Hey ihr,
es gibt da jemanden, der wie ihr der Meinung ist, dass die beiden sich mal zusammenreißen sollten. -grins-
Viel Spaß
Yulah
5. Castle & Cottage
Tage und Wochen verstreichen.
Es ist Sommer und Hogwarts liegt in tiefem Schlaf. Abgesehen von einigen Lehrern, den Geistern, Hagrid und Filch ist kaum noch jemand hier. Nur wenige teilen mein Schicksal. Zwar habe ich irgendwo noch Onkel und Tante, aber ich bin nicht sicher welchen Idealen sie verpflichtet sind und daher ziehe ich es vor hier zu bleiben.
Vor einigen Wochen erhielt ich einen Brief vom Zaubereiministerium:
„Nach genauster Prüfung der Hinterlassenschaft von Lucius und Narcissa Malfoy, und nachdem alle Dinge die mit Lord Voldemort und den Totesser in Verbindung gebracht werden können konfisziert wurden, geht das gesamte übrige Vermögen der Familie Malfoy in den Besitz des einzigen Sohnes Draco über."
Sieht aus als wäre ich plötzlich sehr reich.
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Ich verbringe viel Zeit in der Bibliothek. Madame Pince hat sich daran gewöhnt, dass ich oft bis spät in die Nacht hier bin. Wie Granger und Professor Snape war sie maßgeblich an der Planung unserer kleinen Verschwörung beteiligt.
Wenn ich nicht lese, durchstreife ich das Schloss und die umliegenden Ländereien. Ich kenne den Grund für meine Ruhelosigkeit, aber ich weigere mich darüber nachzudenken. Hagrid begleitet mich hin und wieder unter dem Vorwand nach dem Rechten sehen zu wollen. Ich weiß, dass Professor Dumbledore ihn gebeten hat ein Auge auf mich zu haben. Nicht weil er mir misstraut, sondern weil er sich Sorgen macht. Er fürchtet, dass die Opfer die von mir verlangt wurde auf Dauer einen hohen Preis fordern könnten.
Und egal was ich tue, ob ich wach bin oder schlafe, lese oder durch die stillen Gänge geistere, die Erinnerung an ihn ist stets da. Ich sehe seine grünen Augen, höre seine Stimme, erinnere mich an das Gefühl seiner Lippen auf meinem Mund. Ich habe versucht ihn zu vergessen, ihn nicht mehr zu lieben, aber genauso gut könnte ich mit dem Atmen aufhören.
Hundert mal hab ich angesetzt ihm zu schreiben und hundert mal hab ich den angefangenen Brief verbrannt. Es liegt nicht daran, dass ich nicht wüsste was ich ihm sagen soll, nein, kaum habe ich angefangen, fließen die Worte praktisch aus der Feder. Aber dann stelle ich mir vor, dass er den Brief mit angewidertem Gesicht ins Feuer wirft, ohne ihn zu lesen oder dass Artemis ihn mir unberührt zurückbringt.
Vor drei Wochen kam Hedwig während des Abendessens mit einem Brief für Dumbledore. Beim Anblick ihrer vertrauten weißen Flügel setzte mein Herz einen Schlag aus. Einen kurze, wunderbaren Augenblick lang gab ich mich der Illusion hin, dass sie meinetwegen hier war, dann sah ich wie sie auf den Lehrertisch zuhielt und dort landete. Eigentlich hatte ich nichts anderes erwartet und trotzdem fühlte ich eine Welle bitterer Enttäuschung.
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Mittlerweile ist Juni und eine ungewöhnliche Hitze liegt über Hogwarts. Ich ertappe mich immer öfter dabei, dass ich sehnsüchtig auf den See starre, aber dort zu schwimmen würde an Selbstmord grenzen.
Um auf andere Gedanken zu kommen besuche ich Hagrid. Er ist damit beschäftigt etwas Undefinierbares aus angespitzten Holzpflöcken, Tauen, scharfkantigen Nägeln und ähnlichem Zeug zu basteln. Mir schwant Übles was seinen Unterricht im nächsten Jahr betrifft. Während er sägt, hämmert und ab und zu einen Blick in ein Buch wirft das neben ihm auf der Bank liegt erzählt er mir eine seiner weitschweifigen, unzusammenhängenden Geschichten. Ich bin mir vage bewusst, dass es um Drachen, Riesenskorpione und einen Greifen geht, hab aber schon vor einer ganzen Weile den Faden verloren. Fang liegt neben mir im Gras, lässt sich von mir hinter den Ohren kraulen und kaut selig an einem Riesenknochen, von dem ich lieber nicht wissen möchte zu welchem Tier er mal gehört hat. Ab und zu schlabbert er statt des Knochens meine Hand ab. Aus irgendeinem Grund, den nur er kennt, hat Hagrids Hund beschlossen mir nicht von der Seite zu weichen, sobald ich in seine Nähe komme.
