„Habt ihr nichts zu tun, meine Mädchen?" fragte Laure und sah von Magkenzie zu Novlene und wieder zurück.

Die beiden saßen, obwohl sie sich nicht leiden konnten, beide im Wohnzimmer, Magkenzie in dem Sessel vor dem Kamin und Novlene auf einem Stuhl am Tisch.

„Ich lese gerade ein Buch, daß mir Elia ausgeliehen hat", sagte Magkenzie und zeigte Laure den Einband.

„Jules Verne. Das habe ich schon in meiner Jugend gelesen!" schwärmte Laure, doch dann wurde sie wieder normal.

„Ihr solltet das Wetter ausnutzen. Geht doch mit den Jungs zum Baseball spielen!"

Gerade als die Mutter das gesagt hatte, liefen Elia und Damian durch das Zimmer und verließen lachend das Haus.

Langsam stand Novlene auf und sah Magkenzie an. Diese wußte nicht genau, ob sie mitgehen sollte. Zum einem war das Buch recht trivial geschrieben und es machte ihr wenig Spaß es zu lesen, doch andererseits wollte sie nicht den Nachmittag mit Novlene verbringen. Diese war jedoch relativ freundlich zu ihr und sagte: „Komm schon, ich will nicht ewig warten!"

Laure sah den beiden Mädchen lächeln hinterher, als diese, mit etwas Abstand zwischen sich, die Straße hinunter gingen.

„Kennst du Baseball überhaupt?" fragte Novlene schließlich, um die Stille zu brechen.

„Natürlich! Ich habe es zwar noch nicht gespielt, doch ich habe schon oft zugesehen."

„Zusehen und mitspielen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Baseball ist nicht nur ein Spiel. Es ist eine Lebenseinstellung und..."

„...und verbindet Menschen mit den unterschiedlichsten Ansichten zu einer Mannschaft! Das war Al..."

„Reach!" rief Novlene und sah Magkenzie an.

„Wieso kennst du dich so gut mit Baseball aus?" fragte Novlene und nichts erinnerte mehr an die fröstelnde Stimmung, die eben noch herrschte.

„Ich liebe Baseball, seitdem ich es das erste Mal gesehen habe. Ich habe mir immer gewünscht nur einmal in meinem Leben es zu spielen!" reif Magkenzie aufgeregt.

„Al Reach! Er war der erste professionelle Baseball Spieler!"

„Nachdem er die Brooklyn Atlantics für Geld verlassen hatte, um für die Philadelphia Athletics zu spielen!" sagte Magkenzie und sah Novlene an.

„Es scheint, wir haben doch gemeinsame Interessen!"

Die beiden Mädchen kamen zu dem freien Feld neben der Schule, auf dem alle möglichen Spiele veranstaltet wurden.

Zwei Gruppen von Jungs hatten sich zusammengefunden und spielten schon seit einiger Zeit. Einige Mädchen standen am Rand und sahen gespannt dem Spiel zu.

Novlene und Magkenzie stellten sich zu ihnen.

Elia und Damian waren in verschiedenen Mannschaften und versuchten ihr bestes zu geben.

„Das Mädchen ganz rechts ist Florence Nordingham. Sie ist furchtbar in Elia verschossen, aber gleichzeitig sehr eitel. Obwohl sie 16 Jahre alt ist, liebt sie Elia und führt sie sich auf, als wäre sie eine Dame", erzählte Novlene und Magkenzie sah sich interessiert um.

„Das gibt es also auch hier?" fragte Magkenzie entgeistert, doch Novlene ging nicht darauf ein.

„Das Mädchen neben ihr heißt Patty Simmons. Sie kommt aus San Francisco und sie stottert so sehr, daß du sie kaum verstehen kannst. Sie ist jedoch ganz nett. An ihrer Seite steht ihr kleiner Bruder Ned. Er hat ganz dünne Knochen, deshalb darf er nicht mitspielen. Du kannst nicht mehr mitzählen, wie viele Knochenbrüche er schon hatte. Es waren Tausende."

