Converse

Am Horizont ging gerade die Sonne hinunter. Das konnte mal aber nicht sehen, da in ganz New York Hochhäuser wie Gras aus der Erde wuchsen. Das einzige das diese Idylle störte war ein lautes „arg". Dieser wunderschöne Ton kam von Rory, die verzweifelt versuchte aus Tristan das Telefongespräch mit ihrer Mutter herauszubekommen.

„Nein ich werde es dir nicht sagen, auf keinen Fall!" „Aber bitte, bitte, bitte sags mir doch." Rory blickte Tristan von unten tief in die Augen und setzte ihren sogar Luke bezwingenden Dackelblick auf. „ Komm schon bitte!" jammerte Rory und zupfte an Tristans Ärmel. Tristan schwieg und öffnete die Autotür seines '67er Camaro um Rory einsteigen zu lassen. Dann stieg er selbst ins Auto ein, drehte sich zu Rory und sagte: „Was bekomm ich für meine Informationen?". Darauf schnappte Rory ihren Mund zu und starrte stur geradeaus.

Tristan nahm das als Zeichen und fuhr los Richtung Innenstadt.

In der ganzen Zeit, in der Rory in New York wohnt und das waren nun jetzt schon fast drei Jahre, hatte sie dieses Restaurant noch nie gesehen.

Das war in gewisser Hinsicht eine Überraschung, da sie öfters in dieser Gegend unterwegs war, wenn man allerdings nicht wusste das das Gebäude ein Restaurant war, wäre man geradewegs daran vorbeigelaufen.

Es sah einfach alt aus, baufällig und hatte in gewisser Weise etwas Gruseliges an sich. Der Eingang war versteckt in einer Seitengasse, nun ja er war zwar überdacht und beleuchtet, aber man musste auch ganz genau hinsehen um den Eingang zu entdecken.

Als Tristan sie ins Innere des Gebäudes führte, glaubte sie in eine andere Welt zu stolpern und zwar wortwörtlich zu stolpern, denn sie war so erstaunt über das Innenleben des Restaurants, dass sie die Stufe übersah, die nach dem Eingang war.

Was wäre auch schon ein Abend ohne ein peinliches Ereignis?

Rory und Tristan befanden sich in der Lobby, nun ja eher Eingangsbereich, welcher nicht besonders groß war, aber gemütlich und Rory konnte einen flüchtigen Blick ins Restaurant heraschen.

Und was sie sah beeindruckte sie sehr.

Das Restaurant war wunderschön. Der Teppich war rot, irgendein Farbton zwischen Rot-Rot und dunkelrot, auf jedenfall konnte Rory den Farbton nicht bestimmen. Die Sitzpolster und Tischdecken waren in fast derselben Farbe gehalten. Die Vorhänge waren etwas dünkler als der Teppich. Das indirekte Licht das durch die Wandlampen kam gab dem Räumen ein besonderes Flair.

„Beindrucken?"

„Was?", fragte Rory und wendete sich Tristan nun ihre volle Aufmerksamkeit zu und erst jetzt bemerkte Rory erst wie GUT Tristan aussah.

Seine Haare, nun ja waren nun mal seine Haare und waren deshalb auch in diesem „Ich pfeif auf einen Kamm oder eine Bürste und geh einfach so zum Date" Look gestylt.

Er trug einen dieser schwarzen, sündhaftteuren Anzüge. Wahrscheinlich von Ralph Lauren oder D&C oder von irgendeinen anderen Designer.

Allerdings musste sie sich auch eingestehen, dass ihm diese Anzüge unheimlich gut standen.

Er hatte ein gestreiftes Hemd an. Nun ja das Hemd war weiß die streifen rot und schwarz, außerdem waren die ersten drei Knöpfe seines Hemd offen, aber das nahm Rory natürlich nur nebenbei wahr und war ihr, wie könnte es anders sein total egal.

Als ihr Blick weiter nach unten schweifte, glaubte sie zuerst nur zu träumen, aber nach einigem blinzeln wusste sie das sie es sich nicht einbildete.

Tristan der Business-Mann hatte Converse an. Zu einem Anzug.

Nicht das diese Verabredung ein Date gewesen wäre, aber CONVERSE?

Wenn sie das gewusst hätte wäre sie in ihren neuen Sneaker und ihrer guten Jeans gekommen anstatt ihre Füße in High-Heels zu zwängen.

„Was?"

„Was was?"

„Wieso starrst du auf den Boden? Bin ich so hässlich? Hab ich was im Gesicht?"

„Du hast Converse an."

„Ich weiß ich hab sie schon gesehn, als ich sie gesehen hab, sie gekauft hab, sie ausgepackt hab und als ich sie angezogen hab."

„Wieso hab ich DIEDA an und du Converse?"

„Weil ich neue Schuhe für die Arbeit hab und die drücken, außerdem weiß ich nicht ob ich meine Füße in die Mini Schuhe da zwängen könnte."

„Mh."

„Also, Hand."

„Puh Fuß."

„Was machst du da?"

