Hi!
So, dann kommt hier das erste Kapitel. Noch muss sich Harry mit der Gegenwart herumschlagen...
Ein ganz riesiges Dankeschön an back-eyed-April für das liebe Review! Vielen Dank!
Klasse, dass dir der Prolog gefällt! Es wird noch ein paar Kapitel dauern, bis Harry sich mit der Zukunft herumschlagen muss (zuerst muss es sich mal um das Hier und Jetzt kümmern.).
Aber, wenn es dann so weit ist landet der Harry der Gegenwart in der Zukunft.
Ich hoffe das Chap gefällt dir genauso gut wie der Prolog!
Alles Liebe Alexiel
1.Kapitel
Es war tiefe Nacht und der Himmel über London war pechschwarz. Selten zog eine vereinzelte Wolke am Mond vorbei und hätte ein Nachtschwärmer zu ihm aufgeblickt, so hätte er gewusst, dass schon bald Vollmond sein würde. Millionen von Sternen funkelten am Himmel und formierten sich zu allen nur bekannten Sternbildern. Die Temperatur war, trotz der späten Uhrzeit, noch angenehm mild und eine leichte Brise wehte, die diese Sommernacht anscheinend perfekt werden lies.
Doch so perfekt war sie nicht. Genauso wenig, wie der Tag oder die Wochen davor. Hätte man die Menschen, die am Tag durch die Straßen Londons gelaufen waren beobachtet, so wäre aufgefallen, dass sie alle angespannt wirkten. Ihr Lachen klang merkwürdig unecht, ihre Schritte verhallten viel zu schnell und überall, wo man hinkam, hörte man ein Flüstern. Ein Flüstern, dass manchmal neugierig, manchmal ängstlich und manchmal sogar panisch klang. Dieses Geflüster, dass man in allen Winkeln der Stadt und auch weit darüber hinaus vernehmen konnte, handelte von den Geschehnissen der letzten Wochen.
Muggel wussten nicht, was sie von der letzten Zeit halten sollten. Rätselhafte Todesfälle, Angriffe, dunkle Gestalten, welche die Straßen unsicher machten... Keiner kannte die Ursache dieser Unruhen, dieses neuen Schreckens. Die Polizei tappte im Dunkeln und egal welchen Hinweisen sie nachgingen, egal um welchen Mord, welches Attentat, es sich handelte, alle Spuren verliefen im Sand. Für Mitglieder der Zauberwelt waren diese Geschehnisse weder rätselhaft noch wurden sie nicht aufgeklärt. Hexen und Zauberer wussten genau, woher das Unheil stammte und dies machte sie noch panischer als die unwissenden Muggel, denn die Angst vor Voldemort war allgegenwärtig.
Genau wie im ersten Großen Krieg wurde Vertrauen untereinander zu einem hohen Gut und genau wie damals verlor man dieses Vertrauen, dass so wichtig war. Der Tagesprophet, der längst nicht mehr das schrieb, was das Ministerium verlangte, verdächtigte jeden Tag neue Mitglieder von Zauberfamilien zu Du-weißt-schon-wem zu gehören und schürte damit das Misstrauen unter den Hexen und Zauberern nur noch mehr.
Täglich wurden neue Artikel über Angriffe, Entführungen, Folter und Nachrufe abgetippt. Der Zauberminister Fudge schien mit der Situation völlig überfordert und die magische Bevölkerung verlor schnell den Glauben an ihn und eine Wiederwahl schien ausgeschlossen.
Insgeheim gab es schon jetzt einen Mann, der im Hintergrund die Fäden zog und dafür sorgte, dass das Ministerium effektive Arbeit leistete. Dieser Mann hieß Albus Dumbledore. Er war der derzeitige Schulleiter von Hogwarts und wohl einer der wenigen Zauberer in dessen Nähe man sich im Moment sicher fühlte und dem man wirklich völlig vertraute.
Es gab nur eine Hand voll Menschen auf der Welt, die wussten zu welchen Fehlern Albus Dumbledore fähig sein konnte.
Und über einen dieser Menschen konnte man, neben all den anderen Katastrophenmeldungen, täglich wieder neue Geschichten in den magischen Zeitschriften finden.
Das ganze Leben Harry Potters wurde neu beleuchtet, jeder Atemzug von ihm wurde in den strahlendsten Farben widergegeben und oft so weit ausgeschmückt, dass er nichts mehr mit der Realität zu tun hatte.
