Chapter 27 Dying inside

Die Sterne glitzerten am Himmel und zeigten ihr schönstes Antlitz. Keine Wolke versperrte die Sicht, für all jene die die Sterne liebten und den sichelförmigen Mond sehen wollten. Es war eine herrliche Nacht. Ein paar Glühwürmchen schwirrten in den hohen Gräsern umher und ein paar letzte Grillen surrten leise vor sich hin. Eine wunderschöne Nacht, eine Nacht zum genießen.

Ein Silberhaar Hanyou saß hoch oben in einen kahlen Baum. In einem Baum in den er oft saß zum Nachdenken. Entweder hier oder im Goshingboku. Sein Haar glänzte Silber durch das Mondlicht und seine Haut schien wie Porzellan, die Augen leuchteten in tiefgold zu dieser Stunde. Er sah fast zu unecht und zu mysteriös aus um echt zu sein, um glauben zu können das er wie alle anderen Ein- und Ausatmete. Das er ein schlagenden Herz hatte, wie alle anderen. Das er Gedanken und Gefühle hatte, wie alle anderen… Gedanken und Gefühle… viele… wie in diesem Augenblick, als er auf seine Hände schaute. Seinen blassen leicht zittrigen Händen. Er konnte die feinen Linien erkennen und die darunter liegenden Adern. Seine Finger. Seine Krallen… die ihm oft das Leben gerettet haben… anderen oft das Leben gerettet haben… ihr das Leben gerettet haben. Die Dämonen in tausend Stücke reizen können und aus fast jedem Gefängnis ihm zur Flucht verhalfen. Seine Hände, die sie so oft aufgefangen haben. Sie oft getragen haben und für sie gekämpft haben… seine Hände, die sie immer wieder gerettet haben und beschützt. Und doch war er nicht in der Lage sie jetzt zu beschützen. Ihr zu helfen…. sie zu retten… Er war Machtlos… Hilflos… Was konnte er tun? Nichts… und das alles nur wegen ihm… ihm… es war doch sein Wesen, das sie leiden lässt. Es war sein Blut, was sie leiden lässt… er war es, der sie leiden lässt.

Er war es…

Schlaff vielen seine Hände in seinen Schoss und seine Augen schlossen sich. Die Worte hallten immer noch in seinen Kopf und schmerzten. Immer wieder wiederholten sich die Worte der alten Dorf-Miko in seinem Kopf. Nichts konnte es für einen Moment lang ausschalten. Nichts…

„Was?"

fragte die junge Miko aus der Zukunft und hielt beide Hände auf den Bauch.

„Tut mir Leid"

meinte Kaede abermals, nachdem Kagome nach ihren letzten Worten, endlich selbst ein Wort gesagt hatte.

„Das kann nicht sein"

meinte Kagome leise und Tränen bildeten sich in ihren Augen.

„Doch mein Kind"

meinte Kaede und bereute das Wort Kind in den Mund genommen zu haben. Doch was sollte die alte Miko machen. Ja, es war töricht nicht schon vorher auf diese Tatsache zukommen. Das sie nicht dahinter gekommen war, dass ihr liebstes Kind sich in dieser Lage befand. Sie hatte nie darüber nachgedacht. Nicht im Geringsten doch nun… machte alles einen Sinn und sie konnte Kagome nur die Wahrheit sagen und nichts anderes. So sehr es schmerzt… und sie leidet gewiss mit. Sie hatte doch den zufriedenen Gesichtsausdruck gesehen und ihre Aura. Wie glücklich sie doch war und da musste sie alles zerstören.

„Ich will das nicht glauben"

sagte Kagome

„Nicht mein Kind"

und Tränen liefen an ihren Wangen hinab. Nicht weit weg von ihr saß Inuyasha, um genau zu sein hinter ihr. Er war nicht in der Lage ein Wort zu sagen, geschweige denn sie tröstend in den Arm zu nehmen. Er schien wie gelähmt. Geistig und Körperlich. Er ignorierte auch das Miroku und Sango vor der kleinen Hütte saßen und alles belauscht hatten. Momentan… in diesem Augenblick nahm er nichts wahr. Nichts… nicht das Kagome ihre Arme um sich selbst geschlungen hatte und sich ihre Seele aus dem Leib weinte. Auch nicht das er aufgestanden war um zu diesem Platz zu gehen. Erst als er verloren auf seine Hände schaute… kam alles auf ihn zurück… jedes Wort…

„Ich will nicht drum herum reden"

gab Kaede von sich und ihr Ton gefiel Kagome wie Inuyasha nicht

„Es ist so… das ich nun weiß was diese uminöse Krankheit ist…"

„Wunderbar… Dann kannst du Kagome ja endlich heilen…"

polterte aus dem Hanyou. Warum musste die Alte auch so ein Drama machen? Nur weil sie endlich weiß was Kagome hat.

„Das ist nicht so einfach"

Nun schluckte Kagome.

„Was heißt das…"

„Nun… ich erkläre es so… du weißt ja selbst dass du spirituelle Kräfte besitzt"

„Sicher"

nuschelte Kagome und Inuyasha hob eine Augenbraue

„Du wirst sicher die Erfahrung gemacht haben, das du Dinge reinigen kannst… und auch Youki verschwinden lassen kannst… das beste Beispiel ist das du Youkigift in reines Wasser verwandelst… besser reinigst"

Kagome nickte. Sie hatte verstanden, dass ihre Kräfte außergewöhnlich waren und dass sie die Macht besaß aus Böse wieder Gut zu machen.

