Ihm klingelten noch die Ohren von seinem persönlichen Gespräch mit McGath, als er sich zu seinem Quartier begab. Sobald er an Bord zurück gekehrt war, hatte die seaQuest abgelegt und langsam Kurs aufgenommen. Bis zum Mittag des nächsten Tages würden sie den Graben erreichen, den sie als erste Station für ihre Route vorgesehen hatten.
Sobald er in seiner Kabine war, legte er die Uniform ab und wollte nur noch schlafen. Ein weiterer Vorteil seiner neuen Verpflichtung war, dass er nun das Privileg besaß ein eigenes Quartier zu besitzen. Nun da er mit zur Führung gehörte stand ihm dieses zu. Tony war im nachhinein gar kein so schlechter Zimmergenosse, aber es war dennoch ein Unterschied, ob man sein eigenes Reich hatte, oder immer mit neugiergen Augen und Ohren rechnen musste.
Darwin schwamm in der Röhre neben seiner Koje, als er sich in diese legte und die Augen schloß. Sein Kopf begann zu schmerzen, wie es häufig der Fall war, wenn er längere Zeit zu wenig geschlafen hatte und übermäßigem Stress ausgeliefert war. Dem würde er jetzt jedoch Einhalt gebieten, indem er sich seinen Schlaf holte, den er dringend benötigte. Lucas stopfte das Kissen unter seinem Kopf zurecht, zog die Decke höher bis an sein Kinn und schloß die Augen. In Gedanken ging er einige Sachen durch, die er mochte und schon bald fiel er in einen tiefen Schlaf, der nur allzufrüh unterbrochen wurde.
Von irgendwo drang laute Rap Musik zu ihm. Anfangs hielt er es noch für einen Teil seines Traumes, doch je mehr er dem Wachzustand näher kam, deste mehr wurde ihm bewusst, dass das nicht der Fall war. Jemand hatte hier eindeutig unter starken Schlafstörungen zu leiden und wollte es auch jeden wissen lassen. Wütend schlug er die Decke zur Seite und stand auf. Die Tür riß er auf und sah in den Gang hinaus. Das Quartier neben ihm war eigentlich leer. Genauso wie das diesem gegenüber, dennoch saßen auf einmal mehrere Personen draußen davor, tranken Bier und spielten Karten.
"Och Barrylein, haben wir dich geweckt? Du armes kleines Baby brauchst deinen Schlaf, aber kannst einfach nicht einschlafen." piesackte Randy Cellini, ganz in seinem Element, Lucas.
Wütend auf der Unterlippe kauend starrte Lucas auf die Szene. Wieso war er nicht gleich darauf gekommen, dass diese Schüler irgendwo untergebracht werden mussten und leer stehende Mannschaftsunterkünfte dabei noch die beste Alternative waren. Die Lehrer schliefen sicherlich in den Gästequartieren, doch die dort zu holen, damit die ihren Schülern sagten, dass es nicht ging, was sie da taten, war nicht das, was wirklich helfen würde.
Er drehte sich herum und schlug die Tür wieder zu. In seinem Kopf formte sich bereits eine andere Idee, wie er dem Lärm beikommen konnte und das auch noch auf seine ganz eigene Art und Weise. Lucas setzte sich an den Tisch und schaltete den Computer aus dem Standbymodus in den Arbeitsmodus um. Seine Finger flogen leicht über das Tastenfeld. Er brauchte keine zwei Minuten und schon herrschte draußen Stille. Endlich konnte er zurück in sein Bett. Den Computer fuhr er nun ganz herunter und kuschelte sich wieder in seine Koje um da weiter zu schlafen, wo er zuvor noch aufgehört hatte, bis jemand an seine Tür klopfte. Zunächst ignorierte er den Klopfer noch, doch wer auch immer es war er ließ nicht locker.
Stumm vor sich hin grummelnd schlurfte er mit der Decke um die Schultern zur Tür. "Was?"
"Tut mir leid wenn ich dich wecken muss, Lucas, aber die Kids haben ein Problem und da du sowieso hier dein Quartier hast, dachte ich, könntest du dich auch darum kümmern." Jim Brody hatte ihn aus seinen Träumen gerissen. Der junge Ensign meinte sich erinnern zu können, dass der Lieutenant für den heutigen Tag mit dem Nachtdienst auf der Brücke eingeteilt worden war. Kaum zu glauben, Randy und seine Jungs sind bis zur Brücke gerannt.
Lucas lehnte sich an den Türrahmen und sah verächtlich zu den entsprechenden hilfsbedürftigen Gästen. "So, nun welches Problem haben wir denn?" Er hob die Augenbrauen in Erwartung einer Antwort an.
"In keinem unserer Zimmer ist mehr Strom. Unsere Anlage funktioniert nicht mehr und der Gang hier ist auch dunkel, falls das noch nicht aufgefallen ist." antwortete Cellini in seiner sympathischten Stimmlage. Er war sauer, das konnte keiner verneinen.
