Nur kurze Zeit später waren sie wieder an dem Platz, an dem alles stattgefunden hatte. Doch Legolas ließ sich nicht von den Erinnerungen daran ablenken, sondern konzentrierte sich auf die vorhandenen Spuren. Aragorn war bereits aus dem Sattel gestiegen, um sich alles genauer anzusehen. Er mochte nicht so gute Augen haben, aber war trotzdem ein besserer Spurensucher. Ganz zu schweigen davon, dass er jede Gelegenheit nutzte, um sich als Ranger zu bewähren.

So dauerte es auch nicht lange, bis er sich zu Fuß von dem Platz entfernte und dabei in die Bäume sah. Die Spinne hatte wohl gehofft, dort keine oder wenige Spuren zu hinterlassen, aber dem geübten Auge des Rangers konnten diese wenigen Spuren nicht entgehen. Er folgte ihnen und wurde selbst von seinen Gefährten verfolgt, welche die Umgebung nicht aus den Augen ließen.

"Aragorn!" Der leise Ruf von Legolas lenkte dessen Aufmerksamkeit nach vorn, wo sich ein Schatten durch das Unterholz bewegte. Sofort gestete er allen zu, ebenfalls abzusteigen und sich zu verteilen, Erstaunlich schnell und leise waren die Hobbits wenige Sekunden später schon verschwunden. Gimli schlug die andere Richtung ein, gefolgt von Gandalf, aber Legolas machte nur seinen Bogen bereit und folgte Aragorn.

Langsam und leise näherten sie sich dem Schatten, der nun an einer Stelle verharrte und offenbar misstrauisch geworden war. Aber noch konnten sie nicht angreifen, denn sie mussten warten, bis der Kreis geschlossen war. Mit den Augen verfolgte Legolas jede Bewegung seiner Freunde und wartete ungeduldig auf die Vollendung ihres Planes. Mittlerweile war er sich sicher, die Spinne vor sich zu haben, und sie durften sie nicht entkommen lassen.

Plötzlich knackte ein Ast, ein leises Zischen, das wie "Pippin!" klang, folgte, und im nächsten Moment schoss Legolas seinen Pfeil auf den Schatten, denn es war klar, dass sie jetzt verraten waren. Doch noch war unklar, ob er getroffen hatte, oder wohin die Spinne fliehen würde, denn für ein paar Sekunden herrschte absolute Stille. Legolas legte nur einen neuen Pfeil ein und wartete ab.

Plötzlich knackte es genau vor ihm, und er ließ den Pfeil nur instinktiv in diese Richtung fliegen, aber er verfehlte sein Ziel, denn kurz darauf ließ sich die Spinne aus den Bäumen direkt vor ihm nieder und funkelte ihn mit ihren dunklen Augen an. Er hörte noch den Warnruf von Aragorn, der aber zu weit entfernt für einen schnellen Einsatz seines Schwertes war.

Legolas selbst konnte nur einen neuen Pfeil nehmen und damit auf ein Auge der Spinne zielen und hoffen, dass er schneller als sie sein würde. Doch der Pfeil hatte kaum die Sehne berührt, als sie auch schon zum Sprung ansetzte. Doch sie griff nicht an, sondern sprang über ihn hinweg, um so zu flüchten. Dabei jagte sie auch die Pferde davon, was eine Verfolgung unmöglich machte.

Er schickte ihr zwar noch ein paar Pfeile hinterher, aber sie gingen wie Aragorns geworfener Dolch ins Leere. Dieser war es dann auch, der laut fluchte, während sich die anderen auf den Weg zurück zu ihnen machten, und Legolas nur dorthin starrte, wo die Spinne verschwunden war. Die Jagd musste von vorn beginnen, aber ihm war auch klar, dass die Spinne nun wusste, mit wem sie es zu tun hatte.