„Also bist du in der Lage Dämonen zu reinigen"

nun schaute Inuyasha etwas seltsam, sollte der Vorfall am Morgen so was gewesen sein?

„Worauf willst du hinaus Kaede-sama?"

fragte Kagome dem den ganzen gerade nicht folgen konnte

„Kagome…. deine Kräfte lassen Dämonen verschwinden… und du erwatest ein Kind von einen Halbdämon…"

diese wenigen Worte sanken kurz ein

„Willst du mir damit sagen…"

Kaede nickte

„Das was heute Morgen passiert ist…"

„Nein…"

flüsterte Kagome

„… deine Kräfte lassen kein Youki in deinen Körper zu…"

„Nein…"

„… es wird die Reinigung nicht überleben…"

ES

WIRD

DIE

REINIGUNG

NICHT

ÜBERLEBEN

Diese wenigen Worten brannten sich ein. Tief in ihren Herzen und ihren Seelen. Es war wie ein Messer, was sie zerreißend den Weg durch die Rippen suchte. Es war wie Feuer, was durch die Adern kroch. Es war wie tausend Nadeln, die sich in die Haut fraßen. Es war das schmerzhafteste Gefühl, was die beiden kannten.

Alles andere kam nicht mehr bei ihm oder Kagome an…

Nichts wollte mehr in den Kopf hinein. Alles was nur widerhallte waren die Worte, das dass nicht geborene Leben schon zum Tode verurteilt war. Wie konnte das nur passieren. Warum musste ihnen das passieren? Er war so glücklich gewesen. So unendlich glücklich, als sie es ihm sagte. Verwirrt aber glücklich, als er sie im Arm hatte und sie erschöpft eingeschlafen war und sie in seiner roten Jacke eingewickelt hatte. So stolz darauf, dass er Vater werden würde. Sich sicher, das es wunderbar sein würde. Das er sich ganz fühlte. Vollkommen… Das er so glücklich war, das er hätte weinen können. Und nun? Nun brannten seine Augen wie Feuer. Spürte wie Tränen sich ihren Weg durch seine geschlossenen Augen suchten und an seinen blassen Wangen hinab rollten. Angst… Furcht… Schmerz… Wut… von allem etwas. Wie konnte man schon etwas so lieben, obwohl man erst wenigen Stunden davon wusste…

Wie konnte man schon um jemand trauern, der nicht einmal geboren war…

Warum konnte man solchen Schmerz empfinden, für eine Person die man noch nicht kannte…

Er wusste es nicht… nur das es ihm das Herz zerriss und er Machtlos dagegen war… Hilflos… er konnte nichts tun… sein Blut… sein verdammtes Blut war Schuld daran. Schuld… dass sein Kind, nie das Licht der Welt erblicken würde. Und nie ein Kind es je tun würde. Verdammt, nie das Glück verspüren zu können. Sein Blut… was ihm gar Kagome nehmen könnte… wenn sie nicht… er wollte nicht daran denken. Nein… das Kagome gezwungen war in die Berge zugehen… zu einem Heiler… ein mächtigen Heiler der das zweite Herz verstummen ließe. Das Leben beenden würde, bevor es Kagome eigene Kräfte tun würden. Bevor sie selbst zur Mörderin ihres eigenen Kindes wird, durch die Last ihrer Miko-Kräfte.

„In den Bergen"

meinte Kaede

„… geh dort hin bevor deine Kräfte…"

doch Kagome wollte nicht mehr hören, sie weinte… weinte das keine Worte sie mehr erreichten

„… der Heiler wird dein Leben retten"

Wie kleine Sternchen glitzerten die Tränen die von seinen Wangen zu Boden fielen. Tränen voller Schmerz und Verzweifelung. Doch er musste sich zusammen reizen. Er musste. Um Kagomes Willen. Er konnte sie nicht verlieren… er wollte sie nicht verlieren. Und so sehr sie ihn vielleicht jetzt hassen würde… für sein ganzes Dasein. Für das was er war. Er würde sie nicht sterben lassen, nicht für ein Kind was –schmerzt es noch so sehr in seinem Herzen- nicht geboren wird. Sie würde sich wehren. Doch er würde sie dorthin bringen. Er würde ihr Leben retten… er würde es… wenn seine Hände nicht in der Lage war alles zu beschützen und zu retten, dann jedenfalls Kagome.

Er wischte sich mit dem Ärmel durch sein Gesicht. Er musste Stark sein. Er musste für sie Stark sein. Denn sie konnte es nicht und einer musste stark bleiben. Ja, das war seine Aufgabe, und sein Weg. Er war derjenige an den sie sich lehnen konnte und sollte. Er war der, der nachts sich heimlich hinaus schleichen würde und sein Leid zum Mond hinauf schreien würde, um für sie stark zu bleiben. So wie in dieser Nacht.

Inuyasha sprang von seinen kahlen Baum und schaute noch mal zu dem sichelförmigen Mond hinauf, bevor er zurückkehrte in die Hütte…

… zu dem was er mehr liebte als sein eigenes Leben…

… zu dem was ihn zu dem machte was er war…

… zu seiner weinenden Frau, damit sie ihre Arme um in schlingen kann. Damit ihre Tränen durch seine Sachen sickern können. Damit er sie irgendwann in dieser späten Nacht in den Schlaf wiegen kann. Damit er für sie das sein kann… damit er für sie stark sein kann… um dieses unsagbare Leid zusammen ausstehen zu können.