Narn Gil Galad

von Earonn

Kapitel XXI – Der Krieg des Zorns III – Schlachten

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Danksagung: meinem Spatz Erik dafür, daß er die Waschmaschine, den Laptop und das W-LAN wieder zum Laufen gebracht hat. Und natürlich meinen treuen Beta-Balrogs Ute und Eldrond. Extra-Grüße an Eldronds Frauchen Fymhrisfawr!

Widmung: meinen so überaus geduldigen Lesern. Ich erkläre euch hiermit zu Ehren-Ents!

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A/N:

Ihr solltet froh sein, nicht dabeigewesen zu sein, als mein Laptop zum dritten mal in weniger als zwei Wochen den Geist aufgab! Meine Muse hielt sich die ganze Zeit über versteckt, sie traut sich nicht einmal, mir zu sagen, wo. Nun, der Laptop lüppt wieder, Myrthe ist zurückgekommen, also „laßt uns Orks jagen", wie ein gewisser chronisch ungewaschener Edain-König zu sagen pflegte...

O-Finduilas: Na gut, wie Du willst: genießt artig das Lob Und keine Sorge, es liegen ungefähr noch 10 Kapitel vor uns. Vermutlich sterben wir alle an Altersschwäche, ehe die Narn vollendet ist. ;)
Freu' dich schon mal: Celebrimbor bekommt diesmal eine eigene Szene. Ich hoffe, sie gefällt dir.

Macarfeanor: Du weißt doch, das wir Autoren uns nur von so was ernähren! ;) leckt sich genüßlich den Honig ab
Feanors Söhne bieten wahnsinnig interessante aber nicht leicht darzustellende Charaktere. Sie sind keine Monster, tun aber monströse Dinge. Ich mag sie sehr. (Oha, was sagt das jetzt über meinen Charakter aus? gg)
Und ich will jetzt ja nicht unbedingt vorgreifen, doch weine bitte nicht bei Gil Galads Tod: denke immer daran, daß das für ihn der Weg nach Valinor ist, wo er seine Familie wiederfinden wird. Vorausgesetzt, natürlich, er verläßt die Hallen von Mandos jemals wieder...
Cliffhanger Mode ON

Liriel Peredhil: Vielen Dank für den Platz auf deiner Homepage. Ich betrachte es als hohes Lob, daß die Narn die anfängliche Skepsis einer Fachfrau überwinden konnte.

Nithiel: viel Spaß mit deiner Elbenfrau! Und danke für das ‚Product Placement'. ;))
Mir kommt es ganz seltsam vor, daß diese Geschichte solche Auswirkungen haben soll. Gilly ist zart errötet, und sogar Círdans Gesichtsfarbe rührt nicht mehr nur von Wind und Wetter her...

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XXI – Der Krieg des Zorns III – Schlachten


Hoch im Norden, auf der weiten Ebene Anfauglith, wurde die erste Schlacht zwischen dem Heer der Valar und den Streitkräften Morgoths gefochten.

Die Krieger aus Valinor boten einen großartigen Anblick. Farbenfrohe Banner adeliger Familien wurden vom scharfen Wind gebauscht, Waffen und Rüstungen schimmerten in dem dunstigen Licht. Und die Ainur erschienen in Gestalten, die schön und doch schrecklich anzusehen waren. Ingwes Sohn Ingwion befehligte die Vanyar und Finwes Sohn Finarfin die Noldor. Und vor allen anderen schritt Eonwe einher, der Herald Manwes, und niemals zuvor oder danach gab es Armee, die es dieser an Herrlichkeit gleichtun konnte.

Morgoth war überrascht, Ainur in den Reihen der Elben zu sehen. Dessenungeachtet zweifelte er nicht an seinem Sieg. Denn war er nicht Herr über diese Lande? Und war seine Macht nicht allüberall verteilt, so daß es nicht den geringsten Stein gab, der nicht ein wenig von seinem Geist enthielt? (1)
Er befahl, die Tore Angbands zu öffnen und schickte eine Ork-Armee gegen seine Feinde aus. Keine gewöhnlichen Orks natürlich, die dem Licht des Tages nicht hätten standhalten können. Diese Orks waren speziell für seine Kriege gezüchtet worden, sie kämpften bei Tag oder bei Nacht. Für ihren Meister hatten sie die Dagor Bragollach gewonnen, die Nirnaeth Arnoediad und die Schlacht von Tumhalad.
Und an ihrer Spitze kamen die Warg-Reiter.

Die Vanyar und Noldor des Westens waren wohlausgebildet, tapfere und unerschrockene Kämpfer, doch in keiner Weise vorbereitet auf die Feinde, die sie erwarteten. Niemals zuvor hatten sie Orks gesehen, niemals zuvor waren ihnen Warge begegnet. Der unbarmherzige Haß von Morgoths Kreaturen im Kampf erschreckte sie, und in diesem ersten Ansturm wurden viele von ihnen getötet. Ihre geordneten Reihen wankten wichen zurück.
Finarfin und seine Leibwache waren in schwerer Bedrängnis. Nun endlich verstand der Hohe König der Noldor, was sein Enkel gemeint hatte. Er hatte erfahrene und erbarmungslose, haßerfüllte Soldaten erwartet, doch diese Gegner waren keine Soldaten, sie waren Tiere in Gestalt von...was auch immer.

Und gerade als der Kampf am schlimmsten wütete, trafen Gil Galad und seine Streitkräfte von Osten her ein, und mit ihnen kamen die Reiter der Edain. Sie zögerten nicht und trieben ihre Pferde direkt dorthin, wo das Banner Finarfins beinahe vollkommen von einem großen Trupp Orks eingekreist war, während Warge nach vorn drängten, schnappend und geifernd und sogar ihre eigenen Genossen tötend, um den Hohen König zu erreichen.
Die Pferde aus Beleriand fürchteten die Orks nicht. Sie waren ausgebildet worden, diese zu bekämpfen, ihre Hufe waren scharf und ihre Herzen voll Mut. Die hinteren Reihen der Feinde fielen unter zahllosen Pfeilen, die zielsichere elbische Hände ausgesandt hatten.

Das erste was Finarfin auffiel, war das seltsame Geräusch - Quieken und schrille Schreie, die in seinen Ohren schmerzten. Erst als er wohlklingende Stimmen Schlachtrufe auf Sindarin rufen hörte, begriff er.
Und dann waren sie heran: große Pferde, die durch die Reihen der Orks donnerten, schimmernde Schwerter, blutige Bahnen schlagend, und mitten darin das Banner mit den Sternen des Hohen Königs der Noldor Mittelerdes. Auf einem großen, starken Grauschimmel ritt Gil Galad an seinem Urgroßvater vorbei. Er zügelte den Hengst, und als er sich zu dem älteren Elben umdrehte, war sein Blick sowohl erleichtert, Finarfin wohlauf zu finden, als auch der dessen, der zuletzt doch Recht behalten hat. Gleich darauf folgte er seinen Kriegern und die Streitkräfte Angbands flohen vor dem weißen Schimmer auf der Spitze von Aeglos' Klinge.

Doch der Kampf war noch nicht vorüber. Die Anführer von Morgoths Armee emfpingen den Befehl ihres Herrn und zogen sich zu den Toren von Angband zurück, langsam und bedächtig, in einer langgezogenen Front, die schwer zu verteidigen war. Daher erlitten sie große Verluste, doch Morgoth scherte sich nicht um die unzähligen Orks, die in diesem Manöver zu Tode kamen. Mit einem schrecklichen Lächeln, das auch die bösartigsten seiner Diener schaudern ließ, sogar Sauron selbst, lockte er die Elben in einen scheinbaren Sieg, der sich als ihr Untergang erweisen sollte.

