Narn
Gil Galad
von Earonn
Kapitel XXI – Der
Krieg des Zorns II –
Begegnungen
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Danksagung:
wieder einmal den Herrinnen der Beta-Balrogs, Fymhrisfawr und Ute.
Versucht euch vorzustellen, wie es war, als wir beim Grillen
zusammensaßen und die beiden dieses Kapitel gemeinsam
durchgingen, so eine Art Extreme-Beta-Reading! :)
Widmung:
für Bladorthin, mit allen lieben Wünschen zum
Geburtstag!
umamt dich feste und überreicht einen
Geburtstags-Ork-Keks mit der Zuckerguß-Aufschrift „Fëanor
ist doof!"
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
A/N:
Ich entschuldige mich für die etwas verwirrende
Verwendung des Titels ‚Hoher König'. Eigentlich sollte aber
jeweils aus dem Zusammenhang klar werden, ob ich nun von Finarfin,
dem Hohen König aller Noldor, oder von Gil Galad, dem Hohen
König der Noldor Mittelerdes spreche.
OFinduilas:
Du siehst mich immer noch tief errötet. Schlußendlich ist
es ja genau das, was man als Autorin seinen Lesern vermitteln möchte.
Vielen Dank auch für die Werbung. ;)
Bestimmt
werden dir die anderen Autorinnen auch viel Freude machen.
Biriniu:
das war das erste mal, daß sich jemand dafür
entschuldigte, mir so eine liebe Review geschrieben zu haben...
:)
Jojo: Oh, Du eifrigste aller Reviewerinnen! Und
immer hochgeschätzt. Ich muß doch mal die Scharte
auswetzen und mich deinem neuesten Werk
widmen...
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
XXI
– Der Krieg des Zorns II – Begegnungen
Der Herbst
war früh gekommen in jenem Jahr, in dem der Krieg des Zorns
begann. Das Land war in Nebel gehüllt und Frost lag auf den
Wiesen, eine Welt aus weiß und hellgrau.
Die dumpfen
Geräusche der Reiter waren zu hören, lange ehe man sie
sehen konnte, und nur langsam wurden ihre Umrisse sichtbar. Es war
nicht einmal zu erkennen, ob es sich um Elben oder Menschen handelte,
denn alle trugen dicke Kleidung gegen die kalte, trockene Luft. Der
Atem der Pferde hing weiß um ihre Nüstern.
Doch
obwohl das Land ringsum praktisch unsichtbar war, wußte der
Anführer des kleinen Trupps genau, in welche Richtung sie sich
wenden mußten. Er kannte den Fluß, der neben ihrem Pfad
leise sang, die Felsen und die dunklen Wälder seit langer Zeit.
Neu für Gil Galad, obwohl nicht überraschend, war der
Schmerz, den er in seinem Herzen empfand, während er durch diese
Lande ritt.
Denn sie folgten dem Fluß Narog durch den
Taur-en-Faroth. Und alles hier barg Erinnerungen, einige freundlich,
die meisten kummervoll. Er wäre niemals hierher zurückgekommen,
wäre es nicht ein ausgezeichneter Platz für ein Treffen
gewesen. In der Weite Beleriands war Nargothrond ein herausstechender
Ort – wenn man wußte, wo man zu suchen hatte.
Er fand
seine Tante an den zerschmetterten Toren wartend. Sie schenkte ihm
und seinen Begleitern keine Aufmerksamkeit, sondern blickte
nachdenklich in die dunklen Tiefen seines früheren Zuhauses.
Noch am diesseitigen Ufer des Flusses zügelte Gil Galad sein
Pferd. Er konnte es nicht über sich bringen, jene verfluchte
Brücke zu überqueren.
Auf halbem Wege zwischen Toren
und Fluß beobachtete Celeborn die Ankunft seines Neffen. Auch
er fühlte sich unbehaglich. Mehr als fünfzig Jahre waren
seit dem Fall von Nargothrond vergangen, doch noch immer kündete
der Ort von dem Kampf und dem Untergang der Festung Finrod Felagunds.
Schwerter und Speere und Pfeilspitzen lagen ringsum; und während
elbische hroar schnell vergingen, nachdem die fëa sie verlassen
hatten, so war dies bei den Orks nicht der Fall. Ihre Knochen lagen
überall verstreut, einige Brustkörbe zerquetscht, brutal
genug um zu verraten, was mit ihnen geschehen war. Und da waren noch
die Abdrücke von Drachenklauen im felsigen Boden.
Celegorm
war sehr darauf bedacht, diesen unreinen Ort zu verlassen.
