Narn Gil Galad
von Earonn
Kapitel XXI – Der Krieg des Zorns IV – Morgoths Niederlage
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Danksagung: geht an Eldrond, Gild-Galad und Fymhrisfawr – meine geduldigen und zuweilen arg spitzbübischen Betas.
Widmung: unserem Geburtstagskind Nemis (die sehr gute FanFic schreibt - wer sie noch nicht kennt gehe auf und lese die ‚High Princes of Tirion'!)
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A/N: Ich bin so lange nicht dazu gekommen, an der Narn weiterzuarbeiten - soll ich euch kurz erklären, wer ‚Gil Galad' und diese ganzen anderen komischen Leute sind? ;)
O-Finduilas: Das mit dem hohen Alter gefällt
mir - ich sehe uns schon als Greisinnen in Lehnstühlen sitzen,
während der Zivi von der Awo Fanfics vorliest (und ich weiß
auch genau, wer den armen Jungen immer Slash vorlesen lassen wird! ;)
).
Den Vergleich zwischen den Arbeitsgesängen der Elben und
den Maori-Hakas fand ich sehr interessant. Kommt dem, was ich im Kopf
hatte, tatsächlich sehr nahe.
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XXIII
– Der Krieg des Zorns IV – Morgoths Niederlage
Der
Himmel über der Anfauglith war für gewöhnlich grau und
wolkenverhangen. Denn weder dem Licht der Sonne noch dem des Mondes
oder Vardas Sternen war es gestattet, die staubige Erde zu berühren.
Heute jedoch stand Anar dicht über dem Horizont und sandte
ihre letzten rotgoldenen Strahlen über die Ebene. Es war ein
herzzerreißend schöner Anblick, voll von Freude und
Verheißung, und das Heer der Valar schöpfte neue Hoffnung
daraus.
An diesem Tag trafen die Söhne Earendils vor
Thangorodrim ein.
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In
Elronds grauen Augen strahlte die Aufregung während er,
flankiert von seinem Bruder Elros und ihrem Pflegebruder Maglor, zum
Lager der Truppen von Balar ging. So viele Jahre waren seit dem
letzten Zusammentreffen mit seinem Vetter in Maedhros' Festung tief
in den Wäldern von Thargelion vergangen! Damals war er selbst
noch ein Kind gewesen, jung und unerfahren. Wie sehr mochte sich der
König von dem Onkel unterscheiden, der ihnen während seiner
Besuche in Arvernien vorgelesen, mit ihnen gelacht und gespielt
hatte? Ein Bild von dunklen, freundlichen Augen und der Klang einer
tiefen, warmen Stimme, die lehrte und Geschichten erzählte,
stieg in ihm auf.
Er versuchte, einen Blick auf Elros' Gesicht
zu erhaschen. Während ihrer Reise hatten sie viele male darüber
gesprochen, was sie erwarten mochte und Erinnerungen an jene
ausgetauscht, die sie von ihrer Kindheit her kannten.
Sein Bruder
runzelte die Stirn, sicherlich spürte er ebenso wie er selbst
die Feindseligkeit der Leute ringsum gegenüber ihrem
Pflegebruder.
Ein hochgewachsener Elb kam ihnen entgegen,
sein Haar golden schimmernd im Sonnenlicht.
„Heil euch, Elros
und Elrond! Eure Ankunft wurde uns angekündigt, und lange haben
wir darauf gewartet, die Söhne Elwings und Earendils
wiederzusehen!"
Die jungen Halb-Elben verneigten sich höflich.
Elros, als der ältere von beiden, erwiderte das Willkommen.
„Auch Euch Gruß, Lord Gildor. Es ist uns eine Freude,
Euch wiederzusehen, und eine Ehre, hier zu sein."
Gildor hob
eine Braue. Von den beiden Kindern, die ihm einst so vertraut gewesen
waren, hatte er ein weniger formelles Benehmen erwartet.
‚Doch
wer kann schon sagen, wie über uns zu urteilen man sie gelehrt
hat?', dachte er.
„Folgt mir", sagte er schließlich
laut und führte sie zu Gil Galads Zelt.
An diesem Tage
war eine Schlacht geschlagen worden, und der Hohe König der
Noldor-im-Exil reinigte gerade seine Waffen, als die vier Elben
eintraten.
„Mein König, die Söhne Elwings sind
eingetroffen."
Gil Galad ließ freudestrahlend Schwert und
öliges Tuch sinken.
„Heil, Elros und Elrond, Söhne
meiner erwählten Schwester. Laßt euch ansehen!"
Elrond
erschauerte, als der Klang der Stimme des Königs und das
melodische Sindarin angenehme Kindheitserinnerungen weckten.
Äußerlich hatte sich sein Vetter nicht verändert,
doch Elrond konnte den Wandel in Gil Galads Fea spüren, der an
Tiefe und Macht gewachsen schien. Plötzlich überkam ihn die
Voraussicht seines Volkes und er wußte, daß sein
Schicksal unwiderruflich mit dem seines Königs verbunden war.
Der Halb-Elb empfand hierüber eine unerklärliche Freude,
als habe er etwas lang Vermißtes wiedergefunden.