Wirklich drängten zu Anfang viele Elben und Edain gegen die Festung des Schwarzen Feindes, getrieben von schierer Kampfeswut oder dem Wunsch, Rache zu nehmen für verlorene Freunde und Verwandte. Gil Galad kämpfte in vorderster Front, kaum weniger entschlossen als alle anderen ringsum.
In diesem Moment war es der Gedanke an Gwindor, der sein Schwager geworden wäre, hätte er nicht genau diesen Fehler begangen, der den Sohn Orodreths innehalten ließ. Die Erinnerung an den geschundenen und verkrüppelten Elben, an Finduilas, die den Tod ihrer Liebe durch die Tränen in ihren Augen verraten hatte. Gil Galad stoppte so abrupt, daß einer der Krieger von hinten auf ihn prallte. Er gab Signal, Stellung zu halten, jedoch nicht weiter vorzudringen.
Die Orks erreichten die Sicherheit Thangorodrims und die eisernen Torflügel schlossen sich mit lautem Krachen hinter ihnen. Die Schlacht war vorüber, doch obgleich Morgoths Truppen zurückgeschlagen worden waren, erschien es angesichts der Verluste unmöglich zu sagen, welche Partei den Sieg errungen hatte.

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Am nächsten Morgen ritt Finarfin zu dem nahegelegenen Feld, auf dem die Elben von Beleriand ihr Lager aufgeschlagen hatten. Es war keine Frage mehr, ob es ihnen erlaubt sein sollte, am Krieg teilzunehmen. Earwen begleitete ihren Ehegatten, da sie wünschte, sich selbst vom Wohlergehen ihres Urenkels zu überzeugen.

Die Zelte lagen verlassen da. Ein Stallknecht erklärte dem Hohen König, daß beinahe jeder zu den Edain gegangen war, um ihnen beim Aufbau ihres Lagers zu helfen, das in östlicher Richtung direkt neben jenem der Elben lag.

Während des gestrigen Kampfes war keine Zeit für Neugierde gewesen. Nun war dem Hohen König der Noldor zum ersten mal Gelegenheit gegeben, die Zweitgeborenen in näheren Augenschein zu nehmen. Und wie alle anderen Elben erstaunte und bewegte ihn ihre andersartige und doch scheinbar vertraute Schönheit. Mit ihren leuchtenden, wachsamen Augen, hochgewachsenen Körpern und der stolz aufgerichteten Haltung erschienen sie ihm stark und voller Selbstvertrauen. Alle verneigten sich und grüßten Finarfin höflich, einige ihrer Anführer gebrauchten sogar das Quenya, um ihn willkommen zu heißen. Man führte ihn zu einer großen Fläche an der Rückseite des Lagers, wo eine hohe Palisade errichtet wurde, um einem Angriff von hinten zu begegnen. Heftiger Regen setzte ein, doch weder Elben noch Edain kümmerten sich darum.

Gildor Inglorion kam ihnen entgegen.
„Seid gegrüßt, Hoher König Finarfin, und auch Ihr, Herrin Earwen. Ihr werdet den König dort drüben finden."
Er wies auf ein halb fertiggestelltes Tor in der Lücke zwischen den Wällen aus Baumstämmen. Rhythmischer Gesang war zu hören und unwillkürlich mußte Finarfin lächeln. Er hatte solche Lieder zuvor schon gehört, auf Baustellen in Tirion. Es war der Rhythmus von Arbeitern, der Rhythmus der Noldor.
Am Bauplatz bereiteten Elben und Menschen einen der Torflügel vor, in seine Scharniere eingehängt zu werden. Zusammengefügt aus den Stämmen junger Bäumen, hing er unter einem hohen Gerüst. Starke Pferde waren zusammengeschirrt, um an den Seilen zu ziehen, die ihn über Flaschenzüge hielten. Mit weiteren Seilen dirigierten Menschen und Elben die Bewegungen des Tores, angewiesen von einem, der gefährlich dicht an der Öffnung im Wall stand und sich nur mit einer Hand festhielt, jedoch zu versunken in seine Arbeit war, um diesem Umstand Aufmerksamkeit zu widmen.
Nach vielen Jahren sahen Finarfin und seine Gattin zum ersten male Celebrimbor wieder.

Earwen berührte den Arm ihres Gefährten und wies mit dem Kopf dorthin, wo Gil Galad eines der Pferde führte. Mit den anderen singend, völlig verschmutzt, erschien er ihnen jetzt entspannter als sie ihn je zuvor erlebt hatten. Seine rechte Hand lag locker auf den Nüstern des Tieres, um es sanft zu leiten. Finarfin hätte sich wahrlich ein angemesseneres Erscheinungsbild und eine passendere Beschäftigung für den Hohen König der Noldor in Mittelerde vorstellen können. Er wäre erfreuter gewesen, hätte sich das Noldor-Erbe seines Enkels in einem anderen Bereich als dem Hausbau bemerkbar gemacht. Ebensowenig schätzte er es, Celebrimbor in der so wichtigen Position des Baumeisters zu sehen, noch dazu als Vertrauter Gil Galads.
Earwen jedoch bemerkte nur die Zufriedenheit, die Artahers Sohn ausstrahlte.

