Für einen Moment herrschte Schweigen zwischen Legolas und Aragorn. Letzterer hatte gerade Dinge gehört, die Legolas schon eine Weile mit sich herum getragen haben musste, und sie schlimmer kaum noch sein konnten. Sein Vater und König war tot, seine Frau von Orks verfolgt, und der Palast und somit auch das Reich so gut wie erobert. Und er selbst saß viel zu weit weg in einer Falle fest.

"Es tut mir leid um deinen Vater. Er war ein großartiger Mann", schaffte es Aragorn nach einer Weile endlich, ein paar Worte zu finden. Ein kurzer Blick zu den Anderen verriet ihm, dass diese trotz der leisen Worte alles gehört hatten. "Und Ethuil und Arwen werden sich in Sicherheit bringen. Ich weiß es genau."

Legolas nickte dazu und sah etwas beruhigter wieder ins Dunkel. Hier in der Ruhe spürte er den Schmerz um den Verlust und die Sorge um Ethuil immer mehr, und am liebsten wäre er ihr zu Hilfe geeilt, aber er wusste auch, dass er seine Freunde hier nicht in Stich lassen durfte. Er musste die richtige Entscheidung treffen, auch wenn sie schwer fiel.

"Ich habe ihr den Geheimgang gezeigt", flüsterte er nach einer Weile. "Ich bete zu den Valar, dass sie es dorthin schaffen und unentdeckt bleiben." Dies war die letzte Möglichkeit, die es gab, und er konnte nur hoffen, dass es so viele wie möglich geschafft hatten.

"Und ich hoffe, dass sich Arwen nicht von ihrem Temperament leiten lässt und in einen Kampf gerät", erwiderte Aragorn mit einem kurzen und sehr schiefen Lächeln. Denn er wusste, dass dies in einem Palast voller Orks mehr als wahrscheinlich war. "Da bekommt man ja Mitleid mit den Orks", fügte er noch schnell hinzu, um nicht zu pessimistisch zu klingen.

Und tatsächlich schaffte er es so, ein kurzes Lächeln auf das Gesicht von Legolas zu zaubern. Diesem wurde dadurch auch klar, dass jetzt nicht die Zeit für Trauer war. Jetzt war die Zeit zum handeln. Aber erst, nachdem sich alle ausgeruht hatten, auch wenn dies an den Nerven zerrte. Und so lange er keine Nachricht von Ethuil hatte, würde dies auch so bleiben.

Aragorn war mit diesem kleinen Lächeln schon zufrieden, denn er wusste, dass sein Freund im Moment zu mehr nicht fähig war. Und so klopfte er ihm kurz auf die Schulter und gesellte sich wieder zu den Anderen, denn auch er brauchte etwas Ruhe. Und wenn er nur ein wenig döste, das würde schon genügen.

Legolas blieb wie erwartet an seinem Platz stehen, lauschte den leiser werdenden Geräuschen in der Höhle, als alle zur Ruhe kamen, und gab auch weiter auf die Orks acht, die es nicht zu wagen schienen, tiefer in die Höhle zu kommen. Hatten sie etwa Angst, noch mehr Leute zu verlieren, oder dachten sie, dass die kleine Gruppe dies nicht wert war?

Was auch immer der Grund war, sie waren auf jeden Fall für die nächste Zeit sicher hier, und so erlaubte er es sich jetzt auch, sich hinzusetzen und etwas von dem Essen zu nehmen, das sie in weiser Voraussicht mitgenommen haten. Dabei versuchte er auch wieder, Kontakt mit Ethuil aufzunehmen, aber sie war wohl immer noch auf der Flucht. Er tröstete sich mit dem Gedanken, dass er es wüsste, wenn etwas passiert wäre.

Und so ruhte er sich eine Weile mit den Anderen aus, ließ die Gedanken treiben, aber bemerkte trotzdem, wie sich plötzlich etwas veränderte. Sofort war er wieder auf den Beinen und lauschte in die Höhle hinein. Die Geräusche der Orks waren noch leiser geworden, dafür wurde sein ungutes Gefühl immer stärker, und dem hatte er bisher immer trauen können. Irgend etwas würde bald passieren.

Leise nahm er wieder seine Waffen an sich, aber wagte es noch nicht, die Anderen zu wecken, solange er nicht wusste, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Er lauschte lieber noch eine Weile in die Höhle hinein. Fast hätte er aufgegeben, aber dann konnte er tatsächlich etwas hören. Leise, schabenden Schritte wie von mehreren, dazu ein Schnalzen, wie er es schon lange nicht mehr gehört hatte.

