Lucas saß beim Mittagessen in der Messe. Der Austausch der Hardware war schneller voran gegangen als erwartet. Er sah Tony lautstark in die Messe stapfen, sich ein Tablett holen, wenig gefühlvoll etwas zu essen drauf packen und dann auf ihn zusteuern. Er knallte das Tablett auf den Tisch von Lucas ehe er sich setzte. "Diese Bälger sind das letzte!"
"Endlich mal einer der mich versteht." lachte Lucas.
"Ganz ehrlich Wolenczak, ich habe keine Ahnung wie du das gemacht hast, aber ich hätte keinen Tag mit denen ausgehalten ohne denen meine Faust zu zeigen. Besonders der eine hätte es dringend nötig damit Bekanntschaft zu machen."
"Cellini." nickte der Wissenschaftler.
"Heißt der Klugscheißer so?"
Lucas nickte.
"Passt irgendwie. Klingt genauso bescheuert wie er ist. Die haben mich halb in den Wahnsinn getrieben und diese eine kleine, die mit den dunklen Haaren, hat versucht mich über dich auszuhorchen. Kannst du der mal ihr Herz zurück geben? Ich konnte das Liebesgesülz irgendwann nicht mehr hören."
"Ich geb dir im nächsten Hafen einen aus als Wiedergutmachung. Hör mal Tony, hast du am Nachmittag Zeit." sagte Lucas und brachte somit das Thema weg von den Teenagern. Er trank einen Schluck von dem Saft in seinem Glas.
Piccolo kaute und schluckte herunter. "Bin in Bereitschaft. Du willst was mit Reynolds machen?"
Lucas nickte. "Ganz genau. Wir werden Reynolds zeigen was es heißt, wenn man uns etwas verbietet." Ein fieses Grinsen legte sich auf sein Gesicht.
"Möchtest du dich mit ihm anlegen?"
"Nein, er wird es noch nicht einmal merken, wie er uns einige Dinge aus seinen Vorräten zukommen lässt. Ich habe mir seine Frachtpapiere angesehen und meine da das eine oder andere machen zu können. Wie sieht es aus? Du musst dich lediglich durch ein paar Kabelröhren quetschen und mir einen Computer mitbringen."
Tony zog eine Augenbraue hoch. "So kenn ich dich gar nicht."
"Nein? Dann kennen wir uns nicht gut genug. Der Kerl ist bei mir auf der Abschußliste und wir fangen jetzt erst an. Ich lass mich nicht verarschen und wenn Cellini meinen Computer zerstört, dann möchte ich schnellen Ersatz dafür haben!"
"Wie? Der nervige Typ aus dem Shuttle hat deinen Computer zerstört? Wie das?"
Lucas winkte ab. "Später. Was ist, hilfst du mir? Ich hab Brody gefragt, gegen zwei Flaschen Shampus und einiger Kopien von Computerspielen steht der Schmiere. Es ist eine sichere Aktion."
"Und was genau springt jetzt für mich dabei raus? Reynolds hat sicherlich nicht das, was ich mir wünsche." Der Blick Piccolos sagte Lucas genau, was es war, das der Seemann im Sinn hatte.
"Wir werden übermorgen an einer Station andocken. Ich bin sicher, dort wirst du schon einige willige Mädchen finden, aber nicht durch mich. Du musst doch nur da rein und wieder raus, was fürchtest du?"
Tony dachte nach. "Werde ich vom Babysitten erlöst? Nochmal mache ich das mit denen nicht mit!"
"Hey Jungs, ist hier noch frei?" Auf einmal stand Henderson bei ihnen und hielt ein Tablett in der Hand.
Lucas und Tony rutschten etwas zur Seite, damit sie sich an den freien Platz setzen konnte. "Wie läuft es bei euch so?" Sie pfefferte ihr Essen und griff sich die Gabel.
"Kommt darauf an, was du meinst." sagte Tony.
"Dienstlich, aber wenn du Probleme beim lernen hast, musst du mir das nur sagen. Ich hätte heute abend Zeit, wenn du noch unsicher bist." sagte sie, bevor sie sich den ersten Happen in den Mund schob.