Der Ensign sah zur Decke, wo die Leiste mit den Lampen dunkel war und erst im Nebengang wieder Licht spendete. "Na sowas. Da müssen aber viele Birnen mit einem mal durchgebrannt sein." Er blickte wieder zu den Jungs. "Und ihr sagt es hat auch eure Zimmer betroffen? Ist ja wie ein Fluch."
Brody musterte ihn. "Lucas? Kannst du das wieder richten? Funktioniert bei dir eigentlich noch alles in der Kabine?"
Lucas ging einen Schritt in sein Quartier hinein und drückte auf den Lichtschalter. Augenblicklich erstrahlte das Zimmer im Glanze künstlichen Lichtes. "Ja, hier geht alles wie es sollte. Mir scheint die seaQuest mag unsere Gäste nicht und zeigt auf diese Weise ihre Missgunst ihnen gegenüber." Er schenkten den Teenagern ein gehässiges Lächeln.
"Erzähl keinen Scheiß! Das Boot ist ein toter Gegenstand und das ist doch alles ein klein wenig zu seltsam, als das es nur uns befällt aber bei dir geht es einwandfrei." sagte Cellini anklagend.
"Stimmt, es muss sich um eine Verschwörrung handeln." Er wandte sich Brody zu. "Tut mir leid, ich kann da nichts tun. Das beste wird sein, wenn du wieder auf die Brücke gehst und deinem Dienst nachkommst, während die Kids hier endlich schlafen gehen. Morgen, wenn mehr von der Mannschaft in Bereitschaft sind, wird sich sicherlich jemand um dieses Problem kümmern können." Mit diesen Worten drehte er sich herum und schloß zum wiederholten Mal in dieser Nacht die Tür hinter sich. Nun war hoffentlich endlich einmal Ruhe. Brody musste den Wink verstanden haben, wenn nicht hatte er doch weniger Grips, als er ihm bisher immer zugetraut hatte. Wie er war ließ er sich ins Bett zurück sinken und schloß die Augen.
Die Ruhe währte nicht lang. Ein greller Blitz, gefolgt von einer kleinen Explosion ließ ihn aufschrecken. Sein Computer hatte Feuer gefangen, verursacht durch einen Kurzschluß. Etwas was völlig unmöglich war, es sei denn... Wütend fuhr er aus seiner Koje auf, stürzte raus in den Gang, holte den nächsten Feuerlöscher und erstickte die Flammen mit dem Schaum. Seine nächste Amtshandlung trieb ihn in das Quartier neben dem seinen. Die Tür war zu und es wirkte alles ruhig. Drinnen waren die Scheine von mehreren Taschenlampen durch das Sichtfenster zu sehen. Ohne sich auch nur um die Formalitäten des Anklopfens zu kümmern, stürzte er hinein, zerrte einen der Jungen am Oberarm nach draußen und durch die Gänge der seaQuest. Die anderen beiden Jungs, die mit ihm das Zimmer bewohnten eilten ihnen hinterher. Lucas stellte zufrieden fest, dass Randy Cellini einer der braven Verfolger war.
Vor dem Quartier des Commanders kamen sie zum stehen. Nun war Lucas einmal der, der andere aus den Träumen riß und das nicht besonders sanft. Verschlafen öffnete Ford und guckte nicht schlecht, als er Lucas sah, der ihm da einige Teenager vorbei brachte. "Mir ist eben der Computer in die Luft geflogen, weil die Möchtegerntechniker hier an der Computerstation in ihrem Quartier meinten rumbasteln zu müssen um das Licht wieder einzuschalten, das ich zuvor mühsam deaktiviert hatte, damit ich endlich meine Ruhe bekomme. Wer hatte diese dumme Idee die ausgerechnet neben meiner Kabine einzuquartieren?" Lucas war kurz davor das Boot zusammen zu schreien, so sauer war er. "Diese Computer hatte nicht nur Daten von meiner Arbeit auf seiner Festplatte sondern auch sehr viele private Sachen!"
"Moment Lucas, ich zieh mir nur schnell was über." sagte Ford leise, der noch nicht ganz da war. Er lehnte die Tür an und zog sich rasch einen Bademantel über, dann begleitete er Lucas und die Jungen zu dem Deck mit ihren Quartieren zurück. Der Wissenschaflter führte den ersten Offizier als erstes in die Kabine der Jungs. Die anderen drei, die ihnen gegenüber wohnten, warteten bereits auf sie. Lucas hatte sich eine Taschenlampe besorgt und zeigte Ford wie die losen Drähte unter dem Computer heraus hingen und konnte sogar einen leichten Brandfleck erkennen, der zu einem gefährlichen Kabelbrand hätte werden können, wenn in diesem Teil nicht bereits die Stromzufuhr unterbrochen worden wäre.
"Die Computerkonsolen in den Quartieren sind in der Wand miteinander verknüpft. Auch wenn ich den Saft hier abgedreht habe, so ist das bei mir alles noch an. Ich kann von Glück reden meinen Computer vorhin ausgeschaltet zu haben, denn sonst würde ich jetzt vielleicht nicht so munter hier stehen, sondern da drüben verbrennen oder sonst was. Mein Computer ist lediglich in die Luft geflogen und nicht in einer riesigen Explosion hoch gegangen."
