Hallo ihr.
Freut mich, dass euch die Fic gefällt.
Noch zwei kleine Bemerkungen:
Die fehlende POV ist beabsichtigt. Da die Geschichte nicht sehr lang ist und die Perspektive eigentlich immer relativ schnell ersichtlich wird, dachte ich, ich lass es weg.
Die Geschichte ist schon ziemlich alt. Um genau zu sein ist sie die erste, die ich je geschrieben habe... Das war kurz nachdem ich meine ersten Fics gelesen hatte...daher kommen die Chaps relativ schnell... muss sie nur korrekturlesen...
Viel Spaß beim lesen.
kuss
Eure Yulah
2. Father & Son
Schon als ich den Gemeinschaftsraum betrete, merke ich, dass etwas nicht stimmt. Es scheint alles wie immer, und doch...etwas ist anders. Dann sehe ich ihn, den Grund für meine Unruhe.
Mein Vater.
Er sitzt mit dem Rücken zur Tür, groß, aufrecht, dunkel gekleidet wie immer, die fast weißen Haare ordentlich im Nacken zusammengebunden.
Mein Herz gefriert. Die zufriedene Wärme, die Harrys Küsse in meinem Inneren hinterlassen haben, ist wie ausgelöscht.
Warum ist er hier? Er wartet auf mich, zweifellos. Aber warum?
Ich sehe Crabbe, der ihm gegenübersitzt und sich höflich mit ihm unterhält. Crabbe und Goyle bewundern meinen Vater so sehr, dass es schon an Heldenverehrung grenzt.
Ich habe auf einmal den dringenden Wunsch wegzulaufen. Raus aus den Verliesen, weg von hier, weg von ihm! Denn irgendwie weiß ich, dass sein Besuch nichts Gutes verheißt.
Statt dessen schiebe ich meine böse Vorahnung beiseite, hole tief Luft und gehe auf ihn zu.
„Vater...? Was tust du denn hier?"
Meine Stimme klingt seltsam in meinen Ohren, falsch und eine Spur zu hoch.
Er hebt den Kopf, begegnet meinem Blick mit einem strahlenden Lächeln, dass jedoch seine Augen nicht erreicht. Früher hat mich dieses Lächeln täuschen können, aber seit einer Weile vertraue ich ihm nicht mehr.
„Draco! Mein Sohn! Da bist du ja endlich. Was für eine Frage. Ich hatte geschäftlich in der Nähe zu tun und habe mir gedacht, dass das doch eine gute Gelegenheit ist meinen einzigen Sohn an seinem Geburtstag zu besuchen. Ich dachte, wir könnten gemeinsam etwas essen gehen. Ich habe bereits mit Snape gesprochen." Seine Stimme ist glatt und jagt mir eisige Schauer über den Rücken.
Mein Geburtstag, natürlich. Ich fühle einen seltsamen Widerwillen. Ich will nicht mit meinem Vater allein sein. Ich weiß nicht warum, es ist absurd. Er ist mein Vater! Ich hab keinen Grund mich vor ihm zu fürchten. Und trotzdem, das Gefühl von Gefahr lässt sich nicht ausblenden. Zum ersten Mal verfluche ich die Tatsache Snape's Liebling zu sein. Verdammt! Niemand anderem hätte er die Erlaubnis erteilt das Schloss mitten in der Woche zu verlassen.
Ich heuchle Begeisterung.
„Wirklich? Das ist genau das, was diesem Tag noch gefehlt hat!" Mein Lächeln ist ebenso falsch wie das seine, aber er scheint es nicht zu bemerken.
Du warst ein guter Lehrmeister, Vater!
Er steht auf, klatscht auffordernd in die Hände, eine Geste, die ich schon als Kind gehasst habe.
„Dann spute dich, hol deinen Mantel. Wir wollen keine Zeit vergeuden." Wieder dieser Ton, munter und falsch.
