Gryffindor wurde von Hufflepuff vernichtend geschlagen. So ein grausames Spiel hatte James noch nicht erlebt. 40 zu 370 war das Endergebnis.
Das Team stahl sich vom Spielfeld und verschwand in den Umkleideräumen. Keiner sagte ein Wort bis Rose optimistisch die Stimme erhob.
„Es ist noch nichts verloren! Das war das erste Spiel! Wenn Ravenclaw und Slytherin Hufflepuff in die Wüste schicken und wir die nächsten Spiele haushoch gewinnen ist noch alles für uns drin!", sie sah die anderen kämpferisch an.
„Über Quidditch möchte ich heute nicht mehr reden und bestimmt auch die nächsten Tage nicht.", antwortete Brian betrübt.
Das war kein Debüt als Kapitän, das war ein Debakel.
Nachdem sie sich geduscht und umgezogen hatten liefen sie zum Schloss zurück. James verabschiedete sich vor der Großen Halle von ihnen. Er wollte alleine sein und er wusste auch genau wohin er gehen musste.
Sein Weg führte ihn über zahllose Treppen und einen langen Korridor entlang. Am Ende war eine Leiter, er kletterte sie nach oben und öffnete eine Falltüre. James stand auf der höchsten Zinne von Hogwarts. Alles lag unter ihm. Kleine Figuren liefen um den See. Von Hagrids Hütte stieg Rauch auf. In der Ferne sah er die Ringe des Quidditchfeldes. Diesen Anblick konnte James einfach nicht ertragen und er wendete sich den Bergen zu, die Hogwarts umgaben. Er setzte sich und ließ die Beine über den Rand des Daches baumeln.
„Beim Barte Merlins, das war ein Spiel!", stöhnte Lorrain.
„Das war kein Spiel! Das war ein Massaker!", erklärte Lily ihre Eindrücke. „Potter tut mir irgendwie leid. Ich meine, dass war ja wirklich ein hinterhältiger Klatscher von Birch!", und sie funkelte böse.
Sie saßen auf ihren Betten. Die Trauer im Gemeinschaftsraum war unerträglich gewesen.
„Wenn James den Schnatz bekommen hätte, wären es nur 30 Punkte Unterschied gewesen.", bedauerte Alex.
„Ja, hat er aber nicht und jetzt müssen wir uns dem Spott der Slytherins preis geben! Zumindest bis Hufflepuff sie zu Mumienstaub verarbeitet hat!", Lorrain grinste fies.
Die anderen lachten.
„Auf diesen Tag warte ich!", klinkte sich Ellen nun in das Gespräch mit ein.
Lily sah aus dem Fenster und ihr Blick blieb an einer Figur haften, die auf dem höchsten Turm von Hogwarts saß.
„Wer ist das da oben?", fragte sie verwundert. Die anderen kamen ans Fenster und lunsten hinaus.
„Jede Wette, es ist ein Gryffindor der sich das Leben nehmen will!", schlug Alex vor. „Nach diesem Spiel wäre es kein Wunder."
Sie lachten wieder.
„Ich gehe besser mal nachsehen. Sicher ist sicher!", entschloss sich Lily, nachdem die kleine Figur mit den Beinen über dem Abgrund gebaumelte hatte.
Lily musste zuerst überlegen wie sie dorthin kommen könnte. Da sie schon sehr weit oben waren musste sie nicht mehr so viele Treppen laufen und letztendlich gelangte sie in den Korridor mit der Leiter, die auf den Turm führte.
Sie kletterte hinauf, öffnete die Falltür und spähte durch den Spalt. Derjenige kam ihr bekannt vor. Die strubbeligen Haare auf jeden Fall. Lily wollte schon wieder umkehren, aber etwas hielt sie zurück. Sie stieß die Klappe nun vollkommen auf und trat hinaus auf das Dach.
James wandte sich nicht um. Lily ging zu ihm und schaute ihn an. Er reagierte nicht. Seine Augen waren geschlossen und er atmete tief. Hätte sie es nicht besser gewusst, sie hätte gedacht er schliefe.
Lily setzte sich neben ihn. Es war ein herrlicher Blick auf die Umgebung. Sie tippte ihn an die Schulter. Er öffnete ein Auge und schloss es wieder. Lily musste schmunzeln.
