Nachdem McGath von Bord gegangen war, konnten sich die Gemüter der Mannschaft ein wenig beruhigen. Die Angespanntheit der letzten beiden Tage fiel von ihren Schultern. Der Generalsekretär würde nicht bei ihrer kleinen Tour dabei sein. Dafür waren eigens einige Offiziere angeheuert worden, die sich zum Teil schon ihre Quartiere angesehen hatten, ehe sie sich der Schulklasse vorstellten und ihnen dann die entsprechenden Einweisungen gaben für das Verhalten auf dem U-Boot.

Der Virus war beseitigt. Nun lag es an den Reparaturteams die Lecks und kleineren Schäden am Boot zu reparieren. Für das Computersystem gab es nichts mehr zu tun. Lucas hatte einige Programme kurz nach ihrer Ankunft in Cape Quest gestartet, die alles durch checkten, doch das würde bis zum Abend dauern, so dass er genügend Zeit hatte sich mit seinem besten Freund zu beschäftigen. Darwin ließ sich ausführlich den Bauch kraulen, wo es ihn angeblich gejuckt hatte, als sich aufgeregtes Geplapper dem Seedeck näherte. Doch anstatt einfach vorbei zu gehen, kamen die Stimmen näher und betraten letztendlich diesen Bereich des Bootes. Lucas ließ die Schultern hängen. Soviel Glück konnte auch nur er haben.

"Ich glaub es nicht, wenn das nicht unser Barry Baby ist." Randy Cellini ließ gleich seine Sachen fallen und trat an seine Seite. Mit dem Ellenbogen stieß er den Wissenschaftler an. "Schicke Uniform, ein richtiger Strampelanzug würde dir aber besser stehen." Er ließ den Blick durch den Raum schweifen. "Wo ist denn dein großer Daddy? Der Chief meinte du würdest der Sohn von jemanden bei der UEO sein, der ein ziemlich großes Tier ist, sonst hätte man dich sicher nicht zu uns geschickt."

Lucas hob die Augenbrauen. Wovon redete der Kerl bloß?

"Hallo Barry!" sagte ein Mädchen fröhlich und sichtlich erfreut ihn zu sehen. Ihr langes dunkelbraunes Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. Lauren war die einzige gewesen, die sich von seinem Verhalten und seiner Art nicht hatte auf Distanz halten lassen.

Dem Ensign entging auch nicht, wie einer der Lehrer ihn abschätzig musterte. Das Grinsen, welches dieser aufgesetzt hatte gefiel ihm schon mal gar nicht. Im Beruf des Sportlehrers fand dieser sicherlich seine Erfüllung. Einer der Offiziere, die für die Schulklasse und ihre Lehrer verantwortlich waren, trat ebenfalls auf ihn zu und hielt ihm die Hand hin. "So sieht man sich wieder. Du warst so schnell weg, dass ich kaum Zeit hatte einmal privat mit dir zu reden und sonst warst du eigentlich auch immer verschlossen."

Lucas erwiederte die Geste. "Tja, man kann ja nicht immer damit rechnen gleich so schnell wieder aufeinander zu treffen."

"Die Welt ist klein, man muss mit allem rechnen." sagte der Mann, der bis vor wenigen Tagen noch seinen Vater gespielt hatten, als sie noch gemeinsam in Texas waren. Er trug die beige Uniform der UEO und auf seinem Namensschild stand Chief J. Gabrewski. Seinen Namen hatte er also noch nicht einmal ändern müssen, wie man es bei Lucas getan hatte. Vielleicht lag es auch einfach nur daran, da er mit dem seinen schon zu sehr in den Medien herum gegeistert war und der eine oder andere Nachrichtensender sein Gesicht über die Bildschirme hatte flackern lassen. Die Ähnlichkeiten zu der UEO wären bei Lucas viel zu schnell aufgefallen.

"Du solltest dir dringend die Haare schneiden." meinte Cellini augenblicklich, als hätte er die Gedanken des Wissenschaftlers gelesen. Mit der rechten Hand zupfte er an einer Haarsträhne von Lucas herum.