Novlene mußte kurz stoppen, den ein jubelnder Ausbruch ging durch die Menge. Die Gruppe von Elia hatte gewonnen.

„Es war klar, dass sie gewinnen. Diese Mannschaft gewinnt immer!" schimpfte Novlene und sah diese finster an.

„Novlene!" rief plötzlich ein kleinerer Junge und kam auf sie zugelaufen. „Uns fehlen drei Spieler. Matt, Conny und Salmon sind nach Hause gegangen, weil sie sich verletzt haben. Jedenfalls war Matt verletzt. Die andern beiden hatten wohl keine Lust mehr zu verlieren. Du mußt bei uns einspringen. Wir brauchen einen guten Pitcher."

„John, ich will heute nicht spielen. Außerdem, wenn ihr mich habt, dann braucht ihr noch zwei weitere und ihr werdet keine finden."

„Novlene, bitte!" flehte der Kleine sie an und nun kam auch der Rest der Mannschaft auf die Beiden zu.

„Es ist ja gut! Ich werde spielen, wenn ihr eine Mannschaft zustande bringt!" stellte Novlene das Ultimatum.

„Du spielst Baseball?" fragte Magkenzie begeistert.

„Manchmal, früher habe ich sehr häufig gespielt, doch in meinem Alter; da könnten andere Leute etwas komisch schauen."

Magkenzie wollte sie noch etwas fragen, doch der kleine John stand wieder vor ihr und fiel ihr ins Wort.

„Wir brauchen nur noch einen Spieler! Novlene, bitte, kannst du nicht noch irgendjemand fragen?"

„Wen habt ihr denn noch zum Spielen gefunden?" fragte Novlene.

„Genove spielt noch mit, obwohl sie nicht sehr schnell laufen kann und treffen kann sie auch nicht."

„Na toll, dann werden wir doch gleich verlieren!" schimpfte Novlene.

„Ihr werdet sowieso verlieren!" rief Elia ihnen zu, als er sah, daß Novlene mitspielen wollte. „Mädchen können kein Baseball spielen! Das ist ein echter Männersport!" rief er und lachte höhnisch.

„Das werden wir ja sehen!" knirschte Novlene und sah Magkenzie an.

„Sie wird spielen!" sagte sie plötzlich und legte den Arm um Magkenzie. Diese war sichtlich verwirrt.

„Ich hab noch nie gespielt!" gab sie zaghaft zurück, doch Novlene wollte keine Widerworte hören.

„Unsinn, du hast gesagt, du würdest gerne einmal spielen! Heute ist die Chance deines Lebens. Nutze sie. Außerdem ist es nicht sehr schwer und du hast ein altes Kleid von mir an, also brauchst du dir wegen des Schmutzes keine Gedanken machen."

Magkenzie dachte nach. Es war wirklich ihr großer Wunsch gewesen einmal zu spielen, doch hier? Ohne Übung einfach auf das Feld gehen und spielen? Das war wirklich zu viel verlangt, doch es reizte sie schon ein wenig.

„Okay, kommt her!" rief Novlene und scharte ihre Mannschaft um sich. „Wir werden es denen jetzt zeigen!"

Sie hielt ihre Hand in die Mitte und die anderen legten ihre darauf. Nur Magkenzie zögerte einen Moment.

Dann sah sie in die Gesichter ihrer Mitspieler. Die Jungs und die beiden Mädchen wollten es ihren Gegnern zeigen, doch das konnten sie nur, wenn Magkenzie mitmachte.

Was soll's! dachte Magkenzie und legte kurzerhand ihre Hand auf die der anderen.

Novlene hatte die Aufgabe des Trainers übernommen. Sie sprach mit denen, die anfangen sollten und sah sich das Spiel zuerst von draußen an, bis sie schließlich Magkenzie losschickte.