Neben all den schlechten Meldungen über Voldemort und dessen Untergebene, wurde Harry Potter zu einem Hoffnungsträger der Zauberwelt, da er es war, der den dunklen Magier schon einmal "besiegt" hatte. Doch so gut wie Niemand wusste wie "dunkel" es gerade in Harry aussah, denn egal wie hartnäckig Reporter Nachforschungen betrieben hatten, egal wie sehr sie sich bemühten, keiner fand etwas über die wirklichen Ereignisse des letzten Junis heraus.
Zwar wusste die Öffentlichkeit selbstverständlich, dass Voldemort zurückgekehrt war, dass viele Todesser festgenommen wurden und dass auch Harry Potter dabei eine Rolle gespielt hatte, aber keiner erfuhr etwas von der zerstörten Prophezeiung, dem Tod Sirius Blacks und der Verbindung zwischen ihrem "Helden" und dem verurteilten Schwerverbrecher. Und so wusste auch niemand, wie sich Harry jetzt fühlte und wie gleichgültig er gerade der Welt, die so viel von ihm hielt, gegenüberstand.
Mitglieder des Orden des Phönix, ganz besonders Dumbledore, schirmten Harry nach wie vor ab und so gelang es der Presse auch nicht ein Interview von ihm zu ergattern. Nicht einmal Harrys Aufenthaltsort wurde ihnen genannt. Lediglich, dass sich Harry im Haus seiner Verwandten aufhielt und dass er dort in Sicherheit war, erfuhren sie. Doch seit ungefähr einer halben Stunde entsprach dies nicht mehr der Wahrheit. Zwar bemühte man sich weiterhin für Harrys Sicherheit zu sorgen, doch bei seiner Tante und seinem Onkel war er nicht mehr.
Hätten sich die Menschen nicht in ihren Wohnungen verbarrikadiert und wäre es nicht schon so spät nachts gewesen, so wäre ihnen vielleicht, wenn sie die Straße entlang gegangen wären, ein plötzlicher Windstoss aufgefallen, der wie aus dem Nichts zu kommen schien. Ein Zauberer dagegen hätte einen riesigen doppelstöckigen lila Bus bemerkt, der mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die Stadt raste, den Fahrenden Ritter. Und in genau diesem Bus befand sich der 16-jährige Harry Potter gerade.
Harry hatte die letzten Wochen, wie in Trance, bei seiner Tante Petunia, seinem Onkel Vernon und seinem doch wieder dick gewordenen Cousin Dudley verbracht, wo er keinen Gedanken an Schule, Hausaufgaben oder seine bald kommenden Zag-Ergebnisse verschwendete. Ja, sogar seinen Besen lies er unangetastet in seinem großen Schrankkoffer unter seinem Bett liegen.
Statt sich mit diesen für ihn profan scheinenden Dingen zu beschäftigen, verschanzte er sich in seinem winzigen Zimmer, dachte nach, trauerte und spürte einen Hass in sich, den er nie für möglich gehalten hätte. Doch dieser Hass richtete sich schon lange nicht mehr nur gegen Voldemort und Bellatrix Lestrange...
Moodys Drohung am Bahnsteig schien gewirkt zu haben. Die Dursleys behandelten Harry zwar alles andere als gut, aber sie ließen ihn in Ruhe. Und genau das brauchte Harry jetzt.
Die Dursleys riefen ihn nicht zum Essen, sie zwangen ihn zu keinerlei Arbeit, kümmerten sich nicht um seine immer dunkler werdenden Augenränder und sprachen nur das nötigste mit ihm. Genauer gesagt, war so ungefähr das einzige, was Harry von seinen Verwandten mitbekam, die gebrüllte Frage seines Onkels alle drei Tage, ob er diesen "Verrückten" mitgeteilt habe, dass alles mit ihm in Ordnung sei. Kurzum: Im Ligusterweg kümmerte sich niemand um ihn und alle behandelten ihn wie Luft.
Kein Mensch beachtete ihn und keiner erwartete von ihm über Sirius zu sprechen oder lies irgendwelche überflüssigen Floskeln fallen, die ihn doch nicht aufmunterten, sondern ihn nur noch tiefer in Trauer und Selbsthass stürzten. Harrys Meinung nach konnten ihm die Menschen um ihn herum erzählen, was sie wollten. Egal was sie sagten oder taten niemand konnte ihn davon überzeugen, dass er unschuldig am Tod Sirius war. Er war es doch gewesen, der auf Voldemorts Trick hereingefallen war. Er war es, der alle Warnungen in den Wind geschlagen hatte und unbedingt in das Ministerium reisen musste und er war es, der diesen verdammten Heldenkomplex hatte und immer, aber auch wirklich immer, ohne nachzudenken handelte und dabei die Menschen, die er liebte, in Gefahr brachte.
