"Oh mein Gott!" rief Lauren panisch in die Dunkelheit.

"Bleib ganz ruhig." Er tastete nach dem Mädchen und legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. Im nächsten Moment klebte sie an seiner Brust. Genervt rollte er mit den Augen. Das hier konnte doch jetzt unmöglich wahr sein.

"Was passiert hier?"

"Besser wäre zu fragen, was passiert nicht und das ist die Notstromversorgung, die anspringen sollte." Lucas sah zu der dunklen Decke, die nach wie vor in der Schwärze verborgen war.

"Wird es lange dauern bis man uns findet?"

Er drückte sie bestimmt von sich. "Als erstes einmal solltest du wissen, das ich im Dienst bin und es keinen Grund zur Panik gibt."

"Kannst du uns hier wieder raus bringen? Du kennst dich doch aus."

"Ja, aber dieser Stromausfall ist nicht zufällig sondern fungiert. Wie gesagt, die Notstromversorgung hätte sich einschalten müssen, aber das hat sie nicht, das heißt jemand kontrolliert die Systeme auf diesem Deck." Es gab einen stumpfen Knall.

"Barr.. Lucas?"

"Verdammt. Autsch." Im dunkeln rieb sich Lucas den Kopf. Er hatte für einen Moment vergessen, wo er gestanden hatte, als das Licht ausging und war gegen eine Wand gelaufen."

"Ist alles in Ordnung?"

"Solange ich meine Beule nicht sehen muss, ja. Bleib einfach wo du bist und lass mich nur machen. Derjenige, der mich auf der seaQuest in einem Bereich festsetzen kann, muss erst noch geboren werden." Ein metallisches Geräusch zeigte an, dass er versuchte die Türen zu öffnen, doch sie waren verriegelt und er hatte keine Möglichkeit diese zu öffnen. "Gut, wenn ich nicht in meine Labore rein komme, dann mache ich das auf andere Weise. Ich weiß schon warum ich mich hier so eingerichtet habe, wie ich es für nötig halte."

"Was hast du vor?" Laurens Stimme hatte noch immer einen leichten Unterton in dem Panik mitschwang.

"Das wirst du gleich sehen." Auf einmal glimmten einige Leuchten an der Decke wieder auf. Lucas kniete am Boden und hatte einige Verbindungen am Boden miteinander verknüpft. "Na, bin ich gut oder bin ich gut?"

Lauren strahlte übers ganze Gesicht. "Du bist genial!"

"Aber natürlich doch. Gibt schließlich einen Grund, warum ich als Genie gelte." Er erhob sich. "Und jetzt werde ich mir denjenigen schnappen, der mich hier einsperren will. Wenn Reynolds und Cellini glauben sie könnten mich einschüchtern, dann haben sie sich geschnitten. Ich sagte bereits, das hier ist mein Reich. Bei Computern kann mir keiner was vormachen und schon gar nicht wenn es um die seaQuest geht." Der Ensign klopfte sich die Hände an seiner Hose ab und sah sich im Gang um.

"Was suchst du?" Lauren trat langsam zu ihm.

"Hier gibt es zwei Zugänge zu den Kabelröhren, allerdings oben und nicht unten an den Wänden. Bisher habe ich die nie benötigt, darum weiß ich über sie auch nicht genau bescheid. Unter Umständen kommen wir vor lauter Kabeln nicht einmal an ihnen vorbei, aber die zieh ich notfalls alle raus, wenn es sein muss." Er hatte gefunden was er suchte und stellte sich auf eine Leiste, die an der Wand verlief. Es strengte ihn an, die Klappe zu lösen, doch letztendlich schaffte er es und er ließ das Blech einfach auf den Boden fallen. Schwungvoll zog er sich nach oben. "Am besten wartest du hier, bis ich zurück bin."

"Auf keinen Fall, ich komme mit dir!" Schon war Lauren dabei ihm hinterher zu klettern.

Lucas seufzte. "Ich hatte vor gehabt das hier noch ein wenig hinaus zu zögern, aber ich sollte dir vielleicht langsam mal sagen, dass es für uns beide keine Zukunft gibt. Der Junge in den du dich verliebt hast existiert nicht. Als ich Meldung machte, dass du anscheinend die Nähe zu mir suchst, habe ich den Befehl bekommen das für uns auszunutzen. Mehr als freundschaftliche Sympathie bringe ich dir im Moment nicht entgegen. Die große Romanze musst du dir jetzt also aus den Kopf streichen und lieber hier warten."