„Mach sie fertig!" sagte sie und gab ihr den Schläger.

Zum ersten Mal in ihrem Leben hielt Magkenzie einen Baseballschläger. Das Holz fühlte sie kalt an und an einigen stellen hatte das Holz Unebenheiten.

Wie durch einen Schleier bekam sie ihre Umwelt mit.

Ihre Mannschaft rief ihr ermunternde Worte zu, deren Sinn sie jedoch nicht wahrnahm.

Sie ging zur ersten Base und stellte sich auf.

Oft hatte sie zugesehen, wie die Jungs im Park in Boston Baseball spielten. Es sah einfach aus, den Ball zu treffen, doch nach dem zweiten Fehlversuch wollte Magkenzie schon aufgeben.

Die Gegner führten mit drei Homeruns.

Wie in Zeitlupe spielte sich alles um sie herum ab. Der Werfer warf den Ball. Langsam flog er auf sie zu. Sie mußte es diesmal einfach schaffen.

Magkenzie stand immer noch steif auf der Base und sah ihrem Ball nach, bis ein Schrei sie aus ihren Gedanken riß.

„Lauf, Magkenzie! Lauf endlich los!" rief Novlene.

Magkenzie konnte sich keine Gedanken mehr über ihren geglückten Schlag machen. Sie raffte ihre Röcke und lief los.

Zur ersten Base, zu zweiten Base, dann kam die Entschädigung. Sollte sie weiterlaufen und versuchen die dritte Base zu erreichen?

Der Fänger kam ziemlich schnell angelaufen, doch Magkenzie hatte sich kurzerhand entschlossen weiterzulaufen.

Es war ein Wettlauf, den nur einer gewinnen konnte.

Zwei Meter, ein Meter, der Ball flog über Magkenzie in der Luft. Sie konnte fast seinen Luftzug spüren, doch so schnell wollte sie nicht draußen sein.

Sie sammelte noch einmal all ihre Reserven und setzte zum Endspurt an. Mit einem Fuß auf der Base angekommen war sie safe, bevor der Ball den Fänger erreichte.

Ihr Team jubelte.

Zwei Läufer waren ins Ziel gekommen und Magkenzie stand auf der dritten Base.

Novlene hatte nun keine andere Wahl, als Genove einzusetzen.

Diese traf gleich den ersten Ball. Dieser flog jedoch nicht weit genug, so daß Magkenzie, wie sehr sie sich auch angestrengt hatte, draußen war.

Die Enttäuschung war groß, doch Novlene fiel ihr um den Hals, als sie auf sie zukam.

„Du warst wunderbar! Und jetzt wirst du das gleiche noch einmal machen. Doch diesmal läufst du nicht so weit, bis du mit dem Fuß die Base berührst, sondern machst es so, wie die Jungs!" sagte sie und zeigte auf Elia, der gerade zu einem Sprung ansetzte und so sicher die Base erreichte.

„Das kann ich nicht!" sagte Magkenzie und schloß gleich von vornherein aus, so etwas jemals zu machen.

„Ich dachte, du würdest Baseball spielen wollen! Und das gehört nun eben dazu! Und jetzt entschuldige mich bitte!" sagte sie und ging zu ihrer Position.

Novlene war nun an der Reihe zu werfen.

Das Spiel war inzwischen zu einer kleinen Attraktion geworden. Von überall strömten Menschen herbei, die sich das Spiel ansehen wollten.

Zwischen all diesen Menschen war es so, als hätte Magkenzie Leon und Nathan gesehen, doch sie sagte sich, sie hätte sich geirrt.

Magkenzie sah sich in der kleinen Pause, den sie nun hatte, einmal richtig um. Fast das gesamte Dorf war auf den Beinen.

Phil, der in seinem feinen Anzug völlig fehl am Platz wirkte, stellte sich neben Magkenzie.

„Was für eine Aufregung für ein Spiel!"