Gil
Galad war vom Anblick der Zwillinge ebenfalls tief beeindruckt.
Beider Gesichter zeigten sowohl Earendils Stärke als auch
Elwings zarte Schönheit. Er erinnerte sich an die Kinder, die
diese jungen Krieger einst gewesen waren, ihre fröhlichen,
grauen Augen erfüllt von Unschuld, Hoffnung und einem Gutmaß
kindlichen Mutwillens. Jetzt waren sie voll Ernst und bargen bereits
die Erinnerung an Verlust und Schmerz.
Wie sehr hatte er gehofft,
ihnen diesen Krieg ersparen zu können! Und dennoch war ihm
bewußt, daß für Elros und Elrond, die in einer
einzigen entsetzlichen Nacht ihre Eltern und ihr Zuhause verloren
hatten, selbst der Krieg des Zorns nicht die schwerste Bürde
wäre.
‚Elwing, ich versprach dir, deine Söhne zu
beschützen', dachte er. ‚Offensichtlich habe ich versagt.
Vergib mir, kleine
Schwester.'
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Zum nächsten Kampf begleiteten Elrond und Elros Maedhros' und Maglors Truppen, die an der linken Flanke des Heeres des Lichts fochten. Sie kamen dicht an Gil Galads Banner heran, das stolz im staubgeschwängerten Wind flatterte. Hier und da erhaschte Elrond einen kurzen Blick auf seinen Vetter, der mit grimmiger Entschlossenheit und Kraft kämpfte, sein Speer tödlich für alle Orks und anderen üblen Wesen ringsum. Es war ein verstörender Anblick für den jungen Halb-Elben, seinen liebevollen, fürsorglichen Anverwandten blutbesudelt und mit solch augenscheinlicher Befriedigung töten zu sehen.
Auch Gil Galad hatte die feanorischen Truppen in seiner Nähe bemerkt. Aus dem Augenwinkel beobachtete er Elrond und Elros. Sie waren voller leichtfüßiger Eleganz, schnell und gewandt. Der Einfluß von Maedhros' Kampfstil war deutlich, und wäre Zeit dazu gewesen, hätte er innegehalten um den Anblick zu genießen.
Sein Augenmerk wurde gewaltsam wieder auf seinen eigenen
Kampf gelenkt, als ein dunkler Schatten nur knapp sein Gesicht
verfehlte und statt dessen die Kehle seines Bannerträgers
durchbohrte. Es war ein kurzer, gedrungener Pfeil, auf dessen Schaft
lästerliche Flüche mit Blut geschrieben standen.
Der Elb
gab ein gurgelndes Husten von sich und brach in die Knie. Ein letztes
mal griff er nach der Stange, doch seine Hände besaßen
schon nicht mehr die Kraft, sie zu halten.
Innerlich fluchend
sah Gil Galad, wie sich das Feldzeichen langsam neigte. Er mußte
sich gegen zahllose Orks verteidigen und konnte nicht eingreifen. Die
Flagge selbst kümmerte ihn nicht, obschon sie mit großer
Sorgfalt und Liebe gefertigt worden war. Doch er wußte, was
dieser Anblick für die Moral seiner Truppen bedeutete.
Schließlich fiel das Banner. Eine Welle der Unsicherheit
ging durch das gesamte Heer der Valar. Verzweifelt versuchte Gil
Galad, sich einen Weg freizukämpfen, doch zu viele Feinde warfen
sich ihm entgegen.
Plötzlich heulten die Orks zu seiner
Linken voller Zorn und Angst auf. Die Söhne Feanors waren ihnen
zu Hilfe gekommen! Bald ließ der Ansturm der Feinde ein wenig
nach. Gil Galad sammelte seine Soldaten, um ihre Kampfreihen an die
von Maedhros' Kriegern anzuschließen – und hielt inne,
Überraschung auf seinem Gesicht.
Einige Schritt entfernt
kämpfte einer der Zwillinge nahe dem gefallenen Banner, offenbar
all seine Kraft und all sein Geschick aufbietend, um seine Stellung
zu behaupten. Dann blickte er auf, in seinen Augen stand
Entschlossenheit, und trotz des Blutes und Schmutzes auf seinem
Gesicht erkannte Gil Galad sofort, daß dies Elrond war.
Mit
einem weniger eleganten als kraftvollen Stoß bohrte der junge
Halb-Elb sein Schwert tief in den Körper eines hochgewachsenen
Ostlings und warf seinen Gegner zurück. Dann bückte er sich
und berührte beinahe zögerlich das Feldzeichen. Und
plötzlich, als sei ein Bann gebrochen, schwang er es hoch hinauf
in den blassen Himmel wo es sich in einer heftigen Bö
entfaltete. Ein Ruf der Freude und Erleichterung stieg vom Heer auf,
als die Elben Balars verstanden, daß ihr König noch am
Leben war. Elrond blickte zu den silbernen Sternen auf, die auf
dunklem Blau im Wind wehten.
Auf eine unerklärliche Weise
erschien es ihm richtig.
