Kapitel 15- Die erste Begegnung
„Oh, James. Du wieder!", tadelte sie ihren Sohn, ließ von ihm ab und drückte Sirius an sich. „Hallo Ophelia!", begrüßte er sie.
Lily stand da, wie bestellt und nicht abgeholt. „Ähm, Mom. Das ist Lily Evans. Lily, das ist meine Mutter Ophelia Potter.", stellte James vor." Lily streckte ihre Rechte aus. „Ach James, stell mich nicht immer so geschwollen vor.", rügte seine Mutter und nahm Lilys Hand. „Hallo!", brachte Lily hervor. „Hallo Lily! Es freut mich dich endlich kennen zulernen.", James Mutter lächelte sie an. „Na los, kommt. Ich glaube ich habe nicht richtig geparkt.", drängte Ophelia und die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung.
Vor Kings Cross steuerten sie auf einen dunkelroten Mini Cooper zu. „Äh, passen wir da auch alle rein? Inklusive Koffern?", Lily schien sehr verwirrt. „Natürlich!", versicherte Mrs. Potter.
Kurze Zeit später saßen sie alle samt in dem kleinen Auto. Von außen erschien es winzig, aber von innen war es gigantisch. Lily streckte ihre Füße von sich. Wie konnte sie nur Minuten vorher zweifeln, dass sie nicht genug Platz haben würden. Zauberer!
„Und auf geht's!", Ophelia warf den Gang ein und es ging los. Das kleine Auto quälte sich durch die dicht befahrenen Straßen von London. Welch ein Abenteuer! Lily schwor sich nie wieder mit einem Zauberer oder einer Hexe in einem Auto zu fahren, bzw. den Zauberer oder die Hexe fahren zu lassen. Mrs. Potter schien sehr aufgeschlossen gegenüber den Gesten der anderen Autofahrer, bis James ein ermahnendes „Mom!" von sich gab. Zirka eine Stunde später fuhren sie in eine Einfahrt.
Das Haus lag im dunkeln und Lily wusste nicht was sie erwartete. War es ein großes oder ein kleines Haus? Ihre Koffer schwebten hinter ihnen durch die Türe. Lily stockte der Atem. Eine große Eingangshalle eröffnete sich vor ihr. Ein spiegelblanker Marmorfußboden blitzte im Schein des Kronleuchters. Mrs. Potter legte den Autoschlüssel auf einen kleinen Tisch. „Schuhe bitte aus!", ermahnte sie. Wie meine Mutter., lächelte Lily in sich hinein. Sie hatte einen kalten Boden erwartet, aber er war angenehm warm. „Wir haben eine heiße Quelle unter dem Haus.", las Ophelia ihre Gedanken. „Und was macht ihr im Sommer?", fragte Lily neugierig? „Na dann stellen wir sie ab.", sagte James, als wäre es das normalste von der Welt. „Aha, wie dumm von mir.", bemerkte Lily ironisch. „Es ist Zeit fürs Abendessen!", erklärte Mrs. Potter heiter. „James, zeig Lily bitte ihr Zimmer. Sirius, du kennst dich ja aus. Und dann kommt bitte ins Esszimmer." Sie verschwand. „Na dann mal los!", sagte James und sein Koffer schwebte die Treppe hinauf.
Lily fand das Haus einfach traumhaft. Jeder Raum hatte eine andere Farbe. Der Flur war in einem leichten Apricot gehalten. Gold umrahmte Bilder hingen an den Wänden und zeigten Landschaften sowie Menschen die ihnen freundlich zuwinkten. „Im ersten Stock sind die Gästezimmer.", berichtete James und öffnete eine Tür. „Das ist deins!" Lily trat ein. Wow, durchfuhr es sie. Ein großes Himmelbett stand ihr gegenüber. Die Möbel waren antik, so wie es aussah, und geschmackvoll arrangiert. „Fühl dich wie daheim!", frohlockte James. „Das Bad ist gleich neben deinem Zimmer." erklärte er. „Und mein Zimmer ist im zweiten Stock, gleich über deinem.", fügte James flüsternd hinzu. Abschätzend sah Lily ihn an. Er lächelte ihr zu. „Das Esszimmer ist vom Flur aus gesehen auf der rechten Seite.", ergänzte James. „Wir sehen uns beim Essen.", und er drückte ihr eine Kuss auf die Lippen. Sirius atmete tief ein.