„Ja, kaum zu glauben!" erwiderte Magkenzie.

Sie sah Novlene, die gesehen hatte, daß sie sich mit ihrem Verlobten unterhielt.

Gleich wird sie wieder böse auf mich sein! dachte Magkenzie, doch Novlene lächelte, winkte ihnen zu und widmete sich dann wieder dem Spiel.

„Ich denke du wirst gebraucht!" sagte Magkenzie, als der Spielzug zu Ende war und ein Junge mit blutendem Arm auf die Bank ging.

Der Junge etwa im selben Alter wie Magkenzie und schien sich richtig in das Spiel hineinversetzt zu haben.

„Bitte entschuldige mich!" sagte Phil und lief zu dem Jungen.

Magkenzie hatte keine Zeit den beiden nachzusehen, denn sie wurde auf das Spielfeld gerufen.

„Es ist so knapp gewesen!" sagte Novlene und ließ sich schwer atmend auf den Boden nieder.

„Aber es hat Spaß gemacht!" sagte Magkenzie und setzte sich mit in die Gruppe.

Die Jungs waren nicht ganz so zufrieden mit ihrem Spiel. Sie ließen die Köpfe hängen und sahen sich betrübt um.

Die gegnerische Mannschaft ließ es nicht aus, den Verlierern ihren Sieg so richtig zu zeigen.

Magkenzie sah, daß Novlene drauf und dran war auf ihren kleinen Bruder loszugehen, doch Magkenzie hielt sie zurück.

„Sie waren eben besser! Laß sie doch einfach!"

„Nein! Ich werde das nicht auf mich sitzen lassen!" rief Novlene und sprang auf.

Magkenzie sah ihrer Freundin verwundert nach, als Leon und sein Freund Nathan auf sie zukamen.

Sie stand auf und sah sie an.

„Ihr habt ganz gut gespielt", sagte Nathan. Magkenzie blinzelte in die Sonne.

„Es hätte wohl besser geklappt, wenn wir Läufer hätten, die größer als ein Meter sind!"

„Warum fragt ihr nicht ältere Jungs, ob sie mitspielen?" fragte Leon und deutete dabei auf eine Gruppe Jungs.

„Ich kenne sie doch gar nicht, außerdem... Magkenzie wurde jäh von Novlene unterbrochen.

„Wir fordern euch zu einer Revanche heraus!" rief sie der anderen Mannschaft zu.

Die kleineren Jungen murrten und blieben auf der Erde sitzen.

„Ihr braucht auch nicht mitspielen!" sagte Novlene und sah sich um. „Wir haben hier ein paar, die mitspielen möchten!"

Magkenzie drehte sich um. Novlene hatte acht junge Männer um sich gescharrt.

„Das ist nicht fair!" rief Elia. „Die sind viel älter als wir!"

„Dann wollt ihr die Revanche also nicht annehmen?" fragte Novlene und lächelte spitzbübisch.

Die Gegner berieten sich kurz.

„Natürlich würden wir sie annehmen, doch ihr seid zu wenige. Euch fehlt ein Spieler!" grinste ein blonder Junge.

„Nein,..." rief Novlene und drehte sich zu ihrem großen Bruder um. „Bitte Leon, nur einmal. Jeder weiß, wie gut du Baseball spielst! Du würdest uns zum Sieg verhelfen!"

„Ohne mich", wehrte ihr Bruder ab. „Das letzte Mal, als ich gespielt habe, mußte ich danach sechs Wochen auf Krücken gehen!"

Novlenes Gesicht wurde traurig. Alle ihre Hoffnungen schwanden, als ihr Blick an Nathan hängen blieb.

„Du hast keine Ausrede!" rief sie fröhlich.

„Ich habe lange nicht mehr gespielt, aber..." sagte Nathan.

„Aber was?" hakte Novlene nach.

„Wenn ihr mit mir spielen wollt, werde ich es versuchen!"