Als der Kampf vorbei war und sich
die Anführer des Heeres trafen, brachte Elrond das sorgsam
gefaltete Banner mit sich. Mit einem Ausdruck aus Verlegenheit und
Trotz hielt er seinem Vetter die Stange hin.
Gil Galad machte
keine Anstalten, sie an sich zu nehmen.
„Das war ein
bemerkenswerter Kampf, Elrond", sagte er anerkennend - nicht
gönnerhaft, sondern wie unter Gleichrangigen. „Es würde
mich freuen, wenn du es weiterhin tragen könntest bis ich einen
anderen gefunden habe, der dieses Amtes würdig ist."
„Oh,
es wäre mir eine Ehre, mein König", antworte Elrond
eifrig. Dann warf er Maedhros einen schnellen Blick zu. „Das heißt,
wenn du es erlaubst, Bruder?"
Feanors ältester Sohn
antwortete nicht sofort. Er sah die plötzliche Freude auf
Elronds Gesicht und fühlte gleichzeitig Maglor sich neben ihm
versteifen. So spürte also auch sein jüngerer Bruder die
Veränderung. War dies lediglich die Ehrerbietung eines jungen
Kriegers gegenüber seinem König oder der erste Schritt auf
einem Weg, der sie schlußendlich einander entfremden würde?
Was auch immer, Maglor mochte es ganz offensichtlich nicht.
Maedhros
war sich wohl bewußt, wie sehr sich seines Bruders Gefühle
für Elros und Elrond von den seinen unterschieden. Für ihn
waren sie jüngere Brüder wie es auch Amrod und Amras
gewesen waren. Maglor jedoch hatte sich schon immer nach eigenen
Kindern gesehnt und schon am Tage seiner Hochzeit von seinen
künftigen Söhnen und Töchtern gesprochen. Die
Bindungen der Familie bedeuteten ihm viel, es war wenig
verwunderlich, daß er den jungen Zwillingen gegenüber ein
eher väterliches Benehmen an den Tag legte. Nicht zum ersten
male wünschte sich Maedhros, Maglor hätte die Geheiligten
Landen nie verlassen oder sei wenigstens von seiner Gattin nach
Mittelerde begleitet worden. Genaugenommen wünschte er sich,
alle seine Brüder seien daheim geblieben. (1)
Ein verhaltenes
Husten unterbrach seine kummervollen Gedanken und Maedhros wurde sich
Gil Galads und Elronds erwartungsvoller Mienen bewußt. Er zwang
die Worte aus seinem Herzen heraus und über seine Lippen.
„Wenn
es Elronds Wunsch ist, an der Seite seiner Verwandten zu kämpfen,
so mag er es tun."
„Du paßt besser gut auf ihn auf,
Finellach", hört er Maglor neben sich sagen, nein, eher
fauchen.
Gil Galads Blick wurde wehmütig und sanft.
„Das
werde ich Maglor. Ich habe es
versprochen."
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Elrond
focht zusammen mit Celebrimbor, Gildor, Círdan und Argon an
Gil Galads Seite, so wie in allen Kämpfen der letzten Wochen. Es
bedeutete nicht geringe Gefahr, einem der Anführer des Heeres so
nahe zu sein, doch er war vom besten Schwertkämpfer der Noldor
unterwiesen worden. Gemeinsam stritten sie gegen Orks, Trolle, Warge,
Menschen und üble Geschöpfe aller Art aus Angbands dunklen
Tiefen. Obwohl es nur selten Gelegenheit für ein Gespräch
gab, lernte Elrond seinen entfernten Vetter durch die Befehle kennen,
die er gab, durch seine Entscheidungen und sein Verhalten, ja selbst
wie er kämpfte und tötete.
Einst hatte er Gil Galad als
Verwandten geliebt, der ihm Geschichten erzählte und seine
Neugierde stillte. Nun war er alt und gebildet genug, den Sohn
Orodreths als einen König seines Volkes zu beurteilen. Und er
verstand, warum seine Männer willens waren, für ihn in den
Tod zu gehen.
An diesem Tage kämpften sie am westlichen Ende des Schlachtfeldes und schlugen sich südwärts durch eine Phalanx von Trollen. Im ersten Moment begriff der junge Halb-Elb gar nicht, wieso Gil Galad plötzlich innehielt und mit einem solchem Entsetzen in den Augen zurückblickte wie Elrond es noch nie, nicht einmal im schlimmsten Kampfgedränge, bei ihm erlebt hatte. Dann folgte er dem Blick seines Vetters und schrak selbst zurück.
Ein gewaltiges Untier erhob sich aus den Tiefen
Thangorodrims. Schwarz, scheußlich, eine Qual für das
Auge. Mit einem Blick voll kalt brennenden Hasses starrte es sie an,
während es seinen massiven Körper in den Himmel hievte. Es
war ein Drache - doch dieser hatte Flügel!
Ancalagon wurde er
genannt, der Schwarze, und er war der größte aller
Drachen. Kein lebendes Wesen besaß seine Kraft und es gab
nichts am Himmel, das machtvoller gewesen wäre als er. Nur seine
Bosheit war seiner Stärke ebenbürtig.
Hinter ihm
folgten weitere Drachen und stiegen hoch in die Lüfte auf.
