Kapitel 5- Tiger, Geister und Professoren

Professor Flitwick stand wie immer auf seinem Bücherstapel. Lily setzte sich mit den anderen in die vorletzte Reihe, James und seine Freunde wie üblich in die Letzte. Die erste Stunde von ihrem letzten Schuljahr hatte begonnen.

Der Morgen verlief recht ereignislos, wenn man nicht mit bedachte, dass Alex statt eines Dachses gleich drei ausgewachsene Tiger in Verwandlung herauf beschwor. Wie sie das gemacht hatte war für alle ein Rätsel. Die Klasse stürmte aus dem Raum, um sich in Sicherheit zu bringen, während Professor McGonagall den Schlamassel beseitigte. Trotz allem bekam Gryffindor 20 Punkte, auch wenn es mehr ein Unfall gewesen war, als Absicht.

Beim Mittagessen unterhielt sich die ganze Schule darüber, wie die Gryffindors mutig 3 Tigern ins Auge geblickt hatten. Alex hatte nur geschwiegen und auf ihren Teller geschaut.

Lorrain und Alex machten sich nach dem Mittag auf den Weg zu den Gewächshäusern, Remus zu Professor Binns und die anderen stiegen die Treppen zum Kerker hinab.

Zaubertränke! Das unbeliebteste Fach jedes normalen Hogwartsschülers. Das der Slytherinhauslehrer Zaubertränke unterrichtete war schon Tradition und diesen Unterricht mit den Slytherins zu haben ebenfalls.

„Oh, die Schulsprecher geben uns die Ehre!", sprach Snape in seinem üblichen abfälligen Ton.

„Ja, die Schulsprecher kommen!", antwortet James bissig. „Wo ist der rote Teppich und die Fanfaren? Vergiss den Knicks nicht und...", bevor er weiter sprechen konnte öffnete sich die Türe und Professor Randall rief sie herein.

James setzt sich wie immer mit Sirius und Peter in die hinterste Reihe.

Lily und Ellen weiter nach vorne. Die Türe schloss sich und augenblicklich trat Stille ein. Sirius stupste James an und bedeutete ihm nach links zu schauen. Dort saß Snape. Er war ein schlaksiger Junge mit halblangem, schwarzem, fettigem Haar und einer Hackennase. Er saß aufrecht in seinem Stuhl und hatte Pergament und Feder heraus genommen. Bereit zum Notizen machen.

„So ein Schleimer!", flüsterte James. Sirius rollte mit den Augen und ließ die Zunge heraus hängen.

„Mr. Black, noch so ein Gesicht und sie können es der ganzen Klasse vorführen.", sagte Professor Randall. Sie hatten nicht bemerkt, dass er vor ihrem Tisch stand. Der kleine, gedrungene Mann mit dem schütteren Haar und dem pausbäckigem Gesicht fixierte sie finster an.

„Sie meine Herren werde ich dieses Jahr wohl besser trennen.", sprach er weiter. „Mr. Black, sie bleiben hier. Mr. Potter, sie setzten sich neben Miss Baggins. Miss Evans, sie setzen sich hinter zu Mr. Black."

„Aber warum Professor Randall? Das ist nicht fair!", rief Lily empört.

Der ganze Kerker sah sie überrascht an.

James stand der Mund offen.

Evans wiederspricht einem Lehrer, dachte er.

„In diesem Raum entscheide immer noch ich was fair ist und was nicht.", antwortete Randall in einem bedrohlichen Ton und sein schmaler Oberlippenbart zuckte gefährlich. „5 Punkte Abzug für sie, Miss Evans! Und nun bewegen sie sich."

Nun saß Lily neben Sirius.

„Du steigst in meiner Achtung, Evans!", flüsterte dieser ihr zu. Sie sah ihn von der Seite an, musste aber lächeln.

„Ich tu, was ich kann", flüsterte sie zurück.

„Nun wo war ich, bevor ich unseren Störfaktor beseitigt habe?", fragte der Professor mehr sich selber als die Klasse. James schnaubte verächtlich.

