Hey ihr Süßen, wie versprochen heute schon das neue Chap.

Und wenn ihr Lust habt, schaut doch mal in meiner YahooGroup vorbei... Link steht auf meiner Profile-Page ;o)

kuss

Eure Yulah

4. Lonely Hearts

Der Krieg ist vorbei.

Voldemort ist besiegt.

Die Todesser sind tot oder in Azkaban; die wenigen, die überlebt haben und entkommen sind, werden gnadenlos von den Auroren gejagt.

Seid der letzten Schlacht sind zwei Monate vergangen und dennoch kehrt langsam wieder so etwas wie Normalität ein. Wir haben unsere Toten begraben und betrauert. Es sind nicht viele, aber ihr Verlust schmerzt um so mehr. Wir haben unsere Wunden gepflegt und zumindest die körperlichen sind verheilt. Wie lange es dauern wird, bis auch unsere Seelen das Erlebte verwinden, weiß der Himmel allein. Wer immer stark genug war für die Reise, wurde heimgeschickt, wer seine Familie verloren hat, kommt bei Freuden unter. Das erlebte Grauen hat alle enger zusammenwachsen lassen.

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Um so deutlicher bewusst ist mir meine eigene Einsamkeit.

Auf einmal bin ich ein Außenseiter. Viele meiner ehemaligen Freunde betrachten mich als Verräter; meine ehemaligen Feinde misstrauen mir noch immer. Meine Familie ist tot. Und auch wenn ich weiß, dass ich das einzig Richtige getan habe, fühle ich mich schuldig. Harry hat mir verziehen, aber er erträgt es trotzdem nicht in meiner Nähe zu sein. Er sagt, dass er mich nicht wiedersehen will. Unsere Liebe hat den Krieg nicht überlebt.

Von allen Verlusten ist das der Schlimmste. Der am schwersten zu ertragende.

Ich träume von ihm, egal ob ich wach bin oder schlafe, ich sehne mich nach ihm mit jeder Faser meiner Seele und trotzdem bin ich wie erstarrt, nicht in der Lage etwas zu unternehmen.

Als er Hogwarts vor zwei Wochen zusammen mit Sirius verlassen hat, war ich beinahe erleichtert. Ihn zu sehen und zu wissen, dass ich ihm nie wieder nahe sein werde, war schlimmer als alles was die Todesser mir angetan haben.

Die Monate mit ihnen, sind kaum mehr als eine blasse Erinnerung. Ich bin mir bewusst, dass ich das Erlebte verdränge, aber ich kann und will mich nicht mit dem Grauen auseinandersetzen, das zu sehen ich gezwungen war. Die unaussprechlichen Dinge, die zu tun mein eigener Vater mich gezwungen hat. Ich werde lernen damit zu leben, ich muss damit leben, eine andere Möglichkeit bleibt nicht. Aber ich weiß nicht, ob ich ohne ihn leben kann oder will.

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Ich beginne damit eine Mauer um mich zu errichten. Blocke gutgemeinte Ratschläge und angebotene Hilfe ab. Verkrieche mich in meiner Einsamkeit. Ich weiß, dass diese Mauer unüberwindlich sein muss, denn sonst werde ich zerbrechen, wenn ich ihn im Herbst wiedersehe.

Wir alle müssen ein Schuljahr nachholen. In diesem Punkt war Dumbledore unerbittlich. Mir ist das recht. Ein weiteres Jahr, in dem ich mir um meine Zukunft keine Gedanken machen muss. Ich werde noch früh genug vor der Frage stehen, was aus meinem Leben werden soll.

Den Weg den meine Eltern vom Tag meiner Geburt an für mich vorgesehen hatten, habe ich in dem Moment verlassen, als ich mich an diesem Winterabend vor so langer Zeit, dem Abend, an dem mein Leben enden sollte, von Harrys Lächeln und dem Funkeln seiner Augen verzaubern ließ.

Doch auch dieser Pfad hat mich in eine Sackgasse geführt und allein zurückgelassen; ich weiß nicht, welchen Weg ich nun einschlagen soll. Ein weiteres Jahr Zeit ist daher ein kostbares Geschenk. Auch wenn ich mir im Klaren bin, dass das nächste Jahr nicht viel Freude bereithalten wird. Ich habe alles verloren, aber ich werde lernen auch mit der Einsamkeit zu leben. Ich werde es lernen müssen.