„Tut mir wirklich leid, dass ihr verloren habt.", seufzte sie.
James lehnte sich an die Dachschräge, die Arme hinter dem Kopf verschränkt.
„Das sollte es auch. Du bist schließlich eine Gryffindor!", sagte er etwas empört.
„Warum bist du eigentlich hier?", fragte er sie nach einer Weile des Schweigens.
„Ich sah jemanden hier oben sitzen und Alex meinte, sie würde wetten, dass es ein Gryffindor ist, der sich das Leben nehmen will.", lachte Lily auf. „Ich dachte mir, es wäre meine Pflicht als Schulsprecherin einen Selbstmord zu verhindern."
James öffnete die Augen.
„Das wäre keine schlechte Idee, so könnte ich der Blamage entgehen.", entgegnete er und setzte sich plötzlich auf.
„Ach komm, nur weil ihr ein Spiel verloren habt muss das noch nicht das Ende bedeuten!", munterte sie ihn auf. „Du bist gut geflogen, soweit ich das beurteilen kann und der Klatscher von... Wie hieß er noch mal?"
„Birch!", half James aus.
„Ja, genau. Der Klatscher von Birch war echt gemein!", regte sie sich auf.
James Stimmung hob etwas an.
Die Grübchen wurden wieder sichtbar.
„Weißt du eigentlich das du Grübchen hast, wenn du lachst?", fragte Lily auf einmal.
„Nein.", log er, dabei nutzte seine Mutter jede Gelegenheit ihn daran zu erinnern.
„Doch, hast du. Genau da!" und sie piekte ihn in seine Wange. Lily war selber überrascht, dass sie das getan hatte.
„Und weißt du, dass du wunderschöne grüne Augen hast?", fragte er sie und sah ihr tief in die Selbigen.
„Weißt du, dass du total verwuschelte Haare hast?", entgegnete sie schnell.
„Nein.", log er wieder, wobei seine Mutter auch in diesem Fall jede Gelegenheit nutzte ihn darauf aufmerksam zumachen.
„Aber jetzt!", und sie rubbelte auf seinen Haaren umher bis sie noch mehr in alle Richtungen abstanden.
Sie lachte laut los. Er grinste sie an. Diese Vertrautheit war neu für beide.
„Woher kennst du diesen Platz eigentlich?", fragte Lily neugierig.
„Wenn man sich nicht an Regeln hält kann man viel kennen lernen.", antwortete James belustigt.
„Das habe ich jetzt nicht gehört.", sagte sie in einem tadelnden Ton.
„Darauf habe ich vertraut.", lächelte Prongs.
„Es ist echt schön hier oben.", ihr Blick überflog die Landschaft. „Manchmal wünsche ich mir ein Adler zu sein und über alles hinweg fliegen zu können. Einfach alles hinter mir zu lassen."
„Warum das?", James blickte sie fragend an.
„Na ja, du kannst nicht sagen, dass das Leben zur Zeit einfach ist. Meine Eltern sind Muggel, meine Schwester hasst mich, weil ich eine Hexe bin und was ich nach der Schule vor habe werden meine Eltern auch nicht gut finden.", sprudelte es aus Lily heraus.
„Und was willst du nach der Schule machen?", bohrte er weiter.
„Ich will Auror werden. Ich will Voldemort zeigen zu was eine Muggelgeborene alles fähig ist und seine Todesser würde ich am liebsten.., argh! Du weißt schon!", sie sah ihn vielsagend an und wunderte sich, warum sie ihm das eigentlich erzählte.
„Aha.", James war überrascht von so viel Enthusiasmus.
„Was willst du eigentlich nach der Schule machen?", fragte Lily nun James.
„Das Gleiche wie du.", antwortete er schlicht.
„Und warum willst du Auror werden. Du hast doch nichts zu befürchten. Du bist reinblütig.", sie schien überrascht.
James schnaubte. „Reinblütig. Das bedeutet für mich nichts. Ich verabscheue die dunklen Künste. Genau wie Sirius."
„Ah, Sirius. Ist das wahr, dass er seit längerem bei dir wohnt?", fragte Lily wieder neugierig.
