Prolog
Prolog (aus Alex' Sicht)
"Ich erinnere mich noch an alles, als hätte ich mich eben erst erhoben, nachdem der Dunkle Lord gefallen war.
Meine Opfer, der letzte Kampf, ganz zu schweigen... Von meinem Leben...
Zu tief sitzt der Schmerz und die Wunden in meinem Innern werden bis zu meinem Tod, das weiß ich, nicht verheilen. Vielleicht kannst du es nicht verstehen, vielleicht willst du es auch gar nicht... Doch ein Teil von mir zerbrach und fiel gemeinsam mit dem Dunklen Lord. Es mag seltsam klingen, doch am Ende wirst du verstehen.
Alles wäre soviel anders verlaufen, hätte ich diese, meine ganz besondere, Fähigkeit nie erhalten...
Damals, an meinem 7. Geburtstag, fing alles an. Ich weiß bis heute nicht, warum ausgerechnet an diesem Tag, aber damals hielt ich zum ersten Mal... Die Zeit an.
Du kennst diese Fähigkeit, du kennst sie von mir... Aber für mich war es unfassbar, eine unfassbare Wirklichkeit, in der ich mich allein zurechtfinden musste und wo niemand da war, der mir diese seltsamen Kräfte hätte erklären können.
Man kann es wohl nur als Schicksal bezeichnen. Und selbst wenn man sein Schicksal selbst bestimmen kann, das habe ich in meinem Leben gelernt, muss man die Dinge manchmal doch so nehmen wie sie kommen. Und was sollte ich schon anderes tun, als es einfach zu akzeptieren? Ich kann nicht genau sagen, wie, doch nach einer gewissen Zeit lernte ich damit umzugehen, um nicht zu sagen: Ich kontrollierte die Zeit perfekt, wie es mir gefiel...
Trotzdem hatte ich keine Zeit, mich darüber zu freuen. Ich hatte es nicht erwartet und es ist auch unmöglich zu sagen, ob ich mich darüber freute oder erneut Angst bekam. Aber meine Kräfte entwickelten sich weiter. Bald konnte ich die Zeit nicht nur anhalten; ich konnte sie auch beschleunigen und zurückdrehen. Es ist schwer zu erklären, ich verstand es damals ja selbst nicht, doch später erwies sich diese Weiterentwicklung als äußerst nützlich. Auch du wirst erst später erkennen, wofür...
Als ich meinen Brief von Hogwarts bekam, war ich zuerst misstrauisch. Ich wusste nicht, ob ich meine Fähigkeiten auch in Hogwarts geheim halten konnte. Es ist wohl wichtig dir zu sagen, dass ich niemandem gegenüber erwähnte, welche Kräfte ich besaß. Ich hatte Angst davor, wie sie reagieren würden auf etwas, dass sie nicht kannten und auch nicht verstehen konnten. Und auch vor den Reaktionen in Hogwarts fürchtete ich mich. Aber schließlich erkannte ich, dass ich nicht darum herum kam, nach Hogwarts zu gehen. Und da ich es bisher geschafft hatte, es für mich zu behalten, warum sollte mir das in Hogwarts nicht gelingen?
Schließlich rückte der erste Tag in Hogwarts näher und ehe ich mich versah, saß ich im Zug Richtung Norden. Nach einer Weile streifte ich durch die Gänge und da traf ich das erste Mal auf ihn.
Er kam mir im Gang entgegen; ich blickte auf, traf seinen Blick und kurz, nur kurz, berührten sich unsere Hände. Einen Schritt weiter blieben wir beide stehen.
Es war dieser Moment, dieses Gefühl, das mich durchflutete, kurz gesagt war er es, der mir im Kopf herum spukte, als ich an der Auswahl teilnahm. Keine Liebe war es, die ich empfand, zumindest nicht an diesem Tag, wohl eher das Gefühl und das Wissen, dass er noch wichtig für mich sein würde. Ich bemerkte fast gar nicht, wie ich nach Gryffindor kam und noch immer in Gedanken versunken begab ich mich zum klatschenden Tisch. Den Bruchteil einer Sekunde später, begegnete ich seinem Blick erneut. Überrascht und froh, ihn in meinem Haus zu haben, musste ich unweigerlich lächeln und er grinste mir entgegen, bevor er sich abwandte und wieder der Auswahl zusah. Warum ich mich noch so genau an diesen Tag erinnere? ...Weil es wichtig ist, die schönen Dinge in Erinnerung zu behalten und erste Treffen sind oft so wichtig, dass man sie nie vergisst. Aber es dauerte noch Jahre, bis ich zu dieser Erkenntnis kam. Und wahrscheinlich wirst auch du mich erst nach langer Zeit verstehen.
In den folgenden Jahren lernte ich ihn nicht besonders gut kennen; ich wusste so viel von ihm wie von den anderen Gryffindors, die drei Jahre älter als ich waren. Trotzdem dachte ich oft an unsere erste Begegnung zurück und dieses mir fremde Gefühl blieb in meinem Herzen erhalten. Ich musste wohl erst erwachsen werden, bevor ich es verstand...
Schließlich kam ich in die fünfte Klasse, er hatte seine Schulzeit beendet und die Erinnerung verblasste langsam; wenn auch nicht ganz.
Dafür würde ich liebend gerne etwas anderes aus meinem Gedächtnis verbannen. Nämlich mein siebtes und letztes Jahr in Hogwarts. Damals hätte ich so viele Menschen gebraucht, aber niemand war da... Als würde ich in einer ewigen Dunkelheit nach Hilfe rufen; Licht verlangen, um meinen Weg wiederzufinden und nur einen kalten Windhauch als Antwort bekommen. Denn was in meinem siebten Jahr geschah, veränderte mein Leben so sehr wie der Erhalt meiner Fähigkeiten. Was in meinem siebten Jahr geschah, ließ mich hassen.
