Mit beiden Kurzschwertern fest in der Hand erwartete Legolas den ersten Ork, der in seine Reichweite kam. Dann stieß er kraftvoll zu und hatte ihn sofort tödlich verwundet. Das musste er auch, denn der nächste Ork holte schon nach ihm aus, um ihn zu töten. Wieder kam er ihm zuvor, aber wie lange noch? Dabei konnte er sich auch nicht umsehen, um zu wissen, wie es den Anderen erging.

Aragorn spürte jetzt im Kampf seine Wunde mehr denn je, aber er wusste, dass er die Schmerzen zurückdrängen musste, wollte er dies überleben. Es waren zu viele Orks, um sich irgend eine Verschnaufpause gönnen zu können. Es war ihm aber auch klar, dass ihn seine Kräfte bald verlassen würden, sollte dieser Kampf lange anhalten.

Gandalf konnte da mit seiner Kraft schon viel leichter kämpfen, aber er achtete auch auf die Hobbits, die sich manchmal viel zu eifrig in den Kampf stürzten. Sicherlich hatten sie schon vieles überstanden, aber das war noch lange kein Grund, leichtsinnig zu werden. Oft musste Gandalf sie am Kragen festhalten, um sie vor Schlimmeren zu bewahren.

Gimli hatte eher ein kleines Handicap durch seine Größe, dafür war seine Axt umso schneller und weitreichender unterwegs. Oftmals trennte sie irgend welche Gliedmaßen ab und verschaffte so den Anderen einen Vorteil, dass sie den jeweiligen Ork schneller töten konnten. Manchmal traf aber auch sie tödlich, und jedes Mal lachte Gimli freudig auf.

Doch plötzlich ließ der Ansturm der Orks nach, denn einige hatten es vorgezogen, lieber zu fliehen. Auch die Anderen folgten ihnen schnell, und so bekam man endlich eine Verschnaufpause, die ausgiebig genutzt wurde. Aragorn verband seine aufgeplatzte Wunde neu, die Hobbits ließen sich einfach auf den Boden fallen, und Gimli wetzte seine Axt, während Legolas und Gandalf die Umgebung nicht aus den Augen ließen.

"Dass wir so viele von ihnen töten konnten, verwirrt sie", versuchte Gandalf, das Verhalten der Orks zu erklären. Sie hatten mehr als die Hälfte getötet, aber dennoch hätte der Rest auch weiterhin gekämpft. Orks gaben nicht so schnell auf, denn sie fürchteten den Tod nicht im Geringsten. Sie hießen ihn sogar willkommen.

"Sie sind noch in der Nähe. Ich kann sie hören", flüsterte Legolas zurück und zeigte auf mehrere Stellen im Wald, wo er ihre Schritte erlauscht hatte. "Sie werden sich sammeln und erneut zuschlagen. Wir müssen hier fort und an einen sicheren Ort."

"Gibt es einen in Reichweite?" fragte Gandalf, denn er selbst konnte nur Wald sehen. Dies war die Heimat von Legolas, also würde er am ehesten darüber Bescheid wissen. Er stimmte ihm auch zu, dass sie hier nicht bleiben konnten, denn sie alle waren schon von dem Kampf gezeichnet. Es wurde immer unwahrscheinlicher, dass sie den nächsten Angriff überleben würden.

"Eine Höhle. Fünfzig Schritt von hier. Wir..." Legolas hatte zu einer Antwort angesetzt, aber plötzlich schloss er die Augen, als würde er etwas hören, das nur er wahrnehmen konnte. Der kurze Ausdruck von Schmerz auf seinem Gesicht ließ Gandalf besorgt die Stirn runzeln, aber dann war er auch schon wieder verschwunden. Was auch immer das war, Anderes hatte Vorrang.

"Wir müssen uns beeilen", vollendete er dann seinen Satz und half den Hobbits auf die Füße, um ihnen die Richtung zu zeigen, in die sie gehen mussten. Gimli scheuchte er gleich hinterher und überließ dann Aragorn Gandalfs Hilfe, um selbst die Nachhut zu bilden. Auf jedes Geräusch achtend führte er die Hobbits mit leisen Worten weiter.

Bald kam die Höhle in Sicht, aber da griffen auch schon die Orks wieder an, um ihnen den Weg abzuschneiden und sie natürlich zu töten. Aber Legolas verschoss wieder seine Pfeile, die er auf dem Weg hatte finden können, und hielt sie so zurück, bis zumindest die Hobbits in Sicherheit waren. Gandalf gesellte sich wieder zu ihm, und auch Aragorn versuchte, einige Pfeile zu verschießen, aber trotzdem mussten sie zurückweichen.