Ein Arbeiter nach dem anderen bemerkte die Anwesenheit des Königs und der Königin, und der Gesang verstummte. Ob dieser Unterbrechung die Stirn runzelnd, sah Celebrimbor auf. Und plötzlich war der erfahrene Handwerker verschwunden und ließ nur einen jungen Elben zurück, der sich Auge in Auge mit seinem verehrten Großonkel und einer unauslöschlichen Schuld fand.
Keiner der anderen konnte es sehen, doch Celebrimbor fühlte, wie seine Hände zu zittern begannen. In die erwartungsvolle Stille hinein befahl er, das Tor abzusenken. Dann kletterte er von der hölzernen Palisade herunter, verhielt jedoch an ihrem Fundament. Er scheute sich, näher heranzukommen.
Als Finarfin von seinem Pferd stieg, sah er Gil Galad auf sie zukommen, der noch immer das Pferd führte.
„Guten Morgen, Hoher König", sagte der jüngere Elb. Sein Gesicht war leicht gerötet und er lächelte, doch es war ein vorsichtiges Lächeln. In Richtung des Walls hinter ihm nickend, strich er mit schmutzigen Fingern eine schweißnasse Strähne seines dunklen Haars hinter ein Ohr zurück.
„Beeindruckend, nicht wahr?"
Dem mußte Finarfin zustimmen. Angesichts der vorhandenen Mittel war es eine erstaunliche Arbeit, würdig eines Abkömmlings seines Halbbruders Feanor.
„Und es ist allein Celebrimbors Werk, er hat die Pläne entworfen. Er ist sehr gut in solchen Dingen", fuhr Gil Galad unnötigerweise fort. Das leichte Zittern in seiner Stimme verriet sein Unbehagen. Er wandte sich um und winkte seinen Vetter ermutigend heran. Langsam, beinahe widerwillig, kam Celebrimbor zu ihnen. Noch immer einige Schritte entfernt, blieb er stehen.
Finarfin musterte seine beiden jüngeren Verwandten. Gil Galad betrachtete ihn aufmerksam, angespannt seine Reaktion erwartend. Celebrimbor hingegen wußte offensichtlich nicht, wohin er schauen sollte. Er sah Finarfin an, wandte die Augen wieder ab, blickte erneut zurück.
Der Hohe König dachte an jenen entsetzlichen Tag, als ein Eid geschworen wurde, der sich als Fluch erweisen sollte. Vor seinem inneren Auge sah er die Toten von Alqualonde.
‚Celebrimbor hat den Schwur nicht geleistet', dachte er, ‚und wer könnte ihn dafür verurteilen, an der Seite seines Vaters gestanden zu haben? Doch wie kann ausgerechnet ich ihm die Zerstörung des Schwanenhafens und die Auslöschung so vieler Leben vergeben? Wie kann es mir gestattet sein, dem Mörder der Familie meiner Frau zu verzeihen?'
Er trat einen Schritt vor.
„Ich grüße dich, Artanáro."
Aus den Augenwinkeln nahm er Celebrimbors Gesicht wahr: abwartend, erwartungsvoll, voller Unsicherheit, mit großen, dunklen Augen ähnlich denen seiner Mutter, die ihren Sohn vermißte und geschworen hatte, sich von allen anderen Elben fernzuhalten, um so für die Taten ihres Gatten Buße zu tun.
Der Hohe König wandte sich Gil Galad zu, ohne seinen Neffen zu beachten. Eigentlich wollte er Celebrimbor nicht derartig zurückweisen. Jedoch glaubte er, eine besondere Verantwortung gegenüber jenen Elben zu tragen, die von seiner eigenen Sippe getötet worden waren. Seine sonst so melodiöse, wohlklingende Stimme war heiser von unterdrückten Gefühlen.
„Artanáro, wir müssen uns unterhalten."
Er sah Gil Galads leichtes Lächeln schwinden und in einen Blick voll schmerzhaften Verstehens übergehen. Der jüngere Elb richtete sich auf und der Enkel war verschwunden, hatte nur den König zurückgelassen.
„Wie Ihr es wünscht, mein Hoher König."
Er führte sein Pferd zu Celebrimbor und reichte diesem die Zügel. Dabei berührte er die Schulter seines Vettern in einer Geste der Zuneigung und des Trostes in ihrer Niederlage. Denn so erschien es Finarfin: als habe er seine Verwandten besiegt.
‚Kannst du es nicht verstehen? Wenn ich dir vergebe, könnte dies den Frieden zwischen Teleri und Noldor daheim in Aman zerstören. Ich kann solch ein Risiko nicht eingehen. Oh bitte, meine Kinder, versteht es doch.'
‚Kannst du es nicht verstehen, geliebter Onkel? Wenn ich es könnte, würde ich die Vergangenheit ändern, und kostete es mich auch mein Leben, sogar meinen Fea. Doch das liegt jenseits meiner Macht. Bitte, Onkel, verstehe es doch.'
‚Kannst du es nicht verstehen, Großvater? Er hat gebüßt, auf mehr als eine Art. Du wirst der Weise genannt, du hast dein ganzes Leben in den Gesegneten Landen verbracht, du mußt doch in der Lage sein, tief genug in die Herzen anderer zu sehen. Selbst Círdan hat ihm vergeben. Bitte, weise ihn nicht zurück, Großvater.'

Stirnrunzelnd beobachtete Earwen die ganze Szene. Auch sie war erschüttert gewesen, Celebrimbor hier zu sehen, obwohl Elwing ihr von der Freundschaft zwischen Curufins Sohn und Gil Galad erzählt hatte. Wie ihr Gatte wurde sie schmerzhaft an die Zerstörung Alqualondes, des idyllischen Ortes ihrer Kindheit, erinnert.
Und doch, dies war nicht nur Celebrimbor, der Sohn Curufins aus dem verfluchten Haus von Feanor. Dies war auch Telperinquar, das Kind, das am Tage ihrer Hochzeit eine Treppe heruntergestürzt war, so daß sie einen Zipfel ihres Brautkleids benutzt hatte, um ihm Blut und Tränen abzuwischen. Der noch nicht ganz erwachsene Elb, der eines Tages in Finarfins Haus gekommen war, um ihr einen Ring zu bringen, eines der ersten wirklichen Schmuckstücke aus seiner Hand, und der so tief errötete, als jemand eine Bemerkung über junge Männer machte, die schönen Frauen Ringe gaben. Niemals wieder hatte er Schmuckstücke für sie hergestellt, doch dafür wunderschöne Spielzeuge für ihre Kinder. Findarátos erste Schreibfeder war von Celebrimbor gefertigt worden.
Es gab die Verpflichtung gegenüber den Opfern. Doch es gab es auch Vergebung.

Durch den andauernden Regen und knöcheltiefen Matsch, vollkommen ignorierend, daß der Saum ihres wunderschönen Kleides naß und schmutzig wurde, schritt Earwen von Alqualonde auf die beiden jüngeren Elben zu, die noch immer Seite an Seite standen. Als sie den hoffnungsvollen Ausdruck in ihren Augen sah, wußte die Königin, daß sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.
„Hallo Telperinquar", sagte sie sanft.
Der Meisterschmied senkte voller Scham den Blick. Seinem Onkel, dem Hohen König aller Noldor, hätte er trotzen können, doch nicht Tante Earwen.
Die Königin spürte Gil Galads intensiven Blick auf sich ruhen, als sie vor Celebrimbor trat, sein Gesicht in ihre Hände nahm und es anhob, bis sich ihre Augen trafen. Sie sah die Tränen, die zahllosen ungeweinten Tränen, und welche Stimme in ihrem Herzen auch immer es sein mochte, die ihr befahl, hart zu bleiben und die Vergangenheit über die Gegenwart zu stellen, sie war augenblicklich zum Schweigen gebracht.
„Es ist gut, dich am Leben zu finden." Und sie umarmte ihn.
Das Kind war wieder da. Leise schluchzend preßte es sein Gesicht an ihre Schulter. Sie verstand die gedämpften Worte nicht, dennoch wußte sie um ihre Bedeutung.
„Ich weiß, Tyelpe. Ich vergebe dir." (2)

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Unter den Elben von Aman erlangte der auffallende Speer, den Gil Galad im Kampf benutzte, bald Berühmtheit, und es wurde viel von Aeglos' Geschichte und der Geschicklichkeit seines Trägers gesprochen. Da Speere die bevorzugte Waffe der Vanyar waren, drängte es viele von ihnen, sich mit dem Hohen König der Noldor Mittelerdes zu messen.
Als ein Heerführer der Vanyar die erste Einladung zu einem ‚kleinen, freundschaftlichen Trainingskampf', aussprach, reagierte Gil Galad zunächst mit Ungläubigkeit.
„Glaubst du wirklich, daß es darum geht - um ein Freundschaftsspiel?" Er lachte auf, doch es lag keine Erheiterung darin. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort, „Gut, laß uns ‚spielen'. Und damit es gleichzeitig ein nützliches Training ist, werde ich der Ork sein."
„Finellach, was-", begann Gildor, der wie üblich seinen Freund begleitete.
„Der Ork?"
„Wir haben selbstverständlich keine richtigen Orks, um mit dir zu trainieren. Doch ich habe oft mit ihnen gekämpft. So kannst du eine bessere Verteidigung gegen sie einüben."
Gildor schüttelte den Kopf und seufzte. Er wußte, was es bedeutete, wenn Gil Galad in dieser Stimmung war. Beinahe empfand er Mitleid für den Vanya. Beinahe.
„Warum nicht?", war der andere Elb unvorsichtig genug, zu antworten.
Sie gingen zum Übungsplatz. Gil Galad nahm einen kurzen Speer und mit beinahe aufreizend langsamen Schritten trat er in die Mitte des Kreises, wo er sich umwandte.
„Gut. Ich bin der Ork. Töte mich."
Der Vanya vollführte seine erste Attacke. Und plötzlich war es nicht länger ein Elb, der ihm gegenüberstand. Die Person...das Wesen, das ihn bekämpfte, ähnelte weit eher einem wilden Tier.
Die ringsum stehenden Elben aus Aman runzelten die Stirn, als sie diesen Moriquendi kämpfen sahen. Da war kein Stil, keine Eleganz, keine Achtsamkeit in seinen Bewegungen. Es war roh, selbstverachtend. Es erschien...unrein. Viel zu realistisch.
Es dauerte nicht lange, ehe Gil Galad den anderen Elben auf den Boden drückte, wobei er dessen Hände mit den seinen festhielt.
„Ich werde dir kein Leid antun, Krieger. Doch ein Ork würde deine Kehle mit seinen eigenen Zähnen zerfetzen. Zuvor jedoch würde er dein Gesicht nehmen, um dich noch etwas länger leiden zu lassen."Er stand auf. „Willst du immer noch ‚spielen'?"
Der Vanya war ein ehrenwerter Anführer seines Volkes, hochgeachtet und zu ihren besten Kriegern zählend. Sich der Blicke seiner Kameraden wohl bewußt, stand er langsam auf und warf fort, was von seiner Waffe übrig geblieben war.
„Nein", sagte er schlicht. „Ich will lernen, mich gegen so etwas zu verteidigen."