Ärgerlich wandt er den Kopf von dem Teenager ab. "Finde ich weniger."

"Wie es aussieht war meine Theorie auch falsch, als ich meinte du seist sicher der Sohn von jemanden aus der UEO, der weiter oben angesiedelt ist." sagte Chief Gabrewski. "Auf jeden Fall siehst du nun schon mal sehr viel älter aus."

"Eine Veränderung ist es allemal. Hallo Barry." begrüßte nun auch die asiatisch stämmige Lehrerin Miss Chan, und seit kurzer Zeit Freundin des Chiefs, ihren ehemaligen Schüler.

"Hallo." Auch ihr gab er freundlich die Hand. Nicht jeden in Texas hatte er in unliebsamer Erinnerung behalten.

"Du bist Ensign?" fragte nun der Chief weiter. Neben ihm bekam Lauren große Augen.

"Ja, das bin ich. Und ich heiße auch nicht Barry, sondern Lucas." Es wurde Zeit, dass die Leute ihn hier nicht mehr mit einem falschen Namen anredeten. Wenn sie ihm schon seine Freizeit nehmen wollten, dann doch bitte unter seinem richtigen Namen. Er drehte sich drohend zu Cellini um, der ihm schon wieder an die Haare wollte. "Und ich bin verdammt nochmal froh, mich nicht mehr ständig schminken lassen zu müssen um krank und blaß auszusehen und kann nun endlich wieder so rum laufen, wie ich mich wohl fühle. Du solltest aufpassen, bisher ist noch kein Befehl gefallen, dass ich dir hier an Bord nicht die Hölle auf Erden bereiten darf. Das hier ist mein Revier, egal wie viele deiner Freunde ständig um dich herum sind, ich bin und bleibe dir hier an Bord über." Wie als hätte er das vorher besprochen, sprang Darwin aus dem Wasser und spritzte Randy von oben bis unten nass.

"Ach, das ist im übrigen Darwin. Ein wilder Delphin." Er machte eine kurze Pause um die Drohung deutlicher zu machen. "Du solltest dich vorsehen, denn außer mir kann ihn niemand davon abhalten dir etwas anzutun. Delphine sind nicht immer so nett und freundlich wie man das aus dem Fernsehen kennt."

Wie ein begossener Pudel stand Randy Cellini da. Er war stinksauer auf Lucas und machte auch kein Geheimnis daraus. Seine Freunde kamen zu ihm. Einer hatte ein Handtuch aus seiner Tasche gezückt.

"Eigentlich hat dieser Blödmann es verdient, aber ich finde, du bist dennoch zu grob zu ihm gewesen." sagte Lauren, die näher an Lucas heran getreten war. Sie suchte deutlich seine Nähe. Um sie tat es dem Wissenschaftler leid, doch er würde ihr das Herz brechen müssen. Sie war nicht mehr als ein Mittel zum Zweck gewesen. Nun, nicht ganz. Er hatte sie auch gemocht, aber mehr würde sich bei ihnen beiden niemals ergeben können. Anfangs bestand diese kleine Beziehung ja auch aus Mitleid von ihrer Seite und nicht aus wirklichem Interesse an ihm als Person.

"Soll das hier alles ein dummer Scherz sein?" fragte nun der Sportlehrer, der fand, das es hier eindeutig zu stickig geworden war. "Was soll das diesen Jungen hier in eine Uniform zu stecken und dann auch noch unseren Schülern zu drohen?"

Wie als wäre er direkt hierher gerufen worden, trat Generalsekretär McGath gemeinsam mit den beiden Führungsoffizieren der seaQuest hinzu. "Drohen?" fragte McGath.

Lucas rollte mit den Augen. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Manchmal hatten die Leute bei der UEO einfach ein zu gutes Timing.

Die drei Neuankömmlinge stellten sich zu Lucas und seiner kleinen Scharr, die inmitten der Schulklasse standen. Hudson blickte ihn finster an. "Mr. Wolenczak, gibt es ein Problem?"