Beleidigt sah sie ihn an. "Ich glaube dir kein Wort! So wie du mich geküsst hast, das kann nicht nur gespielt gewesen sein!"

Verzweifelnd legte er den Kopf in den Nacken. Soviel sturrheit konnte nur ein verliebtes Mädchen aufbringen. "Lauren, ich bin der erste, der dich jemals geküsst hat. Außerdem bin ich um einiges älter und erfahrener in dieser Sache als du. Glaub mir, auch wenn du jemanden anders als Vergleich gehabt hättest, du hättest es nicht gemerkt."

"Dennoch bleibe nicht hier!" Sie stapfte wütend mit dem Fuß auf.

"Ist gut, dann gebe ich auf. Aber pass auf, dass du nicht verloren gehst." Er hielt ihr die Hand entgegen um ihr rauf zu helfen. Sehr weit ging es zum Glück nicht durch die Röhren. Er hatte seinen PAL auf dem Wissenschaftsdeck zurück gelassen und nun, da er in den Kabelröhren war, konnte er an dem nächsten Knotenpunkt die Kontrollen soweit manipulieren, das niemand mitbekam, wenn sie auf dem nächsten Deck aus der Röhre kamen. Durch seine und Bens Aktivitäten in den Kabelröhren während ihrer allerersten Tour hatte Lucas es als sinnvoll erachtet in das System Bewegungsmelder einzubauen, die jede Aktivität innerhalb der Lüftungs- und Kabelschächte aufzeichnten.

Sobald sie auf dem anderen Deck waren, durchbrach Lucas eine der Schutzverkleidungen und ließ Lauren den Vortritt. Zwei Offiziere hatten sich gerade auf dem Gang unterhalten, als er mit der Schülerin aus dem Schacht kletterte. "Kommen sie bloß nicht auf dumme Gedanken!" warnte er sie, weil er ihre Blicke sehr genau deuten konnte. "Du gehst jetzt am besten zu deinen anderen Freunden oder zu den Lehrern und behälst das alles für dich." sagte er an Lauren gewandt.

"Und was machst du?"

"Meine Arbeit!" langsam regte sie ihn auf und er war nicht mehr weit davon entfernt sie anzuschreien. So musste es seinen Eltern immer gegangen sein, bevor es zu diesen heftigen Streitereien kam, die sie oftmals während seiner Kindheit gehabt haben. Bevor es bei ihm jedoch soweit kommen konnte, machte er sich auf den Weg. Er presste sich an den beiden Offizieren vorbei und eilte schleunigst zur Offiziersmesse. Reynolds konnte was erleben.

Vor der Messe standen zwei von der Sicherheit, die ihn nicht einmal klopfen lassen wollten. Der rechte von ihnen schob ihn zwei Schritte zurück. "Tut mir leid, der Captain hat eine Besprechung."

Lucas rollte mit den Augen. "Es ist dringend, können sie ihn kurz raus holen?"

"Nein, tut mir leid. Er hat uns aufgetragen nicht zu stören." Der andere Sicherheitsoffizier zuckte mit den Schultern. "Er will das möglichst schnell hinter sich haben."

"Na ganz toll." seufzte Lucas. Er machte sich auf den Weg in sein altes Quartier. Tony lag in seiner Koje und sah sich eines seiner hübschen Magazine an. Aus alter Gewohnheit war Lucas hinein gestürmt ohne anzuklopfen. Tony sprang sofort auf und hielt sich die Zeitschrift vor die Brust. "WOLENCZAK!"

Der Wissenschaftler achtete nicht auf ihn, sondern begab sich augenblicklich zum Computer, von wo er sich mittels Videoverbindung direkt in die Offiziersmesse verlinkte. "Tut mir leid sie zu stören Captain."

Hudson stand vor der ovalen Tafel an welcher die drei Lehrer und die vier UEO Offiziere vom Hauptquartier saßen. Als er die Stimme des Ensign aus den Lautsprechern vernahm, drehte er sich langsam zu dem Monitor um. Sein Gesicht zeigte einen zornigen Ausdruck. "Ich hoffe für sie, es ist wichtig."