Prongs und Padfoot erklommen den zweiten Stock. „Sirius, wenn du ein Problem hast, dann sag es mir!", fing James plötzlich an. „Ich habe kein Problem." „Natürlich, deswegen hast du auch so tief eingeatmet als ich Lily einen Kuss gegeben habe.", bemerkte Prongs. „Es ist nichts, O.K.?", antwortete Sirius schnippisch. „Na gut, wenn du es sagst.", und James öffnete eine Tür. Sirius schlurfte nur ein paar Schritte weiter. Polternd stieß er die Türe auf. Wer weiß, was er wieder hat. Gegen Weihnachten ist er immer so mürrisch., überlegte Prongs.
Das Abendessen erwies sich als ziemlich lecker und sehr unterhaltsam. Die Vier saßen an einem Tisch aus grünem Marmor. Kerzenlicht erhellte den Raum und leichte Musik erklang im Hintergrund. Jeder hatte ein Glas Wein vor sich stehen und so wurde auf Weihnachten und zauberhafte Ferien getrunken. Lily hatte schon lange nicht mehr so viel gelacht. Und als Mrs. Potter anfing einige Geschichten von Sirius und James zu erzählen war es ganz um sie geschehen. Die beiden Betroffenen fanden es hingegen gar nicht witzig, dass über sie gespottet wurde.
„Mom, musste das sein?", fragte James seine Mutter als er eine Schüssel in die Küche trug. „Was meinst du?", scheinheilig blinzelte sie ihn an. „Die Geschichte mit Opas Zauberstab ging ja noch, aber musstest du ausgerechnet die Babygeschichten raus holen und Sirius und meine erste Bestrafung erzählen?" „Ach Jamie,", sprach ihn Ophelia mit seinem Spitznamen an. „Später wirst du darüber lachen und diese Geschichten sogar selber erzählen!" „Deine Worte in Merlins Ohr!", konterte er. „Wann kommt Dad eigentlich heim?", lenkte James ab. „Heute Nacht, er hat Bereitschaft.", sie seufzte laut. „Hat Lily eigentlich was für den Silvesterball mit genommen?", wollte Ophelia wissen.
James stockte der Atem. Der Silvesterball, schoss es ihm durch den Kopf! Seine Mutter sah ihn erwartend an. „Man könnte denken, du bist der Vergessenszauber höchst persönlich!", tadelte sie ihn. Er machte ein verstimmtes Gesicht.
„Was machst du denn für ein Gesicht?", fragte Lily, die mit ein paar Tellern beladen in die Küche kam. Ihre Wangen waren immer noch errötet vom Lachen. „Ich habe vergessen dir zu sagen, dass wir jedes Jahr einen Silvesterball abhalten.", erklärte James. „Du hast nicht zufällig ein Kleid dabei?" Lily grübelte etwas. „Nein, nicht das ich wüsste.", schloss sie. „Ein Grund mehr morgen in die Winkelgasse zu gehen.", sagte Ophelia freudestrahlend. Und so schien es abgemacht. Lily, James und Sirius sollten am nächsten Tag noch ein paar Besorgungen machen.
Der Abend war noch sehr unterhaltsam, aber gegen 11 Uhr begaben sich alle zu Bett. Der nächste Tag würde stressig werden. „Gute Nacht, Lily!" James und Lily standen vor ihrem Zimmer. „Gute Nacht, James!", und sie küssten sich lange. „Nicht vergessen, mein Zimmer ist gleich über deinem.", lachte er verschmitzt. „Du wieder!", Lily verschwand in ihrem Zimmer.
Lächelnd machte James den Weg zu seinem Zimmer.
Lily zog die Decke bis zu Nasenspitze. Sie fühlte sich in dem großen Himmelbett total verloren. Meine gesamte Familie hätte darin Platz. Ein Halbmond hing am Himmel. Sie betrachtete ihn noch eine Weile und musste unweigerlich an Remus denken. Armer Kerl, bald ist es wieder soweit.