„Köperteile nennen?"

„Du sollst mir deine Hand geben."

„Für was?"

„Ich bin zum Kannibalen geworden und brauch ne Vorspeise."

„Oh, weißt du meine Hand ist etwas mager, aber ich kann dir meinen Fuß anbieten."

„Nein den brauchst du noch."

„Für was? Zum laufen?"

„Fast zum gehen."

„Wohin?"

„Zu unserem Tisch."

„Wieso muss ich mit dir Händchen haltend zu unserem Tisch gehen?"

„Also schau mal da nach hinten, siehst du den Tisch da bei der Pflanze? Und siehst du die Stiegen die auf dem Weg liegen? Ich würde gerne bei dem Tisch ankommen ohne mein Handy zu nehmen und im Krankenhaus anzurufen, denn weißt du wir hatten heute so eine Cateringfirma und die hatten echt schreckliches Essen und ich hab soooo was von absolut keine Lust Krankenhausessen hinunterzuwürgen nur weil man die den Fuß eingipsen muss. Also Händchen her und los."

Damit schnappte sich Tristan Rorys Hand und führte sie zu ihren Tisch.

Tristan half Rory mit dem Sessel setzte sich dann selbst und schnappte sich dann die Speisekarte.

„Tristan..."

„Ja?"

„Hast du hunger?"

Tristan blickte über die Karte hinweg Rory an. Etwas verstimmt wie Rory sich dachte.

„Ich hab dir doch von dem Essen der Cateringfirma erzählt, oder?"

„Jup."

„Das Essen war wirklich schrecklich, so richtig total schrecklich."

„Du hast nichts gegessen?"

„Du hast es erfasst."

„Und was ist wenn ich jetzt gaaanz lang die Karte studiern muss, weil ich mich nicht entscheiden kann?"

„Ich bestelle für dich mit."

„BITTE?"

„Naja wenn du nicht bereit bist wenn der Kellner da ist, dann bestelle ich für dich."

„Aber, aber das kannst du nicht machen!"

„Kann ich nicht?"

„Nein!"

„Und wieso sollte ich das denn nicht können?"

„Weil ich dann verhunger!"

„Bitte Rory ich hab noch nie jemanden verhungern lassen."

„Aber du wirst mir irgend sowas wie gemischter Salat mit stillem Wasser bestellen, weil alle deine anderen Begleitungen auch so was gegessen haben!"

„Also eigentlich dachte ich eher dir Lasagne zu bestellen."

„Lasagne?"

„Lasagne."

„Das ist fettig."

„Du willst etwas anderes?"

„Nein nur ähm, ich mag Lasagne... aber ich dachte du würdest etwas anderes bestellen, etwas Fettfreies."

„Weil alle anderen Begleitungen auch fettfreies Essen essen, richtig?"

„Ähm,... ja."

„Naja ich dachte wir könnten das so regeln... Du nimmst die Lasagne, ich nehme die Spaghetti und wenn wir bei der hälfte sind, dann tauschen wir."

„Ist das dein Ernst?"

„Naja ich finde beide gut... kann mich nicht entscheiden aber habe nicht so großen Hunger das ich beides essen kann, dachte ich eben wir tauschen."

„Sag mal bist du irgendwie mit den Gilmores verwandt?"

„Warum sollte ich mit den Gilmore verwandt sein?"

„Naja du hast gewisse Eigenschaften die meine Mutter auch hat und es ist nun mal wissenschaftlich bewiesen worden das einige Gene erst nach ein paar Generationen hervor kommen."

„Und deswegen hast du angenommen das ich mit dir verwandt bin."

„Jap."

„Kann es sein das du dir nach der Arbeit ein Gläschen Wein oder so gegönnt hast?"

„Ich bin nicht betrunken und da der Kellner er wartet, bestell."

„Ich dachte ich darf nicht bestellen?"

„Wer hat denn hier so viel Hunger?"

Mit einem letzten mal Augenrollen wandte sich Tristan dem Kellner zu und bestellte ihr Essen.

„Hast du Haustiere?"

„Tristan, ich schaffe es nicht mal eine Pflanze am Leben zu erhalten. Wie sollte ich da ein süßes, kleines, pelziges Lebewesen am Leben erhalten?"

„Du könntest dir auch ein nicht so pelziges Haustier anlegen."

„Wie zum Beispiel?"

„Eine Schlange."

„Oooh ja... genau eine Schlange, meine Mutter wäre entzückt."

„Ja Eltern und Reptilien haben ihre eigene Verbindung."

„Nein ich meine es wortwörtlich, meine Mutter wäre entzückt. Sie würde mich wahrscheinlich anbetteln das sie sich die Schlange um den Hals legen darf oder so was."

„Deine Mutter würde nicht zum Schreien beginnen wenn sie dich mit einer Schlange sehen würde?"

„Doch aber weil sie es so toll finden würde das ich eine Schlange hab, deswegen würde sie zum Schrein beginnen, einen anderen Grund könnte ich mir nicht vorstellen."