„Heute werden sie einen Illusionstrank herstellen. Die Wahrnehmung ist für einen Zauberer sehr wichtig, denn sieht er eine falsche Szenerie, kann es unter Umständen geschehen, dass die verwendeten Zauber keine Wirkung zeigen, oder die Beschwörungen einem selber Schaden zufügen.", erklärte er. „Die Rezeptur ist sehr komplex und Sie sollten mit aller Vorsicht arbeiten. Den Ablauf der Zubereitung finden sie an der Tafel und die Zutaten in den hinteren Schränken.", er schwenkte seinen Zauberstab und Buchstaben wurden an der Tafel sichtbar. Die Schranktüren öffneten sich und ein Geruch von totem Tier und Kräutern verbreitete sich.

James hasste diesen Geruch. Ihm wurde immer ganz schlecht davon.

„Puh, das stinkt.", bemerkte er zu Ellen. Auch sie hatte die Nase gerümpft.

„Wenn es ihnen nicht passt können sie ja gehen, Mr. Potter.", fauchte Professor Randall.

„Er hat doch nur bemerkt das es riecht.", brauste Lily wieder auf.

„Nachsitzen Miss Evans!", Randall bekam rot weiße Flecken im Gesicht.

„Warum soll sie Nachsitzen? Sie hat doch nichts gemacht?", fauchte James zurück.

Ein Lächeln machte sich plötzlich auf den Lippen des Professors breit.

„Nun gut. 15 Punkte Abzug für sie Mr. Potter und sie dürfen Miss Evans drei Abende Gesellschaft leisten.", teilte er ihnen mit.

Lily glühte das Gesicht vor Zorn und sie wollte etwas erwidern, spürte aber Sirius' Hand auf ihrem Arm. Sie sah ihn wutschnaubend an. Er schüttelte den Kopf.

„Nun fangen sie endlich an!", forderte Professor Randall sie auf.

Die Slytherins hatten ein hämisches Grinsen auf dem Gesicht.

Gegen Ende der Stunde gaben sie alle beschriftete Phiolen ab.

Professor Randall hielt Lily und James zurück.

„Sie werden sich heute Abend um Punkt sieben hier einfinden!", legte Randall fest.

„Mit Verlaub, Professor Randall. Aber das ist nicht möglich.", antwortete James höflich.

Der Professor sah aus, als hätte man ihm ins Gesicht geschlagen.

„Was soll das heißen!", fragte dieser aufgebracht.

„Das soll heißen, dass wir um diese Zeit schon zu Professor McGonagall müssen.", gab James sarkastisch zurück.

„Dann sind sie um acht hier und keine Minute später!", und er entließ sie.

Sirius, Peter und Ellen hatten draußen gewartet.

„Und, was müsst ihr machen?", fragte Sirius mitfühlend.

„Wissen wir noch nicht. Das wird eine Überraschung bis heute Abend bleiben.", entgegnete James.

„Ich möchte nicht wissen was McGonagall dazu sagen wird. Der erste Tag und beide Schulsprecher müssen nachsitzen!", überlegte Lily.

Sirius machte ein strenges Gesicht und nahm James Brille von der Nase.

„Sie sind eine Schande für Gryffindor! Beide Schulsprecher! Und das am ersten Tag! Wie konnten sie nur. Ich bin außer mir! Nehmen sie sich ein Ingwerplätzchen!", äffte er in einer höheren Stimme und schwenkte dabei seinen rechten Zeigefinger.

„Warum ‚Nehmen sie sich ein Ingwerplätzchen'?", fragte Lily überrascht.

„Das sagt sie immer, wenn sie sauer ist.", lachte James.

„Mh, die Plätzchen sind sehr gut, deswegen freue ich mich irgendwie schon, wenn ich in ihr Büro kommen muss.", erklärte Sirius ernsthaft.

Lily sah ihn belustigt an.

„Ich möchte eueren kleinen Plausch ja nicht unterbrechen, aber die Glocke wird gleich wieder läuten.", erinnerte Ellen.

In der Eingangshalle bogen Sirius, Peter und James in Richtung Schlossgründe ab, während Lily und Ellen die Treppen weiter hinauf liefen um noch rechtzeitig zum Unterricht zu kommen.

„Randall ist so ein Oger!", regte James sich auf.

„Du ziehst die Rasse der Oger aber ziemlich in den Schlamm damit!", entgegnete Sirius altklug und sie lachten.„Aber sieh es mal von der positiven Seite. Nachsitzen mit Evans für viele, viele Stunden!", sprach er weiter. „Das hast du nicht alle Tage!"

James sah ihn grinsend an.