"Nein, Sir." sagte Lucas und sah dabei nur einmal kurz zu Randy, der sich abtrocknete und nun anfing ihn bei seinen Vorgesetzten anzuschwärzen, wie man ihm gedroht hatte. Der Delphin sei angeblich auf ihn gehetzt worden und er würde hier keine ruhige Nacht haben können, solange Lucas an Bord sei. Der Wissenschaftler musste sich zusammen reißen nicht zu wiedersprechen, denn die letzte Drohung hatte er gar nicht ausgesprochen gehabt.

"Unter diesen Umständen, Mr. Wolenczak, macht es ihnen doch sicherlich nichts aus, das wir uns nachher einmal etwas unterhalten." sagte McGath in einem herablassenden Ton. Wie immer, wenn er meinte er sei wieder einmal im recht. Aber wehe es gab eine Katastrophe oder sie standen kurz davor und Lucas sollte helfen, dann sah die Sache wieder ganz anders aus.

Commander Ford sagte kein Wort, doch Lucas konnte ihm ansehen, wie dieser sich hier sichtlich zu amüsieren schien.

"Warum gehen sie nicht und sehen nach, ob im Labor nicht etwas ist, das bearbeitet werden muss." schlug Hudson vor, um hier für Ruhe zu sorgen. Sie waren eigentlich gekommen die Schüler an Bord willkommen zu heißen, als sie jedoch feststellen mussten, dass diese schon auf jemand anderen getroffen waren, der keine großen Hoffnungen machte, sie seien willkommen. Tatsächlich gab es unter der Crew mehr als nur ein paar, die dem "Projekt" hier negativ gegenüber standen. Lucas aus dem Grund heraus, weil man ihn nach Texas geschickt hatte und die anderen, weil diese keine Lust hatten Babysitter zu spielen.

"Worauf warten sie noch?" sagte Hudson erneut und Lucas quetschte sich durch sie durch. "Und sagen sie ihrem Delphin, der soll sich von den Kindern fern halten!" rief der Captain ihm noch nach.

McGath lächelte verlegen die Lehrer und die zuständigen Offiziere an, die auf die Gruppe aufpassen sollten. "Ganz so schlimm ist der Delphin nun nicht." versuchte er zu retten was zu retten war.

Zum Glück hatte sich Lucas soweit unter Kontrolle, sich nicht nochmals umzudrehen und zu sagen, dass Darwin durchaus gefährlich sein konnte. Am besten war, er begab sich wirklich für eine Weile ins Labor und erholte sich bei einem entspannenden Computerspiel oder einem Buch. An diesem Ort hatte er alle Zeit und Ruhe für sich. Captain Hudson meidete die wissenschaftlichen Decks wie kein anderer und viele der Crewmitglieder sahen keinen Grund, was sie dort sollten. Sie befanden sich nun auf einem Kriegsschiff. Die Wissenschaft war nun einzig das Gebiet von Lucas Wolenczak und der würde das auch allein hinbekommen. Nur vereinzelt huschte mal einer über den Gang, doch sonst war es der ruhigste Ort auf dem ganzen Boot, von seinen Gästen einmal abgesehen.

Hinter sich verriegelte er die Tür zum Hauptlabor. Unter einem Haufen von Unterlagen hatte er den neuesten Thriller versteckt und würde ihn nun in Ruhe weiter lesen. Als er gestern Abend auf die Brücke gerufen worden war, war er gerade an einer spannenden Stelle gewesen. Den Vocoder stellte er angeschaltet auf einen der Tische, dann machte er es sich in seiner Lieblingsecke bequem. Darwin leistete ihm in der Aque Tube Gesellschaft. Hin und wieder schwamm er etwas hoch um Luft zu holen, doch sonst blieb er da und ließ sich von seinem menschlichen Freund vorlesen.

Jemand klopfte an. Aufgeschreckt ließ Lucas das Buch schnell unter einem Haufen von wissenschaftlichen Nachschlagewerken verschwinden, ehe er die Tür öffente. Durch einen Spalt sah er Commander Ford da stehen. "Bekomme ich jetzt eine Predigt?"