„Wir haben unseren neunten Mann!" jubelte Novlene und sofort bildete sich ein Kreis.

„Diesmal werden wir sie schlagen! Okay? Louis, du gehst als erster zum Schlag, dann Sam und dann Magkenzie!" Novlene teilte ihrer Mannschaft die Taktik mit, ehe sie auf das Spielfeld gingen und die Revanche begann.

„Ach, Magkenzie!" Novlene hielt ihre Freundin kurz zurück.

„Es geht hier zwar nur um die Ehre, doch vielleicht würde es uns helfen, wenn du ein bißchen mehr Einsatz zeigst."

„War mein Einsatz nicht gut genug?" fragte Magkenzie überrascht, doch an Novlenes Gesicht erkannte sie, welchen Einsatz sie gemeint hatte.

„Los geht's!" rief ein Junge, der als Schiedsrichter eingeteilt worden war und das Spiel begann.

Den halben Nachmittag hatten sie nun schon gespielt.

Die Menge johlte und feuerte ihren Favoriten an, doch die Lautstärke wurde in dem Augenblick schlagartig ruhig, als Magkenzie zum Schlagen ging.

Die Sonne stand tief, so daß sie ihre Augen abschirmte.

Sie stellte sich auf, schwang ein, zweimal den Schläger und schlug, als der Ball geworfen wurde.

„Daneben!" brüllte der Schiedsrichter neben ihr, so daß seine Stimme in ihren Ohren schrillte.

Magkenzie klopfte mit dem Schläger auf den Boden, so wie die Jungs im Park es immer getan hatten.

Diesmal mußte sie den Ball treffen. Es wäre peinlich für sie, wenn sie diesen Ball nun auch verschlagen würde.

Magkenzie stellte sich erneut hin, als plötzlich jemand angelaufen kam.

„Die könntest du brauchen!" sagte Nathan und setzte ihr seine Schirmmütze auf.

Magkenzie lächelte dankbar und zog sie sich tief ins Gesicht.

Sofort war ihr Sichtfeld erheblich erweitert.

Sie kniff die Augen zusammen, konzentrierte sich und ...schlug den Ball im hohen Bogen bis zur Kirche.

Sofort ließ sie den Schläger fallen und rannte los.

Sie rutschte auf dem sandigen Boden aus, fing sich jedoch wieder und lief weiter.

Diesmal hob sie nicht einmal ihr Kleid hoch. Sie holte mit den Armen Schwung und lief, was ihre Lungen hergaben.

Sie trat auf die weiß- markierte Fläche; die erste Base.

Sie sah aus den Augenwinkeln, wie ihre Gegner auf und ab hüpften und ihre Mitspieler anfeuerten.

Die zweite Base kam langsam auf sie zu. Louis erreichte das ZIEL? Und Same überquerte gerade die dritte Base, als der Ball im hohen Bogen zurückgeflogen kam.

Magkenzie hielt es für besser auf der zweiten Base stehenzubleiben und den nächsten Schlag abzuwarten.

Als nächster Schlagmann kam Nathan an die Reihe.

Schlagartig wurde es still, als er sich den Staub von den Schuhen klopfte und sich aufstellte.

Nathan schwang den Schläger und mit einem leisen Krachen flog der Ball weit über die Wiese.

Ihre Mannschaft jubelte, doch Magkenzie hatte keine Zeit sich für den guten Schlag zu freuen.

Die Gegner hatten den Ball schneller als erwartet wieder auf dem Spielfeld und es trennte sie nur noch ein paar Meter von der vierten Base.

Magkenzie hörte Nathan hinter sich laufen.

„Lauf Mag!" schrie Novlene aufgeregt.

Plötzlich geschah alles wie in Zeitlupe.

Es waren noch zwei Schritte bis zur vierten Base. Magkenzie drehte sich um und sah den Ball über sich fliegen.

Nathan war nun direkt neben ihr.

Es gab nur noch eine Möglichkeit die Punkte zu holen.

