„Wie geht euer kleines Projekt voran?", flüsterte Lily Sirius am nächsten Tag in Zaubertränke zu. Sirius ließ etwas zuviel Skarabäusmist in seinen Trank fallen und kleine braune Rauchwolken quollen aus seinem Kessel.
„Was für ein Projekt?", fragte er unschuldig.
„Padfoot!", sie betonte den Namen ausgiebig. „James kann mich einfach nicht anlügen."
Woher kennt sie den Namen, schwirrte es in seinem Kopf.
„Unser Projekt geht gut voran.", erklärte er ihr schlicht.
„Wenn ihr Hilfe braucht, ich bin dabei.", Lily grinste ihn verschwörerisch an. Es war Zeit für die zweite und letzte Phase ihres Komplotts. James Vertrauen zu gewinnen und ihm dann eins auszuwischen.
„Oh, auch noch beide Schulsprecher! Und wieder bist du in meiner Achtung gestiegen!", flüsterte Sirius aus seinem Mundwinkel. Randall war gerade an ihrem Tisch vorbei gegangen.
Nach der Stunde griff sich Sirius James.
„Warum hast du mir nicht gesagt das Evans alles weiß? Und ich nehme an der Vorschlag mit den Schlinglianen und dem Stinktier kommt von ihr.", herrschte er ihn etwas an.
„Beruhig dich, Padfoot.", wehrte James ab.
„Ich kann mich aber momentan nicht beruhigen. James, sie hat mich Padfoot genannt!", sagte Sirius eindringlich. „Wir nennen uns nicht bei den Namen, wenn andere zuhören!"
James sah ihn erschrocken an.
„Sie muss uns irgendwann gehört haben!", stürmte Padfoot weiter. „Wenn sie kein Mädchen wäre, würde ich sie sofort zu einem Marauderer machen. So neugierig und listig wie sie ist.", überlegte er dann irgendwie abwesend.
„Lily hat mir übrigens angeboten uns zu helfen."
„Sie hat was?", James kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Aber das passte hervorragend in seinen Plan.
„Prongs, das ist ganz nützlich. Wenn sie sich irgendwo Sachen holt ist es nicht so auffällig, als wenn wir das machen würden", gab Sirius zu bedenken und so verabredeten sie sich, dass Lily die Schlingpflanzen aus den Gewächshäusern holen sollte.
James und Sirius stürmten sofort zu ihr. Lily überlegte eine Weile, willigte dann aber ein. Sie ging mit Alex zu den Gewächshäusern und kam mit sieben klein gezauberten Töpfen wieder.
„Alex, meinst du, du kannst noch mal Tiger herauf beschwören?", erkundigte sich James nebenbei.
Sie wurde rot.
„Ich weiß nicht.", stammelte sie.
„Ich kann dir dabei helfen, wenn du möchtest.", bot Sirius an.
„Oh. Ähm, ja. Danke.", brachte Alex gerade so heraus.
Lily hatte Alex eingeweiht, aber nicht nur in den Streich, den James und Sirius planten, sondern auch in ihren eigenen. Sie wusste wie viel Spaß Alex dabei haben würde. Sirius und James schienen nichts dagegen zu haben, verboten aber es Ellen und Lorrain zu erzählen.
„Zu viele Mitwisser sind nicht gut! Da kann sich immer jemand verplappern.", hatten sie die beiden beschworen.
Alex sollte später am Abend mit Sirius versuchen Tiere herauf zu beschwören und James und Lily wollten die unscheinbare Holzkiste mit Erde, Wasser und Pflanzen füllen.
„Wie lange wird es dauern die Kiste mit Wasser zu füllen?", fragte Lily James. Sie lehnte an einer Wand im Mädchenklo der Maulenden Myrthe.
„Keine Ahnung. Es wird schon etwas dauern.", antwortete er ihr und bespritze sie mit Wasser.
„Hey, hör auf damit!", rief sie.
