Kapitel 20- Black- Out

James drehte sich zur Seite und stieß an etwas. Ganz langsam öffnete er ein Auge. Für zwei Augen fehlte ihm einfach die Kraft.

Wie spät ist es eigentlich, fragte er sich. Er war viel zu faul um auf seine Uhr zu schauen. In seinem geschmälerten Blickfeld erkannte er einen Rücken und erinnerte sich daran in Lilys Zimmer zu sein. Das beruhigte ihn und Dunkelheit umnebelte ihn erneut.

Sirius erwachte. Er fühlte sich um einiges schwerer. Konnte es vom vielen Essen kommen? Nein, soviel wie sonst hatte er gar nicht gegessen. Er hatte sich viel mehr mit Alex unterhalten. Aber der Punsch war in Strömen geflossen. Und dann?

Hatte er es nur geträumt, oder war es wirklich passiert? Er war mit Alex aus dem Ballsaal gegangen und die Treppen hinauf. Und dann? Er wendete seinen Kopf langsam nach links. Sirius fürchtete sich fast davor was er dort sehen würde. Aber es lag niemand neben ihm. Doch nur geträumt.

Vorsichtig setzte er sich auf und blickte sich um. Sein Jackett lag auf dem Fußboden, aber Hemd und Hose hatte er noch an. Komisch.

Gemächlich nahm er sich frische Sachen und schlurfte ins Bad. Er lugte kurz in James Zimmer und erblickte niemanden.

Ein breites Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab und er schloss die Tür wieder.

Immer noch schlaftrunken blickte er in den Badezimmerspiegel.

Warum habe ich so rote Lippen, er wischte mit dem Handrücken darüber. Ein schwacher Streifen zog sich über seine Wange. Padfoot riss die Augen auf.

Lippenstift? Was zum Troll habe ich gemacht? Doch nicht geträumt?

James konnte ihn sicher aufklären, da war er zuversichtlich.

Lily erwachte allmählich. Es musste schon spät sein, denn die Wintersonne stand hoch am Himmel. Sie fühlte sich erschöpft. Das mache ich nie wieder, ging es ihr durch den Kopf. Diese vielen Leute, sie konnte sich an fast niemanden erinnern. Nur an ein Paar. Sie hatten rote Haare, wie sie selber. Molly und Arthur Weasley waren sehr nett und zuvorkommend gewesen. Keine Spur von Neugierde um die Ereignisse mit Courtland und Voldemort. Das hatte Seltenheitswert.

Lily richtete sich auf. James lag neben ihr in einer Embryonalstellung. Er sah total niedlich aus. Die Uhr zeigte 13 Uhr an.

Ob ich ihn aufwecke, überlegte sie gehässig.

Ganz langsam beugte sie sich zu ihm hinunter. James atmete ruhig.

Lily wollte ihm gerade etwas ins Ohr flüstern, als sie von einem lauten „BUH!" aufgeschreckt wurde.

Sie zuckte zurück. Ihr Herz klopfte wild. James öffnete seine Augen und lachte.

„Habe ich dich erschreckt?", fragte er scheinheilig.

Lily atmete immer noch schnell und sah ihn böse an.

„Wenn ich das mit dir machen würde!", beschwerte sie sich.

„Was wäre dann?", James rollte sich genüsslich auf den Rücken.

„Oh, na warte!", und Lily stürzte sich auf ihn.

James wehrte sich aus Leibeskräften, damit Lily ihn nicht kitzeln konnte.

„Gib auf!", rief sie.

„Nein, das werde ich nicht!"

„Gut, wie du willst!", sie zog ihm die Bettdecke weg und mummelte sich vollständig darin ein.

Da saß James wie Gott ihn geschaffen hatte.

„Ach, ist das schön warm.", sagte Lily und kuschelte sich weiter in die Decke.

Kalte Luft umschwebte James und ein Schauer Gänsehaut überzog ihn.

„Das ist unfair!", protestierte er.

„Dann hättest du mich eben nicht erschrecken sollen!"

James schob trotzig das Kinn vor. Er saß so eine Weile, bis er plötzlich aus dem Nichts heraus nach der Bettdecke griff. Lily wurde mit gezogen und als sie registrierte was geschehen war lag sie auf James und die Decke über ihnen.

Beide grinsten sich an.

„James, du bist wirklich kalt.", bibberte Lily.