Sie wanderten über die Schlossgründe. Das Grün der Bäume verblasste langsam und verwandelte sich zu einem satten Rot- und Gelbton. Große Spinnweben hingen an Sträuchern und Gräsern. Tautropfen verzierten die feinen Gebilde und glitzerten in der Herbstsonne.

Die Klasse stand bei Hagrid's Hütte. Professor Kettelburn erwartet sie schon ungeduldig.

„Guten Tag Jungen und Mädchen.", begrüßte er sie. „Heute werden wir einige Beobachtungen im Verbotenen Wald machen. Halten sie sich zusammen und sein sie leise. Man weiß nie was man auf schreckt!", erzählte er in einer Stimme, die den Schülern wohl Angst einjagen sollte.

James sah seine Freunde grinsend an und sie folgten dem Professor in den Wald. Die Mitschüler waren wohl doch verängstigt, aber Padfoot, Prongs und Wormtail genossen die moosige Luft. Der Duft nach Gras und verwittertem Holz.

Sie kämpften sich durch das Dickicht, als Professor Kettelburn plötzlich stehen blieb und den Zeigefinger an die Lippen legte. Alles war so unheimlich still. Kein rauschen des Windes. Kein Vogel war zu hören. Die Klasse starrte durch die Zweige eines Gebüsches.

Ein Erdhügel war zusehen und um ihn herum tanzten kleine Wichte. Sie waren braun, hatten ein hutzliges Gesicht mit schrumpligen Nasen und trugen braune Umhänge. Flöten waren an ihren schmalen Lippen und sie begannen eine wundersame Melodie.

Kettelburn bedeutete ihnen sich hin zu hocken, doch als er sich wieder um blickte waren nur die Jungen in die Knie gegangen. Alle Mädchen standen noch immer aufrecht und wiegten sich, wie in Trance, zum Klang des Liedes. Die Gesichter waren entspannt, ihre Augen geschlossen und die Arme hingen schlaff am Körper.

„Professor Kettelburn, was hat das zu bedeuten?", flüsterte ein Junge.

„Ich verstehe es selber nicht richtig. Waldgeister tun so etwas nicht.", erklärte er verstört.

„Professor, das sind keine Waldgeister!", James hatte sich zu ihnen herüber geschlichen. „Das sind Erdgeister und sie werden die Mädchen zu sich rufen, wenn wir nichts tun!"

James hatte es kaum ausgesprochen als sich seine Mitschülerinnen auch schon in Bewegung setzten.

„Haltet sie auf!", schrie der Professor.

Ein großer Tumult brach los. Die Jungen schreckten auf und hasteten nach jedem weiblichen Wesen auf der Lichtung. Mit unter warfen sie die Mädchen zu Boden und hielten sie fest.

Sirius und Peter hatten sich Lorrain und Alex gegriffen.

Aber die kleinen Männchen spielten weiter. Die Melodie wurde wilder und so wurden auch die Mädchen. Sie wehrten sich aus Leibeskräften. Sie kratzen, bissen und schlugen um sich. Sie mussten dieser wunderschönen Melodie folgen, sehen wo sie her kam, ihr ewig lauschen.

„SILENCIO!", schallte es.

Alles wurde still.

James hatte seinen Zauberstab in der Hand und auf die Wichte gerichtet. Kein Ton kam mehr aus den Flöten. Kleine schwarze Augen funkelten ihn an, Zähne wurden gefletscht. Hände mit langen, scharfen Krallen wurden erhoben.

„Was fällt dir ein uns unserer Beute zu berauben?", fauchten die Wichte mit rauen Stimmen.

„Du wirst dafür bezahlen!", und auf einmal versanken sie in der aufgewühlten Erde.

Der Bann war gebrochen.

Die Mädchen kamen wieder zu sich. Ein Junge aus Hufflepuff bekam eine Ohrfeige, weil er auf einer Ravenclaw gesessen hatte um sie am Boden zu halten. Viele Jungen hatten Kratzer im Gesicht. Einer hatte sogar eine Bisswunde. Das Mädchen dazu sah ihn beschämt an.

„Diese hinterlistigen, kleinen Biester!", rief Professor Kettelburn außer sich.

„Potter, ich gebe Gryffindor 50 Punkte für ihr Wissen und ihren Mut. Und nun zurück zum Schloss und in den Krankenflügel! Oder Poppy macht mir die Hölle heiß."

