Ein sehr kurzes Chap diesmal...

3. War & Truth

Die Welt liegt in Trümmern.

Der Krieg wütet seid Monaten, nicht in offenen Schlachten, aber die Anschläge, Sabotageakte und gezielten Angriffe auf strategisch wichtige Ziele lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Die Verluste sind gering.

Noch.

Hogwarts ist fast vollkommen ausgestorben. Die Schüler der unteren Klassen sind nach Hause geschickt worden, viele der Slytherins und auch einzelne Angehörige der anderen Häuser sind zu unseren Feinden übergelaufen, selbst ein oder zwei Gryffindors sind darunter. Jene, die geblieben sind, tun alles in ihrer Macht stehende um das Böse zu bekämpfen. Einige wachsen über sich hinaus, zeigen Seiten, die niemand an ihnen erwartet hätte.

Meine Welt liegt in Trümmern.

Sie zerbrach an einem kalten Januarabend, einem Abend der einem nahezu perfekten Tag gefolgt war. Einem Tag, an dem ich glaubte, dass ich niemals in meinem Leben glücklicher war. Einen Tag, an dem mein einziger Gedanke dem galt, den ich liebte. Dem, der meine Welt mit einem einzigen Schlag zerstörte, ohne dass ich etwas davon ahnte.

Als Neville an diesem Abend Hand in Hand mit Millicent in unseren Gemeinschaftsraum kam, war ich nur überrascht die beiden zusammen zu sehen. Ich war nicht vorbereitet auf den Schlag, der folgte.

Leise und stockend berichteten sie, was sie im Hof gehört hatten.

Nur Hermine war da und hörte jedes Wort, jedes dieser Worte, die wie glühende Nadeln in meine Seele stachen, mein Herz verbrannten, in meinem Kopf widerhallten wie Donnerschläge. Mein Herz wollte nicht glauben, was meine Ohren hörten, aber vom ersten Moment an wußte ich, dass jedes Wort der Wahrheit entsprach. Als Neville mir schließlich den Anhänger gab, den er aus dem Brunnen gefischt hatte, konnte ich nur stumm darauf starren. Der Drache war noch nass, kleine Eisstücke glitzerten darauf. Mein ganzer Körper schien taub zu sein, der Anhänger entglitt meinen Fingern, ohne dass ich es bemerkte. Hermine legte behutsam ihren Arm um mich. Sie hatte mich von Anfang an gewarnt! Hatte es vom ersten Moment an geahnt! Ich hatte nicht auf sie hören wollen! Jetzt konnte ich nur stumm auf die Trümmer starren, die einst mein Herz gewesen waren.

xxx

Seither ist fast ein Jahr vergangen. Der Schmerz ist noch immer da, aber ich gebe mir Mühe ihn zu ignorieren. In den ersten Monaten war ich wie erstarrt, habe nächtelang geweint, bin tagsüber wie ein Geist umhergewandert. Doch mittlerweile ist die Verzweiflung abgeklungen, ist einem dumpfen Schmerz gewichen, wie eine alte, längst verheilte Wunde, gemischt mit kalter Wut.

Wut auf mich, weil ich so bereitwillig in diese raffinierte Falle getappt bin, weil ich das Offensichtliche nicht gesehen habe, Wut auf ihn, weil er mein Leben zerstört hat, ohne mit der Wimper zu zucken, weil er sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, es selbst zu Ende zu bringen.

Und trotzdem, tief, sehr tief in meinem Inneren bleibt ein Rest von Zweifel.

Ich kann mich doch nicht so geirrt haben!

Aber diesen winzigen Funken vergrabe ich tief in mir, lasse ihn nicht größer werden, denn eines weiß ich: Hoffnung ist nichts anderes als Selbstbetrug!

Ich gönne mir keine Ruhe, arbeite bis zur völligen Erschöpfung, bis ich fast umfalle vor Müdigkeit. Ich lasse meinem Verstand keine Gelegenheit zum Denken, verschließe Schmerz und Enttäuschung tief in mir.

Ich habe Hermine, Neville und Millicent das Versprechen abgenommen, mit niemandem darüber zu sprechen. Es reicht, wenn die anderen wissen, dass Lucius Malfoy seinen Sohn abgeholt hat, damit er sich den Reihen der Todesser anschließt. Ich bringe es nicht einmal über mich seinen Namen auszusprechen.

xxx

Ein weiterer Monat ist vergangen.

