Kapitel 2- Muggelwelt ade!

Tageslicht strahlte durch das Fenster und erhellte den Raum, so das es hoffnungslos schien die Augen weiterhin geschlossen zuhalten. Selbst Lily, die ihren Kopf schon unter der Bettdecke versteckt hatte kapitulierte und sprang aus dem Bett. Heute geht es endlich wieder zurück nach Hogwarts, dachte sie und blies eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Keine Petunia mehr die mich nervt und ständig versucht Streit anzufangen.

Die Anspielungen, dass Lily auf eine Schule für Zauberer und Hexen ging, waren in den letzten Jahren immer gemeiner und niederträchtiger geworden. Nicht selten nannte Petunia sie einen Freak und jetzt wo es Lily erlaubt war auch außerhalb der Schule zu zaubern behandelte ihre Schwester sie noch mehr wie eine Aussätzige und mied sie wo es nur ging.

Noch etwas verschlafen taumelte sie durch ihr Zimmer und stieß mit dem nackten Fuß gegen ihren fast fertig gepackt Koffer. Sie hatte noch 3 Stunden um ihn vollständig zu füllen und in 4 Stunden würde sie sich endlich auf die ersehnte Reise machen!

Mit Freude hatte sie die Eule vor ein paar Tagen in ihr Zimmer gelassen, die ihr die Bücherliste gebracht hatte und das Abzeichen der Schulsprecherin. Das war etwas, was ihre Eltern verstehen konnten, denn an Muggelschulen gab es ebenfalls Schulsprecher. Mr. Evans wusste aus Erfahrung, dass dieses Amt nur guten Schülern übertragen wurde.

So sehr Lily ihre Eltern auch liebte, desto mehr genoss sie es in ihre wahre Welt zurück zukehren. Sie wusste, dass sie nach dem letzten Hogwartsjahr nicht lange daheim wohnen bleiben würde. Lily hatte es ihnen noch nicht gesagt und so sollte es vorläufig auch bleiben. Wahrscheinlich würden ihre Eltern einen Herzinfarkt bekommen, wenn ihre Tochter ihnen mitteilte, dass sie Auror werden wollte. Mr. und Mrs Evans würden sie das ganze restliche Jahr davon abbringen wollen einen so gefährlichen Beruf zu ergreifen, das wusste Lily. Also warum ihnen schon ein Jahr vorher Kummer bereiten?

Es klopfte an ihrer Zimmertüre.

„Lily, es ist Zeit aufzustehen. Das Frühstück ist fertig.", erklang die Stimme ihrer Mutter.

„Ich komme, Mom. Gib mir eine Minute.", rief Lily.

„Seit wann brauchst du eine Minute um aus dem Bett zu kommen? Das passiert selbst dann nicht, wenn das Haus brennen würde.", lachte ihre Mutter und ging davon.

„Immer der selbe Spruch!", grummelte ihre Tochter stattdessen und schlüpfte in ein paar Flip Flops.

Als sie in die Küche kam, saß die restliche Familie schon am Tisch. Selbst Petunia wünschte ihr einen guten Morgen, was ihr ziemlich verdächtig vorkam. Muss wohl die Vorfreude sein das ich gehe, dachte sie.

„Und Schatz, dein letztes Jahr beginnt. Bist du traurig, dass es bald vorbei ist?", fragte Mr. Evans fröhlich und mitfühlend zugleich.

Lily sah ihn an und bemerkte nicht, wie sie mehr ihre Hand mit Butter bestrich als ihren Toast.

„Eh, ja. Etwas traurig darüber bin ich schon", stammelte sie.

„Und weißt du schon was du danach machen willst?", meldete sich Petunia zu Wort.

Was ist heute Morgen nur los? Woher das plötzliche Interesse, grübelte Lily und suchte nach einer Antwort.

„Mh, es gibt so vieles für das ich mich interessiere", erwiderte sie etwas lahm.