Während der Zeit bei den Dursleys hatte Harry nur vor einer einzigen Sache wirklich Angst und das war nicht Lord Voldemort, wie man annehmen könnte. Es war die Furcht vor der Ankunft der Ordensmitglieder, die ihn in das Hauptquartier des Ordens bringen würden, in Sirius Haus.
Zu viel würde ihn dort an seinen Paten erinnern. Nein, lieber wollte er sich in seinem winzigen Zimmer verkriechen und alles um sich herum vergessen.
Die Briefe seiner Freunde, die tröstende Worte enthielten und den Zweck hatten ihn aufzumuntern, überflog er meist nur. Mit seinen Gedanken war er an einem ganz anderen Ort. Er wollte nicht daran denken, wollte verdrängen, vergessen, aber es gelang ihm einfach nicht. Immer und immer wieder erwachten die Geschehnisse des letzten Junis vor seinen Augen von neuem. Er ging alle Momente und Situationen Schritt für Schritt durch und immer wieder sah er seinen Paten sterben, weil er versagt hatte. Er musste ja den Helden spielen und nun war der Mensch tot, der ihm wohl neben Ron und Hermine das meiste auf der Welt bedeutet hatte. Und er war schuld daran.
Lange konnte sich Harry jedoch nicht verstecken. Der Orden machte sich wohl Sorgen um ihn, da seine Pflicht-Briefe, die Hedwig alle drei Tage brachte, immer nur äußerst kurz ausfielen und auch seine Freunde keine Antworten von ihm erhielten. Alle hatten ihm geschrieben: Hagrid, Hermine, Ron, Ginny, Fred und George, Lupin, Tonks, ja sogar einen Brief von Dumbledore hatte er bekommen. Und selbst Moody hatte mit einem äußerst gewöhnungsbedürftigen Brief versucht Harry aus seiner Apathie zu holen, aber auch dieser Versuch war gescheitert.
Harry hatte ein schlechtes Gewissen, weil er keinem von ihnen antwortete und nicht einmal auf seine Geburtstagsglückwünsche reagiert hatte. Er wusste, dass sie sich Sorgen um ihn machten und jeder neue Brief klang auch noch besorgter als der letzte, aber er brachte es einfach nicht über sich antworten. Was hätte er auch schreiben sollen? Wenn er geschrieben hätte, dass es ihm schon besser geht und alles in Ordnung sei, hätte ihm das sowieso niemand geglaubt und seine wahren Gefühle konnte er einfach nicht in Worte fassen. Ihm war klar, dass er wenigstens Dumbledore antworten sollte und er versuchte es auch, aber er konnte einfach keinen vernünftigen Brief an ihn schreiben. Wie hätte ein Brief an ihn auch ausgesehen?
Sehr geehrter Professor Dumbledore
Ich danke ihnen sehr für ihren Brief und ihre aufmunternden Worte. Leider haben diese nichts genutzt und ich habe immer noch das dringende Bedürfnis meinen Namen zu ändern, weit, weit weg zu ziehen und mich von allen Menschen fern zu halten, die mir etwas bedeuten, da diese über kurz oder lang einen grausamen Tod sterben werden, wenn ich in íhrer Nähe bleibe.
Als zweite Option könnte ich mich auch noch umbringen. Dies würde die Welt von meiner grenzenlosen Dummheit befreien und ich könnte meine Eltern und Sirius wiedersehen.
Allerdings glaube ich nicht, dass mir die erste Möglichkeit gestattet wird und die zweite scheidet aus, da man ja auf Grund der von uns bekannten Prophezeiung meinen Tod nicht riskieren könnte, da dieser gleichbedeutend wäre mit dem endgültigen Sieg für Voldemort.
Belassen wir also alles beim Alten.
Hochachtungsvoll
Harry Potter
P.S. Vielleicht sollte ich im neuen Jahr wieder Privatunterricht von Professor Snape erhalten. Ich bin sicher, dass kein anderer Lehrer an der Schule so gut die Unverzeihlichen Flüche, angewandt am Menschen, lehren kann wie er.