"Nein, von mir nicht. Aber du solltest vorsichtiger sein." Jonathan Ford probierte durch den kleinen Spalt in das Innere des Labors zu sehen. Es war eindeutig, dass Lucas niemanden sehen lassen wollte, was drinnen war.

Der Ensign trat zur Seite und ließ die Tür ganz auf gehen. "Schon gut, komm rein."

"Hier ist ja gar nichts." sagte Ford, als er sich kurz umgesehen hatte und mitten im Raum stand.

"Eben. Außer jemand, der seine Ruhe haben möchte." Lucas suchte sein Buch unter dem Stapel hervor und suchte nach der Seite, auf welcher er gewesen war, bevor der Commander ihn gestört hatte.

"Du hast bisher keinem erzählt wie es in Texas gewesen ist." sagte Ford.

"Nein, das habe ich nicht."

"Ist denn etwas passiert? Ich habe Bridger versprochen auf dich aufzupassen und sollte es Probleme geben, dann muss ich ihm sofort Bescheid geben."

"Vielleicht solltest du mir das nicht sagen, dass du weiterhin mein Wachhund bist. Ich könnte versuchen mich den Augen zu entziehen."

"Stimmt, das sollte ich vielleicht nicht. Mir ist im Prinzip egal was du hier machst." Ford hatte einige Computerspieldisketten entdeckt und sah sie durch. "Wow, die hast du? Ich suche schon ewig danach!"

Lucas sah ihn entgeistert an.

"Oh, entschuldige. Mich geht das nichts an, was du hier machst. Ich glaube jeder von uns braucht hin und wieder etwas Freiraum für sich. Du hast dich hier eingerichtet und dir eine Zone geschaffen in welcher dich der Captain nicht finden kann. So etwas bräuchten einige hier an Bord."

"Genau darum habe ich öfters mal Besucher hier." sagte Lucas und setzte sich an einen der Computer. Das Buch lag aufgeschlagen vor ihm.

"Wirklich?"

"Ja, nebenan machen es sich Olsen und Michaels öfters mal bequem. Die haben einen der Tische so umgebaut, dass sie Tischtennis spielen können. Das Pong des Balls kann ganz schön nerven, wenn man gereizt ist. Tony hat sich zwei Labors weiter einige seiner speziellen Playboyausgaben gebunkert. Ich möchte nicht wissen was er dort treibt. Diesen Teil habe ich für alle meine Forschungen schon mal zwangsweise gestrichen."

"Und Brody hat seinen Billiardtisch ebenfalls hier?"

"Nein, das habe ich verboten. Was zu weit geht, geht zu weit. Der kann sich weiterhin im Freizeitraum mit dem Rest der Crew darum streiten."

Jonathan Ford lächelte. "Auch eine Möglichkeit die Leute gefügig zu halten. Was mich dennoch wieder zu dem Grund meines Hierseins zurück bringt. Beim MoonPool vorhin scheint es einigen Krach gegeben zu haben. Willst du wirklich nicht mal jemanden erzählen, wie das nun war mit Texas?" Der Commander zog sich einen Hocker heran und nahm darauf Platz.

Eine lange Pause trat ein, die für beide Seiten unangenehm war. Der Commander wusste nicht genau, ob er mit seiner Frage zu sehr nach Lucas gegriffen hatte und Lucas selbst wusste nicht genau, ob er dem Commander soweit vertrauen konnte. Allerdings vertraute Bridger ihm, wenn er ihn darum gebeten hatte ein Auge auf den jungen Wissenschaftler zu werfen. Die Besorgnis, die Ford zu ihm geführt hatte, schien nicht nur aus reinem Pflichtgefühl zu bestehen. Aus dem lästigen Kind von damals war nun ein geschätzter Freund und Kollege geworden. Ford tat das nicht nur, um einer formalen Floskel gerecht zu werden.

