Vielen, vielen Dank an NACHTIGALL, die mir so viele Reviews geschrieben hat.

Ich hoffe, du magst die Fortsetzung und liest weiter.

Vorsichtig klopfte es an der Tür.

Magkenzie richtete sich langsam etwas auf und bat denjenigen hereinzukommen.

Sie hatte gedöst, doch da sie den ganzen Tag im Bett lag, war sie nur noch selten müde.

„Nathan!" rief sie erfreut, als hinter einem großen Blumenstrauß sein Gesicht auftauchte.

„Ich hoffe, dir geht es besser?" fragte er und stellte die Blumen in die Vase auf den Nachttisch.

„Ein bißchen. Immerhin ist es jetzt schon drei Wochen her", erwiderte sie und bat ihn sich zu setzen.

Vorsichtig, als würde er die Stimmung zerstören, setzte sich Nathan auf die Bettkante.

„Es ist so langweilig hier!" sagte Magkenzie und nahm seine Hand. „Es ist schön, daß du mich besuchst."

„Draußen ist es Frühling geworden. Die Blumen blühen und es duftete überall nach Frische. Ich soll dir von allen liebe Grüße ausrichten!"

„Von wem?"

„Na, von allen. Jedenfalls von allen, die ich heute getroffen habe und die mich gefragt haben, für wen die Blumen sind."

Eine Pause entstand.

Magkenzie wußte nicht, ob sie seine Hand noch weiter halten sollte, oder nicht. Nathan unterbrach schließlich das peinliche Schweigen.

„Dein Onkel ist auf dem Friedhof beerdigt worden."

„Ich weiß", sagte Magkenzie leise. „Novlene hatte es mir gesagt."

„Du verzeihst ihm?" fragte Nathan ungläubig.

„Ja, ich denke schon. Immerhin hatte er Gründe. Er war verzweifelt. Verzweifelte Menschen tun viele komische Dinge. Sieh mich an. Ich bin durch den halben Westen gefahren, um aus Boston wegzukommen!"

„Weißt du schon, was du nun machst? Ich meine, jetzt wo dein Onkel tot ist, könntest du wieder nach Boston gehen!"

„Nein, ich denke, ich werde hier bleiben!" Bei diesem Satz erhellte sich Nathans Gesicht.

„Ich werde ab und zu nach St. Louis fahren, weil ich meinen Wunsch Anwältin zu werden, noch nicht aufgegeben habe."

„Das ist wunderbar!" sagte Nathan und kam ihr immer näher. Vorsichtig, als würde er sie verletzen, berührte er ihre Lippen.

Nathan schob seinen Arm langsam hinter Magkenzies Rücken und zog sie näher zu sich, bis es plötzlich klopfte und gleich darauf die Tür aufgerissen wurde.

„Oh, ich wußte nicht...", stotterte Phillip sichtlich verlegen und sah die beiden an.

Magkenzie trennte sich lächelnd von ihrem Geliebten und sah den Arzt an.

„Komm doch herein, Phil."

„Ich wollte euch nicht stören, aber ich war gerade in der Gegend und wollte nach Magkenzie sehen", versuchte er sich herauszureden.

Nathan stand langsam auf und ging zur Tür.

„Ich darf dich wieder besuchen?" fragte er, doch es war mehr eine Aussage, als daß er auf eine Antwort wartete.

„Dann machen wir weiter, wo wir aufgehört haben", sagte Magkenzie.

Nachdem Nathan gegangen war, schlug sie die Bettdecke zurück und ließ Phillip ihre Wunden ansehen.

„Wehe du erzählst es irgend jemandem!" sagte Magkenzie, doch Phillip versicherte ihr mehrmals, er werde es niemandem, selbst Novlene nicht erzählen.

„Na dann ist ja gut", erwiderte Magkenzie und setzte sich zurück in ihre Kissen.

„Wie fühlst du dich?" fragte Phillip und horchte sie ab.

„Wie jemand, dem man eine Niere entfernt hat. Es fühlt sich an, als hätte ich ein riesengroßes Loch im Bauch. Ich kann kaum sitzen, so schlapp bin ich und essen kann ich nichts, weil mir furchtbar übel dabei wird."