„Mit was?", und wieder flogen Wassertropfen in Lilys Gesicht.
„Bitte! Wie du willst!", sie tauchte ihre Hände unter das laufende Wasser und James bekam eine volle Ladung ins Gesicht.
„Na warte!", lachte er und tat das Gleiche mit ihr.
Auf einmal war die größte Wasserschlacht im Gange. Jetzt hatten sie ihre Zauberstäbe gezogen und schossen Wasserstrahlen nach einander.
„Oh, Lily. Du hast mir Wasser in die Nase geschossen!", beschwerte sich James. Lily bog sich vor Lachen.
„OOOHHHH.", jaulte plötzlich jemand auf. „Wie könnt ihr nur so taktlos sein und euch hier Vergnügen, während ich alleine und tot in meiner Toilette lebe. UUUUUAAAAAAAAIIIIIIIIII!", schrie die Maulende Myrthe und flog in einen Abfluss.
Lily und James sahen ihr nach.
„Es wird Zeit, dass wir zurück zum Gemeinschaftsraum gehen.", Lily musste immer noch lachen. „Ich muss aus den nassen Sachen raus kommen."
Lily drehte das Wasser zu und schloss die Kiste. Sie traten vorsichtig hinaus auf den Gang.
„Ich möchte nicht wissen was derjenige, der uns so sieht, denkt.", kicherte sie. Die Wasserschlacht mit ihm hatte ihr Spaß gemacht. James sah sie grinsend an.
Sie gingen schweigend die von Fackeln beleuchteten Gänge entlang und erklommen die Treppen. Plötzlich machte Lily ein erschrockenes Geräusch. Gerade, als sie einen neuen Treppenabsatz betreten wollte knackte es und die Treppe schwang in eine andere Richtung.
„James!", rief sie. Er drehte sich blitz schnell um und griff nach ihr. Ihre Zehenspitzen waren auf dem Treppenabsatz, aber ihre Fersen hingen in der Luft. Er hielt sie an ihrem Umhang fest. Die Kiste zog sie nach hinten.
„James, ich kann mich nicht mehr halten!", rief sie fast hysterisch.
„Lass sie Kiste fallen!", verlangte er.
„Aber..", setzte sie an.
„Tu es!", fauchte er und Lily ließ die Kiste los. Augenblicklich stürzte sie nach vorne und landete in James' Armen.
Ein lauter Knall hallte durch das Gemäuer. Beide sahen über die Brüstung. Die Kiste war am Boden zerschellt, dass ganze Wasser quoll heraus und überflutete die Eingangshalle.
Die Treppe stand nun wieder still.
„Ähm, ich glaube, wir sollte jetzt so langsam anfangen mit rennen.", schlug Lily vor und beide wandten sich nicht zu spät um. Mrs. Norris war aus dem Nichts erschienen und betrachtete beide mit ihrem Lampenaugen.
„Lauf schneller, Lily!", rief James ihr zu. Beide hasteten durch die Korridore.
Von fern konnten sie Filch's Stimme hören.
"Wo sind sie?", fragte er knurrend Mrs. Norris.
Sie rannten in einen Teil des Schlosses, der Lily unbekannt vor kam.
„Hier rein!", rief James und schlüpfte durch eine Türe. Er zog sie in die Dunkelheit. Der Raum war klein und so stand James, eng an Lily gepresst, mit dem Rücken zur Wand. Ein beißender Geruch lag in der Luft.
„Was ist das hier?", flüsterte Lily.
„Psst!", machte James. „Sei still!"
Beide lauschten. Sie konnten Schritte hören. Lily versuchte so lautlos wie möglich zu atmen. James stand ganz nah. Hitze ging von ihm aus.
Ich hoffe wir sind nicht im Besenschrank., dachte Lily und fühlte, wie James' Brustkorb hob und sank.