Dafür wusste er nun, mit wem sie hier die Höhle teilten, und warum sich die Orks nicht weiter hinein getraut hatten. Das Böse erkannte sich wohl schneller, als es die Sinne der Elben oder sogar Zauberer konnten, aber nun wusste auch er Bescheid, und er drehte sich zu den Anderen um, um sie zu wecken und sie vor seiner Entdeckung zu warnen, aber dann überlegte er es sich doch anders.

Er würde sich allein darum kümmern. Schließlich hatte er noch eine Rechnung damit offen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er auch so seine Freunde bschützen würde. Eine Hilfe könnten sie in den engen Gängen sowieso nicht sein. Und vielleicht würde er sie nicht einmal aus ihrem Schlaf holen. Seine Rechnung würde beglichen und sie in Sicherheit sein, bevor es irgend einer bemerken würde.

Also schlich er nun leise davon, immer auf der Suche nach der Quelle der leisen Geräusche, aber immer darum bedacht, ihnen nicht zu nah zu kommen. Seine Augen kamen zum Glück auch mit dem spärlichen Licht zurecht, und auch der Schall, der sich an den Wänden brach, konnte ihn niemals betrügen. Immer näher kam er seinem Ziel, und er machte seinen Bogen bereit, um dies schnell zu erledigen.

Nach der nächsten Biegung stand er ihr endlich gegenüber. Der Spinne, die Ethuil gestochen hatte, die ihn und seine Freunde vom Palast weggelockt hatte, und die sich nun hier versteckte. Aber er hatte sie gefunden und legte nun auf sie an. Vollkommen ruhig zielte er nun auf ihr Herz, aber sie wusste, dass sie in der Falle saß. Also tat sie das einzig Logische und griff ihn an.

Auf diesen Moment hatte er gewartet und ließ gleichzeitig seinen Pfeil fliegen. Aber er traf nicht die Spinne, aber eine kleinere Spinne, die sich hinter der Anderen versteckt hatte, aber nun trotzdem getroffen wurde und schreiend zu Boden sank. Entsetzt stellte Legolas fest, dass die Spinne wohl auch ihren Nachwuchs beschützt hatte. Dementsprechend wütend stürzte sie sich auch auf ihn, und er hatte kaum Zeit, den nächsten Pfeil abzufeuern.

So konnte er auch nur gerade noch seine Schwerter ziehen, als sie auch schon heran war und laut schreiend ihre Rache verlangte, so wie er seine Rache von ihr verlangte.

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Ethuil hatte darauf bestanden, so lange wie möglich am Eingang zu dem Geheimgang auf andere Elben zu warten, die noch am Leben und noch nicht geflohen waren. Sie wollte ihnen nicht die letzte Rettungsmöglichkeit nehmen, nur um das eigene Leben zu retten. Zwar wusste sie, dass auch der Geheimgang nicht von den Orks entdeckt werden durfte, aber sie hielt ihn so lange wie möglich offen und konnte so noch einige Elben retten.

Doch dann kamen die Orks immer näher, und Ethuil verschloss schweren Herzens die Tür, bevor Fackeln angezündet wurden, und der lange Marsch durch das Gewölbe begann. Sie brauchte nicht zu führen, da auch sie den Weg nicht kannte, aber zum Glück führten nur kleinere Sackgassen vom Hauptweg ab. Sie konnten den Weg nicht verfehlen, und Ethuil ließ sich ans Ende des kleinen Zuges fallen.

In ihren Gedanken suchte sie wieder nach Legolas, dessen Schmerz um den Verlust des Vater sie sofort spüren konnte. Ihr war es nicht möglich gewesen, ihm das zu verschweigen, aber alles andere hielt sie noch zurück. Dafür war es noch keine Zeit. Außerdem konnte sie ihn nicht erreichen, was bedeutete, dass er schon wieder in Schwierigkeiten steckte. Warum konnten sie nie wenigstens ein paar Worte wechseln?

"Es geht ihnen gut, ja?" fragte da Arwen, die plötzlich wieder an ihrer Seite war und ihr die Bemühungen angesehen hatte. Dass Ethuil nur beunruhigt war, so wie die ganze Zeit, schien ein gutes Zeichen zu sein, aber sie wollte es genauer wissen. Sie hatte ein ungutes Gefühl und brauchte eine Bestätigung, dass es unbegründet war.

"Legolas weiß von seinem Vater", antwortete Ethuil leise und legte automatisch eine Hand auf ihren Bauch. Hoffentlich würde sie nicht bald wieder so eine Nachricht überbringen müssen. "Aber ich spüre nur diesen Schmerz, was wohl heißt, dass es allen gut geht. Und ich fühle seine schwachen Nevrven. Was wohl heißt, dass sich Aragorn um ihn kümmert."