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Zahllose weiter Streitkräfte trafen ein, Verbündete sowohl der Valar als auch Morgoths. Orks kehrten von ihren Raubzügen zurück, Menschen vom Volke Uldors, Wölfe und andere bösartige Wesen. Sie alle verstärkten die Macht Thangorodrims. Zum Heer der Valar stießen zunächst einige Avari, die in Beleriand zurückgeblieben waren, während die meisten ihrer Sippe zu ihren alten Heimstätten weit jenseits der Ered Luin zurückgekehrt waren, um die Wasser von Cuiviénen aufzusuchen. Ob sie gekommen waren, um die Elben oder die Menschen zu unterstützen, hätte niemand sagen können, und sie selbst sprachen nicht darüber.
Denn nach dem Erwachen der Menschen, waren die Avari ihre ersten Lehrer in den Landen ihrer Jugend gewesen. Indem sie die Eldar nach Valinor einluden, handelten die Valar, wenn auch unwissentlich, entgegen Ilùvatars Absichten und der Aufgabe, die er den Erstgeborenen zugedacht hatte: seine nachgeborenen Kinder zu unterrichten und ihre ersten Schritte zu lenken. So waren es die Avari gewesen, die sie Sprache, Gesang und die Geheimnisse der Natur lehrten, und dies vergaßen die Edain nicht. Sie hielten die Avari hoch in Ehren und nannten sie Lehrmeister der Menschen.
Auch nach der Rückkehr der Elben aus Aman liebten die Avari die Nachgeborenen vermutlich mehr als sie die Noldor mochten, welche sie als arrogant bezeichneten. Und dies Gefühl war am stärksten unter jenen der Unwilligen (wie sie von den Calaquendi und den Teleri genannt wurden), die ihren Stammbaum bis zur Sippe der Tatyar zurückverfolgten, denen auch die Noldor entstammten. (3)
Sie hielten sich abseits, graue Schatten, die meistens erst nach Sonnenuntergang auftauchten. Nur selten sprachen sie mit anderen und ihre Waffen erschienen geringfügig und armselig. Jedoch im Kampf waren sie tapfer und geschickt, und die Orks fürchteten ihre kurzen Messer nicht weniger als die Speere der Vanyar.

Danach kamen Sindar, die verborgen in den dunklen, dichten Wäldern Beleriands überlebt hatten. Unter ihnen waren Mithrim aus dem Norden, die letzten des einst so zahlreichen Volkes, das um Ard-Galen und Hithlum gelebt hatte, und Eglath aus dem versunkenen Reich von Doriath, deren Sprache so fließend und melodiös klang. Sie besaßen keine Herren oder Könige, nur Sippenführer, und gering war ihre Bereitschaft, den Befehlen eines Herrn zu folgen, den sie nicht kannten, mochte er sich nun Prinz der Vanyar oder Hoher König der Noldor nennen. Obgleich sie Ingwion und Finarfin höchsten Respekt erwiesen, machten sie dennoch deutlich, wenn denn überhaupt irgend jemandem, dann nur Gil Galad Gehorsam zu leisten.
„Doch wenn ihr Gil Galad als euren Herrn anerkennt, warum weigert ihr euch dann, dem Hohen König aller Noldor zu gehorchen, der noch über ihm steht?", fragte Ingwion.
„Aller Noldor, ja", antwortete die Älteste einer Sippe grau gekleideter Mithrim. „Doch wir sind Sindar. Er ist unser Herr durch seinen Großvater mütterlicherseits, Laerion, der ein großer Führer unseres Volkes und ein Verwandter König Thingols selbst gewesen ist. Und", fügte sie mit deutlicher Bitterkeit hinzu, „weil Gil Galad sich um die Sindar gekümmert hat. Es ist leicht, Hoher König in Valinor zu sein, wo niemand vom Herrscher erwartet, für sein Volk zu sterben."Sie wandte sich Finarfin zu. „Ihr, mein Herr, seid so viel länger König Eures Volkes als er es ist, und dennoch ist dies das erste mal, daß Ihr zu den Waffen greift. Sagt mir, wo wart Ihr, als wir wie die Tiere gejagt wurden? Nicht um der Sindar willen sind die Valar zum Kampf gegen Morgoth ausgezogen."(4)

Es gab jedoch nicht nur Spannungen zwischen den Calaquendi und den Moriquendi. Viele waren im Heer der Valar, die ihre Geliebten verloren hatten, als die Eldar zur Großen Reise aufgebrochen waren, oder als Feanor so viele ihres Volkes ins Exil geführt hatte. Nun fanden Freunde wieder zusammen, Verwandte oder wenigstens ihre Nachfahren wurden vereint, und dies half mehr noch als der gemeinsame Feind, die Kluft zwischen beiden Gruppen zu überbrücken.

Als das erste Heer von Zwergen eintraf, Krieger aus Belegost, begleitete Gil Galad sie zum Hohen König der Noldor und dem Prinzen der Vanyar. Er fürchtete, Schwierigkeiten mochten aus dem gewöhnlich mißmutigen Verhalten der Zwerge und dem nicht unbeträchtlichen Stolz der Elben aus Valinor erwachsen. Und mit einem verqueren Anflug von Humor wollte er sehen, wie seine Verwandten aus den Geheiligten Landen auf die Naugrim reagieren würden.
In der Tat waren Ingwion und Finarfin beinahe schockiert, als sie die gedrungenen, bärtigen Zwerge erblickten. Ihnen war angekündigt worden, nun endlich die Kinder Aules zu treffen. Doch wer hätte solch häßliche oder zumindest wenig ansprechende Wesen erwartet? Ihre Waffen waren beeindruckend, und herrlich der goldene Schmuck, den sie trugen, doch ihre Manieren dafür beinahe noch schlimmer als ihr Erscheinungsbild. Stolz waren sie, dickköpfig und wortkarg, und später meinten jene Elben aus Valinor, die noch am meisten zu lernen hatten, daß der Eine einen Fehler begangen haben mochte, als er diese seltsamen Wesen als seine Kinder annahm.
Es dauerte einige Zeit, ehe die valinorischen Elben sich an die Khazâd gewöhnten, wie sich die Zwerge selbst nannten. Die Naugrim zogen es vor, Seite an Seite mit den Noldor aus Beleriand zu kämpfen, die sie verstanden, und mit denen sie von allen Quendi noch am besten auskamen.