Es war nicht nur ein Paar Füße, das durch die Korridore eilte. Wenn sie die Eingangshalle überflutet hatten, dann musste jetzt alles runter in den Kerker gelaufen sein.
„James?", flüsterte Lily nach einer Weile.
„Ja?"
„Wie lange müssen wir hier drinnen noch bleiben?"
„So lange wie nötig."
Sie schwiegen.
„James?"
„Ja?"
„Sind wir hier im Besenschrank?"
„Nein."
„Wo sind wir dann?"
„Eine Abstellkammer."
Sie verstummten.
„James?"
„Ja?"
„Danke, dass du mich fest gehalten hast!"
„Kein Thema"
„Können wir jetzt gehen?"
„Nein."
„Warum?"
„Sie können immer noch da draußen sein."
Lily horchte angestrengt.
„Lily?"
„Ja?"
„Ich werde dich immer fest halten, wenn du willst!"
„Danke, das ist lieb von dir."
„Bitte. Ich bin immer lieb."
„Du warst vorher noch nie lieb zu mir."
„Du lässt mich ja nicht!"
James sog ihren Duft ein. Genießerisch schloss er die Augen und ließ ihre Gegenwart auf sich wirken.
Lily fühlte sich plötzlich total komisch. Sie erinnerte sich an das kribbelige Gefühl, das sie bei seiner Berührung gespürt hatte und das langsam wieder in ihr hoch kam.
„James?"
„Ja?"
„Wie lieb kannst du sein?
„Oh. Ich kann sehr lieb sein."
„Wirklich?"
„Ja! Wie lieb kannst du sein, Lily?"
„So lieb!"
Sie hob ihre Hand und streichelte über seine Wange. Sie war ganz weich. James hielt ihre Hand fest und küsste die Innenfläche. Eine Gänsehaut jagte über Lilys Rücken und sie rückte noch näher an ihn. Er war so warm und roch so gut. Eine Hand ruhte auf ihrer Hüfte.
James strich ihr Haar beiseite. Das Kribbeln durchfuhr ihren Körper. Nur ein schwacher Lichtschein drang unter der Tür hindurch und beleuchtete ihre Gesichter. Er beugte sich langsam noch vorne und sah in Lilys grüne Augen. Lily blickte in seine Haselnussbraunen, die, in dem spärlichen Licht, fast schwarz aussahen. Ganz vorsichtig kamen sie sich näher.
Ihre Lippen berührten sich erst zaghaft, doch dann schlang Lily ihre Arme um seinen Hals. Ihre Lippen öffneten sich und sie nahmen sich gegenseitig gefangen. James wäre am liebsten in diesem Kuss ertrunken. Lily hatte Schmetterlinge im Bauch. Alles war so vollkommen. Nach einer Weile lösten sie sich von einander.
„Das war..", James versuchte etwas zu sagen, aber Lily stoppte ihn.
„Sag nichts!", hauchte sie und küsste ihn wieder. Der Kuss war fordernder und James gab ihr bereitwillig nach.
„So hatte ich das eigentlich nicht geplant.", hauchte sie, als er über ihren Hals küsste.
„Ich auch nicht.", unterbrach er sein Tun und schaute sie an.
„Eigentlich wollte ich dich später verraten.", sagte sie zwischen zwei feurigen Küssen.
„Willst du mich immer noch verraten?", fragte er sie nach einem langen intensiven Kuss.
„Nein, ich glaube nicht.", sprach sie, noch während sie sich weiter küssten.
Wie lange sie letztendlich dort drinnen gewesen waren wusste später keiner von ihnen, aber als sie endlich ihre Köpfe aus der Türe steckten war alles ruhig.
Sie ‚schwebten' zurück zum Gryffindor Turm.
„Lass es unser Geheimnis bleiben, ja?", fragte James Lily am Fuße der Treppe zu ihrem Schlafsaal.
„Ja.", und sie zog ihn erneut an sich.
„Gute Nacht, Lily.", sprach er etwas später sanft.
