Als nächsten Zeugen rief Magkenzie Mrs. Bone auf. Ein leises Gemurmel ging durch den Raum.
Obwohl Magkenzie wußte, daß ihre Fragen sehr detailliert waren und von Mrs. Bone sehr viel verlangt wurde, daß sie das vor der ganzen Stadt erzählte, wußte sie auch, daß nur so die Wahrheit ans Licht kommen würde.
Als Mrs. Bone gerade erzählte, wie Mr. Lewis versucht hatte sie zu vergewaltigen und ihr Mann, Mr. Bone zurückgekommen war, um ihn aufzuhalten, sprang Mr. Lewis auf.
„Du kleine Schlampe! Du weißt doch gar nicht, was dir entgangen ist! Ich bring dich um, genauso, wie ich deinen Mann umgebracht habe! Ich werde dich verfolgen und dir das einzige nehmen, was dir noch geblieben ist!" schrie er aus sich heraus, doch bevor er noch weiterreden konnte, beendete Magkenzie ihre Fragen und auch der Staatsanwalt hatte keine mehr.
Nach einer kurzen Pause kam der Richter wieder herein, um das Urteil zu verkünden.
„Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Mrs. Fjodora Bone wird des Mordes an ihrem Mann, Mr. Michail Bone freigesprochen. Desweiteren wird Mr. Peter A. Lewis im Mord an Mr. Bone schuldig gesprochen und zu einer Strafe von zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Die Sitzung ist geschlossen!"
Magkenzie konnte es kaum glauben. Sie hatte geholfen Mrs. Bone nicht ins Gefängnis zu schicken. Die Glückwünsche und Umarmungen von Mrs. Bone, Novlene, Laure und Haidée empfand sie wie in Zeitlupe.
Sie wußte jetzt genau, was sie später einmal machen wollte.
Sie wollte Mädchen und Frauen helfen, die das gleiche Schicksal ereilt hat, wie sie. Sie wollte Frauen, wie Mrs. Bone helfen. Sie wollte Anwältin werden.
„Das war ihr erster Fall?" fragte plötzlich jemand hinter ihr.
„Ja, ich muß zugeben, daß ich sehr unerfahren auf diesem Gebiet bin!" antwortete Magkenzie dem Staatsanwalt.
„Darf ich sie zu einem Kaffee einladen?" fragte er, doch obwohl Magkenzie gerne zugesagt hätte, wollte sie ihren Erfolg mit ihrer Familie und ihrer Freundin Fjodora feiern.
Magkenzie saß dick eingepackt auf der Veranda. Drinnen war es ruhig geworden. Mrs. Bone war gegangen und die Kinder schliefen schon. Nur Laure und Ray waren noch auf, doch Laure fielen, als sie im Sessel saß, immer wieder die Augen zu und sie schlief für eine Weile ein, bis sie wieder hochschreckte und Ray jedesmal sagte, sie solle doch ins Bett gehen, wenn sie müde wäre, doch das wies sie jedesmal zurück.
Magkenzie fühlte sich unglaublich erlöst.
Es war nicht nur der Erfolg bei ihrem ersten Fall, sondern auch, daß sie ihr erstes eigenes Geld verdient hatte. Mrs. Bone wollte es sich nicht nehmen lassen, von dem Geld, daß sie über all die Jahre vor ihrem Mann versteckt hatte, sie zu bezahlen. Für eine Fahrt nach New Orleans, wo die Schwester von Mrs. Bone lebte, reichte es alle mal noch.
Weiße Wolken entstanden, wenn Magkenzie ausatmete, doch obwohl es bitterkalt war, empfand sie die Luft als rein und frisch. Sie liebte es draußen zu sitzen und ihren Gedanken nachzuhängen.
Sie schloß die Augen, obwohl sie nicht müde war.
Nach einiger Zeit merkte sie, daß sie nicht mehr alleine auf der Veranda war. Jemand kam leise auf sie zu.
Sie hielt die Augen immer noch geschlossen, bis sie plötzlich einen warmen Atem auf ihrer Haut spürte. Sie wollte diesen Augenblick nicht zerstören und hielt die Augen geschlossen, bis sie plötzlich sanft auf die Lippen geküßt wurde.
Die fremden Lippen verschwanden wieder und neugierig öffnete sie die Augen.
Nathans Gesicht war direkt vor ihrem, als sie wisperte: „Ich wußte, daß du es bist!"
Sie löste ihre Hände aus der Decke und zog seinen Kopf näher zu ihrem.
Behutsam berührte sie mit ihren Lippen seine. Sie wollte sich gerade wieder zurückziehen, als Nathan sie festhielt und seine Zunge zwischen ihren Lippen hindurch schob.
Magkenzie war überrascht, doch als seine Zunge ihren Mund erkundete und langsam und zärtlich über ihre Zunge fuhr, blieb sie wo sie war und ließ es mit sich geschehen.
„Hmm, das war mal was anderes", schnurrte sie, als sie sich voneinander lösten und Nathan sich neben sie auf die Bank setzte.
Liebevoll legte er den Arm um sie und gemeinsam saßen sie einfach still nebeneinander und ließen den Augenblick ewig dauern.