„Jupp, das stimmt.", bestätigte er in einer Leichtigkeit, die nur James drauf hatte und baumelte wieder mit den Beinen.
„Was hast du auf den Schlossgründen gemacht?", flüsterte sie verstohlen.
„Ich bin zu Mo.. Hey, Moment mal!", brauste James auf. „Du bist aber auch eine hinterlistige Hexe!"
Lily sah ihn unschuldig an. „Einen Versuch war es doch wert, oder? Das hättest du auch gemacht.", sie grinste ihn diebisch an und klimperte mit den Wimpern.
James betrachtete sie abschätzend. „Ja, ich hätte es wahrscheinlich auch probiert."
„Ist dir eigentlich klar, dass wir uns gerade wie zivilisierte Leute unterhalten haben?", bemerkte sie.
„Jetzt wo du es sagst. Wir machen wirklich Fortschritte!", lachte er.
Die Sonne verschwand langsam hinter den Bergen. Es wurde kälter und Lily zog ihren Umhang enger. Kleine Farbspiele verzierten den Himmel. Gelb. Orange. Rot. Blau. Alles floss ineinander.
Sie sah auf ihre Uhr.
„Ich glaube es wird Zeit zum Abendessen. Mir knurrt schon der Magen, weil ich wegen dir kein Lunch hatte!", Schuldzuweisend blickte Lily ihn an.
„Na dann komm. Ich kann nicht verantworten, dass die Schulsprecherin den Hungertod erleidet.", James stand auf, reichte ihr die Hand und zog sie hoch. Ein kribbeln durchfuhr ihre Körper, als sie sich berührten, doch Lily versuchte es zu ignorieren. James hingegen nahm es wohlwollend auf. Plötzlich hatte er einen Plan, wie er Lily für sich erobern konnte! Der hieß Verständnis zeigen und auf sie eingehen. Damit würde er sie kriegen.
Sie kletterten die Leiter wieder hinab und begaben sich zur Großen Halle.
Wenige Gryffindors waren am Haustisch zu sehen. Die Schande war wohl zu groß für sie. Der Slytherin Tisch hingegen explodierte fast vor guter Laune. Wenn es nach James gegangen wäre, hätten sie nach seinem Blick alle Tod von den Bänken fallen müssen.
Euch kriegen wir auch noch, dachte er.
„Ignoriere sie. Die sind es nicht wert!", flüsterte ihm Lily ins Ohr und entschwand zu Lorrain, Alex und Ellen.
James erspähte Remus und Peter. Sirius war nicht in Sicht.
Er schlenderte zu ihnen und ließ sich auf die Bank fallen.
„Wo warst du denn? Sirius dachte du würdest nach dem Spiel vom höchsten Turm springen.", sagte Moony zwischen zwei Bissen Hühnchen.
„Ich war auf dem höchsten Turm.", lachte James.
„Aber wie ich sehe lebst du noch!", stellte Remus fest.
„Ja, ich glaube, Lily hat mir das Leben gerettet.", überlegte James nun.
Peter und Remus sahen ihn ungläubig an.
„Sie sah das jemand auf dem Westturm saß und wollte nachsehen. Ja, wir haben unser erstes richtig zivilisiertes Gespräch geführt!", erklärte er stolz.
„Prongs, ich wusste das du irgendwann doch noch erwachsen wirst!", Remus klopfte ihm auf die Schulter. „Mein Junge wird flügge! Das ich das noch erleben darf!", er wischte sich eine nicht vorhandene Träne aus dem Auge und schniefte herzhaft.
James schüttelte den Kopf und lachte. „Ich habe jetzt auch einen Plan, wie ich sie dazu kriege mit mir auszugehen!", und er erläuterte ihn in allen Einzelheiten.
Moony machte große Augen. „Wenn das mal gut geht!"
„Lily, wo warst du die ganze Zeit?", stürmte Ellen auf sie los.
„Na da oben, auf dem Turm.", sie ließ sich neben Alex plumpsen und lud sich etwas von allen Schüsseln, die Alex um sich gesammelt hatte, auf.
„Hey, das war mir!", knurrte Alex. Lily streckte ihr die Zunge raus.