„Also hast du noch keine Ahnung?", fragte Petunia weiter und lächelte hämisch. Sie hatte einen Job als Sekretärin angefangen und ging schon seit längerem heimlich mit ihrem Boss aus.

„Ähm...,", Lily fühlte sich ertappt." Heiler wäre nicht schlecht. Oder Fluchbrecher!", sagte sie nun schnell.

„Fluchbrecher? Ist das gefährlich?", wollte Mrs Evans ängstlich wissen.

„Eigentlich nicht. Du kommst in der Welt rum, machst gutes Gold und du hast jeden Tag etwas Neues zu tun.", schloss Lily ihren Vortrag selbstzufrieden. Dem Merlin sei Dank, dass ich das Infoblatt gelesen habe. Puh, das war knapp, gratulierte sie sich.

Petunia schürzte die Lippen. Das war wohl nicht was sie gerne gehört hätte.

Merlin, wie ich es hasse, wenn sie das macht, schnaufte Lily und biss herzhaft ihn ihren Toast.

„Ich glaube, es wird Zeit für dich fertig zu packen", erinnerte Mrs Evans auf die Wanduhr blickend „Wir können uns ja mehr über deine Berufswahl unterhalten, wenn du deinen Abschluss hast."

Lily sah auf ihre Armbanduhr. Sie ging nach, stellte sie fest. Noch 2 Stunden um mich fertig zu machen, brach sie innerlich in Panik aus.

„Oh! Ja dann werde ich mich mal beeilen!", erwiderte sie hastig und stürmte aus der Küche.

Mr. und Mrs Evans lachten, während Petunia ihr einen giftigen Blick hinterher warf.

Lily versuchte sich so schnell wie möglich zu kultivieren, was aber ein sinnloses Unterfangen war, da ihre Haare zu Berge standen und sie noch immer Faltenabdrücke ihres Kopfkissens auf der Wange hatte. Sie war vollkommen abgekämpft, als sie mit gerötetem Gesicht ihren Koffer schloss. Lily hatte sich zwar bemüht, ihre Sachen beieinander zu halten, aber trotzdem musste sie sich auf die ermüdende Suche durch das Haus begeben. Sie hatte gehoffte, nicht in Petunias Zimmer gehen zu müssen, doch dort fand sie erstaunlicherweise ihr Buch für Verteidigung gegen die dunklen Künste! Das war wirklich seltsam, dachte Lily, aber verwarf ihre Gedanken gleich wieder, denn Mr. Evans rief „Lily, Schatz. Wir müssen los!", von der Haustür. „Ich hole deinen Koffer gleich runter."

„Nicht nötig, Dad. Das mache ich schon.", rief sie zurück, schwenkte ihren Zauberstab und sagte „Locomotor Koffer". Daraufhin erhob sich der Koffer und schwebte vor ihr die Treppe hinab.

„Aber lass ihn nicht hinaus schweben, Lily! Wenn das die Nachbarn sehen!", sagte Mrs Evans besorgt, als sie die Haustüre öffnete.

„OK, Mom.", Lily schwenkte ihren Zauberstab erneut und der Koffer krachte zu Boden.

Mr. Evans schnaufte wie ein alter Mann, als er Lilys Koffer zum Auto wuchtete und zu viert machten sie sich dann auf nach London zum Bahnhof Kings Cross. Warum ist Petunia dabei? Die will mich bestimmt durch die Barriere stoßen, dass ich so schnell wie möglich verschwinde, überlegte Lily und rückte etwas näher ans Fenster.

Einen schöneren Tag für eine Rückkehr nach Hogwarts hätte es nicht geben können. Die Sonne schien, es war warm und kleine Wölkchen verzierten den Himmel.

Als sie endlich einen Parkplatz vor dem Bahnhof gefunden hatten lud Mr. Evans unter ächzen den Koffer aus während Mrs Evans schnell nach einem Gepäckwagen suchte. Lily steuerte den Wagen sicher auf die Barriere zwischen Gleis 9 und 10 zu. Kurz davor hielt sie an.