Während
er sich Orodreths Sohn näherte, wurde dem Elbenherrn plötzlich
die Befangenheit bewußt, die er in der Gegenwart des anderen
empfand. Zu vieles hatte sich geändert. Bei ihrer letzten
Begegnung war der jüngere Elb lediglich der Sohn des Königs
von Nargothrond gewesen, und er selbst einer der engsten Berater
Thingol Graumantels. Jetzt war er praktisch ein Niemand. Die Elben
Eriadors mochten ihn ihren Herrn nennen, doch in Wahrheit folgten sie
ihm und Galadriel, weil sie beide einen gewissen Ruf als ehemalige
Bewohner Doriaths besaßen. Einen Ruf, den sie benutzt hatten,
um die verstreuten Stämme und Familien der Nandor, Sindar und
wenigen übriggebliebenen Noldor östlich der Ered Lindon zu
vereinen. Jedoch besaßen sie kein eigenes Reich. Sie waren
Flüchtlinge und Exilanten, weiter nichts.
Gil Galad hingegen
wurde nun der Hohe König der Noldor Mittelerdes genannt. Und er
trug diese Würde wie alle Könige der Noldor zuvor – mit
zurückhaltendem Stolz und einem ausgeprägten
Verantwortungsgefühl. Wahre Anführer waren sie, die
Abkömmlinge Finwes, den Celeborn vor langer Zeit als Kind selbst
gesehen hatte.
Als er dicht genug herangekommen war, grüßte
er den Hohen König respektvoll, wie es ihm zustand. Gil Galad
nahm die Ehrbezeugung des älteren Elben mit einem leichten
Nicken zur Kenntnis.
‚Er ist gereift', dachte Celeborn. ‚Der
Schmerz, den er erleiden mußte, und die Pflichten als Hoher
König haben ihn an Verstand und Fea gestärkt. Seltsam,
niemals habe ich in ihm einen Herrscher gesehen, nicht nach der
Nachricht vom Tode seines Vaters und nicht einmal, als wir vom Fall
Gondolins hörten. Doch es paßt zu ihm. Vielleicht ist er
der König, den die Noldor in diesen Zeiten brauchen.'
Gil
Galad lenkte sein Pferd neben jenes von Celeborn und
verwandtschaftliche Freundlichkeit ersetzte die formelle Höflichkeit
des Königs.
„Es tut gut, dich zu sehen, Onkel."
Er
stellte Celeborn seine Begleiter vor. Der Elb aus Doriath kannte
natürlich Círdan, und an Gildor Inglorion erinnerte er
sich von seinen Besuchen in Nargothrond. Der ernsthafte, dunkle
Erestor, offensichtlich aus der Sippe der Nandor, und der Hauptmann
von Gil Galads Wache, Argon, ein junger, wachsamer Sinda, waren ihm
hingegen unbekannt. Während er den Rest der Gruppe musterte,
entging ihm durchaus nicht, daß sein Neffe darauf verzichtet
hatte, Celebrimbor mitzubringen. Vermutlich war es auch gut so.
Galadriel beobachtete die Begrüßung zwischen ihrem
Gatten und ihrem Neffen mit nachsichtiger Erheiterung. Seit seinem
ersten Besuch in Doriath waren Gil Galad und Celeborn stets gut
miteinander ausgekommen. Kaum verwunderlich, da die beiden sich in
ihrem ruhigen Charakter so sehr ähnelten.
Ihr Blick wanderte
zu dem Banner, das einer der Reiter trug. Zwölf silberne Sterne
auf blauem Grund, seit Gondolins Fall das Zeichen des Hohen Königs.
War es nicht seltsam? All die Jahre in Valinor hatte sie sich
danach gesehnt, ein eigenes Reich zu regieren. Es war für sie
einer der wichtigsten Gründe gewesen, die Geheiligten Lande zu
verlassen. Heute erlitt sie in doppelter Hinsicht ein Exil, und
dieser Elb, der niemals das Licht der Zwei Bäume gesehen hatte,
beinahe noch ein Kind in ihren Augen, war Hoher König der Noldor
in Beleriand. Genau wie ihrem Vater Finarfin, der als einziger von
Finwes Söhnen niemals nach der Hohen Königswürde
gestrebt hatte, war auch Gil Galad der Titel beinahe gegen seinen
Willen verliehen worden.
Sie kam über die Brücke und
gesellte sich den anderen Elben hinzu.
„Ich grüße
Euch, mein Hoher König Gil Galad."Sie mochte bei weitem die
Ältere von ihnen sein, doch er war ihr König, ebenso wie
auch das Oberhaupt ihres Hauses hier in Mittelerde –selbst wenn es
nur aus ihnen beiden bestand.
„Und ich dich, Galadriel, Herrin
von Eriador. Tante", fügte er weniger förmlich hinzu, ehe
er eine ihrer Hände faßte.
Neugierig, wie Königswürde
und Schicksal den Sohn ihres Neffen Orodreth verändert haben
mochten, blickte sie tief in seine Augen, machte Gebrauch von dem
Wissen, das Melian ihr vor so langer Zeit vermittelt hatte – und
schrak beinahe vor dem Haß zurück, den sie in seinem Fea
wahrnahm. So viel, so tief, so leidenschaftlich! Im Zaum gehalten,
ja, aber beängstigend machtvoll.
Galadriel unterdrückte
den aufsteigenden Schauder mit einem halbherzigen Lachen.