„Na dann ist ja gut. Mit jedem Tag wird es dir besser gehen. Wir müssen nur aufpassen, daß du dir keine Infektion holst. Denn das wäre dein sicherer Tod. Ich schlage vor, du bleibst noch zwei Wochen im Bett und fängst dann wieder langsam an."

„Na, wenn es sonst nichts ist!" erwiderte Magkenzie und erstarrte bei Phillips Reaktion.

„Sarkasmus! So etwas kenne ich bei dir gar nicht!" sagte er.

„Das ist etwas Neues, was ich mir in den letzten Wochen angeeignet habe."

Die nächsten Wochen waren lang und ohne viel Aufregung. Magkenzie sagte Alexandre ab, daß sie nicht zu seiner Hochzeit kommen würde und war sichtlich enttäuscht, daß sie ihre neu- gewonnene Freundin Victorien nicht an ihrem aufregendsten Tag im Leben begleiten durfte.

Magkenzie begann langsam wieder am richtigen Leben teilzunehmen.

Nachdem Phillip ihr es erlaubt hatte, stand sie seit Wochen wieder aus ihrem Bett auf. Jeder Schritt, jede kleine Bewegung taten zwar weh und erschöpften sie schnell, doch allein der Gedanke wieder allein in ihrem Zimmer zu sein, ließen sie weitermachen.

Sie half Novlene beim Aussuchen der Stoffe für die Kleider, besprach mit Laure das Essen, das es zur Hochzeit geben sollte und saß oft im Garten, um den Frühling zu genießen.

Ab und zu kam Nathan vorbei, doch ihre Beziehung war immer noch ein Geheimnis.

„Ich weiß nicht, welche Farbe ich wählen soll!" rief Novlene aufgeregt und kam nach draußen gelaufen.

Magkenzie saß vor dem Haus, schälte Äpfel und beaufsichtigte Inna, die mit ihrem Holzpferd auf dem Hof spielte.

„Sag mir, soll ich limettengrün nehmen oder etwas dezentes wie veilchenlila?"

„Für die Kleider der Brautjungfern?" fragte Magkenzie und überlegte.

„Ich würde das Lilane nehmen", entschied sich Magkenzie, doch damit war Novlene nicht zufrieden.

„Wieso lila? Jeder hat lila!" rief sie, nahm ihre Stoffmuster und verschwand ins Haus.

Inna erstarrte kurz in ihrem Spiel und sah ihrer Schwester nach, doch nachdem Magkenzie nur mit den Schultern gezuckt hatte, brabbelte sie weiter darauf los und lief wackelnd mit dem Holzstock über die Wiese.

Magkenzie legte, nachdem sie alle Äpfel geschält hatte, die Schalen und die Schüssel weg und streckte sich.

Unbewußt zuckte sie zusammen und strich sich über die Wunde.

„Ich dachte, es würde dir wieder gut gehen", sagte plötzlich eine Stimme ganz nah an ihrem Ohr und küßte sie vorsichtig auf die Wange.

Magkenzie drehte sich ihrem Verehrer zu und blickte direkt in einen riesigen Strauß Blumen.

„Nathan!" rief sie fröhlich und schlang beide Arme um ihn, als er endlich neben ihr auf der Bank saß.

„Hast du mich vermisst?" fragte er und sah sie von der seite an.

„Natürlich! Du hast dich ganze fünf Tage nicht mehr blicken lassen!" sagte sie gespielt böse.

„Aber jetzt bin ich wieder da!" erwiderte er und legte den Arm um sie.

Inna, die etwas weiter abseits gespielt hatte, entdeckte Nathan jetzt erst und lief aufgeregt auf ihn zu.

Die traute Zweisamkeit war damit gestört.

Nathan sprang auf, nahm die heranlaufende Inna in die Arme und wirbelte sie durch die Luft.

Durch das kindliche Geschrei wurden auch die anderen Mitglieder des Hauses angelockt und Laure, die gerade dabei war einen Apfelkuchen zu backen, lud Nathan sofort ein mit ihnen zu essen.

Den verschwörerischen Blick, den Novlene Magkenzie in Hinblick auf die Blumen zuwarf, bemerkte er nicht.