Mrs Evans drückte sie an sich.

„Hab viel Spaß mein Schatz und schreib uns!", sagte sie mit weinerlicher Stimme.

„Und benimm dich vor allem", beschwor Mr. Evans sie.

Lily sah ihn empört an. „Warum hackst du immer noch auf dem Vorfall von vor 2 Jahren rum?"

„Weil es sich nicht gehört anderen Menschen Hörner zu zaubern!", antwortete ihr Vater ernst.

„Aber er hatte es verdient, Dad!" fühlte sich Lily gekränkt. „Außerdem ist er kein Mensch! Er ist ein Möchtegern Zauberer. Ein egoistischer, aufgeblasener, großk...", sie brach ab, als ihr Vater sie streng beäugte.

Es war ein wunderbares Gefühl gewesen James Potter einen Fluch auf den Hals zu schicken. Dieser Angeber, dachte sie zornig.

„Möchtegern Zauberer sind auch Menschen! Also benimm dich trotzdem. Es gehört sich nicht, jetzt da du Schulsprecherin bist!", antwortete Mr. Evans in einem endgültigen Ton und das Thema war beendet.

Lily winkte Petunia anstandshalber zu, die ihre Geste mit dem üblichen schürzen ihrer Lippen quittierte und sich dann weg drehte. Lily ignorierte das alles und lehnte sich gegen eine scheinbar stabile Backsteinmauer zwischen Gleis 9 und 10. Die Wand hinter ihr gab augenblicklich nach, sie fiel hindurch und zog den Gepäckwagen hinter sich her.

Plötzlich stand sie auf dem Gleis 9 ¾

Der Hogwarts- Express glitzerte in der Sonne, die alte Lok stieß kleine Dampfwölkchen über die mit Hexen und Zauberern überfüllte Plattform aus. Sie seufzte. „Endlich auf dem Weg nach Hause."

Sie schaute sich nach ihren Freundinnen um mit denen sie vor ein paar Tagen in der Winkelgasse gewesen war. Sie hatten verabredet, sich auf dem Bahnsteig zu treffen und sich ein gemeinsames Abteil zusuchen.

Jemand tippte Lily auf die Schulter. Als sie sich um drehte, stand ein Mädchen vor ihr mit braunen, mittellangen Haaren, hellbraunen Augen und Sommersprossen im Gesicht.

„Ellen!!", rief sie überrascht und die Beiden schlossen sich in die Arme. "Wieso warst du nicht in der Winkelgasse? Ich habe mir Sorgen gemacht! Den ganzen Sommer kein einziger Brief von dir!", brach es aus Lily heraus.

Ellen sah sie traurig an. „Ich erkläre dir alles später. Nicht hier auf dem Bahnsteig. Du weißt nie, ob dich jemand belauscht", flüsterte ihre Freundin.

„Wo sind Lorrain und Alex?", fragte Ellen um sich blickend.

„Wir wollten uns eigentlich auf dem Bahnsteig treffen", antwortete Lily und stellte sich auf ihre Zehenspitzen, um etwas besser sehen zu können. Doch ihre Bemühungen waren erfolglos.

„Na ja, ich denke wir sollten uns so langsam ein Abteil suchen", sagte Ellen und sah auf die große Uhr.

„Ich kann dir helfen eines suchen, aber ich muss während der Fahrt in ein anderes Abteil", gab Lily etwas geknickt zurück.

„Also bist du doch Schulsprecherin geworden! Ich wusste es", rief ihre Freundin aufgeregt. „Lorrain schuldet mir 3 Galleonen!", stellte Ellen selbstzufrieden fest und lächelte.

„Ihr habt gewettet?", fühlte sich Lily überrollt.

„Lily, hast du eigentlich eine Ahnung wer der andere Schulsprecher ist?", lenkte Ellen ab.

„Nein, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich hoffe nur, dass es niemand aus Slytherin ist. Das wäre das schlimmste für mich!", entgegnete Lily und bewegte ihren Koffer in Richtung Zug.