Monströse, riesige, schuppige Kreaturen. Elrond bekam eine
Gänsehaut.
Gil Galad starrte den neuen Schrecken an. Für
einen Moment erschien es ihm, als sei er wieder auf dem Schlachtfeld
von Talath Dirnen, wo er zum ersten mal einen Drachen gesehen hatte.
Macht. Bosheit. Schiere Größe.
Er schauderte.
Adas
Tod.
Er nahm jedes Details schmerzhaft deutlich wahr: den
Gestank von Blut, die dunklen Wolken, den Widerschein von grauem
Licht auf Drachenschuppen, Argons verstörten
Gesichtsausdruck.
Er spürte, wie er die Kontrolle verlor -
über seine Männer und über sich selbst. „Zurück!",
rief er.
Ein jeder hat gewisse Grenzen dessen, was er zu ertragen
vermag, und hier war etwas, dem selbst Artanáro Finellach Gil
Galad nicht standhalten konnte. Es drängte ihn loszulaufen, so
schnell und so weit er nur konnte. Und in diesem ersten Moment der
Panik war es nicht Pflichtgefühl, noch Stolz oder Mut sondern
allein die Masse der Krieger hinter ihm, die seine Flucht
verhinderte.
Aus der Entfernung beobachtete Finarfin das
Geschehen auf dem Schlachtfeld. Zu seiner Rechten blickten die Edain
voller Schrecken zu den Drachen auf, hielten jedoch tapfer stand und
zogen sich nur langsam in wohlgeordneten Schlachtreihen zurück.
Auf der anderen Seite packten Sindar und Zwerge ihre Äxte
fester, wiewohl sie genau um deren Nutzlosigkeit wissen mußten.
Und direkt vor ihm sah er seinen Großenkel, so gefährlich
nahe der schwarzen Bestie. Plötzliche Angst erfüllte sein
Herz.
‚Oh nein, nicht Artanáro, bitte nicht ihn.
Ilúvatar, laß nicht zu, daß Artahers ganze Familie
den Drachen zum Opfer fällt!'
Der Hohe König der
Noldor sah die Elben aus Beleriand ihre Waffen heben, doch er wußte,
sie konnten diese Ungetüme nicht vernichten. Wenn die Valar
ihnen keine Hilfe sandten, würden die Drachen allein sie
besiegen.
Ancalagon wendete im Flug, seine Bewegungen viel zu
beweglich und elegant für ein Wesen von seiner Größe.
Der Drache wußte, wonach er zu suchen hatte, sein Meister
hatte es ihm gesagt:
Finde den Herold. Finde die Könige.
Töte sie.
Diesem Befehl zu gehorchen fiel ihm nicht
schwer. Geschaffen in Haß und Verachtung für alle Kinder
Erus, bedeutete es Ancalagon wenig, welches von ihnen er zuerst
tötete. Wenn er mit ihren Anführern zu beginnen hatte,
sollte es ihm recht sein.
Im Steilflug stieß er auf sein
Opfer hinab. Der Elb mit den Sternen. Ancalagon haßte die
Sterne.
Gil Galad sah den Drachen kommen und hielt sich
bereit. Er faßte Aeglos fester und strich mit dem Daumen über
die silbernen Buchstaben von Finduilas' Namen, ohne es auch nur zu
bemerken.
„Wenn dies das Ende ist", flüsterte er allen
Winden, der Erde und jedem Wesen zu, das ihn hören mochte,
„werde ich es ein Ende würdig eines Kindes Eru Ilúvatars
sein lassen!"
Der Drache war ihm jetzt sehr nahe, er konnte das
dunkle Feuer in den Augen der Bestie sehen. Nach links oder nach
rechts? Er würde es erst im letzten Moment entscheiden
ehe-
Jemand ergriff ihn von hinten und zerrte ihn seitwärts
hinab in eine schmale Lücke zwischen einem Felsen und einem
Haufen toter Orks und Elben. Der Aufschlag preßte ihm die Luft
aus den Lungen und Gil Galad spürte das Gewicht des anderen auf
sich. Argon. Nur er konnte so tapfer und so dumm sein, etwas
derartiges zu tun.
Dann war die Hitze und der Gestank und der pure
Schrecken des Drachen über ihnen, nur für die Dauer eines
Herzschlages, doch lange genug, um ihre Haut von der Hitze prickeln
zu lassen. Gil Galad fühlte Argons Gesicht gegen seinen Hals
gepreßt und er legte einen Arm um den Kopf seines Leibwächters
um ihn zu schützen.
‚Dies ist lächerlich', schalt er
sich selbst. ‚Was glaubst du kann so etwas gegen das Feuer eines
Drachen ausrichten?'
Einen Moment später war es vorbei. Die
beiden Elbenkrieger hoben die Köpfe um den Flug der Bestie zu
verfolgen. Erst jetzt erkannte Gil Galad seinen Irrtum.
„Elrond,
deine Angewohnheit den Platz anderer einzunehmen wird allmählich
ein wenig...irritierend", sagte der König mit einem
verschmitzten Grinsen auf seinem schmutzbedeckten Gesicht.