Die Wärme und Hagrids ruhige Stimme tun ihre Wirkung. Ich merke wie mir die Augen zufallen...
Ich muss eingeschlafen sein, denn als ich die Augen wieder öffne, steht die Sonne um einiges tiefer. Fangs riesiger Kopf liegt in meinem Schoß und Hagrid hat in Ermangelung eines Publikums aufgehört zu reden.
Als er sieht, dass ich mich aufsetzte, grinst er mich an.
„Na, Schlaf aus? War meine Geschichte denn wirklich so langweilig?" Er zwinkert mir zu, um zu zeigen, dass er nicht böse ist. Dann streckt er sich und legt den Hammer an die Seite.
„Zeit für eine Pause würde ich sagen. Was hältst du von Tee und Keksen? Oder hast du noch etwas wichtiges vor?"
Eigentlich hatte ich zurück gehen wollen, aber er hat recht, was hab ich schon zu tun, was nicht bis morgen warten kann?
„Nein, ich bleib gern noch etwas."
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In Hagrids Hütte ist es warm und dämmrig.
Während er Wasser aufsetzt, Tassen und Kekse auf den Tisch stellt, reden wir über Belanglosigkeiten.
Er fragt mich, ob ich schon weiß, was ich nach der Schule tun will.
Ich will gerade antworten, als Fang aufspringt, zur Tür rennt und hysterisch zu bellen anfängt.
Hagrid geht zur Tür und öffnet sie.
„Sieht aus, als bekomme ich noch mehr Besuch. Sirius! Welcher Wind weht dich denn hierher?"
Es ist Sirius Black. Mir wird leicht schwindelig. Sirius ist Harrys Pate...und er ist einer der wenigen, die von uns wussten.
Er tritt ein und umarmt Hagrid
„Hagrid! Wie schön dich zu sehen." Dann entdeckt er mich.
„Wie ich sehe hast du Besuch. Hallo Draco."
„Hallo."
"Setz dich, Sirius. Ich koche gerade Tee. Erzähl, wie geht es dir? Was treibt dich hierher?"
Sirius wirft mir einen forschenden Blick zu, dann folgt er Hagrids Aufforderung und setzt sich.
„Mir geht es ausgezeichnet. Ich war in Hogsmeade und dachte mir, ich mach auf dem Heimweg einen kleinen Schlenker und besuch dich."
„Und wie geht es Harry?"
Mein Herz droht mir zu zerspringen. Hagrid spricht die Frage aus, die ich mich nicht zu stellen traue. Seinen Namen zu hören versetzt mir einen Stich.
Ja, bitte! Sprich über Harry! Erzähl mir von ihm. Ich möchte jedes noch so kleine Detail wissen. Erzähl mir von ihm, damit ich ihm nahe sein kann.
„Es geht ihm gut. Er hat sich gut eingelebt. Im Moment ist er bei den Weasleys im Fuchsbau. Immerhin kann er ja nicht die ganze Zeit mit seinem alten Onkel verbringen. Ich soll dich ganz lieb grüßen. Und ich soll dir ausrichten, dass er sich schon auf den Herbst freut und auf die Monster die du für den Unterricht bereit hältst."
Hagrid bricht in lautes Gelächter aus.
„Dieses kleine Schlitzohr! Was macht ihr denn den ganzen Tag, außer über mich lästern?"
„Ich hab ihm eine Millionen uralte Geschichten erzählt. Remus kommt ab und zu vorbei und wir graben so tief in der Mottenkiste wie nur irgendwie möglich. Und wir waren beim Haus von James und Lily. Er wollte es unbedingt sehen."
Sirius bricht ab und nippt nachdenklich an seinem Tee. Eine Weile ist es still in der kleinen Hütte. Jeder hängt seinen Gedanken nach.