Denn letztendlich und trotz aller Opfer war meine Entscheidung richtig. Zumindest versuche ich mir das einzureden.

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Sirius Haus entpuppt sich als hübsches, kleines Cottage am Meer. Das Ministerium hat ihm seinen beschlagnahmten Besitz zurückgegeben. Zerbrochenes wurde kommentarlos ersetzt. Cornelius Fudge selbst ist hier aufgetaucht, kaum dass wir ankamen und hat sich wortreich entschuldigt. Sirius genießt es ihn zappeln zu lassen. Er hält Mr. Fudge noch immer für einen unfähigen Idioten und gibt sich keine Mühe das zu verbergen.

Seitdem sind ein paar Wochen vergangen.

Mein Leben verläuft zum ersten Mal seit langem in geregelten Bahnen. Der Gedanken die Dursleys nie wieder sehen zu müssen, macht mich mehr als glücklich. Sirius hat Unmengen von Erinnerungsstücken an meine Eltern aufgehoben und er erzählt mir von ihnen, wann immer ich ihn frage. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl sie zu kennen. Seine Erinnerungen lassen sie lebendig werden.

Vor ein paar Tagen waren wir dann beim Haus meiner Eltern, dass hier ganz in der Nähe ist. Ich wußte davon vom ersten Tag, aber erst jetzt war ich bereit hinzugehen. Es war seltsam, den Ort zu sehen, an dem mein Schicksal diese seltsame Wendung genommen hat. Ein bißchen bin ich erstaunt, dass ich nur eine leise Traurigkeit fühlte, die sich nicht genau bestimmen läßt. Ich hatte erwartet, dass plötzliche Erinnerungen an den Tag aufflammen würden, dass meine Narbe schmerzen würde, aber nichts von alledem geschah. Ich ging langsam durch die Trümmer, die von dem Haus übrig waren, berührte hier und da einen Stein oder einen geborstenen Balken und fühlte nur leises Bedauern für die Menschen die hier gelebt hatten, die hier glücklich gewesen waren; und eine leichte Enttäuschung wegen des Lebens was ich hier hätte leben können, wäre das alles nie passiert. Ich weiß, dass ich nicht wieder herkommen werde. Zwar gehört das Grundstück mir, aber ich habe es dem Ministerium überlassen.

Die Tage vergehen langsam und ruhig. Ich sehe mir die Gegend an; es ist sehr schön und einsam hier. Ein kleines Dorf ist in der Nähe, in dem hauptsächlich Muggel leben, die nächsten Nachbarn sind ebenfalls Muggel. Sie haben zwei Töchter und einen Sohn in meinem Alter, die oft mit ihren Freuden am Strand sind. Ein paar Mal haben sie mich eingeladen mich ihnen anzuschließen; sie sind nett, und es macht Spaß wieder mit einer großen Clique junger Leute zusammen zu sein, auch wenn mir meine Freunde fehlen. Mona, eines der Mädchen hat sich allem Anschein nach ein bisschen in mich verliebt; ich hab mich ziemlich erschreckt, als mir das klar wurde. Ich versuche, ihr keine Hoffnungen zu machen, aber sie gibt nicht auf. Das Schlimmste daran ist, dass sie sehr nett ist und ich sie wirklich mag. Aber Liebe? Nein!

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Remus Lupin kommt uns ab und zu besuchen.

Er und Sirius erzählen Geschichten aus ihrer Schulzeit, von ihren Streifzügen durch Hogsmeade, zusammen mit meinem Vater, von den Streichen die sie Lehrern und Mitschülern gespielt haben. Sie lachen viel und in diesem Momenten sehe ich eine tiefe Verbundenheit zwischen ihnen. Zwei Menschen, die viel gemeinsam durchlitten haben, die sich seit einer halben Ewigkeit kennen.

Ich denke an Ron. Wir schreiben uns regelmäßig, es scheint ihm gut zu gehen. Auch Hermine ist guter Dinge. Ihre Eltern sind mit ihr nach Italien gefahren. Die Grangers gehören zu den wenigen Muggeln, die vom Krieg gegen Voldemort wissen. Jetzt tun sie alles um ihrer Tochter zu helfen, dass Erlebte zu vergessen. Ron hat uns beide eingeladen im Sommer ein paar Wochen in den Fuchsbau zu kommen. Ich freu mich schon darauf.

