Kapitel 5: Durch das Dunkel der Nacht
Das kann doch nicht wahr sein!
Doch es blieb dabei. Egal wie oft sie sich sagte das doch nicht sein konnte. Die blöde Tür war doch gerade noch offen! Aber so oft sie auch an der Türe rüttelte und die Klinke nach unten drückte – es blieb dabei. Die Türe war zu! Madame Giry musste sie hinter sich abgeschlossen haben.
Das waren schon merkwürdige Tatsachen!
Sie war in einer Garderobe der Pariser Oper eingesperrt. Hatte soeben ein Gespräch von einem Haufen Ballettmädchen über das Phantom der Oper verfolgt, und auch noch einige andere Gruselgeschichten mitgehört. Und zu guter letzt hatte sie auch noch einige Namen aufgeschnappt, von denen sie sich sicher war, sich verhört zu haben.
Eine Tanzlehrerin mit dem Namen Giry, deren Tochter Meg! Und ein Bühnenarbeiter namens Boquet. Nein! Sie war sich mittlerweile sicher das sie das alles nur träumte. Das waren zu viele Zufälle auf einmal.
Klar! Ich wurde ohnmächtig und liege immer noch an der selben Stelle unten im Keller! Alles in Ordnung! Und gleich wache ich auf und denke mir das ich endgültig verrückt geworden bin! Das ist nur ein verrückter Traum. Nichts weiter.
Doch so richtig einleuchtend kamen ihr die schwachen Erklärungen auch nicht vor. Ob sie wollte oder nicht. Sie saß fest. Doch sie faste den Schluss, dass es sinnlos währe weiter hier rumzusitzen.
Sie musste sich einen anderen Ausweg suchen. Es gab schließlich unzählige Ein- und Ausgänge zum Keller. Zumindestens hat das die Fremdenführein behauptet.
Doch je länger sie darüber nachdachte sich auf den Weg zu machen und nicht zu wissen wohin sie gehen sollte, desto mehr begann ihr Puls zu rasen.
Na schön! Dann suchen wir halt einen Weg hier raus. Ich gehe jetzt einfach wieder in den Keller, und folge dem Seil. Da werde ich schon nen Weg finden. Schließlich gibt es ja nicht nur diesen einen Ausgang! Ich geh da jetzt hinunter und, und, und, und versuche jetzt die Nerven zu behalten. Es ist alles in Ordnung!
Langsam stieg sie die Treppe zum Keller erneut hinunter. Der Gedanke dem Seil zu folgen, schien ihr nach wie vor der beste Weg zu sein sich nicht komplett zu verirren. Aber sie wusste ebenso wenig wohin der improvisierte Handlauf führte.
Er konnte ihr den Weg zum nächsten Ausgang zeigen, oder aber genauso gut um die nächste Ecke führen nur um dann plötzlich zu enden.
Meter um Meter tastete sie sich nun vorwärts. Waren die ersten Meter noch mit Lampen beleuchtet, so musste sie sich mittlerweile durch völlige Dunkelheit tasten. Dabei versuchte sie auch gleichzeitig ihre immer stärker werdende Panik niederzukämpfen.
Während sie den dunklen Gängen folgte, malte sie sich aus, was wohl passieren würde wenn sie hier nicht mehr rausfinden würde. Wie lange würde es wohl dauern bis einen hier unten jemand fand? Oder besser gesagt, bis irgendjemand überhaupt auf die Idee kommen würde hier zu suchen.
Hier unten kam ihr alles seltsam vor. Es war warm, kaum zu glauben. Aber gleichzeitig fühlte sie wie sie eine Gänsehaut bekam, als sie von einem kühlen Luftzug gestreift wurde.
Lilly blickte beim kleinsten Geräusch nervös nach links und rechts. Obwohl sie nicht erkennen konnte was da sein sollte.
Ihre Gedanken fingen an ihr Streiche zu spielen. Sogar ihr eigener Atem kam ihr unnatürlich laut vor. Von ihrem laut in den Ohren hallenden Herzschlag gar nicht erst zu reden. Überall um sie herum waren Geräusche. Das leise scharren ihrer Hand auf dem Seil, das klacken ihrer Absätze, der Stoff ihres Kleides, der über den Stein scharrte als sie zu nah an die Wand kam. Hier und da ein Wassertropfen, der von der Decke fiel, das leise klirren ihrer Halskette.
Und dann endlich nach – wie es Lilly schien – endlosem stolpern durch die Dunkelheit, stieß sie mit ihrem Fuß gegen einen Absatz und währe um ein Haar gestürzt, schaffte es aber noch sich rechtzeitig mit den Händen abzufangen um nicht der Länge nach auf die Nase zu fallen. Und was sie da ertastete, war fast zu schön um wahr zu sein. Da war eine Treppe die nach oben führte.
Ohne lange zu zögern, folgte sie den Stufen nach oben. Nach weiteren endlos wirkenden Sekunden, meinte sie einen schwachen Lichtschein erkennen zu können.
Na endlich! Das wurde auch Zeit. Bin ja mal gespannt wo ich jetzt gelandet bin.