„Der
Titel ist ziemlich übertrieben, Gil Galad. Einige der Elben
jenseits der Berge haben beschlossen, unseren Ratschlägen zu
folgen. Das dürfte mich kaum zu ihrer Herrin machen."
Ein
Achselzucken. „Es ist nicht das Blut, sondern das Handeln, das den
Herrn ausmacht. Die Sindar Eriadors haben dich sicher nicht aufgrund
unserer entfernten Verwandtschaft zu König Thingol angenommen."
Er blickte über ihr Schulter zu Nargothronds zerstörten
Toren. Von hier aus waren sie nur schwache, grausame Schatten im
Nebel. Dann lenkte er sein Pferd etwas zu energisch zurück auf
den Weg.
„Laßt uns aufbrechen. Es ist noch immer eine
weite Reise und...es tut weh, es zu
sehen."
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Sie
folgten dem Narog flußaufwärts und überquerten dann
die Talath Dirnen nach Osten. Entlang des Malduin und weiter
nordöstlich, führte ihr Ritt schließlich durch das
weite Tal zwischen den Ered Wethrin und den westlichen Crissaegrim,
den großen Sirion zu ihrer Linken. Keiner von ihnen konnte
seine Tränen unterdrücken, als sie an Tol Sirion
vorbeiritten – so schnell, wie ihre Pferde nur galoppieren
konnten.
Der Staub der Anfauglith bedeckte Reiter und Tiere
gleichermaßen, als Galadriel ihre Stute auf dem Kamm eines
niedrigen Hügels zügelte. Obwohl sie wußte, was sie
erwartete, raubte der Anblick ihr dennoch den Atem.
Gil Galad
schnappte an ihrer Seite nach Luft, als er das gigantische Feldlager
sah, das sich unter ihnen ausdehnte. Es erschien unmöglich, daß
Morgoth dem Heer aus Aman widerstehen können solle.
„Wenn
wir eine solche Streitmacht bei der Dagor Bragollach oder der
Nirnaeth gehabt hätten...", flüsterte er.
Sie
machten keinen Versuch, ihre Anwesenheit zu verbergen, und bald schon
kamen einige Reiter auf sie zu, ihre Speere senkend, als sie ihre
eigene Sippe erkannten. Ihre schönen Gesichter mit leuchtenden
blauen Augen waren eingerahmt von goldenem Haar, und sie waren
wohlbewaffnet. Zum ersten mal in seinem Leben sah Gil Galad
Angehörige des Volkes der Vanyar. (1)
„Wer seid ihr?",
fragte der Anführer des Trupps auf Quenya und wiederholte die
Frage gleich darauf in beinahe fehlerlosem Sindarin. Sein Tonfall war
weniger höflich als vielmehr erfüllt von Neugierde. Auch er
war noch niemals ihren entfernten Verwandten aus den Äußeren
Landen begegnet.
Gil Galad ritt zur Spitze ihrer Gruppe. Er
richtete sich auf, und plötzlich war er kein wegmüder
Reisender mehr, sondern der stolze Führer seines Volkes.
„Ich
bin Artanáro Finellach Gil Galad, der Sohn von Artaher aus dem
Hause des Hohen Königs Arafinwë. Dies ist seine Tochter
Artanis. Wir sind gekommen, um mit unserem Ahnherren zu
sprechen."
Der Vanya konnte sein Erstaunen nicht verbergen.
Nachdem er Gil Galad und Galadriel lange betrachtet hatte, verneigte
er sich höflich.
„Seid willkommen, Herr. Bitte folgt
mir."
Er führte sie in das Lager. Mit dem Wissen eines
Lebens voller Kampf und Krieg beurteilte Gil Galad die Anzahl und
Verteilung der Wachen. Sie hätten günstiger aufgestellt
werden können, entschied er. Diese Elben besaßen offenbar
Kenntnisse in der Kriegsführung, jedoch ermangelte es ihnen an
Erfahrung.
Viele neugierige Blicke folgten ihnen, zu sehr
unterschieden sie sich von allen anderen hier.
Da Gil Galad
wünschte, seinen Großvater allein zu treffen, ließen
er und Galadriel die anderen bei einigen fürsorglichen Noldor
zurück.
„Und sei es nur, um ihm die Peinlichkeit und mir
die Verlegenheit einer weiteren Verwechslung zu ersparen", sagte er
augenzwinkernd zu Círdan, während er seinen dicken Mantel
ablegte. (2)
Vor einem schlichten Zelt hielten sie inne. Nur
das stolze, blauen und silbernen Banner des Hohen Königs der
Noldor und die Blüte des Hauses von Finarfin kündeten von
seinem edlen Bewohner. (3) Ihre Ankunft war offensichtlich bereits
angekündigt worden, denn drei Elben erwarteten sie vor dem
Eingang des Zeltes. Jeder von ihnen strahlte große Würde
und Autorität aus, und die Macht ihrer Fear war deutlich zu
spüren.