„Lily, es ist Zeit zum aufstehen!", sagte eine sanfte Stimme die ihr erst unbekannt vorkam. Sie brauchte einige Sekunde um sich zu erinnern wo sie war. „Guten Morgen Mrs. Potter.", Lily schlug die Augen auf. Ein Lächeln begrüßte sie. „Mach schnell, Jamie und Siri sind schon lange wach." „Jamie und Siri?", grinste Lily fies. Ophelia lachte auf.. „Ja, süß. Nicht wahr?"
Lily zog sich so schnell wie möglich um und eilte in die Küche. Es duftete schon wieder herrlich und Lily stellte sich vor, am Ende der Ferien, dick wie eine Weihnachtsgans auszusehen. „Guten Morgen," begrüßte sie die anderen. „Morgen.", grummelten Sirius und James. „Ignorier die beiden Morgentrolle. Das wird sich nie ändern!", resignierte Mrs. Potter. Nach einem fantastischen Frühstück machten sich die Drei reisefertig. Die bekannten, grünlichen Flammen züngelten im Kamin. „Ladies first!", sagte Sirius aufmerksam. Lily nahm ihm etwas Flohpulver ab, stieg in den Kamin und warf den Rest hinein. „Zum Tropfenden Kessel.", rief sie deutlich und weg war sie.
James und Sirius taten es ihr gleich. Padfoot kletterte aus dem Kamin und sah sich um. James und Lily standen etwas abseits und letztere klopfte ihrem Freund enthusiastisch auf den Rücken. „Er konnte es wieder nicht lassen, oder?", machte Sirius auf sich aufmerksam. „Was meinst du?", fragte Lily neugierig. „Wehe!", drohte James. Padfoot lachte. „Wenn ich das sage bin ich auf der Stelle dem Tode geweiht!", erklärte er. Sie sah ihn enttäuscht an. „Erzähl ich dir alles später.", flüsterte Sirius ihr im vorbei gehen zu.
Die Winkelgasse war überfüllt mit Hexen und Zauberern. Alle drängelten sich aneinander vorbei. Jeder wollte die letzten Weihnachtseinkäufe erledigen. „Da haben wir uns ja genau den richtigen Tag ausgesucht!", schnaufte James.
„Ich denke nicht das ihr ein Kleid mit mir kaufen gehen wollt, richtig?", vergewisserte sich Lily. Die beiden Jungs nickten zustimmend. „Also dann. Wo werde ich euch finden?", fragte sie. „Ach nein, lasst mich raten. Qualität für Quidditch? Richtig?" Ohne eine Antwort abzuwarten verschwand Lily in der Menge.
Sie öffnete die Ladentüre zu Madam Malkins. Eine kleine dicke Frau kam auf sie zugeeilt. „Kann ich ihnen helfen?" „Ja, ich denke schon. Ich suche ein Kleid für einen Ball." „Mhm. Ich glaube, ich habe genau das Richtige für Sie.", und die Verkäuferin führte sie in den hinteren Teil des Geschäftes. Verschieden farbige Stoffe hingen über Stühle, Scheren lagen umher. Kleine Nadelkissen verstreuten sich auf jeder freien Fläche. Die kleine Hexe schob eine Modelpuppe vor sich in den Raum. Sie trug ein wunderschönes schwarzes Kleid und weise, lange Handschuhe die bis zu den Oberarmen reichten. Der obere Teil des Kleides bestand aus einer Korsage die mit kleinen silbernen Ornamenten verziert war. Diese verliefen sich dann im Rock des Kleides. „Das ist Traumhaft!", entfuhr es Lily. „Ja, nicht wahr?", gratulierte die Schneiderin sich selber. „Probieren sie es an!" Lily verschwand in einer Umkleidekabine. Der Stoff fühlte sich kühl an als er über ihre Haut streifte. Herrlich! Sie zog die seidenen Handschuhe an und steckte sich gekonnt die Haare hoch.
Lily trat hinter dem Vorhang hervor. „Dieses Kleid ist für Sie bestimmt!", sagte die kleine Frau begeistert. Einige Kunden im Landen nickten zustimmend. Lily betrachtete sich im Spiegel. Es war perfekt.