„Ich weiß.", und er schmiegte sich noch enger an sie.

Das Haus war wieder blitze blank, nirgendwo standen Gläser, Teller oder sonstiges. Alles strahlte und funkelte.

„Eure Hauselfen haben ganze Arbeit geleistet!", gab Lily anerkennend zu. „Man könnte nicht denken, dass noch vor ein paar Stunden Hunderte von Menschen hier waren."

„Ja, unsere Hauselfen sind echt toll!", rief James etwas lauter.

„Wofür war das denn?", wunderte sich Lily.

„Na damit sie es hören. Da freuen sie sich und räumen mein Zimmer mit auf. Mom und Dad haben es ihnen eigentlich verboten, aber manchmal drücken sie ein Auge zu."

„Guten Morgen.", sagten Ophelia und Thaddäus im Chor, als Lily und James in die Küche kamen.

„Guten Morgen, gesundes neues Jahr!", wünschte Lily erneut.

„Ist Siri schon wach?", fragte Ophelia.

„Keine Ahnung, Mom."

„Es würde mich wundern, wenn er es schon wäre.", sagte Thaddäus als er sein Brötchen beschmierte.

„Warum?", forschte Lily nach.

„Er hat dem Zauberpunsch heute Nacht sehr zu gesprochen und dann sahen wir Sirius und Alexandra Shea aus dem Saal gehen.", erzählte Ophelia.

„Oh, das ist ja interessant. Zuviel Zauberpunsch.", grinste James. „Das ist uns gar nicht aufgefallen."

„Konntet ihr ja nicht sehen, ihr habt euch ja mit Molly und Arthur unterhalten.", Thaddäus lächelte.

„Zauberpunsch? Wo ist der Unterschied zu normalem Punsch?", wollte Lily wissen.

Die anderen Drei lächelten nachsichtig.

„In unserem Zauberpunsch sind ein paar Zutaten enthalten, die, die Sinne beeinträchtigen.", erklärte Ophelia. „Ältere Zauberer und Hexen werden davon nicht mehr beeinträchtigt, aber jüngere können leicht dumme Sachen machen."

„Warum haben sie den Punsch überhaupt gemacht, wenn die Wirkung bekannt ist."

Die Potters sahen sie fast empört an.

„Lily, das ist Tradition.", sagte James, als hätte Lily das wissen müssen.

„Ach so."

„Ist ja nicht schlimm.", unterbrach Ophelia. „Du wirst das bald alles wissen, wenn du länger bei uns bleiben solltest."

Thaddäus nickte.

Lily lächelte liebenswürdig.

James' Großeltern waren am Neujahrsmorgen noch per Flohnetzwerk zurück gereist. Die Zimmer waren zwar für sie hergerichtet worden, aber sie waren noch standhaft genug um nach Hause zu gelangen.

Während des Frühstücks erzählte James, das Lily und er am nächsten Tag ihre Eltern besuchen würden.

„Oh, das ist bestimmt interessant.", entfuhr es Mrs Potter.

„Das gleiche würde mein Vater auch sagen.", lachte Lily. „Er ist sehr interessiert an Zauberei. Meine Eltern waren total aus dem Häuschen, als ich den Brief bekam."

„Das kann ich mir denken.", sagte Mr. Potter ernsthaft.

„Ja, und mein Vater fragt mich immer was ich gelernt habe, denn er kann sich das alles nicht vorstellen.", erzählte Lily.

„Es ist bestimmt interessant sich mit einem Muggel zu unterhalten.", überlegte Ophelia.

„Mom, sag nicht unbedingt Muggel.", sagte James etwas energisch.

„Nein, ist schon gut.", antwortete Lily. „Das sind sie nun mal."

Durch das ganze Frühstück hinweg fragten Mr. und Mrs Potter Lily nach typischen Dingen in der Muggel Welt. James war es schon fast peinlich.

„Arthur sollte sich mal mit dir unterhalten.", stellte Thaddäus etwas später fest.

„Lieber nicht oder er lässt Lily nie mehr gehen, weil er sie als Muggel Lexikon verwendet.", beschwerte sich James.

„Du musst wissen, Arthur ist von Muggeln fasziniert. Er hat angefangen alles zu sammeln was mit Muggeln zusammen hängt.", ergänzte Ophelia. „Molly sieht das natürlich gar nicht gerne."