Der
jüngere Elb errötete.
„Ich wollte Euch beschützen
und...und..."
„Ganz offensichtlich hast du das getan. Weißt
du denn nicht, daß ich deiner Mutter versprach, auf dich
aufzupassen - und nicht umgekehrt?" Er stemmte sich auf einen
Ellenbogen. „Hoch mit dir, oder willst für die nächsten
fünf Stunden auf mir bleiben?" (2)
Beide Elben erhoben sich
und Gil Galad blickte umher. Er fand zwanzig oder mehr geflügelte
Drachen über der Armee der Valar schwebend. Ihnen zunächst
war der große Schwarze, ungefähr drei Mannslängen
hoch über dem Boden. Seine Flügel wirbelten Staub auf und
sein Kopf pendelte langsam von links nach rechts, ein neues Opfer
suchend. Gil Galad nahm seinen Speer auf. Aeglos' Gewicht wog
vertraut und beruhigend in seinen Händen. Er war
bereit.
Plötzlich hob der Drachen sein Haupt gen Westen
und fauchte. Ein leises Geräusch erklang, wie das Rauschen von
Wasser gemischt mit einem Schrei von tausend Kehlen. Im nächsten
Moment brach ein weißes Schiff durch die tiefhängenden
Wolken. Mit der gleichen majestätischen Langsamkeit, mit der
sich auch Ancalagons mächtige Schwingen bewegten, glitt es durch
die Lüfte, alle Segel gesetzt und von einem starken Wind
gebläht. Sein Bug war in der Form eines Schwans geschnitzt, das
schönste und seetüchtigste Schiff, das je gebaut worden
war. Gil Galad seufzte in Ehrfurcht. Er kannte dieses
Schiff!
„Vingilot?", flüsterte er, Tränen in den
Augen.
Die Valar hatten endlich Hilfe gesandt!
Earendil
stand am Steuer Vingilots, er trug ein langes Schwert und der
Silmaril schimmerte auf seiner Stirn. Die Wolken hinter ihm schienen
zum Leben erwacht, voll von sich bewegenden dunklen Schatten jeder
Form und Größe. Bald darauf konnten die scharfen Augen der
Elben zahllose Vögel erkennen, die den weißen Segeln
folgten. Große und kleine, starke und schwache, Singvögel
und Raubvögel, sie alle waren gekommen. An der Spitze des
gigantischen Schwarms flog Thorondor, der Herr der Adler. Endlich war
die Stunde seiner Rache gekommen, endlich war es ihm erlaubt, sein
Verlangen nach Vergeltung zu befriedigen. Für Fingolfin und
Glorfindel, für Nargothrond und Gondolin, für die Dagor
Bragollach und die Nirnaeth Arnoediad, und er ließ den
Schlachtruf seines Volkes erklingen: „Erhebt Euch, o Thornhoth,
deren Schnäbel aus Stahl und deren Klauen Schwerter
sind!"
Hinter ihm bildeten die großen Adler der
Crissaegrim die Vorhut. Sie schrien laut als Antwort auf den Ruf
ihres Herrn und die Orks kreischten vor Furcht ob dieses Klangs.
Die
geflügelten Drachen wandten sich vom Heer der Valar ab und
stiegen fauchend und geifernd hoch in den Himmel auf. Vingilot hielt
direkt auf Ancalagon zu. Gemeinsam trafen Schiff und Vögel auf
ihre Feinde. Ein Schrei aus vielen Stimmen, lieblichen und
gräßlichen, erklang, und schon kurz darauf stürzte
ein großer Körper vom Himmel herab, ein Adler, seine Kehle
von scharfen Krallen zerfetzt. Bald folgte erst ein und dann ein
zweiter Drachen. Erbarmen wurde weder erbeten noch gewährt.
Das schwache Licht des Tages ging in eine Nacht voller Unsicherheit über, die allein vom Feuer der Drachen und dem Licht des Silmaril erleuchtet war. Elben, Menschen, Zwerge und Maiar kehrten zu ihrem Lager zurück. Hier warteten sie, und hofften, und sahen einander in die Augen, lange und versonnen. Viel wurde geoffenbart in jener Nacht, vergangene Fehler eingestanden und verborgene Gefühle enthüllt. Sie fürchteten nicht allein den Verlust ihrer Hroar und die lange Trennung des Aufenthalts in Mandos' Hallen, sondern den Untergang und das Ende von Arda selbst. Und viel Trost wurde gespendet, Vergebung erteilt und Gefühle erwidert.
Nur Elros und Elrond blieben so weit draußen auf dem Schlachtfeld wie es ihnen Maedhros nur gestatten wollte. Hier beobachteten sie jede Bewegung von ihres Vaters Schiff. Sie hielten einander an den Händen wie Kinder es tun mochten, und sie bemerkten Maglor nicht, als er hinter sie trat und seine Arme schützend und tröstend um ihre Schultern legte.
Verborgen hinter den Wolken stieg die Sonne auf, und noch immer tobte der Kampf. Auf dem Schlachtfeld lagen die toten Körper der Drachen, umgeben von zahllosen Vögeln jeder Art und Größe. Die Elben vergaßen nie den Mut auch der kleinsten Vögel, sich dem Feuer eines geflügelten Drachen zu stellen.