Nein, lieber war es ihm Dumbledore erhielt keine Antwort, als so einen Brief.
In einer der vielen Nächte, in denen Harry wachlag und es ihm, trotz knurrendem Magen, nicht gelang auch nur einen Bissen herunter zu würgen, wurde ihm klar, dass diese nicht geschriebenen Briefe von ihm Konsequenzen haben würden. Seine Freunde würden nicht einfach aufgeben und sich damit abfinden, dass er seine Ruhe haben wollte und ihm war auch klar, was das bedeutete: Ordensmitglieder würden ihn abholen und ihn in das Hauptquartier bringen. Seine Angst würde Realität werden.
Und genauso, wie Harry es sich gedacht hatte, geschah es dann auch. Unangekündigt läutete es in dieser Nacht an der Tür, welche Harry nur aus Zufall öffnete. Zwar war er der einzige, der um diese Uhrzeit noch wach war, aber ein Türklingeln lockte ihn schon lange nicht mehr aus seinem Zimmer. Er war nur im unteren Stockwerk und somit in der Nähe der Eingangstür, weil er den ganzen Tag nichts gegessen hatte und sich nun zwang wenigstens ein Stück Brot zu sich zu nehmen.
Wenn Harry ehrlich war, dann war er nicht besonders überrascht, als er Remus Lupin, mit abgetragenem Umhang, und Nymphadora Tonks, diesmal mit himmelblauen Haaren, vor der Tür stehen sah und die beiden ihm mitteilten, dass sie ihn mit in den Orden nehmen wollten.
Die Dursleys, die durch die Türklingel natürlich wach geworden waren, waren alles andere als erfreut mitten in der Nacht geweckt zu werden und dann auch noch eine Hexe und einen Zauberer in ihrem Haus vorzufinden, die sie das letzte Mal zusammen mit Moody gesehen hatten, dem Mann, der sie auf dem Bahnhof "auf höchst ungerechte Weise bedroht hatte", aber sie waren kein großes Hindernis für Tonks und Lupin. Die beiden wollten Harry schließlich mitnehmen und für die Dursleys gab es nichts schöneres, als Harry außerhalb ihres Hauses zu wissen. So war es kein Wunder, dass Petunia schnellst möglich, in ihrem roten Bademantel, zurück in ihr Bett schlich und Vernon ihr mit den Worten folgte: " Wehe du bist Morgen noch da, Junge. Wir hatten genug Ärger mit dir..." Dudley war schon lange wieder verschwunden. Er hatte nur einen Blick auf Tonks und Lupins Zauberstab geworfen, hatte die Flucht ergriffen und sich in seinem Zimmer eingeschlossen.
Als sie alleine waren meinte Lupin freundlich zu ihm: "Wir wollten dich eigentlich erst morgen abholen, aber wir dachten lieber überraschen wir dich heute Abend noch. Du willst bestimmt nicht länger hier bleiben als nötig, oder?"
"Überraschen? Ihr hattet doch nur Angst, dass ich die Flucht ergreifen könnte...", dachte Harry seufzend und ging mit ihnen die Treppe rauf, in sein Zimmer.
Es dauerte keine fünf Minuten und Tonks und Lupin hatte seine Sachen mit einem Sammelzauber gepackt, seinen Koffer, seinen Besen und seinen Eulenkäfig, samt Hedwig, ergriffen und waren bereit zum Aufbruch. Harry hatte sich derweil eine alte Jacke von Dudley angezogen, die ihm natürlich viel zu groß war und war mehr oder weniger bereit sich mit seinem Schicksal abzufinden, als, Lupin ihn schon zur Tür hinaus geschoben hatte.
Jetzt saß er im Fahrenden Ritter, auf einem der Messingbetten, und versuchte, trotz der Fahrweise Ernies, aus dem Fenster zu sehen, um weder mit Stan ("Schau mal Ern'! Neville... ähm... Harry is' wieder da! Hab' ichs nich' gesagt Ern? Hab' ich nich gesagt, dass er uns ma' besuchen kommt?"), noch mit Remus oder Tonks reden zu müssen. Harry wusste, dass es zu einem Gespräch kommen musste, aber er hoffte, dass sie ihm noch ein paar Tage Zeit liesen. Er hatte in der letzten Zeit einen Schutzwall des Schweigens um sich aufgebaut und es schien ihm unmöglich diesen zu durchbrechen. Er wusste ja selbst nicht, was genau er fühlte und wie er es erklären sollte. Wie konnten es dann andere verstehen?