Der Krieg ist vorbei!

Über ein Jahr nachdem er begann.

Seit der letzten Schlacht sind erst wenige Tage vergangen.

Voldemort ist besiegt, er ist nicht tot, aber er ist vernichtet.

Eigentlich sollte ich mich freuen, aber ich fühle nur Leere.

Viele sind tot, unzählige schwer verletzt.

Aber wir haben gesiegt.

Meine eigenen Wunden heilen bereits.

Einmal mehr bin ich der-Junge-der-lebt.

Auch wenn ich dafür einen hohen Preis zahlen mußte.

xxx

Noch immer sehe ich ihn vor mir, wie ich ihm am Tag nach der Schlacht begegnet bin, zum ersten Mal seit über einem Jahr...

Er ist wunderschön, wie immer. Das Gesicht schmaler als bei unserer letzten Begegnung, schmutzig und zerkratzt. Sein linker Arm liegt in einer Schlinge, ich kann das dunkle Mal durch den zerrissenen Ärmel seiner Robe sehen. Die Haare sind unordentlich, mit Schlamm und Blut verkrustet. Aber ich weiß, dass ich nicht besser aussehe. Die grauen Augen sind müde, aber sie leuchten dennoch wie Sterne. Ich weiß jetzt, dass er die ganze Zeit über auf unserer Seite stand, ich weiß, dass er sein Leben für unsere Sache riskiert hat, weiß dass er alles geopfert hat und dennoch fühle ich nur Leere bei seinem Anblick.

Harry..." seine Stimme klingt rauh, voller Sehnsucht. Seine Augen flehen stumm um Vergebung. Er weiß, dass ich es weiß, ich habe gesehen, wie er mit Neville und Millicent gesprochen hat. Ich konnte sehen, wie alle Farbe aus seinem ohnehin blassen Gesicht gewichen ist, aber auch das berührt mich nicht. Ich bin einfach nur unendlich erschöpft.

Du weißt, dass kein Wort von dem wahr ist, was ich zu meinem Vater sagte! Ich mußte ihm diese Lüge erzählen! Die Wahrheit wäre eine zu mächtige Waffe in seinen Händen gewesen"

Ich weiß, dass er die Wahrheit sagt, tief in meinem Herzen wußte ich es die ganze Zeit über. Aber anstatt Freude zu empfinden, glücklich zu sein, habe ich einfach nur das Gefühl, dass es zu spät ist.

Ich weiß. Ich verzeihe dir. Du hast getan, was du für richtig hieltest."

Der Ausdruck seiner Augen verändert sich, ich kann Angst darin sehen.

Was meinst du damit?"

Das was ich sage. Dass es dein einziger Ausweg war. Du hast getan was du mußtest, so wie wir alle. Wie gesagt, ich vergebe dir...aber ich möchte dich nicht wiedersehen!"

Nein...Harry..." er flüstert jetzt, streckt die rechte Hand nach mir aus, ohne mich zu berühren.

Warum...?"

Noch vor einem Jahr habe ich geglaubt dich zu lieben, aber das war ein Irrtum. Versteh mich nicht falsch, ich werde mich in Zukunft sicher gern an die Zeit mit dir erinnern, aber ich bin nicht bereit sie zu verlängern."

Harry...Bitte...Tu mir das nicht an!...Du bedeutest alles für mich...Bitte...Ich habe alles riskiert um deinetwillen...weil ich dich liebe...das kann nicht das Ende sein!.. Bitte...nicht jetzt...nicht so... "

Zum ersten Mal spricht er es aus.

Spricht die Worte aus, die zu hören ich mir vor über einem Jahr so verzweifelt gewünscht habe.

Er liebt mich.

Aber es ist zu spät.

Ich sehe Tränen in seinen Augen, höre die Verzweiflung in seiner Stimme, aber ich stelle erstaunt fest, dass beides mich nicht berührt. Ich bin wie erstarrt.

Es tut mir leid, aber du wirst lernen müssen damit zu leben. Leb wohl."

Ohne ein weiteres Wort drehe ich mich auf dem Absatz um und gehe langsam zurück zum Schloß. Ich weiß, dass ich das richtige tue, aber mein Herz glaubt mir nicht...

TBC...