"Ein Trauma habe ich nicht davon getragen." sagte Lucas endlich. Er fuhr sich mit der rechten Hand durch das Haar und strich es nach hinten. "Es war nur einfach lästig. Ich musste die gesamte Zeit über jemanden spielen der ich nicht war und das ist ziemlich anstrengend. Ich sollte jemand sein, den niemand wirklich mag und der einfach von seiner Art her schon ein Eigenbrödler war. Um zu Besprechungen zu erscheinen brauchte es Ausreden, weshalb man mir auftrug, so zu tun als hätte ich schweres Asthma. Man zeigte mir, wie ich mich am besten verhalten sollte um genau diesen Eindruck aufrecht zu erhalten. Ganz geklappt hat es nicht. Eine der Lehrerinnen und Lauren, sie gehört zu den Schülern, haben sich davon nicht ganz abschrecken lassen und eher meine Nähe gesucht. Also bin ich auf Lauren ebenfalls zu gegangen und habe versucht über sie einiges von der Klasse zu erfahren. Die nette Lehrerin war dann aber ein Spezialfall für meinen angeblichen Vater.

Etwas was mich während der ganzen Zeit sehr genervt hatte. Selbst in dem Haus, in welchem wir lebten, musste ständig so getan werden, als wären wir Vater und Sohn. Ich bin mehrmals beinahe ausgeflippt und hätte ihm gesagt, was ich davon halte. Jedoch waren einige von der UEO in der Nachbarschaft, die ein Auge auf uns geworfen haben. Einmal habe ich mich nachts durch mein Fenster raus geschlichen und bin keine zehn Meter weit gekommen, da haben sie mich wieder zurück geschleift und schön an meinem Äußeren wieder herum gebastelt, damit ich nicht mehr wie ich normal aussehe. Da ich mich weigerte die Haare zu schneiden, haben die mir eine Perücke komisch auf den Kopf geklebt. Ich hatte Stunden zuvor unter der Dusche zugebracht um den Klebstoff aus meinen Haaren zu bekommen und die kriegen mich, kaum dass ich erfolgreich aus dem Haus getürmt war. Das hat mich echt geärgert.

Was aber wirklich mit schlimm war, dass ich mich von diesem Großmaul Randy Cellini nach Stirch und Faden piesacken lassen musste. Zum Glück habe ich diesen Chuck Norris Tick vortäuschen können, durch welchen man mir einen Karatelehrer zur Seite gestellt hat. Der Onkel von der einen Lehrerin. Der Mann hat mich draußen durch die Gegend laufen lassen, bis ich am Zahnfleisch nagte. Heftig ohne Ende. Ich glaube, wenn die vom Wettkampfkomitee mitbekommen, dass ich unter falschen Namen teilgenommen habe, erkennen die mir meinen Pokal ab.

Wie dem auch sei, so konnte ich ihm ein wenig zeigen, dass ich mir nicht alles gefallen lasse. Es ist nur traurig zu sehen, dass selbst Lehrer teilweise auf ein solches Niveau hinabfallen. Einige haben mich genauso geringschätzig behandelt, wie Cellini und seine Freunde. Ich kannte das aus meiner eigenen Schulzeit überhaupt nicht."

"Weil du auch ein ganz anderer Mensch damals warst. Deine Situation ist nicht mit der eines normalen Schülers zu vergleichen." Es war das erste mal, seit Lucas begonnen hatte zu erzählen, dass Ford ihn unterbrach.

"Das mag schon sein, doch ich bin mir sicher, es ist nicht einfach nur die veränderte Situation." Lucas hatte die Stirn nachdenklich in Falten gelegt. "Vielleicht ist es auch einfach anders, wenn man auf einer öffentlichen Schule ist, oder so wie ich auf höhere Schulen gegangen ist. Private Einrichtungen und Internate."

"Das wird es ganz sicher sein. Aber sieh es von der positiven Seite. Jetzt ist alles vorbei und McGath schuldet dir eine Menge Überstunden. Der wird sich schon wieder beruhigen, du solltest ihm nur vorübergehend keinen Grund mehr liefern, sauer zu werden." Ford grinste hämisch in Lucas' Richtung.