Ich kann Harry beinahe sehen, wie er traurig durch die Ruine seines Elternhauses wandert. Wie gern wäre ich bei ihm gewesen, hätte seine Hand gehalten, seine Trauer geteilt.
Als könne er meine Gedanken lesen, wirft Sirius mir wieder diesen seltsamen Blick zu. Ich habe plötzlich das Gefühl aus Glas zu sein, das Gefühl dass er all die Gedanken und Gefühle sehen kann, die ich tief in meinem Herzen vergraben habe. Ich muss hier raus! Der Wunsch zu fliehen kommt völlig unerwartet und lässt sich nicht unterdrücken. Ich murmle etwas davon noch lernen zu müssen und verabschiede mich von Hagrid.
Ich bin schon auf halbem Weg zum Schloss, als ich Schritte hinter mir höre.
Es ist Sirius.
„Draco! Warte, bitte." Ich schließe die Augen, bleibe stehen, ohne mich umzudrehen. Er bleibt neben mir stehen, legt mir die Hand auf die Schulter.
„Ich würde gern mit dir reden. Natürlich nur, wenn es dir recht ist."
Ich nicke stumm. Auf dem Weg zum Schloss schweigen wir beide. Er folgt mir ohne Fragen zu stellen in die Verliese, in den Gemeinschaftsraum der Slytherins. Egal was er mir sagen will, wenn ich mich dem schon stellen muss, dann auf vertrautem Boden, in meinem eigenen Revier.
Sirius sieht sich neugierig um. Natürlich, er war ein Gryffindor, war wahrscheinlich noch nie hier unten.
Ich deute auf einen der hohen Sessel am Kamin
„Bitte setz dich."
Er kommt meiner Aufforderung nach, ich setze mich ihm gegenüber, verschränke die Arme, um zu verbergen, dass meine Hände heftig zittern.
Er sieht mich eine Weile prüfend an, als suche er etwas in meinem Gesicht.
„Er fehlt dir, nicht wahr."
Es ist eine Feststellung, keine Frage. Ich will es abstreiten, vorgeben, dass ich nicht weiß wovon er spricht, aber ich kann fühlen, wie die Mauer die ich zu errichten versucht habe, zerbricht.
Ich schließe die Augen, um die Tränen zurückzuhalten, nicke leicht.
Er seufzt leise, ich höre wie er sich im Sessel bewegt.
„Was soll ich nur mit euch machen? Draco, Harry stirbt fast vor Sehnsucht nach dir! Er glaubt, dass ich es nicht bemerkt habe, aber es ist so offensichtlich! Und dann komme ich hierher und sehe, dass du ebenso krank vor Liebe bist. Ich weiß nicht, was zwischen euch vorgefallen ist, ich weiß nur, dass ich nicht länger zusehe, wie ihr beiden euch unglücklich macht! Guter Merlin, er liebt dich! Und du liebst ihn! Ich habe nur sehr wenige Menschen kennengelernt, die einander soviel bedeuteten wie ihr beide!"
Während er spricht, habe ich das Gefühl, dass das Eis schmilzt, dass sich um mein Herz gesammelt hat. Ich merke, dass die Tränen, die ich so krampfhaft zurückgehalten habe jetzt ungehindert fließen.
„Was soll ich nur tun, Sirius? Er hat mir gesagt, dass er mich nicht wiedersehen will. Du hast recht, ich liebe ihn mehr als jemals einen Menschen zuvor, und glaub mir, ich habe versucht es zu lassen. Aber was ist, wenn du dich irrst, was ihn betrifft? Noch einmal ertrag ich das nicht!"
„Woher ich es weiß? Vielleicht, weil er stundenlang aus dem Fenster starrt, in der Hoffnung, dass du ihm eine Eule schickst? Weil er ein Bild von dir bei sich trägt, wohin immer er geht? Weil er deinen Namen flüstert, wenn er glaubt ich höre ihn nicht? Weil er keines der ausgesprochen hübschen Mädchen beachtet, die mit ihm zu flirten versuchen? Weil ich ihn nachts weinen höre? Draco, glaub mir, wäre er nicht genauso stur wie sein Vater es war, er wäre längst hergekommen um diese Sache aus der Welt zu schaffen!"
Eine Weile ist es still, abgesehen von meinem gelegentlichen Schniefen. Ich sollte mir die Heulerei wegen Harry unbedingt abgewöhnen!