Plötzlich berührte ihn jemand an der Schulter und er hatte eine Tüte Bertie Botts Bohnen vor der Nase.
"Möchtest du ein paar?", fragte Remus, dem Hedwig auf der Schulter saß, da diese im Käfig einfach zu viel Lärm gemacht hatte. Auch sie schien von den Fahrkünsten Ernies nicht allzu begeistert zu sein. "Aber Vorsicht. Ich habe das Gefühl die schummeln immer mehr furchtbar schmeckende darunter. Man könnte gerade meinen die wollen sich selbst ruinieren."
"Quatsch. Ich glaube du hast einfach nur ein schlechtes Karma, was das angeht." meinte Tonks grinsend, während sie schwer damit beschäftigt war, Harrys Koffer festzuhalten, wenn Ernie mal wieder unter Beweiß stellte, dass er das Wort "Führerschein" nur für eine überflüssige Muggelerfindung hielt.
"Vielen Dank. Und das von der Frau, die es nicht schafft sich zwei Minuten in einem Zimmer aufzuhalten, ohne dass irgendetwas zu Bruch geht. Was ist denn bitte mit deinem Karma? Also, was ist Harry? "
"Nein, vielen Dank. Ich möchte nichts essen.", murmelte Harry, der sich schon längst wieder dem Fenster zugewandt hatte und die Spiegelungen der anderen Mitfahrer beobachtete.
Obwohl es eine Krisenzeit war und weit nach Mitternacht, war der Fahrende Ritter beinahe voll besetzt. Fast alle Betten des unteren Stockwerks waren belegt und es schien gerade so als glaubten die Menschen, sie könnten Voldemort entkommen, wenn sie nur in Bewegung blieben.
"Wenn es so leicht ginge...", seufzte Harry leise vor sich hin.
Gegenüber von ihm saß eine dunkelhaarige Hexe, in einem langen roten Umhang, mit ihren 2 kleinen Kindern, die gerade versuchte ihr ältere Tochter, die vielleicht sieben war, zu beruhigen, während eine rote Telefonzelle aus dem Weg hüpfen musste, um nicht Ernies höchst beunruhigendem Fahrstil zum Opfer zu fallen. Das Mädchen, dass sich an einen Bettpfosten klammerte schien dieses neue "Abenteuer" nicht besonders zu gefallen und lies von Zeit zu Zeit einen ziemlich erschreckten Schrei los, während die Mutter ihr über den Rücken streichelte und ihr anscheinend beruhigende Worte zuflüsterte.
Das zweite Kind, das ebenfalls ein Mädchen war, war vielleicht drei oder vier Jahre alt und schien die Situation zu mögen. Die Mutter hatte anscheinend zwei Betten gemietet und, während sie sich um ihre eine Tochter kümmerte, hatte die Jüngere ihren hellen Spaß daran, auf dem zweiten Bett zu liegen, dass bei jeder Kurve von einem Ende des Busses zum anderen geschleudert wurde. Harry konnte gar nicht anders, als das kleine Kind zu beneiden, das anscheinend nichts von der Gefahr wusste, die sie alle bedrohte und eine liebende Mutter hatte. Er lies seinen Blick weiterschweifen und beobachtete nun eine ältere Dame, ganz in schwarz, die den Kopf von Harry abgewandt hatte und ebenfalls Richtung Fenster blickte. Obwohl Harry ihren Gesichtsausdruck nicht sehen konnte, wirkte sie traurig, während sie auf die vorbeiziehende Landschaft blickte.
Harrys Blick, immer noch auf die spiegelnde Fensterscheibe gerichtet, zog weiter über seine Mitreisenden. Da war eine junge Frau, die anscheinend eingeschlafen war, was Harry in Betracht der Umstände geradezu unmöglich erschien, ein junger Mann mit braunen Haaren, der wie gebannt auf Tonks starrte, die gerade dabei war sich die Fußnägel bonbonfarben zu lackieren und ein älterer Herr, der sich so tief über den Tagespropheten beugte, dass man nur noch seine gerunzelte Stirn und einen schwarzen Hut sehen konnte. Harrys Blick blieb eine Weile an ihm hängen, während er sich daran erinnerte, wie er Sirius zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hatte. Auf einem Foto im Tagespropheten.