"Wie man es nimmt, Sir. Ich muss sie unbedingt sprechen. Es geht um Lieutenant Reynolds und ich würde sagen wir sollten schnell machen, bevor er sich dazu entschließt mich frei zu lassen."

Der Captain runzelte die Stirn. "Frei lassen?"

Lucas winkte ab. "Keine Sorge, ich stecke nicht fest, jedenfalls nicht mehr. Ich erkläre es ihnen genauer, aber nur wenn sie die kleine Besprechung kurz unterbrechen. Ich bin mir sicher es wird ihnen nicht gefallen."

Nun war es Captain Hudson der seufzen musste. "Kommen sie in mein Quartier."

"Aye, Sir." sagte Lucas und beendete die Verbindung. Piccolo sah ihn fragend an. "Ich dachte du wolltest Reynolds eins auswischen. Schwärzt du ihn nun wegen was erfundenem beim Captain an?"

"Von wegen erfunden. Der hat sich jemanden geschnappt, der sich in die Systeme eingehackt hat und mich auf dem Wissenschaftsdeck eingesperrt. Mit Glück meinte er mich dort noch immer gefangen zu wissen und wenn wir schnell sind", Lucas machte eine Pause in der ein gehässiges Grinsen über sein Gesicht huschte. "Nun, dann könnte unser guter Versorgungsoffizier einigen Ärger bekommen."

"Meinst du die schmeißen ihn von Bord?"

"Nein, soviel Glück haben wir nicht. Bei einem Privatkrieg fliegt niemand. Wird nur eine Verwarnung und eine Disziplinarstrafe geben. Er hat die Computer missbraucht und damit das Leben von uns allen gefährdet wäre es zu einem Notfall gekommen. Ich erzähle dir alles später. Nachdem ich so gedrängt habe, sollte ich schnell zum Quartier des Captains gehen, sonst meint er am Ende noch, es sei doch nicht so wichtig." Mit diesen Worten machte er sich davon. Tony beschloß zu warten und bis dahin sich ein wenig mit seinen Freundinnen aus dem Magazin zu beschäftigen.

Commander Ford kam mit zwei Leuten von der Sicherheit zum Deck mit den Wohnquartieren, wo der Captain gemeinsam mit Lucas bereits an der Treppe wartete. "Sir?" Man hatte ihm nicht gesagt, wozu er gebraucht wurde.

"Sie drei werden voran gehen. Wir werden die Kabine zu Lieutenant Reynolds aufbrechen." Captain Hudson sah seinen Wissenschaftsoffizier ernst an. "Wenn die Behauptungen des Ensign stimmen, dann werden wir ihn auf frischer Tat ertappen."

"Das werden wir, sie haben es selbst gesehen. Die Kontrolle über das Wissenschaftsdecks laufen gerade allesamt über den Computer im Quartier des Versorgungsoffiziers." sagte Lucas leicht genervt. Das mussten sie jetzt nicht nochmals ausdiskutieren. Sie hatten am Computer beim Captain sich vergewissert, warum auf einmal die Stromzufuhr abgebrochen war und Lucas hatte sich zudem noch wie ein Schatten durch die Kontrollen bewegt. Niemand konnte seine Nachforschungen bemerkt haben. Oliver Hudson hatte es gereicht, er war überzeugt gewesen.

Hudson bedeutete Lucas mit einem Handzeichen Ruhe. "Sie gehen vor, Commander."

"Könnte ich vorher erfahren, weshalb wir das tun? Gibt es Probleme mit Lieutenant Reynolds?" fragte Jonathan Ford dennoch nach, dem das hier alles mehr als seltsam vorkam.

"Unser verehrter Lieutenant Reynolds hat sich in die Systeme der seaQuest eingehackt, weiß Darwin wie er das gemacht hat und die Kontrollen über das Wissenschaftsdeck übernommen. Sobald ich dieses betreten habe, hat er mich dort eingesperrt und sämtliche Türen blockiert, damit ich an keinen Computer heran komme. Ich war gefangen auf dem Gang, im dunkeln und eigentlich ohne eine Möglichkeit dort weg zu kommen. Leider hat der gute Mann einen Fehler gemacht und der war, mich zu unterschätzen. Ich kenne das Boot besser, als er!"