Auf der Suche nach einem freien Abteil begegneten sie Lorrain und Alex. Es wurde eine Begrüßung, als hätten sie sich schon Jahre nicht mehr gesehen bis sich jemand hinter ihnen räusperte „Chm, chm!":

„Wären die Damen so gütig den Gang frei zu machen?", fragte Sirius mit einem charmanten Lächeln.

„Aber natürlich mein Herr!", antwortete Lorrain mit übertriebener Höflichkeit.

Die vier Mädchen nahmen ihre Koffer und begaben sich zum nächsten Abteil das zum Glück leer war- Lily blieb davor stehen.

„Wir sehen uns.", sagte sie etwas betrübt. „Mal sehen wer der andere Schulsprecher ist", und trollte sich davon.

Sirius lehnte sich lässig an die Abteiltür.

„Evans weiß nicht, wer der andere Schulsprecher ist?", fragte er schelmisch.

„Nein. Weißt du es etwa? Black", antwortete Alex nun und betonte seinen Nachnamen auffällig.

Sirius schnaufte resignierend.

„Ok, weiß Lily etwa nicht, wer der andere Schulsprecher ist?", setzte er von neuem an.

„Nein, das weiß sie nicht, Sirius", entgegnete Alex nun höflicher.

„Sie wird dieses Jahr ihre helle Freude mit dem anderen Schulsprecher haben", lachte Remus nun auf, der hinter Sirius stand.

„Jetzt tut nicht so geheimnisvoll. Wer ist es?", fragte Ellen gespannt.

„Es ist James!", quiekte Peter hinter ihnen.

Die Mädchen schauten sie erschrocken an.

„WAS?", riefen sie wie aus einem Mund.

„Dumbledore muss zu viele Schokofrösche gegessen haben!", rief Lorrain.

Sirius sah sie erheitert an. Ging aber weiter, um ein leeres Abteil zu finden. Remus und Peter folgten ihm schmunzelnd.

Lily hatte endlich das Schulsprecherabteil erreicht, welches ganz vorne im Zug gelegen war.

Sie öffnete die Tür und trat ein. Wow, es gibt wohl doch Vorteile Schulsprecher zu sein, dachte sie und musterte das um einiges größere Abteil.

Die Wände waren mit dunklem Holz verkleidet. Flauschiger Teppich lag auf dem Boden, mehrere Sessel und ein Sofa luden zum sitzen ein. In einer Ecke stand ein Tablett mit Sandwich, Kesselkuchen und allerlei anderen Köstlichkeiten. Der andere Schulsprecher war noch nicht da und so verstaute Lily ihren Koffer und lümmelte sich auf das Sofa.

Plötzlich gab es einen Ruck und der Zug setzte sich in Bewegung.

Nun geht es endlich zurück nach Hogwarts, dachte sie, erhob sich vom Sofa und ging ans Fenster.

Auf dem Bahnsteig winkten Mütter und Väter ihren Kindern zu. Vereinzelt hatte eine Frau ein Taschentuch in der Hand, oder drückte ihr jüngeres Kind nur noch mehr an sich, weil das Andere bis zu den nächsten Ferien fort war.

Die Gesichter wurden langsam kleiner während der Zug an fahrt gewann und um eine Kurve bog. Das Gleis 9 ¾ verschwand vollständig aus ihrem Blickfeld und auch der Bahnhof entrückte ihrer Sicht, so das sie nun kleine Vorstadt Bahnhöfe mit ihren verwitterten Ortsschildern passierten.

„Endlich!", sagte Lily überglücklich und riss die Arme in die Luft.

Sie bemerkte nicht, wie sich die Abteiltür öffnete und jemand eintrat.

„Dass du dich so freust mich zu sehen hätte ich echt nicht erwartet!"

Lily drehte sich erschrocken um. Ihr Jubelschrei blieb ihr im Halse stecken und sie traute ihren Augen nicht wer da im Türrahmen stand.