Eärendil und Ancalagon kämpften weit im Norden, hoch über den Gipfeln von Thangorodrim. Heftig war ihr Ringen, doch endlich gelang es dem Seefahrer, seinen Kontrahenten tödlich zu verwunden. Mit einem schrecklichen Schrei voller Haß stürzte Ancalagon in die Tiefe, und sein Aufprall auf Angband zerschmetterte Morgoths Festung. Sein Körper riß die grausamen Mauern aus schwarzem Gestein nieder und zerstörte die mächtigen, eisernen Tore. Der Boden selbst bebte von seinem Aufschlag.
Als
sei er erleichtert, die Erde auszuspeien, die Morgoth besudelt hatte,
geriet der Untergrund in Aufruhr und allerorten öffneten sich
feurige Klüften im schönen Beleriand. Weit entfernt begann
das Meer zu raunen und zu wogen. Die Wellen schwappten höher auf
den Strand.
Und dann sank es.
Langsam, unausweichlich wurde
Beleriand von den Fluten des Belegaer verschlungen.
Wer im
Binnenland lebte, mußte dem vorrückenden Wasser weichen.
Es kroch ständig vorwärts, Tag und Nacht, und die Langsamen
fanden sich inmitten eines gnadenlosen Wettrennens. Wer erschöpft
zusammenbrach und nicht mehr weiter konnte, ertrank. Unter den
Menschen gerieten selbst die Jungen und Kräftigen in Not, und
während jeder Rast kamen die Fluten näher.
Viele wäre
gestorben, hätten nicht wandernde Elben und Zwerge ihnen
geholfen. Sie trugen die Kinder oder zogen die Karren auf denen jene
lagen, die nicht laufen konnten. Denn die Zwerge sind stark und
hartnäckig im Körper wie sie es im Geiste sind, und die
Elben benötigen keinen Schlaf. So entkam eine größere
Anzahl der Bewohner Beleriands dem Untergang, wenn sie nicht von
neuen Flüssen hinweggespült wurden oder in die Erdspalten
stürzten, die sich allenthalben auftaten. An einigen Stellen
senkte sich der Boden innerhalb eines Augenblicks um mehrere
Mannslängen. Sein Rumpeln und das Rauschen von Wasser war den
Flüchtlingen bald ein vertrautes Geräusch.
Doch die Armee des Lichts, die vor Thangorodrim stand, bemerkte nichts von all dem. Als es deutlich wurde, daß Morgoths Macht gebrochen war, flohen die restlichen Orks und ihre Verbündeten. Ohne auf Eonwes Befehl zu warten, stürmten Menschen, Elben und Zwerge zu einem letzten Angriff. An ihrer Spitze ritten die Elben und Gil Galad war unter ihnen. Der Hohe König der Noldor von Mittelerde triumphierte, ihm war, als ob an diesem Tag selbst sein eigener Tod nichts bedeutete. Celebrimbor und Círdan waren an seiner Seite, Argon und Elrond hinter ihm, sein Großvater ritt voran. Dies war ihr Moment. Und er lachte, als sie die Reste der Tore durchbrachen wie die Flut den Damm.
Im Inneren der Festung
von Angband verteilten sich die Krieger. Sie öffneten alle
Kerker, befreiten die Gefangenen und trugen jene hinaus, die nicht
mehr selbst laufen konnten. Und sie weinten beim Anblick ihrer
abgemagerten, verängstigten und verstümmelten Verwandten.
Viele von diesen hatten das Licht des Tages seit hunderten von Jahren
nicht mehr gesehen.
Eonwe stieg tief in die Schächte hinab
und schließlich fand er Morgoth in einem versteckten Loch. Der
Schwarze Feind kämpfte nicht, sondern flehte um Erbarmen und
schwor, Hilfe zu leisten für Ardas Heilung. Doch Manwes Herold
hörte nicht auf ihn, und er warf ihn nieder auf sein Gesicht.
Einer der Maiar aus Aules Gefolge, Curumo, band ihn mit der Kette
Angainor, die Morgoth zuvor bereits getragen hatte, und Curumo löste
auch die Silmaril aus der eisernen Krone. Doch es wird gesagt, das
dies zu seinem eigenen Sturz viele Jahre später geführt
haben mag. (3) Und Eonwe nahm die beiden Silmaril an sich, ungeachtet
Maedhros' Widerspruch, der sie als sein und Maglors Erbe
beanspruchte.
In der Zwischenzeit hatten andere den Thronsaal
aufgebrochen, wo viele Dinge gefunden wurden, die einst den Großen
unter Elben und Menschen gehört hatten. So auch Ringil,
Fingolfins Schwert. Es wurde Finarfin übergeben, der es als
Erinnerung an seinen geliebten älteren Bruder behielt. Anaire
würde glücklich sein, etwas in Händen zu halten, das
ihrem Gatten gehört hatte, selbst wenn es eines der Schwerter
war, die sie so sehr haßte.