Ein kleines Lachen der Erleichterung schlich sich daraufhin zwischen ihnen hin und her und machte ihre Herzen für einen kleinen Moment leichter. Sie wussten, dass so schnell nichts passieren könnte, wenn die beiden noch füreinander da waren. Sie passten auf den jeweils anderen auf und brachten sich so gegenseitig durch die schlimmsten Situationnen. Und die in ihrer Nähe gleich mit.

Langsam wurde es heller im Gang, als ob sie sich dem Ausgang näher würden, als Ethuil plötzlich wieder schwächer wurde. Blass und schwankend ließ sie sich auf den kalten Boden nieder und hielt sich wieder den Bauch, denn genauso plötzlich verspürte sie dort Schmerzen, und ihre Ansgt vergrößerte sich ins Unermessliche.

"Schon gut, dass ich nur der Rest vom Gift. Du hast dich nur übernommen", versuchte Arwen, sie zu beruhigen, aber Ethuil schüttelte vehement den Kopf und sah sie vollkommen verängstigt an.

"Dieses Gift...", flüsterte sie stockend. "Ist es gefährlich? Für mein Baby? Ich habe Schmerzen, Arwen." Irgendwie konnte sie es nun nicht mehr verschweigen, auch weil Arwen ihr jetzt helfen musste. An diesem Punkt kam sie nicht mehr allein zurecht und würde auch alles dafür geben, wenn Legolas jetzt bei ihr sein könnte.

Trotz ihres Hilferufes sah Arwen sie erst einmal sehr überrascht an, denn mit so etwas hatte sie in diesem Moment übnerhaupt nicht gerechnet. Na gut, jetzt erkannte sie auch einige Anzeichen, die es in den letzten Tagen immer wieder gegeben hatte, aber warum hatte sie es nicht eher bemerkt? So hätte sie schon viel früher etwas tun können.

Aber bald hatte sie sich wieder unter Kontrolle und legte eine Hand auf Ethuils Bauch, um zu fühlen, wie es dem Baby ging. Es war natürlich in heller Aufregung und wusste von den Sorgen seiner Mutter. Und es war auch noch etwas angeschlagen von dem Gift, das auch zu ihm vorgedrungen war, aber es war nicht wirklich in Gefahr.

"Es geht ihm gut, Ethuil", berichtete sie daher schnell und lächelte aufmunternd. "Wie ich schon sagte, du hast dich nur überanstrengt, und das ist seine Art zu sagen, dass du das gefälligst sein lassen sollst." Sie grinste kurz. "Dieses Trick hat es eindeutig von dir. Legolas tut mir leid, jetzt hat er zwei von der Sorte."

Ethuil ließ sich von dem Grinsen anstecken und fühlte sich auch sehr erleichtert. Nicht nur, dass es dem Baby wohl gut ging, sie hatte auch endlich mit jemanden darüber sprechen können. So war sie nicht mehr ganz allein damit. Auch wenn ihr der Vater als Gesprächspartner natürlich viel lieber gewesen wäre.

"Ich werde mich erst richtig ausruhen können, wenn wir diese Höhlen verlassen haben", antwortete sie und rappelte sich langsam auf, da der Schmerz vergangen war. "Draussen können wir auch besser sehen, was hier wirklich los ist."

Die Lichtung, zu der dieser Gang führte, und die sie beinahe erreicht hatten, war so gut versteckt, dass sie kaum einer finden konnte, ohne den Gang zu benutzen. Andererseits konnte man von dort aus die gesamte Umgebung beobachten. Das war einfach das perfekte Versteck. Und ein guter Platz, um auf die Anderen zu warten. Und zu planen.

Arwen sagte nichts dagegen, da sie wusste, dass sie sowieso keine Chance gegen diesen Dickkopf hatte. Dafür half sie ihr auf die Beine und führte sie langsam hinaus auf die Lichtung, wo sich die anderen Elben bereits verteilt hatten und zum Palast starrten. Sie taten es ihnen gleich und sahen Orks, Feuer, Rauch und fliehende Elben, auch wenn es deren wenige waren.

"Ich hoffe, sie kommen bald", murmelte Ethuil und beobachtete auch weiterhin das Chaos. Wollten sie noch etwas erreichen, musste sofort ein Führer her, um den Schrecken, den die Orks verbreiteten, wenigstens in den Köpfen der Elben zu verringern. Und die einzigen, die das schaffen konnten, jagten gerade eine Spinne. Langsam wurde ihm klar, dass dies wohl auch zum Plan gehörte.

"Das werden sie", antwortete Arwen. Sie mussten einfach.