zögerte einen Herzschlag lang, dann riss er sie auf und starrte sein Gegenüber sekundenlang feindselig an, bevor er stutzte und dann erleichtert den erhobenen Zauberstab sinken ließ. Er machte einen Schritt zurück, während er sagt: „Gott, Sirius, gibt es in Schottland keine Spiegel?"
Erleichtert ließ Lily bei der Erwähnung dieses vertrauten Namens ihre Schultern sinken. Padfood schob sich an Remus vorbei, der die Tür hinter ihm schloss und zog sich die Kapuze seines Umhangs vom Kopf. Wirres, schwarzes, etwas längeres Haar kam zum Vorschein, gepaart mit einem Dreitagebart. So sah er noch weit verwegener aus als gewöhnlich.
Er lächelte Lily entschuldigend an. „Tut mir leid, Lil. Ich weiß, ich bin zu spät. Aber diese blöde Eule hatte Verspätung und irgendjemand hat Anti-Appartions-Zauber in der Gegend verteilt. Ich musste zu Fuß hier her und daher …"
Lily umarmte ihn fest und ließ ihn so gar nicht erst ausreden. Tränen schimmerten in ihren Augen. „Ich bin so froh, dass Du endlich da bist, Sirius!"
Er erwiderte ihre Umarmung fest. „Sie sind also wirklich …?" fragte er leise.
Sie nickte, während sie ihr Gesicht in seinem Umhang verbarg, um die heißen Tränen zu verstecken, die sie den ganzen Tag über zurückgedrängt hatte, um es James nicht noch schwerer zu machen.
„Es war dieser Irre. Voldemort", flüsterte sie erstickt und wischte sich hastig über die Augen, als er sie langsam los ließ. „James ist seitdem nicht mehr er selbst. Er spricht kaum, isst nicht und … ich weiß nicht, was ich tun soll."
Ihr letztes Geständnis war so leise, dass Sirius sie kaum verstand.
„Wo ist er?"
„Draußen. Mila ist bei ihm."
„Sie ist auch hier?" Sehr wohl sah sie das sehnsüchtige Schimmern in seinen Augen. Lily nickte.
„Ja. Nur Peter fehlt. Er hat seit neuestem einen Job und muss arbeiten."
Padfood nickte und drückte ihr einen kurzen Kuss auf die feuchte Wange. „Schon gut, Süße. Jetzt wird alles gut. Ich seh´ nach ihm." Mit diesen Worten ging an ihr vorbei, durchquerte die Küche und verschwand im Garten.
Schweigend blickte Mila erschöpft zu ihrem Freund hinüber. James hatte sich seit Ewigkeiten nicht mehr gerührt, geschweige denn etwas gesagt. Er starrte nur dumpf vor sich hin. Den ganzen Nachmittag über hatte sie in regelmäßigen Abständen versucht, es ihm ein wenig leichter zu machen und hatte ihre Fähigkeiten eingesetzt. Aber viel hatte es nicht gebracht. Bei jeder erneuten Berührung war die gleiche riesige Welle aus Schmerz und Verlust über ihr zusammengebrochen.
Ihre Energien waren einfach aufgebraucht.
Unendlich müde hob sie erneut die Hand, um ihren Zauber trotz allem erneut anzuwenden, als sie ein Geräusch vom Haus vernahm. Beide sahen auf – etwas, was Mila erleichtert feststellte. James Starre war schon fast beängstigend gewesen.
Als Mila denjenigen erkannte, der auf sie beide zukam, glaubte sie vor Freude fast bersten zu müssen.
Sirius!
Offensichtlich wohlbehalten!
Sie wollte aufspringen und ihm um den Hals fallen, sich an ihn pressen, ihn küssen – und ihn füttern! Meine Güte, war er in den vergangenen Wochen dünn geworden! Aber etwas hielt sie zurück. Ein leichtes Zittern, das in James plötzlich zu erkennen war, als er seinen besten Freund erkannte. Etwas, dass ihr sagte, dass Prongs Sirius nun mehr brauchte, als jemals zuvor. Sie konnte Padfood schließlich auch später begrüßen.
Wortlos stand sie auf, schenkte ihm ein sehnsüchtiges Lächeln und ging an Sirius vorbei, um die beiden jungen Männer allein zu lassen. Nicht allerdings ohne dass er kurz ihre Hand ergriff. Für einen winzigen Moment spürten beide die unbändige Freude, einander wieder zu sehen, die Sehnsucht, bevor sich ihre Finger wieder voneinander lösten und Mila zurück ins Haus ging.
