Kapitel 12- Der Troll, der Kater und der Werwolf
Lily schlug die Augen auf und verspürte sofort einen Schmerz tief hinten in ihrem Kopf. Augenblicklich schloss sie, sie wieder.
Beim Merlin! Was war das für Kribbelsekt! Der muss ja Jahrhunderte alt gewesen sein! Schwerfällig drehte sie sich und wollte ihr Kissen zurecht knautschen. Aber da war kein Kissen. Sie fühlte, mit geschlossenen Augen, umher. Plötzlich stoppte Lily. Sie war sich absolut sicher, dass sich ihr Kissen in ihrem Himmelbett nicht wie ein Oberschenkel anfühlte! Vorsichtig öffnete sie ein Auge und zog schnell ihre Hand zurück, als sie bemerkte, wo ihre Finger lagen.
James Kopf lag auf der Armlehne, seine Augen waren geschlossen und er atmete tief.
Lily sah auf ihre Uhr. Es war halb 8 Uhr früh! Sie mussten unbedingt zurück in ihre Schlafsäle, bevor die anderen ihr ausbleiben mit bekamen. Wenn sie das nicht schon hatten!
„James!", sie hatte sich langsam aufgesetzt und versuchte ihn nun zu wecken.
„Mh.", murmelte er im Halbschlaf.
„Wir müssen zurück, bevor es die anderen merken."
„Mh."
„Komm schon!"
„Ja, gleich Mom!", nuschelte er.
Lily sah ihn amüsiert an.
„James, McGonagall sagt das du aus dem Quidditch Team fliegst!", flüsterte sie ihm ganz sanft ins Ohr.
„WAS?", er richtete sich blitzschnell auf und stieß mit Lily zusammen.
„AU!"
„Was hast du gesagt?", James rieb sich den Kopf.
„Ich habe nur Spaß gemacht.", Lily presste ihre Hände auf die Augen.
„Mach das ja nie wieder!", tadelte er sie.
„Keine Bange! Ich fühl mich als würde ich sterben.", seufzte Lily.
„Wie viel habt ihr denn getrunken?", fragte James belustigt.
„Ich glaube nach dem fünften Kelch bin ich gegangen!", überlegte sie.
„Nach dem fünften? Mich wundert es, dass du noch hier her gefunden hast!"
„War ich anständig?", fragte Lily plötzlich.
„Nein, als ich in den Raum kam hast du dich sofort auf mich gestürzt und mir die Kleider vom Leib gerissen!", lachte er. „Und das eben war auch nicht anständig von dir."
„Du warst schon wach? Das war nicht mit Absicht!", sie gab ihm einen Klaps auf die Schulter.
„Schade.", antwortete er und sie zog eine Augenbraue hoch. „Aber ich war anständig und habe dich zu gedeckt.", sagte James schnell.
„Na wenigstens etwas!", langsam stand sie auf.
„Wo willst du hin?", fragte er.
„Wir müssen unbemerkt in die Schlafsäle zurück kommen. Es ist halb 8!", wies sie auf ihre Uhr.
„Na worauf wartest du noch!", auf einmal war er auf den Beinen.
Vorsichtig gingen sie die Korridore entlang. Ihre Schritte hallten von den Wänden wider. Sie bogen gerade um eine Ecke als plötzlich Professor Dumbledore vor ihnen stand.
„Guten Morgen, Professor Dumbledore!", grüßten beide höflich.
„Ah, so früh schon auf den Beinen Mr. Potter?", fragte er milde überrascht.
„Ja Professor, wir wollten nur sicher gehen das alles ruhig ist.", James wurde plötzlich bewusst was er gerade für eine dumme Antwort gegeben hatte.
„Gegen halb 8 in der Früh?", Dumbledores Augenbrauen hoben sich einen Millimeter vor erstaunen.
„Äh, ja.", antwortete Lily nun. „Wir haben einen Tipp bekommen, dass ein paar Ravenclaws Stinkbomben in den Gängen versteckt haben."
„Mh, also dann, fahrt fort ihr beiden.", und er verschwand hinter der nächsten Ecke.
„Er weiß bestimmt, dass das eine Ausrede war. Da bin ich mir sicher.", sagte Lily nach ein paar Sekunden.
„Woher?", wollte James wissen, denn er war über Lilys schnelle Reaktion mehr als überrascht.