Lorrain und Alex hatten besorgte Gesichter gemacht, als Sirius und Peter ihnen ihre Wunden zeigten.

„Oh, es tut uns so leid!", rief Alex am Boden zerstört und strich behutsam über einen Kratzer auf Sirius Wange, zuckte aber sofort zurück.

„Ihr konntet ja nichts dafür. Nur ich glaube Professor Kettelburn wird zu alt!", flüsterte James.

Als die Klasse aus dem Verbotenen Wald trat, atmeten alle erleichtert auf.

„Padfoot, wie können sich Erdgeister rächen?", fragte James nachdenklich. Sirius zuckte die Schultern und gemeinsam zogen sie zum Krankenflügel.

Dieser Vorfall würde wohl in die Geschichte von Hogwarts eingehen! Das Thema über Tiger wurde augenblicklich fallen gelassen, als man die aufregende Nachricht über hinterlistige Erdgeister vernahm.

Madame Pomfrey hatte alle Hände voll zutun, doch zum Abendessen saß jeder halbwegs geheilt an seinem Haustisch.

„Meint ihr Kettelburn wird Probleme wegen dem Vorfall gekommen?", fragte Alex besorgt und blickte zum Lehrertisch, wo der Professor wie ein Häufchen Elend in seinem Stuhl saß.

„Die Schulräte werden Fragen haben, soviel ist klar.", antwortete ihr Sirius und teilte ihren besorgten Blick.

„Er wollte euch nicht wirklich Erdgeister zeigen, oder?", wollte Ellen nun wissen.

„Bestimmt nicht. Das war mehr ein unglückliches Zusammentreffen.", erklärte James.

„Aber dem Merlin sei Dank warst du da und hast uns alle gerettet!", rief Lorrain erleichtert und lächelte ihn an.

„Ja, es war gut das du da warst, sonst hätte die Hälfte meiner Freundinnen nie wieder Tageslicht gesehen.", seufzte Lily über ihrem Kelch Kürbissaft.

James sah sie mit aufgerissenen Augen an!

„Äh, hast du dich gerade bei mir bedankt, Evans?", fragte er schelmisch.

„Ja und Wenn, Potter?", antwortete sie schnippisch.

„Das muss ich mir in meinem Kalender vermerken!", grinste er.

Lily wollte gerade etwas erwidern, als eine Stimme sie unterbrach.

„Miss Evans, Mr. Potter. Folgen sie mir!", forderte Professor McGonagall sie auf. Ihre Nasenflügel bebten.

Sirius machte ein Schmerz verzerrtes Gesicht.

Beide erhoben sich und folgten ihr aus der Großen Halle.

„Wenn ihre Nasenflügel beben, hat das nichts Gutes zu bedeuten!", klärte James Lily flüsternd auf.

„Ach nein! Wirklich?", sagte sie sarkastisch.

Sie eilten mit ihr über die Korridore, bis sie zu einer Türe kamen und traten ein. Professor McGonagall's Büro war klein, ein gemütliches Feuer brannte im Kamin und Wandteppiche im Tartanmuster schmückten die Wände. Sie ließ sich in ihren großen Sessel fallen, der hinter ihrem Schreibtisch stand.

Lily und James standen vor ihrem Schreibtisch wie zwei Erstklässler.

„Setzen sie sich nun endlich", herrschte die Professorin sie an und beide setzten sich eilig auf die Stühle, die vor ihnen standen.

Professor McGonagalls Gesicht war versteinert. Niemand hätte sagen können was wohl kommen würde, ihre Lippen waren als dünne Striche zu erkennen, was absolut nicht von Vorteil war.

„Wie konnten sie nur!", fragte sie um Beherrschung ringend.

Es war nicht wirklich eine Frage.

„Es ist Jahrzehnte her das Gryffindor beide Schulsprecher gestellt hat und gleich am ersten Tag muss ich mir ausgerechnet von Professor Randall anhören, dass sie aus der Rolle gefallen sind!", atmete sie schwer.

„Von ihnen bin ich nichts anderes gewohnt Mr. Potter, aber von ihnen Miss Evans!", fauchte sie nun.

Lily sah beschämt zu Boden.

„Ich erwarte in Zukunft mehr Selbstbeherrschung von ihnen beiden!", die Professorin war nun aufgestanden, ging zu einem Wandschrank und nahm eine kleine Dose in einem Schottenmuster heraus.