Gil Galad hatte nur Augen für den in der Mitte
Stehenden. Ja, genau wie auf den Zeichnungen. So oft hatte Orodreth
seinen Kindern die Bilder ihres Vorfahren gezeigt und darüber
gescherzt, wieviel mehr er diesem glich, als seinem eigenen Vater
Angrod. Die Ähnlichkeit war groß genug, um stechenden
Schmerz zu bereiten.
‚Wie sehr ich wünschte, ich könnte
dich wiedersehen, Ada, wieder deine Stimme hören...'
Galadriel
hingegen lachte, und ohne sich darum zu kümmern, was einer
Herrin der Noldor angemessen sein mochte, eilte sie zu ihrem Vater um
ihn zu umarmen. Nach all der Zeit, während derer sie hatte
annehmen müssen, ihn niemals wieder nahe zu sein, war jede
Begegnung ein Grund für überwältigende
Freude.
Finarfins Arm fassend, wandte sie sich zu ihrem Neffen um.
„Vater, dies ist Artanáro Finellach Gil Galad, der Hohe
König der Noldor von Beleriand, Artahers Sohn."
Finarfin
betrachtete den schlichten, dunkelhaarigen Elben vor ihm
eindringlich, und zum ersten male sah er in die Augen eines Noldor,
der niemals das Licht von Valinor erblickt hatte.
Gil Galad
erwiderte die Musterung. Er hatte so vieles über seinen
Urgroßvater gehört, der einst den Mut aufgebracht hatte,
seinem Herzen zu folgen, einen Fehler einzugestehen und sich dem
Urteil der Valar zu stellen.
Finarfin war größer als
sein Enkel, sein Haar von schimmerndem Gold, in einer Schattierung,
die Gil Galad bisher nur bei seinem Vater Orodreth gesehen hatte. Der
Ausdruck auf seinem schönen Gesicht war sanft, friedvoll, mehr
der eines Dichters denn eines Königs, und seine schlanken Hände
schienen für die Feder geschaffen zu sein und nicht für das
große Schwert, das an seiner Seite hing.
Lange standen sie
so, einander betrachtend, und keiner sprach ein einziges Wort.
Finarfin suchte in Gil Galads Antlitz nach Spuren seines Sohnes und
seines Enkels und der jüngere Elb verhielt in Schweigen aus
Respekt vor seinem König und Ahnherrn.
Schließlich
trat Finarfin zu Gil Galad, und er nahm das Gesicht seines Urenkels
in beide Hände, um leicht dessen Stirn zu küssen.
„Sei
willkommen, Artanáro. Es ist eine große Überraschung,
dich hier zu finden", und bei diesen Worten huschte sein Blick über
Gil Galads Schulter zu Galadriel, und es war sowohl Dankbarkeit wie
auch Vorwurf darin, „doch freue ich mich sehr darüber. Bitte
komm herein, dort ist noch jemand, der glücklich sein wird, dich
kennenzulernen."
Im Inneren des Zeltes erwartete sie eine
wunderschöne Elbenherrin. Mit einem strahlenden Lächeln
umarmte sie Gil Galad innig. Plötzlich war alle Sorge verflogen,
die er um die Begrüßung gehabt haben mochte, die seine
unbekannten Verwandten ihm zukommen lassen würden,
hinweggeschmolzen unter der Wärme dieser Umarmung.
Auch sie
war ihm bekannt.
„Großmutter Earwen", flüsterte er
in das seidige Haar, das sein Gesicht streichelte.
Die Hohe
Königin machte einen Schritt zurück und strich zärtlich
über sein Gesicht und das dunkle Haar, ihn berührend als ob
sie sich selbst seiner Anwesenheit versichern müsse.
„Du
siehst deinem Vater nicht ähnlich."
Er lachte und hob nur
ganz leicht die Schultern, um nicht den liebevollen Kontakt zu
verlieren.
„Ich bin eher nach Mutter geraten. Finduilas war die
Schönheit der Familie."
„Ich hätte auch sie beide
gerne kennengelernt."
Er blickte zu Boden. „Höchstwahrscheinlich
wirst du sie eines Tages kennenlernen, Großmutter. Im Gegensatz
zu mir."
Die Berührung glitt zu seinen Lippen, um ihn zum
Schweigen zu bringen.
„Still, mein Sohn. Du kannst nicht wissen,
was die Zukunft bereithält."
Schließlich senkte
Earwen ihren Arm und ließ ihn los, während sie sich
setzten.
„Wir haben das Zeichen gesehen", begann Gil
Galad. „Gil-Estel, den Stern der Hohen Hoffnung nennen wir ihn. So
hat Earendil Valinor erreicht?"
„Das hat er", antwortete
Finarfin. „Er sprach zu den Valar und rührte ihre
Herzen."
„Ich bin froh, zu hören, daß es ihm gut
geht. Einst waren wir Freunde, als er noch in Arvernien lebte. Leider
habe ich schlechte Neuigkeiten für ihn zu überbringen. Sein
Heim wurde vernichtet", er zögerte kurz, nicht sicher ob er
enthüllen solle, wer die Angreifer gewesen waren, „und seine
Frau Elwing...wir haben allen Grund anzunehmen, daß sie tot
ist."Bei dem Gedanken wurde ihm die Kehle eng.