„Keine Ahnung, Dumbledore weiß einfach alles!", begründete sie.
„Wenn du es sagst.", Prongs zuckte mit den Schultern. „Aber nun komm, bevor uns noch jemand begegnet!", und er schleifte sie die nächsten Treppen hinauf.
Im Gemeinschaftsraum verabschiedeten sie sich von einander.
Lily schenkte ihm noch einen Luftkuss. Er fing ihn gespielt auf und verschwand.
Wenn das mal gut geht, dachte sich Lily, als sie die Türe öffnete.
Eine riesige leere Sektflasche lag auf dem Boden. Lorrain gleich neben ihr. Alex' Kopf lag auf ihrem Bett, doch ihr restlicher Körper hockte vor dem Himmelbett. Ellen lag vollständig in ihrem Bett, eine Hand weg gestreckt und mit der anderen immer noch den Kelch haltend.
Was haben die denn noch für ein Gelage gemacht, Lily öffnete ein Fenster und kalte Luft strömte hinein.
Bedächtig schritt sie über Lorrain. Sie konnte sie nicht einfach so liegen lassen und warf ihr eine Decke über. Sie hievte Alex vollständig ins Bett und nahm Ellen den Kelch aus der Hand, bevor sie selber in ihr Bett kletterte. Für einen Moment fühlte sie einen kalten Luftzug auf ihrem Gesicht und dann war alles dunkel.
Oh, gut. Sie schlafen noch., James schlich zu seinem Bett und zog sich leise um. Er rückte gerade seine Zudecke zurecht als...!
„Du bist ja schon wach, Prongs!", gähnte Sirius ihn an.
„Ich war nur für mächtige Zauberer und jetzt möchte ich wieder weiter schlafen.", antwortete dieser. Wie er es hasste, besonders Sirius etwas vor zu lügen.
James seufzte. Ich muss es einfach jemandem sagen!
„Padfoot, ich muss dir was erzählen. Du musst mir aber bei deiner Marauderer Ehre schwören, dass du es niemandem erzählst."
Sirius setzte sich auf. Das hörte sich Ernst an.
„OK, sprich!"
„Also gut.", James atmete tief durch. „Ich habe mich heute Nacht mit einem Mädchen getroffen."
Padfoot entgleisten alle Gesichtszüge.
„Lass mich bitte raten.", flehte er. „Fängt sie mit ‚Li' an und hört mit ‚ly' auf?"
James nickt.
„Wie lange schon!", erkundigte sich Sirius neugierig.
„Zirka 3 oder 4 Wochen!", überlegte Prongs.
„Also war Moony absolut auf der richtigen Fährte!", sinnierte Sirius. „Also hat dein Plan funktioniert!"
„Nein, nicht wirklich. Es kam nur dazu, weil Lilys Plan auch nicht geklappt hat!", er grinste.
„Was hatte Lily denn für ein Plan?", wollte sein bester Freund wissen und so erzählte James alles, was sich an dem Abend zugetragen hatte.
„Du alter Lügner!", war das Einzigste, was Padfoot dazu sagte.
James grinste nur.
Lily erwachte später. Es musste gegen Mittag sein. Sie schaute umher. Alle waren genau dort, wo sie, sie gelassen hatte.
Das muss ja echt schlimm gewesen sein!
Sie stand auf und ging ins Bad. Kurze Zeit später lief warmes Wasser über ihr Gesicht. Das tut gut, und sie ließ sich so lange berieseln bis sie schrumplige Hände bekam.
Lily hörte ihren Magen grummeln und entschloss sich alleine zum Lunch zu gehen.
In der Großen Halle erblickte sie James und die anderen. Ohne groß nach zudenken setzte sie sich zu ihnen.
„Morgen!", grüßte sie, sie.
„Hallo junge Hexe!", Sirius lächelte. „Wo sind die anderen?"
„Schlafen noch!", antwortete Lily kurz und lenkte eine Gabel voll Kartoffelbrei in ihren Mund.
„Ihr habt doch nicht die ganze Flasche getrunken, oder?", erkundigte sich Remus und wunderte sich, warum Lily bei ihnen saß. Speziell neben James.
„Ähm, doch.", gab sie zu.
Sirius fielen bald die Augen aus dem Kopf.
