Die nächsten Tage waren eher langweilig. Sirius hielt sich bis jetzt an die Wette, obwohl er einmal ziemlich versucht war alles aufzugeben. Snape war in den Gängen vor ihm gelaufen. Alleine und kein Lehrer war in Sicht gewesen. Es war die perfekte Gelegenheit! Ellen grinste ihn nur an.
Sirius tat James so leid!
Nachsitzen bei Randall wurde auch öde, denn nach dem zweiten Abend blitzte und blinkte der Kerker und alle lebenden Zaubertrankzutaten waren getötet, ausgenommen und eingelegt..
„Wir machen Filch's Arbeit!", schnaubte James erbost.
„Ja und?", fragte Lily. „Besser als die Toilette der Maulenden Myrthe zu putzen."
James rümpfte die Nase.
So mussten sie am dritten Abend einfach nur da sitzen und in die Luft starren.
Lily warf einen Blick zu James, der neben ihr saß. Er blickte gelangweilt zurück. James sah dann aber auch nicht weg. Er starrte sie an, Lily starrte zurück. Es war ein richtiger Starr- Wettkampf.
Sie streckte ihm verstohlen die Zunge raus. Er lächelte und hielt ihren Blick. Kleine Grübchen wurden sichtbar.
„Sind sie bald fertig mit flirten?", riss Randall sie aus ihrem Tun.
Er hatte von seinem Pult aufgesehen.
Beide schreckten auf und schauten wieder nach vorne.
Merlin und Agrippa, ist das peinlich., dachte Lily
Nachdem eine weitere Stunde verstrichen war durften sie gehen.
In der Eingangshalle blieb James stehen.
„Ich habe was vergessen.", erklärte er ihr. „Geh schon mal vor.", und er wirbelte herum, in Richtung Kerker.
Lily sah ihm misstrauisch hinterher.
Wer es glaubt, schnaubte sie. Da ist doch was faul.
Sie ging sehr laut die Treppen hinauf, schlüpfte dann aber hinter eine Rüstung und wartete gespannt. Lily versuchte alle ihre Sinne zu schärfen. Da hörte sie wieder Schritte. James kam die Kerkertreppen hinauf gelaufen. Er durchquerte die Eingangshalle und ging auf die großen Eichentüren zu. Lily schaute um die Ecke und sah den letzten Zipfel seines Umhangs in der Dunkelheit verschwinden.
Was will er um diese Zeit draußen auf den Schlossgründen, überlegte Lily und trat aus ihrem Versteck. Sie schlich die Treppen hinunter und hinaus in die Nacht.
Der Vollmond erleuchtete das ganze Gelände. Sie konnte James zu einem Baum rennen sehen. Es war die Peitschende Weide. Der Baum hörte auf sich zu bewegen, als er vor ihm stand und James verschwand.
Lily sog scharf die Luft ein. Was zum Troll geht hier vor?
Sie hockte sich in den Schatten einer Statue. Ihr war es nicht geheuer, auf die Schlossgründe hinaus zu gehen.
Der Himmel war wolkenlos. Ihr kam es vor wie eine Ewigkeit, als die Weide wieder aufhörte sich zu bewegen. Ein riesiges Tier kroch aus dem Baumstumpf. Gefolgt von einem zweiten und einem dritten.
Die ersten beiden sahen aus wie Hunde. Aber das dritte Tier hatte ein Geweih. Es war ein Hirsch.
Lily stockte der Atem. Nur kurze Zeit zuvor war James verschwunden und nun tauchten an seiner Stelle 3 riesige Tiere auf! Alles surrte in ihrem Kopf. Von Fern sah sie etwas im Gras. Aber es war zu klein um es zu erkennen.
Die Gruppe rannte über die Wiesen, auf den Verbotenen Wald zu und verschwand darin.
Alles lag still da. Es gab nichts mehr zu sehen.
Lily stand langsam auf, schritt durch die Eichentüren zurück in die Halle und die Treppen hinauf zum Gryffindor Turm.
„Proelium Committere", nannte sie der fetten Dame das Passwort, die sie verschlafen an blinzelte.
Sie musste es wissen, sie musste ganz sicher sein und ging die Treppe zu den Jungenschlafsälen hinauf.
Welches ist ihr Schlafsaal? Verdammt., fluchte Lily.
Sie öffnete vorsichtig eine Türe. Sie hörte Schnarchen und schloss sie wieder. Sie lauschte an verschiedenen Türen, immer hörte sie Schnarchen. Als sie bei der letzten Türe angelangt war vernahm sie keinen einzigen Laut. Langsam öffnete sie die Türe und schaute hinein. Niemand war zusehen!
„Lumos!", sagte sie und die Spitze ihres Zauberstabes erleuchtete. Alle Betten waren unberührt. Lily schaute sich um. Es sah aus wie Kraut und Rüben.
Wie kann man nur so leben, dachte sie und zog ein angeekeltes Gesicht.