Nicht hassen, weil sich alle gegen mich wandten. Nicht hassen, weil sie mich verurteilten. Nicht hassen, weil sie mich für etwas bestraften, was ich selbst nicht verstand. Nicht hassen, weil sie sich die Frechheit nahmen zu behaupten, sie würden verstehen...
Ich hasste ihren Verrat. Und ich schwor, mich nie wieder auf ihre Seite zu stellen. Doch erst musste ich mich von ihrer Seite entfernen. England war und wird immer mein Zuhause sein, aber damals hatte ich keine andere Wahl als es zu verlassen.
In den nächsten Jahren streifte ich durch die Welt wie ein Schatten. Ich hinterließ keine Spuren, kein Lebenszeichen. Ich verriet niemandem meinen Namen oder nannte einen falschen, lebte als wäre ich tot und ließ mein Geheimnis weiterhin mein Geheimnis sein während mein Leben an mir vorbeizog und ebenfalls zu meinem Geheimnis wurde.
Andere wären es vielleicht, aber ich wurde nicht verrückt, auch nach Jahren nicht. Doch die Veränderung, die ich durchmachte, war wohl auch nicht besser und vielleicht sogar noch schlimmer. Denn viele, fast alle hielten mich inzwischen für tot. Und ich glaube, das war der Grund, weshalb ich etwas wichtiges in mir verlor. Du musst wissen, als Reisende war ich auf der Suche gewesen. Und heute denke ich, dass mein Unterbewusstsein mich suchen ließ nach einem Weg aus der Dunkelheit, die noch immer und stetig stärker werdend in meinem Innern weilte. Oder suchte ich die Wahrheit? Doch egal, was ich suchte, denn ich fand es damals nicht: Was ich in mir verlor, war ich selbst.
Woran ich früher glaubte, hatte ich aufgegeben, vor vielen Jahren. Und als fast alle mich für tot hielten, verlor auch ich den Glauben an eine Existenz, die sich behaupten konnte. Ich hatte keinen Platz mehr in dieser Welt, die Erinnerung an mich selbst verblasste immer mehr. Zurück blieb eine Leere, die ich überall in mir spürte und ohne Suche ließ sich nichts finden, was diese klaffende Wunde zu schließen vermochte.
So streifte ich jahrelang durch die Welt, ohne zu wissen wohin, keine Spur zurücklassend. Man kann sagen: Ich lebte, als wäre ich ein Geist und ein Teil von mir war auch tot. Alles was mir blieb war diese Dunkelheit in mir und mit jedem Schritt, den ich ging, war es, als würde ich von innen zerfressen.
Dann traf ich ihn...
Keinen, der mir das Licht geschenkt hätte. Keiner, der mich von der Dunkelheit befreit hätte. Aber er gab mir die Erkenntnis, dass ich es nicht verdient hatte, so ein Leben zu leben, während die, denen ich das verdankte, glücklich waren. Er hatte in keiner Weise das Recht, andere als schlecht zu bezeichnen, doch damals tat der Dunkle Lord das vielleicht einzig Gute während seines Daseins: Er erinnerte mich daran, dass ich noch immer am Leben war.
Heute weiß ich, dass ich nie hier wäre, hätte ich ihn nicht getroffen. Doch ich weiss nun auch, dass es kein Zufall war, ihn damals zu treffen. Ich fand es nicht seltsam, dass er von meinen Fähigkeiten wusste oder dass er mich nach so langer Zeit einfach gefunden hatte. Aber, um es dir vor Augen zu halten, ich war sechzehn Jahre lang allein umhergestreift. Und nach sechzehn Jahren sehnte ich mich nach einem normalen Leben. Und was ich dafür tun musste, war im Prinzip ganz einfach: Der Dunkle Lord erinnerte mich an mein Leben und um es wieder zu erhalten, musste ich meines in seine Dienste stellen. Ich wurde... Eine Todesserin.
Doch das war es mir wert. Und so folgte ich ihm nach England, lauschte seiner Geschichte über den Jungen, der lebte, und erfuhr von seinen Plänen. Seine Leute trauten mir nicht, ich glaube, sie hassten mich von Anfang an. Was aber nicht an meinem späten Auftauchen lag oder daran, dass ich es nicht für nötig hielt und es ablehnte, ihnen von meinem Leben zu erzählen. Es lag schlicht und weg daran, dass ich binnen kürzester Zeit zu Voldemorts rechter Hand wurde. Wann immer er eine Unterredung hatte, war ich anwesend. Sei es um zu lernen oder um die Drecksarbeit für ihn zu erledigen... Bei allen Treffen stand ich an seiner Seite und schnell verstand ich es, wichtige Pläne zu entwickeln, und auch das führte dazu, dass mich die anderen Todesser mit fast so viel Respekt behandelten wie den Dunklen Lord selbst.
Nach Monaten hatte ich mich selbst zurück, wenn auch in etwas anderer Ausführung. Ich gehörte nun zu den Bösen und das Gefühl, an denen Rache zu üben, die mich beschuldigt hatten, bereitete mir ein grimmiges Vergnügen. Schließlich kam mir die Idee, die mein Leben schon wieder, doch nur ganz allmählich, verändern sollte. Und an diesem Tag begann meine eigentliche Geschichte. Begann das, was mich daran erinnern sollte, was ich vor Jahren verlor..."
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So! Das war der Prolog, wie gesagt: etwas lang, aber das muss sein. Ich hoffe, es hat euch gefallen! Und bitte den Kommentar nicht