"Das war sogar hier in diesem Bus. Ich frage mich, ob es wohl irgendetwas geändert hätte, wenn ich damals nicht in diesen dummen Bus gestiegen wäre. Sirius stand ja in der Einfahrt hinter mir. Wenn ich gewartet hätte, hätte er sich mir bestimmt offenbart und wir hätten Wurmschwanz fangen können, bevor..." Harry schüttelte den Kopf und bemerkte dabei, dass Lupin in ansah, aber anscheinend hatte er gemerkt, dass Harry nicht nach Reden zu Mute war und schwieg daher auch. Hedwig hatte es sich inzwischen anscheinend in der oberen Etage gemütlich gemacht.
Harry sah zurück zur Fensterscheibe und beobachtete zwei Männern, die drei Betten von ihm entfernt saßen und tief in ein Gespräch vertieft waren. Der rechts Sitzende hatte dunkelblonde Haare, einen braunen Umhang und war um die vierzig. Sein Gesprächspartner war ungefähr im gleichen Alter, vielleicht etwas jünger, hatte rot-braune Haare und trug, als einziger neben Harry, Muggelkleidung. Das wirklich Auffällige an ihnen und der Grund, wieso Harry sie beobachtete und sich nicht weiter umsah, war jedoch ihr Verhalten, während der Mann in Muggelkleidung wütend und aufgebracht wirkte, schien der andere eher nervös und schaute sich ständig im Bus um, als habe er Angst vor irgendetwas. Die hitzige Diskussion der beiden wurde jedoch auf unangenehme Weise unterbrochen, als Stan plötzlich zwei Tassen heiße Schokolade, die er ihnen wohl bringen wollte, über sie schüttete, weil Ernie zu spät bemerkte, dass er eigentlich eine Kurve fahren musste. Die Männer sprangen fluchend auf und auch Lupin blickte alarmiert auf und rückte sein Bett näher an Harry heran. Tonks gähnte nur und war weiterhin mit ihren Fußnägeln beschäftigt.
"Gleich sind wir da. Der Bus hält zuerst in Hartford, danach sind wir dann dran.", sagte Lupin und beobachtete dabei die beiden Männer, die jetzt gerade ihre Kleidung trocken zauberten. Die gezückten Zauberstäbe der beiden machten ihn nicht gerade glücklich und man sah ihm an, dass er jeder Zeit bereit war aufzuspringen und anzugreifen, sollte einer von ihnen eine falsche Bewegung machen.
"Wurde auch wirklich Zeit. Dieser Bus kann einen wirklich krank machen. Sogar meine Nagellackfarbe ist verwischt.", seufzte Tonks und folgte Lupins Blick zu den beiden Männern. Sie schien jedoch keine Gefahr zu wittern, sondern schmunzelte nur schadenfroh über deren Missgeschick.
"Was für eine Tragödie. Es gibt ja auch wirklich nichts Wichtigeres als deine Fußnägel". Lupin Blick war inzwischen gewandert und inspizierte die anderen Mitreisenden. Besonders die schwarz bekleidete Frau und der Zeitung lesende Mann schienen ihn zu interessieren. Gerade so als ob einer der beiden plötzlich aufspringen würde und versuchen würde ihn hier, auf der Stelle, zu töten.
"So leicht macht Voldemort es mir nicht. Er will mich schließlich leiden sehen.", flüsterte Harry vor sich hin.
"Hast du etwas gesagt, Harry?" Lupin hatte sich an ihn gewandt und beobachtete ihn aufmerksam. "Wenn etwas ist. Kannst du es mir sagen. Das weißt du doch."
"Es ist nichts. Ich habe nur ein Selbstgespräch geführt, laut gedacht. Sonst nichts."
Lupin starrte ihn immer noch an. Es war eine Mischung aus Neugier, Mitleid und tiefen Verständnis. Harry fühlte sich unter seinem Blick unwohl. Er wusste was kommen würde.
"Es ist wirklich nichts. Ehrlich. Ich werde schon damit fertig."
"Man kann nicht immer mit allem allein fertig werden, Harry. Glaub mir bitte. Ich weiß, wie du dich fühlst. Auch ich vermisse ihn. Ich vermisse ihn manchmal so sehr, dass ich nicht weiß, was ich tun soll. Sirius war mein bester Freund und gerade im letzten Jahr mein einziger Halt. Und jetzt ist er tot. Er wurde einfach aus dem Leben gerissen und wir müssen jetzt damit fertig werden. Wir müssen lernen damit zu leben. Lernen ohne ihn zu leben. Ich habe die letzten Wochen damit verbracht zu überlegen, was ich hätte tun können, was ich hätte anders machen können und ich bin sicher du hast das selbe getan. Aber wir müssen keine Schuldgefühle haben. Wir haben ihn nicht getötet. Wir haben ihn geliebt und er ist zwar viel zu früh gestorben, aber, auch wenn es mir schwer fällt dies zu sagen, er ist den Tod gestorben, den er sich immer gewünscht hat.