Lily lachte. „Was sammelt er denn?"

Jede einzelne Stirn der Familie Potter kräuselte sich, wie man es nur sehen konnte, wenn jemand angestrengt nach dachte.

„Ich glaube es ist an Muggel- Lampen dran.", überlegte James.

„Ja, ja. Mit einer langen Schnur.", sagte Ophelia.

„Das Ende könnte man fast mit einer Schlange verwechseln und es beißt sich in der Wand fest.", dachte Thaddäus weiter nach. „Er hatte so was doch schon mal dabei."

„Ein Stecker, vielleicht?", half Lily allen auf die Sprünge.

„Mmh, ja ich glaube so nannte er es.", nickte Mrs Potter.

Die Türe ging auf und Sirius schlurfte herein. Die Haare hingen ihm nass ins Gesicht. Seine Augen waren leicht geschwollen. „Morgen.", murmelte er.

„Guten Morgen Sirius.", wünschte Lily.

„Wie war deine Nacht?", bohrte James. Die anderen grinsten vor sich hin.

„Ich wünschte du könntest mir das sagen.", seufzte Padfoot und lies sich auf einen Stuhl fallen.

Vier Augenpaare sahen ihn überrascht an.

„Ja, ich weiß nichts mehr.", verteidigte er sich.

„Das konnten wir uns schon denken.", sagte Thaddäus ernst. „Der Zauberpunsch hatte es dir angetan."

„Zauberpunsch?", Sirius sah James böse an.

„Ja, du weißt doch bestimmt, dass es Tradition ist!", lachte Lily.

„Ja, eigentlich schon. Aber James versicherte mir bei seiner Ehre, dass es dieses Jahr nicht dieselbe Wirkung hätte, wie es Tradition ist."

„James!", riefen Thaddäus, Ophelia und Lily wie aus einem Mund.

Dieser blickte scheinheilig in die Runde.

„Entschuldige Padfoot, altes Haus. Aber ich wollte, dass du etwas lockerer wirst."

„Wofür das?", wollte Lily wissen.

„Na damit es mal endlich was mit ihm wird."

„James!", Ophelia hatte das Wort ergriffen. „Sirius ist alt genug. Er kann selber entscheiden was richtig für ihn ist."

„Ja, Mom.", James senkte seinen Kopf.

„Dass das nicht noch einmal vorkommt!", sagte Thaddäus ernst.

„Ja, Dad.", murmelte James erneut.

Sirius sagte den ganzen Nachmittag nichts zu seinem, eigentlich, besten Freund.

„Meinst du er ist mir sehr böse?", James ging auf und ab.

„Liebling, du machst mich nervös.", sagte Lily, die gerade eine weitere Hausaufgabe erledigte.

„Ja, aber meinst du er ist sehr böse auf mich?", fragte er erneut.

„Siri hat den ganzen Tag nicht mit dir geredet. Ich würde davon ausgehen.", Lily schrieb weiter.

„Was soll ich tun?"

„Rede mit ihm."

„Männer reden nicht über Probleme miteinander."

„So?"

„Was soll ich ihm sagen?"

„Entschuldige dich."

„Hab ich doch schon."

„Dann tu es noch Mal."

„Warum?"

„Vielleicht hat er etwas mehr erwartet."

„Was?"

„Das du mit ihm darüber redest."

„Weshalb?"

„Er will wissen was passiert ist."

„Das könnte sein."

„Das ist auch so."

„Aber wie soll ich anfangen?"

„Lass dir was einfallen. Du bist schon groß."

„Lily, das ist wichtig. Er hat noch nie, nicht mit mir gesprochen."

„James, du verwirrst mich."

„Ich weiß"

„James, geh jetzt ein Stockwerk höher. Klopfe an Sirius Türe und rede mit ihm."

„OK, das wollte ich doch nur wissen, mein kleines Zitronensorbet."

Lily ließ den Kopf erschöpft auf den Schreibtisch sinken.

„James, geh endlich. Oder ich verhexe dich!"

„Gut, Liebling. Bis gleich.", und er verschwand aus dem Raum.

James klopfte an die Zimmertüre.

„Ja?", ertönte es von drinnen.

Sirius saß an seinem Schreibtisch und machte, zu James großer Verwunderung, ebenfalls Hausaufgaben.