„Gute Nacht, James.", und sie hauchte ihm noch einen letzten Kuss auf die Wange, bevor sie sich umdrehte und mit wehenden Haaren verschwand.
James fühlte sich als wäre ein Wirbelsturm in seinem Kopf ausgebrochen. Er konnte es nicht glauben. Er hatte Lily Evans geküsst und nicht nur ein Mal. Sie hatte ihn auch geküsst. Es war der Himmel auf Erden.
James begab sich in seinen Schlafsaal. Alle schliefen schon. Er zog sich leise um und legte sich ins Bett. Diesen Tag würde er für den Rest seines Lebens nie vergessen.
Lily wandelte die Treppen hinauf. Sie schlüpfte in den Schlafsaal und schlich zu ihrem Bett.
„Lily?"
Sie schrak auf.
„Alex?"
„Ja! Wo warst du so lange?", flüsterte sie.
„Ich habe die Kiste fallen lassen und wir haben die Eingangshalle überflutet! Mein Plan ist gescheitert.", berichtete Lily leise. Sie hörte Alex kichern.
„Und dann musstet ihr flüchten? Stimmt's?"
„Ja. Filch hätte uns beinahe erwischt und wir haben uns in einer Abstellkammer versteckt.", erklärte Lily
„Aha!", Alex Stimme war triumphieren.
„Nichts aha.", sagte Lily knapp. „Wie war dein Abend?"
„Nett.", Lily wusste das Alex grinste.
„Wie nett?", verlangte sie nun zu wissen.
„Nur nett.", lachte Alex leise.
„Na gut, das klären wir alles Morgen. OK, Alex?", fragte Lily. „Es ist spät und ich bin total müde."
„OK, Lil! Schlaf gut.", und Alex legte sich wieder hin.
Lily kletterte in ihr Bett. Sie war so glücklich. Sie konnte nicht wirklich begreifen, was gerade in dieser dunklen Abstellkammer passiert war. Wenn mir das jemand vor 2 Jahren gesagt hätte, ich hätte ihn wohl verhext., dachte sie und musste grinsen.
Der nächste Tag hätte nicht besser für Lily anfangen können. Die Sonne schien, sie war gut gelaunt, und früher wach gewesen als alle anderen ,was ziemlich selten vor kam. Und das Wichtigste, sie war verliebt. Eine bessere Kombination hätte es nicht geben können?
„Lil, du strahlst heute Morgen so.", bemerkte Lorrain verwundert. „Ist was passiert?"
„Nein, was soll denn passiert sein? Darf ich nicht mal gute Laune haben?", fragte sie grinsend.
„Mh.", war Lorrain's Antwort und sie kämmte ihre Haare weiter.
Alex sah Lily intensiv an. Diese legte einen Finger an die Lippen und bedeutete ihr still zu sein.
Als sie die Treppen hinunter kamen erblickte Lily Filch in einer Ecke mit einem Mopp. Der Boden glänzte immer noch vor Nässe.
„Was ist denn hier passiert?", fragte Ellen neugierig.
„Jemand hat heute Nacht die Eingangshalle und den Kerker überflutet!", klärte sie eine Ravenclaw auf. „Filch ist schon die ganze Nacht am wischen. So schlecht gelaunt habe ich ihn noch nie gesehen und wann war er schon mal gut drauf!" , und sie entschwebte hinüber zu ihrem Haustisch.
„Wow!", machte Lorrain. „Das finde ich mal eine gute Idee die Kerker unter Wasser zusetzten. Da nehmen die Slytherins endlich mal ein Bad!", und sie murmelte ein paar böse Wörter vor sich hin.
Sie setzten sich an ihren Haustisch. Lily schaute zum Lehrertisch. Die ganzen Professoren hatten die Köpfe zusammen gesteckt. Überlegen bestimmt wer es war., vermutete sie.