Was will er von mir? Er hat sich seit Jahren keinen Deut um mich geschert, ganz gleich ob Geburtstag oder nicht. Für gewöhnlich hat er sich mit einer Karte und irgendeinem sündhaft teuren Geschenk begnügt, warum plötzlich dieses übertrieben zur Schau gestellte Interesse? Ich kenne ihn. Er plant etwas. Und ich spiele eine Rolle in diesem Plan.
Ich hole meinen Mantel aus meinem Zimmer, werfe beim Hinausgehen einen Blick in den Spiegel. Ich seh normal aus. Wie immer. Die Haare ordentlich, der Krawattenknoten locker, die obersten Hemdknöpfe offen. Die leichte Sorge in den Augen ist kaum merklich. Mein Blick wandert zum Ausschnitt meines Hemdes. Der Drache liegt warm auf meiner weißen Haut. Seit Harry ihn mir an seiner Lederschnur um den Hals gebunden hat ist kaum eine Stunde vergangen und trotzdem fühlt es sich an, als wäre er schon immer da gewesen. Ich lasse meine Finger über die feinen Windungen gleiten, kann die Gravur auf der Rückseite spüren. Ein H und ein D, verschnörkelt, untrennbar miteinander verschlungen. Harrys Geburtstagsgeschenk.
Zweieinhalb Monate sind vergangen, seit dem Morgen an dem Granger uns im Astronomieturm ertappt hat. Zweieinhalb Monate seit er mir seine Liebe gestanden hat ohne es zu merken. Ich habe meine Gefühle für ihn noch nicht ausgesprochen, aber ich habe sie ihm auf jede erdenkliche Art gezeigt, irgendwann werde ich auch den Mut finden es in Worte zu fassen.
Granger hat den Mund gehalten und seitdem wir angefangen haben, diesen absurden Plan auszuhecken, der Voldemort zu Fall bringen soll und der uns wahrscheinlich alle Kopf und Kragen kosten wird, haben wir angefangen einander zu vertrauen.
Mit einem leisen, bedauernden Seufzer lasse ich den Drachen zurück an seinen Platz gleiten, dann schließe ich auch die obersten Hemdknöpfe, richte den Knoten der Krawatte und gehe langsam zurück in den Gemeinschaftsraum. Ich weiß nicht warum, aber ich will nicht, dass mein Vater den Anhänger sieht. Harry hat ihn mir geschenkt, ein Geschenk passender als kein anderes... Ein leises Lächeln stielt sich auf meine Lippen. Der Drache ist irgendwie zum Symbol unserer Liebe geworden. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht will, dass mein Vater die Kette sieht. Plötzlich kommt mir ein Gedanke, der so schrecklich ist, dass mir schlecht wird. Was ist, wenn er etwas weiß? Wenn er von Harry und mir weiß? Es ist verrückt, wie sollte er davon wissen. Die einzig Eingeweihte ist Granger und die wird sich kaum mit Lucius Malfoy unterhalten. Trotzdem hab ich plötzlich Angst.
Kaum zehn Minuten später werden meine schlimmsten Befürchtungen wahr. Wir sind auf dem Weg über den Hof, als er unvermittelt stehenbleibt und mich mit einem lauernden Ausdruck in den Augen fixiert.
„Was...?"
Er hebt die rechte Hand, gebietet mir zu schweigen.
„Ich habe für acht Uhr einen Tisch bestellt. Wir haben also noch Zeit. Zeit genug, damit ich dir eine Frage stellen kann. Mir ist da ein sehr interessantes Gerücht zu Ohren gekommen. Ich habe aus sehr zuverlässiger Quelle erfahren, dass du ein – wie soll ich es ausdrücken? kleines, sehr, mmmhhh, vertrauliches Verhältnis zu - Mr. Potter entwickelt hast. Hast du mir dazu irgend etwas zu sagen?"
Mein Herz setzt aus. Er weiß es! Irgend jemand hat unser Geheimnis entdeckt und es ihm gesagt! Was soll ich tun? Leugne es! Meine innere Stimme schreit förmlich. Ich versuche zu lachen, als sei seine Unterstellung das Absurdeste überhaupt.
