„Novlene! Hilf mir!" rief Phillip und kam mit der bewußtlosen Magkenzie auf dem Arm in die Praxis.
„Oh, mein Gott. Magkenzie!" rief Novlene, wurde jedoch durch einen Blick von ihrem Verlobten zur Ruhe gebracht.
„Ich habe gewußt, daß etwas Schlimmes passiert ist, als wir Inna weinend vor dem Haus gefunden haben", sagte sie, doch Phillip hörte ihr nicht zu.
Er war gerade dabei Magkenzies Kleid aufzuschneiden und legte eine große Wunde frei.
„Er hat sie mit einem Schrotgewehr angeschossen!" sagte Phillip voller Bitterkeit und holte sein Besteck.
„Novlene, hol etwas Chloroform und betäube sie damit. Ich muß ihr die Kugeln entfernen und dann die Blutung stillen."
Phillip begann vorsichtig die Wunde mit einem sauberen Tuch abzuwischen, um zu sehen, wo die Einschußlöcher vorhanden waren.
Magkenzies Gesicht war kreidebleich und ihr Atem ging stoßweise.
Novlene wischte ihr vorsichtig mit einem feuchten Tuch den Schweiß von der Stirn.
Phillip begann in mühevoller Kleinarbeit jede einzelne Schrotkugel aus Magkenzie zu entfernenund ließ sie mit einem leichten, klirrenden Geräusch in die Schüssel fallen. Es dauerte seine Zeit, bis er schließlich aufatmete.
„Wird sie es schaffen?" fragte Novlene ihren Verlobten.
„Sie ist zäh, du kennst sie doch. Aber es wird lange dauern, bis sie wieder auf die Beine kommt", sagte er und begann die Wunden zu vernähen.
„Verdammt!" rief Phillip und preßte ein Tuch auf eine erneut stark blutende Wunde.
„Was ist passiert?" fragte Novlene panisch.
„Sie muß mehr abbekommen haben, als ich angenommen hatte!" zischte Phillip und öffnete die Wunde weiter.
„Er hat eine Niere getroffen!" sagte Phillip und suchte mit seiner Pinzette nach der Kugel.
„Phil, sie atmet kaum noch!" rief Novlene, als sie bemerkte, daß ihre Freundin von ihnen ging.
„Ich habe...sie gleich...muß nur noch..." preßte Phil mit zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Was hast du vor?" fragte Novlene entsetzt, als Phil drauf und dran war sein Skalpell noch einmal zur Hand zu nehmen.
„Die Niere ist zu stark verletzt. Ich werde sie entfernen müssen, um ihr auch nur einen Hauch einer Chance zu lassen!"
Novlene sah angespannt zu, wie ihr Verlobter ihre Freundin aufschnitt.
Das völlig zerstörte Organ, das er nach kurzer Zeit in eine bereitgestellte Schüssel legte, schien die letzte Hürde zu sein.
„Wird sie ohne Niere leben können?" fragte Novlene, als Phil die Wunden zunähte und vorsichtig mit Verband bedeckte.
Er prüfte Magkenzies Atem, doch dieser hatte sich normalisiert und nun schien es, als wäre fast ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht gekommen.
„Wird werden froh sein, wenn sie überhaupt noch einmal aufwacht. Novlene, du mußt damit rechnen, daß sie stirbt ", sagte er und nahm seine Geliebte in den Arm.
Es war ihnen egal, ob ihre Hände noch blutig waren, sie mußten sich einfach gegenseitig Kraft geben.
„Ich werde zu Nathan gehen und ihn fragen, ob er Mum holen kann!" sagte Novlene und ihr Gesicht bekam einen ganz neuen Ausdruck. Sie wirkte stark und entschlossen, denn sie wollte ihre einzige Freundin nicht sterben lassen.