„Sie wissen
es, Gil Galad", warf Galadriel ein. „Es besteht kein Grund, die
Sippenmörder zu schützen."
Earwen lächelte
beruhigend. „Sie ist nicht tot, mein Sohn. Durch die Gnade der
Valar wurde Elwing gerettet und erreichte gemeinsam mit ihrem Gatten
Valinor. Sie erzählte uns von dir und den anderen, und sie
lehrte uns auch eure Sprache...ist alles in Ordnung?", fügte
die Königin hinzu, von der Reaktion ihres Enkels verunsichert.
‚Elwing lebt!', hallte es immer wieder in Gil Galads
Bewußtsein. ‚Sie lebt, es geht ihr gut und sie ist in
Valinor, sicher, nichts und niemand kann ihr jetzt noch schaden. Von
allen die ich liebe ist sie die einzige, die außerhalb der
Reichweite von Morgoths Bosheit ist und doch lebt...'
„Elwing
bedeutete ihm viel", erklärte Galadriel.
„Oh...ich
verstehe", erwiderte Finarfin und hob vielsagend eine Braue.
„Es
ist nicht diese Art...", brachte Gil Galad nicht ohne
Schwierigkeiten mit stockender Stimme hervor. „Sie war mir eine
Schwester, eine zweite kleine Schwester nachdem...nachdem Finduilas
gestorben war. Sagt mir, werdet Ihr sie nach Eurer Rückkehr
sehen?"
„Sehr wahrscheinlich. Möchtest du ihr etwas
ausrichten lassen?"
„Ja. Bitte laßt sie wissen, daß
es ihren Söhnen gut geht. Sie leben nicht weit von hier, in
Thargelion. Maglor hat sich ihrer angenommen, er betrachtet sie als
jüngere Brüder."
‚Nun, das ist es, was ich eine
Überraschung nennen würde', dachte Galadriel und Earwen
keuchte hörbar auf. Bis jetzt hatten sie geglaubt, die Jungen
seien tot, ermordet wie ihre Onkel zuvor beim Fall von
Doriath.
Finarfin konnte sein Erstaunen ebenfalls nicht verbergen.
„Bei Maglor? Aber Elwing berichtete uns, gerade er und Maedhros
hätten Arvernien zerstört."
„Das taten sie auch. Und
sie nahmen die Zwillinge als Geiseln, sie wußten zu genüge,
was andernfalls geschehen wäre."
Bestürzt nahm der
Hohe König einen plötzlich aufwallenden Zorn in der Stimme
seines Enkels wahr, den er angesichts dessen äußerer Ruhe
nicht erwartet hätte. Der Eindruck war so schnell verflogen wie
er entstanden war, und Gil Galad fuhr ruhig fort. „Inzwischen haben
Elrond und Elros Maglor ebenfalls als älteren Bruder angenommen
und scheinen glücklich mit ihm zu sein."
„Du hast sie
also gesehen?"
„Ja, vor einigen Jahren."
Finarfin nahm
gedankenverloren Earwens rechte Hand und streichelte sie zärtlich.
„Wie seltsam das Geschick in unserer Familie waltet, da die Kinder
die Mörder ihres Volkes zu lieben beginnen."
Gil Galad
empfand das Bedürfnis, seine Neffen zu verteidigen. „Sie waren
zu jung um zu verstehen, was geschehen war. Vielleicht können
sie noch immer nicht das ganze Ausmaß von Maglors Tat ermessen.
Verurteilt sie nicht dafür, die Liebe erwidert zu haben, die
ihnen geschenkt wurde."
„Oh, das tue ich nicht. Ich wundere
mich nur."
Der jüngere Elb verlagerte sein Gewicht, wie um
mit seiner Haltung auch das Thema zu wechseln.
„Großvater,
Ihr habt mir von Elwing erzählt. Gibt es auch irgendwelche
Nachrichten von meiner Cousine Idril Celebrindal und ihrem Gatten
Tuor? Sie verließen uns, um in den Gesegneten Landen zu
leben."
Diesmal antwortete Earwen. „Wir hörten von ihrer
Ankunft, ungefähr ein Jahr, nachdem Earendil Aman erreichte (4)
Sie leben weit abgeschieden von allen anderen in einer kleinen Bucht
im Süden. Ich kann nicht sagen, ob sie selbst die Einsamkeit
wünschten oder ihnen diese auferlegt wurde, doch unglücklich
erscheinen sie nicht."Nachdenklich legte sie den Kopf schräg.
„Vater hat mir berichtet, Tuor werde aufgrund seiner Liebe zu
unserem Volk als einer der Noldor angesehen, so wie die Tochter
Thingols wünschte, das Los der Zweitgeborenen zu ertragen. Es
ist seltsam, wie das Schicksal sich wiederholt."(5)
Mit
deutlicher Erleichterung rief Gil Galad aus, „Großmutter
Earwen, Großvater Arafinwe, allein für diese guten
Nachrichten seid dreimal willkommen in den Hinnenlanden! Obwohl das
Heer, das Ihr mit Euch bringt", er nickte zum Eingang des Zeltes
hin, „auch kein schlechter Grund ist. Wie viele Krieger zählt
diese Armee?"