„Padfoot, ich wollte mich noch mal entschuldigen."

Dieser sah James gleichgültig an.

„Es tut mir wirklich leid, aber ich wollte, dass was aus dir und Alex wird."

„Das wird vielleicht gar nichts mehr.", rief Sirius. „Ich weiß nicht mehr was ich getan habe. Dank dir! Ich habe mich bestimmt benommen wie der letzte Idiot! Ich bin zwar noch angezogen aufgewacht, aber mein Jackett lag auf dem Boden. Ich hatte Lippenstift im Gesicht. Auf was lässt das schließen?"

„Das Alex und du euch amüsiert habt?", fragte Prongs unsicher.

„Das könnte gut möglich sein.", sagte Sirius. „Aber das ist mir leider ENTFALLEN!"

„Padfoot, beruhige dich.", wehrte James ab. „Das ist nicht der Untergang der Welt."

„FÜR DICH VIELLEICHT NICHT, ABER FÜR MICH!", brüllte Sirius.

„Hey! Ganz ruhig.", versuchte James Sirius zu beschwichtigen. „Ich habe mich doch bei dir entschuldigt."

„MEINST DU DAMIT IST ES GETAN?", schrie Padfoot von neuem.

„MACH DOCH KEIN DRAMA AUS DEM GANZEN!", brüllte jetzt auch Prongs.

„DU BENIMMST DICH WIE EIN MÄDCHEN!", setzte er hinterher.

Sirius riss die Augen auf und erhob sich von seinem Stuhl. Es hatte den Anschein, als würde er sich gleich auf James stürzen.

Die Türe wurde aufgestoßen.

„Was zur Sphinx ist hier los?", Lily schaute beide an. Sie standen sich im Raum gegenüber. Ihre Köpfe waren rot vom schreien.

„Er brüllt mich an.", riefen Sirius und James zur gleichen Zeit und zeigten aufeinander.

„Du hast angefangen!"

„Nein, du hast angefangen!"

„Seid jetzt verdammt noch mal still!", sagte Lily gefährlich ruhig. „Und setzt euch."

Wie befohlen setzten sich beide.

„Euch kann man bis nach unten hören!"

„Ihr benehmt euch wie kleine Kinder. Du James, weil du ihm diesen Streich gespielt hast. Du Sirius, weil du schmollst wie ein kleines Mädchen.", die Angesprochenen wollten etwas sagen.

„Wagt es ja nicht mich zu unterbrechen!", warnte Lily erneut.

„Sirius, das mit Alex lässt sich wieder hin biegen. Wenn du ihr alles erklärst, wird sie es schon verstehen. Sie ist nicht nachtragend.", versicherte Lily.

„James, denke vorher nach was du mit so was anrichten könntest. Nicht jeder würde dir das verzeihen."

„Meinst du Alex versteht das wirklich.", vergewisserte sich Sirius.

„Klar, schieb alles auf James."

„Sirius, als dein Freund nehme ich alle Schuld auf mich."

„Gut, aber wehe du machst so was noch mal!", drohte dieser.

„Bei meiner Marauderer Ehre!"

Padfoot zog die Augenbrauche hoch.

„Na gut. Ich schwöre auf Lily."

„Hey!"

„OK!", Sirius reichte James die Hand.

Ich dachte immer Frauen sind schlimmer., überlegte Lily als sie die Treppe hinunter ging.

Lily hätte nicht gedacht, dass Sirius so reagieren würde. Ihm muss viel an Alex liegen.

In ihrem Zimmer beugte sie sich erneut über ihren Aufsatz.

‚Erläutern Sie die Verwandlung eines Menschen in einen Gegenstand!', lautete der erste Satz.

Warum muss McGonagall solche Aufsätze über die Ferien aufgeben? Ich brauche eine gute Bibliothek. Die Potters mussten eine Büchersammlung haben, da war sie sich sicher.

Lily betrat den Salon. Ophelia und Thaddäus saßen zusammen auf einem Sofa und lasen gemeinsam ein Buch.

„Ähm, entschuldigen sie, wenn ich sie störe.", machte Lily auf sich aufmerksam.

„Du störst ganz und gar nicht.", versicherte Mrs Potter und nahm die Brille von ihrer Nase.

„Können wir dir mit etwas helfen?", fragte Thaddäus.

