Novlene hatte nichts dagegen. Ihr war furchtbar kalt und die Aussicht, wieder in ihr eigenes, schönes, weiches Bett zu kommen, ließ sie aufhorchen.

Sie schlurfte langsam die Treppe hinauf, während Laure in der Küche schon am Wasser kochen war.

Oben angekommen zog sie sich schnell das lange, baumwollene Nachthemd an und schlüpfte unter die Decke.

Sie konnte kaum die Augen offen halten, denn der sonnige Morgen, brannte in ihnen. Sie hörte, wie vorsichtig die Tür geöffnet wurde und Laure hineinkam.

„Ich habe dir eine Bettpfanne gemacht!" sagte sie und legte sie zu Novlenes Füßen. Obwohl diese mit kochendem Wasser gefüllt war, fror sie und klapperte mit den Zähnen.

Laure zog die Vorhänge zu und sofort wurde es dunkler im Raum.

Es klopfte.

„Komm herein Phil. Wie es aussieht, als hättest du deinen ersten Patienten in deiner eigenen Familie!" sagte Laure und stellte sich neben Novlene ans Bett.

Mit halb geöffneten Augen verfolgte Novlene, was ihr Verlobter mit ihr machte.

Nachdem er sie untersucht hatte, kam er zu einem logischen Schlußpunkt.

„Du hast dich wahrscheinlich gestern abend erkältet. Am besten bleibst du im Bett und kurierst dich aus", sagte er und packte seine Instrumente ein.

Laure und Phil verließen das Zimmer und ließen Novlene alleine.

Sie konnte gerade noch hören, wie Laure ihn nach einer Lungenentzündung fragte, doch die Antwort hörte sie nicht mehr.

„Schafft doch das Wasser aus dem Zimmer!" rief Novlene immer wieder, während sie neben ihrem Bett stand und hin und her lief.

So schnell sie konnte lief Laure die Treppe hinauf. Magkenzie folgte ihr und gemeinsam versuchten sie Novlene wieder ins Bett zu legen.

„Was ist mit ihr?" fragte Magkenzie schockiert, mit Blick auf Novlene, die wild gestikulierend im Bett saß und wirres Zeug redete.

„Sie hat Fieberträume!" sagte Laure nur und deckte Novlene zu.

„Hol mir Handtücher und eine Schüssel mit Wasser. Wir müssen ihr Wadenwickel machen. Und laß Ray zu Phil fahren. Das Fieber ist sicher gestiegen!" wies Laure Magkenzie an und sah dann, als diese das Zimmer verlassen hatte, Novlene liebevoll an. Laure setzte sich auf das Bett und zog ihre Tochter in ihre Arme.

Novlene wurde wieder ruhiger und schloß ihre Augen.

Schweißperlen standen ihr auf der Stirn, doch sie zitterte, als wäre ihr kalt.

Im nächsten Moment war es so, als wäre ihr warm und sie versuchte mit fahrigen Bewegungen ihr Nachthemd von ihrem Körper zu ziehen. Das Baumwollnachthemd war schon naß geschwitzt, so ging Laure zum Schrank und zog Novlene ein Neues an.

„Hier, ich habe alles!" rief Magkenzie und stellte alles auf dem Nachttisch ab.

Doch auch die Wadenwickel ließen das Fieber nicht senken.

Phil kam erst spät am Nachmittag, da er bei einer Patientin war, die weiter außerhalb wohnte.

Novlenes Zustand hatte sich nicht verbessert. Sie lag leicht röchelnd auf dem Bett und versuchte immer wieder sich von der dicken Daunendecke zu befreien. Laure saß die ganze Zeit an ihrer Seite.

Ab und zu schlug Novlene die Augen auf und Laure gab ihr etwas zu trinken.

Immer wieder tupfte sie der jungen Frau die schweißnasse Stirn ab und hielt ihre Hand, damit sie wußte, daß jemand an ihrer Seite war.

Laure schreckte hoch. Sie hatte nur kurze Zeit geschlafen, denn die Sorge um Novlene ließ sie nicht los.

„Wie geht es ihr?" fragte Magkenzie, die gerade den Kopf durch die Tür gesteckt hatte.

„Nicht besser!" sagte Laure leise und stand auf.

Magkenzie kam zu ihr und nahm sie in den Arm.

„Du solltest ins Bett gehen", sagte sie. „Ich werde bei ihr bleiben und wenn etwas ist, dann wecke ich dich. Es ist schon spät und du kannst nichts tun, wenn du nicht geschlafen hast."

„Vielleicht hast du recht. Wenn ich so übermüdet bin, kann ich ihr auch nicht helfen."

Magkenzie drückte Laure noch einmal, ehe diese das Zimmer verließ und Magkenzie mit Novlene allein ließ.

„Was machst du bloß?" fragte Magkenzie ihre Freundin und setzte sich an ihr Bett. Der Mond schien durch den winzigen Spalt in den Vorhängen in das Zimmer und ließ Novlenes schweißnasses Gesicht gespenstisch wirken.

Die Öllampe flackerte kurz auf, als ein kalter Windhauch durch das Zimmer zog.

Magkenzie fröstelte.

„Ich warne dich!" sagte sie scharf. „Wenn du jetzt stirbst, werde ich dir das nie verzeihen. Endlich habe ich eine Freundin gefunden, eine Freundin wie dich, die immer zu mir hält und mit der ich noch viele gemeinsame Stunden verbringen möchte. Ich möchte dir noch so viele Geheimnisse anvertrauen. Ich möchte dir sagen, daß ich mich in Nathan verliebt habe und nicht weißt, was ich machen soll. Du sollst mir Ratschläge geben und ich will dich heiraten sehen. Ich möchte deine Brautjungfer sein und dir an deinen schönsten Tag im Leben zur Seite stehen."

Sie nahm den Lappen und wischte Novlene über die Stirn.

Als wäre diese liebevolle Berührung für ihren Körper, stöhnte sie auf und drehte den Kopf weg, doch ihre Augen blieben geschlossen und der Atem ging stoßweise.

Vorsichtig nahm Magkenzie Novlenes Hand.

„Wir werden Freundinnen fürs Leben bleiben, das verspreche ich dir!" sagte sie.