„Wie habt ihr es geschafft alles zu überfluten?", flüsterte Sirius James zu. Sie gingen gerade durch die Eingangshalle. Remus und Peter sahen die beiden fragend an.
„Schaut mich nicht so an!", wehrte Sirius ab. „Ich war daran nicht beteiligt!"
„Das verwundert mich jetzt aber sehr!", entgegnete Remus.
„Lily und ich waren es.", gab James endlich zu.
„Wow!", entfuhr es Peter.
„Psst!", machten Remus, Sirius und James.
„Wie?", fragte Remus kurz und James begann alles zu erzählen. Aber was geschehen war, nachdem sie davon gerannt waren ließ er aus.
„Also war es keine Absicht gewesen.", schloss Peter.
„Natürlich nicht!", entgegnete James.
„Prongs, warum habt ihr uns nicht mit eingeweiht?", fragte Moony etwas beleidigt.
Sirius und James sahen ihn etwas betreten an.
„Das mir so was nicht noch einmal vor kommt!", drohte Remus mit dem Zeigefinger.
Sie setzten sich an die lange Tafel.
James schaute hinunter zu Lily. Sie unterhielt sich mit Alex.
Schau zu mir, dachte er.
„Wie war dein Abend?", flüsterte Lily Alex zu.
„Oh, es war echt lustig. Wir haben ein paar Tiere gezaubert und...", sie errötete leicht.
„Und was?", bohrte Lily.
„Ich habe sogar ein Stachelschwein gezaubert das mit seinen Stacheln schießt!", lachte Alex.
Lily sah sie ungläubig an.
„Das war bestimmt nicht das Einzigste!"
„OK!", ergab sich Alex. „Aber wehe du erzählst jemandem etwas!"
„Ich schwöre!"
„Also, das mit dem Stachelschwein stimmt. Wir haben es in den Slytherin Gemeinschaftsraum geschmuggelt. Siri hatte eine alte Karte und wir sind unbemerkt durch das Schloss gekommen. Stell dir vor, er wusste sogar das Passwort der Slytherins.", erzählte Alex hell auf begeistert.
„Wie interessant!", Lily zog die Augenbrauen nach oben.
Alex sprach weiter. „Niemand hat uns gesehen. Ich weiß nicht genau was Siri noch gemacht hat, aber ich sollte die Augen zu machen und er hat etwas über uns geworfen. Niemand sah uns! Kannst du dir das vorstellen? Ein Slytherin stand genau vor uns!"
„Wirklich?", Lily war milde überrascht.
„Wir haben das Stachelschwein hinter einem Sessel frei gelassen und es in den Gemeinschaftsraum geschoben. Es hat gleich angefangen zu schießen.", lachte Alex nun. „Du hättest die Gesichter sehen müssen! Alle versuchten zu flüchten. Die eine Slytherin, die wir so hassen. Sie nennen sie Bella, bekam genau einen Stachel hier hin!", und Alex zeigte auf ihre recht Pobacke.
Lily fing an mit lachen. „Geschieht ihr recht!", sagte sie gehässig.
„Und dann sind wir wieder zu unserem Gemeinschaftsraum gegangen.", schloss Alex.
„Das war wirklich alles?", bohrte Lily weiter.
„Nein.", Alex' Augen leuchteten verschwörerisch.
„Und? Mach es nicht so spannend!", flüsterte Lily eindringlich.
„Sirius hat mich gefragt, ob ich das wieder mit ihm machen will!", nuschelte Alex. „Aber sei ja still!"
„Das ist alles?", fragte Lily ungläubig.
„Ja, was hast du denn erwartet?", überrascht sah Alex sie an.
„Ach nichts."
Ein breites Grinsen umspielte Lilys Mund.
Lorrain und Ellen hatten von alldem nichts mit bekommen, sie waren zu sehr damit beschäftigt zu überlegen wer alles überflutet hatte.