„Fünfundsiebzigtausend", antwortete der
Hohe König zurückhaltend.
Gil Galad lachte auf. „Ich
fürchte, so viele werde ich nicht aufbieten können."
„Du
wirst nicht einen einzigen aufbieten"erwiderte Finarfin mit
plötzlichem Ernst.
Schlagartig verschwand alle Erheiterung
aus Gil Galads Augen. „Wie meint Ihr das?"
„Ich meine damit,
daß die Elben Beleriands nicht an diesem Feldzug teilnehmen
werden. Dies ist nicht euer Krieg."
„Nicht unser Krieg? Was
soll das heißen? Seit dem Erwachen an Cuiviénen hat
Morgoth uns verfolgt, und ganz besonders jene, die in Mittelerde
zurückblieben. Wessen Krieg soll es sein, wenn nicht der ihre?
Und die Noldor haben ihre eigenen Gründe, gegen ihn zu
kämpfen!"
Finarfin richtete sich auf. „Es ist zuerst und
vor allem der Krieg der Valar."
„Ich bestreite nicht, daß
es ihr Krieg ist. Ich bestreite, daß es nicht der unsere sei.
Ist Euch klar, wie lange wir auf die Gelegenheit warten, Rache zu
nehmen für all die Toten, all das Leid, das wir erleiden mußten?
Für die Dagor Bragollach, die Nirnaeth Arnoediad, für
Gondolin, Doriath und Nargothrond? Mehr als drei Viertel aller
diesseits der Ered Luin lebenden Eldar sind seinen Orks und Drachen
zum Opfer gefallen! Es ist unser Krieg, versucht nicht, das zu
bestreiten!"
Er machte keine Anstalten, seinen Zorn zu
verbergen. So einfach beiseite geschoben zu werden, nach all den
Jahren der Gefahr, des Leids und der Schmerzen, als wären sie
nur Kinder, die jetzt den Erwachsenen Platz machen
sollten...
„Dennoch werdet ihr hier nicht gebraucht."
„Nein?
So sagt mir, mein Hoher König Arafinwe, wieviel Erfahrung könnt
Ihr im Gefecht gegen Morgoths Geschöpfe vorweisen? Wie vielen
Orks habt Ihr bisher gegenübergestanden? Was wißt Ihr von
ihnen, ihren Sitten, ihren Ängsten, den besten Taktiken? Ich mag
jung sein in Euren Augen, doch ich habe mein ganzes Leben mit dem
Kampf gegen sie zugebracht. Und das ist etwas, was keiner Eurer
Krieger von sich behaupten kann! Euer Heer mag zahlreich sein, doch
ohne Erfahrung werdet Ihr mehr von ihnen verlieren als notwendig. Ist
das Euer Wunsch?"
„Mein Wunsch, Sohn meines Enkels, ist es,
dich und die deinen in eure Heimat zurückkehren zu sehen. Ich
stimme dem zu was du sagst. Dennoch wirst du sicherlich Eonwe eine
weit größere Erfahrung zusprechen, als irgendeiner der
Quendi für sich gelten machen könnte? Bitte, Artanáro,
geh zurück nach Balar. Warte dort, bis dieser Feldzug vorbei
ist."
Konnte er es denn nicht verstehen? Warum begriff dieser
so junge und doch bereits so geschundene Elb denn nicht, daß er
nur um seine Sicherheit und sein Wohlergehen besorgt war?
In
diesem Augenblick war der Hohe König Finarfin weder an der Rolle
seines Abkommen im Laufe Ardas, noch dem zukünftigen Schicksal
interessiert. Alles was ihm etwas bedeutete war sein Urenkel, den er
nicht ebenso verlieren wollte wie er all seine Söhne verloren
hatte.
„Stelle dich nicht gegen den Willen der Aratar. Die
Noldor taten dies schon einmal, und es brachte ihnen nur
Unglück."
„Und es brachte mich in diese Welt, was ich
noch immer sehr zu schätzen weiß."
„Ich verstehe
deinen Ärger, Artanáro, dennoch-"
„Verstehen? Was
glaubt Ihr zu verstehen, Herr? Ihr habt sie nicht sterben sehen, Euer
Volk, Eure Freunde, Eure Familie. Ihr könnt nicht ermessen, was
es heißt, ein erfrorenes Kind im Arm zu halten. Und sicherlich
kann es auch keiner der Vanyar dort draußen."
Finarfin
atmete tief ein. Seine Antwort war lediglich ein schwaches Wispern.
„Ich kann es verstehen, Sohn. Ich habe Alqualonde
erlebt."
Galadriel legte eine Hand auf Gil Galads Unterarm.
„Finellach, laß es gut sein, wenigstens für den
Augenblick."