"Wieso sollte er das tun?" Commander Ford hatte die Arme vor der Brust verschränkt.

"Weil mein Computer in die Luft geflogen ist, ich einen neuen wollte und er ihn mir nicht geben will?" Lucas sah ihn fordernd an, schließlich wusste der Commander sehr genau was vorgefallen war.

Ford schüttelte den Kopf. "Das rechtfertig noch lange nicht so ein Verhalten."

"Wenn er aber meint, ich gehe ihm zu sehr auf die Nerven, dann schon. Es ist ja nicht nur der Computer, es sind noch andere Dinge, die ihn stören."

Captain Hudson hörte seinen beiden Offizieren verwundert zu. Worüber sprachen die nur? Er konnte sich einfach keinen Reim darauf machen und wusste auch nicht, was er davon halten sollte. "Würde mich einer von ihnen aufklären, um was es hier genau geht?"

Jonathan stellte sich entspannter hin. "Heute Nacht hatte es einen Zwischenfall gegeben, bei welchem der Computer im Quartier des Ensign zerstört wurde. Ohne sein Zutun versteht sich, ich habe mich davon überzeugt und wenn ich das jetzt richtig verstehe, dann weigert sich Lieutenant Reynolds Lucas einen entsprechenden Ersatz zur Verfügung zu stellen und aus einem mir noch nicht ganz erklärbaren Grund fühlte er sich von Ensign Wolenczak belästigt, so dass er diese Maßnahme ergriff, die uns nun hierher geführt hat."

"Was vollkommen schwachsinnig ist! Was soll das bitte? Captain, es ist eine Sache, ob man jemanden auf die Nerven fällt wegen ein paar Dingen, die man aus den Vorräten haben möchte, aber eine völlig andere jemanden bei seiner Arbeit zu behindern.Außerdem war eine von den Schülerinnen mit bei mir eingeschlossen."

Als Lucas von der Schülerin sprach zog Ford eine Augenbraue höher. Konnte es sein und der Don Juan war in Lucas mal wieder durchgebrochen?

"Mr. Wolenczak, sie gehen jedem auf die Nerven, wenn sie nicht kriegen was sie wollen, das kann nicht allein der Grund dafür sein." setzte Hudson nach. "Damit haben wir alle gelernt zu leben."

Lucas ließ die Schultern hängen. "Dennoch müssen sie jetzt da rein gehen und ihn fragen, was das mit dem Hack soll! Sie können das nicht einfach so durchgehen lassen."

Der Captain drehte sich zu den beiden Sicherheitsoffizieren herum. "Machen sie schon." Die zwei bulligen Kerle schritten auf das Quartier des Versorgungsoffiziers am Ende des Ganges zu und stießen die Tür auf. Drinnen schracken drei Personen zusammen. Unter ihnen befand sich Jeremy Reynolds, sowie Randy Cellini und am Computer saß Bill Waxler, der in der Klasse als der Hacker schlechthin bekannt war. Er brüstete sich mit der Aussage mit jemanden im Internet befreundet zu sein, der mit Frankenstein, dem wahren Gott aller Hacker aufgewachsen war.

Die Sicherheitsleute zogen alle Personen vom Computer weg und Hudson trat ihnen gegenüber. Er hatte nicht viel Ahnung von diesen Dingen, aber eins wusste er genau, das hier waren eindeutig die Kontrollen über das Wissenschaftsdeck, die da über den Monitor flimmerten. "Nun meine Herrn, sie können sich jetzt bestimmt vorstellen, was wir als nächstes machen." sagte er an die drei gewandt. "Und sie Lieutenant bekommen bei mir eine Gratissprechstunde ganz allein."

Entgeistert wanderte der Blick von Randy und auch von Jeremy Reynolds von Captain Hudson zu Lucas, der soeben hinter dem Commander den kleinen Raum betrat. "Überraschung. Wenn es einer schafft selbst auf der seaQuest unbemerkt durch die Gänge zu huschen, dann kann es sich dabei nur um Frankenstein handeln." Dabei sah er mit einem hämischen Ausdruck in den Augen insbesondere zu Bill, dem nun einiges klar wurde...

written 16.+18./09/05