„Oh, bitte! Vater, das glaubst du doch nicht ernsthaft! Ich und Potter?" Ich spucke seinen Namen förmlich aus, lege soviel Abscheu wie möglich in meine Stimme. Noch ehe ich den Satz beendet habe holt er aus und schlägt mich hart ins Gesicht.
„Wage es nicht mich anzulügen!" Er schreit nicht, er schreit niemals, aber seine Stimme ist ein wütendes Zischen, jede Spur von Freundlichkeit ist daraus verschwunden.
Meine Wange brennt von der Ohrfeige, meine Gedanken rasen. Ich muß mir etwas einfallen lassen, schnell, bevor es zu spät ist. Mir kommt eine Idee, so absurd, so haarsträubend, dass ich nicht weiß, ob er darauf hereinfallen wird, mein Vater ist nicht dumm, aber einen Versuch ist es allemal wert. Ich werde nicht kampflos aufgeben! Ich gebe Resignation vor.
„Also schön, da du es ja ohnehin weißt. Ich hatte gehofft, dass ich genug Zeit habe meinen Plan zu beenden, aber dafür ist es ja jetzt wohl zu spät."
Er sieht mich lauernd an. Das Mißtrauen in seinem Blick ist fast greifbar.
„Was für ein Plan? Und ich warne dich, lüg mich nicht an! Oder du wirst den Tag bereuen an dem du geboren wurdest!"
Drohungen. Wir sind wieder auf vertrautem Boden. Mit seinen Drohungen kann ich umgehen. Ich bemühe mich normal zu atmen, setzt eine gelangweilte Miene auf.
„Nun, Vater. Du selbst hast mir doch beigebracht, dass man seinen Feinden soviel Schmerz wie möglich zufügt, bevor man sie vernichtet. Genau das war mein Plan. Ich habe Potter dazu gebracht sich in mich zu verlieben, habe ihn dazu gebracht zu glauben, dass ich ihn liebe. Ich hatte vor noch eine Weile mit ihm zu spielen und ihn dann fallen zu lassen. Potter ist hungrig nach Liebe. Sie zu verlieren ist das Schlimmste für ihn. Er vertraut mir blind. Hier, dass ist der Beweis für meinen Erfolg..."
Ich taste unter mein Hemd, ziehe den Anhänger hervor. Es bereitet mir fast körperliche Schmerzen ihn von meinem Hals zu lösen und meinem Vater zu geben, aber ich habe keine Wahl. In Gedanken bitte ich Harry stumm um Vergebung. Mein Vater betrachtet den Drachen mit einer Mischung aus Misstrauen und Abscheu in den Augen. Während ich redete hat er mich nicht einmal unterbrochen. Der Ausdruck in seinem Gesicht hat sich geändert, aber er ist sich noch immer nicht ganz sicher. Ich atme lautlos ein und hole zu einem letzte Schlag aus:
„Ich weiß, ich hätte das schon längst beenden sollen, aber ich gestehe, ich habe einen gewissen Gefallen an der Sache gefunden."
Er zieht eine Augenbraue hoch.
„Wie darf ich das verstehen?"
„Nun," ich hasse mich selber für das was ich jetzt sage, „ich gebe es nur ungern zu, aber Potter ist ziemlich gut im Bett. Ich bin durchaus auf meine Kosten gekommen. Und ich gestehe, dass ich nur ungern auf eine so bequeme Möglichkeit zur Befriedigung meiner körperlichen Wünsche verzichten wollte."
Einen Moment ist es vollkommen still. Sekunden ziehen sich zu Stunden. Dann beginnt er plötzlich schallend zu lachen. Eine Welle der Erleichterung überschwemmt mich; ich weiß nicht wie, ich weiß nicht warum, aber er glaubt mir!
Es dauert eine Weile bis er sich wieder beruhigt hat. Jedes Mißtrauen ist aus seinem Blick verschwunden, ich sehe nur noch Stolz darin.