„Hier stimmt was nicht!", redete sie mit sich selbst und fuhr mit der Hand durch ihr Haar.
„Nox.", flüsterte sie und das Licht verschwand.
Lily schlich zu ihrem eigenen Schlafsaal und begab sich in ihr Himmelbett.
Was hat das zu bedeuten, überlegte sie.
Das Licht des Mondes schien durch ein Fenster auf ihr Bett. Sie betrachtete es für eine Weile. Schloss dann aber die Augen und schlief ein.
James war die Treppen zum Kerker hinunter gelaufen und versteckte sich in einer Nische.
Er hörte Lily die Treppen hinauf gehen.
Wie kann eine so zarte Person nur so trampeln, fragte er sich. Ihre Schritte verhallten. Vorsichtig schlich er die Treppe hoch. Die Luft schien rein, er lief durch das große Portal und hinunter auf die Schlossgründe.
„Peter, ich bin's. Prongs!", rief er kurz vor der Weide und sie hörte auf sich zu bewegen. Er kletterte durch die Öffnung im Baumstumpf. Ein Gang lag vor ihm.
„Lumos.", flüsterte er und Licht erhellte alles.
„Danke fürs warten!", sprach er zu einer Ratte, die auf den Hinterbeinen saß und zu ihm hoch blickte. Sie quiekte und sprintete den Gang entlang, in die Dunkelheit. James ging ihr nach.
Kurze Zeit später tauchte eine Türe vor ihm auf. Er trat ein. Er befand sich in der Heulenden Hütte, dem schlimmsten Spukhaus ganz Britanniens. Aus dem zweiten Stock drang ein Schrei der James eine Gänsehaut verpasste. Doch er wusste, dass es keine Gespenster waren, die diese Geräusche machten.
Armer Moony, seufzte er. Ein zweiter Schrei hallte durch die Nacht und ging in ein Jaulen über.
Jetzt wird es aber Zeit., und er konzentrierte sich stark.
Ein Kribbeln durchfuhr seinen Körper. Auf seiner Haut wuchs kurzes, braunes Fell. James fiel nach vorne. Seine Hände verkrampfte sich zu Fäusten und verwandelten sich zu Hufen. Es zog in seinen Armen. Sie wurden dünner und seine Oberarme muskulöser. Sein Rücken streckte sich. James' Kinn und Nase dehnten sich, seine strubbeligen Haare verschwanden und ein Ziepen auf seinem Kopf verkündete das wachsen seines Geweihs.
James wackelte mit den Ohren, drehte den Kopf zu seinem Rücken und wackelte mit seinem kleinen Schwänzchen.
Alles da, was da sein muss., stellte er erleichtert fest.
Es war komisch zu denken wie ein Mensch, aber nicht sprechen zu können.
Er setzte seine Hufe in Bewegung und die Treppe hinauf. Er stupste eine Türe auf. Ein großer schwarzer Hund saß in einer Ecke. Auf einem Bett lag ein großer Haufen grauen Fells. James lief näher heran.
Der Werwolf blickte von seinen Pfoten auf und sprang plötzlich vom Bett. Lief durch die Türe und die Treppen hinunter. Hund und Hirsch folgten. Die kleine Ratte wartete im Tunnel auf sie und gemeinsam rannten sie zurück zur Peitschenden Weide. Wormtail krabbelte als erstes heraus und drückte die Wurzel. Alles war still.
Gefolgt von Moony, Padfoot und Prongs rannten sie über die Wiese auf den Verbotenen Wald zu.
Eulen riefen in der Nacht. Überall knackte es.
Es war der Himmel auf Erden für die Vier. Sie krochen durch das Dickicht, vermieden aber tunlichst einen Pfad, der zu einer riesigen Spinne führte. Der Wolf jaulte auf und der Hund stimmte mit ein.
Angeber, dachte James.
Kleine Lichter surrten durch den Wald. Feen wie er wusste. Ein Einhorn begegnete ihnen, das aber fluchtartig die Lichtung verlies als es Hunde und Werwolf erblickte.
Sie wanderten weiter durch die Bäume. Auf einmal war alles vollkommen still. Keine Eulen waren zu hören, kein Knacken. Der Wind war verebnet. Keine Feen waren zu sehen. Nur kleine Strahlen des Mondes kämpften sich durch das Geäst.
Auf einmal bebte der Boden. Prongs blieb wie angewurzelt stehen. Das war nicht normal, auch nicht für den Verbotenen Wald. Werwolf und Hund knurrten. Die Ratte blickte sich nervös um.
Plötzlich schossen Hände aus dem Boden. Kleine, mit Krallen versetzte Hände. Sie packten Prongs um seine Hufe. Er versuchte sich aufzubäumen. Es ging nicht. Messerscharfe Krallen bohrten sich durch sein Fell und in seine Haut.
Er wollte schreien, aber er konnte nicht! Lediglich ein Grunzen kam aus ihm heraus.