„Wer war denn nun da oben?", neugierig blickte Lorrain sie an. „Hatte unser kleiner Vielfrass Recht?"
„Ähm, ja,", antwortete Lily kurz und beschäftigte sich weiter mit essen.
„Und wer war es? Lily, dir muss man ja alles aus der Nase ziehen!", beschwerte sich Ellen.
„Schämhsch.", nuschelte sie mit vollem Mund.
„WER?", verlangten ihre Freundinnen zu wissen.
„Oh man, ich rede doch nicht Meerisch! James!", wiederholte sie jetzt deutlicher. „Und ich habe angefangen meinen Plan in die Tat umzusetzen. Bald zahle ich ihm alles heim!"
Ellen sah Lorrain vielsagend an.
„Was habt ihr so lange da oben gemacht?", Alex sah sie verträumt an.
„Unterhalten.", antwortete Lily schlicht. „Wir haben unser erstes zivilisiertes Gespräch geführt.", verkündete sie.
„Ein blinder Troll findet auch mal eine Keule!", gab Ellen weise bekannt.
Die anderen lachten.
„Also nach diesem Gespräch heute, denke ich schon das er sich etwas verändert hat. Ich glaube, er verstellt sich immer nur. Er ist bestimmt ganz anders. Aber das mit den Büchern zahle ich ihm trotzdem heim.", dachte Lily laut nach und schenkte ihrem Teller wieder ihre Aufmerksamkeit.
Die Anderen sahen den Tisch hinunter zu James. Er lachte mit Remus und Peter. Er sah sehr glücklich aus.
„Padfoot, es wird Zeit das wir unseren alten Freunden wieder einen Besuch abstatten!", erkläre James. „Wir haben schon lange nichts mehr von uns hören lassen."
Sirius grinste ihn an.
„Und was hat der Herr Schulsprecher im Sinn?"
„Weiß noch nicht genau. Vielleicht sollten wir den Gemeinschaftsraum der Slytherins in einen Dschungel verwandeln. Die Maulende Myrthe hilft uns da bestimmt. Ich habe letztens gehört wie sich mehrere Mädchen aus Slytherin über sie lustig gemacht haben.", er grinste gehässig.
„Mh, das ist schon mal ein Anfang. Wir brauchen Pflanzen, Wasser und Tiere. Wie wäre es mit Alligatoren?", ein feuriger Blick traf James.
„Aber wie bringen wir das alles in den Gemeinschaftsraum der Slytherins?", überlegte Sirius laut.
„Psst! Sei doch still!", zischte James ihn an. Sie saßen in einer Ecke im Gemeinschaftsraum. Eine Drittklässlerin hatte sich zu ihnen umgewand als Sirius gesprochen hatte.
„Ist ja gut. Aber wie machen wir das?", flüsterte er nun.
„Ich bin Schulsprecher, die Portraits müssen mir die Passwörter verraten, selbst wenn ich nicht zu dem Haus gehöre!", gab James triumphierend bekannt. „Aber ich darf dann das Portrait nicht öffnen, nicht das es mich verrät."
„Aber wie wollen wir nun den Dschungel in den Slytherin Gemeinschaftsraum bringen?", beharrte Sirius.
Beide saßen da und überlegten.
„Wie wäre es, wenn wir alles Klein zaubern und in eine Kiste stecken und wenn jemand die Kiste öffnet sprudelt alles heraus und wird wieder groß?", schlug Sirius nach einer Weile vor.
„Padfoot, du bist einfach so genial!", rief James. „Auf das Innere der Box legen wir einen Vergrößerungszauber, dass so viel wie möglich rein geht. Die Pflanzen können wir aus den Gewächshäusern holen und die Tiere kann ich herauf beschwören. Außerdem können wir noch welche aus dem Verbotenen Wald holen.", sprühte er vor Ideen.
„Du gehst nicht mehr in den Verbotenen Wald, Prongs. Zu gefährlich für dich. Das mache ich schon.", erklärte Sirius.
James sah ihn etwas enttäuscht an, aber als er sich sein linkes Handgelenk betrachtete schien es ihm eine sehr gute Idee. Kleine silbrige Punkte waren dort zu sehen und er wollte diese nicht vermehren.