Dort angekommen entdeckte sie Lily am Fenster. Sie gesellte sich zu ihrer Freundin und presste, ebenso wie sie, ihre Hände gegen das kühle Glas. Sirius hatte sich mittlerweile neben James auf der Bank niedergelassen und sprach leise mit ihm. Sein Freund vergrub das Gesicht in den Händen – und als Sirius seine Hand auf die Schulter des Freundes legte, begann sein ganzer Körper zu zittern.
„Er weint", flüsterte Lily leise. Seit sie aus dem St. Mungos zurückgekehrt waren, hatte Prongs keine Spur von Gefühlen gezeigt. Er hatte gegenüber den Mädchen keine Schwäche zeigen wollen, hatte versucht, stark zu sein. Jetzt, neben seinem Freund, dem Einzigen, der seine Eltern so gut wie er gekannt hatte – und der vermutlich als einziger wirklich verstand, was es hieß, diese Menschen zu verlieren - weinte er wie ein Baby. Und er schämte sich nicht für eine einzige seiner Tränen.
Etwa eine Viertelstunde später erschienen beide in der Küchentür - James zwar mit rot verquollenen Augen, aber offenbar eine ganze Portion erleichterter. Er schaffte sogar etwas wie ein zittriges Lächeln, während er Lily in eine feste Umarmung zog.
Als er sie daraus entließ, lächelte diese ihre Freundin an, die an einem der Küchenschränke lehnte und dieses Lächeln erwiderte.
„Ich weiß nicht, was Du dazu sagst, Mila. Aber eigentlich ist es mir auch egal, denn ich werde Deinen Mann hier mit oder ohne Erlaubnis einfach nieder knutschen!"
Mila lachte, während Lily Sirius an seinem Umhang packe und ihm einen riesigen Schmatzer auf die Wange drückte. Er grinste. „Ich habe einfach diese Wirkung auf Frauen …", erklärte er lakonisch, bevor Lily James Hand ergriff und mit ihm in Richtung Wohnzimmer verschwand. Mila sah ihnen nach.
Das Nächste, was sie wusste war, dass sie ein höchst vertrauter Körper gegen den Schrank in ihrem Rücken drückte und hungrige Lippen die ihren verschlossen. Sie seufzte erleichtert, vergrub beide Hände in Sirius Haar und erwiderte seinen Kuss mit der gleichen Leidenschaft, mit der er ihr begegnete. Oh Gott, hatte er ihr gefehlt! Er war so lange weg Nie wieder würde sie ihn gehen lassen. Nie wieder!
Erst nach einer halben Ewigkeit lösten sich beide wieder voneinander und lächelten sich an.
„Wie machst Du das nur?" fragte er mit rauer Stimme, während er ihr eine Haarsträhne hinter das Ohr schob. „Jedes Mal wenn ich Dich längere Zeit nicht sehen kann, bist Du danach nur schöner geworden. Ich glaube fast, dass es Dir gut tut, ohne mich zu sein."
Hastig schüttelte Mila den Kopf und lehnte ihre Stirn gegen seine. „Untersteh Dich, dass zu denken. Das ist doch nur, damit Du auf jeden Fall zu mir zurückkehrst."
„Zu Dir würde ich immer zurückkommen."
Tränen stiegen in ihr auf und sie schluckte hart. Diese Worte bedeuteten so viel, weil er sie nicht sagte, um sie um den Finger zu wickeln, sondern weil er sie wirklich so empfand.
„Und Dir geht es wirklich gut?" fragte er leise. Sie konnte nur nicken – ihre Stimme war ihr irgendwie verloren gegangen.
„Ich hab mir solche Sorgen gemacht", gestand er leise, während er sie in eine enge Umarmung zog. „Diese ständigen Anschläge …"
„…sind eine ganz furchtbare Sache."
Beide zuckten erschrocken auseinander und Mila sah sehr wohl, wie Sirius seinen Zauberstab gezogen und sich schützend vor ihr aufgebaut hatte.
Dumbledore stieg aus dem Kamin hinaus und klopfte sich die Asche von seinem Umhang. Er lächelte die beiden Anwesenden an.
„Willkommen zurück, Sirius. Ich hoffe, Du konntest all deine Familienangelegenheiten regeln." Sirius nickte knapp, während er seinen Zauberstab zurücksteckte.
„Wunderbar. Wunderbar." Der Direktor wies mit einer Hand in Richtung Wohnzimmer, wo der Rest der Freunde saß und wartete. „Nun, dann hoffe ich, dass Du Dich Deinen Freunden anschließen wirst. Ich bin hier, um euch um Hilfe zu bitten. Der Orden braucht euch."
Alle schon weg geflossen? Oder gibt es noch ein paar standhafte Reviewer? Wenn ja, lasst mir doch einfach kurz eure Meinung hier, ja? Das kleine Knöpfchen schnurrt schon in Erwartung eurer Streicheleinheiten.