Mit einem großen Paket verlies sie den Laden und schlenderte an den Schaufenstern entlang. Ab und zu trat sie in einen Laden und suchte nach passenden Weihnachtsgeschenken. Schwer bepackt traf sie in Qualität für Quidditch ein. „Ah, da bist du ja endlich!", James schien ungeduldig. „Wie ich sehe warst du erfolgreich!" „Ja.", strahlte Lily ihn an. Gemeinsam schoben sie sich durch die Menschenmassen. Lily hatte ein paar Pakete auf James und Sirius verteilt. Sie trugen ihre eigenen Weihnachtsgeschenke. Lily blieb vor einem Laden stehen und betrachtete das Schaufenster. Lustige kleine Tiere vollführte Kunststücke. Sie wollte gerade weiter gehen, als sie mit jemandem zusammen stieß. „Oh, entschul...", ihr blieb der Mund offen stehen. Die Kapuze des Mannes war nach hinten gefallen und entblößte sein Gesicht. Lily kannte dieses Gesicht! „SIE!", fuhr sie ihn an. James sah sich um. Auch er erkannte den Mann von einem Foto aus dem Tagespropheten. Dem Mann stand plötzlich Angst in den Augen und er drehte sich blitzschnell um und drängte sich durch die Menge.„Bleiben Sie stehen!", brüllte Lily. Sie drückte Sirius ihre Einkäufe in die Hand, zückte ihren Zauberstab und raste dem Mann hinterher.
„Lily, bleib hier!", rief James ihr vergeblich nach.
„Halte das!", und er drückte Sirius die restlichen Päckchen in die Hände und er war auf und davon.
„Sagt mir doch nur nicht was hier los ist!", beschwerte Sirius sich vergeblich.
Die Menge teilte sich. Lily war auf den schwarzen Umhang fixiert.
Ich muss ihn kriegen!
Sie drängelte sich an Hexen und Zauberern vorbei die sie beiseite stieß..
Die schwarze Gestalt rannte auf den Tropfenden Kessel zu und verschwand darin. Lily ihm nach.
Außer Atem stürmte sie in das Pub.
„Wo ist er hin?", rief sie Tom entgegen. Dieser zeigte nur auf den Ausgang nach Muggel London.
Lily steckte ihren Zauberstab ein und rannte weiter.
„Wo ist sie lang gelaufen?", keuchte James, als er im Tropfenden Kessel an kam. Der Barkeeper zeigte auf die offene Türe und James hetzte nach draußen.
„Was ist denn heute nur hier los?", wunderte sich Tom.
Die Sonne blendete ihn als er aus dem dunklen Pub kam. Wo ist sie?
James schaute sich um.
Da! Dahinten sah er ihre roten Haare.
Der Mann rannte durch die Straßen.
Lily schloss nur für eine Sekunde ihre Augen. Als sie, sie wieder öffnete war er verschwunden. Sie blickte sich um. Zu ihrer linken lag eine Seitenstraße und Lily sah gerade noch, wie der Umhang hinter einer Ecke verschwand.
Vorbei an Müllcontainern und durch Pfützen führte sie ihr Weg. Ein Geruch von Abfall und Dreck lag in der Luft. Lily holte wieder ihren Zauberstab hervor.
Sie machte sich bereit. Ihr Herz schlug schnell und ein Prickeln überzog ihrer Haut. Sie musste Courtland kriegen. Das schuldete sie Ellen.
Vorsichtig trat sie um die Ecke und stand vor einer Tür.
„Alohomora.", flüsterte sie. Knarrend schwang die Türe auf. Es war ihr unheimlich zumute. Dennoch trat Lily ein. Alles lag im dunkeln. Es roch modrig und Spinnweben hingen von der Decke. Über Lily knackte es plötzlich und sie wusste, dass Courtland im zweiten Stock war.
Leise schlich sie die Treppe hinauf. Sie fühlte, wie ihr Herzschlag ihren ganzen Körper erzittern ließ.
James erblickte gerade noch wie Lily nach links verschwand und er sprintete weiter zu der Straßenecke. Sein Zauberstab war kampfbereit vor ihm ausgestreckt. So leise wie möglich ging er zum Ende der Straße, bis er vor einer angelehnten Türe stand.
Oh, Lily. Mach keine Dummheiten!
James schob die Türe auf und trat ein. Eine Person stand auf der Treppe die ihm wage bekannt vor kam.
„Lily?", flüsterte er heißer.
Die Gestalt wirbelte herum.
„James!", Lily schlug das Herz bis zum Hals.
Sie winkte ihn zu sich.