Weißt du, ich bin sicher, dass Sirius noch bei uns ist. Es klingt zwar wie eine Floskel, aber es ist wirklich meine Meinung und wir müssen jetzt stark sein und unser Leben so leben, dass er stolz auf uns sein kann. Und Harry... Er wird stolz auf uns sein! Bestimmt!"
Harry schwieg. Er wusste nicht, was er darauf hätte antworten sollen. Solche und ähnliche Worte hatte er jetzt schon von so vielen Leuten gehört oder sie waren ihm geschrieben worden, aber zum ersten Mal wurde ihm klar, dass nicht nur er schrecklich litt. Auch Lupin hatte einen Menschen verloren, den er liebte. Er war jetzt der letzte der Rumtreiber, der noch auf der Seite des Guten stand und er hatte all seine Freunde verloren. Zwei waren gestorben und einer hatte ihn verraten.
Lupins Stimme war zum Ende hin immer leiser geworden und Harry war klar geworden, dass Lupin diese Worte mehr zu sich selbst als zu ihm gesagt hatte und dass auch er sich Vorwürfe machte. Seine ganze Rede klang so, als versuchte er sich selbst etwas einzureden...
"Wenn er sich schon so eine Schuld an Sirius Tod gibt, welche Last liegt denn dann auf mir?", fragte Harry sich selbst in Gedanken. "Gut, ich weiß, ich war es nicht, der diesen Fluch auf ihn abgeschossen hat. Es war nicht meine Hand, die ihn in den Schleier hat fallen lassen, aber wenn ich nur ein einziges Mal richtig nachgedacht hätte, wenn ich nicht so furchtbar impulsiv gehandelt hätte, wenn ich an den Zwei-Wege-Spiegel gedacht hätte, wenn..."
"Ich unterbreche eure kleine Therapiesitzung ja nur ungern, aber wie schon gesagt ist die übernächste Station unsere und wir müssen Harry doch noch etwas Wichtiges zeigen, nicht wahr?" Tonks hatte ihre Schuhe wieder an und wirkte plötzlich angespannt. Lupin blickte auf und auch Harry wandte sich Tonks zu und verdrängte seine Gedanken.
Am Fenster des Fahrenden Ritters zog gerade ein Waldgebiet vorbei und ständig mussten Tannen, Fichten, Kastanien oder andere Bäume zur Seite springen, damit der Bus gut voran kam. Die Mutter mit ihren beiden Kindern schien wohl beim nächsten Halt, Hartford, aussteigen zu wollen, denn sie war gerade dabei ihre zwei Kinder dazu zu bewegen sich ihre Umhänge anzuziehen.
"Was wollt ihr mir denn zeigen?", fragte Harry, während der Mann mit dem Tagespropheten eine Seite umblätterte und Harry einen Stich ins Herz versetzte.
Lupin setzte sich gerade hin, schaute sich um und griff in eine Tasche seines Umhangs. Tonks setzte sich, wie zum Schutz, neben Harry, lächelte ihn an und wartete ab.
"Hör zu Harry", flüsterte Lupin ," das ist jetzt sehr wichtig. Mit Sirius Tod ist der Fidelius-Zauber des Ordens erloschen."
"Wieso...?", fragt Harry verwirrt. Tonks rutschte unruhig hin und her: "Nicht so laut, Harry. Man soll uns doch nicht hören"
"Sirius war der Besitzer des Hauses und nachdem er ... ums Leben gekommen ist, musste Dumbledore sich von neuem zum Geheimniswahrer erklären. Ich werde dir jetzt einen Zettel geben. Auf diesem steht, die von dir bekannte Adresse und ein Passwort und dieses musst du dir merken. Wenn du später vor dem Haus stehst, musst du dir sowohl die Adresse, als auch das Passwort vorstellen.
Wir wissen nicht, wie sie an diese Information kommen konnten, aber Todesser haben die Adresse unseres Hauptquartiers herausgefunden und nach Sirius Tod, hatten wir einen furchtbaren Kampf, da der Zauber kurzzeitig erloschen war und einige Todesser in den Orden eingebrochen sind, um Informationen zu stehlen.