Commander Ford sah sich den Schaden in die Hocke gegangen genauer an, dann begab er sich in das Quartier seines wissenschaftlichen Offiziers. Die Jungen sahen alle schuldbewusst zu Boden. Sie wussten genau wie es um sie stand. Selbst Cellini hatte seine Sicherheiten verloren und sah bang um sich. Seine Kumpels konnten ihm nicht helfen. Sie hatten etwas zerstört, das vielleicht nicht so einfach auszugleichen war.
Ford trat wieder auf den Gang hinaus und wandte sich an die Teenager. "Hat es sich so zugetragen wie er sagt? Und ich möchte keine Lügen hören."
Einer der Jungen nickte. Keiner wagte etwas zu sagen.
"Ihr habt euch also an dem Computer zu schaffen gemacht?" fragte Ford weiter.
"Ja." kam erstickt die schuldbewusste Antwort aus dem Mund von Randy Cellini. "Christopher sagte er kennt sich aus mit Computer und er würde sich, nun da wir auf der seaQuest sind, ganz leicht in die Systeme hacken können. Wir hatten vermutet gehabt, dass er es ist, der hier uns den Strom abgestellt hat und wollten diesen wieder einschalten." Anklagend zeigte er mit dem Finger auf Lucas. Nach seiner Reaktion zuvor als Brody noch bei ihnen gewesen war, ist ihnen klar geworden, das nur er es gewesen sein konnte, der ihnen den Strom abgestellt hatte.
"Ihr seid dümmer als ich dachte." sagte Lucas Kopf schüttelnd. "Meint ihr nicht auch, dass es auffällt, wenn es plötzlich wieder Strom hier gibt, obwohl ich ganz genau weiß, diesen ausgeschalten zu haben? Damit wärt ihr genauso in Probleme geraten, zwar nicht in solch ernste wie jetzt, aber immerhin."
"Tut uns leid." flüsterte einer der anderen.
"Lasst die Finger von der Elektrik und geht ins Bett, dazu ist es wirklich langsam Zeit. Ich werde eure Lehrer davon unterrichten müssen und morgen werden wir dann beratschlagen, wie wir uns mit euch weiter beschäftigen. Ihr solltet aber damit rechnen, dass Captain Hudson euch unter Umständen umgehend von Bord verweisen wird."
Erschrocken sah der eine oder andere auf. Niemand wollte die seaQuest bereits jetzt wieder verlassen und man bereute bereits zutiefst, an etwas Hand angelegt zu haben, was sie nicht kannten.
Lucas genoß es zu sehen, wie er ihnen nun klar gemacht hatte, dass er ihnen wirklich auf der seaQuest über war und man ihn besser nicht verärgerte. Jonathan Ford sorgte dafür, dass die Teenager nun alle in ihren Kabinen verschwanden und sich schlafen legten. Das Computergenie rechnete jedoch damit, dass der eine oder andere vor Angst über die Folgen ihrer Tat nicht würde schlafen können. Er konnte es auch nicht, denn sein Quartier stank nun furchtbar nach Rauch und Qualm. Bis sich der Geruch gelegt hatte, würde es noch einige Zeit dauern.
"Morgen früh rede ich mit dem Captain und den Lehrern, dann werden wir sehen, was wir mit ihnen machen. Ist sonst alles in Ordnung bei dir?" fragte Ford, der an den Türrahmen gelehnt bei Lucas stand und diesem zusah, wie er sein Bettzeug zusammen packte.
"Ja, mir geht es gut." Er dachte kurz nach. "Sag mal, steht denn das Angebot noch, welches du mir im Labor gemacht hattest?"
"Natürlich, hast du denn jemanden bestimmten im Sinn?"
"Allerdings, das habe ich." grinste Lucas und nannte ihm seinen Wunsch. Zusätzlich beratschlagten sie leise noch etwas, da dem Wissenschaftler etwas eingefallen war, wie er den Teenagern ihren Aufenthalt noch schöner machen könnte. Jonathan Ford gab nicht sofort seine Zustimmung. Er wollte die Nacht darüber nachdenken und erst am nächsten Morgen entscheiden, was sie machen.
Anschließend begab sich Lucas zu seiner ehemaligen Kabine, wo Tony still in der unteren Koje vor sich hin schlummerte. Es war kaum zu glauben, doch er hatte die untere beibehalten anstatt nun in die obere umzuziehen. Lucas war das nur recht. Wenn es öfters vorkam, dass sein Quartier vorübergehend unbewohnbar wurde, dann musste er sich in seinem Ersatzzimmer wohl fühlen. Er kletterte die kurze Leiter nach oben und fand dort endlich den Schlaf, den er bereits seit Beginn der Nacht gesucht hatte. Wenn Hudson am nächsten Morgen den Schülern nicht die Hölle heiß machte, so würde Lucas schon noch eine schöne Aufgabe für sie finden...
written 10/09/05