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Die drei Elbenherrscher, Celebrimbor und Círdan saßen regungslos auf ihren Pferden. Mit ernster Miene erwarteten sie die beiden Anführer des kleinen Trupps von Elben und Menschen, der ihren Kundschaftern zufolge aus dem Osten herankam. Jeder der Anführer war von Soldaten seiner Leibwache begleitet, Argon war beileibe nicht der einzige, der den Ankömmlingen nicht im mindesten traute.
Alle versteiften sich, als die Reiter ihre Pferde vor ihnen zum Halten brachten. Der ältere der beiden neigte den Kopf zum Willkommen.
„Seid gegrüßt, Finarfin, Sohn von Finwe, Hoher König der Noldor, und auch Ihr, Ingwion, Sohn des Ingwe, Prinz der Vanyar."Er hielt kurz inne. „Und Ihr, Artanáro Finellach Gil Galad, Sohn des Orodreth, Hoher König der Noldor Mittelerdes."Niemand hätte irgendeine Gefühlsregung aus seinem Tonfall lesen können.
Finarfin musterte Maedhros unfreundlich. Er konnte Feanor das Morden von Alqualonde nicht vergeben, noch viel weniger konnte er dessen Söhnen verzeihen, was sie später getan hatten.
„Was willst du, Maedhros, König von Thargelion?", fragte er kühl. Kein Willkommen für die Sippenmörder.
Maedhros wies auf Thangorodrim. „Dies ist ebenso unser Krieg wie der eure. Wir wollen uns euch anschließen."
„Uns anschließen?"Gil Galads Hengst tänzelte nervös, da er den Zorn seines Reiters spürte. Dieser trieb sein Pferd dicht vor den älteren Elben. „Ich habe mich verpflichtet gefühlt, euch von diesem Krieg zu berichten. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir willens wären, euch als Waffenbrüder zu akzeptieren. Hast du all die Greueltaten vergessen, die das Haus von Feanor in Doriath und Arvernien begangen hat? Was eure verfluchten Brüder meinem Vater, Finrod Felagund, Lúthien und Beren angetan haben?"
Maedhros wich Gil Galads Blick nicht aus. Selbst wenn Orodreths Sohn einen höheren Rang innehatte, würde er nicht vor einem so viel Jüngeren weichen.
„Maße dir nicht den Platz meines Gewissens an, Gil Galad. Was geschehen ist, ist geschehen und kann nicht mehr geändert werden. Was nun zählt, ist dieser Krieg. Wir müssen unsere Streitkräfte vereinen." Er beugte sich leicht vor. „Ich muß dich nicht daran erinnern, um wie vieles früher die Elbenreiche Beleriands angegriffen worden wären, hätten nicht die Söhne Feanors den Norden verteidigt. Oder was das letzte mal geschehen ist, als einige der Noldor ihr Volk im stich ließen."
Gil Galad errötete. Der Vorwurf erschien ihm nicht völlig unberechtigt.
„Mein Vater war in den Fluch der Noldor verstrickt - ein Fluch, den deine Familie über uns gebracht hat - und ebenso in das Schicksal Túrin Turambars. Wenn du wirklich glaubst, die Armee Nargothronds hätte irgendeinen Unterschied in der Nirnaeth Arnoediad bedeuten können, so überschätzt du ihre Stärke bei weitem, oder hast niemals die wahre Macht Morgoths verstanden."
Maedhros' Gesichtsausdruck war voller Sarkasmus. „So war König Orodreth also lediglich ein Werkzeug des Schicksals? Vielleicht gerade so, wie es Maeglin gewesen ist? Oh ja, wir haben davon gehört. Sage mir, erachtest du es als ein glückliches Schicksal, das den Sohn von Eol zu seiner Tat getrieben hat - den Verrat an Gondolin, der Earendils Fahrten ermöglichte und dich zum sechsten König der Noldor machte?"
„Zum fünften", sagte einer der Elben leise, doch laut genug, um für alle deutlich hörbar zu sein. Nur seine Söhne und Gefolgsleute seit Anbeginn zählten Feanor zu den Hohen Königen. Für die Dauer eines Herzschlags blickte Maedhros von seinen Verwandten fort und suchte nach dem Sprecher. Der Elb erbleichte unter diesem Blick.
Gil Galads Augen verengten sich etwas. „Du weißt, was ich von Turgon halte."
Sein Gegenüber hob die Hände. „Friede, Neffe. Wir sind nicht gekommen, um dein Königtum in Frage zu stellen, sondern um uns dir im Krieg gegen den Schwarzen Feind anzuschließen."
„Maedhros, ich würde ich mich dir und deinen Sippenmördern nicht einmal dann beigesellen, wenn Du dir auch noch die andere Hand abhacktest. Ihr seid nur deshalb noch am Leben, weil ihr euch hinter zwei Kindern versteckt habt."
Maedhros' Hand ließ die Zügel los und kam auf seinem Oberschenkel zu liegen - nahe am Griff seines Schwertes.
„Bist du dir sicher, daß du mich hättest besiegen können, Finellach?", fragte der beste Schwertkämpfer der Noldor mit gefährlicher Ruhe.
Gil Galad hielt seinem Blick stand. „Nach dem, was Du Elwing und ihrem Volk angetan hast? Ja, Maedhros, das bin ich."

Círdan entschied, daß dies hier außer Kontrolle zu geraten drohte. Langsam lenkte er sein Pferd zwischen die beiden Elben, vorsichtig jede Provokation vermeidend. Während er locker die Zügel von Gil Galads Hengst faßte, musterte der Schiffsbauer den König von Thargelion mit strengem Blick.
„Geh, Maedhros, Sohn von Feanor, Mörder von Doriath, Zerstörer von Arvernien. Hier kannst du keine Aufnahme finden", sagte er mit täuschend leiser Stimme. „Du magst Recht haben wenn du sagst, daß wir unsere Truppen vereinigen sollten, doch erwartest du wirklich von jenen, deren Freunde und Verwandte du erschlagen hast, Seite an Seite mit deinen Kriegern zu kämpfen?"Er nickte vielsagend in Gil Galads Richtung. „Halte dich abseits. Schließe dich mit deinem Heer den Edain an. Es ist besser so, Maedhros."
Plötzlich fand sich Feanors ältester Sohn dem Zorn eines uralten Fea gegenüber, einem Zorn so machtvoll, daß es schien als könne er seine Haut versengen. In den tiefen Augen des Schiffsbauers sah er die Feuer Arverniens, und plötzlich wurde ihm klar, daß es nicht Orodreths Sohn sein mochte, der seine Waffe gegen ihn erhob. Ohne ein weiteres Wort wendete er sein Pferd und ritt fort.

Maedhros' Streitkräfte schlugen ihr Lager nordöstlich vom Hauptheer auf, so daß die Truppen der Edain zwischen ihnen und den anderen Erstgeborenen lag. Wann immer Mitglieder beider Armeen einander begegneten, wurde den feanorischen Elben Mißtrauen oder sogar offene Feindseligkeit entgegengebracht.
Ael mußte dies ebenso erfahren wie ihre Kameraden, und sie ertrug es voll Stolz. Nur sehr selten fragte sie sich, ob Gil Galad wohl sie in seine Armee aufgenommen haben würde, hätte sie darum gebeten.

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Zu jedem Kampf sandte Morgoth mehr und mehr seiner Orks und Warge, sie quollen aus den Toren Angbands wie die unreine Flut aus einer verdorbenen Quelle. Doch so viele seiner Sklaven Morgoth auch schickte, sie alle schwanden wie Blätter im Sturm vor den Speeren und den Schwertern, den Äxten und Bögen des Heeres der Valar. Als der Krieg bereits mehrere Dekaden währte, mußte der Schwarze Feind einsehen, daß seine Armee nicht so unbesiegbar war, wie er es zu Beginn geglaubt hatte.