"Versuchst du erneut die Offiziersprüfung zu wiederholen?" Das Computergenie runzelte die Stirn. Er hatte Tony eigentlich als jemanden eingeschätzt, der von der Niederlage eingeschüchtert war und nun in einer Ecke sich die Wunden leckte.
"Natürlich! Nun weiß ich wie das abläuft und ich werde härter arbeiten. Bei einer solchen Lehrerin hier kann ich nicht ein zweites mal versagen." Piccolo war sich sehr sicher.
Henderson strahlte stolz. "Keine Sorge, wir kriegen das schon hin. Solange du den Mut nicht verlierst wirst du es schaffen."
"Karteikarten."
Henderson und Piccolo sahen Lucas ratlos an.
"Karteikarten. Wenn du etwas stur auswendig lernen musst, hast du nur Karteikarten zu nehmen, das ist die einfachste Methode. Ich bin zwar kein Freund von Sachen, die man sich so in den Kopf paukt, weil man sie spätestens zwei Tage später wieder vergessen hat, aber für dich und deine Prüfung wäre das doch der einfachste Weg." sagte der Wissenschaftler mit einem Schulterzucken.
"Vergiss es." Tony war nicht gewollt den Rat anzunehmen. Als er Lucas damals um Hilfe gebeten hatte, war dabei nichts heraus gekommen. Sein Freund war viel mehr mit anderen Dingen beschäftigt gewesen, als ihm zu helfen.
"Nein, das ist eine sehr gute Idee!" sagte Lonnie begeistert. "Hör zu, ich werde bis heute abend die ersten Karten gemacht haben mit den Standardfragen und dann gehen wir das gleich durch."
Langsam wanderten die Augen Tony's von Lonnie zu Lucas, dem er diese etwas unliebsame Art zu lernen verdankte. "Du möchtest deine Sache doch später selbst machen."
"Eigentlich hatte ich auf deine Mithilfe gehofft, aber ich kann das auch mit Brody allein durchziehen. So unbedingt brauche ich dich nicht. Ich meine, wenn dir dein Bereitschaftsdienst mehr zusagt, wo du vielleicht Gefahr läufst von unserer Lieblingsnervensäge in Anspruch genommen zu werden."
"Was ist denn los?" Tony war Henderson auf den Neugiernerv getreten und sie spitzte die Ohren.
"Unser Musterknabe hier hat vor unserem Versorgungsoffizier eins auszuwischen indem er sich selbst bedient. Sein toller Freund aus Texas, der mir, so ganz nebenbei erwähnt, tierisch auf die Nerven ging vorhin, hat ihm seinen Computer zerstört. Frag ihn aber nicht nach Details, die erzählt er dir nicht." sagte Tony, der sich angesprochen gefühlt hatte. "Und gerade eben hat er versucht mich zu erpressen, damit ich bei seiner Aktion mitmache."
"Lieutenant Reynolds? Wieso musst du dem eins auswischen? Ich finde Jeremy eigentlich ganz sympathisch. Wir hatten uns gestern abend erst in der Schiffsbibliothek getroffen und uns unterhalten. Er liest die selben Bücher wie ich. Das war eine richtige Überraschung. Wir sind so sehr ins reden gekommen, dass wir darüber hinaus einfach die Zeit vergessen haben und ich beinahe zu spät zu Jonathan gekommen wäre." Lonnie konnte man die gute Laune einfach nicht verderben.
Lucas war aufmerksam geworden. "Ihr seid befreundet?"
"Naja", druckste Lonnie herum. "Nichte direkt, aber ich denke da baut sich etwas nettes auf."
"Weiß der Commander davon? Vielleicht liest er nur deshalb Bücher von Autoren, die du gern hast um bei dir zu landen. Männer sind zu so etwas im Stande, es sei denn sie sind schwul, dann ist das normal." sagte Tony.
"Er ist nicht schwul und Jonathan hat mit ihm auch kein Problem. Was habt ihr zwei nur gegen Jeremy?"
"Er verweigert mir einen neuen Computer." sagte Lucas wie aus der Pistole geschossen.