Morgoth wurde ans Licht
gebracht, wo er seit seiner Folterung Húrins so viele Jahre
zuvor nicht mehr gewesen war. Und so sah Gil Galad zum ersten mal im
Leben den größten Feind seiner Sippe.
Später
versuchte er zuweilen, das Aussehen des Vala zu beschreiben. Er
erinnerte sich, daß Morgoth dunkel gewesen war und entsetzliche
Macht ausstrahlte wie die schwarze Wolke eines Gewittersturms, der
Körper und Geist gleichermaßen bedrohte. Doch er konnte
sich nicht an seine körperliche Form erinnern, wohl zu seinem
eigenen Besten.
Trotz der Qual, die es ihm bereitete, trat er vor
den Schwarzen Feind. Morgoth blicke ihn nur kurz an, bevor er
scheinbar das Interesse verlor. Doch gerade als er seine gräßlichen
Augen von dem Elben abwandte, sah Gil Galad seinen eigenen Tod in
ihrer Schwärze widergespiegelt. Oder war es nur eine Illusion,
eine letzte Tücke Morgoths?
‚An einem herrlichen Tag, in
einem wunderschönen Land, von hinten niedergestochen von einem,
den du liebst und dem du vertraust', echote die grausame Stimme in
seinem Kopf.
‚Vielleicht. Und vielleicht ist dies nur eine
weitere deiner Täuschungen', gelang es ihm wortlos zu
antworten. Doch wußte er, daß für ihn von nun an
alle Zuneigung und alle Freundschaft mit dem Makel des Zweifels
behaftet sein würden.
Sauron kam freiwillig hervor, wenn
auch erst, nachdem offenbar wurde, daß Morgoths Macht gebrochen
und alle Wege aus der inneren Festung verschlossen waren. Er erschien
in einer Gestalt von beinahe herzzerreißender Schönheit,
demütig wie ein aufrichtig bedauernder Sünder und doch
angenehm im Äußeren. Und dies war die Macht seiner
gewählten Form, daß viele der Maiar gerührt waren und
willig, ihm seine Untaten zu verzeihen. Doch stand es nicht in ihrer
Macht, ihm Gnade zu schenken oder zu verwehren, und Eonwe befahl
Sauron, die Aratar selbst um Milde zu bitten. So verließ
Morgoths früherer Feldherr sie und ging - nach Westen, wie viele
dachten.
Gil Galad beobachtete den langsamen und scheinbar
niedergeschlagenen Schritt des Maia.
„Ich glaube ihm nicht. Wer
so grausam ist, der bereut nicht so einfach", sagte er.
„Wer
kann schon sagen, was im Herzen eines der Ainur vorgeht", erwiderte
Finarfin. „Beurteile ihn nicht nach den Maßstäben der
Kinder des Einen, oder im Licht deines eigenen Hasses." Sein Blick
fand den des jüngeren Elben. „Versuche nicht, mir
weiszumachen, daß gerade du ihn unvoreingenommen beurteilen
könntest, Artanáro."
Sein Urgroßenkel senkte
die Augen. „Das tue ich nicht, Großvater."
Aber sein
Zweifel blieb.
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An
diesem Tag rief Eonwe alle Elben zusammen. Und er verkündete,
daß der Bann über den Noldor nunmehr nichtig sei und sie
zurückkehren durften in die Geheiligten Lande und auf die Insel
Tol Eressea. Tatsächlich riet er ihnen sogar dazu, diese Gefilde
von Blut und Kummer zu verlassen.
Finwe faßte die Hand
seiner Tochter, als er den Beschluß vernahm. Doch sein Lächeln
verblaßte bei den folgenden Worten des Herolds.
„Doch
jene, welche die Rebellion gegen die Valar angeführt haben,
sollen von dieser Gunst ausgeschlossen bleiben, ebenso wie alle, die
Teil hatten an den Drei Sippenmorden. Sie sollen hier verweilen und
fortan Wiedergutmachung leisten für ihre Taten."
Galadriel
schluckte hart.
„Wenn dies die Entscheidung der Valar ist,"
sagte sie, „so kann ich nur antworten, daß es genau meinen
Wünschen entspricht. Denn ich will nicht als einer, der gefehlt
hat, auf Tol Eressea leben, sondern lieber bei meinem Volk hier in
Mittelerde bleiben. Welches Unrecht hat das Goldene Haus Finarfins
begangen, daß ich die Valar um Verzeihung bitten müßte,
oder mich mit einer Insel im Meer zufriedengeben, ich, die im
Gesegneten Aman geboren wurde?" (4)
Nur sehr wenige vermochten
hinter ihr stolzes Gebaren zu blicken und zu erkennen, wie tief
verletzt sie war.
Celeborn berührte ihre Hand und wurde mit
schlechtem Gewissen seiner Erleichterung gewahr. Denn noch fühlte
er sich nicht bereit, Beleriand zu verlassen und er hoffte darauf,
bald in das Land seiner Geburt zurückzukehren, nicht ahnend, daß
die Wälder von Doriath ertränkt und Menegroth bereits
überflutet war, ein Heim für Fische und nicht länger
für Elben.
Einige Schritte entfernt wechselten Elros und
Elrond bedeutungsvolle Blicke.