Gleichermaßen berührte Earwen beruhigend
die Schulter ihres Gatten. Stolz war in ihren Augen. Wahrlich, ihre
Tochter Artanis hatte sich sehr gewandelt von dem kleinen Mädchen,
das auf ihrem Schoß gesessen und um Geschichten gebettelt
hatte. Und wer hätte gedacht, daß der so ruhige und
zurückhaltende Artaher einen so energischen Sohn hervorbringen
würde? Sie schätzte seine Entschlossenheit sehr. Manchmal
war selbst Arafinwë der Weise zu blind zu sehen.
„Du hast
Recht, Tochter", sagte sie. „Warum bleibt ihr nicht erst einmal
hier, eßt etwas und ruht? Wir können später weiter
darüber sprechen."
Doch Gil Galad erhob sich mit einem
verächtlichen Lächeln.
„Ich danke Euch für Eure
Freundlichkeit, Großmutter. Doch ich habe Freunde und ein Volk
dort draußen, die ich nicht allein lassen will."
Er
wandte sich zum Gehen.
„Artanáro?",
rief Finarfin.
Auf halben Wege zum Eingang hielt der
jüngere Elb inne.
„Ja, mein Hoher König?"
Oh, wie
schmerzlich höflich seine Stimme klang! Es brach Finarfin das
Herz. Und dennoch mußte er versuchen, seinen Großenkel zu
schützen. Um der von Eonwe verkündeten Zukunft willen, doch
mehr noch aus Liebe zu ihm.
„Handle nicht unbedacht."
Anstatt
einer Antwort schenkte Gil Galad seinem Verwandten nur ein weiteres,
abfälliges Lächeln. Dann wandte er sich ab und ging.
Mit
raschen Schritten zu seinen Leuten zurückzugehen half ihm ein
wenig, seinen Zorn und seine Enttäuschung zu überwinden. Er
hatte nicht die geringste Absicht, auf seine Rache an Morgoth zu
verzichten. Die Teleri und Noldor Beleriands würden nicht
abseits bleiben. Sie würden kämpfen, mit oder ohne die
Erlaubnis von Arafinwë Finarfin.
Erestor kam ihm
entgegen. Angesichts des Ausdrucks auf dem Gesicht seines Königs
war er klug genug, keine Fragen zu stellen.
„Wir kehren nach
Balar zurück. Sofort."
Der Schock ließ Erestor
sogleich sämtliche Klugheit vergessen. „Zurückkehren?
Und....und dieser Krieg?"
Gil Galad lachte bitter auf. „Mein
edler Urgroßvater hat mir mehr als deutlich klargemacht, daß
unsere Anwesenheit in diesem Krieg weder notwendig noch erwünscht
ist. Seiner Ansicht nach sind die Elben Amans sehr gut in der Lage,
ohne unsere Hilfe mit Morgoths Orks fertig zu werden. Elbereth, er
weiß noch nicht einmal, wovon er spricht! Und er begreift
nicht, daß wir ein Recht haben, hier zu sein!"
„Und was
werden wir nun tun?", fragte einer der anderen.
Gil Galad
senkte die Stimme. „Wir werden nach Balar zurückkehren, wie
man es uns aufgetragen hat."Er hielt kurz inne. „Und sobald wir
genügend Krieger einberufen haben, werden wir zurückkommen
und mitkämpfen, mag es dem Hohen König nun gefallen oder
nicht."
Tief im Innern tat es ihm allerdings bereits leid, so
unfreundlich zu seinem Urgroßvater gesprochen zu haben.
Und
so geschah es. Gil Galad reiste zurück nach Balar und sandte
Boten an alle Siedlungen, die ihm Gehorsam zollten. Viele von ihnen
antworteten, von dem Binnenland an der Bucht von Balar bis hin zu den
Sindar, die verstreut im ehemaligen Reich von Nargothrond lebten. Die
Edain, die um Balar herum lebten, folgten ihm ebenfalls und er bat
sie, ihre Verwandten im Norden zu unterrichten. Als sie
zurückkehrten, erfuhr er zu seinem großen Ärger, daß
sie bereits von Eonwe selbst zum Kampf aufgerufen worden waren und
ihre Truppen versammelten. Ihre Bitte, sein Heer mit dem ihren zu
vereinigen, trug wenig dazu bei, den Zorn des jungen Königs zu
besänftigen. Wieso war es den Zweitgeborenen erlaubt, ihre
Heimat und jene, die sie liebten, zu verteidigen, während seinem
Volk aufgetragen wurde, bloß abzuwarten?
Ein halbes Jahr
nach seiner Rückkehr aus dem Norden zog der Hohe König der
Noldor-im-Exil schließlich in den Krieg, mit so vielen
Kämpfern, wie er nur aufbringen konnte, ohne Balar vollkommen
schutzlos zurückzulassen. Und doch war das, was ihm schließlich
über die Ebene von Anfauglith folgte, weniger eine Armee als
vielmehr nur eine kleine Streitmacht.