„Das war eine 5 Liter Magnum Flasche Kribbelsekt!", rief er ungläubig.
„Ja, muss ziemlich alt gewesen sein, oder? Er war echt stark.", überlegte Lily. „Die anderen werden bestimmt einen Kater haben!"
„Wo haben sie die ganzen Kater auf einmal her? Vertragen die sich überhaupt auf so engem Raum in eurem Schlafsaal?", wollte Peter wissen. Auch die anderen sahen sie fragend an.
„Äh., das ist ein Muggelspruch!", Lily wusste gar nicht was sie darauf antworten sollte. „Das soll heißen, dass sie Kopfschmerzen haben werden und sich elend fühlen.", erklärte sie dann einfach.
„Ach so! Dann sag doch gleich, dass sie der Troll erschlagen hat.", schnappte Sirius.
„OK. Dann eben das.", Lily rollte mit den Augen.
James sah sie liebevoll an.
„Habt ihr euch eigentlich schon was neues überlegt?", fragte Lily nach einer Weile.
„Mh, noch nicht.", Sirius blickte betrübt drein. „Ich bekomme ja nicht die übliche Unterstützung von James. Er hat ja andere Dinge zu tun."
James räusperte sich etwas auffällig.
„Aber das ist schon OK.", sprach Sirius schnell weiter.
„Aha, na ja. Ihr wisst ja, dass ich wieder dabei bin.", lächelte Lily und meinte es diesmal ohne Hintergedanken.
Die anderen nickten.
Als Lily wieder in den Schlafsaal kam rollte Ellen gerade zur Seite. Ihre Augen waren zu Schlitzen verengt und sie krächzte Lily etwas entgegen.
„Was?", fragte Lily und trat näher an sie heran.
„Kannst du die Vorhänge zu ziehen?", flüsterte Ellen zaghaft.
Lily lachte auf und verdunkelte den Raum.
„Doch schon wach?"
Ellen sagte einfach nichts. Sie lag nur da.
„Brauchst du was?", fragte Lily etwas besorgt.
Ellen schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Na ja, du solltest noch etwas ruhen und wenigstens ein Apfel wäre nicht schlecht!", wurde sie beraten. Ellen wehrte sich nicht. Das wäre über ihre Fähigkeiten hinaus gegangen.
Lily zauberte 3 Äpfel aus ihrem Umhang hervor und einen reichte sie dem Häufchen Elend. Dann weckte sie Lorrain auf und führt sie zu ihrem Bett. Alex schlief noch immer seelenruhig.
An diesem Tag überlegte Lily wohl lieber Heilerin zu werden, verwarf aber diesen Gedanken rasch, als sich Lorrain auf dem Weg zum Bad erbrach.
Am Abend überwachte sie die anderen, bis sie sich entschloss ein Bad zu nehmen.
Lily wollte James Bescheid sagen, dass sie im Bad der Schulsprecher war. Doch er war nicht im Gemeinschaftsraum und so ging sie die Treppe zu den Jungenschlafsälen hinauf. Zaghaft klopfte sie an die Türe. Keine Antwort. Vorsichtig öffnete sie die Türe. Niemand war im Raum. Wo steckt er wieder, grübelte sie. Und dann fiel es ihr wieder ein. Vor zwei Monaten war er in der Peitschenden Weide verschwunden! Lily musste sich vergewissern. Aber wie? Sie musste sich verbergen. Und Lily wusste auch wie. Sie trat vor einen Spiegel und zückte ihren Zauberstab.
Konzentrieren. Konzentriere dich Lily, ermutigte sie sich.
„Abscondo!", rief sie und tippte sich auf den Kopf. Ein paar Sekunden verstrichen. Nichts.
„Abscondo!", sagte sie erneut. Sie sah immer noch ihr Spiegelbild.
Konzentrier dich. Zum Troll noch mal! Das ist wichtig, verfluchte Lily sich selbst.
„ABSCONDO!", und presste ihren Zauberstab an ihre Schläfe. Und plötzlich, da war es. Ein warmer, kribbelnder Schleier überzog ihren Körper. Lily sah aufgeregt in den Spiegel. Nichts war zu sehen. Sie winkte umher, machte Fratzen. Nichts war zu erkennen. Das war ihre Chance und stürmte aus dem Raum. Schüler schrieen auf als sie durch den Gemeinschaftsraum rannte und einige Leute anrempelte und Pergamente von Tischen warf. Die Korridore waren verlassen, nicht einmal Mrs. Norris begegnete ihr. Es war kalt auf den Schlossgründen. Nebel lag dicht über dem Boden und der Mond hing hell und voll am Himmel.