Ab und zu bekomme ich Briefe von den anderen.

Seamus und Dean treffen sich regelmäßig, gehen abwechselnd zum Quidditch und zum Fußball. Ich bekomme von beiden genaue Lageberichte. Beinahe wissenschaftliche Abhandlungen über den Unterschied zwischen beiden Sportarten, die je nach dem wer schreibt mal für den einen, mal für den anderen positiv ausfallen. Die Briefe beginnen meistens mit: „Du Harry hör mal..." oder „Was sagst du dazu? Du kennst doch auch beides..." Ich hab beiden gesagt, dass ich mich da raus halte. Ich möchte nicht zwischen die Fronten geraten.

Nevilles Großmutter hat mir Kekse geschickt und mir einen rührenden, tränenverschmierten Brief geschrieben, in dem sie sagt wie stolz sie auf Neville ist und dass sie froh ist, dass ihr Enkel einen Freund wie mich hat.

Colin schickt pfundweise Photos. Er knipst noch immer alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Der Luftraum über dem Cottage ist praktisch ständig mit Käuzen, Eulen und ähnlichen Vögeln belebt. Sirius sagt, man könnte keinen Stein werfen ohne etwas gefiedertes zu treffen.

Aber trotz allem, trotz meiner lieben, anhänglichen Freunde, trotz meines wunderschönen neuen Zuhauses, trotz Sirius, trotz der Gewissheit, dass ich nie wieder Angst um mein Leben haben muß, bleibt ein Gefühl der Leere.

Der Grund dafür ist der Brief der nicht kommt.

Der Grund ist, dass unter den geflügelten Boten kein Uhu ist, dass keine der Pergamentrollen die plötzlich auf dem Tisch erscheinen mit grüner Tinte geschrieben und mit einem Drachensiegel verschlossen ist.

Und das ist meine eigene Schuld!

Ich hab ihn zurückgewiesen, hab das Band zerschnitten, dass zwischen uns existierte.

Um ehrlich zu sein, ich kenne nicht einmal den Grund.

Vielleicht gab es einmal einen solchen Grund, aber nach sechs Wochen hier, ohne ihn, erinnere ich mich nicht mehr.

Alles was ich weiß, ist dass er mir fehlt, dass ich in jeder wachen Sekunde an ihn denke. Das letzte was ich sehe, bevor ich abends einschlafe sind seine wunderschönen, silbergrauen Augen, ihr flehender, ungläubiger Ausdruck, als ich ihm sagte, dass ich ihn nicht mehr wiedersehen will.

Dabei war das die größte Lüge meines Lebens. Ich will in sehen! An jedem Tag für den Rest meines Lebens! Ich will dass er das Letzte ist was ich sehe, wenn ich abends einschlafe und das Erste wenn ich wieder aufwache.

Aber diese Chance habe ich für immer verloren.

Ich habe sie mir selber zerstört, ohne zu wissen warum.

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Als ich Colins Bilder durchsehe, entdecke ich ihn auf einem davon.

Eigentlich hatte Colin die Statue von Salazar Slytherin photographieren wollen („Meine kleine Schwester wird eine Riesenschreck kriegen!") Dabei hatte er Draco mit aufs Bild bekommen, der im Schneidersitz auf dem Sockel der Statue saß und seine Geschichtshausaufgaben machte.

Das Bild ist perfekt! Die uralte Statue dieses alten, bösen Magiers und zu seinen Füßen die schlanke Gestalt des wunderschönen Sechzehnjährigen, der, eine Rolle Pergament auf dem Schoß, eine Rabenfeder in der rechten Hand, den Kopf in die linke gestützt, versonnen ins Leere blickt. Sogar die Tintenflecken an seiner Hand sind zu erkennen. Grüne Tinte auf schneeweißer Haut. Manchmal blickt die kleine Gestalt auf und erwidert den Blick des Betrachters, manchmal ist nur die Statue zu sehen, Pergament, Feder und Tintenfass liegen verlassen auf dem Sockel. Aber an sich verändernde, sich bewegende Photos bin ich ja mittlerweile gewöhnt.

Natürlich sieht man auf dem Bild nicht, was passierte kurz nachdem es aufgenommen wurde. Die Erinnerung läßt mich lächeln:

Es ist Mitte September. Wir sitzen in der großen Halle, lernen und machen Hausaufgabe; oder zumindest versuchen wir es.