Daher ließ entsandte er alle Kreaturen - von einer einzigen Art abgesehen - die in seiner Festung hausten und brüteten: Trolle und böse Menschen aus dem Osten, Werwölfe, und all die Ainur, die er einst auf seine Seite gelockt hatte. Die letzteren kamen in vielerlei Gestalten, jeder nach der Art und Macht seines Geistes, und die schrecklichsten von ihnen waren die Balrogs, die Feuerdämonen. Sie wurden selbst von jenen gefürchtet, die auf ihrer Seite kämpften. Nur fünf hatten den Fall Gondolins überlebt, und jeder von ihnen besaß eine Leibwache von Trollen. Diese allein konnten die Nähe der Maiar ertragen, zu stumpfsinnig um sie zu scheuen, wie alle anderen es taten. (5)
Und hinter der Armee schritt Morgoths größter Heerführer und der mächtigste seiner Sklaven einher: Sauron der Verhaßte. Seine Erscheinung war wohlgestalt und kraftvoll, ein Krieger, der Stärke verkörperte und Schrecken verbreitete.

Doch die Elben Beleriands verloren nicht den Mut, nicht einmal angesichts der Balrogs. Einige wenige hatten diese schon in der Nirnaeth Arnoediad bekämpft, und alle wußten von Ecthelions und Glorfindels Heldentaten in Gondolin. Mit gezückten Waffen sammelten sie sich, um den Feinden gegenüberzutreten.
Maedhros war besonders darauf erpicht, so viele von ihnen zu töten wie möglich, denn er begehrte Rache für Fingon, seinen Freund. Und Ael stand an seiner Seite, zu Ehren Gondolins und aus Treue für ihren Herrn. Ihre Augen waren weit vor Furcht, doch sie wich nicht zurück, und die Klinge ihres Schwertes schimmerte in der staubigen Luft.
Noch ehe sie die feurigen Unwesen erreichten, trat ihnen Eonwe entgegen.
„Es ist euch nicht bestimmt, diese Feinde zu bekämpfen", sagte er. „Sie sind Ainur, sie haben die Musik gesungen, die die Welt gestaltete, und Ainur allein werden ihre Gegner sein."
Er rief die Maiar herbei, die mit dem Heer gekommen waren, und sie reihten sich an seine Seite.
„Zurück, Diener Melkors", rief Eonwe mit seiner klaren, kraftvollen Stimme. „Diesen Kampf könnt ihr nicht gewinnen, und bald schon wird euer Meister besiegt sein."
Falls irgendeine Antwort hierauf erfolgte, so konnte keiner der Eldar, Edain oder Naugrim sie verstehen. Heiß loderten die Flammen der Balrogs auf, als sie sich gegen jene wandten, welche in den Gedanken des Einen ihre Brüder und Schwestern sein sollten. Ihre Peitschen zerteilten die Luft mit scharfem, schmerzhaftem Knall.
„So sei es", antwortete Eonwe.

Schrecklich war der Kampf der Ainur, und ihr gewaltiges Aufeinandertreffen erschütterte die Erde. Endlich wurden die Balrogs besiegt, bis auf einen, und der versteckte sich tief unter den Wurzeln der hohen Berge im Osten, die sein Herr einst selbst errichtet hatte, um Oromes Ritte zu hindern. Doch alle anderen starben, ihre Fear verließen die grausigen Körper, und sie waren wie Schwaden dunklen Nebels anzusehen. Einer nach dem anderen stiegen sie auf in den grauen Himmel, und jedes mal kam ein Wind aus dem Westen auf und zerstreute die Wolken in ein Nichts. Doch war da ein Fea, der sich nach der sinkenden Sonne ausstreckte. Und es wird gesagt, dieser eine sei nicht geschwunden und vergangen, sondern habe Vergebung erlangt. Es sei ihm erlaubt worden, in Mandos' Hallen einzutreten und vielleicht werde er zu gegebener Zeit wieder über die Wiesen Valinors wandeln. (6)
Doch Sauron kämpfte gegen viele der Maiar, und mehr als einer fiel seinem Zorn zum Opfer. Denn er war einer der machtvollsten unter ihnen.

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An diesem Tage kehrte das Heer aus Elben, Menschen und Zwergen nach dem Kampf der Maiar nicht zu den Zelten zurück, sondern lagerte sich auf der weiten Ebene vor Thangorodrim, jeder Trupp wo er gerade stand, zu erschöpft, um nach den eigenen Kameraden zu suchen. Plötzlich fanden Maedhros und seine Soldaten sich inmitten der Truppen von Balar wieder. Über die vergangenen Jahre hinweg hatte die Feindseligkeit ein wenig nachgelassen, so wurden er und Maglor an das Feuer Gil Galads eingeladen und nahmen gerne an.

Maedhros betrachtete den jüngeren Elb genau, jedes Wort seines Neffen abwägend. Er versuchte zu ermessen, ob der Sohn Orodreths es wert war, den Titel des Hohen Königs der Noldor Mittelerdes zu tragen. So ruhig war er, so ganz anders als Fingolfin, zu dessen Gunsten Maedhros einst auf den Titel verzichtet und damit sein Haus zu den Enteigneten gemacht hatte. Und auch anders als Fingon, der Maedhros näher gestanden hatte als viele seiner Brüder.
‚Vater, was würdest du sagen, wenn du ihn sehen könntest, der deinen Titel geerbt hat', dachte er mit leiser Erheiterung. ‚So ruhig, du könntest ihn nicht verstehen, ebenso wie du unseren Onkel nicht verstehen konntest.' Feanor hatte stets mit geringer Achtung von seinem Halbbruder Arafinwe gesprochen, ihm übergroße Vorsicht und sogar Schwäche vorgeworfen. Maedhros jedoch hatte von jeher den Frieden geschätzt, den er in Gegenwart des Feas seines Onkels empfand.
Auf der anderen Seite des Feuers lehnte Maglor sich zu Gil Galad herüber. Der Hohe König lauschte mit vergnügtem Interesse. Geistesabwesend nahm Maedhros Elronds Namen wahr.
„...Also kam er zu mit diesem Karnickel zu mir und entgegen aller Wahrscheinlichkeit hat er es geheilt. Er besitzt ein großes Talent dafür. Leider, wie ich zugeben muß, das Tier hätte einen hervorragenden Braten abgegeben. Doch selbst wenn es gestorben wäre, hätte ich es eher mit allen Ehren zu Grabe getragen, als es vor Elronds Augen zu essen."
„Natürlich, und höchstwahrscheinlich hättest du obendrein ein Lied zur Lobpreisung seiner Löffel komponiert", antwortete Gil Galad und beide lachten bei dem Gedanken. „Ein Heiler, hm? Das ist ein seltenes Talent für einen Jungen."
„Du hast Recht. Doch er ist in vielerlei Hinsicht einzigartig."
„Das sind sie beide. Elrond war schon immer nachdenklich, Elros willensstark und impulsiv."
Maglor nickte. „Er wird seinem Volk ein großer Anführer sein, sobald er erwachsen ist."

Dem einen von beiden wurde nicht bewußt, der andere erwähnte nicht, daß es kein Volk mehr gab, das Elros hätte führen können.