„Mein Junge, ich bin stolz auf dich! Ein solcher Plan! Absurd und genial und abgrundtief böse! Ein Plan der eines Malfoys wert ist! Einen Augenblick lang habe ich befürchtet, dass meine ganze Erziehung umsonst war, ich hoffe, du verzeihst mir meine Zweifel." Er legt mir den Arm um die Schulter und ehe ich es verhindern kann, wirft er den Drachen in hohem Bogen hinter sich in den Springbrunnen.
„Das brauchst du nicht mehr! Draco, als ich heute hierher kam, hatte ich nur den Wunsch dich für deinen Verrat zu bestrafen, aber jetzt habe ich gesehen, dass du bereit bist für etwas viel Größeres. Mein Sohn! Ich denke es ist an der Zeit, dass du endlich in meine Fußstapfen trittst!"
Was will er damit sagen? Das kann nicht das bedeuten, was ich denke! Das ist unmöglich! Nicht jetzt! Es ist noch zu früh dafür! Ich habe eine Katastrophe abgewendet nur um eine sehr viel größere auszulösen.
Bevor ich etwas sagen kann, spricht er aus was ich befürchte:
„Es ist an der Zeit, dass du dich dem dunklen Lord anschließt, Draco! Vergiss die Schule! Du weißt bereits alles, was wichtig ist, dass hat mir dein genialer kleiner Plan gezeigt. Es wird Krieg geben, bald schon. Und dann wirst du dich endgültig an Potter rächen können!"
Wir haben die schwarze Kutsche erreicht, natürlich, Lucius Malfoy reist nicht mit Besen oder Portschlüsseln! Das Wappen meiner Familie prangt auf der Tür, scheint mich zu verhöhnen. Meine Gedanken drehen sich. Ich muß jemandem Bescheid geben, muß die anderen warnen. Es ist schon seit einer Weile geplant, mich als Spion zu den Todessern zu schicken, ich hatte mich freiwillig gemeldet, aber es ist noch zu früh dafür! Wochenlang hat die kleine Verschwörergruppe bestehend aus mir und den Mitgliedern des Phönixordens über diesem Plan gebrütet. Seid dem Anschlag auf das Ministerium, bei dem fast zwanzig Personen ums Leben kamen. Wir wußte, dass das eine Kriegserklärung der dunklen Seite war. Aber noch wissen nur wenige von der Gefahr die über unseren Köpfen schwebt. Harry hat mich vor ein paar Tage gefragt, auf welcher Seite ich stehen werde, wenn es zum Äußersten kommt und ich konnte ihm nicht antworten. Er hat nicht weiter gefragt, denn er weiß um das Erbe meiner Erziehung. Er weiß nichts von unserem Plan. Niemand weiß davon, außer den Beteiligten. Ich wollte es ihm sagen, bevor ich gehe, denn ich weiß, dass er sonst versuchen würde mich davon abzuhalten, aber dafür ist es jetzt zu spät. Ich habe plötzlich das Gefühl in der Falle zu sitzen.
Als die Kutsche sich in Bewegung setzt, überkommt mich Panik, aber ich denke auch voller Erleichterung daran, dass Harry niemals erfahren wird, wie ich unsere Liebe vor den Augen meines Vaters in Stücke gerissen habe.
„Hast du das gehört?"
„Jedes Wort."
„Oh Neville, was sollen wir nur tun?"
„Ich weiß es nicht. Wußtest du davon?"
„Von Harry und Draco? Nein. Aber Neville, wir müssen etwas unternehmen."
„Wir...wir müssen es Harry sagen."
„Aber wird ihn das nicht sehr verletzen?"
„Doch, aber Milli, wir haben keine andere Wahl. Harry muß davon erfahren. Und wir müssen zu Professor Dumbledore, er muß hören, was Mr. Malfoy über den Krieg gesagt hat."
„Neville, ich hab Angst!"
„Ich auch Milli, ich auch."
Eigentlich hatte dieser Abend etwas besonderes werden sollen. Ihr erstes heimliches Rendezvous. Händchenhalten und scheue Küsse im Mondlicht. Der Abend war etwas besonders, aber Neville und Millicent wußten beide, dass sie lieber im Schloß geblieben wären.
TBC...