Seamus ist seit einer halben Stunde damit beschäftigt, einen Pokal in eine Bürste zu verwandeln ohne den Tisch in Brand zu setzen. Allerdings ist es bis jetzt bei dem Versuch geblieben. Denn jedesmal wenn er den Stab hebt, schreit Ron „Hilfe! Rettet euch!" und hechtet unter den Tisch. Dem folgt dann eine Schimpftirade, von der wir nur die Hälfte verstehen, weil Seamus wenn er wütend ist immer gälisch redet; dann muß er den Pokal vom Boden aufheben, sich erneut konzentrieren; er hebt wieder den Stab und..."Oh mein Gott! Wir werden alle sterben!"...Es wird wohl eine Weile dauern, bis Ron genug von dem Spiel hat.

Hermine setzt gerade zu einem Vortrag über manche Leute und ihre Einstellung zum Lernen an, als Colin in die Halle gerannt kommt.

Hilfe! Versteckt mich! Er will mich umbringen!" Er kommt schlitternd neben mir zum Stehen und wirft einen gehetzten Blick Richtung Tür.

Ron ist sofort hellwach. Colins bevorstehender Tod ist interessanter als Seamus Brandstiftung.

Wer will dich umbringen? Und warum?"

Malfoy! Bitte, ihr müßt mich beschützen!"

In diesem Moment stürmt der Urheber von Colins Angst in die Halle.

Er schäumt vor Wut, die silbernen Augen zu schmalen Schlitzen verengt, die Zähne fest zusammengebissen. Er trägt weder Robe noch Pullover und das weiße Hemd ist von oben bis unten mit grüner Tinte befleckt.

Wo ist dieses kleine Aas? Ich werde ihm den dämlichen Photoapparat hinstecken wo die Sonne nicht scheint!"

Ron und Seamus fangen sofort an ihn zu verhöhnen:

Hey Malfoy, bist du ins Tintenfass gefallen?"

Wenn man nicht mit einer Feder umgehen kann, sollte man es besser lassen:"

Vielleicht solltest du deinen Daddy um einen Sekretär bitten."

Die Antwort ist ein wütendes Fauchen:

Wenn diese neugierige Elster nicht ständig wild in der Gegend herumknipsen würde, dann wäre die Tinte jetzt noch da wo sie hingehört!"

Mit einer weichen, fließenden Bewegung zieht er sich das fleckige Hemd über den Kopf und wirft es Colin vor die Füße.

Du wirst das waschen, Creevey und du wirst mir meine verdammte Hausaufgabe neu schreiben! Oder ich werde dafür sorgen, dass du dir wünscht niemals einen Photoapparat gesehen zu haben! Und du hör auf so dämlich zu grinsen, Weasley!"

Dann dreht er auf dem Absatz um und rauscht wütend aus der Halle begleitet vom schallenden Gelächter meiner Freunde...

...und ich kann auf einmal nur daran denken, wie wunderschön er ist. Die hellen Haare zerzaust, die Wangen vom Rennen und vor Wut gerötet, die Augen funkeln wie flüssiges Silber, der schlanke Oberkörper, der sich unter dem engen T-Shirt abzeichnet...

Ich glaube damals habe ich mich in ihn verliebt, auch wenn mir das erst viele Monate später klar wurde.

Ich trage das Bild ständig bei mir, sehe es an, wann immer ich mich unbeobachtet fühle, erinnere mich an den Nachmittag, an dem es aufgenommen wurde, denke an den, den ich mehr als alles andere liebe.

Draco...

Ich ertappe mich dabei, dass ich seinen Namen leise ausspreche, nur um mich an seinen Klang zu erinnern.

Draco...ich habe mich geirrt... wie konnte ich glauben, dass etwas Falsches an dem ist was wir füreinander empfinden...Verzeih mir.

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Wenn ich glaube, dass niemand meine Zerrissenheit bemerkt, hab ich mich geirrt. Aber Sirius spricht niemals aus was er denkt. Er wirft mir manchmal besorgte Blicke zu, aber er sagt nichts.

Anfang Juni verabschiede ich mich von ihm und mache mich auf den Weg zu den Weasleys. Drei herrliche Wochen im Fuchsbau liegen vor mir, drei Wochen, in denen ich nicht denken muss...

TBC