Legolas war wieder der Letzte, der die Höhle betrat, aber er folgte den Anderen flink in die Höhle hinein. Immer tiefer ging es, und viele Wege gingen von ihrem Weg ab. Der Boden war felsig, so würde es eine Weile dauern, bis man sie fand. Genug Zeit, um sich zu erholen und sich einen Plan auszudenken. Denn auch dies hier war irgendwie eine Falle.

Dann fanden sie einen Gang, der in eine Sackgasse führte, und dessen Eingang gut zu bewachen war. Also beschlossen sie, hier zu bleiben. Sie konnten kein Feuer machen, aber Gandalfs Stab schenkte ihnen genug Licht, um etwas zu sehen, ohne gesehen zu werden. Legolas übernahm wieder die Wache, während die Anderen versuchten, es sich bequem zu machen.

Die Geräusche der Orks drangen leise zu ihnen durch, woraufhin die Hobbits leise miteinander wisperten, um sich zu beruhigen. Gimli verzichtete notgedrungen auf die Pflege seiner Waffe und wurde dadurch ebenfalls nervös. Aragorn plagte die Wunde, und so begab er sich zu Legolas, um dort etwas Ablenkung zu finden, aber sein Freund starrte bewegungslos ins Dunkel.

"Ruh dich aus, so schnell finden sie uns nicht", flüsterte er daher, aber bekam dafür nur ein Kopfschütteln. Als keine weitere Reaktion kam, runzelte er die Stirn, da dies selbst für seinen schweigsamen Freund zu wenig war. Also legte er ihm eine Hand auf die Schulter, damit dieser ihn ansah, und schreckte fast zurück, als dieser dies zögernd tat. Eine Träne bahnte sich gerade ihren Weg über sein Gesicht, und in seinen Augen stand unendliche Trauer.

"Was ist passiert? Ist es Ethuil?" flüsterte er entsetzt, denn so hatte er Legolas noch nie erlebt. Aber er erinnerte ihn an Ethuil, als sie damals neben dem toten Legolas gesessen und das Unmögliche versucht hatte. Doch wieder schüttelte dieser den Kopf.

"Es ist Ada", flüsterte er kaum hörbar. "Er ist tot. Ethuil ist aufgewacht, aber flieht gerade vor den Orks, die keiner hatte aufhalten können." Er atmtete tief durch und klammerte sich verzweifelt an seinen Freund. "Ich kann sie nicht mehr erreichen."

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"Na, wen haben wir denn da?"

Die Stimme des Orks klang kalt und voller Hass auf die beiden Elbinnen, die sie hier in diesem Zimmer bei ihrer Flucht überrascht hatten. Eine von ihnen hatte sogar Waffen in ihrer Hand und schien die Andere beschützen zu wollen. Diese war durch irgend etwas geschwächt und konnte sich kaum auf den Beinen halten. Was für einen jämmerlichen Anblick die beiden boten, und beinahe hätte er gelacht.

"Lasst uns gehen, und man wird euch vielleicht schnell töten", entgegnete da Arwen und befreite sich von allen Waffen bis auf ihr Schwert, mit dem sie noch am besten umgehen konnte. Ethuil war zu schwach, um ebenfalls eine Waffe zu tragen, und so musste sie wohl sie beide verteidigen. Was gar nicht so einfach sein würde, angesichts mehrerer Orks, die auch noch Andere auf sich aufmerksam machten. Trotzdem würden sie auf keinen Fall aufgeben.

Und so lachte der Ork auch nur auf ihre Drohung und schickte einen seiner Männer vor, um sie zu entwaffnen. Er würde sie erst später töten lassen, wenn seine Männer genug Spaß mit ihnen gehabt hatten, und sie zu nichts mehr zu gebrauchen waren. Die beiden schienen in diesem Haus etwas besonderes zu sein und hatten damit diese Sonderbehandlung verdient.

Doch dann lachte er nicht mehr, denn sein Ork wurde fast schon zu einfach von Arwen besiegt. Daraufhin brummte er verärgert und schickte die nächsten Zwei los. Dabei sah er auch, wie sich Ethuil immer mehr zurückzog. Ihr schickte er auch einen Ork, gegen den wohl auch der Dolch, den sie sich nun nahm, nicht helfen konnte.