Grimmige Vorfreude
erfüllte die Elben Beleriands, denn nun konnten sie endlich
Vergeltung üben für all den Kummer, den Morgoth über
sie gebracht hatte, und sie sangen, als sie in die Schlacht
zogen.
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Zur
selben Zeit bereiteten auch Maedhros und Maglor sich auf den Krieg
vor. Niemand hatte sie von dem Bann auf den Elben von Beleriand
unterrichtet, und hätten sie davon gewußt, hätten sie
es nicht beachtet. Niemand besaß mehr Grund, am Schwarzen Feind
Rache zu nehmen als die Söhne Feanors!
Dennoch mußte
Maedhros zugeben, daß seine Streitkräfte wenig
beeindruckend waren. Er ließ gerade genügend Krieger
zurück um seine zweite, kleinere Festung zu verteidigen –
genaugenommen ein bloßes Versteck für jene, die an den
Kämpfen nicht teilnehmen konnten - dennoch war sein ‚Heer'
ein bloßer Trupp. Bitter reuten ihn nun die schweren Verluste
Arverniens.
Und unter jenen, die zu den Waffen gerufen wurden,
befanden sich auch Ael und ihre Gefolgsleute.
Als das weit
größte Hindernis erwiesen sich Elrond und Elros. Maedhros
konnte die Gefühle der Jungen verstehen. Sie hatten ihre Eltern
verloren, ihr erstes Zuhause, ihre Familie – oder jene, die sie
dafür hielten – und jetzt zog Maglor in den Krieg. Ein Krieg
gegen niemand geringeren als Morgoth selbst. Wer konnte ihnen
Vorwürfe dafür machen, sich an seinen jüngeren Bruder
zu klammern und ihn anzuflehen, bei ihnen zu bleiben?
‚Verflucht
sei Morgoth, verflucht sei all das Kämpfen, verflucht sei der
Schwur!'
Schockiert angesichts dieses Gedankens, der ihm
vollkommen unerwartet gekommen war, hielt Maedhros inne. War dies es,
was der ganze Schmerz ihm angetan hatte? Hatte dieser ihn dazu
gebracht, die Wünsche seines Vaters und die eine Pflicht, die er
seinen Söhnen auferlegt hatte, zu verraten?
Er schüttelte
den Kopf, um die unerwünschten Gefühle zu
verscheuchen.
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Fußnoten:
(1)
Vanyar-Wachen mit Speeren bewaffnet: So wie die Noldor am
liebsten Schwerter benutzten und die Sindar Äxte, war der Speer
die bevorzugte Waffe der Vanyar.
(2) eine weitere
Verwechslung: in Kapitel X „Die lange Reise"hat Círdan
(verständlicherweise) Gildor Inglorion für Gil Galad
gehalten, da er erwartete, Orodreths Sohn gliche dem Rest seiner
Verwandtschaft.
(3) das blaue und silberne Banner des Hohen
Königs: Ich konnte nicht herausfinden, ob Blau und Silber
nur von Fingolfins Haus verwendet wurde. Doch da Gil Galad sie für
sein Banner benutzte, nehme ich an, daß sie allgemein als die
Farben des Hohen Königs angesehen wurden.
(4) die
Ankunft von Idril und Tuor in Aman nach Earendil: bei seiner
Ankunft erkundigte Earendil sich nach seinen Eltern, doch konnte ihm
niemand von ihnen berichten. Sie müssen also nach ihm in den
Geheiligten Landen angekommen sein.
(5) das Schicksal von
Idril und Tuor: Tolkien hat uns nur eine sehr vage Vorstellung
dessen hinterlassen, was nach der Abreise beider aus Arvernien
geschah. [„In späteren Zeiten wurde gesungen, Tuor allein
unter den sterblichen Menschen sei zum älteren Geschlecht
gezählt und mit
den
Noldor vereinigt worden, die er liebte; und sein Schicksal ist vom
Schicksal der Menschen geschieden."]
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
2.
A/ N
Ja, Gil Galad kann auch mal wütend werden,
selbst gegenüber dem Hohen König aller Noldor. Ich fand es
selbst sehr interessant, die Interaktionen der Charaktere bei ihrer
Entwicklung zu beobachten. Es gibt Momente, in denen ich wahlweise
Finarfin oder Gil Galad etwas Vernunft einbleuen möchte. Beide
sind viel zu sehr in ihrer eigenen Sichtweise verfangen.
Ich
habe es bereits in einem der früheren Kapitel erläutert:
ja, Gil Galad ist Finarfins Urenkel und Galadriels Großneffe
etc. Trotzdem werdet ihr feststellen, daß er manchmal nur
„Enkel"oder sogar „Sohn"genannt wird. Natürlich
geschah dies nicht aus Gedankenlosigkeit. Ich gehe davon aus, daß
die Elben sich die Mühe sparen würden, jedesmal die genaue
Verwandtschaftsbezeichnung aufzusagen. Man stelle sich mal vor, was
ein Ur-ur-ur-urgroßvater sagen müßte!