„Ganz egal was wir tun, wir
werden jemanden, den wir lieben, verlieren", stellte Elros
fest.
Elrond suchte nach Maedhros und Maglors blassen Gesichtern
inmitten ihrer Gefolgsleute. Sie schienen verloren unter all den
glücklichen und erleichterten Elben ringsumher.
„Unsere
Eltern oder unsere Brüder", fuhr der ältere der Zwillinge
fort. „Es ist nicht gerecht. Wie können die Valar behaupten,
daß Maedhros oder Maglor noch nicht ausreichend gelitten
hätten? Sie haben, jeder von ihnen, genug um mehr sühnen
als das, was sie um des Eides willen taten, den sie einst schworen!
Keiner der Aratar hat unsere Brüder des Nachts weinen gehört
oder ihre Tränen gesehen."
Elrond war sich der Buße
seiner Brüder weniger sicher. Welche Gegenleistung konnte es für
die Toten von Alqualonde, Doriath und Arvernien geben? Was war es,
das die Valar von den Söhnen Feanors verlangten um sich würdig
zu erweisen, Aman erneut betreten zu dürfen?
Elros faßte
den Arm seines Zwillingsbruders.
„Elrond, ich will nicht für
uns beide entscheiden. Und wenn du gehen und unsere Eltern sehen
möchtest, werde ich das verstehen. Doch ich kann nicht jene im
stich lassen, die sich unserer angenommen haben. Wenn man unsere
Brüder dazu verurteilt, hier zu verweilen, werde ich an ihrer
Seite bleiben."
Earendils jüngerer Sohn schloß die
Augen, und trotz all seiner Anstrengung sie zurückzuhalten,
rannen zwei Tränen über seine weißen Wangen. Mutter
wiederzusehen, und Vater, und im Land der Valar zu leben, weit
entfernt von all dem Leid...
‚Und sicherlich wird auch
Finellach zurückkehren wollen. Was könnte ihn hier halten,
wo er all jene verlor, die er liebte? In Aman kann er warten, bis
seine Eltern und Finduilas aus Mandos' Hallen zurückkehren.'
Der
Gedanke tat weh. Aber warum sollte es ihm so viel bedeuten, von einem
Verwandten zu scheiden, den er so lange nicht gesehen hatte?
Nichtsdestotrotz bedeutete es etwas. Elrond fühlte sich hin und
hergerissen zwischen seinen Wünschen und dem, was ihm richtig
erschien. Und so traf er seine Entscheidung, ungeachtet seiner
früheren Vorahnungen und entgegen dem Ruf seines Herzens.
„Ich
werde stets an deiner Seite sein, Elros", antwortete er und umarmte
seinen Zwillingsbruder.
„Nichts soll je zwischen uns
kommen."
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Eonwe verließ sie noch am selben Tag. Er wanderte durch das restliche Beleriand und die Lande im Osten jenseits der Blauen Berge, um allen Elben, mochten sie nun Noldor, Sindar, Teleri oder sogar Avari sein, zu verkünden, daß es ihnen von nun an erlaubt war, Mittelerde zu verlassen und den Geraden Weg nach Valinor zu nehmen.
An den folgenden zwei Tagen wurde ein großes Fest
gefeiert. Elben, Menschen und Zwerge sangen und tanzten im Licht der
Freudenfeuer, froh über den Sturz der Dunklen Macht in
Mittelerde und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Maedhros
und Maglor jedoch saßen abseits und unterhielten sich leise.
Niemand bemerkte es, als sie schließlich entschlossen nickten
und den Festplatz verließen.
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Fußnoten:
Maglors Ehefrau: Maglors Ehe wird in der ‚History of Middle Earth', Band XII ‚The Peoples of Middle Earth' erwähnt.
Elrond
fünf Stunden lang auf Gil Galad: Elben hatten gewiß
nicht unser Zeitsystem mit 24 Stunden zu 60 Minuten zu je 60
Sekunden, doch irgendeine Art von Zeiteinteilung besaßen sie
gewiß.
Abgesehen davon ist dies das Ergebnis einer
Herausforderung an mich: es ging darum, Elrond für ‚fünf
Stunden auf Gil Galad' zu bekommen, ohne Slash zu schreiben. ;)
Curumo ist der Name des Maia, der später als einer der Istari nach Mittelerde gesandt und dort beim Volk von Gondor unter dem Namen Saruman bekannt werden sollte. Es ist meine Idee, daß er es gewesen sein könnte, der die Silmaril aus Morgoths Krone entfernte und ihn erneut in Ketten legte. Ich dachte, dies könnte der Moment gewesen sein, in dem er von dem Geist des Schwarzen Feindes ‚infiziert' wurde, was dann später seinen Fall verursachte oder zumindest förderte.
„Was hat das Goldene Haus Finarfins...": dies kommt aus dem Essay ‚Der Elessar' in den ‚Nachrichten aus Mittelerde'. Dort spricht Galadriel diese Worte allerdings gegenüber Celebrimbor aus. Ich habe immer den Schmerz und den Stolz darin gemocht, daher konnte ich es mir nicht verkneifen, es hier zu erwähnen.