"Oder Hudson, nicht?"

Der Commander zuckte mit den Schultern. "Ich glaube noch nicht einmal, das der sauer auf dich ist. Ich glaube er sieht es ganz gerne, wenn du den Leuten ein wenig zeigst, wie unwillkommen sie sind. Als wir erfuhren, was der Generalsekretär eigentlich von uns möchte, war der Captian kurz davor zu explodieren. Er war ziemlich sauer zu hören, dass du von der seaQuest geholt worden bist, nur um einige Kinder auszuspionieren. Vor allem war er sauer, weil wir es erst kurz vor deiner Rückkehr auf das Boot gehört haben. Niemand hier hatte von diesem Wettbewerb erfahren. Weshalb auch immer. Der UEO war es gelungen die ganze Sache so lange geheim zu halten, bis raus war, dass man es wirklich umsetzen würde."

"Der wird mit denen seinen Spaß haben, soviel steht schon mal fest. Ich hatte ihn und er wird ihn auch haben."

"Nun, du könntest dich bei den entsprechenden Personen auf deine ganz eigene Art und Weise rächen." sagte Ford grinsend.

"Um am Ende wieder mit McGath zusammen zu rasseln? Na schönen Dank. Nein, ich glaube es ist besser, wenn ich mich mit keinem von denen die nächsten Tage einlasse und mich lieber hier verbarrikadiere. So laufe ich nicht Gefahr übereilt zu handeln."

"Oder aber du bittest mich einfach gewisse Leute dir nicht zu zuteilen, vorausgesetzt du möchtest nicht doch jemand bestimmtes haben. Die kleine schien doch ganz nett zu sein."

Lucas sah ihn drohend an. "Lauren interessiert mich nicht wirklich so ganz. Sie hätte sich auch nie für mich interessiert. Das was sie empfunden hat war mehr Mitleid, als wirkliche Gefühle. Nein, ich denke es ist besser, wenn ich nicht zu sehr weiter mit eingebunden werde."

"Den Wunsch kann ich dir leider nicht erfüllen. Sie sollen vor allem die Seite der UEO kennen lernen, die sich mit den guten Dingen beschäftigt. Das ist in meinen Augen hier an Bord die Wissenschaft und außer dir fällt mir da keiner ein, der das so rüber bringen kann, dass es nach etwas sinnvollem aussieht."

Mit zusammengezogenen Augenbrauen musterte Lucas den Commander. "Wissenschaft ist immer sinnvoll!"

"Sag ich doch!" lächelte Ford. "Genau darum wirst du morgen die erste Gruppe bekommen. Falls du es dir noch überlegst wegen der Zuteilung, dann lass es mich wissen." Jonathan Ford stand auf. "Ich muss jetzt zur Brücke und nach sehen, wie weit die dort mit den Reparaturen sind. Je schneller alles wieder läuft, desto schneller können wir den Hafen verlassen und McGath springt nicht mehr an Bord herum." Mit diesen Worten ließ er seinen Junioroffizier allein.

Nachdenklich saß Lucas im Labor. Sein Blick glitt zu Darwin, der ihm freundlich zuzwinkerte. Lächelnd erwiederte er diese Geste. Sie beide waren bereits so gut miteinander befreundet, dass es manches mal schon gar keiner Worte mehr brauchte, damit sie sich verständigen konnten. Selbst Handzeichen konnten nicht deutlicher wiedergeben, was in ihnen beiden vorging. Nachdem Gespräch mit Ford ging es ihm um einiges besser. Es war gut gewesen seinen Frust gegenüber jemanden anders als Darwin auszusprechen und die ruhige Einsamkeit auf dem Wissenschaftsdeck tat ihr übriges. Vielleicht würde er doch jemanden sich zuteilen lassen, um diese Person gleich am ersten Tag unter seine Fittiche zu haben...

Written 09/09/05

Crossover zu Sidekicks