„Immobilus!" rief sie der Peitschenden Weide entgegen. Lily besah sich den Stamm und entdeckte eine Öffnung. Vorsichtig kletterte sie hinein. Ein Gang lag vor ihr. Kalt und unfreundlich.
„Lumos.", flüsterte sie. Langsam schritt sie vorwärts. Ihr kam es vor wie eine Ewigkeit. Die Kälte kroch ihre Knöchel hinauf, ihr Atem schien ihr viel zu laut. Plötzlich stand sie vor einer Türe. Ein Quietschen ertönte, als sie, sie auf schob.
Lily stand in einem Flur. Spärlich eingerichtet waren die nächsten Zimmer, die sie durchsuchte. Auf einem Tisch lag ein großes Pergament und daneben ein silbriges Tuch. Das ist die Karte und der Tarnumhang, staunte sie. Die Stufen knarrten, als sie nach oben stieg. Nur ein Zimmer befand sich im oberen Stock. Es war verwüstet. Stühle zerschmettert, Kratzspuren, ein Kopfkissen lag zerstreut auf dem Boden und Fellknäule rundeten das Gesamtbild ab.
Was geht hier nur vor? Und wo bin ich?
Auf ein Mal hörte sie Stimmen und erstarrte.
„Warum musste sich Moony auch mit einem Zentauren anlegen!", hörte Lily Sirius sagen.
Zentauren? Moony? Wer ist Moony, in ihrem Kopf raste es.
Lily vernahm Schritte. Schnell eilte sie in eine Ecke.
Die Tür ging auf. James und Sirius stürzten hinein. Sie trugen etwas. Auf den ersten Blick ein Haufen grauen Fells, aber als sie ihre Bürde auf das Bett legten schoss Adrenalin in Lilys Körper. Sie war gut in Verteidigung gegen die dunklen Künste und sie kannte alle Geschöpfe der Nacht.
„Der Huf hat ihn böse an der Schläfe erwischt. Er wird wohl bis morgen außer Gefecht sein!", begutachtete James eine Stelle unter dem Ohr des Werwolfes.
Er fässt ihn an, Lily zitterte am ganzen Köper. Wenn das Biest jetzt aufwacht! Sie unterdrückte das Verlangen vor zu springen und James' Hand weg zu schlagen. Er durfte nicht wissen das sie hier war. Was würde er von ihr denken.
„Wenn das mal keinen blauen Fleck gibt!", Sirius beugte sich zu James herüber.
„Er ist zäh. Moony hat bis jetzt alles überstanden. Ein Tritt von einem Zentaurenhuf wird er schon überleben.", Prongs streichelte über das Fell. „Lass uns gehen. Peter wartet.", und sie drehten sich zum gehen. Lily machte eine winzige Bewegung und die Bretter unter ihren Füßen knarrten.
„Was war das?", Sirius war stehen geblieben. James lauschte gespannt.
„Wir sind hier in der Heulenden Hütte. Hier knarrt immer etwas. Nun komm schon!"
Lily wartete noch eine Weile bis alles wieder still war.
Langsam schritt sie auf das Bett zu. Eigentlich ein schönes Tier, wenn man nicht gerade daran dachte das es einen Menschen mit einem Biss töten konnte. Auf einmal geschah etwas. Das Fell verschwand. Die Ohren wurden klein und die Schnauze bildete sich zurück. Krallen wurden zu Händen und Füßen.
Lily stand einfach der Mund offen. Da lag Remus! Schlafend, oder eher bewusstlos. Er hatte eine böse Wunde am Kopf.
Sie war so aufgeregt das ihr schon schlecht war.
Deswegen ist er so oft krank! Bei Vollmond! Er ist ein Werwolf! Beim Merlin. Warum bin überhaupt hier her gegangen!
Plötzlich bewegte er sich und sie zuckte zurück. Lily wagte keinen zweiten Versuch und schlich die Treppe hinunter und in den Gang.
Das muss ich erst einmal verarbeiten, dachte sie mit schnell schlagendem Herz.