Sie stellte sie auf den Tisch, der Deckel schwebte hoch und platzierte sich daneben.

„Nehmen sie sich einen Ingwerkeks!", schnaubte sie und schritt auf und ab. James griff augenblicklich mit leuchtenden Augen zu.

Lily bedachte ihn mit einem verachtenden Blick. Er hielt ihr aber einen Keks hin und sie nahm ihn zögernd an.

Sie biss ab. Sirius hatte Recht. Die sind echt gut., dachte sie verblüfft.

Aber Professor McGonagall's Stimmte riss sie aus ihren Gedanken.

„Sie werden heute Abend hinunter zu Professor Randall gehen und kommentarlos das machen was er von ihnen verlangt!", forderte sie weiter.

Eine kleine Pause trat ein und Professor McGonagall beäugte beide eindringlich.

„Wenn sie noch ein Mal aus der Rolle fallen, sehen sie schlimmeren Dingen entgegen als nur Nachsitzen bei Professor Randall!", fügte sie warnend hinzu.

Lily lief eine Gänsehaut über den Rücken.

Die Professorin setzte sich wieder. „Und nun zu ihren Schulsprecheraufgaben!"

„Einmal im Monat werden sie sich im Raum der Schulsprecher zu einer Unterredung einfinden und über Probleme diskutieren die aufgetreten sind. Sie werden am Abend Kontrollgänge machen, dass sich kein Schüler außerhalb seines Gemeinschaftsraumes aufhält. Die Vertrauensschüler werden sie dabei unterstützen.", erklärte McGonagall nun in einem ruhigeren Ton. Der unangenehme Teil war wohl vorüber.

„Das wäre soweit alles!", endete sie.

James und Lily erhoben sich.

„Und vergessen sie nicht sich zu benehmen und legen sie ihre Querelen beiseite!", zischt McGonagall hinter ihnen her.

„Ja, Professor McGonagall.", antworten Lily und James im Chor.

James schloss die Türe hinter sich.

„Das lief besser als ich dachte!", gab er erfreut zu.

„WIE BITTE?", Lily sah ihn schockiert an.

„Du warst noch nie in ihrem Büro. Richtig?", fragte er.

Sie schüttelte den Kopf und ihre Haare fielen ihr ins Gesicht. James starrte sie wie hypnotisiert an.

„Lass das!", verlangte Lily

„Was?", fragte er.

„Na das!"

„Was das?"

„Du starrst mich an!"

„Tue ich doch gar nicht."

„Doch, tust du!"

„Tu ich nicht!"

„Doch!"

„Nein"

„DOCH!", rief sie ärgerlich.

Die Türe ging auf und Professor McGonagall stand im Türrahmen.

„Was machen sie noch hier!", fauchte sie.

„Wir waren gerade dabei zu gehen.", versuchte James die Situation zu retten und zerrte an Lilys Umhang.

McGonagall warf ihnen einen giftigen Blick hinterher. Was aus den beiden später mal wird möchte ich nicht wissen., seufzte sie.

Sie eilten den Flur entlang. Als sie um eine Ecke bogen atmeten sie erleichtert auf.

„Und du hast mich doch angestarrt!", beharrte Lily und entwand sich seines Griffes.

„Selbst wenn es so war. Was willst du tun? Mich verhexen?", lachte James herausfordernd und ging schneller.

„Was ich einmal getan habe, kann ich auch noch ein zweites Mal!", antwortete sie und lief schneller, um ihn besser böse an funkeln zu können.

„Ah, Vorsicht, Evans. Nicht, wenn ich dich vorher erwische.", James beschleunigte sein Tempo.

„Das könnte dir so passen, Potter!", fauchte sie und bevor beide realisierten was sie taten jagten sie den Gang hinunter, über die Treppen und hinab zum Kerker.

„Erster!", rief Lily und schlug ihre Hand an die Kerkerwand. Sie war rot im Gesicht, außer Puste aber immer noch wunderschön, dachte James.

„Ich habe dich absichtlich gewinnen lassen!", schnaubte er, ebenfalls außer Puste.

„Ja klar, Potter. Das ist dein Wunsch.", antwortete sie ihm.

„Woher kennst du meine Wünsche, Evans?", fragte er sie herausfordernd.

Lily prustete verächtlich.

Bevor sie etwas sagen konnte ging die Türe auf und Professor Randall streckte den Kopf heraus.