James merkte wie sich Erde um seine Knöchel schloss. Sie versuchten ihn unter die Erde zu ziehen. Panik machte sich in James breit. Er wandte den Kopf, schüttelte sich. Stampfte mit den Hufen. Alle Versuche waren erfolglos.
Hund und Wolf schossen auf ihn zu. Sie knurrten und bissen. James durchzuckte ein Schmerz. Ihre Zähne waren zu groß und sie bissen nicht nur die Erdgeister, sondern auch ihn.
Wormtail hatte mehr Erfolg. Er nagte an den runzligen Händen. Seine scharfen Nagezähne sanken tief in das Fleisch der Wichte. Fauchen war aus den Tiefen der Erde zu hören. Wolf und Hund zogen nun an dem Geweih des Hirsches. Prongs stampfte mit seinen Hufen die frei gekommen waren. Er hörte ein entsetzliches quieken, das mehr dem Schrei eines Babys ähnelte. James hatte aus Versehen Wormtail mit dem rechten Huf erwischt.
Ein weiterer Ruck an seinem Geweih folgte und er strauchelte nach vorne.
Die Vier verschwendeten keine Zeit und rannten durch das Gebüsch auf den Waldrand zu.
Als die Wiesen wieder vor ihnen auftauchten blieben sie stehen. Hund und Werwolf hechelten. Der Hirsch atmete tief. Etwas später sauste die kleine Ratte aus dem Dickicht.
Moony wendete sich zur Peitschenden Weide und Wormtail folgte ihm. Prongs und Padfoot sahen ihnen nach. Als der buschige Schwanz des Werwolfes verschwunden war konzentrierte sich James hart. Alles kribbelte und kurze Zeit später stand er wieder aufrecht. Sirius saß im Gras.
„Alles in Ordnung, James?", fragte er besorgt.
Kleine Schweißperlen waren auf seinem Gesicht zu erkennen.
„Ich glaube schon.", sagte er kleinlaut und betrachtete sich seine Handgelenke. Sie waren rot von Blut.
„Tut mir leid, Prongs. Aber anders ging es nicht.", entschuldigte sich Sirius.
„Ich mach dir keine Vorwürfe, Padfoot.", antwortete James erschöpft.
Etwas raschelte im Gras und Sekunden später stand Peter vor ihnen.
„Tut mir Leid, Peter. Ich habe dich mit einem Huf erwischt.", seufzte James.
„Nicht so schlimm.", quiekte Peter, zog aber eine Grimasse.
„Lasst uns zum Schloss gehen!", schlug Sirius vor. „Das war eine Nacht die ich schnell vergessen möchte."
„Ich habe die Erdgeister wirklich verärgert. Oder?", stellte James fest.
„Jupp, das hast du, Prongs.", antwortete ihm Padfoot.
Sie schlichen durch das große Portal und die Treppen hinauf. Plötzlich hörten sie ein „Miau" hinter sich. Die Katze des Hausmeisters, Mrs Norris, hatte sie entdeckt und sie rannten so schnell sie konnten davon.
Sie blieben erst stehen als sich das Portrait der fetten Dame hinter ihnen schloss.
Der Gemeinschaftsraum lag verlassen da. Das Feuer im Kamin war erloschen. Sie schlurften die Treppe hinauf. Als sie in ihrem Schlafsaal waren entfachten sie Licht.
Peter zog sich schweigend um und kletterte in sein Bett.
Sirius suchte am Fußboden nach seinem neuen Pyjama.
James inspizierte gerade seine Hand- und Fußgelenke, als Sirius scharf die Luft einsog.
„Was'n los, Sirius.", fragt James erstaunt. Padfoot machte solche Geräusche nicht alle Tage.
„Verbinde deine Wunden und dann sieh dir an was ich auf meiner Pyjamahose gefunden habe.", verlangte Sirius.
James hüpfte von seinem Bett und trat an seine Seite.
Sirius hielt etwas sehr dünnes zwischen Daumen und Zeigefinger. Es war ein Haar! Ein langes, rotes Haar!
James sah Sirius geschockt an.
„Ich kenne nur eine Person aus Gryffindor die solche Haare hat!", stellte er fest.
„Was hatte Evans hier zu suchen?", fragte Sirius.
„Ich habe keine Ahnung Padfoot, aber ich glaube nicht das sie hier war, weil sie Sehnsucht nach mir hatte.", versicherte James.
„Liebe ist ein Haar,
das auf den Kissen zurück geblieben ist,
wie eine Wimper auf zunehmen und,
von einem Wunsch begleitet, fortzupusten.", sinnierte Padfoot.
„Sirius, das ist nicht witzig.", fauchte James.
„Meint ihr sie ahnt was?", wollte Peter nun wissen, der zwischen seinen Bettvorhängen hervorschaute.
„Sonst wäre sie bestimmt nicht hier gewesen!", erklärte Sirius sarkastisch.
„Wir werden es sehen. Wir machen uns morgen Gedanken darüber.", endete James das Gespräch. „Gehen wir endlich schlafen, es ist ziemlich spät!"
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