Und so war es ab gemacht. Sirius wollte in der nächsten Nacht auf die Jagd gehen. Er sollte den Tarnumhang nehmen und James würde ihn aus dem Raum lassen, wenn er zu einem Rundgang aufbrach.
Der nächste Tag verging nur schleppend und James wartete ungeduldig das es Abend wurde. Der Gemeinschaftsraum leerte sich allmählich. Sirius verabschiedete sich von James und ging zu Bett.
Allerdings tat er das für Lilys Geschmack etwas zu überschwänglich. Da ist doch was faul., dachte sie sich.
Immer mehr Schüler gingen in ihre Schlafsäle.
„Lily, kommst du?", fragte Alex und rieb sich die Augen.
„Nein, Alex. Ich werde noch einen Rundgang mit James machen.", erklärte sie ihr.
„OK, dann gute Nacht.", und Alex wandte sich zum gehen.
James hatte etwas erschrocken auf geblickt. Das passte nicht in den Plan.
„Lily, du solltest wirklich ins Bett gehen. Du siehst müde aus. Ich kann den Rundgang auch alleine machen.", versicherte er.
„Ach, das geht schon.", und sie erhob sich. „Wollen wir?"
James stand auf. Sirius wartete in einer Ecke unter dem Umhang.
Sie wanden sich zum gehen. Als Lily im Korridor stand spürte sie einen Luftzug. Als ob jemand an ihr vorbei gegangen wäre.
„Hast du das auch gespürt?", fragte sie James verwundert.
Er sah sie fragend an. „Was soll ich gespürt haben?"
„Ach schon gut, ich hatte das Gefühl das jemand an mir vorbei gegangen ist.", sie winkte ab.
Die beiden setzten ihren Weg fort. Alles schien ruhig. Von fern sahen sie einen Geist durch die Wände schweben. Mrs. Norris begegnete ihnen. James hatte Lilys Hand genommen und sie davon gezerrt. Wieder stellte sich dieses kribbelige Gefühl ein.
„Was soll das, James? Wir dürfen auf den Gängen sein!", erinnerte sie ihn.
„Das sind die alten Reflexe!", entschuldigte er sich und ließ sie ungern los.
„Sag mal Lily, wie ist eigentlich das Passwort vom Slytherin Gemeinschaftsraum?", fragte James beiläufig.
„ ‚Serpen'.", sagte Lily sofort. „Ist nicht gerade einfallesreich. Oder?", schüttelte sie leicht den Kopf.
Das hätte ich ja noch selber raus finden können, überlegte James.
Plötzlich blieb Lily stehen.
„James! Du hast doch nichts vor, oder?", auf eine Antwort wartend sah sie ihn an.
„Äh, nein.", log er.
„Du bist der schlechteste Lügner, den ich je kennen gelernt habe!", versicherte Lily ihm.
„Ein so schlechter Lügner bin ich auch nicht.", verteidigte sich James. „Es kommt immer darauf an wen ich an lüge."
„Na bei mir funktioniert es jedenfalls nicht.". stellte sie fest.
„Meine Mutter würde dich bestimmt gerne kennen lernen wollen, wenn sie es wüsste!", lachte er.
„Also! Was wollt ihr machen?", verlangte sie zu wissen.
„Wie kommst du auf ‚ihr'?", fragte er perplex.
„James. Ich bin kein Idiot. Also spuck es aus."
James' Plan ging gut voran, er gewann ihr Vertrauen.
„Ist ja gut. Sirius und ich wollen den Gemeinschaftsraum der Slytherins in einen Dschungel verwandeln. Als Revanche.", er grinste Lily triumphierend an.
Diese zog nur die Augenbraue hoch. „Das ist alles? Keine Besonderheiten? Keine Effekte?"
„Doch! Wir dachten so an Alligatoren, Affen und Tiger." erklärte James den Plan. „Meinst du Alex kann noch mal welche zaubern?.", erkundigte er sich.
„Warum nehmt ihr nicht noch Schlinglianen mit rein und ein Stinktier?", schlug Lily vor. „Der Geruch von einem Stinktier würde ihnen endlich mal einen Grund geben die Nasen zu rümpfen."
„Du bist genial. Dieses Potential hätte ich in dir gar nicht vermutet!", seine Augen leuchteten vor Freude.