Mit leichtem Erstaunen sah er dann zu, wie die beide sich gegen die Angreifer wehrten. Wieder hielten sie sich besser, als er gedachte hatte, aber es dauerte länger, bis die Orks wieder besiegt waren. Aber sie waren besiegt worden, und langsam nahm er es persönlich. Dementsprechend wütend nahm er seine Waffe und marschierte mit seinen Männern los. Nun hatten die Zwei keine Sonderbehandlung mehr zu erwarten.

"Arwen...", flüsterte Ethuil, und sie verspürte tatsächlich so etwas wie Angst. Sie tauschte einen Blick mit ihrer Freundin, in deren Augen das selbe stand, aber auch der Mut, trotzdem zu kämpfen. Die Genugtuung, dass sie jetzt um ihr Leben betteln würden, sollten die Orks nicht bekommen. Nicht hier, und auch sonst niemals. Egal, was auf dem Spiel stand.

Und so griffen sie die Orks sogar an, als diese auf sie zu kamen, und kämpften so wie noch nie. Trotzdem war das Ende unvermeidlich, und sie bereuten nur, dass sie sich nicht mehr hatten verabschieden können. Jeden Moment musste es soweit sein, aber der Ansturm war weit weniger groß, als sie angenommen hatten.

Und dann hörten sie es. Stimmen anderer Elben, die den Kampf hier gehört hatten und zur Hilfe geeilt waren. Plötzlich hatten sie doch wieder eine Chance. Mit neuem Mut kämpften sie weiter, auch wenn die Kräfte sie langsam verließen. Ein Ork nach dem Anderen ging tot oder verletzt zu Boden. Es kostete auch das Leben einiger Elben, aber irgendwann waren wenigstens diese Orks besiegt.

"Wir können nicht hier bleiben", sagte einer der Elben und sah alle verzweifelt an. "Der Palast ist verloren. Wir können jetzt nur noch Leben retten und auf die Rückkehr des Prinzen warten." Er sprach das aus, was alle wussten, aber niemand wahr haben wollte. Mussten sie erst einmal fliehen, war es schwer, alles zurück zu erobern. Aber sie waren auch zu wenige, um den Palast zu halten.

"Vom Thronsaal geht ein Geheimgang ab", sagte Ethuil nach einer Weile langsam und seltsam gefasst. "Er führt zu einer sicheren Lichtung. Legolas wird uns dort finden." Sie alle hatten gehofft, diesen Gang niemals benutzen zu müssen, da dies der letzte Ausweg war, aber jetzt blieb ihnen nichts Anderes übrig. In Gedanken bat sie ihn um Verzeihung, den Palast aufgegeben zu haben, und ging dann voran.

"Gut, dass dir dies wieder eingefallen ist", sagte Arwen, nachdem sie zu ihr aufgeschlossen hatte und sie nun begleitete, während die Anderen auf Orks achteten und alle Elben, denen sie begegneten, zu sich holten. Sie schenkte Ethuil auch ein aufmunterndes Lächeln, das nur schwach erwidert wurde. "Ich bin mir sicher, dass Legolas lieber den Palast aufgibt, als das Leben darin."

"Aber so gibt er auch das Kommando über das Reich auf. Oder besser gesagt, ich in seinem Namen", entgegnete Ethuil bitter. "Vor kurzem hat er erfahren, dass er nun König ist, und schon hat er kläglich versagt. Oder eher ich." Sie war nun Königin und berechtigt, alles im Namen des Königs zu unternehmen, und sie hatte soeben das Reich aufgegeben.

"Er wird es zurückerobern, wenn es Zeit dafür ist." Sanft drückte Arwen ihren Arm. "Dies rettet Leben, und das ist es, was zählt. Das weißt du ganz genau." Sie wusste, welche Verantwortung nun auf Ethuils Schultern lag, denn auch sie musste Aragorn oft vertreten. Es dauerte lange, um zu lernen, wie man am besten damit umging.

"Ich hoffe nur, dass er dafür nicht sein Leben geben wird." Ethuil seufzte tief und durchquerte den Thronsaal, den sie inzwischen und ohne Vorkommnisse erreicht hatten. Dann tastete sie sich an der Wand entlang, bis plötzlich eine unsichtbare Tür aufschwang. Schnell geleitete sie die anderen Elben dort hinein, und sah sich dann ein letztes Mal um. Würden sie zurückkommen können?