„Und was schlägst du mir jetzt vor? Ich hab eine Millionen mal versucht ihm zu schreiben, aber wie du weißt erfolglos."
„Paß auf. Harry ist für die nächsten zwei Wochen noch bei den Weasleys. Du packst jetzt deine Sachen und kommst mit zu mir. Und wenn Harry wieder zurückkommt, dann werdet ihr euch ausnahmsweise mal wie zwei Erwachsene benehmen und diese Dummheit aus der Welt schaffen!"
Sein Vorschlag klingt zu schön um wahr zu sein, gleichzeitig habe ich Angst.
„Vielleicht werde ich diese Entscheidung noch bereuen, aber in Ordnung, ich komme mit."
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Zwei Tage später stehe ich in Sirius' Haus und bin mir noch immer nicht sicher, ob ich wirklich das Richtige tue. Aber ich liebe Harry und ich werde für diese Liebe kämpfen.
Das Haus gefällt mir, auch wenn Sirius zunächst etwas anderes erwartet hat.
„Du bist sicherlich an etwas mehr Luxus gewöhnt, aber..."
Ich falle ihm ins Wort:
„...es ist wunderschön hier. Luxus ist nicht besonders wichtig. Ich wünschte, in meiner Kindheit hätte etwas weniger Luxus und dafür mehr Liebe gegeben."
Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe, aber es ist die Wahrheit. Meine ganzes Leben lang bin ich mit Geschenken und Luxus überhäuft worden, aber meine Eltern haben es immer vermieden mir ihre Zuneigung zu zeigen. Ich weiß nicht mal, ob sie überhaupt etwas empfunden haben. Ich erinnere mich an ein Quidditchspiel in der zweiten Klasse, als ich vom Besen stürzte und mein Vater nur seiner Enttäuschung darüber Ausdruck verlieh, dass ich verloren hatte. Harry hat mir gezeigt was es heißt zu lieben und geliebt zu werden.
Nachdem er mir das Haus gezeigt hat und ich meine Sachen in Harrys Zimmer gebracht habe, stehe ich im Wohnzimmer und sehe mir die alten Bilder an den Wänden an, während Sirius in der Küche herumkramt.
Auf dem Sofa liegt ein kleiner, weißer Plüschelch mit rotem Halstuch.
„Bist du für sowas nicht ein bißchen alt?"
Sein Kopf erscheint in der Durchreiche.
„Was? Oh, der hat Harry gehört als er noch ein Baby war. Mein Geschenk zu seiner Taufe."
Ich setze mich auf die Couch, streichle gedankenverloren über das abgenutzte Fell des Plüschtiers. Es fühlt sich seltsam an etwas zu berühren, was ihm gehört hat. Fast als berührte ich ihn. Sirius erzählt mir etwas, aber ich höre nicht zu, plötzlich überkommt mich eine unerwartete Welle der Sehnsucht. Ich merke wie Tränen unter meinen Wimpern hervorquellen. Ich weine schon wieder wegen ihm! Noch niemals in meinem ganzen Leben habe ich wegen eines Menschen so oft geweint. Sei es vor Trauer oder Glück.
Ich bemerke Sirius erst, als er mir die Hand auf die Schulter legt
„Jetzt wein nicht. Es wird schon alles gut werden. Glaub mir. Warum gehst du nicht hoch und legst dich ein bißchen hin, kommst wieder zur Ruhe. Ich weck dich, wenn das Essen soweit ist."
Ich bemerke erst jetzt, wie müde ich bin. Kein Wunder, ich hab das Gefühl seit über einem Jahr nicht mehr vernünftig geschlafen zu haben.
Sirius sagt ich könnte in Harrys Zimmer schlafen, bis er zurück kommt. Was dann ist, weiß ich nicht. Und ich möchte auch nicht darüber nachdenken.
Als ich meine Schuhe ausziehe, überlege ich, ob ich den Rest anbehalten soll, kann dann aber der Versuchung nicht widerstehen etwas von ihm auf meiner Haut zu spüren. Obwohl er schon seit über einer Woche fort ist, riecht das Kissen noch nach ihm. Für einen Moment droht mich die Sehnsucht nach ihm wieder zu überwältigen, doch diesmal ist die Erschöpfung stärker.
TBC