Sie schaute ihn verlegen an.
„Wenn ich alles so gemacht hätte, wie ich es gewollt hätte. Wären dir nicht nur 2 Hörner gewachsen.", sie tippte ihn auf die Brust.
„Das war eigentlich der Moment, wo ich mich entschlossen hatte dich zu fragen ob du mit mir aus gehst.", bemerkte James nach einer Weile.
„Warum das?"
„Weil du die Erste warst die mich verhext hat.", er lachte.
„Ich fühle mich geehrt.", bemerkte sie sarkastisch.
Sie hatten ihren Rundgang beendet und waren zurück im Gryffindor Turm.
„Also dann, gute Nacht. James.", verabschiedete sie sich und gebrauchte seinen Vornamen.
„Ja, dir auch, Lily.", sagte er und überraschte sich selbst, weil ihr Name über seine Lippen kam. „Und wenn du irgend welche Ideen haben solltest, du weißt ja jetzt wo mein Schlafsaal ist.", grinsend ging er die Treppen hinauf.
Lily tat so als würde auch sie die Treppen hinauf gehen. Sie hörte eine Türe. James musste in den Schlafsaal gegangen sein. Leise schlich sie zurück zum Fuße der Treppe und versteckte sich im Schatten. Sie ahnte etwas, aber sie wusste noch nicht was. Es dauerte eine Weile und sie hörte wieder Schritte.
James kam fast lautlos die Wendeltreppe hinunter.
Na Klasse. Das gleiche Spiel schon wieder., dachte Lily und presste sich mehr in die Dunkelheit.
James ging zum Portrait und öffnete es.
„Hattest du Erfolg, Padfoot?", sagte er in die Luft.
Ist der verrückt? Warum redet er mit sich selber und wer ist Padfoot?", Lily beobachtete weiter.
„Hab alles was ich wollte, Prongs.", ertönte plötzlich eine Stimme.
Lily zuckte zusammen.
„Wo stehst du?", fragte James nun. „Nimm den Umhang ab."
Und aus dem Nichts heraus stand Sirius mitten im Gemeinschaftsraum. Einen Umhang in der Hand, der silbrig glänzte.
Lily traute ihren Augen einfach nicht. Warum nennen sie sich Prongs und Padfoot? Und wo haben sie den Tarnumhang her, es surrte in ihrem Kopf.
„Sirius, hör zu. Ich hatte noch einen guten Einfall. Wie wäre es, wenn wir noch Schlinglianen und ein Stinktier dazu tun?", James sah ihn erwartungsvoll an.
Lily schnaubte. Dein Einfall. Pha!
„Exzellent!", bestätigte Sirius.
„Wie war überhaupt dein Rundgang mit Lily?", wollte Sirius nun wissen.
„Ja, ganz nett. Am liebsten hätte ich sie in einen Besenschrank gezerrt.", seufzte James.
Lily machte große Augen. Ihr Plan schien zu funktionieren, er vertraute ihr langsam.
„Tztztz! Beherrschung, mein Freund. Beherrschung ist der Schlüssel zu allem!", erklärte Padfoot nun weise.
„Wolltest du schon mal etwas so schlimm das es dir weh tat, wenn es dir immer wieder entwischte?", fragte James.
„Ähm, nein. Nicht wirklich.", überlegte Sirius. „Komm lass uns schlafen gehen. Wir haben morgen viel zutun!", lenkte er nun ab und die beiden schritten die Treppen hinauf.
Lily saß immer noch im Schatten.
James Worte hallten in ihr wieder. Sollte er sie wirklich ernsthaft mögen? Er hätte sie am liebsten in einen Besenschrank gezogen? Er wollte sie so schlimm, dass es schon weh tat?
Langsam erhob sie sich. Ihr fiel ihr Gespräch auf dem Westturm wieder ein. Eigentlich war er sehr nett und gut sah er auch noch aus. Sie fühlte sich hin und her gerissen.
Aber dann fiel ihr der Tarnumhang wieder ein.
Das war was ich gespürt habe. Sirius ist an mir vorbei gegangen. Ich werde die beiden im Auge behalten., schwor sie sich und ging in ihren Schlafsaal.