Lily sah den Tisch hinauf. Da saß er. Ihr Herz klopfte schneller. Wie gerne wäre sie jetzt zu ihm gegangen und hätte ihm einen Kuss gegeben. James schaute zu ihr. Sie lächelte ihn an. Er lächelte zurück.
„Prongs? Seit wann lächelt dir Lily über zig Köpfe beim Frühstück zu?", fragte Remus sehr interessiert.
James schreckte herum.„Hä? Nein, da hast du falsch geguckt, Moony.", antwortete er selbstsicher. Ein misstrauischer Blick traf ihn.
Da ist doch was im Busch, vermutete Remus. Warum wollte Lily ihm helfen einen Streich zu planen?
„Padfoot?"
„Ja?", mampfte Sirius
„Was überlegen wir uns als nächstes, denn wir haben ja stattdessen die Eingangshalle überflutet."
„Ah ah. Nicht wir. Die Schulsprecher!", antwortete dieser prompt.
„OK, dann halt DIE Schulsprecher!", äffte James. „Also, schon eine Idee?"
„Öhm, nö. Nicht wirklich.", mampfte Sirius weiter.
Die anderen sahen ihn geschockt an!
„Hey, ich esse gerade. Ich kann mein geniales Gehirn nicht gleichzeitig beanspruchen.". verteidigte sich Sirius.
„Also, das erklärt so einiges!", bemerkte Remus sarkastisch.
Sirius funkelte ihn böse an. „Außerdem habe ich ihnen gestern Nacht schon einiges heim gezahlt."
„Wie?", fragten die anderen Drei überrascht.
Sirius fing an mit lachen.
„Alex ist so genial im heraufbeschwören von Tieren!"
„Was hat das mit Alex zu tun?", Remus und Peter waren verwirrt.
„Erklären wir später.", antwortete James. „Erzähl weiter!"
„Nun ja, sie hat ein Stachelschwein gezaubert, das mit seinen Stacheln schießt.", Sirius rieb sich unbewusst die linke Schulter.
„Wir haben es in den Gemeinschaftsraum der Slytherins geschmuggelt und da hat es los gelegt.", grinste Padfoot ziemlich fies. „Ob sie es gefangen haben weiß ich nicht."
„Wie seid ihr da runter gekommen? Jeder hätte euch sehen können.", wollte Remus wissen.
„Nicht, wenn man eine Karte und einen Umhang hat!", erklärte Sirius triumphierend.
James rieb sich mit beiden Zeigefingern an den Schläfen, um Beherrschung ringend. „Sagst du uns gerade damit, dass Alex von der Karte und dem Umhang weiß!"
„Macht euch keine Sorgen. Alex hat keine Ahnung. Sie war aufgeregt wie ein kleines Schulkind und denkt bestimmt gar nicht darüber nach.", beschwichtigte Sirius seine Freunde.
„Und was ist, wenn sie es Lily erzählt?", fragte James eindringlich. „Du weißt wie Mädchen sind!"
„Ui.", Sirius verzog das Gesicht.
„Ja, ui! Du bist vielleicht ein Troll!", Remus gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
„Na ja, ich werde das schon alles wieder hin biegen, wenn Lily mich fragen sollte.", versicherte James.
„Wie?", wollte Moony nun wissen und wunderte sich, dass Lilys Name so leicht über James Lippen kam.
„Das lass meine Sorge sein.", lächelte er.
Wieder traf ihn ein misstrauischer Blick.
„Mr. Black!", Professor McGonagall war unbemerkt hinter sie getreten.
Sirius drehte sich langsam um und versuchte so unschuldig wie möglich auszusehen.
„Folgen sie mir!", und sie schritt davon.
„Sie quetscht dich bestimmt aus!", flüsterte Peter.
Sirius erhob sich und eilte ihr nach.
„Sie macht ihn bestimmt für alles verantwortlich.", überlegte Remus.
„Kann sie doch gar nicht!", Alex und Lily waren herüber geeilt.