"Du hast genug, die du dir holen könntest." sagte Lonnie mit einem ungläubigen Ausdruck.
Lucas sah Tony fest in die Augen. "Eindeutig, sie war zu lange mit Reynolds in der Schiffsbibliothek. Der redet genauso." Er wischte sich die Finger an einer Serviette ab. "Ich mach mich langsam davon. Meine Proben sind da und ich muss noch die Software- und Treiberprogramme installieren. Zum Glück habe ich meinen Anhang jetzt am Nachmittag nicht mehr auf der Backe kleben und kann nach meinem Tempo arbeiten. Falls du es dir anders überlegen solltest findest du mich im Labor, Tony." Der Wissenschaftler stand auf und verließ die Messe.
"Lass Jeremy in Ruhe, ich werde sonst dazwischen gehen!" rief Henderson ihm noch hinterher. Lucas achtete aber nicht mehr auf sie. Lonnie war schnell ruhig zu bekommen, sollte sie doch gegen ihn arbeiten wollen.
Kurz vor dem Deck mit den Labors lief ihm eine aufgebrachte Lauren entgegen. "Gott sei dank, ich habe dich endlich gefunden. Ich dachte schon ich verlaufe mich, ehe ich dich warnen kann."
Er legte die Stirn in Falten und schob das Mädchen gleich wieder ein Stück von sich weg, da sie ihm halb um den Hals gefallen war. "Was ist denn los?"
"Es ist Randy. Sie meinen sie würden dir einen Denkzettel verpassen wollen, den du dein Lebtag nicht mehr vergisst. Dein Vater, ich meine Chief Gabrewski hat gestern abend, als wir alle zusammen saßen und uns unterhalten haben, einiges erzählt. Dabei sagte er auch, du hättest kein Asthma und deine Chuck Norris Vorliebe sei auch nur gespielt gewesen. Er wüsste gar nicht wer du bist und deine schauspielerischen Fähigkeiten seien hervorragend gewesen. Du hast selbst ihn täuschen können, da er eigentlich hätte merken müssen, dass du nicht mehr so jung bist, wie du getan hast. Nun ja und Randy nimmt dir das jetzt mehr als übel. Einmal weil du so mit ihnen allen gespielt hast und dann noch wegen der Sache heute Vormittag."
Augenrollend lief Lucas gemütlich zum Labor. "Mach dir mal keine Sorgen. Sollte er auch nur irgendetwas planen, dann wird er schon schnell merken, wie man einen Freischein für ein Shuttle bekommt, das von Bord geht."
"Aber genau das ist es doch! Er wird alles versuchen um dich mit sich zu reißen. Er hat das mitbekommen, das du gegen jemanden hier an Bord etwas hast und möchte dich gegen diesen Kerl ausspielen. Ich weiß nicht, was sie sich ausgedacht haben, aber es hat was mit dieser einen Sache zu tun, wegen der er wütend ist. Als sie den Plan ausgearbeitet haben, haben sie mich weg geschickt. Ich sollte nichts hören. Irgendwas von heute nacht wurde da besprochen. Und dann wollte sie denjenigen suchen gehen, mit dem du Ärger hättest."
Nun bleib Lucas stehen. "Reynolds?"
"Ja, ich glaube so hieß der Mann."
"Verdammt." Lucas haute seine Faust auf die flache Hand. "Das hat mir gerade noch gefehlt, das jemand diesen Schundromanliebhaber auf die Idee bringt wachsamer zu sein."
"Kann ich dir irgendwie helfen?" Lauren hatte zu tun hinter Lucas zu bleiben, der sich wieder in Bewegung gesetzt hatte und zum Hauptlabor steuerte.
"Nein, ich habe nichts. Damit komme ich schon allein klar und außerdem habe ich Freunde an Bord, die... was zum Teufel?", Lucas rüttelte an der Tür zum Hauptlabor, aber er bekam sie nicht auf. Als nächstes schloß sich das Schott zum Wissenschaftsdeck und die Beleuchtung fiel aus. Sie waren eingesperrt...
written 15/09/05