„Bist du von allen guten Zauberern verlassen alleine einem Verbrecher, womöglich Todesser, nach zulaufen?", fauchte er Lily leise an.
Aber sie überhörte ihn.
„Er ist oben. Komm!", und sie schlich weiter, dicht gefolgt von James.
Beide waren sehr angespannt. Lily versuchte ihr Gehör zu verschärfen.
Plötzlich vernahmen sie Stimmen.
„Meister, ich wurde entdeckt."
„Von wem?", hisste eine Stimme.
„Ein Mädchen. Sie ist mir gefolgt. Ich weiß nicht, ob ich sie abhängen konnte."
„Haben dich noch andere erkannt?", fragte die gefährlich klingende Stimme.
„Ich weiß es nicht, Meister."
James machte einen Schritt nach vorne und der Boden gab ein quietschendes Geräusch von sich. Das Gespräch verstummte. Lily funkelte James böse an. Eine Weile verging, bis erneut ein Flüstern erklang.
„Jemand ist hier! Was soll ich tun, Meister?"
„Töte sie."
James sog die Luft ein. So hatte er sich die Feiertage nicht vorgestellt. Aber sie waren zu zweit und er nur einer. Oder?
Er bedeutete Lily sich bereit zu machen.
Ich muss ihn kriegen., schwebte es Lily wieder durch den Kopf.
Ein Rascheln war zu hören, als wäre ein Umhang zu Boden geworfen worden.
Beide pressten sich dichter an die Wand. Die Dunkelheit konnte ihnen vorläufig Schutz bieten. Schritte waren zu hören. Die Tür ging auf. Zögerlich schlich Courtland aus dem Zimmer, seinen Zauberstab vor sich.
„Expeliarmus!", brüllten zwei Stimmen zugleich. Lily und James hatten aus verschiedenen Richtungen einen Fluch geschickt, welche miteinander kollidierten. Ein lauter Knall folgte und die Druckwelle schleuderte alle zu Boden. Ihre Zauberstäbe flogen aus ihren Händen und rollten über den Boden.
James rang nach Luft. Ein Stechen durchzog seinen Brustkorb. Als er den Kopf hob sah er, wie Courtland über den Boden kroch um seinen Zauberstab zu finden.
„Lily, halt ihn auf!", schrie James lauthals.
Mit einem Satz war Lily auf den Beinen. Ihre Schulter schmerzte, aber sie ignorierte es. Ein kräftiger Tritt traf Courtland in die Seite. Er krümmte sich vor Schmerzen und lag auf einmal reglos da.. Lily schnappte sich die Zauberstäbe.
„Was machst du?", hisste plötzlich eine Stimme aus dem Nebenzimmer. Lily zuckte zusammen. Ist da noch jemand?
James hatte sich wieder aufgerappelt und eilte zu ihr hinüber.
„Wer ist da? Zeig dich!", rief er.
Ein Lachen ertönte. Es war so eisig, das es Lily und James eine Gänsehaut über den Rücken jagte.
Lily drückte die Türe vollständig auf.
Ihre Blicke trafen sich.
Eine, mit einem schwarzen Umhang, umhüllte Person stand vor einem Kamin.
Rote Augen funkelten unter einer Kapuze, die halb das Gesicht verdeckte. Sofern man es als solches bezeichnen konnte. Ein markantes, spitzes Kinn war sichtbar. Schmale Lippen und eine flache Nase. Es erinnerte mehr an die Züge einer Schlange, als an die eines Menschen.
„Wer seid ihr! Nennt euren Namen!", rief Lily. Eigentlich kannte sie die Antwort schon. Plötzlich kam sie sich so dumm vor.
Einen Augenblick lang stutzte die dunkle Gestalt.
„Wer ich bin?"
Wieder ertönte ein grausiges Lachen.
„Dein Tod, Mädchen."
„Nur über meine Leiche.", James tauchte aus dem Nichts auf und stellte sich vor sie.
„Wie nobel von dir. Aber das wird sie auch nicht retten.", erklärte Voldemort erheitert.
„Ich habe vor ihnen keine Angst! Sie widerwärtiger Bastard.", brüllte Lily und schob sich an Prongs vorbei.
Ist sie wahnsinnig, James konnte es einfach nicht fassen.
„Wie nanntest du mich?", hisste Voldemort gefährlich. Es war keine Frage.