Maedhros schüttelte den Kopf. Hier saßen sie, und der Bruch zwischen dem Haus von Feanor und jenem Finarfins war alles andere als geheilt. Morgen würden sie einander wieder mit dem selben Mißtrauen und der selben kühlen Höflichkeit gegenübertreten wie zuvor. Doch in diesem Moment benahmen sich sein jüngerer Bruder und sein entfernter Neffe wie die stolzen Väter außergewöhnlicher Söhne. Wenn man davon absah, daß keiner der beiden eigene Nachkommen besaß und sie von den gleichen Kindern sprachen.
Nicht, daß er ihnen widersprochen hätte. Elros und Elrond waren faszinierende Jungen und er hätte nicht sagen können, ob dies in ihrer gemischten Herkunft oder einer Eigenschaft ihrer Fear begründet lag. Inzwischen waren sie ihm tatsächlich kleine Brüder geworden, gerade so, wie Amrod und Amras es gewesen waren. Er empfand Mitleid für Gil Galad, der eigentlich ihr Pflegevater hätte sein sollen.
‚Du weißt nicht, zu was für prachtvollen Jungen die Kleinkinder herangewachsen sind, die du einst gekannt hast', sann Maedhros und starrte in das flackernde Feuer. ‚Wie sehr sie jeden Lobes wert sind, das wir aussprechen können. Wenn du es wüßtest, Finellach, würdest uns wahrscheinlich dafür töten wollen, dir solche Schätze vorenthalten zu haben.'
Bald würde Gil Galad es wissen. Sie waren so schnell gewachsen, schneller als jedes Kind der Eldar, es konnte nicht mehr lange dauern bis sie alt genug zum kämpfen waren. Schon jetzt enthielt jede ihrer Botschaften dieselbe Bitte: „Wir lieben euch, Brüder, bitte erlaubt uns, an eurer Seite zu kämpfen."
Sie würden sehr bald kommen, und Maedhros hoffte inständig, der Krieg werde bereits vorbei sein, wenn es so weit war.

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Der Hohe König der Noldor Mittelerdes schritt eilig durch das Lager, sein Haar noch immer feucht von dem, was in diesen staubigen, trockenen Landen einem Bad noch am nächsten kam. Die Botschaft, die einer der vertrauenswürdigsten Berater seines Großvaters überbracht hatte, ließ keinen Zweifel an ihrer Dringlichkeit.

Gil Galad fand Finarfin in dessen Zelt, das vom flackernden Schein einer einzigen Kerze nur schwach erleuchtet wurde. Entgegen den Erwartungen seines jungen Verwandten war der Hohe König allein.
„Guten Abend, Großvater."
Finarfin regte sich kaum. „Guten Abend, Artanáro", sagte er leise, „bitte, setze dich."
Sein Enkel folgte der Einladung. Nichts wurde gesagt, bis der jüngere Elb nicht länger an sich halten konnte.
„Großvater, was ist geschehen?"
Finarfin seufzte schwer. „Ich hatte heute ein langes Gespräch mit Eonwe. Es gibt etwas, das die Valar beunruhigt."
„Sie beunruhigt?"
„Mein Sohn, was wißt ihr über die Orks? Was denken die Elben der Hinnenlande von ihnen?"
Gil Galad runzelte die Stirn. „Wissen? Wir wissen praktisch gar nichts. Und Ihr kennt unsere Meinungen und Gefühle in bezug auf sie."
„Habt ihr jemals in Erfahrung gebracht, wie sie entstanden?"
„Nein. Wir nehmen an, daß sie aus Erde gemacht sind, von Morgoth einst zu unreinem Leben erweckt und jetzt wie Vieh gezüchtet."
„Das ist es, was wir hoffen müssen." Finarfin schüttelte den Kopf und blickte wieder in das Licht. Eine Träne rann über sein Gesicht.
Zögernd legt Gil Galad seinem älteren Verwandten eine Hand auf den Arm. „Ich verstehe nicht...?"
„Morgoth kann kein Leben erschaffen, mein Sohn, er kann es nur verändern und verderben. Daher können die Orks nicht aus Erde und Stein allein entstanden sein. Sie müssen einst lebende Wesen gewesen sein, von Eru selbst erweckt. Die Valar fürchten, daß die Orks...nun, heutzutage mögen sie sich wie Vieh vermehren, doch ihre Ursprünge könnten sehr wohl anderswo liegen."Er bedeckte Gil Galads Hand mit seiner eigenen, wohl ahnend, wie die folgenden Worte auf seinen Urenkel wirken würden. „Artanáro, es ist möglich, daß die Orks aus Elben geschaffen wurden."
Gil Galad zuckte zusammen und riß seine Hand zurück, als habe er sich verbrannt. „Nein! Nein, das kann nicht sein."
„Wer kann schon sagen was geschehen ist, in jenen dunklen Jahren zwischen dem Erwachen und der Ankunft Oromes?"fragte Finarfin. „Viele der ersten Elben verschwanden. Wir glaubten, sie seien getötet worden, doch vielleicht war dies ein Irrtum. Die Valar halten es für möglich, daß Morgoth nicht alle von ihnen tötete, sondern einige gefangennahm, sie folterte und veränderte und so die ersten Orks erschuf."
„Aber das wäre..."
„Es wäre die schrecklichste Untat, die er jemals begangen hat und aus Sicht des Einen hätte er nichts Böseres tun können."
Beide Elben verfielen in Schweigen, ein erschüttertes Schweigen, das eine Zeitlang andauerte. Schließlich sagte Gil Galad, „Wenn Orks wirklich aus Elben geschaffen wurden, wenn sie die Nachkommen der ersten, verschwundenen Quendi sind, bedeutet das, daß wir unsere eigenen Brüder und Schwestern töten? Ein vierter Sippenmord?"
Finarfin schüttelte den Kopf. „Es wäre eher eine Erlösung als alles andere. Sie sind Kinder des Einen, verkrüppelt und gemartert. Der Tod würde ihren Fear zur Freiheit verhelfen – sie könnten zu den Hallen von Mandos gehen und vielleicht sogar eines Tages wiedergeboren werden. Mandos muß es wissen, er ruft die Seelen aller Kinder zu sich und kennt den Namen eines jeden, der sich in seine Obhut begibt. Doch er schweigt zu dieser Angelegenheit."
„Wenn sie Morgoths Geschöpfe sind, warum sollten sie dann willens sein, dem Ruf Mandos' zu folgen, sofern sie überhaupt seine Bedeutung verstehen? Und wie sollte der Fea eines Orks wiedergeboren werden? Er bräuchte einen Hroa und ganz gewiß werden die Valar diesen Fear keine Körper geben, wie sie sie zuvor besessen hatten." (7)
„Du hast Recht mein Sohn, sicherlich würden viele den Ruf Mandos' zurückweisen, und nur wenige wären jemals fähig, die Hallen zu verlassen. Jenen jedoch beabsichtigen die Valar eine besondere Gnade zukommen zu lassen: in dem Körper wiedergeboren zu werden, den sie ohne Morgoths Einmischung besessen hätten. Aber all dies sind nur Vermutungen, da noch niemals auch nur ein Fea die Hallen verlassen hat, der zuvor einem Ork innegewohnt hätte."Finarfins Stimme nahm einen drängenden Ton an. „Artanáro, ich weiß, was du durch die Orks erlitten hast. Dennoch verdienen sie eine Chance. Zumindest, solange wir uns nicht sicher sein können, ob sie nicht doch Fear wie die unseren in sich bergen."
Gil Galad sah auf seine Hände hinab. Geistesabwesend drehte er den breiten Ring, den er an seiner rechten Hand trug – den Ring, der ihn einst als den Erben des Throns von Nargothrond ausgewiesen hatte. Der Gedanke an sein altes Zuhause brachte auch die Erinnerung an einen Elben zurück, der den Minen und Kerkern Angbands entkommen war – Gwindor, Guilins Sohn, der Nargothrond als einer seiner hervorragendsten Anführer verlassen hatte und verkrüppelt, fast bis zur Unkenntlichkeit verändert, zurückgekehrt war. Sie alle hatten ihn bemitleidet, doch in Wahrheit war er häßlich geworden. Wie weit mußte man gehen um das Wesen, zu dem Gildor geworden war, in einen Ork zu verwandeln?
‚Nein! Gwindor mag sich äußerlich verändert haben, doch charakterlich ist er derselbe geblieben. Verängstigt, wer hätte ihm das vorwerfen wollen, aber in jeder anderen Hinsicht der gleiche ehrenhafte Freund wie zuvor. Nein, es kann nicht sein.'
Gil Galad wandte das Gesicht wieder Finarfin zu, seine Augen waren voller Zorn und Ablehnung.
„Sie besitzen keine Fear. Ich habe viele von ihnen getötet, ich habe sie sterben sehen. Da ist nichts in ihren Augen, was einem Fea ähnelt. Und ich habe den Tod zahlloser Elben mitansehen müssen. Glaubt mir, Großvater Arafinwe, ich kenne den Unterschied."
„Vielleicht hast du Recht und sie sind nur Tiere, in denen ein Teil von Morgoths Geist wirkt. Daß sie einst Elben gewesen sein könnten, wäre ein zu schrecklicher Gedanke. Denn wenn ein Elb in einen Ork verwandelt werden kann, dann wären sie nur Spiegel unserer selbst, verzerrte Abbilder der Kinder des Einen. Dennoch, Sohn, wir wissen es nicht. Selbst Manwe kann es nicht sagen. Doch die Aratar halten es für möglich."
„Warum also sagen sie es uns jetzt? Und warum hast du mich zu dir gerufen, anstatt eine öffentliche Erklärung abzugeben?", fragte Gil Galad.
„Eonwe hält es für klüger, diesen Verdacht zurückzuhalten, bis die Wahrheit bekannt ist. Wenn unsere Krieger die Orks für vermißte Verwandte halten, könnten sie einen Widerwillen dagegen empfinden, sie zu töten."
Gil Galad lachte verächtlich auf. „Widerwillen? Wer von uns, die wir in den Hinnenlanden geboren wurden, sollte einen Widerwillen hegen, Orks zu töten?"
„Und was wirst du jetzt tun?", fragte Finarfin, etwas beunruhigt durch die Reaktion seines Enkels.
„Tun? Ich werde überhaupt nichts tun."(8)

