14. Oktober 1883

Heute geht es nun also los! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das in mein Tagebuch schreiben sollte, doch ich muß es einfach jemandem mitteilen.

Wir haben alles arrangiert.

Ich habe Laure gebeten sie besuchen zu dürfen und keine Stunde später kam das Telegramm, das mir eine Zusage brachte. Ich habe solange im Telegrafenamt gesessen, bis die Antwort kam, damit mein Onkel nichts davon merkte, doch dieser hatte nicht einmal gemerkt, daß ich aus dem Haus gegangen bin.

Alexandre hat für mich die Zugfahrkarten besorgt und ich habe in aller Heimlichkeit einen kleinen Koffer mit Sachen gepackt, die nicht auffallen würden, wenn ich sie mitnehme. Da die Reise zweieinhalb Tage dauert, habe ich nur einen Koffer mit vier Kleidern gepackt. Andere Sachen, die ich brauchen werde, muß ich mir dort vor Ort kaufen. Dafür habe ich sogar das Erbe meiner Eltern von der Bank geholt. Mum und Dad haben mir Geld hinterlassen, damit ich eine gute Aussteuer mit in eine Ehe bringen kann, doch dieses Geld benutze ich nun, um vor einer Ehe zu fliehen.

Alles muß in aller Stille ablaufen. Ich habe Alexandre seit vier Tagen nicht mehr gesehen, doch heute Nachmittag wird er mir Lebewohl sagen. Der Zug, den ich zuerst nehmen werde, fährt nach Philadelphia. Alexandre meinte, es wäre sicherer, wenn der Schaffner sich an eine jung Frau erinnern wird, die nach Philadelphia gefahren ist. Damit verwische ich meine Spuren.

Von Philadelphia geht es weiter nach Washington, dann über Columbus, und Indianapolis und nach St. Louis. Dort muß ich in eine Postkutsche umsteigen, denn Ava hat noch keinen eignen Bahnhof.

Ich hoffe, daß mich jemand von der Familie von der Kutsche abholt, denn ich habe ihnen nicht genau geschrieben, wann ich ankommen werde.

Sicher wohnen sie jedoch nicht weit außerhalb, so daß man gut zu Fuß gehen kann.

Die Abfahrt meines Zuges ist für halb drei vorgesehen. Bei unserem Frühstück habe ich Onkel Charles davon in Kenntnis gesetzt, daß ich heute Nachmittag in die Kirche gehen werde. Ich verstehe nicht, wieso er meine Lügen nicht durchschaut. Ich war nie ein sehr gläubiger Christ und bin in meinem ganzen Leben noch nicht an einem Dienstagnachmittag in die Kirche gegangen.

Heute also werde ich mein Leben hinter mir lassen und ganz von vorne beginnen. Ich bin sehr aufgeregt, obwohl ich noch zwei Stunden Zeit habe. Mein schwarzes Kleid trage ich bereits und auch der Mantel, der Schirm, mein Beutel und die Handschuhe liegen bereit auf meinem Bett.

Ich werde nun noch den Brief von Laure, den sie mir nach dem Tod meiner Eltern geschrieben hatte, der hinter dem Schrank vorholen. Dann geht die große Reise los.