Es wurde nichts gestohlen und es gab nur einige leicht Verletzte, aber Dumbledore hat danach den Zauber verbessert, indem er ein Passwort hinzufügte. Mit der Adresse kann man das Haus zwar sehen, aber nur mit dem Passwort kann man es auch wirklich betreten. ", erklärte Lupin, während er ihm vorsichtig ein Stück Pergament reichte.
Tonks rutschte noch ein Stück näher an ihn heran, damit auch wirklich niemand das Geschriebene lesen konnte.
Hauptquartier des Phönixordens:
Grimmauldplatz Nummer zwölf
London
Passwort: Vergissmeinnicht
"Alles verstanden?", fragte Tonks, die sich über ihn gebeugt hatte.
"Ja.", meinte Harry leicht benommen, während er sich damit abzufinden versuchte, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis er im alten Black Haus war, wo ihn alles an Sirius erinnern würde und er dem nicht entfliehen konnte.
Lupin nahm ihm den Zettel wieder ab und er ging in seiner Hand in Flammen auf.
"Nur zur Sicherheit, weißt du! Wir wollen auf keinen Fall, dass das Stück in falsche Hände gerät. Es ist nämlich so, die Adresse kennen sie schon und sie müssen sie von einem Stück Pergament Dumbledores haben, denn sonst hätte der Fidelius-Zauber ja nicht gewirkt, aber wie man an das Passwort kommt ist unwichtig. Dieses muss Dumbledore weder gesagt haben, noch irgendwo aufgeschrieben haben. Das ist auch der einzige Schwachpunkt des Zaubers. Deswegen wechseln wir das Passwort auch täglich.", sagte Lupin und blickte sich um, ob etwas verdächtig wirkte. "Ron und Hermine sind übrigens schon seit zwei Tagen da. Hermine hat sich schrecklich aufgeregt, weil du ihr auf keinen ihrer Briefe geantwortet hast und hat an so gut wie jedes Mitglied des Ordens geschrieben, das sie kennt, ob alles mit dir in Ordnung sei. Sie hat jetzt auch eine Eule. Ich glaube Moody hat sie nur in das Hauptquartier gebracht, damit sie endlich aufhört alle deinetwegen in den Wahnsinn zu treiben."
"Es tut mir leid, dass ich nie geschrieben habe. Mir war nicht danach.", antwortete Harry, der sich Lupins Geschichte noch einmal durch den Kopf gehen lies und überlegte, ob dieser Kampf wirklich so gut ausgegangen war, wie dieser behauptete.
"Ich kann es nachfühlen Harry, glaub mir, jeder versteht dein Leid und niemand will dir verbieten zu trauern, aber stoße deine Freunde nicht von dir. Du brauchst sie jetzt.", meinte Lupin weise.
Da Harry wieder nicht wusste, was er antworten sollte, war er froh, als der Bus in diesem Moment mit einem lauten Knall zum stehen kam.
"Mrs. Fynn, wir wärn' dann jetzt in Hartford.", brüllte Stan der Frau mit ihren Kindern zu, "Sie könn' dann jetzt aussteigen. Ich hoffe sie fahren auch in Zukunft wieder mit uns!" Die ältere Tochter der Frau schien dieser Gedanke gar nicht glücklich zu machen und raste regelrecht zur Tür hinaus.
"Nadine Warte! Ich habe dir doch gesagt du sollst nicht alleine raus gehen. Nadine!", rief die Frau laut, nahm ihre kleine Tochter auf den Arm und stürzte Nadine nach, wobei sie noch über die Füße der schwarz gekleideten Frau stolperte und einen der beiden Männer anrempelte, die schon wieder am diskutieren waren und ihr nun böse hinterher blickten.
"Gott sei Dank, dann sind wir endlich als nächstes dran.", meinte Tonks seufzend und blickte sich nach Harrys Koffer um, der mittlerweile wirklich am anderen Ende des Busses lag und rief nach Hedwig. "Ich kann es kaum erwarten endlich zum Hauptquartier zu kommen."
"Jaaaa...", murmelte Harry nur, als draußen plötzlich eins der Kinder anfing gellend zu schreien und alle Lichter im Bus erloschen.
Und? Wie fandet ihr es? Gut? Schlecht? Bitte hinterlasst mir ein Zeichen! flehEgal. ob Lob oder Kritik!