„Deine Mutter ist seltsam."

„Ich weiß, ich mein sie frühstückt auch im Pyjama."

„Also ich weiß ja nicht ob das bei dir etwas seltsames ist, aber für einen grossteil der Weltbevölkerung ist es normal im Pyjama zu frühstücken, und für einen Großteil dieses Großteiles ist es auch normal nackt zu frühstücken."

„Bitte erstens war das so was von kein grammatikalisch richtiger Satz und zweitens bin ich mir sicher, dass nicht so viele Leute nackt frühstücken."

„Naja also da wären ich, Shane, Gregory, Jared, Jakob, Phil, Robert..."

„OK! Es reicht gut ein Großteil dieses Großteiles frühstücken eben nackt, guut..."

„Wie sind wir auf das Thema gekommen?"

„Meine Mutter frühstückt im Pyjama..."

„Was normal ist."

„In einem Diner."

„Was absolut nicht normal ist."

„Siehste, aber mich für irre erklärn."

„Obwohl es mich auch nicht wundert das sie in einem Diner im Pyjama frühstückt."

„Wieso?"

„Naja, ich hab immerhin mit ihr telefoniert."

„Wo wir gerade bei dem Thema angekommen sind, also was hat sie dir denn so erzähl?"

„Was würde ich denn für meine Informationen bekommen?"

„Was würdest du denn gerne haben?"

Und mit genau dieser Frage machte sie einen Fehler, sie wusste es, sie wusste es bevor sie das letzte Wort fertig ausgesprochen hatte. Denn genau in diesem Augenblick machte sich dieses dicke Grinsen auf Tristans Gesicht breit. Und es machte keine Anstalten wieder zu verschwinden.

„Wie weit würdest du denn gehen?"

„Was würdest du denn alles von mir wollen?"

„Ich weiß nicht, ich mein für die Informationen sollte es schon eine etwas bessere „Belohnung" geben."

„War es denn so schlimm was sie dir erzählt hat?"

„Naja schlimm... definiere schlimm."

„Peinlich für mich?"

„Mh.."

„Was? Was heißt da mhh..., mhh ist nicht mal ein Wort."

„Hey wenn ich dir jetzt schon erzählen würde was sie mir gesagt hat, würde ich alle meine Aussichten auf meine Belohnung verspielen, oder?"

„Mh..."

„Mh... Was heißt da mhh, mh ist nicht mal ein Wort", äffte Tristan sie nach.

„Ach halt den Mund!"

„Der ist angewachsen! Halten wäre so was von überflüssig."

„Ich will aber wissen was dir meine Mutter gesagt hat."

„Ja dann sag mir deinen Einsatz und wir können verhandeln."

„Ich will mit dir aber nicht verhandeln."

„Dann wirst du auch nie erfahren was deine Mutter mir gesagt hat."

„Wenn ich mit dir verhandle dann lande ich wahrscheinlich bei dir zu Hause, in deinem Bett."

„Hey! Das heb ich mir für das nächste Mal auf! Ein Schritt nach dem anderen."

„Also gut, eine Umarmung?"

„Nein, dafür sind die Informationen zu gut."

„Ein Kuss?"

„Definiere das genauer."

„Wieso muss ich einen Kuss genauer definieren?"

„Weil ich dich nun mal kenne und sobald du meine Informationen bekommen hast wirst du mir einen Kuss auf die Wange drücken und abhauen wirst, junge Dame. Nicht mit mir. Also definiere es genauer."

„Das ist nicht fair."

„Hey das was du vor hast ist nicht fair, du willst mich hier über den Tisch ziehen!"

„Will ich nicht!"

„Doch willst du!"

„Ok, ein Kuss, auf den Mund, kurz!"

„Wie kurz?"

„TRISTAN!"

„Hey ich hab die Informationen, ich kann immer ein Mädchen finden das mich küsst. Länger als 2,5 Sekunden."

„Ok gut, ein Kuss."

„Ok."

„Also... die Informationen?"

„Zuerst der Kuss."

„Nein die Informationen."

„Ich bin ja nicht total beknackt, sobald ich dir die Infos gegeben hab bist du auf und davon und ich schau in die Röhre."

„Ich dachte du könntest immer ein Mädchen finden das dich küsst..."

„Da hinter dir das Mädchen mit den blonden Haaren, die ist doch nett."

„Die ist ca. 13 Jahre alt."

„Der kleine Altersunterschied, den merkt schon keiner."

„Ihr Vater wird ihn sicherlich merken."

„Ach wenn du diese Kulleraugen machst, dann macht dich das gleich 5 Jahre jünger."

„Bitte Rory ich bin kein geiler Bock, der jungen Mädchen hinterher steigt."

„Nein das bist du nicht, das warst du nur mal."

„Hey werd nicht frech."

„Rück mit den Infos raus!"

„Wie gesagt, Kuss gegen Infos, also ich sag dir was mir deine Mutter gesagt hat und dafür bekomm ich einen Kuss. Das ist der Deal."

„Mh..."

„Also?"