„Sie widerwärtiger Bastard.", schimpfte Lily drauf los. „Sie unterbemitteltes Individuum wagen es auch noch danach zu fragen? Jeder denkt sie sind der gefährlichste Zauberer der Geschichte, aber dabei sind sie nur ein Wurm der nach Aufmerksamkeit verlangt. Ein Nichts! Eine Missgeburt. Sie sind ein Bastard!"
James traute seinen Ohren nicht.
„Ich werde sie umbringen! Hören sie mich? Ich werde sie vernichten!", brüllte Lily und trat einen Schritt nach vorne. James packte sie noch rechtzeitig am Arm. Er hatte den Eindruck, als würde sich seine Freundin mit bloßen Händen auf ihren Gegner stürzen.
„GENUG!", brüllte Voldemort plötzlich und richtete seinen Zauberstab auf Lily.
„Sag ‚Auf Wiedersehen' zu deiner Freundin.", adressierte die dunkle Gestalt an James.
Das darf nicht passieren, schoss es ihm durch den Kopf.
Ein grüner Lichtstrahl schoss aus Voldemorts Zauberstab. James packte Lily rechtzeitig und riss sie mit sich zu Boden. Ein lauter Knall ertönte, gefolgt von einer gewaltigen Explosion. James nahm schützend die Hände über den Kopf.
Plötzlich ertönten Stimmen. Viele Stimmen. Rauch umfasste alles.
Lily konnte den Staub beim Luft holen schmecken. Was war passiert?
„Leben sie noch?", eine besorgte Stimme erklang. Zwei Finger erfühlten ihren Puls.
„Ja. Beide."
„Beim Merlin, was für ein Glück!"
Dann wurde alles schwarz.
Jemand versuchte in ihr Haus einzubrechen. Ein Baby schrie. Der Geruch von Feuer lag in der Luft. Sie musste das Kind retten, sie musste...!
„Miss Evans. Äh, Lily. Wach auf.", ein Mann hielt ihre Hand.
„Der Heiler sagte, dass sie ein herumfliegender Stein getroffen hat.", sagte eine bekannte Stimme.
„Das bedeutet aber nicht, dass ich ihr ersparen werde was ich zu sagen habe.", ertönte es in einer tieferen Tonlage.
„Lily, mach die Augen auf.", James beugte sich über sie.
Vorsichtig blinzelte sie umher. Ihr Kopf schmerzte und sie spürte eine dicke Beule.
Ein Mann blickte auf sie herab. Kleine, grau Strähnen zogen sich durch das dichte, schwarze Haar. Blaugraue Augen funkelten durch eine runde Brille auf Lily hinab.
So müsste James wohl aussehen, wenn er älter wäre schoss es ihr durch den Kopf.
Langsam richtete Lily sich auf.
„Was ist passiert?"
„Ihr hattet sehr viel Glück. Das ist passiert.", stürmte James Vater gleich drauf los.
„Ihr könnt froh sein, dass Sirius uns sofort alarmiert hat! Und wäre Tom euch nicht gefolgt hätten wir euch womöglich nie gefunden.", Mr. Potter stand vom Bett auf. Er schien total in Rage.
„Wie konntet ihr nur so leichtsinnig sein! Ihr hättet jetzt tot sein können!"
„Mr. Potter...", setzte Lily zaghaft an, verstummte aber wieder.
„Ihr wart sehr verantwortungslos. Ihr seid keine Auroren. Ihr habt nicht die nötige Ausbildung. Versteht ihr mich?"
„Ja.", sagten beide zaghaft.
„Niemandem wäre geholfen gewesen, wenn ihr euch umbringen lasst."
Lily hob zaghaft sie Hand, als würde sie sich melden.
„Ja?", Mr. Potter sah sie erwartungsvoll an.
„Haben sie Mr. Courtland bekommen? War er noch da, als sie eintrafen?"
„Ja.", antwortete er knapp.
Lily sank erleichtert in die Kissen zurück. Das leider zu schnell und ein starker Schmerz durchfuhr sie.
„Du solltest dich noch etwas ausruhen. James kann dir ja noch etwas Gesellschaft leisten.", schlug Mr. Potter nun in einem ruhigeren Ton vor. „Wir sehen uns beim Essen.", und er ging aus dem Zimmer.