Nun stießen auch die Anderen wieder zu ihnen und wollten wissen, was passiert war, doch Legolas überließ Aragorn das Erzählen, denn er sammelte lieber seine Pfeile ein, die alle nicht getroffen hatten. Er konnte nicht verstehen, wie ihm das passieren konnte, und es machte ihn auch wütend auf sich selbst, denn jetzt würde es nir noch schwerer werden, die Spinne zu fangen.

"Ich schlage vor, es morgen noch einmal zu versuchen." Gandalf wusste, dass es Stunden dauern konnte, die Spinne wieder zu finden, und dass besonders Legolas diese Jagd zu forsch angehen würde. Außerdem würde es bald dunkel werden, und Ethuil war vielleicht schon aufgewacht.

"Die Spur ist jetzt aber noch frisch!" hielt Gimli aber dagegen, und Legolas war dessen Meinung, während Aragorn sich Gandalf anschloss. Die Hobbits waren besonders wütend darüber, dass ihr Falle nicht funktioniert hatte, und wollten daher so schnell wie möglich hinter der Spinne herstürmen. Sie waren auch schon dabei, die Pferde wieder einzufangen. Gandalf fühlte sich überstimmt und sah auch in den Augen von Legolas, dass sich dieser nicht so schnell umstimmen lassen würde.

Doch bevor es zu einer Diskussion der zu einer Trennung der Gruppe kommen konnte, preschte plötzlich ein einzelner Reiter heran und sprang von seinem Pferd, noch bevor es zum Stillstand gekommen war, um vor Legolas stehen zu bleiben, ihn respektvoll zu begrüßen und eine Nachricht zu übermitteln, wegen der er gekommen war.

Sie sprachen leise miteinander, bevor der Bote sein Pferd wieder bestieg und davon ritt. Legolas sah ihm nach und drehte sich dann zu den anderen um, die ihm ansehen konnten, dass dies keine gute Nachricht gewesen war. In seinen Zügen spiegelten sich Unglauben und Wut.

"Es hat einen Angriff auf den Palast gegeben. Mein Vater ist verletzt. Wir müssen sofort zurück."

"Dann ist es also kein Zufall, dass diese Spinne hier aufgetaucht ist."

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Sie waren bereits auf dem Weg zurück zum Palast, als Aragorn Legolas mit diesen Worten ansprach. Das kleine Nicken von seinem Freund bestätigte, dass auch dieser zu dieser Schlussfolgerung gekommen war. Es passierte etwas viel größeres, als es anfangs den Anschein gemacht hatte. Etwas, dessen Ausmaß sie noch nicht kannten.

"Wer auch immer das war, er hatte wohl gehofft, uns und die Wachen des Palastes von dort wegzulocken", erwiderte Legolas und konnte dabei mur mit Mühe seine Stimme ruhig halten. "Und obwohl die Wache beim Palast geblieben ist, konnte er trotzdem hinein gelangen. Wenn mein Vater verletzt ist, steht es um die Wachen viel schlimmer."

Sie waren wohl alle besiegt worden, was eigentlich nur eine größere Streitmacht geschafft haben konnte. Er konnte nur ahnen, welche Zerstörungen das zu bedeuten hatte, und wie viele Elben dies mit ihrem Leben bezahlt hatten. Und er konnte nur hoffen, dass Ethuil und Arwen in Sicherheit waren, denn von deren Schicksal hatte er nichts von dem Boten erfahren können.

"Arwen weiß sich zu verteidigen. Und Ethuil ist sicherlich inzwischen aufgewacht", versuchte Aragorn, sich und seinen Freund zu beruhigen. Doch beides schien ihm nicht so recht zu gelingen. Gegen eine Streitmacht konnten auch zwei Elbenkriegerinnen nichts ausrichten.

"Ethuil ist noch nicht wach", entgegnete Legolas leise, und dieses Mal konnte er nicht die Sorge aus seiner Stimme vertreiben. "Ich habe immer noch keine Verbindung zu ihr, obwohl ich sie ständig rufe. Es kommt einfach keine Antwort."