„Ja, haben sie eine Bibliothek? Ich muss einen Aufsatz in Verwandlung schreiben und ich komme nicht so richtig weiter."

„Verwandlung?", Ophelia schien sehr interessiert. „Klar haben wir eine Bibliothek. Sie ist gleich neben Thaddys Arbeitszimmer.", sie schwang sich kunstvoll von der Couch.

„Ich zeig sie dir."

Gemeinsam gingen sie in den zweiten Stock. Mrs Potter öffnete die Türe. In Thaddäus Arbeitszimmer standen schon viele Bücher, aber hier?

Lily hatte eigentlich nichts anderes erwartet. Das gesamte Haus machte einen reichen Eindruck, aber trotzdem waren seine Bewohner einfach und bescheiden geblieben.

„Was genau brauchst du?"

„Etwas über die Verwandlung von Menschen in Gegenstände."

„Ha, nichts leichter als das!", rief Ophelia und leierte eine ganze Reihe von Erklärungen hinunter. Lily sah sie perplex an.

„Warten sie hier einen Moment? Ich hole nur meinen Aufsatz."

„Ja, kein Problem.", und Mrs Potter setzte sich an den Lesetisch.

Wie angestochen hastete Lily nach unten um ihre Schreibsachen zu holen.

Welch ein Glück., dachte sie während sie wieder in die Bibliothek lief.

„Woher wissen sie das alles?", fragte Lily, nachdem sie den Aufsatz beendet hatten.

„Ich unterrichte.", lautete die simple Erklärung.

„Wo? Ich habe sie in Hogwarts noch nie gesehen."

„Nun ja, genauer gesagt bin ich Ausbilder für Auroren.", erklärte Ophelia.

Lily war jetzt vollkommen aus der Bahn geworfen.

„Das wusste ich gar nicht. James hat mir das nicht gesagt."

„So, hat er nicht? Mh, da werde ich mal mit ihm reden müssen; Verschweigt den Beruf seiner geliebten Mutter.", lachte Mrs Potter.

„Aber warum waren sie die ganze Zeit zuhause?", wollte Lily wissen. „Wenn ich fragen darf.", setzte sie etwas unsicher hinterher.

„Wenn James für 2 oder 3 Wochen daheim ist nehme ich immer frei. Ich muss ihn ja noch etwas bemuttern, solange ich Zeit dazu habe.", beide lachten.

„Ich weiß nicht ob James es ihnen erzählt hat, aber ich möchte auch Auror werden."

„Nein, das hat er nicht, aber das dachte ich mir schon.", sagte James Mutter. „Andere hätten bei dem Anblick eines vermuteten Todessers nach Hilfe gerufen, aber ihr habt ihn verfolgt und auch gefangen."

„Nun ja, es war auch viel Glück dabei.", ergänzte Lily. „Aber verantwortungslos war es, das habe ich eingesehen."

„Einsicht ist der beste Weg!", belehrte Ophelia.

„Ein Auror braucht viel Mut, aber auch Vorsicht und Geschick. Er muss sich immer sicher sein was er tut. Übereiliges Handeln kann zum Verhängnis werden, deshalb muss alles gut durchdacht sein."

Lily hörte aufmerksam zu. Eine Auroren Lehrerin, warum hatte James ihr das nicht gesagt.

Zaghaft klopfte es an der Türe.

„Ja?", rief Mrs Potter. James und Sirius traten ein. Letzterer hielt eine Pergamentrolle in seinen Händen.

„Eine Eule kam für dich, Lily.", sagte James und schielte auf ihren Aufsatz.

„Mom, warum machst du nie mit mir Hausaufgaben?", protestierte er.

„Weil du meistens den leichtesten Weg suchst. Es tut dir gut etwas selber heraus zufinden. Ich brauche dir das nicht vor beten."

„Aber für Lily machst du es?"

„Ja, sie hat ja auch zuerst gefragt, ob ich Bücher habe und nicht ob es ihr jemand erzählt.", Ophelia sah ihn vorwurfsvoll an.

James verzog das Gesicht.

Padfoot reichte Lily unterdessen den Brief.

Das Siegel kam ihr wage bekannt vor. Ein ‚S', das um ein Schwert geschlungen war.

Sie öffnete die Rolle.

Hallo Lily.