Ohne viel darüber nachzudenken sprang Magkenzie aus vollem Lauf heraus los.

Sie flog durch die Luft, die Mütze fiel ihr durch den Wind vom Kopf, doch darauf konnte sie nicht achten.

Die weiße Base kam langsam, unerträglich langsam auf sie zu.

Sie hatte ihre Hand ausgestreckt, um sie zu erreichen, als sie plötzlich hart auf dem Boden aufschlug und mit der flachen Hand auf die Base schlug.

Im selben Moment kam Nathan neben, fast auf ihr zum Liegen und der Fänger fing den Ball.

„Save!" rief der Schiedsrichter.

„Sie sind draußen!" schrie Elia und kam angelaufen.

„Sie sind sicher!" rief die andere Seite und kam nun auch angelaufen.

Nathan und Magkenzie lagen immer noch auf dem Boden, doch beide berührten die Base.

„Sie sind beide save! Seht ihr das nicht?" rief Novlene aufgeregt.

Magkenzie begann sich langsam wieder zu rühren.

Sie spürte den stechenden Schmerz, den die Knöpfe auf der Vorderseite ihres Kleides hinterlassen hatten.

Sie wischte sich ihre Haare, die ihr bei ihrem Sturz ins Gesicht geflogen waren, aus diesem und sah sich um.

Rechts neben ihr entbrannte ein erbitterter Streit darum, ob Nathan und Magkenzie sicher waren.

Links neben ihr lag Nathan und starrte sie an.

„Du hast meine Mütze verloren!" sagte er nur und stand langsam auf, nachdem auch die andere Mannschaft eingesehen hatte, daß er die Base berührt hatte.

Magkenzie erhob sich langsam und klopfte den Staub von ihrem Kleid.

Sie ging langsam zurück und hob die Mütze auf, die sie auf den letzten Metern verloren hatte.

„Danke!" sagte sie und gab sie Nathan zurück.

„Was für ein Endspurt!" rief Novlene und lief auf Magkenzie zu.

„Ich muß mir mindestens alle Rippen gebrochen haben!" sagte diese, doch insgeheim freute sie sich, das sie dadurch wertvolle Punkte gesichert hatten, die ihrer Mannschaft ganz am Ende den erhofften Sieg brachte.

„Hast du meinen Wurf gesehen!" rief Novlene aufgeregt und wäre fast vom Wagen gefallen, hätte Magkenzie sie nicht festgehalten.

„Du solltest ihn nicht auf dem Wagen nachmachen!" sagte Phil, der vorne saß und die beiden Mädchen nach Hause brachte.

„Es war ein wunderschöner Nachmittag", sagte Magkenzie leise und sah Novlene an.

„Ja, das war es. Wer hätte gedacht, daß ich dich heute Morgen nicht leiden konnte."

„Ja und wer hätte gedacht, daß ich dachte, du würdest dich nur über mich lustig machen wollen!"

„Ich dachte wirklich, du wärst eine eingebildete Großstadtdame, die sich nicht den Deut um uns schert", flüsterte Novlene leise.

„Und ich dachte du wärst ein hochnäsiges Bauernkind vom Land!"

Gemeinsam lachten die beiden Mädchen, bis die drei schließlich vor dem Haus der Garlands angekommen waren.

Phil sprang ab und half erst Novlene und dann Magkenzie vom Wagen.

„Möchtest du noch mithineinkommen?" fragte Novlene ihren Verlobten und nahm ihn, als er verneinte, in den Arm.

„Ihr werdet euch, jetzt da ihr euch so gut versteht, viel zu erzählen haben!" meinte er und küßte sie.

Novlene und Magkenzie standen Arm und Arm auf der Veranda und sahen ihm nach, wie er in der Abenddämmerung immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwand.

„Was hätten wir uns nicht alles schon anvertrauen können!" sagte Novlene fröhlich und zog Magkenzie mit sich ins Haus.