Aragorn hatte nur eine ungefähre Vorstellung davon, wie tief diese Verbindung war. Auch er hatte schon Arwens Stimme gehört, auch wenn sie weit entfernt war, aber dies nur selten und in extremen Situationen. Manchmal beneidete er Legolas um diese ständige Verbindung, aber in Momenten wie diesem verstärkte dies die Sorge nur noch mehr.

"Aber sie ist nicht...?" Diese Frage brannte ihm schon lange auf der Zunge, und nun hatte er sie nicht mehr verhindern können. Trotzdem gestete er kurz entschuldigend, denn eigentlich hatte er seinen Freund nicht auf diesen Gedanken bringen wollen.

"Nein, sie lebt." Dessen konnte sich Legolas inzwischen sicher sein, denn ihren Tod hätte er auf jeden Fall gespürt. Nach dem Angriff der Spinne hatte er nur immer wieder ihren Hilferuf vernommen, nicht daran gedacht, und sich so täuschen lassen. Das würde ihm nie wieder passieren. Trotzdem fühlte sich diese Stille fast genauso schlimm an. In Gedanken erflehte er ein Zeichen, während ihn die Sorge fast wahnsinnig machte.

"Das ist gut", atmete Aragorn erleichtert auf. "Dann geht es Arwen sicherlich auch gut, und die beiden..."

Plötzlich brachte ihn Legolas mit einer Handbewegung zum Schweigen, und kurz darauf war das Schwirren von mehreren Pfeilen zu hören. Blitzschnell waren alle aus ihren Sätteln gesprungen, während die Pferde panisch wieherten, und einige sogar durchgingen. Gandalf scheuchte die Hobbits hinter einen Busch in Deckung, ein Pferd brach getroffen zusammen, und Legolas schickte ein paar seiner Pfeile in die Richtung, aus der die anderen Pfeile gekommen waren. Dann wurde er von den Beinen gerissen und fand sich neben Aragorn wieder, der hinter einem Pferd Deckung gesucht hatte.

"Die kamen aus dem Nichts", keuchte dieser und sah sich nach den Anderen um. Gandalf feuerte seine Magie auf den Angreifer, die Hobbits lugten hinter dem Busch hervor, und Gimli steckte hinter einem Baum, der ihn kaum verstecken konnte. Aber ihm blieb nichts Anderes übrig, da immer noch Pfeile abgeschossen wurden und ein Ziel suchten.

"Und sie haben uns überrascht", entgegnete Legolas trocken und stand kurz auf, um Gandalf mit seinen Pfeilen zu unterstützen. Gemeinsam schafften sie es, dass bald keine Pfeile mehr flogen, und sich entfernende Hufschläge davon zeugten, dass man den Angriff abgebrochen hatte und lieber floh.

Gandalf und Gimli nahmen zwar die Verfolgung auf, aber Legolas zog es eher in den Palast. Doch bevor er die beiden zurückrufen konnte, hörte er ein leises Stöhnen von Aragorn, der sich gerade einen Pfeil aus seinem linken Arm zog. Sofort hockte er sich neben ihn und half beim Verbinden der Wunde. Dabei hatte er die Stirn etwas gerunzelt, da er sich die Schuld dafür gab. Hätte er sich nicht so sehr auf ein Zeichen von Ethuil konzentriert, hätte er die Angreifer vielleicht eher bemerkt.

"Wir sollten ihnen nach. Sie führen uns sicher zu den Anderen. Das ist eine einmalige Chance", murmelte Aragorn nach einer Weile, woraufhin ihn Legolas überrascht ansah. Wollte er nicht auch lieber nach Arwen sehen? Doch, er konnte es in seinen Augen sehen, aber er sah auch, dass die Vernunft etwas Anderes von ihm verlangte.

So schloss Legolas kurz seine Augen und sah in die Richtung, in der der Palast lag, um eine letzte Botschaft zu schicken, mit dem Versprechen, so bald wie möglich zu kommen.