„Sie sind zu früh!", fuhr er sie an.

James biss sich auf die Lippe. Auch Lily presste die Lippen zusammen. Sie schluckten ihre Kommentare hinunter und traten in den Raum, immer noch die Worte von Professor McGonagall in den Ohren.

„Ihre Aufgabe heute Abend wird sein, die Schränke im Kerker zu säubern. Auf Muggelart!", erklärte er ihnen mit einem Triumph in seinem hässlichen Gesicht.

„Mr. Filch hat ihnen Eimer und Lappen zur Verfügung gestellt und nun fangen sie an.", forderte er sie auf.

Lily und James nahmen den Eimer, füllten ihn mit Wasser und einem verdächtig riechenden Reinigungsmittel.

„Ich würde ihm am liebsten einen guten Fluch auf den Hals schicken!", flüsterte Lily James zu und betrachtete mit Ekel ein Glas, das mit einer grünlichen Flüssigkeit gefüllt war und etwas undefinierbares enthielt.

„Ich würde es riskieren, wenn du mit mir ausgehst, Evans.", flüsterte James zurück.

„Soviel ist mir meine Rache nun auch nicht Wert!", antwortete sie sarkastisch.

James grummelte vor sich hin.

Die Stunden verstrichen. Ein Schrank nach dem anderen wurde von Spinnweben, Schmutz und sonstigen Dingen befreit. Lily würde wohl nie die Schlange vergessen, die sich plötzlich vor ihr aufgerichtet hatte und sie bedrohlich an zischte.

Professor Randall rettete das Tier, bevor James mit einem dicken Buch ausholen konnte, das auf einem der Tische lag.

Wie sich heraus stellte war es die seit langem vermisste Hausschlange aus dem Slytherin- Gemeinschaftsraum.

Von fern hörten sie die Glocken von Hogsmeade schlagen. Es war Mitternacht geworden.

Lily stellte das letzte Gefäß in den Schrank.

„Oh man, endlich fertig!", stöhnte sie.

Professor Randall begutachtete ihre Arbeit, fand aber keine einzigste Möglichkeit sie länger dazubehalten.

„Morgen Abend um die selbe Zeit. Sie können gehen!", sprach er ruppig.

James und Lily verließen fluchtartig den Kerker.

„Ich brauch frische Luft.", stellte Lily fest, als sie in der Eingangshalle angekommen waren und steuerte auf die großen Eichentüren zu.

Gemeinsam traten sie auf die Schwelle und blickten über die Schlossgründe. Es war bald Vollmond und die fast runde Scheibe erleuchtete die Wiesen und den See. Nur der Verbotene Wald lag im Schatten.

„Alles sieht so friedlich aus.", bemerkte Lily. „Aber das ist es nicht."

Etwas trübte ihren Blick.

„Was meinst du?", fragte James verwundert.

„Voldemort!", sagte Lily bestimmt.

James war erstaunt.

„Du sprichst seinen Namen aus!"

„Ja, warum nicht? Ich tue es, aber nicht vor den Anderen, denn die bekommen immer einen Schreck, wenn ich das tue.", antwortete sie.

„Evans, du erstaunst mich dieses Schuljahr!", und er ging zurück in die Eingangshalle. Lily folgte ihm und sie begaben sich zum Gryffindor Turm.

„Gute Nacht, Evans! Und lass dich nicht von bösen Schlangen beißen!", rief er ihr am fuße der Wendeltreppe herüber.

Lily bestrafte ihn mit einem bösen Blick und wandte sich zum gehen. Sie konnte James' Grinsen im Nacken spüren.

Blöder Kerl! Warte nur ab, dachte sie und ging in den Schlafsaal.

Die anderen schliefen schon und Lily versuchte so leise wie möglich ins Bett zu krabbeln.

Sie lag bestimmt nur eine Minute in ihrem Bett, als ihre Augen schwer wurden und sie einschlief.

James schlurfte wie immer die Treppen hoch. Vorsichtig öffnete er die Türe. Alles war still, bis auf Peters übliches schnarchen.

Langsam zog er sich um. Es wirbelte nur so in seinem Kopf von den Ereignissen des Tages. Die Erdgeister schwirrten in seinem Geist herum.

Soll das jetzt bedeuten ich muss im Verbotenen Wald vorsichtig sein, überlegte er.

Aber weiter kam er nicht mehr, denn der Schlaf übermannte ihn.