Wo warst du heute Nacht noch? Ich hatte dich gesucht, ich hätte dich wirklich gebraucht. Es war alles ein totales Desaster!

Der Abend mit Sirius war so romantisch. Um Mitternacht hat er meine Hand gehalten und wir haben uns gemeinsam das Feuerwerk angesehen. Es war so wie ich es mir die ganze Zeit gewünscht hatte.

Siri hat mir gesagt wie schön ich wäre und wie gerne er mit mir zusammen ist. Er wollte mir sogar einen neuen Streich zeigen den er für die Schule vorbereitet hatte. Als wir in seinem Zimmer waren hat er mich ganz plötzlich geküsst. Du kannst dir vorstellen wie aufgeregt ich war. Und dann? Wir fielen auf sein Bett und ehe ich mich versah war er EINGESCHLAFEN! Lily, meinst du das lag an mir? Ich bin doch nicht langweilig, oder?

Warte auf deine Antwort.

Alex

„Und was schreibt sie so?", Sirius versuchte auf das Pergament zu schauen.

„Ich weiß jetzt zumindest was du den Abend gemacht hast.", erklärte Lily.

„Wie schlimm war es? Kann ich Alex noch gegenüber treten, ohne im Erdboden zu versinken?"

„Kommt ganz darauf an.", spannte Lily ihn auf die Folter.

„Liebling, jetzt sei nicht so gemein zu ihm. Er musste schon genug durch machen.", tadelte James.

„Das aber auch nur durch dich!", meldete sich seine Mutter zu Wort.

Lily gab Sirius den Brief.

Mit jeder Zeile bekam er ein Schmerz verzerrteres Gesicht.

„Beim Merlin, so schlimm kann es doch nicht gewesen sein.", erkundigte sich James.

„Wenn ich mir Sirius Gesicht so betrachte dann glaube ich das schon.", sagte Ophelia zuversichtlich.

„Aber ich finde sie nicht langweilig. Ganz und gar nicht.", rief Padfoot. „An ihr lag es nicht, nur am Zauberpunsch!"

James Interesse wurde plötzlich von einem x-beliebigen Buch geweckt und er stahl sich davon, bevor die Anderen wieder auf ihn stürzen konnten.

„Schreibst du ihr gleich zurück?", wollte Sirius unsicher wissen.

„Ja, mache ich gleich. Ich werde ihr alles erklären, aber wenn wir wieder in der Schule sind sprichst du mit ihr.", Lily tippte ihm bestimmend auf die Brust.

„Ja, tu ich."

„Gut, da werde ich jetzt mal den Brief schreiben gehen.", erklärte Lily und nahm ihre Sachen.

„Danke Mrs Potter für ihre Hilfe.", lächelte sie.

„Kein Problem, hab ich gerne getan."

Als Lily die Türe hinter sich schloss hörte sie noch wie James erneut fragte, ob Ophelia ihm auch helfen würde. Ob er einen Korb bekam oder nicht, hörte sie nicht mehr.

Es ist manchmal unmöglich.

Krampfhaft grübelte Lily, was sie Alex schreiben konnte. Dann, nach einer halben Stunde betrachtete sie das beschriebene Pergament.

Hallo Alex.

Es tut mir leid, dass du mich nicht mehr gefunden hast. Aber James und ich wurden weiter der Verwandtschaft vorgestellt.

Was dir an dem Abend passierte, war nicht deine Schuld. Sirius hatte zu viel Zauberpunsch getrunken. James versicherte ihm, dass es normaler Punsch sei und so hat Sirius ordentlich zugeschlagen. Du kennst ihn ja.

Sirius wusste heute früh nicht mehr was passiert war. Aber eines kann ich dir sagen, es ist ihm total peinlich. Soweit ich es beurteilen kann (und ich sitze ja genau an der Quelle) mag Sirius dich sehr. Es hat nicht nur der Zauberpunsch aus ihm gesprochen. Mach dir nicht immer so viele Gedanke! Du bist nicht langweilig. Im Gegenteil!

Sirius wird mit dir sprechen wollen, wenn wir wieder in Hogwarts sind. Wir sehen uns im Hogwarts Express.

Lily

Ja, so ging es. Nicht zuviel und nicht zu wenig. Den Rest sollten Alex und Sirius unter sich ausmachen. Kurze Zeit später sah sie Dawn, der Hauseule, nach, die den Brief überbringen sollte.