James fühlte ein Kribbeln in seinem Bauch als Lily sich neben ihm platzierte.
„McGonagall will ihn nur ausquetschen.", erklärte Lily.
„Das habe ich eben schon gesagt!", triumphierte Peter.
„Außerdem kann ihm Alex ein Alibi liefern.", erzählte sie weiter.
„McGonagall kann nichts machen.", ergänzte Alex zuversichtlich.
„Im übrigen, Gratulation zum ersten Streich!", lachte Remus.
Lily lächelte beschämt. „Na ja, das war eher ein Missgeschick, als Absicht."
„Trotzdem!", entgegnete James nun. „Ich denke Sirius ist sauer auf sich, weil ihm das nicht eingefallen ist." Er strich unbemerkt über Lilys Hand.
Die Glocke läutete und alle Schüler verließen fluchtartig die Große Halle.
„Ich werde das Gefühl nicht los das etwas mit Lily los ist.", flüsterte Ellen zu Lorrain.
„Ja, ich habe sie heute Früh schon mal gefragt was denn los sei. Aber sie meinte nur, sie hätte gute Laune.", berichtete Lorrain. „Sie muss schon wirklich gute Laune haben, wenn sie sich freiwillig neben Potter setzt!"
Als sie sich in Professor Flitwicks Klasse eingefunden hatten war Sirius noch nicht da.
Der kleine Professor stand wie üblich auf seinem Bücherstapel.
„Heute werden wir einen Unsichtbarkeitszauber üben.", erklärte er ihnen. „Sie können alles unsichtbar machen, je größer die Objekte, desto schwieriger.", um Verständnis suchend blickte er umher. Alle sahen ihn gespannt an.
Eine Vase stand vor ihm. Der Professor wedelte umständlich mit seinem kleinen Zauberstab umher und sagte „Abscondo", tippte leicht dagegen und plötzlich war die Vase weg.
Perfekt, dachte Lily. Genau der richtige Zauberspruch zur richtigen Zeit!
Das sah alles leichter aus als es war. Die Handbewegung, die Professor Flitwick so einfach vorgeführt hatte verursachte bei manchem das ausrenken der Gelenke. Es war irgendwie ein Notenschlüssel mit vielen Schnörkeln.
Lorrain fuchtelte mit ihrem Zauberstab umher.
„Abolech. Äh, nein. Ablo. Ach, nein. Aboleo!", rief sie zornig. Ein gelber Blitz schoss aus ihrem Zauberstab und traf das Glas vor ihr. Es zersprang in tausend Stücke. Alex, Ellen und Lily waren unter dem Tisch abgetaucht, wie alle anderen auch. Professor Flitwick war von seinem Bücherstapel gefallen.
Lorrain hatte die Arme instinktiv vors Gesicht gehalten. Sie spürte etwas warmes auf ihren Wangen. Es brannte an ihren Unterarmen.
„Beim Barte Merlins. Sie muss sofort in den Krankenflügel.", sprach jemand. Sie hörte jemanden hinter sich und spürte Hände auf ihrer Schulter.
„Steh auf Lorrain, ich bring dich zum Krankenflügel."
„Ja, tun sie das Mr. Lupin.", quiekte Flitwick. Lorrain hielt immer noch die Arme vor ihrem Gesicht, aber jeder konnte ein kleines Rinnsaal Blut über ihre Wangen laufen sehen.
Remus führte sie aus dem Raum. Der Professor blickte ihnen besorgt nach.
„Miss Hawkins war wohl doch etwas zu übereifrig. Nicht vergessen. ‚Abscondo'!"
Nach diesem Zwischenfall überlegte jeder Zweimal was er sagte. Lily machte sich Sorgen, schaffte es aber am Ende der Stunde ihr Glas verschwinden zu lassen.
Sie war bereit größere Dinge unsichtbar zu machen.
Vielleicht sogar sich selber!