Als er das nächste mal einen Ork in der Schlacht tötete, nahm Gil Galad diese Gelegenheit wahr, und beobachtete, wie die Kreatur starb. Da war gewiß irgend etwas in seinen gräßlichen Augen: Niedertracht, bösartige Intelligenz - doch auch...was? Ein Fea? Dem seinen gar nicht so unähnlich?
‚Was hätten sie aus Finduilas gemacht?'
Der Gedanke reichte aus, seinen Haß aufs neue zu entzünden. „Wen schert es, was du bist?"zischte er, und mit einer beinahe achtlosen Geste ließ Gil Galad Aeglos in das Herz seines Feindes hinabfallen.

Fußnoten:

(1) Morgoths Essenz in der Erde: in der ‚History of Middle Earth' Band X, ‚Morgoth's Ring', schreibt Tolkien in Teil V, ‚Myths Transformed' (Seite 394 meiner Houghton-Mifflin-Ausgabe), daß Morgoth seine Macht über die gesamte Materie Mittelerdes verteilte: „To gain domination over Arda, Morgoth had let most of his being pass into the physical constituents of the Earth..."(Um Macht über Arda zu erlangen, hatte Morgoth den größten Teil seines Wesens in die physischen Bestandteile der Erde übergehen lassen..."Übers. durch d. Autorin).

(2) ‚Tyelpe' als Kosename für Celebrimbor: er existiert nicht im Kanon, sondern stammt aus dem FanFiction-Bereich, ist aber einfach zu entzückend, um nicht verwendet zu werden. Ithilwen hat mich hierin freundlicherweise beraten.

(3) Die drei Clans der Elben: siehe hierzu die ‚History of Middle Earth' Band XI ‚The War of the Jewels', Teil 4 ‚Quendi and Eldar' (Seite 380 meiner Houghton-Mifflin-Ausgabe). Zusammengefaßt: die 144 Elben, die an Cuiviénen erwachten, teilten sich wie folgt auf: Minyar (von denen die Vanyar abstammten, alle von ihnen verließen Mittelerde), Tatyar (von denen die Noldor abstammten, ungefähr die Hälfte von ihnen nahm nicht an der Großen Wanderung teil und wurde zu ‚Tatyarin Avari') und Nelyar (ungefähr ein Drittel von ihnen wurde Avari, die restlichen begründeten die Teleri, Sindar, Nandor usw.).

(4) Ich glaube, daß die Moriquendi hierüber wirklich verbittert waren. Tausende von Jahren lebten die Valar und Calaquendi glücklich in Valinor, und abgesehen von einigen Ausnahmen (wie Orome) scheinen sie sich nicht um das Schicksal der Elben zu kümmern, die in Mittelerde zurückgeblieben waren. Erst nachdem die Noldor dort angekommen und beinahe vollkommen vernichtet worden waren (ganz zu schweigen vom Raub der Silmaril) wandten sie sich zum Krieg gegen Morgoth. Und ich möchte auch daran erinnern, daß das Verhalten einer Figur nicht notwendigerweise die Billigung der Autorin findet, also macht mir keine Vorwürfe für die Unhöflichkeit dieser Elbenfrau.

(5) Die Anzahl der Balrogs: Laut Tolkien (späteren Aussagen) gab es höchstwahrscheinlich lediglich sechs oder sieben Balrogs. Von diesen wurde einer von Ecthelion ertränkt, der andere stürzte mit Glorfindel in den Abgrund. Ich bin - aus keinem besonderen Grund - von sieben Balrogs ausgegangen.

(6) Vergebung für einen Balrog: meine Beschreibung vom Tod eines Balrogs ist (höchst offensichtlich) von Sarumans Ende beeinflußt. Immerhin gehörten beide zu den Maiar. Daß einem der Balrogs verziehen worden sein könnte, ist mein Gedanke. Tolkien schrieb in einem seiner Briefe, daß er die Orks ungern als unwiderruflich verdammt ansehen würde, und ich mochte den Gedanken, daß sogar ein Balrog seine Taten bereuen und Vergebung erlangen könnte.

(7) Fea & Hroa: der Fea (pl. Fear) entspricht dem ‚Geist' oder der ‚Seele', der Hroa (pl. Hroar) dem Körper. Dank an Eldrond, der mich auf meine zu selbstverständliche Verwendung dieser ‚Fachbegriffe' aufmerksam gemacht hat. krault den Beta-Balrog

(8) Die Herkunft der Orks: Tolkien entwickelte hierzu mehrere Konzepte. Das letzte aber auch am wenigsten entwickelte geht davon aus, daß Elben keinen Anteil daran hatten.

2. A/ N

Bestimmt werden einige meiner Beschreibung der Armee der Valar widersprechen - immerhin hat Elrond sie als die großartigste und beste Mittelerdes beschrieben.
Das ist richtig und ich stimme dem absolut zu. Nichtsdestotrotz besaßen sie zu Anfang keine Erfahrung mit Orks, Wargen, Balrogs oder auch nur dem einfachen Alltagsleben eines Soldaten. Das ist der Grund, warum frisch ausgebildete Soldaten keine höheren Ränge einnehmen - ausgenommen, ihre Papas sind selber ‚Hohe Tiere' (obwohl das häufig bedeutet, daß die Sprößlinge völlig vor den Schrecken des Krieges bewahrt werden : ). Selbst die Elben Amans mußten erst lernen.